Das Frankenreich unter Karl dem Großen und seinen Nachfolgern

Die Schaffung des fränkischen Großreiches

Die Entstehung des Lehnswesens

Seit dem Ende des 7. Jahrhunderts sicherten sich die Karolinger größeren Einfluss. Sie festigten den fränkischen Staat, indem sie in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts das Lehnswesen einführten und somit die herrschende Klasse organisierten.

Der fränkische König und andere Großgrundbesitzer verliehen umfangreiche Teile ihrer Ländereien an treue Gefolgsmänner, auch Vasallen genannt. Diese verpflichteten sich, militärische Dienste zu leisten und Verwaltungsaufgaben zu Übernehmen. Das verliehene Land hieß Lehen. Es wurde von den abhängigen Bauern bewirtschaftet. Di Lehen brachten den Vasallen so viel Gewinn ein, dass es ihnen möglich war, eine eigene Gefolgschaft zu unterhalten und auszurüsten. Häufig vergaben sie ihrerseits Lehen an eigene Vasallen (Untervasallen), die ihnen Kriegs- und Verwaltungsdienste leisten mussten. Beim Tod oder Treuebruch der Vasallen forderten der König oder der Großgrundbesitzer das Lehen zurück.

Schema der Lehnsgliederung
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Bei der Übergabe des Lehens an treue Gefolgsleute sprach der König etwa folgende Worte: Du warst mit stets ein treuer Gefolgsmann. Du hast mir im Krieg und im Frieden gedient. Ich übergebe dieses Lehen!                                                              Darauf leistete der Vasall den Treueeid: „So treu ergeben will ich sein, wie es ein Gefolgsmann seinem Herrn schuldig ist. Den Feinden meines Herrn Feind, den Freunden meines Herrn Freund.“

Das Lehen hieß lateinisch „feudum“. Deshalb nennt man alle, die Lehen vergeben oder erhielten,Feudalherren. Die Feudalherren, die von der Arbeit ihrer abhängigen Bauern lebten, stellten die herrschende Klasse in der neuen Gesellschaftsordnung, dem Feudalismus, dar.

Belehnung und Weiterbelehnung
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Karl der Große und seine Eroberungen

Der bekannteste karolingische König hieß Karl, der später auf Grund seiner großen Erfolge den Beinamen „der Große“ erhielt. Karl der Große wollte seine Macht weiter stärken. Er besaß Königsgüter, Pfalzen, in allen Landesteilen.

Kaiserpfalz zu Ingelheim
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Mit großem Gefolge zog der König von Pfalz zu Pfalz, organisierte die Verwaltung und setzte Grafen ein. Das waren Feudalherren, die in seinem Namen in ihren Grafschaften Abgaben eintrieben, Gericht hielten, Bauern zum Kriegsdienst aufboten und sie im Feldzug anführten. Zur Kontrolle der Grafen ließ Karl der Große Königsboten umherreiten, die Anweisung übergaben und die Einhaltung der Gesetze überprüften. Mit diesen Maßnahmen hatte Karl sein Reich so weit gefestigt, dass er immer umfangreichere Eroberungszüge gegen westgermanische Stämme beginnen konnte. Im Jahre 772 fiel das Heer Karls des Großen erstmalig in Sachsen ein.

Franken dringen in das Land der Sachsen ein
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Der Kampf wurde erbittert geführt. Doch Karl musste fast ein Jahr mit großen Heeren in das sächsische Gebiet ziehen. Der Widerstand der Bauern, der zeitweilig von dem sächsischen Heerführer Widukind geführt wurde, konnte erst nach 30 Jahren endgültig gebrochen werden. Viele der sächsischen Adligen verbündeten sich zeitweise mit den Franken und wurden zu Grafen ernannt. Sie erhofften sich damit, die noch freien Sachsen rascher von sich abhängig zu machen bzw. die abhängigen Bauern leichtet unterdrücken zu können. 782 teilte Karl der Große Sachsen in Grafschaften ein setzte die reichsten sächsischen Grundbesitzer, die mit den Franken zusammenarbeiteten, als Grafen ein. Mit aller Kraft begann der Widerstand der sächsischen Bauern erneut. Karl hielt in Verden an der Aller ein furchtbares Strafgericht und ließ viele Sachsen hinrichten. Andere siedelte er in verschiedene Landesteile um, wie. Die Kampfkraft der Sachsen endgültig gebrochen werden sollte. Eine besondere Rolle bei der Niederringung der Sachsen spielte die christliche Kirche. Sie entsandte Geistliche aus dem Frankenreich um die sächsische Bevölkerung zum Christentum zu „bekehren“. Nach der Taufe Widukinds im Jahre 785 stand der fränkische Sieg fest. Mit Widukind traten weitere Führer des sächsischen Aufstandes zum Christentum über. Die Führer der sächsischen Erhebung hatten vor den Franken kapituliert. Sachsen wurde in das karolingische Reich eingegliedert.

Reiterstandbild Karls des Großen
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

In den folgenden Jahren zog Karl nach Italien. 774 besiegte er die Langobarden und 788 auch die Bayern.

Alle westgermanischen Stammesverbände zwischen Elbe, Saale und Rhein gliederte er in das Frankenreich ein und beschleunigte auch dort die Entwicklung des Feudalismus. In dreißigjähriger Regierungszeit hatte er sein Reich fast um das Doppelte vergrößert. Das Frankenreich war ein Großreich geworden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Karl der Große als Kaiser

Karl fühlte sich nun als Nachfolger der weströmischen Kaiser. Deshalb strebte er jetzt auch nach dem Kaisertitel. Er wollte damit als oberster Herr vieler Völker und als Beschützer der christlichen Kirche angesehen werden. Bei einem Besuch Roms im Jahre 800 setzte ihm der Papst während eines Weihnachtsgottesdienstes die Krone auf und grüßte ihn unter dem Beifall der anwesenden reichen Römer als Kaiser. Damit wurde im Jahre 800 Karl der Große Kaiser.

Unter den Karolingern bildete sich das Lehnswesen heraus. Die Verleihung von Land an Vasallen sicherte dem König die Macht. Die neue herrschende Klasse war die Klasse der Feudalherren. Karl schuf eine feste Staatsmacht. Er unterwarf westgermanische Stämme und eroberte Teile Italiens. Der Papst erkannte seine Macht an und krönte ihn zum Kaiser.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Karolingischer Silberbecher, um 800
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Festigung der Klasse der Feudalbauern

Die Landwirtschaft bei den Franken bis 800

Die freien fränkischen Bauern besaßen Äcker, die sie mit ihren Familienangehörigen bestellten. Außerdem gehörten ihnen eine eigene Hauswirtschaft, ein Garten sowie eigene Produktionsinstrumente.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Zu den wichtigsten Produktionsinstrumenten zählten der Hakenpflug, der große Ackerwagen, ein Karren und die Sichel. Aber es gab auch schon den einfachen Bodenwendpflug auf Rädern, mit dem der Acker umgebrochen werden konnte, die Sense und den vierrädrigen Wagen. Zudem verfügten die Dorfbewohner über die Allmende. Das Ackerland wurde zwar von jedem Bauern eigenverantwortlich bearbeitet, jedoch die Zeiten für Aussaat und Ernte sowie die Fruchtfolge wurden gemeinsam festgelegt. Die Bauern bestellten die Felder bis etwa zum Jahre 800 in Form der Zweifelderwirtschaft.

In einem Jahre wurde nur die eine Hälfte der Felder bewirtschaftet, während die andere Hälfte brach liegen blieb. Damit erreichten die Bauern im nächsten Jahr wieder eine gute Ernte. Dich Brachfelder wurden auch als Weide für das Vieh genutzt.

Zweifelderwirtschaft
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Abhängigkeit der Feudalbauern

Die Ungleichheit der Bauern in den Dörfern nahm zu. Oft verschuldeten sich Bauern gegenüber Nachbarn oder Feudalherren, so dass sie gezwungen waren, Teile des Hofes und ihrer Äcker zu verkaufen. Wie kam es dazu?

In verschiedenen Gegenden erbten alle Söhne des Bauern je einen Teil des väterlichen Gutes. Die Bauernwirtschaften wurden dadurch so klein, dass sie kaum noch die Familien ernähren konnten. Diese Bauern übertrugen einem Feudalherrn ihr Landstück als Eigentum. Sie erhielten es von ihm zur Nutzung zurück und bekamen manchmal von ihm noch bisher ungenutztes oder noch nicht gerodetes Land. Dafür wurden die Bauern gezwungen, dem Feudalherrn Abgaben (in Form von Produkten) und Frondienste zu leisten, d.h., sie mussten unentgeltlich für den Fronherrn arbeiten.

In anderen Gegenden erbte nur ein Sohn den väterlichen Bauernhof. Die anderen Söhne mussten Land von einem Großgrundbesitzer erbitten. So gerieten sei ebenfalls in die Abhängigkeit eines Grundherrn.

Häufig führte schon der mehrfache Heeresdienst, zu dem die freien Bauern verpflichtet waren, zum Zusammenbruch von Bauernwirtschaften. Um nicht zum Kriegsdienst eingezogen zu werden, begaben sich viele Bauern sogar „freiwillig“ in die feudale Abhängigkeit.

Besondere Methoden wandte die Kirche als feudale Grundbesitzerin an, um die freien Bauern in die Abhängigkeit zu zwingen. Geistliche versprachen den Bauern ein besseres Leben nach dem Tode. Sie betrogen die unwissenden Bauern mit angeblich wundertätigen Heiligenreliquien (Das sollten Überreste oder Gegenstände von Heiligen sein!). Sie drohten auch den freien Bauern mit Qualen, die sie nach dem Tode zu erleiden hätten. Damit wollten sie die Übergabe der Äcker an die Kirche erzwingen.

Folgende Quelle bestätigt, was die Leserinnen und Leser bereits erkannt haben!

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

So gerieten die freien Bauern nach und nach in die Abhängigkeit von Feudalherren, wurden zu feudalabhängigen Bauern (oder einfach: Feudalbauern). Sie waren nicht mehr Eigentümer des von ihnen bearbeiteten Landes. Eigentümer waren die Feudalherren. Sie überließen den Bauern das Land und zwangen sie zu Abgaben und Frondiensten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Noch im 9. Jahrhundert gab es sehr viele Unfreie. Sie wurden durch Kriegsgefangene, aus dem Sklavenhandel und durch Schuldknechtschaft ständig ergänzt. Die Unfreien waren völlig ohne Rechte, galten als Eigentum ihrer Herren, auf deren Höfen sie als Gesinde arbeiteten.

Bauern beim Pflügen und Hacken, um 1203
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Durch die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion wurden immer weniger Unfreie gebraucht. Es war nun für den Feudalherrn lohnender, dem Unfreien ein Stück Land zu geben. Hierfür musste er Abgaben zahlen und Frondienste leisten. So wurden auch die Unfreien zu feudalabhängigen Bauern.

Man nennt diese Vorgänge – die Überführung der freien Bauern in die Abhängigkeit der Feudalherren und die Umwandlung Unfreier in feudalabhängige Bauern-Feudalisierungsprozess.

Die Klasse der feudalabhängigen Bauern (Feudalbauern) stand im unversöhnlichen Gegensatz zur Klasse der Feudalherren. Die Bauern wurden von den Feudalherren ausgebeutet. Die Ausbeutung bestand darin, dass die Feudalbauern Abgaben und Frondienste leisten mussten. Die gewaltsame Überführung der freien Bauern und der Unfreien in Feudalbauern wird als Feudalisierungsprozess bezeichnet.

Das Leben der Bauern in der Grundherrschaft

Die Organisation der Grundherrschaft

Die Feudalherren wollten aus den Feudalbauern möglichst viele Abgaben und Frondienste pressen, also die Ausbeutung verstärken. Deshalb organisierten sie ihren sehr verstreut liegenden Grundbesitz auf neue Weise. Sie bildeten aus ihren Ländereien Fronhofverbände. Zu diesen gehörten der Fronhof selbst und die Wirtschaften der Feudalbauern. Mehrere Fronhofverbände eines Feudalherrn nannte man feudale Grundherrschaft.

Der Fronhof war der Mittelpunkt eines Fronhofverbandes. Er wurde vom Feudalherrn selbst oder von einem Beauftragten, dem Meier oder Vogt, verwaltet. Er leitete die Arbeit der Unfreien auf dem Hofe und teilte den Feudalbauern ihre Fronarbeit zu. Außerdem kontrollierte er die vollständige und pünktliche Ablieferung der Abgaben der Bauern. Waren die Bauern einmal nicht gewillt, die Abgaben zu zahlen oder alle geforderten Frondienste zu leisten, so schickte der Grundherr oder der Meier Bewaffnete, setzte seine Forderungen mit Hilfe der Gerichte durch oder ließ die Bauern durch den Pfarrer an ihre Pflicht erinnern und zum Gehorsam zwingen. Der Grundherr herrschte wie in einem kleinen Staat.

Lageplan Fronhof
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Beschreibung Fronhof
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Feudalbauern waren nicht alle in gleicher Weise vom Feudalherrn abhängig. Die Mehrheit waren Hörige (sie mussten dem Herrn gehorchen, auf ihn hören). Diese Hörigen hatten einen eigenen Hof. Sie besaßen also Produktionsmittel, wenn auch in geringem Umfang. Die Hörigen leisteten Abgaben: Getreide, Gemüse, Käse, Eier, Häute, Wolle und Vieh. Dazu kam noch der „Zehnte“ (der 10. Teil ihres Ertrages), den die Bauern an die Kirche zu entrichten hatten. Außer den Abgaben wurden von den Hörigen noch Frondienste verlangt, die besonders in Saat- und Erntezeiten abzuleisten waren. Dazu gehörten die Hand und Spanndienste (Arbeit auf dem Feld oder Transport von Getreide, Heu und Holz).

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

In einer drückenderen Lage als die Hörigen befanden sich die Leibeigenen. Sie waren persönlich vom Grundherrn abhängig. Er durfte sie verkaufen oder misshandeln, jedoch nicht töten. Sie besaßen keine eigene Wirtschaft, wohnen in armseligen Hütten in der Nähe des Fronhofes. Täglich mussten sie die ihnen aufgetragenen Arbeiten verrichten. Sie betreuten das Vieh, pflegten die Gärten, bestellten die Felder und hielten Ställe, Häuser, Scheunen, Zäune und Produktionsgeräte des Grundherrn instand. Der Feudalherr eignete sich das, was sie erarbeiteten, vollständig an. Für ihre Arbeit erhielten sie nur so viel, dass sie leben konnten.

Andere hatten nur sehr kleine Wirtschaften erhalten, von denen sie nicht einmal ihre Familien ernähren und deshalb nur geringfügige Abgaben liefern konnten. Dafür mussten sie oft mehr als drei Tage in der Woche Frondienste leisten.

Schließlich gab es die Zinsbauern. Sie zahlten genau festgelegte Abgaben als „Zins“.

Neue Arbeitsweisen

Seit 800 gingen die Bauern in den feudalen Grundherrschaften zur Dreifelderwirtschaft über.

Die bestellte Ackerfläche vergrößerte sich. Jetzt blieb nur noch ein Drittel brach liegen. Das zweite Drittel wurde im Frühjahr mit Sommergetreide (Hafer und Gerste) bestellt, das dritte im Herbst mit Wintergetreide (Roggen und Weizen). Da das Brachland als Weide diente, sorgte das Vieh gleichzeitig für eine natürliche Düngung. Mit der weiteren Verbreitung des Bodenwendpfluges gelang außerdem eine bessere Bearbeitung der Äcker. Ein solcher Pflug war aber noch nicht allgemein eingeführt. Überhaupt hatten die Bauern bis zum 11. Jahrhundert nur wenig Geräte aus Eisen. Meist verwendetes Zugtier vor Egge und Pflug war der Ochse, Pferde wurden nur in seltenen Fällen eingespannt. Ochsen waren billiger als Pferde. Sie brauchten nicht beschlagen und konnten als Schlachtvieh verwendet werden, wenn sie als Zugtier nicht mehr zu gebrauchen waren.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche wurde seit 800 weiter durch umfangreiche Rodungen vergrößert, die von den Grundherrschaften organisiert wurden. Die seht schweren Arbeiten des Bäumefällens, des Ausbrennens des Waldes sowie des Aushackens der der Baumwurzeln wurden von Unfreien oder landlosen Bauern durchgeführt. Sie erhielten dafür Hof und Acker auf dem neu gewonnen Land, wofür sie Abgeben und Frondienste für die Feudalherrn zu leisten hatten.

Der Übergang zur Dreifelderwirtschaft, die umfangreichen Rodungen und die gründlichere Bearbeitung des Ackers mit dem Bodenwendpflug brachten einen gewaltigen Fortschritt gegenüber der bisherigen Produktionsweise in der Landwirtschaft. Die Erzeugung eines gewissen Überschusses an landwirtschaftlichen Produkten wurde jetzt möglich. Deshalb konnten sich einige Bauern oder Angehörige des Hofgesindes ausschließlich handwerklichen Tätigkeiten widmen. Früher hatten die Bauern, von Frau und Kindern unterstützt, alle handwerklichen Erzeugnisse von der Kleidung bis zu Arbeitsgeräten selbst hergestellt.

Bodenwendpflug mit Rädern Egge
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Es entstand eine Arbeitsteilung zwischen landwirtschaftlicher und handwerklicher Tätigkeit. Im Laufe der Zeit fertigten bestimmte Menschen immer wieder die gleichen Produkte an. Sie wurden zu Fronhandwerkern. Die Bauern tauschten Korn und Fleisch gegen die Produkte der Fronhandwerker aus.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Nun wurde es möglich, bestimmte Bauern und Angehörige des Hofgesindes von ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit zu entbinden und ausschließlich als Handwerker auf dem Fronhof arbeiten zu lassen.

Vielfach lösten sich Berufe, so der des Stellmachers und des Webers, von der bäuerlichen Arbeit. Auf den Fronhöfen bildeten sich Spezialhandwerker heraus, die nicht für den Markt, aber für die Bedürfnisse anderer Fronhöfe und Nebenhöfe arbeiteten.

Im 10. Und 11. Jahrhundert konnte sich das Handwerk stärker von der Landwirtschaft lösen, um immer neue Berufe, z.B. in der Eisenverarbeitung, entstanden.

Fronhof Bauern bringen dem Feudalherren Abgaben
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Feudalherren organisierten feudale Gesellschaften. Dazu gehörten Fronhöfe als Zentren und die Bauerndörfer. Es gab Hörige, Leibeigene, Zinsbauern und Unfreie. Die Dreifelderwirtschaft, die gründlichere Bodenbearbeitung und die Rodungen brachten wesentlich höhere Erträge. Das ermöglichte die Arbeitsteilung zwischen Bauern und Handwerkern. Diese Entwicklung war ein Fortschritt in der Geschichte.

Bäuerliche Arbeiten in den verschiedenen Jahreszeiten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Der Kampf der Bauern gegen Feudalisierung und feudale Ausbeutung

Einfache Formen des Kampfes der Bauern

Die freien Bauern haben von Anfang an gegen die Feudalisierung gekämpft. Sie wollten ihre Freiheit behalten und nicht von den Feudalherren abhängig werden. Als sie dann doch durch Anwendung von Gewalt, durch Betrug und falsche Versprechungen feudalabhängig geworden waren, leisteten sie erbitterten Widerstand gegen die feudale Ausbeutung. Die Klasse der Feudalbauern stand der Klasse der Feudalherren feindlich gegenüber.  Der Klassenkampf zwischen ihnen vollzog sich in verschiedenen Formen, war jedoch selten offen Aufstand. Vielfach verweigerten die Bauern die Abgaben oder schienen nicht zu den Frondiensten. Mitunter lieferten sie nur minderwertige oder halbverdorbene Feldfrüchte ab oder versahen ihre Fron sehr lachlässig. Oft flüchteten Bauern auch von Haus und Hof, rotteten sich unterwegs zusammen, bettelten oder lebten von Straßenüberfällen und Raub.

Das Verlassen der Bauernhöfe war eine sehr wirksame Form des Widerstandes, denn verlassene Bauernhöfe und Äcker nützten den Feudalherren nichts.

Der bewaffnete Aufstand

Die schärfste Form des bäuerlichen Klassenkampfes war der bewaffnete Aufstand.

Der größte Bauernaufstand im östlichen Teil des Frankenreiches jener Zeit war der Stellinga-Aufstand. In den Jahren 841 und 842 erhoben sich die Bauern in Sachsen, um ihre Freiheit zu schützen oder aus der feudalen Abhängigkeit zu entkommen. Die Aufständischen begannen ihre Erhebung, als sich ein großer Teil des fränkischen Feudalheeres gerade im Westteil des Frankenreiches auf einem Feldzug befand.                                                                                                                                          50 Jahre sind vergangen, seitdem Karl der Große die Sachsen unterwarf und viele sächsische Bauern unter das Joch der Feudalherren zwang. Die Bauern in Sachsen haben sich mit Frondienst, Kirchenzehnt und anderen Lasten nicht abgefunden. Sie versammeln sich heimlich zum Thing und vereinigen sich zu einem Bund, den sie Stellinga nennen….                                       Boten der Stellinga eilen von Dorf zu Dorf: „Rüstet euch zum Kampf…gegen die Feudalherren!“ Die Kunde fliegt durchs Sachsenland. Und selbst die Schwankenden und weniger Ausgebeuteten unter den Bauern werden mitgerissen.                  Schleifsteine kreischen; Schwerter, Äxte und Speerspitzen werden geschärft…Die Bauern errichten auf vielen Hügeln Holzstöße aus feuchtem Holz. Eines Tages hängen Rauchwolken über den Hügeln. Die Holzstöße sind angezündet. Der Rauch ruft zur Tat.                Die Bauern sammeln sich, ziehen bewaffnet zu den Königspfalzen, Fronhöfen und Klöstern. Sie erstürmen die Wälle, erbrechen die Toren. So wuchtig ist der Aufstand, dass viele Feudalherren mit ihren Kriegern aus Sachsen fliehen. Die Feudalherren erzittern. Was nun, wenn es die Bauern in anderen Gebieten ebenso machen wie die Sachsen?                                                                         Die Feudalherren begraben ihren Streit untereinander. Die vereinigen sich mit all ihren Reitern zu einem Kriegszug gegen die Stellinga. Unter des Königs Führung fallen sie in Sachsen ein.                                                                                                        Gegen die zahlreichen kriegserfahrenen Reiter können die sächsischen Bauern mit ihren Äxten und Schwertern, Speeren und Dreschflegeln nichts ausrichten…So geht Dorf um Dorf an die Feudalherren verloren, und der Stellinga-Aufstand wird 842 niedergeworfen.

Obwohl die Feudalherren die Bauern grausam bestraften, erhoben sich die Bauern im Winter 842 erneut. Sie wurden wieder und damit endgültig besiegt, weil das Bauernheer unorganisiert und zersplittert kämpfte. Außerdem waren die feudalen Krieger bedeutend besser bewaffnet und geübter.

Doch der Stellinga-Aufstand war nicht umsonst. Vielerorts wurden die Feudalherren gezwungen, die Frondienste und ‚Abgaben der Bauern schriftlich festzulegen. In den nächsten Jahrzehnten war eine weitre Verschärfung der Ausbeutung nicht möglich.

Das Ostfrankenreich am Ende des 9. Jahrhunderts

Der Zerfall des Frankenreiches

Das Großreich Karls des Großen zerfiel bald nach seinem Tode (814). Welche Ursachen führten dazu?

  1. Zu dem Riesenreich zählten viele Stammesverbände und Gebiete, die recht unterschiedlich entwickelt waren (höhere oder niedrigere Produktion, stärkere oder geringere Ausbeutung, straffere oder wenig straffe Organisation des Stammesverbandes). In Stammesverbänden hatten sich mehrere Stämme vereinigt, um gegenüber den Feinden stärker zu sein. Die zahlreichen Stammesverbände führten fast unabhängig voneinander ein selbständiges Leben und hatten ihre eigenen Sprachen.
  2. Als Folge der Feudalisierung standen immer weniger freie Bauern im Heer des Königs. Somit war die militärische Kraft des Frankenreiches geschwächt.
  3. Neues Land konnte nicht mehr erobert werden, deshalb hatten nur noch wenige Feudalherren Interesse, den Kaiser zu unterstützen.
  4. Der königliche Grundbesitz verminderte sich, weil Vasallen sehr reichlich Land als Lehen erhalten hatten.                                                                                              Nur noch der höchste Adel und die Kirche waren am Bestand des fränkischen Großreiches interessiert, da sie in allen Reichsteilen über Landbesitz verfügten. Unter dem Nachfolger Karls des Großen, seinem Sohn Ludwig dem Frommen, kam es zum Streit zwischen den fränkischen Feudalherren. Es setzten langjährige erbitterte Kämpfe des Adels ein.            

Nach langen blutigen Kämpfen einigten sie sich 843 im Vertrag von Verdun darüber, das Frankenreich in drei Teile aufzugliedern. In jedem Teilreich sollte einer der drei Brüder unabhängig, aber gelichberechtigt herrschen. Seit dieser Zeit gab es ein Westfrankenreich, ein Mittelreich und ein Ostfrankenreich. Aus dem Ostfrankenreich ging etwa 75 Jahre später das mittelalterliche deutsche Reich hervor. Teile des Mittelreiches wurden auf Grund weiterer Abkommen (870 und 880) dem Ostfrankenreich angegliedert.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Das Frankenreich unter Chlodwig
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Verwaltung des Ostfrankenreiches

Noch 843 war das Ostfrankenreich das stärkste der drei Teilreiche gewesen. Doch das änderte sich in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Da die Eroberungen fremder Gebiete nachgelassen hatten, musste der ostfränkische König immer mehr Land an seine Gefolgschaft aus dem Königsgut vergeben. Dadurch wurde die königliche Macht geschwächt. Zur gleichen Zeit stärkten die Feudalherren ihre Stellung, indem sie ständig mehr freie Bauern in ihre Abhängigkeit brachten. Sie bekämpften sich auch untereinander. Der Anteil der freien Bauern im Heer wurde immer geringer.

Da tauchte eine Gefahr von außen auf: Die Ungarn fielen seit 906 fast jährlich mit ihren Reiterheeren plündernd in das Reich ein. Die Ungarn waren nomadisierende Hirtenstämme, die sich Ende des 9. Jahrhunderts in der Theißebene (im heutigen Ungarn) angesiedelt hatten.

Das ostfränkische Königtum war zu schwach, um den Kampf gegen die Ungarn zu organisieren und gleichzeitig den Klassenkampf gegen die Bauern im eigenen Lande erfolgreich zu führen. Der König ließ die mächtigsten Feudalherren deshalb selbstständig regieren. Sie wurden in Franken, Bayern, Schwaben und Sachsen zu Anführern der Heere gewählt und hießen Herzöge (weil sie vor dem Heer herzogen!).

Die Macht der Herzöge beruhte auf Großgrundbesitz. Sie waren Grafen oder (in Schwaben, Bayern und Sachsen) Markgrafen (Marken hießen die Grenzgebiete). Die Herzöge bauten ihre Macht immer weiter aus, indem sie sich Land auf Kosten kleinerer Feudalherren und der Kirche aneigneten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Zielscheiben vom Zaumzeug aus einem fränkischen Fürstengrab
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Es gab viele Ursachen für den Zerfall und die Schwächung des Riesenreiches Karls des Großen. Entscheidend war, dass es seine Nachfolger zunächst nicht vermochten, die Feudalherren unter ihre Macht zu zwingen. Jeder wollte in seinem Herzogtum, in seiner Grafschaft selbst regieren. Das Ostfrankenreich geriet durch den Einfall der Ungarn in Gefahr.

 Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Fall Mathias Domaschk

Der Fall Matthias Domaschk wird immer wieder hervorgekramt und der Nachwelt präsentiert.

Immer wieder werden die unklaren Todesumstände des Matthias Domaschk thematisiert.

DIE TROMMLER hat sich in dieser Ausgabe (Mai 2023) damit beschäftigt und ist der Meinung, dass das MfS gravierende Fehler gemacht hat, an deren Ende der tragische Tod des Matthias Domaschk steht, der hätte vermieden werden können.  Wie überall auf der Welt, werden Fehler seitens einer Behörde nicht zugegeben, auch wenn dadurch Menschenschicksale bis hin zum Tod, entschieden werden. Die Todesumstände des Matthias Domaschk sind ungeklärt.

Es gab zwar einen Prozess im Jahre 2000, doch es ist nicht zur vollständigen Klärung des Falles gekommen.

Die Thüringer Landesregierung kündigte im Januar 2015 eine erneute Überprüfung des Falles Matthias Domaschk an. Bisher ist es nicht dazu gekommen. Vermutlich wird das im Sande verlaufen.

Man könnte mit den Mitteln und Methoden von heute den Fall nochmal aufrollen. Z.B. die Untersuchung von DNA-Spuren. Das gab es ja seinerzeit nicht. Die Frage ist, ob sich die Beweismittel (Spurenträger) noch in der Asservatenkammer befinden oder beseitigt, verunreinigt oder vernichtet worden sind. Gewöhnliche Kriminalfälle sind oft nach Jahren, Jahrzehnten aufgeklärt worden. Darüber gibt es Fernsehsendungen. Aber aufgrund der politischen Brisanz dieses Falles hat der Staat kein Interesse an der zweifelsfreien Aufklärung.

Die ewige Legendenbildung trägt zur antikommunistischen Propaganda der Sieger der Geschichte bei. Diese haben kein Interesse daran das zu ändern.

Petra Reichel

Weiteres siehe Inhaltsverzeichnis

Matthias Domaschk

Matthias Domaschk wurde am 12. Juni 1957 in Görlitz geboren und ist am 12. April 1981 in Gera gestorben. Um seinen Tod gibt es viel Legendenbildung.

Matthias Domaschk
Bildquelle: DER SPIEGEL_Geschichte https://www.spiegel.de/geschichte/ddr-dissident-warum-matthias-domaschk-in-stasi-haft-starb-a-cd14fc57-06ea-4c06-96c5-f9ffeac126b5

Bis zur sechsten Klasse besuchte Matthias Domaschk die Schule in Görlitz. Bereits in dieser Zeit kam er in Konflikt mit dem staatlichen Schulsystem, als er den Besuch der Christenlehre-Gruppe (privater Religionsunterricht- In der DDR war Religion Privatsache. Daher gab es in der Schule keinen Religionsunterricht. Dieser erfolgte für Interessierte in der Freizeit privat durch den Pfarrer. P.R.) einem Arbeitseinsatz anlässlich des Geburtstags von Walter Ulbricht vorzog.[1]  Pflicht geht nun mal vor. Freizeitbeschäftigung, wozu in der DDR der Religionsunterricht gehörte, muss hinten angestellt werden. Diesen hätte er sausen lassen sollen. Falls diese Terminüberschneidung, wobei Domaschk den Termin des Religionsunterrichtes dem Arbeitstermin vorzog, die Ursache für Domaschks Gegnerschaft zur DDR war. Das Ganze passierte, als Domaschk in der 6. Klasse war. Da war er noch Kind und verstand nichts von Politik. Da muss jemand ihm die Gegnerschaft zur DDR eingeflüstert haben. Was für ein Arbeitseinsatz soll das für so einen jungen Schüler, wie Domaschk damals war, gewesen sein?

Er interessierte sich besonders für Geschichte und Archäologie. Im Dezember 1970 zog die Familie Domaschk nach Neulobeda, einem Ortsteil von Jena, wo der Vater Gerhard Domaschk Karriere zum Hauptabteilungsleiter beim VEB Carl Zeiss machte und zu diesem Zweck auch in die SED eintrat, worüber seine Frau Ruth betrübt war.[1]Matthias Domaschk besuchte in Neulobeda die Dr. Theodor Neubauer-Schule. Die Mutter von Matthias Domaschk arbeitete in der Bibliothek der Sektion Theologie der Jenaer Universität. Sie hat gegen den Willen des Vaters Matthias` Konfirmation durchgesetzt. So kommt er 1972 in die evangelische Junge Gemeinde in Lobeda. Dort lernte er seine Freundin und Lebensgefährtin Renate Groß kennen, die nach ihrem Theologiestudium ab 1974 in der evangelischen Kirchgemeinde Lobeda als Katechetin arbeitete.[2]

Matthias Domaschk begann im September 1974 eine Ausbildung zum Feinmechaniker mit Abitur[3] beim VEB Carl Zeiss Jena, die er im April 1977 beendete – jedoch aus politischen Gründen ohne Abitur.

Seit 1975 war er in der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte engagiert. Während der Zeit als Berufsschüler im Alter von 17 Jahren, am 18. Januar 1975, erlebte Matthias Domaschk ein für ihn einschneidendes Ereignis.

Dieses Ereignis war nichts Besonderes, eher alltäglich.  In Jena, in der Gartenstraße 7 nahmen etwa 30 Jugendliche an der Verlobungsfeier eines Freundes teil. Das verursacht natürlich Lärm und die Nachbarn beschwerten sich. Es kam zu einem Polizeieinsatz. Wer keinen Personalausweis dabei hatte, wurden zum Polizeirevier mitgenommen, um die Identität festzustellen. Daraus wurde ein Politikum gemacht. Einige der Jugendlichen beschwerten sich über die Art der polizeilichen Maßnahme. Wikipedia lässt da etwas weg, weil dann geschrieben steht, dass vier Freunde vom Domaschk zu Gefängnisstrafen von einem Jahr verurteilt wurden. Weswegen? Das hat doch nichts mehr mit der Ruhestörung zu tun.

Nun beobachtete das MfS die Gartenstraße 7 in Jena genauer. Der Freundeskreis um die WG in der Gartenstr. 7 in Jena hatte auch Verbindung zu zum Konterrevolutionär Jürgen Fuchs und der Tochter des Schriftstellers Reiner Kunze.

Im Dezember 1975, im Alter von 18 Jahren, zog Matthias Domaschk aus der Wohnung seiner Eltern in Neulobeda aus in das Stadtzentrum von Jena, Rähmen 3, wo er mit seiner Freundin Renate[2] lebte und sie im Dezember 1976 ihre Tochter Julia bekamen.

1976 beteiligte Domaschk sich an Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Es kam zu ersten Verhören durch das MfS.

1977 organisierte er Hilfsaktionen (Briefe und Pakete) für verhaftete Jenaer Konterrevolutionäre und fuhr mit seiner damaligen Lebensgefährtin Renate Groß nach Prag, wo beide der neu gegründeten Charta 77(konterrevolutionäre Organisation in der CSSR P.R.) über die Ereignisse in Jena berichteten.

Aufgrund seiner konterrevolutionären Einstellung wurde Domaschk vier Wochen vor der mündlichen Abiturprüfung aus der Abiturklasse ausgeschlossen und durfte nur noch seine Facharbeiterprüfung abschließen. Sein Traum  Geodäsie studieren blieb ein Traum. Ähnlich, wie bei Roland Jahn war das Bildungsverbot kontraproduktiv. Der Hass gegen die DDR wurde gestärkt (siehe Roland Jahn) und in der BRD, bzw, nach Ende der DDR bekamen diese Leute auch ohne entsprechenden Bildungsabschluss hohe Posten. (siehe Roland Jahn)

Angeblich war Domaschk nach Abschluss seiner Lehre mehrere Monate arbeitslos. Wikipedia zitiert aus dem Buch von Peter Wensierski: „Jena Paradies. Die letzte Reise des Matthias Domasschk“. Ch. Links Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-96289-186-2.

So lange war Arbeitslosigkeit in der DDR nicht möglich. Bereits nach wenigen Wochen schaltete sich die Stadt ein, falls der oder die Betroffene einige Zeit erfolglos nach einer Arbeitsstelle suchte.

Letztendlich fand Matthias Domaschk eine Stelle beim ZIMET, einem mikrobiologischen Forschungsinstitut bei der Akademie der Wissenschaften der DDR im Jenaer Stadtteil Beutenberg, als Maschinist für die Lüftungsanlagen – im Heizungskeller. Zunächst missfiel ihm die Arbeit des Kohleschaufelns. Da die Arbeit aber gut bezahlt war, konnte Domaschk sich doch mit dieser Arbeit anfreunden. Es war ein ruhiger Job, so dass er während der Arbeitszeit die Gelegenheit hatte Bücher zu lesen. Während der Nachtschichten nutzte er die Gelegenheit aus, dass es an seinem Arbeitsplatz ein Telefon gab. Später, bis zu seinem Tod, arbeitete Domaschk in der Tankschlosserei (Bioreaktoren, häufig auch als Fermenter bezeichnet, in dem bestimmte Mikroorganismen oder kleine Pflanzen unter möglichst optimalen Bedingungen kultiviert werden.P.R. siehe Wikipedia) des ZIMET.

Vom Herbst 1977 leistete er bis 1979 Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee. 1980 nahm er an Treffen der Initiativgruppe für einen Sozialen Friedensdienst sowie an Ost-West Treffen zwischen ehemaligen Jenaern und Akteuren der Jungen Gemeinde in Polen teil. Mit seinem Jenaer Freund und Konterrevolutionär Peter Rösch besuchte er Danzig, wo Kontakte zur polnischen Solidarność angebahnt werden sollten.

Am 10. April 1981 war Domaschk mit Rösch unterwegs zu einer Geburtstagsfeier nach Berlin/DDR. Am gleichen Wochenende fand dort der X. Parteitag der SED statt. Auf Befehl des MfS wurden Domaschk und Rösch im Zug verhaftet und nach ersten Verhören in Jüterbog am nächsten Tag in die Untersuchungshaftanstalt des MfS in Gera verbracht. Der Vorwurf: sie hätten Störaktionen während des Parteitages geplant. Es hat sich herausgestellt, dass dem nicht so war. Diese Fahrt war harmlos. Das Ziel war obengenannte Geburtstagsfeier. Die Aktion des MfS war ein Fehler. Warum war das MfS nicht in der Lage, im Vorfeld herauszufinden, dass das eine harmlose Fahrt zu einer Geburtstagsfeier war und sonst nichts?

Nachdem Domaschk am 12. April 1981 verhört wurde, unterschrieb er eine Verpflichtungserklärung für eine inoffizielle Mitarbeit beim MfS. Vor seiner Entlassung um 14 Uhr kam er im Besucherraum der Untersuchungshaftanstalt des MfS ums Leben.

Domaschks Tod war und ist bis heute Anlass zur Legendenbildung. Die konterrevolutionäre Bewegung in der DDR bekam durch dieses traurige Ereignis enormen Auftrieb.  Siehe auch Beitrag zu Roland Jahn.

Gab es eine juristische Aufarbeitung nach 1990?

Die Frage, ob Domaschk wirklich Suizid beging, einem Unfall zum Opfer fiel oder aber ermordet wurde, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Laut Wikipedia schweigen die verantwortlichen MfS-Offiziere.  Na ja, welche Behörde, bzw. deren Vertreter gibt Fehler und Fehlentscheidungen zu? Andere MfS-Angehörige erklärten auf You Tube etwas dazu anhand der Fernsehsendung „Kontraste“, die sich mit dem Fall Domaschk beschäftigt hat. Dieser Beitrag ist auf You Tube gesperrt worden. Begründung: Das Urheberrecht. In einem anderen Video erklärt ein damaliger MfS-Angehöriger was dazu. Allerdings werden die Fehler der Verantwortlichen nicht zugegeben. Siehe weitere Beiträge in dieser Ausgabe DIE TROMMLER, auf You Tube u.a.

Im September 2000[16] kam es zum letzten Prozess, bei dem sein Freund Peter Rösch als Zeuge aussagte. Die Anklage der Freiheitsberaubung wurde nach DDR-Strafgesetzbuch verhandelt, da aus den vorhandenen Indizien, die gegen Suizid sprachen, weder eine von außen herbeigeführte Todesfolge noch eine eindeutige Rechtsbeugung nachgewiesen werden könne, so die damals zuständige Staatsanwaltschaft Gera. Sie hat deshalb die Strafanzeige der Freiheitsberaubung mit Todesfolge abgewiesen. Die MfS-Offiziere wurden zu geringen Tagessätzen wegen Freiheitsberaubung verurteilt.

Im Januar 2015 kündigte die seit Dezember 2014 amtierende rot-rot-grüne Thüringer Landesregierung (Kabinett Ramelow I) eine erneute Überprüfung des Falles an.[17]

Das wird wohl kaum passieren und wohl eher im Sande verlaufen.

Man könnte mit den Mitteln und Methoden von heute den Fall nochmal aufrollen. Z.B. die Untersuchung von DNA-Spuren. Das gab es ja seinerzeit nicht. Die Frage ist, ob sich die Beweismittel(Spurenträger) noch in der Asservatenkammer befinden oder beseitigt, verunreinigt oder vernichtet worden sind. Gewöhnliche Kriminalfälle sind oft nach Jahren, Jahrzehnten aufgeklärt worden. Darüber gibt es Fernsehsendungen. Aber aufgrund der politischen Brisanz dieses Falles hat der Staat kein Interesse an der zweifelsfreien Aufklärung.

Die ewige Legendenbildung trägt zur antikommunistischen Propaganda der Sieger der Geschichte bei. Diese haben kein Interesse daran das zu ändern.

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Bericht des MfS zum Todesfall Domaschk vom 13.04.1981

Am 12.04.1981, gegen 14:15 wurde im Besucherraum der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Gera nach einer Prüfungsbehandlung (Prüfung von Anzeigen und Mitteilungen) Matthias Domaschk tot aufgefunden. Am Ende des langen Verhörs wurde er für das MfS geworben.

Domaschk sollte nach Hause gefahren werden und musste noch etwas im Besucherraum warten. Während dieser Zeit hatte er sich mit seinem zusammengedrehten Oberhemd stranguliert und hatte dazu das Heizungsrohr benutzt.

Sofortige Belebungsversuche waren erfolglos. Der gegen 14:30 eintreffende Anstaltsarzt des medizinischen Dienstes der Untersuchungshaftanstalt in Gera stellte den Tod von Herrn Domaschk fest.

Bericht des MfS zum Todesfall Domaschk 1. Seite

Bisherige Untersuchungen zum damaligen Zeitpunkt:

Herr Domaschk wurde seit mehreren Jahren das die Kreisdienststelle des MfS Gera beobachtet, da er mit Gegnern der DDR Kontakt hatte. Erstmalig fiel er, als er im Herbst 1976 als Mitunterzeichner der „Biermann-Petition“ und eines „Brüsewitz-Schreibens“, auf. Das war der Anlass ihn zu beobachten.

Es erfolgt dann ein Bericht des Tages, über Kontakte und dass die „Junge Gemeinde“ gegen die DDR agierte.

Es wurde festgestellt, dass keine Aktionen gegen den X. Parteitag der SED stattfinden sollten und man sich nur zu einer Geburtstagsfeier traf.

 

 
Verpflichtungserklärung des Herrn Domaschk

Die Vernehmung von Herrn Domaschk dauerte vom 11.04. 1981, 23:05 Uhr bis 12.04. 1981, 03:00 Uhr, vom 12.04. 1981, 03:30 Uhr bis 06:00 Uhr und von 06:30 Uhr bis 12:15 Uhr. Diese wurde von einem Untersuchungsführer, unter zeitweiliger Mitwirkung eines Referatsleiters, der Abteilung IX der entsprechenden Dienststelle des MfS in Gera in einem Vernehmungszimmer durchgeführt. Herr Domaschk verhielt sich ruhig, zeigte keinerlei psychisch abnorme Verhaltensweisen und beantwortete die ihm gestellten Fragen bereitwillig und ohne Vorbehalte. In den Pausen trank Herr Domaschk zwei Kännchen Kaffee und aß zwei belegte Scheiben Brot. (In der langen Zeit hatte Herr Domaschk wenig gegessen. Hatte er kein Wasser getrunken? Nur Kaffee? P.R.)

Nach Abschluss der Untersuchung und Protokollierung der Aussagen von Herrn Domaschk wurde dieser am 12.04.1981 in der Zeit von 12:15 Uhr bis 12:45 Uhr durch den Untersuchungsführer und Referatsleiter zur Zusammenarbeit mit dem MfS befragt, wozu er seine Einwilligung gab. In diesem Zusammenhang wurde Herrn Domaschk erklärt, dass ein weiterer Mitarbeiter des MfS mit ihm sprechen und er danach unverzüglich mit einem PKW des MfS zu seiner Wohnung nach Jena gefahren wird.

In der Zeitspanne zwischen 12:45 Uhr bis 13:30 Uhr führte ein Mitarbeiter der Kreisdienststelle Jena alleine eine Unterhaltung mit Herrn Domaschk. Dieser erklärte schriftlich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem MfS. Man muss bedenken, dass Herr Domaschk übermüdet war und wenig gegessen und getrunken hatte. Es war ein Fehler, in dieser Situation Herrn Domaschk anzuwerben. Man hätte ihn an einem andren Tag aufsuchen müssen, wo er den Kopf frei hatte und in der Verfassung war eine solch wichtige Entscheidung bewusst zu treffen.

Gegen 13:30 Uhr wurde Herr Domaschk durch den Untersuchungsführer in das Besucherzimmer der Dienststelle des MfS in Gera geführt, wo er bis zur geplanten Abfahrt in seine Wohnung allein verblieb.

In diesem Zeitraum hielt sich Herr Rüsch, ein Kumpel von Herrn Domaschk in einem anderen Besucherzimmer derselben Dienststelle des MfS auf und wurde am 12.04.1981 gegen 14:10 Uhr zum PKW der Kreisdienststelle Gera geführt.

Beim Betreten des Herrn Domaschk zugewiesenen Besucherzimmers durch den Wachleiter der Abteilung XIV der BVfS Gera, um Herrn Domaschk zur Rückfahrt mit dem gleichen PKW nach Jena zu holen, wurde dieser um 14:15 stranguliert aufgefunden.

Zu den Motiven des Herrn Domaschk für diese Handlungsweise lagen zum damaligen Zeitpunkt keine Erkenntnisse vor.

Die weitere Beobachtung von Herrn Rösch nach seiner Ankunft in Jena ergab, dass dieser unverzüglich ein namentlich bekanntes aktives Mitglied der „Jungen Gemeinde“ aufsuchte.

Es erfolgten folgende Maßnahmen:

  • die Durchführung der qualifizierten kriminaltechnischen Untersuchung (Spurensicherung) des Ereignisortes (Tatortes),
  • die allseitige Aufklärung der Eltern von Herrn Domaschk und ihre Beobachtung/Absicherung,
  • die verstärkte Überwachung des Umgangs- und Bekanntenkreises von Herrn Domaschk. Insbesondere Personen mit Verbindung in die BRD, bzw. Westberlin wurden ins Blickfeld genommen,
  • Beschäftigung mit dem Untergrund im Raum Jena.

Es wurde vorgeschlagen:

1.) Am 13.04.1981 die Eltern des Herrn Domaschk vom Tod ihres Sohnes in Kenntnis zu setzen. Ihnen erklären, dass ihr Sohn im Zusammenhang mit Gegnern der DDR einer Befragung unterzogen wurde und nach deren Abschluss Suizid beging.

2.) Mit den Eltern alle Maßnahmen der Beisetzung beraten. Dabei wurde die Einäscherung des Leichnams, ohne Feierlichkeit, angestrebt. Die Urnenbeisetzung sollte zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt erfolgen. Diese sollte nur im engsten Familienkreis stattfinden. (Bei einem Suizid ist eine kleine und stille Beerdigung ohnehin üblich. P.R.)

3.) Die Maßnahmen am 13.04.1981 sollten zeitlich so erfolgen, dass der Aufenthalt der Parteitagsdelegation der KPdSU am 13.04.1981 im VEB Carl Zeiss Jena nicht beeinträchtigt wird. (Das ging die ja schließlich gar nichts an. P.R.)

4.) Die Eltern von Herrn Domaschk sollten dazu gewonnen werden, in ihrem Umgangs- und Bekanntenkreis mitzuteilen, dass ihr Sohn durch gegnerische Kräfte in den Tod getrieben wurde. Diese Argumentation könnte durch inoffizielle und offizielle Kräfte unterstützt werden. (Ein fataler Fehler. Wie kann man als zuständige Behörde so empathielos sein? Den Angehörigen in ihrem Schmerz so eine unausgegorene Geschichte aufzutischen mit der Maßgabe diese weiterzuverbreiten, lässt die Spekulation „ins Kraut schießen“. Für die Sieger der Geschichte „ein gefundenes Fressen“, womit sie bis zum heutigen Tage „hausieren gehen“Es erhebt sich die Frage, ob dieser Vorschlag überhaupt umgesetzt wurde. P.R.)

 

Oben genannte Maßnahmen sollten abgesichert werden und vorbeugend gegnerische Aktionen im Inneren der DDR vorbeugend verhindert werden und offensive Gegenmaßnahmen erarbeitet werden.

Original-Dokument des MfS: Bericht zum Todesfall Matthias Domaschk vom 13.04.1981

entnommen aus der MfS-Mediathek

Original-Dokument des MfS: Verpflichtungserklärung des Herrn Domaschk

entnommen aus der MfS-Mediathek

Bericht von Dr. Dieter Lehmann, Generalmajor a.D., ehemaliger Leiter der Bezirksverwaltung Gera des MfS

In der vielen Einseitigkeit findet man eine Gegenstimme in einer älteren Ausgabe des „RotFuchs“. (Dezember 2004)

Den Fehler seiner Behörde gibt er ehemalige Chef natürlich nicht zu. Wenn rechtzeitig festgestellt worden wäre, dass diese Leute nur eine harmlose Reise zu einer Geburtstagsfeier unternehmen und keinesfalls den X. Parteitag der SED stören wollten, wäre es nicht soweit gekommen.

entnommen aus „RotFuchs“, Dezember 2004

entnommen aus „RotFuchs“, Dezember 2004, zusätzlicher Text von Petra Reichel

Zur besseren Lesbarkeit: „RotFuchs“-Artikel als PDF-Datei 

Gespräch mit einem MfS-Angehörigen zum Fall Matthias Domaschk

Das Video ist schon etwas älter. So sind noch die Funktionen des Roland Jahn in der nun vergrößerten BRD nach dem damaligen Stand wiedergegeben worden.

In dem Video ist über ein Video gesprochen worden, das von You Tube gesperrt worden ist. Begründung: Das Urheberrecht. Es ging da um die Fernsehsendung „Kontraste“, die sich mit dem Fall Domaschk beschäftigt hat. Dazu haben MfS-Angehörige was zu erklärt.

Info zu relevanten Personen

Im Dokument vom10.04.1981 geht es um relevante Personen, mit denen sich die Kreisdienststelle Jena des MfS beschäftigte. Zu diesen gehörte auch Matthias Domaschk.

1. Seite des Original-Dokuments

entnommen aus der MfS-Mediathek

Es ging darum, dass diese Leute nach Berlin fahren wollten und diese Fahrt unbedingt verhindert werden musste. (Es ist im Vorfeld nicht recherchiert worden, dass es sich um eine harmlose Fahrt zu einer Geburtstagsfeier handelte. P.R.)

Es sind auch einige darunter, die einen Ausreiseantrag gestellt haben. Einer ist dabei, der plante die DDR illegal zu verlassen, falls sein Ausreiseantrag nicht genehmigt wird. (Man hätte diese Leute ausreisen lassen sollen, anstatt sich ständig sinnlos mit ihnen zu beschäftigen. P.R.)

Das ganze Procedere, nebst Amtshilfe der Trapo (Transportpolizei, in der DDR das, was damals in der BRD die Bahnpolizei war und heute die Bundespolizei für zuständig ist. P.R.).

Es sind einige davon „zurückgeführt“ worden, wie es im DDR-Amtsdeutsch heißt, also sie sind zunächst nach Gera gebracht worden…

Das Ganze endete mit stundenlangen Verhören und dem Tod des Matthias Domaschk.  (Wofür? P. R.)

(Von außen her und aus heutiger Sicht betrachtet, war das eine aufwändige Aktion, die letztendlich nichts brachte. P.R.)

 

Näheres siehe Dokument entnommen aus der MfS-Mediathek, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Dokument

entnommen aus der MfS-Mediathek

Warum beschäftigt sich DIE TROMMLER in der April-Ausgabe 2023 mit Polen?

In der März-Ausgabe haben wir festgestellt, dass Roland Jahn u.a. wegen einem Pappschild am Fahrrad, mit dem er durch Jena gefahren ist, in der DDR strafrechtlich verfolgt wurde. Dieses Pappschild zeigt die Verunstaltung der polnischen Flagge.

Dieses Pappschild hatte Roland Jahn an seinem Fahrrad befestigt und ist damit durch Jena gefahren.
Entnommen aus dem Dokumentenheft aus dem Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv
https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/informationen-zur-stasi/publikationen/publikation/aktion-gegenschlag/

Da fragt man sich, warum die DDR, auch wenn es damals ein verbündetes Land war, um die polnische Flagge kümmerte. Ob es im Sinne Polens war, bleibt dahingestellt. Polen hatte eine Menge Krisen zu überstehen. Vermutlich interessierte sich in Polen niemand um irgendwelche Radler und Radlerinnen in der DDR, die verunstaltete polnische Flaggen mitführten.

Da dieser Fall von den Strafverfolgungsbehörden der DDR derart aufgebauscht wurde, stärkte das Roland Jahn, anstatt ihn zu schwächen. Roland Jahn ist im Westen nun erst recht bekannt geworden.

Hätte es sich um Staatsinsignien der DDR gehandelt, könnte man harte Maßnahmen verstehen. Aber da es sich um verbündetes Ausland handelte und dort vermutlich nicht von Interesse war, hätte es gereicht diesen Fall als Ordnungswidrigkeit einzustufen und eine Geldbuße auszusprechen.

Die Beiträge zu Polen in der April-Ausgabe 2023 siehe Inhaltsverzeichnis.

Petra Reichel

Lech Walesa

Lech Walesa, geboren am 29. September 1943 in Popowo ist ein wichtiger Akteur der Konterrevolution in Polen.

Lech Walesa 2011
Bildquelle: Von Anthony Baratier – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23280138

Er ist von Beruf Elektriker. Von 1980 bis 1990 war er Vorsitzender der Solidarnosc, die als Gewerkschaft firmierte, aber in Wahrheit eine konterrevolutionäre Organisation war. Erst später ist die Solidarnosc eine echte Gewerkschaft geworden. Allerdings ist sie jetzt bedeutungslos.

Von 1990 bist 1995 war Lech Walesa Staatspräsident Polens.

Als Chef der Solidarnosc organisierte er die Konterrevolution in Polen, die heute als „politischer Wandel“ „verkauft“ wird.

1970 war Lech Walesa Mitglied des illegalen Streikkomitees auf der Danziger Werft. Nach dem Ende des illegalen Streiks wurde er verhaftet und wegen „Anti-sozialen Verhaltens“, bzw. „asozialen Verhaltens“ zu einem Jahr Haftstrafe verurteilt.

1976 verlor Lech Walesa seine Arbeit, weil er Unterschriften für eine Edition zur Errichtung eines Denkmals für die 1970 bei dem illegalen Streik zu Tode gekommenen Werfarbeiter gesammelt hatte. Er lebte von den Zuwendungen seiner Freunde. Nun ja, da musste ja viel gesammelt werden, da Walesa eine große Familie hatte.

1978 organisierte er zusammen mit Andrzej Gwiazda und Alexander Hall die illegale Untergrundvereinigung „Freie Gewerkschaften Pommerns“.

1979 wurde er mehrfach wegen Betreibens einer „anti-staatlichen Organisation“ verhaftet, doch das Gericht sprach ihn frei. Er durfte das Gefängnis Anfang 1980 verlassen.

Nach Beginn des Streiks und der Besetzung der Danziger Werft (damals Lenin-Werft) erkletterte Walesa nach eigener Darstellung am 14. August 1980 die Werftmauer und wurde zum Streikführer. Im Westen wurde er zum „Arbeiterführer“ hochstilisiert. 

 

Walesa während des Streiks auf der Lenin-Werft im August 1980
Bildquelle: Von Giedymin Jabłoński – http://ecs.gda.pl/, CC BY-SA 3.0 pl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42199661

Die polnischen Arbeiter ließen sich in die Irre führen und legten nach dem Danziger Beispiel aus Solidarität in ihren Betrieben die Arbeit nieder.

Walesa erkämpfte einige Tage später eine Einigung mit der Werftleitung und erklärte den Streik für beendet.

Anna Walentynowicz stoppte jedoch die Arbeiter, welche die Danziger Werft verlassen wollten, und überzeugte sie, ein überbetriebliches Streik-Koordinationskomitee zu bilden, das den Generalstreik in Polen anleiten und unterstützen sollte.

Im September des gleichen Jahres unterzeichnete die damalige polnische Regierung mit dem Streik- Koordinationskomitee eine Vereinbarung, die u.a. die Solidarnosc legalisierte. Das Streik-Koordinationskomitee legalisierte sich als „Nationales Koordinationskomitee der Gewerkschaft Solidarität“. Walesa wurde zum Vorsitzenden gewählt. Er behielt dieses Amt bis Dezember 1981, als Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht verkündete.

Walesa wurde daraufhin bis zum 14. November 1982 im südöstlichen Polen, nahe der Grenze zur Sowjetunion, interniert.

Das US-amerikanische Magazin „Time“ kürte ihn zum „Mann des Jahres“. Die schwedische Zeitung „Dagens Nyheter“ und die dänische Zeitung „Politiken“ widmeten Walesa ihren mit 50.000 Schwedischen Kronen dotierten Freiheitspreis des Jahres 1982 für seinen „Kampf um das Recht, in Freiheit und Wahrheit zu leben“.

Die versuchte Konterrevolution im Jahre 1980 mit Solidarnosc und deren Chef Lech Walesa kam, trotz aller Propaganda, der alten BRD nicht an. In der Bevölkerung der alten BRD hieß es oft: „Die Polen sollen arbeiten gehen.“ Polenwitze machten die Runde.

1983 beantragte Lech Walesa, als Elektriker auf die Danziger Werft zurückkehren zu dürfen. Während er offiziell als „einfacher Arbeiter“ behandelt wurde, stand er offiziell unter Hausarrest.

Juni 1983 bekam Lech Walesa den Shalom-Preis der BRD-Organisation „Arbeitskreis für Gerechtigkeit und Frieden“.  Im selben Jahr, also auch 1983 wurde Walesa der Friedensnobelpreis verliehen. Weil er fürchtete, bei einer persönlichen Entgegennahme des Preises nicht wieder ins Land gelassen zu werden, nahm seine Ehefrau mit dem damals 13-jährigen Sohn Bogdan den Preis in Oslo entgegen. Das Preisgeld in Höhe von 1,5 Mio. Schwedischen Kronen stiftete Walesa der Polnischen Bischofskonferenz für einen Fonds zur Förderung der privaten Landwirtschaft in Polen. Na ja, dass das mit dem Friedensnobelpreis so eine Sache ist, wissen wir ja alle. Wofür Walesa das Preisgeld stiftete, zeigt doch seine konterrevolutionäre Haltung und dass er kein Arbeiterführer war.

1987 gründete Walesa das illegale „Nationale Exekutivkomitee der Gewerkschaft Solidarnosc“. (Zu der Zeit war die Solidarnosc keine Gewerkschaft.)

1988 organisierte er erneut einen Besetzungsstreik auf der Danziger Werft und verlangte die Legalisierung der Solidarnosc. In ganz Polen wurden die Betriebe bestreikt.

Am 30. November 1988 diskutierte Walesa live im Fernsehen mit dem Vertreter der offiziellen Gewerkschaft Polens. Walesa ging aus dieser Diskussion als Sieger hervor, da er redegewandter aufgetreten ist. Der Weg zu den Gesprächen am „Runden Tisch“ wurde geebnet.

Am 06. Februar 1989 trat der polnische „Runde Tisch“ erstmals zusammen. Walesa vertrat die „Nicht-Regierungsseite“. Während der Gespräche unterzeichnete die Regierung eine Vereinbarung zur Wiederzulassung der Solidarnosc und zur Vorbereitung teilweiser bürgerlicher Wahlen zum polnischen Parlament.

1989 gründete Walesa das „Bürgerkomitee des Vorsitzenden der Gewerkschaft Solidarnosc“ (polnisch Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“ Lechu Wałęsie).

Nun marschierte die Konterrevolution in großen Schritten zum Sieg.

Am 09. Dezember 1990 gewann Walesa die Präsidentschaftswahlen und wurde für fünf Jahre Präsident Polens. Ende 1995 hatte er viel von der anfänglichen Unterstützung der Bevölkerung verloren. Polen wurde während seiner Präsidentschaft zu einem kapitalistischen Land.

Bei den Präsidentschaftswahlen 1995 unterlag Wałęsa knapp dem ehemaligen Kommunisten Aleksander Kwaśniewski. Walesa erklärte, dass er sich politisch zurückziehen wolle.

Dennoch trat im Jahre 2000 Walesa erneut zu den Präsidentschaftswahlen an. Er erhielt jedoch nur unwesentlich mehr, als 1% der Stimmen. Danach erklärte er zum zweiten Mal, dass er sich politisch zurückziehen wolle.  Seither hält er an verschiedenen ausländischen Hochschulen Vorlesungen zur Geschichte und Politik Mitteleuropas und besucht Podiumsdiskussionen zu diesem Thema.

Zum 01. Januar 2006 trat Walesa aus der Solidarnosc aus. Walesa hat schließlich seine Aufgabe als Konterrevolutionär erledigt. Die Solidarnosc ist nun eine echte Gewerkschaft geworden.

Ende 2007 wurde er in den „Rat der Weisen zur Zukunft Europas“ aufgenommen.

Am 1. März 2013 erklärte Walesa in einem Fernsehinterview im Zusammenhang mit der diskutierten Einführung eingetragener Partnerschaften, dass homosexuelle Sejm-Abgeordnete in der hinteren Reihe bzw. „hinter einer Mauer“ sitzen sollten. Er erklärte seine Aussage damit, dass Demokratie von Mehrheiten getragen würde und Homosexuelle, da sie eine Minderheit darstellten, sich der Mehrheitsmeinung unterwerfen sollten. Ferner schlug er vor, die Kundgebungsrechte Homosexueller zu beschränken.  Sein Sohn, der Europa-Abgeordnete Jarosław Walesa, zeigte sich entsetzt über die Wortwahl seines Vaters.[17] Lech Walesa lehnte eine Entschuldigung ab und äußerte, er entspreche in Polen der Meinung der Mehrheit und eingetragene Partnerschaften seien „kein durch Gott geschaffenes Modell“.

Am 22. Juli 2017 wendete sich Walesa während einer Großkundgebung in Danzig gegen die umstrittene Justizreform.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Boleslaw Bierut

Boleslaw Bierut wurde am 18. April 1892 in Rury Brigidkowskie geboren und ist am 12. März 1956 in Moskau gestorben.

Boleslaw Bierut
Bildquelle: Von Burzyński Roman – Bolesław Bierut "Sześcioletni plan odbudowy Warszawy", Warszawa 1950, Książka i Wiedza, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6571881

Bierut wurde 1892 als Sohn eines Lehrers in eine bäuerlich geprägte Familie im heute zu Lublin gehörenden Dorf Rury Brigidkowskie geboren, das damals zum vom Russischen Kaiserreich seit 1867 annektierten Teil Polens, dem sogenannten Weichselland, zählte. 1905 wurde er der Schule verwiesen, weil er an einem Schülerstreik teilgenommen hatte, der sich gegen die Einführung des Russischen als alleiniger Unterrichtssprache richtete. Seine Ausbildung setzte er anschließend an einer kaufmännisch orientierten Abendschule fort und verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem als Schriftsetzer.[1] Mit zwanzig Jahren trat er der Splitterpartei PPS Lewica bei, die später in der Kommunistischen Partei Polens aufging. 1927 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Polens. In der Zwischenzeit übte er mehrere Funktionen im linksgerichteten Konsumverein aus und weilte 1925 bis 1926 und 1928 bis 1930 in Moskau, wo er die Parteihochschule für kommunistische Kader besuchte. In dieser Zeit wurde er als Agent des sowjetischen Geheimdienstes GPU angeworben.[2] In den Jahren 1930 bis 1932 war er als Funktionär der Kommunistischen Internationale in Bulgarien, der Tschechoslowakei und Österreich tätig.

1933 wurde er in Polen zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt, die er im Gefängnis von Rawicz verbüßte. 1938 wurde er jedoch begnadigt und entlassen. 

Bis Kriegsbeginn 1939 arbeitete er als Büroangestellter in einer Warschauer Konsumgenossenschaft.

Um sich dem Dienst in der polnischen Armee zu entziehen, floh Bierut aus Warschau nach Ostpolen, das nach dem 17. September 1939 von der Roten Armee okkupiert wurde. Von dort begab er sich nach Kiew, wo er 1940 in die Kommunistische Allunions-Partei (Bolschewiki) (die später in KPdSU umbenannt wurde) eintrat. 1941 zog er nach Minsk und arbeitete dort während der Zeit der deutschen Okkupation beinahe zwei Jahre in der Stadtverwaltung, um seine Agententätigkeit für den sowjetischen Geheimdienst NKWD zu tarnen. Auf Stalins Befehl begab er sich 1943 ins deutsch besetzte Warschau und übernahm im Untergrund bald wichtige Funktionen im Zentralkomitee und Generalsekretariat der neu entstehenden Polnischen Arbeiterpartei.[4]

Ab Dezember 1944 war er Vorsitzender des Landesnationalrates (KRN), der, gelenkt von Moskau, die kommunistische Machtübernahme in Polen vorbereiten sollte. Offiziell war Bierut parteilos, doch war er geheimes Mitglied des Politbüros der kommunistischen Arbeiterpartei.[4]

Im Juli 1945 gehörte er als KRN-Vorsitzender der polnischen Delegation bei der Potsdamer Konferenz an, neben dem in Moskau geschulten Ministerpräsidenten Edward Osóbka-Morawski, Außenminister Wincenty Rzymowski und Landwirtschaftsminister Stanisław Mikołajczyk, der bis 1944 Ministerpräsident der polnischen Exilregierung in London gewesen war.

Bierut wurde 1947 vom Sejm zum Staatspräsidenten gewählt. Unterstützt vom sowjetischen Auslandsgeheimdienst gewann er den Machtkampf gegen den Parteivorsitzenden Władysław Gomułka, der 1948 wegen „rechtsnationalistischer Abweichung“ aus der Partei ausgeschlossen und inhaftiert wurde. Bierut nahm seinen Platz an der Spitze der PZPR ein.

Da Bierut ein aufrechter Kommunist war und konsequent handelte, verdammt man ihn genauso, wie Stalin und macht ihm die gleichen Vorwürfe.

Bierut ließ die Kollektivierung der Landwirtschaft einleiten und führte einen Kampf gegen die katholische Kirche.[5]   Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde in Polen später gestoppt, bzw. rückgängig gemacht.

1952 wurde mit der offiziellen Umbenennung der Republik Polen in Volksrepublik das Präsidentenamt abgeschafft, Bierut ersetzte Józef Cyrankiewicz als Vorsitzenden des Ministerrates. 1954 gab er das Amt des Regierungschefs wieder an Cyrankiewicz ab.

Im Februar 1956 fuhr Bierut nach Moskau, um an den Beratungen des XX. Parteitags der KPdSU teilzunehmen.

Nach der Lektüre von Nikita Chruschtschows Geheimrede „Über den Personenkult und seine Folgen“, wo Chruschtschow mit Stalin „abrechnet“ und diesen verdammt, erlitt Bierut einen Herzanfall und verstarb zweieinhalb Wochen später in Moskau.[6] 

Er erhielt ein Staatsbegräbnis und ein Mausoleum auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau. Schon bald nach seinem Tod verbreitete sich in Polen das Gerücht, er sei ermordet worden. Nach Auskunft seines Sohnes starb Bierut an Nierenversagen.[7] Was auch immer die organische Ursache des Todes von Bierut war, so kann man „1 und 1 zusammenzählen“ um eine psychische Ursache, als Reaktion auf die Geheimrede von Chruschtschow, als Todesursache zu sehen.

Bieruts Mausoleum auf dem Militärfriedhof Powatzi
Bildquelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29400

1950 und 1946 drei Dörfer nach ihm benannt – Bolesławowo, Bierutowice und Bierutowo. Außerdem trug das Schiff MS Bolesław Bierut seinen Namen. Mehrere Betriebe und öffentliche Einrichtungen waren auch nach Bierut benannt, so die Breslauer Universität (1952–1989), Palast der Jugend in Kattowitz (1951–1990) sowie das Stahlwerk in Częstochowa (1952–1989) und die Fabryka Samochodów Ciężarowych in Lublin.

Görlitzer Abkommen: Wilhelm Pieck und Boleslaw Bierut reichen sich über die Oder-Neiße-Grenze die Hände, Briefmarke der DDR von 1951
Bildquelle: Von Deutsche Post der DDR – Deutsche Post der DDR, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3174260

Die vielen Denkmäler, die in der Bierut-Ära aufgestellt wurden, sind nach der Konterrevolution 1989 in das Museum des Sozrealismus in Kozłówka gebracht worden. Noch heute existiert in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine nach ihm benannte Straße.[9]

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel