Vorwort Mai 2026

In dieser Ausgabe geht es um Karl-Heinz Kurras.

Karl-Heinz Kurras hatte traurige Berühmtheit erlangt, weil er während der Demonstration am 02.Juni 1967 in Westberlin den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte.

Im Jahre 2009 ist herausgekommen, dass Kurras für das MfS arbeitete.  Charlotte Müller, eine antifaschistische Widerstandskämpferin, die von den Faschisten im KZ Ravensbrück inhaftiert wurde, arbeitete später für das MfS und war lange Kurierin für Karl-Heinz Kurrras. Von der Erschießung von Benno Ohnesorg durch Karl-Heinz Kurras war das MfS überrascht worden. Kurras bekam keine weiteren Aufträge mehr vom MfS.

In diesem Beitrag werden die historischen Dokumente präsentiert. Es gibt Personenbeschreibungen zu Charlotte Müller, Karl-Heinz Kurras und Benno Ohnesorg.

Näheres siehe Inhaltsverzeichnis.

Inhaltsverzeichnis Mai 2026

 

Kalenderblatt

 

Abkürzungs- und Erläuterungsverzeichnis zu Karl-Heinz Kurras

 

Aktenspiegel – Personalakte von Karl-Heinz Kurras

 

Verpflichtung von Karl-Heinz Kurras

 

Vorschlag Einbau operativer Abhörtechnik

 

Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964 

 

Arbeitsweise der Abt. I der Westberliner Polizei

 

Antrag auf Ausstellung eines Passierscheins für die Aktion „Gast II“

 

Treffbericht vom 10. Juni 1965

 

Treffbericht mit „Bohl“, 03. November 1965

 

Arbeitsweise der Abteilung V mit Geheimdiensten

 

Treffbericht mit „Bohl“, 13.12.1965

 

Charlotte Müller (antifaschistische Widerstandskämpferin)

 

Karl-Heinz Kurras

 

Aufgaben zu Karl-Heinz Kurras

 

Benno Ohnesorg

Aktenspiegel – Personalakte von Karl-Heinz Kurras

Aktenspiegel

Personalakte Karl-Heinz Kurras

Dieses Dokument stammt aus dem Jahre 1955. (Damals gab es das Ministerium für Staatssicherheit nicht als eigenes Ministerium, sondern war als Staatssekretariat für Staatssicherheit dem Innenministerium unterstellt. Aufgrund der Ereignisse am 17. Juni 1953 wurde das Ministerium für Staatssicherheit für zwei Jahre zum Staatssekretariat heruntergestuft.P.R.

Der Tarnname von Karl-Heinz Kurras war „Otto Bohl“.

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Verpflichtung von Karl-Heinz Kurras

Verpflichtung von Karl-Heinz Kurras

Berlin, den 26. April 1955

Verpflichtung

Aus der Erkenntnis heraus, dass ich als Angehöriger der Stummpolizei keiner guten Sache diene, habe ich mich entschlossen, meine Arbeitskraft dem Friedenslager zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem ich politisch unbeschult bin, bin ich der Meinung, dass der Weg des Ostens die richtige Politik verkörpert.

Um bei dieser Entwicklung mitzuhelfen, bin ich bereit, dem mir bekannten Vertreter der Staatssicherheit Vorkommnisse aus der Stummpolizei wahrheitsgemäß zu berichten.

Ich erkläre mich bereit, gegenüber jedermann hinsichtlich meiner Tätigkeit größtes Stillschweigen zu wahren.

Ich stehe mit keiner anderen Organisation bzw. Personen betr. dieser und ähnlicher Arbeit in Verbindung.

Sollte ich angesprochen werden, so gebe ich sofort eine entsprechende Mitteilung.

Ich werde meine Berichte mit dem Decknamen „Otto Bohl“ unterzeichnen.

Karl-Heinz Kurras

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Transkript zu Dokument

Broschüre

Vorschlag: Einbau operativer Abhörtechnik

Berlin, den 23.11.1962

 

Vorschlag

Betr.:  Einbau der operativen Abhörtechnik

Zur Verbesserung der Informationstätigkeit und des Erhaltes von wichtigen Informationen aus der Westberliner Polizei besteht die Notwendigkeit der Anwendung der operativen Technik, um an Geheimnisträger aus der Westberliner Polizei heranzukommen.

Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, über den GM (das ist das was später in IM war P.R.

„Otto Bohl“ in dem Dienstzimmer des Leiters der Kriminalinspektion Tiergarten, Kriminalhauptkommissar (Name geschwärzt) die operative Abhörtechnik einzubauen.

Der GM hat die Möglichkeit, bei der Ausübung seines Dienstes auf der Kriminalinspektion Tiergarten unauffällig das Dienstzimmer des (Name geschwärzt) zu betreten. Der Schlüssel für die Dienstzimmer der Kriminalpolizei werden nach Beendigung des Dienstes beim Spätdienst abgegeben. Der Spätdienst führt in allen Diensträumen Kontrollen durch.

Diese Zeit kann der GM nutzen, um die Abhörtechnik in dem Dienstzimmer des (Name geschwärzt) einzubauen.

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964

Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964

Es wird vorgeschlagen, mit Hilfe des GM (GM ist das, was später IM waren. P.R.) Otto Bohl“ das Fahndungs- und Aufenthaltsermittlungsbuch der Westberliner Polizei zeitweilig in das demokratische Berlin zu holen und es fotokopieren zu lassen.

Die Aktion soll wie folgt durchgeführt werden:

Der GM „Bohl“ hat ständig die Möglichkeit das Fahndungs- und Aufenthaltsermittlungsbuch in Besitz zu bekommen. Die Fahndungsbücher liegen in den Diensträumen der Abteilung Kripo, ohne dass eine ständige Übersicht darüber besteht. Es ist eine übliche Erscheinung, dass Angehörige der Kripo bei bestimmten Ermittlungen die Fahndungsbücher mitnehmen. Darüber wird ebenfalls keine Kontrolle durch die Vorgesetzten ausgeübt.

Diese Situation wird für die Beschaffung der Unterlagen ausgenutzt.

Am 16.11.1964 plant der GM seine Arbeit, um in den Abendstunden Ermittlungen durchzuführen. Er nimmt zu diesen Ermittlungen die Fahndungsbücher mit. Gegen 16:00 Uhr verlässt er die Dienststelle und führt Ermittlungen durch. Während dieser Zeit befinden sich die Unterlagen in seiner Collegetasche. Nach den Ermittlungen legt er die Bücher in einen Campingbeutel. (Der GM hat ständig einen Campingbeutel bei sich, da er während der Dienstzeit Einkäufe tätigt. Während der Aktion hat der GM 2 Campingbeutel im Besitz.) Danach begibt sich der GM zum Treffort. Der Treffort befindet sich im Selbstbedienungsladen „Bolle“ am Hansaplatz.

Dort erwartet der GM gegen 17:00 Uhr den GHI „Lotte Schwarz“. Der GHI (später F-IM P.R.) „Lotte Schwarz“ sucht am 16.11.1964 gegen 15:30 Uhr über den Bahnhof Friedrichstraße Westberlin auf. Mit der S-Bahn fährt der GHI nach Gesundbrunnen um dort Geschäfte aufzusuchen. Dieses erfolgt mit dem Ziel der Absicherung des GHI. In der weiteren Folge benutzt der GHI die Straßenbahn und O-Bus um zum vereinbarten Treffort zu kommen.

Gegen 17:00 Uhr betritt der GHI den Laden um einige Kleinigkeiten zu kaufen. Im Laden trifft sich der GHI mit dem GM.

Der GM spricht den GHI an. Die Begrüßung erfolgt in der Form als ob sich alte Bekannte getroffen haben. Beide suchen noch bestimmte Waren aus. Dabei übergibt er GM dem GHI den Campingbeutel mit den Fahndungsbüchern. In den 2. Campingbeutel legt der GM die gekaufte Ware. (Logischerweise beim Einpacken nach Bezahlung der Ware. P.R.)

(Damals musste man umfangreiche Dokumente herumschleppen. Heute hätte man es einfacher, das alles auf kleinstem Raum elektronisch gespeichert werden kann. Doch nun haben wir eine andere Zeit. Die DDR ist längst Vergangenheit. P.R.)

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Arbeitsweise der Abt. I der Westberliner Polizei

Informationsbericht

Arbeitsweise der Abt. I der Westberliner Polizei

Die Abteilung I der Westberliner Polizei gliedert sich nach Inspektionen.

Die 2. Inspektion ist verantwortlich für die Abwehr der „Agenten des MfS“ und der anderen Nachrichtendienste der „Ostblockstaaten“.

Inspektionsleiter ist der Kriminalkommissar (Name geschwärzt).

Das 2. Kommissariat wird geleitet von Kriminaloberkommissar (Name geschwärzt).

Bei der Einführung von neuen Kräften in der Abt. I wird durch den Vorgesetzten die Bedeutung der Arbeit der Abt. I hervorgehoben. Gelichzeitig wird auf die „raffinierte Arbeit“ des MfS hingewiesen. Daraus wird dann geschlussfolgert, dass es notwendig ist die Angehörigen der Abt. I ständig zu überprüfen.

Jeder Neueingestellte muss eine Verpflichtung unterschreiben. Die Verpflichtung beinhaltet:

  • strengste Einhaltung der Schweigepflicht
  • Alle Ostkontakte sofort zu melden (Briefverkehr usw.)
  • Sich einverstanden erklären mit bestimmten Überprüfungen wie, Kontrolle bei Verlassen des Objektes, Beobachtung und Haussuchungen.

     

Innerhalb der Abt. I besteht eine besondere Gruppe, die für die Absicherung der Beamten der Abt. I verantwortlich sind.

Die Abteilung I arbeitet nicht mit V-Leuten.

Diese Arbeit führt der Verfassungsschutz durch.

Die Arbeit zwischen der Abt. I und dem Verfassungsschutz ist sehr eng koordiniert.

Alle Unterlagen (Akten, Vernehmungen) werden in 6-facher Ausführung angefertigt. Davon erhalten die Alliierten und der Verfassungsschutz Durchschläge.

Offiziere der Geheimdienste (Amerikaner, Engländer und Franzose) und ein Vertreter des Verfassungsschutzes holen täglich die Post von der Abt. I ab.

Bei der Abt. I sind Karteikarten vorhanden, wo konspirative Wohnungen, Telefonnummern usw. des MfS erfasst sind.

Bei der 2. Inspektion findet jeden Morgen eine kurze Dienstbesprechung statt. Dort werden die Mitarbeiter über die Aufgaben informiert.

Durch die Sicherheitsoffiziere der Alliierten werden konspirative Postkontrollen durchgeführt. Es wird sämtliche Post, die zur DDR geht, überprüft.

Die Abt. I und der Verfassungsschutz erhalten ebenfalls bestimmte Briefe zur Kontrolle.

Durch Mitarbeiter des Verfassungsschutzes werden folgende Aufgaben gelöst:

  1. Sämtliche Funksendungen werden abgehört und auf Tonband aufgenommen. Sie rätseln herum, können aber nichts dechiffrieren.
  2. Überwachung des Bahnhofes Friedrichstraße. Angehörige des Verfassungsschutzes als Reisende getarnt, mit Kleinstfotoapparaten ausgerüstet halten sich auf dem Bahnhof auf. Sie treten auch als Käufer bei INTERSHOP auf.                                                                                                                            INTERSHOP Friedrichstraße ist als Anlaufstelle für Mitarbeiter des MfS bekannt.

     

Von der Abt. I sind ca. 20 Beamte nach Bonn Godesberg geflogen. Sie werden von der Sicherungsgruppe Bonn in 3 Wochen geschult. Jeder Beamte der Abt. soll eine derartige Schulung erhalten. Weitere Schulungen sollen beim Bundesnachrichtendienst Gehlen erfolgen.

Bisher standen der Abt. I sämtliche Fluglisten der AIR FRANCE, der PAN AM und der BEA zur Verfügung. Seit Anfang Januar 1965 gibt die AIR FRANCE keine Listen mehr ab. Die Listen wurden bei der alliierten Kommandantur gesammelt.

Von der Abt. I wurden alle Häftlinge die auf Gnadenwege im Herbst 1964 entlassen wurden vernommen. Es werden solche Fragen gestellt wie: Unterkunft, Verpflegung, Namen von VP-Angehörigen, Namen von Mitarbeitern des MfS, wie verhaftet, wurde Verrat geübt, Denunzianten.

Zur Zeit sind Beamte der Sicherungsgruppe Bonn in Berlin und führen im Beisein von Kollegen der Abt. I Ermittlungen durch.     

(Bericht des GM „Bohl“)

Der GM ist zuverlässig.

Information darf nur konspirativ ausgewertet werden.

Unterzeichnet von

Leiter der Abteilung VII

Major Ehrhardt

und Oberleutnant           

Eiserbeck

Verteiler

  1. Ausführung: Gen. Oberstleutnant Kohrt
  2. Ausführung: Objektvorgang

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv -Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Antrag auf Ausstellung eines Passierscheines für die Aktion „Gast II“

Antrag auf Ausstellung eines Passierscheines für die Aktion „Gast II

Während des Treffs am 03.04.1965 äußerte der GM „Bohl“ die Bitte, ob die Möglichkeit besteht einen Passierschein für seine Schwiegermutter zu beschaffen.

Durch ein Verschulden des GM wurde der Antrag während der offiziellen Zeit in Westberlin nicht gestellt. Dadurch kommt seine Schwiegermutter nicht in den Besitz eines Passierscheines.

Der GM hat gegenüber seiner Schwiegermutter gesagt, dass er den Antrag als Nachzügler abgegeben hat und am Dienstag wird er den Passierschein bekommen.

Im Interesse seiner guten Zusammenarbeit mit dem GM und aufgrund der bisher geleisteten Arbeit wird vorgeschlagen einen Passierschein für die Schwiegermutter zu beschaffen. Durch diese Maßnahmen wird der GM nicht gefährdet.

Unterzeichner Majo Ehrhardt Leiter der Abteilung VII und Oberleutnant Eiserbeck

Stellvertreter Operativ

Oberst Kohrt

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre