Treff-Bericht vom 10. Juni 1965

 

 

Treff mit „Bohl“

Treffzeit: 09.06.1965

Treffort: Berlin-Moabit- auf der Straße

Um 16:00 Uhr bin ich durch die Kontrolle Bhf.-Friedrichstraße gegangen und fuhr mit der U-Bahn nach Groß-Görschenstraße. Nahm dort einen Bus bis Spicherstraße und fuhr dann mit der U-Bahn nach Turmstraße. War dort um 17:10 Uhr und wartete auf „Bohl“. Da „Bohl“ in der Zeit zwischen 17:00 und 17.45 Uhr nicht kam, rief ich gegen 18:00 Uhr bei seiner Schwiegermutter an. Wie mir Bohl mitteilte war er bereits um 17:00 Uhr zu Hause. Nach dem Anruf kam Bohl sofort zum Treffort. Da das Fernsehcafé zu hatte, gingen wir spazieren. Wir nahmen einen Bus und fuhren einige Stationen. Dann suchten wir den Kleinen Tiergarten auf und setzten uns auf eine Bank.

„Bohl“ teilte mündlich folgendes mit

  1. Einen Bericht der sehr vertrauensvoll behandelt werden soll. Diesen Bericht fertigte ich extra an.
  2. Zur Zeit werden alte Akten überarbeitet, mit dem Ziel, neue Hinweise über Agenten, die in Westberlin tätig sind oder gewesen sind, zu erhalten. Gleichzeitig werden mit Hinweise erarbeitet, um Verbindungen in der DDR zu schaffen. Diese Hinweise sind an den amerikanischen Sicherheitsoffizier abzugeben. In diesem Zusammenhang hat „Bohl“ eine Akte bearbeitet, über einer ehemaligen Westberliner Kripo namens P. Dieser P. hat für das MfS gearbeitet und wurde in Westberlin verurteilt. Nach seiner Haft ist P. ins demokratische Berlin gegangen. Der P. wurde festgenommen durch einen Spitzel der in Weissensee wohnhaft ist. Dieser Spitzel hat mit dem MfS zusammengearbeitet und gleichzeitig für den Verfassungsschutz. Dieser Spitzel ist „Bohl“ bekannt und er wird die Personalien im nächsten Brief mitteilen. „Bohl“ konnte mir den Namen nicht nennen, da er die Personalien nicht auswendig kannte.
  3. Bei der Durchsicht der alten Akten hat „Bohl“ eine Akte über den Mitarbeiter des MfS, Hans Turm, gefunden. Es handelt sich dabei um Aussagen von Personen mit denen Turm zusammengearbeitet hatte. Über Turm befinden sich Einschätzungen, Personenbeschreibung usw. in dieser Akte. Ebenfalls ist angegeben, wo Turm seine Treffs durchgeführt hatte. Nach Meinung von „Bohl“ stimmen diese Angaben. „Bohl“ war darüber nicht besonders berührt. Er sagte, dass so etwas passieren kann.
  4. Die Mitarbeiter der Abteilung I. müssen sich mit einer Broschüre über den „Totalen Widerstand“ beschäftigen. Jeder Mitarbeiter muss diese Broschüre durcharbeiten und kann sie auch nach Hause nehmen. Inhalt dieser Broschüre ist der Umgang mit Waffen, Sprengstoff, Durchführung von Überfällen auf Personen und Objekten, sowie Probleme der illegalen Arbeit. „Bohl“ will diese Broschüre beim nächsten Treff übergeben, um sie fotokopieren zu lassen. Er möchte sie am nächsten Tag wieder zurückhaben.

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Treffbericht mit „Bohl“, 03.November 1965

Bericht

Während des Treffs am 02.11.1965 teilte mir „Bohl“ folgendes mit

Am 03.11.1965 um 06:00 Uhr muss er einen Max Ebner verhaften. Den Haftbefehl wegen Verdacht der „Landesverräterischen Beziehungen“ hatte Bohl bei sich. Das Material gegen Ebner ist sehr schwach. Man hat keine Beweise für den Verdacht und hofft durch die Haussuchung welche zu erhalten. Deshalb sind 10 Mann der Abteilung I (Observationsgruppe) mit der Haussuchung beauftragt. „Bohl“ und ein anderer Beamte führen die Festnahme durch.

„Bohl“ hat die gesamten Akten und führt den Vorgang. Aus den Akten geht hervor, dass es sich bei Ebner um einen alten Kommunisten handelt, deshalb war Bohl der Meinung, man müsste Ebner sofort warnen. „Bohl“ meint, dass von der Festnahme ein großer Teil der Abteilung I sowie Mitarbeiter des Gerichts Kenntnis haben und man deshalb nicht feststellen kann, wer die Warnung ausgesprochen hat. Außerdem erfolgt keine Überwachung des Telefons und mit anderen Mitteln. Das geht auch aus dem Vorgang hervor.

Ich habe zu „Bohl“ gesagt, dass jetzt seine große Bewährung bevorsteht. Er muss die Vernehmung des Ebner sehr ordentlich durchführen, auch wenn es sich um einen alten Kommunisten handelte. Er darf nicht beeinflusst werden, bzw. die Arbeit durchführen.

Ob eine Warnung erfolgt, kann nur (Name geschwärzt) entscheiden. „Bohl“ vertrat noch die Ansicht, wenn bei der Haussuchung keine Beweise gefunden werden, wird Ebner in spätestens 2 Tagen entlassen. Die ganze Sache wird von (Name geschwärzt) organisiert, der unbedingt einen Erfolg erringen möchte.

Nachdem ich mich von „Bohl“ getrennt hatte, rief ich (Name geschwärzt) an. Zuerst war seine Frau am Apparat. Wir sprachen allgemein über ihren Geburtstag. Danach bat ich (Name geschwärzt) an den Apparat. Ich teilte ihm mit, dass ich eine grässliche Mitteilung hätte. Er soll es nicht so tragisch nehmen und den Kopf hochalten.

Er hatte sofort begriffen, worum es ging und sagte, die können mich mal.. Wie aus seinem Verhalten am Telefon zu entnehmen war, hat ihm diese Mitteilung nicht überrascht. Er war immer mit seinen Antworten witzig. So sagte er unter anderem: dass der sich freut, weil er schon lange nicht mehr in fremden Betten geschlafen hat.

L. Schwarz

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Arbeitsweise der Abteilung V mit Geheimdiensten

Bericht, 18.05.1967

Arbeitsweise der Abteilung V mit Geheimdiensten

Seit kurzer Zeit dürfen die Bediensteten der Abt. I mit Vertretern westlicher Nachrichtendienste nicht mehr verkehren.

Wünsche der westlichen Nachrichtendienste müssen im Geschäftszimmer vorgetragen werden.

Von dieser Stelle erhalten sie die Auskünfte bzw. die verlangten Unterlagen.

Dies gilt auch für das LfV. (Landesamt für Verfassungsschutz)

Ein Sachbearbeiter darf keinen direkten Kontakt unterhalten.

Das LfV (Landesamt für Verfassungsschutz) hat die Unterlagen der Frau Ebner übernommen. Von Seiten der Abt. I darf zur Zeit nichts unternommen werden. Was tatsächlich geschieht ist nicht bekannt.

 

Bericht des GM „Bohl“

GM wird als zuverlässig eingeschätzt.

Bericht darf nur intern ausgewertet werden.

Unterzeichner

Hauptmann Eiserbeck

Verteiler:

1 Exemplar Genosse Major Ehrhardt

1 Exemplar Ablage im OV

 

Original-Dokument

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Treffbericht mit „Bohl“, 13. 12. 1965

 

 

Treff mit „Bohl“

Treff am:    08.12. 1965 um 18:05 Uhr

Treffort:   Schleusenbrücke

 

Weg zum Treff:

Ich bin um 17:45 Uhr am KPP Friedrich – Zimmerstraße gewesen. Die Kontrolle verlief ohne Vorkommnisse. Der Grund für das verspätete Passieren der Grenze bestand darin, dass der Container nicht funktionierte, obwohl ich am Abend vorher den Verschluss kontrolliert habe. Aus diesem Grunde konnte ich auch nicht den festgelegten Weg zum Treff einhalten und nahm deswegen am U-Bahnhof Kochstraße ein Taxi.

Mit dem Taxi fuhr ich bis zum Bahnhof Zoo.

Während der Fahrt achtete ich ob andere Fahrzeuge folgten. Dies war nach meiner Feststellung nicht der Fall.

Auf der rechten Straßenseite, wo ich ausgestiegen bin, war kein reger Verkehr.

Auf dem Weg zum Treffort wurde ich von 2 Männern überholt. (Ausländer)

Andere Personen folgten mir nicht

Um 18:05 Uhr war ich am Treffort, bin zur Brücke gegangen, umgekehrt und zum Schleusenkaffee zurückgegangen.

Vor dem Eingang stand „Bohl“.

Nach der Personenbeschreibung habe ich ihn sofort erkannt.

Bohl sprach mich an und fragte, ob ich Frau Schneider bin. Ich fragte darauf, ob er Herr Bohl ist. Als er diese bestätigte zeigte er auch gleich das Erkennungszeichen.

(Nächster Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.)

 

 

Wir sind zu Fuß in Richtung Ernst-Reuter-Platz gegangen. Dort suchten wir ein kleines Lokal auf.

Auf dem Weg zum Lokal teilte mir „Bohl“ folgendes mit

„Er kann zur Zeit nicht schreiben, da er sich verhalten muss, dass zu Hause nichts auffällt.

Aufgrund der Festnahme des Ebner muss er sehr vorsichtig sein.

Aus diesem Grunde hat er auch bei sich zu Hause Ordnung geschafft. Es ist in seiner Wohnung nichts vorhanden. Wie er sagte hat er alles beiseitegeschafft. Im Zusammenhang mit der Festnahme des Ehepaares Ebner berichtete „Bohl“:

 

  1. Die Ehefrau E. hat bei der Vernehmung ein umfassendes Geständnis abgelegt, und damit ihren Ehemann belastet. Der Chef hat die Vernehmung durchgeführt und der E. versprochen, wenn sie alles sagt, die sie zu Weihnachten frei ist.                                                                                     Durch die Aussage wurden Beweise gefunden:                                                                              -Sendegerät (war vergraben)                                                                                                           -Codematerial                                                                                                                                                  -Tablett                                                                                                                                                             -Hand- und Brieftasche.                                                                                                                                  Bohl schätzte ein, dass diese Gegenstände nie gefunden wären bzw. als solches erkannt worden wäre, wenn nicht die E. die Aussagen gemacht hätte.
  2. Als Verbindungsmann hat die Ebner „Pummel“ angegeben. Sie hat eine genaue Personenbeschreibung und die Personalien angegeben. Auch die Anschrift von „Pummel“ gab sie an. Auch nannte sie die Anschrift und Arbeitsstelle von der Schwester von „Pummel“.                                                                                         Die Ebner gab an, dass „Pummel“ an einem Treffen in Holland teilgenommen haben soll. Es soll sich um ein Treffen von KZ-Häftlingen gehandelt haben.                                                    Es wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um zu überprüfen, wer an dem Treffen teilgenommen hat.                                                                                                                             Die E. gab auch an, dass „Pummel“ in den nächsten Tagen wieder kommen will.                                    Aus diesem Grunde wurde Großfahndung nach „Pummel“ ausgeschrieben. Dazu wurden alle Grenzübergangsstellen besonders beobachtet. Die Beobachter hatten die genaue Personenbeschreibung und eine Skizze, die nach den Angaben der gefertigt wurde, von „Pummel“, bei sich. Wie „Bohl“ sagte, ist die Skizze sehr gelungen. Nach dieser Skizze kann man ohne weiteres „Pummel“ erkennen. Sehr verblüffend ist auch die Ähnlichkeit zwischen „Pummel“ und ihrer Schwester.                                                                         Die Schwester von „Pummel“ soll in den nächsten Tagen gehört werden.                                           Die Schwester und der Neffe von „Pummel“ werden überwacht.                                                                 So wird z.B. auch das Telefon des Neffen überwacht.                                                                                     Man rechnet sehr stark damit, dass „Pummel“ kommt.
  3. Die Ebner gab auch an, dass sie durch „Pummel“ am Vorabend gewarnt worden seien. Der Ebner dagegen gibt an, dass er die Stimme von „Pummel“ nicht erkannt hat, am Telefon. Er hat den Anruf für einen Scherz gehalten.                                                                                 In diesem Zusammenhang sagte „Bohl“, dass sich der Ebner sehr tapfer hält und nur das zugibt, was ihm bewiesen wird. Bei den Vernehmungen, die immer von 3 Mann durchgeführt werden, verhielt sich Ebner sehr ruhig. Er sagt z.B. nun Kinder ich bin ein alter Kommunist und reißt mir nicht gleich den Kopf ab. Ich sage sowieso nichts.                      „Bohl“ meint man müsste einen guten Anwalt für Ebner stellen. Gegenüber der Ebner vertritt er die Meinung, dass man sie vergiften sollte. Er hat eine große Wut auf sie und brachte das auch mit groben Schimpfwörtern zum Ausdruck.

(Ab da ist das Dokument durchgerissen. Es fehlt was. Noch ein kurzer Teil als Schluss)

Für die Rückfahrt benutzte ich die U-Bahn vom Ernst Reuter-Platz bis Hallisches Tor. Bin dort umgestiegen und fuhr bis Kochstr. Die Kontrolle an der Grenze verlief ohne Vorkommnisse. Während des Zusammenseins mit Bohl und auf dem Wege zurück konnte ich nichts Außergewöhnliches und Verdächtiges feststellen.

Gez. Winter (Winter war nun der neue Kurier)

F.d.R.d.A.

Oberleutnant Eiserbeck          

(Mensch was war die Frau Ebner für eine böse Frau. P.R.)

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“ herausgeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Aufgaben zur Karl-Heinz Kurras

  1. Der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras bot 1955 dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) seine Mitarbeit an. Wie begründete er den Schritt in seiner Verpflichtung? (Dokument 2)
  2. Kurras lieferte dem MfS unter dem Decknamen „Otto Bohl“ jahrelang Stimmungsberichte und Ermittlungsakten, recherchierte nach Flüchtlingen aus der DDR im Westen und nach den Haltern von Fahrzeugen, deren Autokennzeichen in der DDR notiert waren. Anfang der 1960er Jahre übertrug ihm das MfS noch brisantere Aufträge. Welche werden in den Dokumente 3 und 4 genannt? Diskutieren Sie, warum dieser Aufträge Ihrer Meinung nach für das MfS wichtig waren.
  3. 1965 wechselte Kurras/“Otto Bohl“ zur Politischen Polizei in Westberlin. Wie beschrieb er in den Dokumenten 6 und 7 deren Tätigkeiten?
  4. Wie reagierte das MfS auf sein in Dokument 5 ersichtliches Ansinnen, trotz Verspätung noch einen Passierschein zu erhalten? Interpretieren Sie anhand des Dokuments das Verhältnis von „Bohl“ und MfS

Dokumentennummern nach der Nummerierung in der Broschüre.

Im November 1965 musste Kurras einen Kollegen und dessen Ehefrau wegen mutmaßlicher Spionage für die DDR verhaften. Die MfS Kurierin „L.S chwarz“ protokollierte, was Kurras ihr berichtet hatte und ihre Eindrücke von ihm. Da sie unter dem Decknamen „Pummel“ auch Verbindung zwischen den Verhafteten und dem MfS war, wurde sie vorsichtshalber von Einsätzen im Westen abgezogen. Doch auch dem neuen Kurier „Winter“ schildert Kurras/“Bohl“ seine Ansichten

5. Wie reagierte -laut Dokument 8- „Bohl“ auf die Nachricht von der bevorstehenden Verhaftung? Wie ging „L. Schwarz“ mit der Information und mit „Bohl“ um? Welchen Rückschluss lässt das Verhalten auf die Rolle von „L. Schwarz“ zu?

6. Interpretieren Sie die Aussage von Herrn Ebner, er habe lange nicht mehr in fremden Betten geschlafen“?

7. Welchen Nutzen hatte das MfS von dem ausführlichen Bericht von „Bohl“ in Dokument 9 über das Verhalten des Ehepaars Ebner?

8. Herr Ebner wurde 1966 wegen Landesverrats zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, seine Ehefrau zu 9 Monaten mit 5 Jahren Bewährung. Weshalb war das Strafmaß für Frau Ebner geringer als das ihres Mannes? Lesen Sie dazu Dokument 9 und notieren Sie die Gründe.

9. Lesen Sie in Dokument 10, wer die Unterlagen von Frau Ebner an sich gezogen hat. Was könnten die Gründe dafür sein?

Zusatzaufgabe

Karl-Heinz Kurras hat nach seinen tödlichen Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg 1967 vom MfS keine weiteren Aufträge mehr bekommen. Auch aus der Westberliner Abteilung der Politischen Polizei wurde er versetzt. Doch erst lange nach seiner Pensionierung und lange nach dem Ende der DDR wurde er als ehemaliger MfS-Mitarbeiter enttarnt. War er in ihren Augen ein erfolgreicher Spion? Stellen Sie in einer „Erfolg-Misserfolg“-Tabelle Ihre Argumente gegenüber. Diskutieren Sie aufgrund der Dokumente und mit Hilfe von Beispielen, welche Beweggründe Kurras für sein Handeln gehabt haben könnte.

 

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv.

Aufgaben

Lösungen Aufgaben zu Karl-Heinz Kurras

Aufgabe 1

Er gab politische Gründe an. Doch wie es sich später zeigte, hatte er sich nicht mit Weltpolitik auseinandergesetzt und sich nicht über den Schah von Persien informiert. So hielt er die Demonstrierenden gegen den Staatsbesuch des Schahs für Randalierer. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf.

Aufgabe 2

Es ging um die Installierung von Abhörtechnik im Dienstzimmer des Leiters der Kriminalinspektion Tiergarten und des Verbringens des Fahndungsbuches aus Westberlin zum MfS, um es zu fotokopieren.

Aufgabe 3

Kurras berichtet über die Struktur Abteilung I der Westberliner Polizei. Bericht über Anweisungen an die Mitarbeiter der Abteilung I (politische Polizei). Dann um Angehörige des MfS innerhalb der Westberliner Polizei und einen Doppelagenten, der auch für den Verfassungsschutz arbeitete.

Aufgabe 4

Der Passierschein für die Schwiegermutter von Kurras wird unbürokratisch ausgestellt, obwohl dieser verspätet beantragt wurde. Begründet wird dies mit der guten Arbeit von Kurras.

Aufgabe 5

„Bohl“ sah die Beweislage gegen Herrn Ebner als sehr schwach. „L. Schwarz“ meint zu „Bohl“, die Vernehmung von Herrn Ebner sei eine Bewährungsprobe für ihn. „Bohl“ meint, die Beweislage sei dünn und Herr Ebner kämme nach 2 Tagen wieder frei.

Aufgabe 6

Na ja, Herr Ebner hatte das Risiko der Verhaftung einkalkuliert und das Ganz erst Mal locker genommen. Darum dieser lockere Spruch.

Aufgabe 7

Welchen Nutzen hatte das MfS von dem ausführlichen Bericht von „Bohl“ über das Verhalten des Ehepaars Ebner? Na einen sehr großen Nutzen. Frau Ebner hatte alles verraten und ihren Mann „reingerissen“. Sie hatte auch „L. Schwarz“ (Klarname: Charlotte Müller) verraten. Da das MfS durch den ausführlichen Bericht von „Bohl“ rechtzeitig „Wind“ bekommen hatte, konnte es „L. Schwarz“ rechtzeitig abziehen. So blieb der Kurierin der Knast erspart. Insbesondere da sie ja bei den Nazis im KZ inhaftiert war.

Aufgabe 8

Sehr sinnig. Frau Ebner war die Verräterin und wurde dafür mit einer geringeren Haftstrafe belohnt.  Da Frau Ebner die Beweise geliefert hatte, musste Herr Ebner nun eine lange Haftstrafe antreten.

Aufgabe 9

Der Verfassungsschutz Westberlin hatte die Unterlagen der Frau Ebner übernommen. Was dieser damit gemacht hatte, ist nicht bekannt geworden.

Zusatzaufgabe:

Den Aufwand mit der Tabelle sparen wir uns. Karl-Heinz Kurras, Tarnname „Bohl“ hatte erfolgreich für das MfS gearbeitet. Durch seinen Bericht wurde Charlotte Müller, Tarnnamen „L. Schwarz“ und „Pummel“ der Knast erspart.  Sie wurde rechtzeitig von ihrer Arbeit in Westberlin abgezogen.

Kurras hatte zwar politische Gründe für seine Arbeit für das MfS. Allerdings sah er die Welt aus einer zu engen Perspektive. Er befasste sich nicht mit Weltpolitik. So war er nicht über den Schah von Persien informiert und warum es in Westberlin Proteste gegen dessen Staatsbesuch gab. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf. Für das MfS war diese Sache unangenehm. Das MfS trennte sich nicht offiziell von ihm und es gab keinen Abschlussbericht. Man ist ihn still und heimlich losgeworden.

 

 

Vorwort April 2026

DIE TROMMLER befasst sich nun mit dem Wirken des MfS im Westen (BRD und Westberlin 1952 bis 1989)

Da gibt es einiges Interessantes. Die Themenfelder reichen für die nächsten Ausgaben von DIE TROMMLER.

Es wird ein neuer Schwesterblog vorgestellt. Da wird u.a. die Auswertung veröffentlichter MfS-Akten zusammengefasst.

In dieser Ausgabe geht es um Wilhelm Meisner, der u.a. militärische Liegenschaften der US-Army in seiner Heimat auskundschaftete. Das war im Jahre 1952.  Er musste seine Tätigkeit für das MfS bald beenden, weil er bereits für die KPD politisch aktiv war. In der DDR trat die Regelung in Kraft, dass politische Aktivitäten im Westen und die Tätigkeit für das MfS nicht miteinander vereinbar sind und strikt getrennt werden. Diese Regelung bestand bis zum bitteren Ende im Jahre 1989.

Im Nachhinein muss man sagen, dass Wilhelm Meisner sehr mutig war und dass er diese Tätigkeit aus freien Stücken ausübte. So eine Entscheidung zu treffen war für Bürgerinnen und Bürger der BRD und Westberlins nicht einfach.

Wenn man sieht, dass die Amis in der Vergangenheit und erst recht in der Gegenwart die Welt mit Krieg und Elend überziehen, war das Handeln von Wilhelm Meisner vollkommen richtig. Schade, dass er seine geheime Mission nicht weiterführen konnte.

Petra Reichel

 

Siehe Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen.

Weiteres siehe Inhaltsverzeichnis.

Bericht über eine Absprache auf der Interzonenpassstelle

Bericht über eine Absprache auf der Interzonenpassstelle

Leipzig, den 02.12.1952

Betrifft: Meisner, Wilhelm,

geb. am (geschwärzt) 1928 in Hof am Rege/Regensburg

wohnhaft: Leipzig (der Rest geschwärzt)

Nationalität und Staatsangehörigkeit: deutsch (damals legte man noch nicht wert auf die eigenen Staatsbürgerschaften der DDR und der BRD).

Schulbildung: Volks-Berufsschule und Arbeiter- und Bauernfakultät

Erlernter Beruf: Bootsmann

Jetzige (damalige) Tätigkeit: Student

Arbeitsstellte: Institut für Publizistik, Leipzig 83, Tieckstr. 2-6

 

Schulbildung:

1935-43 Volksschule in Steffling/Bayern

1949-52 Arbeiter- und Bauernfakultät in Berlin

1952 bis jetzt (damals) Institut für Publizistik in Leipzig.

 

Arbeitsstellen:

Nach dem Besuch der Volksschule lernte Meisner als Schifferlehrling beim Bayrischen Loyd. 1943 bis 46 lernte er so das gesamte Donaugebiet und die Donauschifffahr kennen. Nach Beendigung der Lehre wurde er entlassen. Bis 1949 arbeitete er so als Hilfsarbeiter und Gelegenheitsarbeiter in der Landwirtschaft und in kleineren Betrieben im Gebiet von Regensburg. Durch die KPD wurde er 1949 zum Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät nach Berlin delegiert. Im Juni-Juli machte er sein Abitur und kam dann zum Studium an das Institut für Publizistik in Leipzig.

 

Politische Vergangenheit:

Bei seiner Lehrzeit und vor allem danach hatte er Verbindung zu Funktionären der KPD. Er nahm regelmäßig an Versammlungen und Unternehmungen der KPD in Regensburg teil. Er kannte persönlich den Kreissekretär der KPD der ihn von der Richtigkeit der Politik der DDR überzeugte. Auch unter den Jugendlichen hatte er zahlreiche Freunde, die ihn im fortschrittlichen Sinne beeinflussten. Obwohl er politisch in Westdeutschland nicht organisiert war, delegierte ihn die KPD zum Studium. In Berlin wurde er am 1. X.1949 (1. 10.1949 – in der DDR hatte man es mit den römischen Zahlen) Mitglied der FDJ, GDSF (Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft) und des FDGB. Meisner übte verschiedene Funktionen aus. Unter anderem war er Zirkelsekretär und Wandzeitungsredakteur.

Jetzt ist (damals war) er noch Mitglied der GST und der DS. Er beabsichtigt einen Antrag auf Kandidatur in der SED zu stellen. Er ist Mitglied der zentralen FDJ-Leitung der Universität Leipzig und Chefredakteur des zentralen Betriebsfunks der Universität. Nach dem 3-jährigen Studium soll er voraussichtlich eine Stellung als Redakteur der KPD-Zeitung „Bayrisches Volksecho“ in München antreten. Meisner ist außerordentlich von seinem Studium befriedigt. Es macht ihm viel Freude und er stellt sich den Beruf der Redakteur(e) und Journalisten interessant vor.

Nächste Abschnitte unleserlich.

In der Nähe seiner Heimat liegt der Truppenübungsplatz Hohenfels-Farsberg. Aus diesem Grunde sind in der Gegend viele Besatzungstruppen zu sehen. Meisner ist in seinem Heimatort als fortschrittlich bekannt. Aus diesem Grunde hat er auch vom Gemeindeschreiber keine Aufenthaltsgenehmigung für die Weihnachtsferien bekommen. Da er aber nicht Mitglied einer Organisation war muss es ihm möglich sein, sich von diesem Ruf zu lösen.

Meisner hat in Leipzig eine Verlobte, die er in Berlin als Tochter seiner Vermieter kennengelernt hatte. Diese Verlobte lebt mit ihren Eltern im Streit und ist deshalb vollkommen auf seine Unterstützung angewiesen. Er beabsichtigte mit ihr den Weihnachtsurlaub zu verbringen.

Meisner scheint intelligent und ehrlich zu sein. Er macht einen sicheren aber höflichen Eindruck. Er sprach gewandt aber nicht ohne etwas Nervosität. (Für einen BRD-Bürger ist das eine schwerwiegende Entscheidung und ein „großes Ding“. Da ist die Nervosität in diesem ersten Gespräch völlig normal.)

Es wird vorgeschlagen den Meisner als Informator für seine Tätigkeit im Institut für Publizistik zu werben. Sobald man ihn etwas näher kennengelernt hat, dann erwogen werden, ob er für eine Arbeit in Westdeutschland geeignet ist. Prinzipiell zu beobachten wäre, dass Meisner noch fast 3 Jahre in Leipzig zu studieren hätte.

Unterzeichnet von Geyer und Hutschenreuter

(Das in Klammern gesetzte kursiv geschriebene ist zum besseren Verständnis von Petra Reichel eingesetzt worden.)

 

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen

Abkürzungsverzeichnis

Bericht der Bezirksverwaltung Leipzig

Bezirksverwaltung Leipzig – Abteilung II.-   Leipzig, den 20.01. 1953

Bericht

Betrifft: Meisner, Wilhelm

Am 19.01.1953 meldete sich Meisner auf der Interzonenpassstelle. Er berichtete anschließend auf dem VPKA (Volkspolizei-Kreisamt) folgende Beobachtungen, die er bei seinem Aufenthalt in Westdeutschland gewann:

  1. Er hat festgestellt, dass der Bahnhof Farsberg (Truppenübungsplatz Hohenfels-Farsberg) erweitert wird. Es werden zahlreiche neue Gleisanlagen, Laderampen und Unterführungen gebaut-Außerdem sind große Zufahrtsstraßen zum Bahnhof angelegt worden. Am Bahnhof wird Tag und Nacht gearbeitet.
  2. Die Regentalstraße die nach der CSR (später CSSR, heute Tschechien) führt wird in voller Länge erneuert und teilweise verbreitert. Die Straße wird bis unmittelbar an die Grenze (Fürth im Walde) asphaltiert. Vor einigen Monaten war auf den Grenzstraßen auch in der Grenznähe auf der Regentalstraße sehr wenig Verkehr. Jetzt ist dort bis in die unmittelbare Grenznähe ein sehr starker Verkehr von schweren amerikanischen Lastwagen und Omnibussen. Die Lastwagen sind mit Planen verdeckt, so dass deren Last nicht zu sehen ist.
  3. Die Infanteriekasernen in Regensburg werden erweitert und zahlreiche neue Gebäude gebaut. In diesen Gebäuden befindet sich die sogenannte Westdeutsche Grenzschutzpolizei. Es werden dort laufend neue „Polizisten“ einquartiert. 500 Meter davon entfernt sind die amerikanischen Kasernen. In diesen Kasernen sind vor allem junge Farbige untergebracht(Damals herrschte in den USA die Rassentrennung. P.R.), die zu Übungen usw. nach Grafenwöhr gebracht werden. Im ganzen Gebiet sind neue amerikanische Truppen eingetroffen. Die Ausschreitungen der Truppen und die Zusammenstöße mit der Bevölkerung haben sich vermehrt. Die Bevölkerung verhalte sich gleichgültiger und träger als früher. Man habe sich bereits an die Zustände gewöhnt. Besonders trägt zu der passiven Haltung die außerordentliche starke Hetze und Verleumdung gegen die DDR und SU bei. Die Kirche ist in dieser Hinsicht ein Hauptantreiber.
  4. Wie er durch einen Freund erfahren hat, bekommt die deutsche Grenzpolizei durch Amerikaner in Grafenwöhr jetzt unter anderem eine Ausbildung an Panzerspähwagen. Dieser Freund stammt aus dem Heimatort des Meisner und ist ihm aber wie viele nur mit Vornamen bekannt. Er hat noch verschiedene Freunde, die jetzt bei der Bereitschaftspolizei sind. Besonders sein Bruder steht mit denen in Verbindung und kann von ihnen Dinge erfahren. Die Werbung für die Polizei ist sehr intensiv und auch erfolgreich. Weiterhin bemerkte er, dass der Flugplatz bei Cham erweitert und ausgebaut wird. Auch dort sind neue Truppe. Er hat noch einen Bekannten (Name geschwärzt), der Automechaniker bei einer Einheit der Bereitschaftspolizei in der Nähe von Stuttgart sei. Auch dort würde die „Polizei“ zur Zeit an Panzerspähwagen ausgebildet. Die politische Schulung wäre jetzt bei der eingeführt. Hauptinhalt der Schulung ist eine Hetze gegen die DDR und SU. Mit der (Name geschwärzt) sei er bekannt (in Hof). Der (Name geschwärzt) sei Angestellter bei einer amerikanischen Dienststelle.
  5. Nach seinen eigenen Beobachtungen ist die nächste CIC-Dienststelle in Regensburg, Landshuter Straße..Auch der BVSA sein in Regensburg. In der Straubingstraße in Regensburg sei ein „Flüchtlingslager“:

 

Bei seinem letzten Aufenthalt hat Meisner bei A (Rest des Namens geschwärzt) gewohnt. Der A. beschafft ihm die Aufenthaltsgenehmigung. A. sei in der Gegend einflussreich und will ihm einen westdeutschen Personalausweis beschaffen. Da Meisner zusammen mit einem Studienkameraden eine Schrift über Jugendkriminalität in Westdeutschland schreiben will, wird ihm sein Onkel eine Möglichkeit verschaffen, das Zuchthaus für jugendliche Schwerverbrecher in Straubing zu besuchen. Dicht daneben sie das amerikanische Militärzuchthaus

Meisner möchte Ostern wieder nach Westdeutschland und erklärte sich aus freien Stücken bereit dem Ministerium (für Staatssicherheit) behilflich zu sein. Er versicherte mehrfach, dass wir ihm vertrauen können.

Der nächste Treff wird brieflich vereinbart. Er bekam die Telefonnummer 31 669.

Die Schweigeverpflichtung schrieb er ohne Zögern, obwohl er zuerst eine Art Misstrauen darin sah.

Meisner hinterließ den Eindruck eines klugen, energischen, ehrlichen und sehr beweglichen Menschen. Er ist zur Mitarbeit sehr bereitwillig und trotzdem auf seine Sicherheit bedacht.

Unterzeichnet

Geyer und Hutschenreuter

(In Klammern und Kursivschrift Hinzufügungen von Petra Reichel zum besseren Verständnis.)

 

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen

Mündlicher Auftrag

Bezirksverwaltung Leipzig                                 26.03.1953

Betrifft: Mündlicher Auftrag

 

Der zur Anwerbung stehende

Meisner, Wilhelm, geb. (geschwärzt) 1928 in Hof am Regen, fährt am 28.03.1953 auf ca. 8 Tage nach Westdeutschland zu seinen Eltern, die (Wohnort geschwärzt) wohnen. Meisner verbringt dort seine Osterferien und nimmt an der Hochzeit seines Bruders in Grafenwiesen Kreis Regensburg teil.

Bei seinem Aufenthalt soll er zugleich im Rahmen seiner Möglichkeiten feststellen, welch

  1. Dienststellen des amerikanischen Geheimdienstes im Kreis Regensburg, sich befinden. Nach   Möglichkeit die Lage der Dienststellen, feststellen und welches Personal auf diesen Dienststellen tätig ist.
  2. Welche militärischen Objekte befinden sich im Bezirk Regensburg? Dabei ist besonders acht zu geben in der Nähe des Truppenübungsplatzes Hohenfels/Farsberg und des Flugplatzes Cham.                                                                   Hier interessiert der Charakter, Lage und Beschaffenheit dieser Objekte.                  Welche Einheiten befinden sich in dem Objekt und wie sind diese ausgerüstet?       Zahl der dort stationierten Truppen.
  3. Welche Veränderungen werden an den Verkehrsverhältnissen im Bezirk Regensburg vorgenommen? (Straßenbauten in Richtung der CSR (später CSSR, heute Tschechien) -Grenze, Eisenbahnbauten). Zu welchem Zweck erfolgen diese Veränderungen und wo werden sie vorgenommen?      Umfang dieser Bauten.
  4. Welche Polizeidienststellen offiziellen und geheimen Charakters der Bundesregierung befinden sich im Kreis Regensburg? Genaue Lage dieser Dienststellen, Art der Dienststellen und wenn möglich, welches Personal ist dort tätig?
  5. Wo befinden sich im Kreis Regensburg westdeutsche Söldnereinheiten? Womit sind sie ausgerüstet, welche Ausbildung erhalten sie?

 

 

Meisner soll keine ihm unbekannten Personen in dieser Hinsicht befragen. Bei eigenen Beobachtungen von militärischen Objekten muss der Aufenthalt in der Nähe solcher Objekte jederzeit gerechtfertigt und natürlich wirken. Meisner soll unter keinen Umständen Beobachtungen treffen die seine Person gefährden könnten

Sollte er bei seinem Aufenthalt in Westdeutschland von Organen der westlichen Besatzungsmacht oder der deutschen Behörden vernommen werden, darf er in keinem Fall seine Verbindung zum Ministerium für Staatssicherheit preisgeben. Über seinen Aufenthalt in Westdeutschland eventuell befragt, muss er angeben, dass er nur zum Zweck der Hochzeit seines Bruders teilzunehmen, sich in Westdeutschland aufhält. („Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“)

 

Sein Verhalten in Westdeutschland garantiere ihm persönliche Sicherheit.

Nach seiner Rückkehr nach Leipzig muss er sofort das MfS verständigen.

Unterzeichnet von

Abteilungsleiter Meyer

 

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen

Bericht von Meisner

Bezirksverwaltung Leipzig                         Leipzig, den 14.04.1953

Abteilung II                                                    Streng geheim

                                                                         Entgegengenommen von Geyer am 13.04.1959

Meissner

Bericht

Am 28.03.1953 fuhr ich mit dem Interzonenzug von Leipzig über Probstzella-Ludwigstadt nach Nürnberg. Von dort weiter nach Regen am Hof. Die Kontrolle von Seiten der Volkspolizei war wie üblich. Von Seiten der westlichen Zollbehörden stellte ich dieses Mal sechs bis sieben Mann fest, welche kontrollierten. Einer von diesen fragte sich wo der Interzonenpass ausgestellt sei. Ich sagte ihm in Leipzig. Er fragte darauf ferner wo ich die doppelte Ausführung meiner Aufenthaltsgenehmigung hätte. Ich entgegnete ihm, dass ich nur eine habe. Von Ludwigstadt fuhr ich gegen 2:36 Uhr weiter nach Hof am Regen, wo ich gegen 10:00 Uhr am 29.03.1953 eintraf. Am gleichen Tage hatte mein Bruder Hochzeit an der ich teilnahm. Ich blieb bei meinen Eltern bis einschließlich 05.04.1953. Von hier aus fuhr ich nach Berlin über die Grenzorte Ludwigstadt-Probstzella. Der Grenzübertritt war normal auf beiden Seiten, er erfolgte ohne Beanstandung. In Berlin besuchte ich meine Braut bis einschließlich Donnerstag, den 09.04.1953. Von hier aus führ ich mit meiner Braut nach Leipzig zurück.

Während meines Aufenthaltes in Hof am Regen sind mein Bruder und ich nach Cham mit dem Motorrad gefahren. Mein Bruder hatte in Cham in der Lagerhausgenossenschaft etwas zu erledigen. Bei diesem Besuch stellte ich fest:

  1. Im Rodinger Forst, wo die ehemaligen Messerschmidt-Zweigwerke standen, werden von den Amerikanern große Materiallager angelegt. Ein großes Gebiet ist eingezäunt und es ist unmöglich dies zu betreten. Dieses Lager befindet sich ca. 35 bis 40 km von der Staatsgrenze der CST (später CSSR, heute Tschechien). Dieses erzählte mir mein Bruder (Name geschwärzt). Mein Bruder erzählte mir ferner, dass im Haidhof, im Forst Kreis Burgenlangenfeld, ebenfalls amerikanische Waffenlager angelegt wurden. Den Umfang des Lagers kannte mein Bruder nicht.                                                        In Cham selber wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. Ich beobachtete, dass dort zwei zweimotorige Flugzeuge auf dem Paltz standen, während die anderen Maschinen in den Flughallen untergebracht waren. Mein Bruder berichtete mir noch, dass in der Nähe des Flugplatzes sehr bald Kasernen gebaut werden sollen.
  2. In der Gegend von Regensburg -Neustadt. Abensberg (Niederbayern) -Krw. Kelheim, befindet sich ein großer Übungsplatz für amerikanische Düsenflugzeuge. Der Übungsplatz befindet sich schon seit der Nazizeit dort. Nach Kriegsende erhielten die Bauern die Wälder wieder zurück und 1948 haben die Amerikaner die Wälder wieder beschlagnahmt. Sie sind bestrebt diesen Übungsplatz ständig zu vergrößern. Diesen Platz sah ich in den letzten Jahren wiederholt, zum letzten Mal im Sommer 1952-
  3. In Parsberg bei Regensburg wurden inzwischen neue Gleisanlagen auf dem Bahnhof gelegt. Ich beobachtete drei bis vier Gleisanlagen. Ich sah auf dem Bahnhof amerikanische Soldaten, die aus einem Güterzug größere Kisten auf Lastwagen verluden. Zu diesen neuen Gleisanlagen wurden Anfahrtsstraßen gebaut.
  4. In Regensburg besuchte ich meinen Freund (Name geschwärzt), ca. 19 Jahre alt, von Beruf Steinsetzerlehrling, wohnhaft in Regensburg, (Straße und Hausnummer geschwärzt) ist KPD-Genosse und gilt als zuverlässig. (Name geschwärzt) erzählte mir:

a) Die CIC-Dienststelle befindet sich im Gebäude der amerikanischen Militärregierung in Regensburg, Dachauer Platz. Die Unterkünfte des CIC befinden sich Regensburg, Landauer Str. in der ehemaligen Infanteriekaserne.

b) Der BVSA (Bundesverfassungsschutzamt) befindet sich Regensburg, ebenfalls Dachauer Platz. Diese BVSA-Dienststelle nennt sich Sonderabteilung der Polizei. Zum Aufbau dieser Dienststelle wurde ein (geschwärzt) aus München geholt, der sich durch brutales Vorgehen gegen die Friedenskämpfer schon bewährte.

c) Die amerikanischen Offiziere sind mit ihren Familien im Villenviertel Regensburg, Prüfingerstr. Untergebracht.

d) In Regensburg befinden sich ungefähr zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei. Sie sind ebenfalls in den Infanteriekasernen in der Landshuter Straße untergebracht. Sie sind mit leichten Infanteriewaffen (Maschinengewehre und Wasserwerfern) ausgerüstet.

Mein Cousin (Name geschwärzt) der Sohn meines Onkels, ebenfalls (geschwärzt) wurde vom Arbeitsamt Cham nach Kaiserslautern zwangsverpflichtet. Er ist jetzt in Siegelbach bei Kaiserslautern wohnhaft und arbeitet als Maurer an einem Kasernenbau. Er ist 19 Jahre alt, politisch nicht organisiert und auch nicht zuverlässig. Ich hatte Gelegenheit, während der Osterferien meinen Cousin zu sprechen. Er erzählte mir, dass er in den Wäldern um Siegelbach große Kasernen, Materiallager und Bunker gebaut werden. Bei den Bunkern handelt es sich um Verteidigungsbunker. Diese Bauten werden in sehr großer Eile im Tag- und Nachtbetrieb errichtet.

5. Die Regenstaufer Regenbrücke, über die die Straße von Regensburg über Parsberg Grafenwöhr nach Hof in Bayern führt, wurde durch neue Betonsockel verstärkt und etwas erweitert.

6. Die Regenbrücke in Nittenau, an der Straße Regensburg-Fürth im Walde, (an der CSR-Staatsgrenze/später CSSR/heute Tschechien) wurde vollkommen neu gebaut.

7. Auf dem Nürnberger Hauptbahnhof habe ich während meines Aufenthaltes am 29.03.1953 beobachtet, wie ungefähr zwei amerikanische Kompanien in Kriegsausrüstung in einen Personenzug stiegen. Jeder Waggon hatte einen weißen Streifen mit der Nr. RC 190. Dieselbe Nummer sah ich in Parsberg an Güterwaggons.

8. Während meines kurzen Aufenthaltes am Bahnhof in Lichtenfels, auf der Fahrt nach Regen am Hof, beobachtete ich 4:00 Uhr einen Güterzug, beladen mit Panzern und Kraftwagen, die teilweise mit Planen überdeckt waren. Ich zählte ca. 20 Panzer. Der Zug wurde durch amerikanische Soldaten bewacht. Der Zug stand mit der Lokomotive in Richtung Norden.

gez. Meisner

Ob die Leute, die Wilhelm Meisner irgendetwas erzählt hatten, davon Kenntnis hatten, dass das beim MfS landet oder ob sie ahnungslos waren? Das geht aus dem Dokument nicht hervor. Vermutlich waren diese Leute ahnungslos.

Sieh an: Bereits damals im Jahre 1953, inmitten der Zeit des Wirtschaftswunders und der Aufbaujahre gab es Arbeitslosigkeit und Zwangsmaßnahmen des Arbeitsamtes. Genau, wie die heutigen Jobcenter, hatte das damalige Arbeitsamt immer bestimmte Leute im Visier, während bei anderen alles locker gesehen wurde und wird.

Der Cousin von Wilhelm Meisner wird zu einem Fernumzug nach Kaiserlautern gezwungen.  Das ist eine wichtige Liegenschaft der US-Amerikaner geworden. Der Cousin von Wilhelm Meisner wirkte am Aufbau mit. Kaiserslautern wird von den US-Amerikanern K-Town genannt.

 Während es heute mit dem Bauen eine Katastrophe ist, Straßen und Brücken bröckeln, so waren damals genügend Mittel für Baumaßnahmen da. Diese Baumaßnahmen waren allerdings für das Militär nützlich. Der Nutzen für die Zivilbevölkerung war nebensächlich.

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen