Vorschlag: Einbau operativer Abhörtechnik

Berlin, den 23.11.1962

 

Vorschlag

Betr.:  Einbau der operativen Abhörtechnik

Zur Verbesserung der Informationstätigkeit und des Erhaltes von wichtigen Informationen aus der Westberliner Polizei besteht die Notwendigkeit der Anwendung der operativen Technik, um an Geheimnisträger aus der Westberliner Polizei heranzukommen.

Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, über den GM (das ist das was später in IM war P.R.

„Otto Bohl“ in dem Dienstzimmer des Leiters der Kriminalinspektion Tiergarten, Kriminalhauptkommissar (Name geschwärzt) die operative Abhörtechnik einzubauen.

Der GM hat die Möglichkeit, bei der Ausübung seines Dienstes auf der Kriminalinspektion Tiergarten unauffällig das Dienstzimmer des (Name geschwärzt) zu betreten. Der Schlüssel für die Dienstzimmer der Kriminalpolizei werden nach Beendigung des Dienstes beim Spätdienst abgegeben. Der Spätdienst führt in allen Diensträumen Kontrollen durch.

Diese Zeit kann der GM nutzen, um die Abhörtechnik in dem Dienstzimmer des (Name geschwärzt) einzubauen.

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964

Vorschlag zur Beschaffung des Fahndungsbuches der Westberliner Polizei am 16.11.1964

Es wird vorgeschlagen, mit Hilfe des GM (GM ist das, was später IM waren. P.R.) Otto Bohl“ das Fahndungs- und Aufenthaltsermittlungsbuch der Westberliner Polizei zeitweilig in das demokratische Berlin zu holen und es fotokopieren zu lassen.

Die Aktion soll wie folgt durchgeführt werden:

Der GM „Bohl“ hat ständig die Möglichkeit das Fahndungs- und Aufenthaltsermittlungsbuch in Besitz zu bekommen. Die Fahndungsbücher liegen in den Diensträumen der Abteilung Kripo, ohne dass eine ständige Übersicht darüber besteht. Es ist eine übliche Erscheinung, dass Angehörige der Kripo bei bestimmten Ermittlungen die Fahndungsbücher mitnehmen. Darüber wird ebenfalls keine Kontrolle durch die Vorgesetzten ausgeübt.

Diese Situation wird für die Beschaffung der Unterlagen ausgenutzt.

Am 16.11.1964 plant der GM seine Arbeit, um in den Abendstunden Ermittlungen durchzuführen. Er nimmt zu diesen Ermittlungen die Fahndungsbücher mit. Gegen 16:00 Uhr verlässt er die Dienststelle und führt Ermittlungen durch. Während dieser Zeit befinden sich die Unterlagen in seiner Collegetasche. Nach den Ermittlungen legt er die Bücher in einen Campingbeutel. (Der GM hat ständig einen Campingbeutel bei sich, da er während der Dienstzeit Einkäufe tätigt. Während der Aktion hat der GM 2 Campingbeutel im Besitz.) Danach begibt sich der GM zum Treffort. Der Treffort befindet sich im Selbstbedienungsladen „Bolle“ am Hansaplatz.

Dort erwartet der GM gegen 17:00 Uhr den GHI „Lotte Schwarz“. Der GHI (später F-IM P.R.) „Lotte Schwarz“ sucht am 16.11.1964 gegen 15:30 Uhr über den Bahnhof Friedrichstraße Westberlin auf. Mit der S-Bahn fährt der GHI nach Gesundbrunnen um dort Geschäfte aufzusuchen. Dieses erfolgt mit dem Ziel der Absicherung des GHI. In der weiteren Folge benutzt der GHI die Straßenbahn und O-Bus um zum vereinbarten Treffort zu kommen.

Gegen 17:00 Uhr betritt der GHI den Laden um einige Kleinigkeiten zu kaufen. Im Laden trifft sich der GHI mit dem GM.

Der GM spricht den GHI an. Die Begrüßung erfolgt in der Form als ob sich alte Bekannte getroffen haben. Beide suchen noch bestimmte Waren aus. Dabei übergibt er GM dem GHI den Campingbeutel mit den Fahndungsbüchern. In den 2. Campingbeutel legt der GM die gekaufte Ware. (Logischerweise beim Einpacken nach Bezahlung der Ware. P.R.)

(Damals musste man umfangreiche Dokumente herumschleppen. Heute hätte man es einfacher, das alles auf kleinstem Raum elektronisch gespeichert werden kann. Doch nun haben wir eine andere Zeit. Die DDR ist längst Vergangenheit. P.R.)

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Arbeitsweise der Abt. I der Westberliner Polizei

Informationsbericht

Arbeitsweise der Abt. I der Westberliner Polizei

Die Abteilung I der Westberliner Polizei gliedert sich nach Inspektionen.

Die 2. Inspektion ist verantwortlich für die Abwehr der „Agenten des MfS“ und der anderen Nachrichtendienste der „Ostblockstaaten“.

Inspektionsleiter ist der Kriminalkommissar (Name geschwärzt).

Das 2. Kommissariat wird geleitet von Kriminaloberkommissar (Name geschwärzt).

Bei der Einführung von neuen Kräften in der Abt. I wird durch den Vorgesetzten die Bedeutung der Arbeit der Abt. I hervorgehoben. Gelichzeitig wird auf die „raffinierte Arbeit“ des MfS hingewiesen. Daraus wird dann geschlussfolgert, dass es notwendig ist die Angehörigen der Abt. I ständig zu überprüfen.

Jeder Neueingestellte muss eine Verpflichtung unterschreiben. Die Verpflichtung beinhaltet:

  • strengste Einhaltung der Schweigepflicht
  • Alle Ostkontakte sofort zu melden (Briefverkehr usw.)
  • Sich einverstanden erklären mit bestimmten Überprüfungen wie, Kontrolle bei Verlassen des Objektes, Beobachtung und Haussuchungen.

     

Innerhalb der Abt. I besteht eine besondere Gruppe, die für die Absicherung der Beamten der Abt. I verantwortlich sind.

Die Abteilung I arbeitet nicht mit V-Leuten.

Diese Arbeit führt der Verfassungsschutz durch.

Die Arbeit zwischen der Abt. I und dem Verfassungsschutz ist sehr eng koordiniert.

Alle Unterlagen (Akten, Vernehmungen) werden in 6-facher Ausführung angefertigt. Davon erhalten die Alliierten und der Verfassungsschutz Durchschläge.

Offiziere der Geheimdienste (Amerikaner, Engländer und Franzose) und ein Vertreter des Verfassungsschutzes holen täglich die Post von der Abt. I ab.

Bei der Abt. I sind Karteikarten vorhanden, wo konspirative Wohnungen, Telefonnummern usw. des MfS erfasst sind.

Bei der 2. Inspektion findet jeden Morgen eine kurze Dienstbesprechung statt. Dort werden die Mitarbeiter über die Aufgaben informiert.

Durch die Sicherheitsoffiziere der Alliierten werden konspirative Postkontrollen durchgeführt. Es wird sämtliche Post, die zur DDR geht, überprüft.

Die Abt. I und der Verfassungsschutz erhalten ebenfalls bestimmte Briefe zur Kontrolle.

Durch Mitarbeiter des Verfassungsschutzes werden folgende Aufgaben gelöst:

  1. Sämtliche Funksendungen werden abgehört und auf Tonband aufgenommen. Sie rätseln herum, können aber nichts dechiffrieren.
  2. Überwachung des Bahnhofes Friedrichstraße. Angehörige des Verfassungsschutzes als Reisende getarnt, mit Kleinstfotoapparaten ausgerüstet halten sich auf dem Bahnhof auf. Sie treten auch als Käufer bei INTERSHOP auf.                                                                                                                            INTERSHOP Friedrichstraße ist als Anlaufstelle für Mitarbeiter des MfS bekannt.

     

Von der Abt. I sind ca. 20 Beamte nach Bonn Godesberg geflogen. Sie werden von der Sicherungsgruppe Bonn in 3 Wochen geschult. Jeder Beamte der Abt. soll eine derartige Schulung erhalten. Weitere Schulungen sollen beim Bundesnachrichtendienst Gehlen erfolgen.

Bisher standen der Abt. I sämtliche Fluglisten der AIR FRANCE, der PAN AM und der BEA zur Verfügung. Seit Anfang Januar 1965 gibt die AIR FRANCE keine Listen mehr ab. Die Listen wurden bei der alliierten Kommandantur gesammelt.

Von der Abt. I wurden alle Häftlinge die auf Gnadenwege im Herbst 1964 entlassen wurden vernommen. Es werden solche Fragen gestellt wie: Unterkunft, Verpflegung, Namen von VP-Angehörigen, Namen von Mitarbeitern des MfS, wie verhaftet, wurde Verrat geübt, Denunzianten.

Zur Zeit sind Beamte der Sicherungsgruppe Bonn in Berlin und führen im Beisein von Kollegen der Abt. I Ermittlungen durch.     

(Bericht des GM „Bohl“)

Der GM ist zuverlässig.

Information darf nur konspirativ ausgewertet werden.

Unterzeichnet von

Leiter der Abteilung VII

Major Ehrhardt

und Oberleutnant           

Eiserbeck

Verteiler

  1. Ausführung: Gen. Oberstleutnant Kohrt
  2. Ausführung: Objektvorgang

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv -Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Antrag auf Ausstellung eines Passierscheines für die Aktion „Gast II“

Antrag auf Ausstellung eines Passierscheines für die Aktion „Gast II

Während des Treffs am 03.04.1965 äußerte der GM „Bohl“ die Bitte, ob die Möglichkeit besteht einen Passierschein für seine Schwiegermutter zu beschaffen.

Durch ein Verschulden des GM wurde der Antrag während der offiziellen Zeit in Westberlin nicht gestellt. Dadurch kommt seine Schwiegermutter nicht in den Besitz eines Passierscheines.

Der GM hat gegenüber seiner Schwiegermutter gesagt, dass er den Antrag als Nachzügler abgegeben hat und am Dienstag wird er den Passierschein bekommen.

Im Interesse seiner guten Zusammenarbeit mit dem GM und aufgrund der bisher geleisteten Arbeit wird vorgeschlagen einen Passierschein für die Schwiegermutter zu beschaffen. Durch diese Maßnahmen wird der GM nicht gefährdet.

Unterzeichner Majo Ehrhardt Leiter der Abteilung VII und Oberleutnant Eiserbeck

Stellvertreter Operativ

Oberst Kohrt

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Treff-Bericht vom 10. Juni 1965

 

 

Treff mit „Bohl“

Treffzeit: 09.06.1965

Treffort: Berlin-Moabit- auf der Straße

Um 16:00 Uhr bin ich durch die Kontrolle Bhf.-Friedrichstraße gegangen und fuhr mit der U-Bahn nach Groß-Görschenstraße. Nahm dort einen Bus bis Spicherstraße und fuhr dann mit der U-Bahn nach Turmstraße. War dort um 17:10 Uhr und wartete auf „Bohl“. Da „Bohl“ in der Zeit zwischen 17:00 und 17.45 Uhr nicht kam, rief ich gegen 18:00 Uhr bei seiner Schwiegermutter an. Wie mir Bohl mitteilte war er bereits um 17:00 Uhr zu Hause. Nach dem Anruf kam Bohl sofort zum Treffort. Da das Fernsehcafé zu hatte, gingen wir spazieren. Wir nahmen einen Bus und fuhren einige Stationen. Dann suchten wir den Kleinen Tiergarten auf und setzten uns auf eine Bank.

„Bohl“ teilte mündlich folgendes mit

  1. Einen Bericht der sehr vertrauensvoll behandelt werden soll. Diesen Bericht fertigte ich extra an.
  2. Zur Zeit werden alte Akten überarbeitet, mit dem Ziel, neue Hinweise über Agenten, die in Westberlin tätig sind oder gewesen sind, zu erhalten. Gleichzeitig werden mit Hinweise erarbeitet, um Verbindungen in der DDR zu schaffen. Diese Hinweise sind an den amerikanischen Sicherheitsoffizier abzugeben. In diesem Zusammenhang hat „Bohl“ eine Akte bearbeitet, über einer ehemaligen Westberliner Kripo namens P. Dieser P. hat für das MfS gearbeitet und wurde in Westberlin verurteilt. Nach seiner Haft ist P. ins demokratische Berlin gegangen. Der P. wurde festgenommen durch einen Spitzel der in Weissensee wohnhaft ist. Dieser Spitzel hat mit dem MfS zusammengearbeitet und gleichzeitig für den Verfassungsschutz. Dieser Spitzel ist „Bohl“ bekannt und er wird die Personalien im nächsten Brief mitteilen. „Bohl“ konnte mir den Namen nicht nennen, da er die Personalien nicht auswendig kannte.
  3. Bei der Durchsicht der alten Akten hat „Bohl“ eine Akte über den Mitarbeiter des MfS, Hans Turm, gefunden. Es handelt sich dabei um Aussagen von Personen mit denen Turm zusammengearbeitet hatte. Über Turm befinden sich Einschätzungen, Personenbeschreibung usw. in dieser Akte. Ebenfalls ist angegeben, wo Turm seine Treffs durchgeführt hatte. Nach Meinung von „Bohl“ stimmen diese Angaben. „Bohl“ war darüber nicht besonders berührt. Er sagte, dass so etwas passieren kann.
  4. Die Mitarbeiter der Abteilung I. müssen sich mit einer Broschüre über den „Totalen Widerstand“ beschäftigen. Jeder Mitarbeiter muss diese Broschüre durcharbeiten und kann sie auch nach Hause nehmen. Inhalt dieser Broschüre ist der Umgang mit Waffen, Sprengstoff, Durchführung von Überfällen auf Personen und Objekten, sowie Probleme der illegalen Arbeit. „Bohl“ will diese Broschüre beim nächsten Treff übergeben, um sie fotokopieren zu lassen. Er möchte sie am nächsten Tag wieder zurückhaben.

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Treffbericht mit „Bohl“, 03.November 1965

Bericht

Während des Treffs am 02.11.1965 teilte mir „Bohl“ folgendes mit

Am 03.11.1965 um 06:00 Uhr muss er einen Max Ebner verhaften. Den Haftbefehl wegen Verdacht der „Landesverräterischen Beziehungen“ hatte Bohl bei sich. Das Material gegen Ebner ist sehr schwach. Man hat keine Beweise für den Verdacht und hofft durch die Haussuchung welche zu erhalten. Deshalb sind 10 Mann der Abteilung I (Observationsgruppe) mit der Haussuchung beauftragt. „Bohl“ und ein anderer Beamte führen die Festnahme durch.

„Bohl“ hat die gesamten Akten und führt den Vorgang. Aus den Akten geht hervor, dass es sich bei Ebner um einen alten Kommunisten handelt, deshalb war Bohl der Meinung, man müsste Ebner sofort warnen. „Bohl“ meint, dass von der Festnahme ein großer Teil der Abteilung I sowie Mitarbeiter des Gerichts Kenntnis haben und man deshalb nicht feststellen kann, wer die Warnung ausgesprochen hat. Außerdem erfolgt keine Überwachung des Telefons und mit anderen Mitteln. Das geht auch aus dem Vorgang hervor.

Ich habe zu „Bohl“ gesagt, dass jetzt seine große Bewährung bevorsteht. Er muss die Vernehmung des Ebner sehr ordentlich durchführen, auch wenn es sich um einen alten Kommunisten handelte. Er darf nicht beeinflusst werden, bzw. die Arbeit durchführen.

Ob eine Warnung erfolgt, kann nur (Name geschwärzt) entscheiden. „Bohl“ vertrat noch die Ansicht, wenn bei der Haussuchung keine Beweise gefunden werden, wird Ebner in spätestens 2 Tagen entlassen. Die ganze Sache wird von (Name geschwärzt) organisiert, der unbedingt einen Erfolg erringen möchte.

Nachdem ich mich von „Bohl“ getrennt hatte, rief ich (Name geschwärzt) an. Zuerst war seine Frau am Apparat. Wir sprachen allgemein über ihren Geburtstag. Danach bat ich (Name geschwärzt) an den Apparat. Ich teilte ihm mit, dass ich eine grässliche Mitteilung hätte. Er soll es nicht so tragisch nehmen und den Kopf hochalten.

Er hatte sofort begriffen, worum es ging und sagte, die können mich mal.. Wie aus seinem Verhalten am Telefon zu entnehmen war, hat ihm diese Mitteilung nicht überrascht. Er war immer mit seinen Antworten witzig. So sagte er unter anderem: dass der sich freut, weil er schon lange nicht mehr in fremden Betten geschlafen hat.

L. Schwarz

 

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Arbeitsweise der Abteilung V mit Geheimdiensten

Bericht, 18.05.1967

Arbeitsweise der Abteilung V mit Geheimdiensten

Seit kurzer Zeit dürfen die Bediensteten der Abt. I mit Vertretern westlicher Nachrichtendienste nicht mehr verkehren.

Wünsche der westlichen Nachrichtendienste müssen im Geschäftszimmer vorgetragen werden.

Von dieser Stelle erhalten sie die Auskünfte bzw. die verlangten Unterlagen.

Dies gilt auch für das LfV. (Landesamt für Verfassungsschutz)

Ein Sachbearbeiter darf keinen direkten Kontakt unterhalten.

Das LfV (Landesamt für Verfassungsschutz) hat die Unterlagen der Frau Ebner übernommen. Von Seiten der Abt. I darf zur Zeit nichts unternommen werden. Was tatsächlich geschieht ist nicht bekannt.

 

Bericht des GM „Bohl“

GM wird als zuverlässig eingeschätzt.

Bericht darf nur intern ausgewertet werden.

Unterzeichner

Hauptmann Eiserbeck

Verteiler:

1 Exemplar Genosse Major Ehrhardt

1 Exemplar Ablage im OV

 

Original-Dokument

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Treffbericht mit „Bohl“, 13. 12. 1965

 

 

Treff mit „Bohl“

Treff am:    08.12. 1965 um 18:05 Uhr

Treffort:   Schleusenbrücke

 

Weg zum Treff:

Ich bin um 17:45 Uhr am KPP Friedrich – Zimmerstraße gewesen. Die Kontrolle verlief ohne Vorkommnisse. Der Grund für das verspätete Passieren der Grenze bestand darin, dass der Container nicht funktionierte, obwohl ich am Abend vorher den Verschluss kontrolliert habe. Aus diesem Grunde konnte ich auch nicht den festgelegten Weg zum Treff einhalten und nahm deswegen am U-Bahnhof Kochstraße ein Taxi.

Mit dem Taxi fuhr ich bis zum Bahnhof Zoo.

Während der Fahrt achtete ich ob andere Fahrzeuge folgten. Dies war nach meiner Feststellung nicht der Fall.

Auf der rechten Straßenseite, wo ich ausgestiegen bin, war kein reger Verkehr.

Auf dem Weg zum Treffort wurde ich von 2 Männern überholt. (Ausländer)

Andere Personen folgten mir nicht

Um 18:05 Uhr war ich am Treffort, bin zur Brücke gegangen, umgekehrt und zum Schleusenkaffee zurückgegangen.

Vor dem Eingang stand „Bohl“.

Nach der Personenbeschreibung habe ich ihn sofort erkannt.

Bohl sprach mich an und fragte, ob ich Frau Schneider bin. Ich fragte darauf, ob er Herr Bohl ist. Als er diese bestätigte zeigte er auch gleich das Erkennungszeichen.

(Nächster Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.)

 

 

Wir sind zu Fuß in Richtung Ernst-Reuter-Platz gegangen. Dort suchten wir ein kleines Lokal auf.

Auf dem Weg zum Lokal teilte mir „Bohl“ folgendes mit

„Er kann zur Zeit nicht schreiben, da er sich verhalten muss, dass zu Hause nichts auffällt.

Aufgrund der Festnahme des Ebner muss er sehr vorsichtig sein.

Aus diesem Grunde hat er auch bei sich zu Hause Ordnung geschafft. Es ist in seiner Wohnung nichts vorhanden. Wie er sagte hat er alles beiseitegeschafft. Im Zusammenhang mit der Festnahme des Ehepaares Ebner berichtete „Bohl“:

 

  1. Die Ehefrau E. hat bei der Vernehmung ein umfassendes Geständnis abgelegt, und damit ihren Ehemann belastet. Der Chef hat die Vernehmung durchgeführt und der E. versprochen, wenn sie alles sagt, die sie zu Weihnachten frei ist.                                                                                     Durch die Aussage wurden Beweise gefunden:                                                                              -Sendegerät (war vergraben)                                                                                                           -Codematerial                                                                                                                                                  -Tablett                                                                                                                                                             -Hand- und Brieftasche.                                                                                                                                  Bohl schätzte ein, dass diese Gegenstände nie gefunden wären bzw. als solches erkannt worden wäre, wenn nicht die E. die Aussagen gemacht hätte.
  2. Als Verbindungsmann hat die Ebner „Pummel“ angegeben. Sie hat eine genaue Personenbeschreibung und die Personalien angegeben. Auch die Anschrift von „Pummel“ gab sie an. Auch nannte sie die Anschrift und Arbeitsstelle von der Schwester von „Pummel“.                                                                                         Die Ebner gab an, dass „Pummel“ an einem Treffen in Holland teilgenommen haben soll. Es soll sich um ein Treffen von KZ-Häftlingen gehandelt haben.                                                    Es wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um zu überprüfen, wer an dem Treffen teilgenommen hat.                                                                                                                             Die E. gab auch an, dass „Pummel“ in den nächsten Tagen wieder kommen will.                                    Aus diesem Grunde wurde Großfahndung nach „Pummel“ ausgeschrieben. Dazu wurden alle Grenzübergangsstellen besonders beobachtet. Die Beobachter hatten die genaue Personenbeschreibung und eine Skizze, die nach den Angaben der gefertigt wurde, von „Pummel“, bei sich. Wie „Bohl“ sagte, ist die Skizze sehr gelungen. Nach dieser Skizze kann man ohne weiteres „Pummel“ erkennen. Sehr verblüffend ist auch die Ähnlichkeit zwischen „Pummel“ und ihrer Schwester.                                                                         Die Schwester von „Pummel“ soll in den nächsten Tagen gehört werden.                                           Die Schwester und der Neffe von „Pummel“ werden überwacht.                                                                 So wird z.B. auch das Telefon des Neffen überwacht.                                                                                     Man rechnet sehr stark damit, dass „Pummel“ kommt.
  3. Die Ebner gab auch an, dass sie durch „Pummel“ am Vorabend gewarnt worden seien. Der Ebner dagegen gibt an, dass er die Stimme von „Pummel“ nicht erkannt hat, am Telefon. Er hat den Anruf für einen Scherz gehalten.                                                                                 In diesem Zusammenhang sagte „Bohl“, dass sich der Ebner sehr tapfer hält und nur das zugibt, was ihm bewiesen wird. Bei den Vernehmungen, die immer von 3 Mann durchgeführt werden, verhielt sich Ebner sehr ruhig. Er sagt z.B. nun Kinder ich bin ein alter Kommunist und reißt mir nicht gleich den Kopf ab. Ich sage sowieso nichts.                      „Bohl“ meint man müsste einen guten Anwalt für Ebner stellen. Gegenüber der Ebner vertritt er die Meinung, dass man sie vergiften sollte. Er hat eine große Wut auf sie und brachte das auch mit groben Schimpfwörtern zum Ausdruck.

(Ab da ist das Dokument durchgerissen. Es fehlt was. Noch ein kurzer Teil als Schluss)

Für die Rückfahrt benutzte ich die U-Bahn vom Ernst Reuter-Platz bis Hallisches Tor. Bin dort umgestiegen und fuhr bis Kochstr. Die Kontrolle an der Grenze verlief ohne Vorkommnisse. Während des Zusammenseins mit Bohl und auf dem Wege zurück konnte ich nichts Außergewöhnliches und Verdächtiges feststellen.

Gez. Winter (Winter war nun der neue Kurier)

F.d.R.d.A.

Oberleutnant Eiserbeck          

(Mensch was war die Frau Ebner für eine böse Frau. P.R.)

 

Entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“ herausgeben vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv.

Dokument

Broschüre

Aufgaben zur Karl-Heinz Kurras

  1. Der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras bot 1955 dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) seine Mitarbeit an. Wie begründete er den Schritt in seiner Verpflichtung? (Dokument 2)
  2. Kurras lieferte dem MfS unter dem Decknamen „Otto Bohl“ jahrelang Stimmungsberichte und Ermittlungsakten, recherchierte nach Flüchtlingen aus der DDR im Westen und nach den Haltern von Fahrzeugen, deren Autokennzeichen in der DDR notiert waren. Anfang der 1960er Jahre übertrug ihm das MfS noch brisantere Aufträge. Welche werden in den Dokumente 3 und 4 genannt? Diskutieren Sie, warum dieser Aufträge Ihrer Meinung nach für das MfS wichtig waren.
  3. 1965 wechselte Kurras/“Otto Bohl“ zur Politischen Polizei in Westberlin. Wie beschrieb er in den Dokumenten 6 und 7 deren Tätigkeiten?
  4. Wie reagierte das MfS auf sein in Dokument 5 ersichtliches Ansinnen, trotz Verspätung noch einen Passierschein zu erhalten? Interpretieren Sie anhand des Dokuments das Verhältnis von „Bohl“ und MfS

Dokumentennummern nach der Nummerierung in der Broschüre.

Im November 1965 musste Kurras einen Kollegen und dessen Ehefrau wegen mutmaßlicher Spionage für die DDR verhaften. Die MfS Kurierin „L.S chwarz“ protokollierte, was Kurras ihr berichtet hatte und ihre Eindrücke von ihm. Da sie unter dem Decknamen „Pummel“ auch Verbindung zwischen den Verhafteten und dem MfS war, wurde sie vorsichtshalber von Einsätzen im Westen abgezogen. Doch auch dem neuen Kurier „Winter“ schildert Kurras/“Bohl“ seine Ansichten

5. Wie reagierte -laut Dokument 8- „Bohl“ auf die Nachricht von der bevorstehenden Verhaftung? Wie ging „L. Schwarz“ mit der Information und mit „Bohl“ um? Welchen Rückschluss lässt das Verhalten auf die Rolle von „L. Schwarz“ zu?

6. Interpretieren Sie die Aussage von Herrn Ebner, er habe lange nicht mehr in fremden Betten geschlafen“?

7. Welchen Nutzen hatte das MfS von dem ausführlichen Bericht von „Bohl“ in Dokument 9 über das Verhalten des Ehepaars Ebner?

8. Herr Ebner wurde 1966 wegen Landesverrats zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, seine Ehefrau zu 9 Monaten mit 5 Jahren Bewährung. Weshalb war das Strafmaß für Frau Ebner geringer als das ihres Mannes? Lesen Sie dazu Dokument 9 und notieren Sie die Gründe.

9. Lesen Sie in Dokument 10, wer die Unterlagen von Frau Ebner an sich gezogen hat. Was könnten die Gründe dafür sein?

Zusatzaufgabe

Karl-Heinz Kurras hat nach seinen tödlichen Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg 1967 vom MfS keine weiteren Aufträge mehr bekommen. Auch aus der Westberliner Abteilung der Politischen Polizei wurde er versetzt. Doch erst lange nach seiner Pensionierung und lange nach dem Ende der DDR wurde er als ehemaliger MfS-Mitarbeiter enttarnt. War er in ihren Augen ein erfolgreicher Spion? Stellen Sie in einer „Erfolg-Misserfolg“-Tabelle Ihre Argumente gegenüber. Diskutieren Sie aufgrund der Dokumente und mit Hilfe von Beispielen, welche Beweggründe Kurras für sein Handeln gehabt haben könnte.

 

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „MfS im Westen“, herausgegeben vom Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv.

Aufgaben

Lösungen Aufgaben zu Karl-Heinz Kurras

Aufgabe 1

Er gab politische Gründe an. Doch wie es sich später zeigte, hatte er sich nicht mit Weltpolitik auseinandergesetzt und sich nicht über den Schah von Persien informiert. So hielt er die Demonstrierenden gegen den Staatsbesuch des Schahs für Randalierer. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf.

Aufgabe 2

Es ging um die Installierung von Abhörtechnik im Dienstzimmer des Leiters der Kriminalinspektion Tiergarten und des Verbringens des Fahndungsbuches aus Westberlin zum MfS, um es zu fotokopieren.

Aufgabe 3

Kurras berichtet über die Struktur Abteilung I der Westberliner Polizei. Bericht über Anweisungen an die Mitarbeiter der Abteilung I (politische Polizei). Dann um Angehörige des MfS innerhalb der Westberliner Polizei und einen Doppelagenten, der auch für den Verfassungsschutz arbeitete.

Aufgabe 4

Der Passierschein für die Schwiegermutter von Kurras wird unbürokratisch ausgestellt, obwohl dieser verspätet beantragt wurde. Begründet wird dies mit der guten Arbeit von Kurras.

Aufgabe 5

„Bohl“ sah die Beweislage gegen Herrn Ebner als sehr schwach. „L. Schwarz“ meint zu „Bohl“, die Vernehmung von Herrn Ebner sei eine Bewährungsprobe für ihn. „Bohl“ meint, die Beweislage sei dünn und Herr Ebner kämme nach 2 Tagen wieder frei.

Aufgabe 6

Na ja, Herr Ebner hatte das Risiko der Verhaftung einkalkuliert und das Ganz erst Mal locker genommen. Darum dieser lockere Spruch.

Aufgabe 7

Welchen Nutzen hatte das MfS von dem ausführlichen Bericht von „Bohl“ über das Verhalten des Ehepaars Ebner? Na einen sehr großen Nutzen. Frau Ebner hatte alles verraten und ihren Mann „reingerissen“. Sie hatte auch „L. Schwarz“ (Klarname: Charlotte Müller) verraten. Da das MfS durch den ausführlichen Bericht von „Bohl“ rechtzeitig „Wind“ bekommen hatte, konnte es „L. Schwarz“ rechtzeitig abziehen. So blieb der Kurierin der Knast erspart. Insbesondere da sie ja bei den Nazis im KZ inhaftiert war.

Aufgabe 8

Sehr sinnig. Frau Ebner war die Verräterin und wurde dafür mit einer geringeren Haftstrafe belohnt.  Da Frau Ebner die Beweise geliefert hatte, musste Herr Ebner nun eine lange Haftstrafe antreten.

Aufgabe 9

Der Verfassungsschutz Westberlin hatte die Unterlagen der Frau Ebner übernommen. Was dieser damit gemacht hatte, ist nicht bekannt geworden.

Zusatzaufgabe:

Den Aufwand mit der Tabelle sparen wir uns. Karl-Heinz Kurras, Tarnname „Bohl“ hatte erfolgreich für das MfS gearbeitet. Durch seinen Bericht wurde Charlotte Müller, Tarnnamen „L. Schwarz“ und „Pummel“ der Knast erspart.  Sie wurde rechtzeitig von ihrer Arbeit in Westberlin abgezogen.

Kurras hatte zwar politische Gründe für seine Arbeit für das MfS. Allerdings sah er die Welt aus einer zu engen Perspektive. Er befasste sich nicht mit Weltpolitik. So war er nicht über den Schah von Persien informiert und warum es in Westberlin Proteste gegen dessen Staatsbesuch gab. Die tragischen Ereignisse nahmen ihren Lauf. Für das MfS war diese Sache unangenehm. Das MfS trennte sich nicht offiziell von ihm und es gab keinen Abschlussbericht. Man ist ihn still und heimlich losgeworden.

 

 

Vorwort April 2026

DIE TROMMLER befasst sich nun mit dem Wirken des MfS im Westen (BRD und Westberlin 1952 bis 1989)

Da gibt es einiges Interessantes. Die Themenfelder reichen für die nächsten Ausgaben von DIE TROMMLER.

Es wird ein neuer Schwesterblog vorgestellt. Da wird u.a. die Auswertung veröffentlichter MfS-Akten zusammengefasst.

In dieser Ausgabe geht es um Wilhelm Meisner, der u.a. militärische Liegenschaften der US-Army in seiner Heimat auskundschaftete. Das war im Jahre 1952.  Er musste seine Tätigkeit für das MfS bald beenden, weil er bereits für die KPD politisch aktiv war. In der DDR trat die Regelung in Kraft, dass politische Aktivitäten im Westen und die Tätigkeit für das MfS nicht miteinander vereinbar sind und strikt getrennt werden. Diese Regelung bestand bis zum bitteren Ende im Jahre 1989.

Im Nachhinein muss man sagen, dass Wilhelm Meisner sehr mutig war und dass er diese Tätigkeit aus freien Stücken ausübte. So eine Entscheidung zu treffen war für Bürgerinnen und Bürger der BRD und Westberlins nicht einfach.

Wenn man sieht, dass die Amis in der Vergangenheit und erst recht in der Gegenwart die Welt mit Krieg und Elend überziehen, war das Handeln von Wilhelm Meisner vollkommen richtig. Schade, dass er seine geheime Mission nicht weiterführen konnte.

Petra Reichel

 

Siehe Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen.

Weiteres siehe Inhaltsverzeichnis.