Treffbericht mit „Bohl“, 13. 12. 1965

 

 

Treff mit „Bohl“

Treff am:    08.12. 1965 um 18:05 Uhr

Treffort:   Schleusenbrücke

 

Weg zum Treff:

Ich bin um 17:45 Uhr am KPP Friedrich – Zimmerstraße gewesen. Die Kontrolle verlief ohne Vorkommnisse. Der Grund für das verspätete Passieren der Grenze bestand darin, dass der Container nicht funktionierte, obwohl ich am Abend vorher den Verschluss kontrolliert habe. Aus diesem Grunde konnte ich auch nicht den festgelegten Weg zum Treff einhalten und nahm deswegen am U-Bahnhof Kochstraße ein Taxi.

Mit dem Taxi fuhr ich bis zum Bahnhof Zoo.

Während der Fahrt achtete ich ob andere Fahrzeuge folgten. Dies war nach meiner Feststellung nicht der Fall.

Auf der rechten Straßenseite, wo ich ausgestiegen bin, war kein reger Verkehr.

Auf dem Weg zum Treffort wurde ich von 2 Männern überholt. (Ausländer)

Andere Personen folgten mir nicht

Um 18:05 Uhr war ich am Treffort, bin zur Brücke gegangen, umgekehrt und zum Schleusenkaffee zurückgegangen.

Vor dem Eingang stand „Bohl“.

Nach der Personenbeschreibung habe ich ihn sofort erkannt.

Bohl sprach mich an und fragte, ob ich Frau Schneider bin. Ich fragte darauf, ob er Herr Bohl ist. Als er diese bestätigte zeigte er auch gleich das Erkennungszeichen.

(Nächster Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.)

 

 

Wir sind zu Fuß in Richtung Ernst-Reuter-Platz gegangen. Dort suchten wir ein kleines Lokal auf.

Auf dem Weg zum Lokal teilte mir „Bohl“ folgendes mit

„Er kann zur Zeit nicht schreiben, da er sich verhalten muss, dass zu Hause nichts auffällt.

Aufgrund der Festnahme des Ebner muss er sehr vorsichtig sein.

Aus diesem Grunde hat er auch bei sich zu Hause Ordnung geschafft. Es ist in seiner Wohnung nichts vorhanden. Wie er sagte hat er alles beiseitegeschafft. Im Zusammenhang mit der Festnahme des Ehepaares Ebner berichtete „Bohl“:

 

  1. Die Ehefrau E. hat bei der Vernehmung ein umfassendes Geständnis abgelegt, und damit ihren Ehemann belastet. Der Chef hat die Vernehmung durchgeführt und der E. versprochen, wenn sie alles sagt, die sie zu Weihnachten frei ist.                                                                                     Durch die Aussage wurden Beweise gefunden:                                                                              -Sendegerät (war vergraben)                                                                                                           -Codematerial                                                                                                                                                  -Tablett                                                                                                                                                             -Hand- und Brieftasche.                                                                                                                                  Bohl schätzte ein, dass diese Gegenstände nie gefunden wären bzw. als solches erkannt worden wäre, wenn nicht die E. die Aussagen gemacht hätte.
  2. Als Verbindungsmann hat die Ebner „Pummel“ angegeben. Sie hat eine genaue Personenbeschreibung und die Personalien angegeben. Auch die Anschrift von „Pummel“ gab sie an. Auch nannte sie die Anschrift und Arbeitsstelle von der Schwester von „Pummel“.                                                                                         Die Ebner gab an, dass „Pummel“ an einem Treffen in Holland teilgenommen haben soll. Es soll sich um ein Treffen von KZ-Häftlingen gehandelt haben.                                                    Es wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um zu überprüfen, wer an dem Treffen teilgenommen hat.                                                                                                                             Die E. gab auch an, dass „Pummel“ in den nächsten Tagen wieder kommen will.                                    Aus diesem Grunde wurde Großfahndung nach „Pummel“ ausgeschrieben. Dazu wurden alle Grenzübergangsstellen besonders beobachtet. Die Beobachter hatten die genaue Personenbeschreibung und eine Skizze, die nach den Angaben der gefertigt wurde, von „Pummel“, bei sich. Wie „Bohl“ sagte, ist die Skizze sehr gelungen. Nach dieser Skizze kann man ohne weiteres „Pummel“ erkennen. Sehr verblüffend ist auch die Ähnlichkeit zwischen „Pummel“ und ihrer Schwester.                                                                         Die Schwester von „Pummel“ soll in den nächsten Tagen gehört werden.                                           Die Schwester und der Neffe von „Pummel“ werden überwacht.                                                                 So wird z.B. auch das Telefon des Neffen überwacht.                                                                                     Man rechnet sehr stark damit, dass „Pummel“ kommt.
  3. Die Ebner gab auch an, dass sie durch „Pummel“ am Vorabend gewarnt worden seien. Der Ebner dagegen gibt an, dass er die Stimme von „Pummel“ nicht erkannt hat, am Telefon. Er hat den Anruf für einen Scherz gehalten.                                                                                 In diesem Zusammenhang sagte „Bohl“, dass sich der Ebner sehr tapfer hält und nur das zugibt, was ihm bewiesen wird. Bei den Vernehmungen, die immer von 3 Mann durchgeführt werden, verhielt sich Ebner sehr ruhig. Er sagt z.B. nun Kinder ich bin ein alter Kommunist und reißt mir nicht gleich den Kopf ab. Ich sage sowieso nichts.                      „Bohl“ meint man müsste einen guten Anwalt für Ebner stellen. Gegenüber der Ebner vertritt er die Meinung, dass man sie vergiften sollte. Er hat eine große Wut auf sie und brachte das auch mit groben Schimpfwörtern zum Ausdruck.

(Ab da ist das Dokument durchgerissen. Es fehlt was. Noch ein kurzer Teil als Schluss)

Für die Rückfahrt benutzte ich die U-Bahn vom Ernst Reuter-Platz bis Hallisches Tor. Bin dort umgestiegen und fuhr bis Kochstr. Die Kontrolle an der Grenze verlief ohne Vorkommnisse. Während des Zusammenseins mit Bohl und auf dem Wege zurück konnte ich nichts Außergewöhnliches und Verdächtiges feststellen.

Gez. Winter (Winter war nun der neue Kurier)

F.d.R.d.A.

Oberleutnant Eiserbeck          

(Mensch was war die Frau Ebner für eine böse Frau. P.R.)

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“ herausgeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

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