
Treff mit „Bohl“
Treffzeit: 09.06.1965
Treffort: Berlin-Moabit- auf der Straße
Um 16:00 Uhr bin ich durch die Kontrolle Bhf.-Friedrichstraße gegangen und fuhr mit der U-Bahn nach Groß-Görschenstraße. Nahm dort einen Bus bis Spicherstraße und fuhr dann mit der U-Bahn nach Turmstraße. War dort um 17:10 Uhr und wartete auf „Bohl“. Da „Bohl“ in der Zeit zwischen 17:00 und 17.45 Uhr nicht kam, rief ich gegen 18:00 Uhr bei seiner Schwiegermutter an. Wie mir Bohl mitteilte war er bereits um 17:00 Uhr zu Hause. Nach dem Anruf kam Bohl sofort zum Treffort. Da das Fernsehcafé zu hatte, gingen wir spazieren. Wir nahmen einen Bus und fuhren einige Stationen. Dann suchten wir den Kleinen Tiergarten auf und setzten uns auf eine Bank.
„Bohl“ teilte mündlich folgendes mit
- Einen Bericht der sehr vertrauensvoll behandelt werden soll. Diesen Bericht fertigte ich extra an.
- Zur Zeit werden alte Akten überarbeitet, mit dem Ziel, neue Hinweise über Agenten, die in Westberlin tätig sind oder gewesen sind, zu erhalten. Gleichzeitig werden mit Hinweise erarbeitet, um Verbindungen in der DDR zu schaffen. Diese Hinweise sind an den amerikanischen Sicherheitsoffizier abzugeben. In diesem Zusammenhang hat „Bohl“ eine Akte bearbeitet, über einer ehemaligen Westberliner Kripo namens P. Dieser P. hat für das MfS gearbeitet und wurde in Westberlin verurteilt. Nach seiner Haft ist P. ins demokratische Berlin gegangen. Der P. wurde festgenommen durch einen Spitzel der in Weissensee wohnhaft ist. Dieser Spitzel hat mit dem MfS zusammengearbeitet und gleichzeitig für den Verfassungsschutz. Dieser Spitzel ist „Bohl“ bekannt und er wird die Personalien im nächsten Brief mitteilen. „Bohl“ konnte mir den Namen nicht nennen, da er die Personalien nicht auswendig kannte.
- Bei der Durchsicht der alten Akten hat „Bohl“ eine Akte über den Mitarbeiter des MfS, Hans Turm, gefunden. Es handelt sich dabei um Aussagen von Personen mit denen Turm zusammengearbeitet hatte. Über Turm befinden sich Einschätzungen, Personenbeschreibung usw. in dieser Akte. Ebenfalls ist angegeben, wo Turm seine Treffs durchgeführt hatte. Nach Meinung von „Bohl“ stimmen diese Angaben. „Bohl“ war darüber nicht besonders berührt. Er sagte, dass so etwas passieren kann.
- Die Mitarbeiter der Abteilung I. müssen sich mit einer Broschüre über den „Totalen Widerstand“ beschäftigen. Jeder Mitarbeiter muss diese Broschüre durcharbeiten und kann sie auch nach Hause nehmen. Inhalt dieser Broschüre ist der Umgang mit Waffen, Sprengstoff, Durchführung von Überfällen auf Personen und Objekten, sowie Probleme der illegalen Arbeit. „Bohl“ will diese Broschüre beim nächsten Treff übergeben, um sie fotokopieren zu lassen. Er möchte sie am nächsten Tag wieder zurückhaben.

Ein Kommentar zu „Treff-Bericht vom 10. Juni 1965“