Aufgaben zur Karl-Heinz Kurras

  1. Der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras bot 1955 dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) seine Mitarbeit an. Wie begründete er den Schritt in seiner Verpflichtung? (Dokument 2)
  2. Kurras lieferte dem MfS unter dem Decknamen „Otto Bohl“ jahrelang Stimmungsberichte und Ermittlungsakten, recherchierte nach Flüchtlingen aus der DDR im Westen und nach den Haltern von Fahrzeugen, deren Autokennzeichen in der DDR notiert waren. Anfang der 1960er Jahre übertrug ihm das MfS noch brisantere Aufträge. Welche werden in den Dokumente 3 und 4 genannt? Diskutieren Sie, warum dieser Aufträge Ihrer Meinung nach für das MfS wichtig waren.
  3. 1965 wechselte Kurras/“Otto Bohl“ zur Politischen Polizei in Westberlin. Wie beschrieb er in den Dokumenten 6 und 7 deren Tätigkeiten?
  4. Wie reagierte das MfS auf sein in Dokument 5 ersichtliches Ansinnen, trotz Verspätung noch einen Passierschein zu erhalten? Interpretieren Sie anhand des Dokuments das Verhältnis von „Bohl“ und MfS

Dokumentennummern nach der Nummerierung in der Broschüre.

Im November 1965 musste Kurras einen Kollegen und dessen Ehefrau wegen mutmaßlicher Spionage für die DDR verhaften. Die MfS Kurierin „L.S chwarz“ protokollierte, was Kurras ihr berichtet hatte und ihre Eindrücke von ihm. Da sie unter dem Decknamen „Pummel“ auch Verbindung zwischen den Verhafteten und dem MfS war, wurde sie vorsichtshalber von Einsätzen im Westen abgezogen. Doch auch dem neuen Kurier „Winter“ schildert Kurras/“Bohl“ seine Ansichten

5. Wie reagierte -laut Dokument 8- „Bohl“ auf die Nachricht von der bevorstehenden Verhaftung? Wie ging „L. Schwarz“ mit der Information und mit „Bohl“ um? Welchen Rückschluss lässt das Verhalten auf die Rolle von „L. Schwarz“ zu?

6. Interpretieren Sie die Aussage von Herrn Ebner, er habe lange nicht mehr in fremden Betten geschlafen“?

7. Welchen Nutzen hatte das MfS von dem ausführlichen Bericht von „Bohl“ in Dokument 9 über das Verhalten des Ehepaars Ebner?

8. Herr Ebner wurde 1966 wegen Landesverrats zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, seine Ehefrau zu 9 Monaten mit 5 Jahren Bewährung. Weshalb war das Strafmaß für Frau Ebner geringer als das ihres Mannes? Lesen Sie dazu Dokument 9 und notieren Sie die Gründe.

9. Lesen Sie in Dokument 10, wer die Unterlagen von Frau Ebner an sich gezogen hat. Was könnten die Gründe dafür sein?

Zusatzaufgabe

Karl-Heinz Kurras hat nach seinen tödlichen Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg 1967 vom MfS keine weiteren Aufträge mehr bekommen. Auch aus der Westberliner Abteilung der Politischen Polizei wurde er versetzt. Doch erst lange nach seiner Pensionierung und lange nach dem Ende der DDR wurde er als ehemaliger MfS-Mitarbeiter enttarnt. War er in ihren Augen ein erfolgreicher Spion? Stellen Sie in einer „Erfolg-Misserfolg“-Tabelle Ihre Argumente gegenüber. Diskutieren Sie aufgrund der Dokumente und mit Hilfe von Beispielen, welche Beweggründe Kurras für sein Handeln gehabt haben könnte.

 

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv.

Aufgaben

Lösungen Aufgaben zu Karl-Heinz Kurras

Aufgabe 1

Er gab politische Gründe an. Doch wie es sich später zeigte, hatte er sich nicht mit Weltpolitik auseinandergesetzt und sich nicht über den Schah von Persien informiert. So hielt er die Demonstrierenden gegen den Staatsbesuch des Schahs für Randalierer. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf.

Aufgabe 2

Es ging um die Installierung von Abhörtechnik im Dienstzimmer des Leiters der Kriminalinspektion Tiergarten und des Verbringens des Fahndungsbuches aus Westberlin zum MfS, um es zu fotokopieren.

Aufgabe 3

Kurras berichtet über die Struktur Abteilung I der Westberliner Polizei. Bericht über Anweisungen an die Mitarbeiter der Abteilung I (politische Polizei). Dann um Angehörige des MfS innerhalb der Westberliner Polizei und einen Doppelagenten, der auch für den Verfassungsschutz arbeitete.

Aufgabe 4

Der Passierschein für die Schwiegermutter von Kurras wird unbürokratisch ausgestellt, obwohl dieser verspätet beantragt wurde. Begründet wird dies mit der guten Arbeit von Kurras.

Aufgabe 5

„Bohl“ sah die Beweislage gegen Herrn Ebner als sehr schwach. „L. Schwarz“ meint zu „Bohl“, die Vernehmung von Herrn Ebner sei eine Bewährungsprobe für ihn. „Bohl“ meint, die Beweislage sei dünn und Herr Ebner kämme nach 2 Tagen wieder frei.

Aufgabe 6

Na ja, Herr Ebner hatte das Risiko der Verhaftung einkalkuliert und das Ganz erst Mal locker genommen. Darum dieser lockere Spruch.

Aufgabe 7

Welchen Nutzen hatte das MfS von dem ausführlichen Bericht von „Bohl“ über das Verhalten des Ehepaars Ebner? Na einen sehr großen Nutzen. Frau Ebner hatte alles verraten und ihren Mann „reingerissen“. Sie hatte auch „L. Schwarz“ (Klarname: Charlotte Müller) verraten. Da das MfS durch den ausführlichen Bericht von „Bohl“ rechtzeitig „Wind“ bekommen hatte, konnte es „L. Schwarz“ rechtzeitig abziehen. So blieb der Kurierin der Knast erspart. Insbesondere da sie ja bei den Nazis im KZ inhaftiert war.

Aufgabe 8

Sehr sinnig. Frau Ebner war die Verräterin und wurde dafür mit einer geringeren Haftstrafe belohnt.  Da Frau Ebner die Beweise geliefert hatte, musste Herr Ebner nun eine lange Haftstrafe antreten.

Aufgabe 9

Der Verfassungsschutz Westberlin hatte die Unterlagen der Frau Ebner übernommen. Was dieser damit gemacht hatte, ist nicht bekannt geworden.

Zusatzaufgabe:

Den Aufwand mit der Tabelle sparen wir uns. Karl-Heinz Kurras, Tarnname „Bohl“ hatte erfolgreich für das MfS gearbeitet. Durch seinen Bericht wurde Charlotte Müller, Tarnnamen „L. Schwarz“ und „Pummel“ der Knast erspart.  Sie wurde rechtzeitig von ihrer Arbeit in Westberlin abgezogen.

Kurras hatte zwar politische Gründe für seine Arbeit für das MfS. Allerdings sah er die Welt aus einer zu engen Perspektive. Er befasste sich nicht mit Weltpolitik. So war er nicht über den Schah von Persien informiert und warum es in Westberlin Proteste gegen dessen Staatsbesuch gab. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf. Für das MfS war diese Sache unangenehm. Das MfS trennte sich nicht offiziell von ihm und es gab keinen Abschlussbericht. Man ist ihn still und heimlich losgeworden.

 

 

Benno Ohnesorg

Benno Ohnesorg, geboren am 15. Oktober 1940 in Hannover, gestorben am 02. Juni in Westberlin war ein deutscher Student, der bei der Demonstration 02. Juni 1967 in Westberlin gegen den Staatsbesuch des Schahs von Persien, Mohammed Reza Pahlavi von Karl-Heinz Kurras erschossen wurde. Das machte ihn bekannt und trug wesentlich dazu bei, dass sich die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre bundesweit ausbreitete und radikalisierte. Sein Todestag gilt als Einschnitt der westdeutschen Nachkriegsgeschichte mit weitreichenden gesellschaftspolitischen Folgen.

Gedenktafel am Tatort, seit 2023
Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129594432

Der 26-jährige Ohnesorg war Pazifist, Mitglied einer evangelischen Studentengemeinde, er engagierte sich politisch und beschäftigte sich mit Kunst und Literatur. Er hinterließ seine Ehefrau und den bald nach seinem Tod geborenen Sohn Lukas Ohnesorg

Benno Ohnesorg war an Literatur und Kunst interessiert. Anfang 1960 bewarb er sich beim Braunschweig-Kolleg, um sein Abitur nachzuholen. Er wurde als einer von vierzig aus vierhundert Bewerbern für 1961 zugelassen.

Ohnesorg nutzte seine Schul- oder Semesterferien für Bildungsaufenthalte und Schulpraktika im Ausland.

1963 bestand er das Abitur.

Im Herbst 1963 bewarb sich Benno Ohnesorg an der Staatlichen Hochschule der Bildenden Künste in Westberlin, wurde aber abgelehnt.

1964 begann er an der Freien Universität in Westberlin Romanistik und Germanistik zu studieren mit dem Ziel Gymnasiallehrer zu werden.

Am 27. April 1967 heiratete er seine schwangere Freundin Christa.

Er nahm 1964 am Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin/DDR teil. Er erklärte seinem Freund Alex Schubert Theaterstücke von Bertold Brecht, war jedoch kein Marxist.

Er war Mitglied im Diskussionsclub „Argument“, unterschrieb eine Petition der „Kampagne für Abrüstung“ der Ostermarschbewegung und ging zu einer Demonstration gegen die Bildungspolitik des Westberliner Senats.

Im Frühjahr 1967 äußerte er sich öfter empört über die zunehmende Gewalt der Westberliner Polizei.

Besonders interessierte er sich für das Unrecht in „Dritte Welt“-Staaten.

Wie viele andere Studenten hatte sich Ohnesorg über die damaligen Zustände im Iran informiert.

Abends besuchte Ohnesorg den Jugendclub Ça Ira in Berlin-Wilmersdorf und diskutierte mit anderen Clubgästen über das Verhalten der Berliner Polizei bei Demonstrationen. Er hielt Berichte über deren Brutalität für überzogen und erhielt zur Antwort, er könne sich ja am Folgetag bei der geplanten Demonstration gegen den Schah selbst ein Bild davon machen.

Am Vormittag des 02. Juni hörte er im Rundfunksender RIAS, dass Schahanhänger am Rathaus Schöneberg auf friedliche Demonstranten einschlugen, die anwesende Polizei erst zuschaute und dann mitprügelte. Daraufhin beschlossen er und seine Frau Christa abends vor der Deutschen Oper gegen den Schah zu demonstrieren.

Vor dem Opernhaus hatten sich bis 19:00 Uhr etwa 2000 Demonstranten versammelt. Bis zum Eintreffen des Schahs um 20:00 Uhr griff die Polizei immer wieder Einzelne aus der Menge und misshandelte sie. Nachdem das Schahehepaar die Oper betreten hatte, begannen etwa 4000 Polizisten die Demonstration ohne Vorwarnung mit Knüppeln, Wasserwerfern und Reizgas gewaltsam aufzulösen. Benno und Christa Ohnesorg standen mit ihrem Bekannten Dietz Bering auf dem südlichen Gehweg und wurden mit der Menge zur Kreuzung Krumme Straße/Bismarckstraße gedrängt.

An der Einmündung der Krumme Straße bildete die Polizei ein enges Spalier mit Wasserwerfern. Polizisten in Zivilkleidung, darunter Karl-Heinz Kurras, verfolgten fliehende Demonstranten, um sie weiter zu verprügeln und vermeintliche Rädelsführer festzunehmen (intern „Fuchsjagd“ genannt). Ohnesorg sah, wie mehrere Zivilbeamte einen Mann in einen Innenhof des Gebäudes Krumme Straße Nr. 66/67 (heute: Schillerstraße 29) zerrten. Um zu beobachten, was dort mit ihm geschah, folgte er ihnen und trennte sich von seiner schwangeren Frau, die sich auf den Heimweg machte. Er trug an diesem Abend ein auffälliges hellrotes Hemd und Sandalen, woran Zeugen ihn später identifizierten.

Greiftrupps ziviler und uniformierter Polizisten schlugen und traten im Hinterhof mehrere Demonstranten. Andere versuchten die Schläger davon abzuhalten, bis weitere Polizisten dazukamen und sie hinaustrieben.

Etwa um 20:30 Uhr traf ein Schuss Ohnesorg aus etwa eineinhalb Metern Entfernung in den Hinterkopf. Mehrere Zeugen sahen und hörten Details des Vorgangs: Ohnesorgs Fluchtversuch, die ihn schlagenden Polizisten, seine gehobenen Hände (als Ergebungs- oder Beschwichtungsgeste gedeutet), einen Ruf „Bitte nicht schießen“ (wahrscheinlich von Ohnesorg selbst, als er die Waffe sah), Mündungsfeuer in Kopfhöhe, Ohnesorgs Sturz danach.[12] Auf einem erst nach 2009 digital aufgehellten Foto stützt sich Kurras mit der linken Hand auf der Schulter eines der drei Polizisten ab, wahrscheinlich um mit der rechten Hand auf Ohnesorg zu zielen, dessen nackte Füße in Sandalen am Boden erkennbar sind. Der Einsatzleiter Helmut Starke steht direkt hinter Kurras und schaut zu; er behauptete später, den Hof erst nach dem Schuss betreten zu haben.[13] Mehrere Zeugen hörten den Dialog des Polizisten Horst Geier mit Kurras: „Bist du denn wahnsinnig, hier zu schießen?“ – „Die ist mir losgegangen.“ Auf einer Tonbandaufnahme des Süddeutschen Rundfunks waren ein Schussgeräusch, gleich darauf einsetzende „Mörder, Mörder!“-Rufe und der Befehl einer männlichen Person: „Kurras, gleich nach hinten! Los! Schnell weg!“ zu hören. Die Aufnahme wurde im Kurrasprozess nicht als Beweismittel zugelassen und verschwand spurlos[14]

Die Überprüfung des damaligen Foto- und Filmmaterials durch die Bundesanwaltschaft (2009–2012) erhärtete den Verdacht, dass Kurras unbedrängt und gezielt auf Ohnesorg geschossen, seine Kollegen das aus nächster Nähe beobachtet und dann vertuscht hatten.[15] Historiker, Investigativjournalisten und Autoren neuer Dokumentationen werten die Tat seitdem als Mord[16]

Die Studentin Erika S. hatte den Knall gehört, aber nicht als Pistolenschuss gedeutet. Sie erreichte, dass die prügelnden Polizisten von dem Schwerverletzten abließen.[17] Friederike Hausmann und eine weitere Frau drehten Ohnesorg auf den Rücken und stützten seinen blutenden Kopf, wie ein berühmt gewordenes Foto zeigt[18]

Anwesende Polizisten weigerten sich zunächst, einen Krankenwagen zu holen. Bis zu dessen Eintreffen hinderten sie einen herbeigeeilten Medizinalassistenten daran, dem Verletzten Erste Hilfe zu leisten, obwohl der Mann sich auswies und seine Arzttasche vorzeigte. Nach seinen Angaben endete der zehnminütige Wortwechsel damit, dass die Polizei ihn als Kommunisten verdächtigte, als er auf seine Arzttätigkeit in Berlin/DDR hinwies.[19]

Gegen 20:50 Uhr traf der Krankenwagen ein. Die Fahrt ins Krankenhaus dauerte geschätzte 45 Minuten, da das zunächst angefahrene Albrecht-Achilles-Krankenhaus und die Westendklinik angaben, keine Betten für Verletzte mehr frei zu haben. Die Begleiter, ein Sanitäter und eine selbst verletzte Krankenschwester, versuchten während der Fahrt, Ohnesorgs Leben zu retten. Nach Aussage der Krankenschwester starb er in ihrem Beisein auf dem Transport. Gegen 21:35 Uhr erreichte der Wagen das Krankenhaus Moabit. Ein Arzt untersuchte Ohnesorg kurz und fragte die Sanitäter, weshalb sie einen Toten gebracht hätten. Laut Krankenhausakte trat Ohnesorgs Tod jedoch erst um 22:55 Uhr ein; als Todesursache wurde „Schädelbasisbruch“ angegeben.[20]

Nach damaligen Zeugenaussagen beteiligter Mediziner und Polizisten, die ab 2009 bekannt wurden, wurde Ohnesorg zunächst in einen Abstellraum der Klinik geschoben. Polizeikommissar Erich T. aus Kurras’ Abteilung besichtigte den Leichnam, sah das Einschussloch und erhielt dazu die Auskunft eines Arztes: „Das war wohl tödlich.“ Mehrere Polizeibeamte in Zivil waren anwesend und sprachen mit beteiligten Ärzten. Später wurde am leblosen Körper Ohnesorgs eine Wiederbelebung versucht. Sein Kopf wurde rasiert und geröntgt, so dass das Projektil darin hätte entdeckt werden können. Der beteiligte junge persische Assistenzarzt Homayoun T. war der Sohn des damaligen Wirtschaftsministers des Schahs, seine Familie war mit dem Schah befreundet. Er trug auf Anweisung seiner Vorgesetzten den falschen Todeszeitpunkt 22:55 Uhr in Ohnesorgs Totenschein ein. Dies sollte die Operation am Schädel des Toten wahrscheinlich als Rettungsversuch tarnen.[21] Dazu dokumentierte T. auch eine falsche Todesursache: „Schädelverletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung“.[15][22] Kurras durfte den Leichnam Ohnesorgs noch in der Nacht zum 3. Juni besichtigen. Ein weiterer Polizist behauptete dabei, der Tote sei „zu seinen Lebzeiten“ einer der „größten Krakeeler“ am Vorabend gewesen.[23]

Der Berliner Innensenator Wolfgang Büsch ordnete an, die zunächst für den 5. Juni 1967 angesetzte Obduktion schon am Vormittag des 3. Juni durchzuführen. Der obduzierende Arzt fand Prellungen und Hämatome am ganzen Leichnam Ohnesorgs.[24] Als Todesursache stellte er einen „Gehirnsteckschuss“ fest. Ein sechs mal vier Zentimeter großes Knochenstück der Schädeldecke mit dem Einschussloch war herausgesägt und die Kopfhaut darüber zugenäht worden. Der anwesende Rechtsanwalt Horst Mahler, damals Mitglied im SDS, heute Neonazi, deutete diesen Befund als Versuche, die Todesursache zu vertuschen. Uwe Soukup fasste die offenen Fragen 2007 dazu zusammen:[25]

„Warum wurde an einem Toten herumoperiert? Welchen medizinischen Sinn soll es haben, den Teil des Schädelknochens herauszusägen, in dem sich die Einschussstelle befindet? […] Wurde der Todeszeitpunkt auf 22:55 festgelegt, um die merkwürdige Behandlung des bereits Verstorbenen zu legitimieren, indem man sie als Rettungsversuch ausgibt? […] Obwohl die Einschussstelle freigelegt und daran herumoperiert worden war, will tatsächlich niemand die Schussverletzung bemerkt haben?“

Eine sofort angeordnete polizeiliche Suche nach dem Knochenstück blieb ergebnislos. Beteiligte Ärzte und Schwestern verwahrten sich gegen Manipulationsvorwürfe. Im späteren Freispruch für Kurras wurde bestätigt, Ohnesorg sei sehr wahrscheinlich noch nach dem Schuss verprügelt worden. Der behandelnde Arzt habe Einschuss, Schusskanal und Projektil im Gehirn nicht erkannt.[26]

Am 08.Juni 1967 fand zunächst eine Trauerfeier im Henry-Ford-Bau der FU Berlin für Ohnesorg statt. Danach wurde der Leichnam nach Hannover überführt.

Am 09. Juni 1967 fand ein Schweigemarsch von etwa 7000 Studenten durch die Innenstadt Hannovers statt.

Ohnesorg wurde auf dem Stadtteilfriedhof Bothfeld beerdigt. Als „bedeutendes Grab“ wird es seit 2019 von der Stadt Hannover gepflegt.

 

Grabstein der Eheleute Benno und Christa Ohnesorg; aufgenommen 2017
Bildquelle: Von Arieswings – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59569486

An fast allen Hochschulen demonstrierten zwischen dem 03. Und 09. Juni 1967 Studenten gegen Polizeigewalt, insgesamt über 100 000

Im November 1967 gebar Christa Ohnesorg den gemeinsamen Sohn Lukas, dessen Patenschaft Helmut Gollwitzer übernahm. Nach ihrem Tod im Jahr 2000 wurde sie neben ihrem Mann beerdigt.

Ohnesorgs Erschießung löste wochenlange Massendemonstrationen in ganz Westdeutschland aus und führte in den Folgemonaten zu den Rücktritten des Polizeipräsidenten, des Innensenators und des Regierenden Bürgermeisters von Westberlin, Heinrich Albertz. Dieser hatte zunächst den Studenten die Alleinschuld an Ohnesorgs Tod gegeben und musste wegen der ermittelten Tatsachen davon abrücken. Der Prozess gegen Kurras endete mit dessen Freispruch, wobei entscheidende Beweisstücke und Zeugenaussagen unberücksichtigt blieben. Obwohl das Revisionsverfahren die falschen Angaben von Kurras erwies, blieb er straffrei. Nachermittlungen seit 2009 erwiesen Vertuschungsversuche der Todesursache, Absprachen zwischen Polizei und Verteidigern von Kurras sowie Falschaussagen seiner Kollegen und Vorgesetzten im damaligen Prozess gegen ihn. Diese Vergehen sind bis heute nicht aufgearbeitet.[35]

 

Benno-Ohnesorg-Brücke in Hannover-Linden
Bildquelle: Von Foto: Axel Hindemith, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34549326

Bei der städtischen Gedenkfeier am 2. Juni 2017 vor dem Schöneberger Rathaus entschuldigte sich der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt für den damaligen Polizeieinsatz und die unzureichende juristische Aufarbeitung.[51]Die Zeitzeugen Wolfgang Wieland und Gretchen Dutschke-Klotz forderten einen Benno-Ohnesorg-Platz, eine Entschädigung für Lukas Ohnesorg und eine Erklärung zur Schuld von Kurras.[52]

Entnommen Wikipedia, bearbeitet und gekürzt von Petra Reichel