Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964

Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964

Es wird vorgeschlagen, mit Hilfe des GM (GM ist das, was später IM waren. P.R.) Otto Bohl“ das Fahndungs- und Aufenthaltsermittlungsbuch der Westberliner Polizei zeitweilig in das demokratische Berlin zu holen und es fotokopieren zu lassen.

Die Aktion soll wie folgt durchgeführt werden:

Der GM „Bohl“ hat ständig die Möglichkeit das Fahndungs- und Aufenthaltsermittlungsbuch in Besitz zu bekommen. Die Fahndungsbücher liegen in den Diensträumen der Abteilung Kripo, ohne dass eine ständige Übersicht darüber besteht. Es ist eine übliche Erscheinung, dass Angehörige der Kripo bei bestimmten Ermittlungen die Fahndungsbücher mitnehmen. Darüber wird ebenfalls keine Kontrolle durch die Vorgesetzten ausgeübt.

Diese Situation wird für die Beschaffung der Unterlagen ausgenutzt.

Am 16.11.1964 plant der GM seine Arbeit, um in den Abendstunden Ermittlungen durchzuführen. Er nimmt zu diesen Ermittlungen die Fahndungsbücher mit. Gegen 16:00 Uhr verlässt er die Dienststelle und führt Ermittlungen durch. Während dieser Zeit befinden sich die Unterlagen in seiner Collegetasche. Nach den Ermittlungen legt er die Bücher in einen Campingbeutel. (Der GM hat ständig einen Campingbeutel bei sich, da er während der Dienstzeit Einkäufe tätigt. Während der Aktion hat der GM 2 Campingbeutel im Besitz.) Danach begibt sich der GM zum Treffort. Der Treffort befindet sich im Selbstbedienungsladen „Bolle“ am Hansaplatz.

Dort erwartet der GM gegen 17:00 Uhr den GHI „Lotte Schwarz“. Der GHI (später F-IM P.R.) „Lotte Schwarz“ sucht am 16.11.1964 gegen 15:30 Uhr über den Bahnhof Friedrichstraße Westberlin auf. Mit der S-Bahn fährt der GHI nach Gesundbrunnen um dort Geschäfte aufzusuchen. Dieses erfolgt mit dem Ziel der Absicherung des GHI. In der weiteren Folge benutzt der GHI die Straßenbahn und O-Bus um zum vereinbarten Treffort zu kommen.

Gegen 17:00 Uhr betritt der GHI den Laden um einige Kleinigkeiten zu kaufen. Im Laden trifft sich der GHI mit dem GM.

Der GM spricht den GHI an. Die Begrüßung erfolgt in der Form als ob sich alte Bekannte getroffen haben. Beide suchen noch bestimmte Waren aus. Dabei übergibt er GM dem GHI den Campingbeutel mit den Fahndungsbüchern. In den 2. Campingbeutel legt der GM die gekaufte Ware. (Logischerweise beim Einpacken nach Bezahlung der Ware. P.R.)

(Damals musste man umfangreiche Dokumente herumschleppen. Heute hätte man es einfacher, das alles auf kleinstem Raum elektronisch gespeichert werden kann. Doch nun haben wir eine andere Zeit. Die DDR ist längst Vergangenheit. P.R.)

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

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