Ihr solltet euch in euerer Zeit umschauen und handeln !

Vom Sinn des Sozialismus

Ist es eigentlich bedeutsam, in welcher Gesellschaftsordnung man lebt?

Natürlich ist es bedeutsam, in welcher Gesellschaftsordnung man lebt.

Damals war ein Kindergartenplatz, ein Krippenplatz selbstverständlich. Das wurde in der alten BRD schlechtgeredet und die Mütter in der DDR als „Rabenmütter“ hingestellt. Dass es in Frankreich ebenso selbstverständlich ist, dass die Kinder in die Krippe und den Kindergarten gehen, interessierte nur nebenbei, denn Frankreich ist schließlich auch ein kapitalistisches Land. Es wurde und wird im Nachgang behauptet, dass die Kinder in der DDR indoktriniert worden wären. Nach dem Ende der DDR wurden die Kindergarten- und Krippenplätze abgebaut. Nun kommt man darauf, dass es doch gut ist, dass Kinder dorthin gehen. Doch nun bekommen es die Verantwortlichen nicht auf die Reihe für ausreichendend Plätze zu sorgen. Ebenso schaffen sie es nicht, genügend Erzieher und Erzieherinnen auszubilden und zu beschäftigen. Die Unkostenbeiträge sind eine Belastung für das Familienbudget.

Aber ach, das war für euch selbstverständlich.

Ferienlager zum Spottpreis habt ihr als selbstverständlich angesehen. Die Kirche bot in der alten BRD und heute Ferienlager an. Aber nicht zum Spottpreis. Aber darüber hattet ihr damals nicht nachgedacht, wer die Ferienlagerangebote finanziert. Es waren die Betriebe. Einen kapitalistischen Betrieb interessiert das nicht. Auch das war für Euch selbstverständlich.

Auch wenn nicht alle Wohnbedingungen in der DDR ideal waren, so machten die Wohnkosten in der DDR nur einen minimalen Betrag aus. Heute fressen die Wohnkosten einen Großteil des Familienbudgets auf. War alles damals für euch selbstverständlich.

Im Sozialismus standen die Interessen der Werktätigen an erster Stelle. Am Ende lief nicht alles rund. Was fiel euch ein? Das Land zu verlassen. Glaubten diejenigen, die über Ungarn und die Botschaft der BRD in Prag ihren Weg in die BRD nahmen, dass ihnen dort „gebratene Tauben in den Mund flogen“?

Die Schöpferkraft der Arbeiterklasse war ermüdet. Die SED war nicht mehr in der Lage die Arbeiterklasse zu vertreten. Habt ihr euch Gedanken gemacht, wie man die Krise überwinden könnte?

Ihr habt demonstriert. Es mögen sich einige Leute mit ehrlichen Absichten an den Demonstrationen beteiligt haben. Doch es gab nur den unverbindlichen Spruch: „Wir sind das Volk.“ Warum keine Gedanken und Vorschläge, was man konkret ändern könnte? In den sogenannten Bürgerrechtsgruppen mag es auch ehrliche Leute gegeben haben, doch ihr Führungspersonal wurde längst aus der BRD gesteuert. DIE GRÜNEN der BRD nahmen Einfluss, ihre Politikerinnen und Politiker nutzen ihren Diplomatenstatus, um Schriftgut, Bild- und Tonträger zu schmuggeln. Die Medien in der BRD bekamen „Stoff“ und beeinflussten die euch. Die Demos wurden vom Westen „gekapert“ und aus „Wir sind das Volk“ wurde „Wir sind ein Volk“.

40 Jahre lang waren Erfolge der DDR unter der Führung der Partei der Arbeiterklasse, der SED möglich. Als diese dazu nicht mehr in der Lage war, gab es keine Zukunft mehr für die DDR.

Was waren die wichtigsten Punkte im vergangenen Sozialismus?

Im Sozialismus gab es das gesellschaftliche Eigentum an den entscheidenden Produktionsmitteln.

Fabriken, Maschinen, Anlagen und Bodenschätze waren Volkseigentum. Das Vieh, die landwirtschaftliche Nutzfläche, landwirtschaftliche Maschinen und Anlagen waren das gesellschaftliche Eigentum der Genossenschaftsbauern.

Damit hatte die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen zwei wichtige Funktionen in der Gesellschaft: Sie waren Produzent des gesellschaftlichen Reichtums und Eigentümer an den wichtigsten Produktionsmitteln zugleich. Sie entschieden über die Produktion und deren Verteilung. Im Mittelpunkt standen ihre eignen Bedürfnisse. Deshalb konnte es im Sozialismus nur Sinn und das Ziel der Produktion sein, zur ständig wachsenden Befriedigung der materiellen und geistig-kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen beizutragen. Gesellschaftliche Aktivität, Neuererwesen, jede Initiative nutzte letztendlich der gesamten Gesellschaft und damit jedem einzelnen selbst. (Damit haperte es am Ende. PR.)

Im Sozialismus hatte die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen die Macht fest in ihren Händen.

Vor allem die Angehörigen der Arbeiterklasse stellten die Mehrheit der Abgeordneten der Volksvertretungen, der Staatsfunktionäre und der Offiziere. Damit war gesichtet, dass alle Errungenschaften, die von den Werktätigen erzielt wurden, auch allen zugutekamen. Neben den beiden genannte Aufgaben, Produzent und Eigentümer zugleich zu sein, trat noch eine dritte: Die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen übten die Macht aus und sichteten so, dass der Sinn des Sozialismus erfüllt und der Sozialismus geschützt wurde. (Na ja, die Macht entglitt der Arbeiterklasse aus den Händen. Alle Mühe hat nicht gereicht. P.R.)

Die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen wurden von der marxistisch-leninistischen Partei geführt.

Die SED vermochte es zunächst durch ihre wissenschaftliche Leitungstätigkeit, auch in komplizierten Situationen, dem Handeln der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen die entscheidenden Anregungen und Zielstellungen zu geben. Dadurch trat ein, was es in noch keiner Gesellschaft vor dem Sozialismus gab: Das Handeln der Werktätigen unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei bewirkte den gesellschaftlichen Fortschritt. Das war ein gewaltiger Vorzug des Sozialismus, aber auch ein hoher Anspruch, dem die Partei am Ende nicht mehr gewachsen war.

Die SED hatte nicht nur Freunde. Im Gegenteil: Wie die KPdSU und andere kommunistische Parteien in der Welt, war auch die SED ständigen Angriffen aus den Ländern des Kapitals ausgesetzt. Auf wirtschaftlichem Gebiet sollte die bedeutende Leistungskraft des Sozialismus geschwächt werden. (Was ja schließlich gelungen ist. P.R.)  Auf dem internationalen diplomatischen Parkett wollten die Feinde des Sozialismus diesen benachteiligen und seinen Einfluss auf die jungen Nationalstaaten schmälern. (Was ja auch gelungen ist. Nicht nur in Europa gab es die „Wende“, sondern auch in diesen Staaten kamen neue Regierungen an die Macht und sie änderten ihren politischen Kurs. P.R.)

Besonders stark tobte der Klassenkampf um die Köpfe der Menschen. In Rundfunk und Fernsehen, mittels Presse und mündlicher Propaganda wurden und werden auch heute im Nachgang die Errungenschaften des Sozialismus geleugnet und entstellt. (Von Ausnahmen abgesehen, waren westliche Printmedien in der DDR verboten. Rundfunk- und Fernsehsender aus dem Westen waren aber frei zugänglich. Heute fließen Steuergelder in Institutionen z.B. im heutigen Deutschland, die mit dieser Aufgabe von den heutigen Machthabern betraut sind. P.R.)

Dabei wurden zwei Ziele verfolgt: Einmal ging es den Feinden des Sozialismus um die Werktätigen in den kapitalistischen Ländern. Sie sollten im Sozialismus nicht die erstrebenswerte Zukunft erkennen. (Daran waren z.B. in der alten BRD die Werktätigen tatsächlich nicht interessiert und im Nachgang sind sie es erst recht nicht. P.R.)

Zum anderen sollten die Verleumdungen und raffinierten Entstellungen des Sozialismus auch die Bürgerinnen und Bürger der sozialistischen Länder verwirren und verunsichern. Besonders soll ihr Vertrauen in die führende Rolle der Arbeiterklasse, ihrer Partei und in die Gewerkschaften erschüttert werden. (Das ist ja gründlich gelungen. Der DDR-Hasser Roland Jahn hat erklärt, wie es gemacht wurde. DIE GRÜNEN waren dabei u.a. Helfershelfer. Heute ist es eine Kriegspartei. Na das passt doch. Die Erklärung von Roland Jahn kann man sich auf YouTube angucken. P.R.)

(Nun ja, die Vorschau des Videos gesperrt. Das Gesicht des Herrn Jahn müssen wir nicht unbedingt in der Vorschau sehen. Bitte den Link „Auf YouTube ansehen“ klicken. Dann kommt man auch zum Video. P.R.)

Diese Kräfte verbreiteten systematisch, in der DDR könne nur „etwas werden“ wer in SED ist. Auch der Nachwelt wird heutzutage das Gleiche erzählt. Das galt nicht für alle Positionen, doch bei einigen war es so, auch wenn das Staatsbürgerkundebuch dies bestreitet. Doch in der alten BRD und auch im heutigen Deutschland ist es doch auch nicht anders. Je nach Örtlichkeit ist es für gewisse Positionen von Vorteil, wenn man einer etablierten Partei angehört. Doch betreffs der DDR wird ein Drama draus gemacht.

Den imperialistischen Gegnern missfiel auch, dass die SED überall dort organisiert war, wo die Menschen arbeiteten und lebten. Deshalb haben sie stets beklagt, dass die SED „allmächtig und „überall gegenwärtig“; nirgends konnte man ohne die SED sein usw. Aber es war gerade der Vorzug der SED: Weil sie zunächst überall eng mit dem Leben und der Arbeit der Massen verbunden war, deshalb vermochte sie, die Interessen der Massen zu kennen und die Massen zu gewinnen. (Das änderte sich aber mit der Zeit. P.R.)

Durch diese zunächst enge Verbindung der SED mit den Werktätigen war es gelungen, dass Millionen die Politik der SED unterstützten und mit ihrer Arbeit den Sozialismus stärkten. (Das ließ mit den Jahren nach. P.R.)

Zunächst missfiel das den „Kritikern des Sozialismus“. Sie wollten nicht das Aufblühen des Sozialismus, sondern ihr Wunschtraum war der Zusammenbruch. (Der Wunschtraum, der in Erfüllung gegangen ist. P.R.)

Deshalb trieben sie Keile zwischen die SED und die Werktätigen. Jeder Fehler wurde gnadenlos ausgenutzt. Als die SED noch mit der Arbeiterklasse und den anderen Werktätigen fest verbunden war, war dieses Bestreben zum Scheitern verurteilt. Als dieses Band immer loser wurde, sich immer mehr Unzufriedenheit in der Bevölkerung breit machte, war ihr Werk von Erfolg gekrönt. Und das in allen sozialistischen Ländern Europas gleichzeitig.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Das Bild zeigt die kämpferische Faust. Doch 1989 hat niemand mehr für die Existenz der DDR gekämpft. Auch wenn manche was anderes behaupten. Das Land wurde kampflos den Feinden zu Annexion übergeben. Natürlich war es gut, dass es nicht zum Bürgerkrieg u.ä. kam. Das muss man als letzte Amtshandlung der Verantwortlichen anerkennen. Aber doch mit gewaltlosen Aktionen hätte man das Motto der Konterrevolutionären „keine Gewalt“ kapern können und zeigen, dass man die sozialistische DDR, in welcher Form auch immer, behalten möchte. Da auch die verbündeten Staaten fielen, hätte die DDR allein dagestanden. Ohne Verbündete wäre es in Europa seinerzeit unrealistisch gewesen als sozialistischer Staat weiterhin zu existieren. Doch zumindest hätte man mit Würde verlieren können. So, wie es gelaufen ist, ist die Niederlage schändlich. Die imperialistischen Feinde frohlocken und hetzen weiterhin.

Kurz nach dem Ende der DDR war der Krieg in Jugoslawien möglich geworden.

Die NATO ist nach Osten hin erweitert worden. Nun ist der Krieg zwischen der Ukraine und Russland möglich geworden. Die bedrohliche Lage eines III. Weltkrieges steht im Raum, den niemand gewinnen kann. Es wird dann Tod und Elend geben. Gäbe es die DDR noch, wäre der Frieden sicherer.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Im Nachhinein müssen wir uns auf diese Aufgabe zurückbesinnen, wenn wir uns darüber Gedanken machen, warum die Ideologen des Kapitalismus Erfolg gehabt haben.

Petra Reichel

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR

„Aus meinem Leben“

Unter dem Titel „Aus meinem Leben“ erschien 1980 die Autobiografie von Erich Honecker.

Den Anstoß für das Projekt gab der britische Printmedien-Unternehmer Robert Maxwell, der für seine Publikationsreihe „Leaders oft he World“ bereits autobiografisch angelegte Porträts von Leonid Breschnew und Maraij Desai (Premierminister von Indien von 1977 bis 1979), Jimmy Carter, Helmut Schmidt und weiteren Autoren ankündigte. Breschnew machte den ansonsten in der DDR kaum akzeptablen westlichen Verlag für die Verantwortlichen in der SED salonfähig.

Mit der Ausarbeitung der einzelnen Buchkapitel war das Institut für Marxismus-Leninismus beauftragt, wobei die jeweils fertigen Teile Honecker vorzulegen waren, der nur die Kapitel zur eigenen Jugendgeschichte bis zum Kriegsende selbst verfasste. (Nun ja, es werden viele Werke von Politikerinnen und Politkern von Ghostwritern verfasst. Das kann man sich ja denken, da diese Leute wenig Zeit haben, insbesondere wenn sie noch im Amt sind, wie damals Erich Honecker. P.R.)

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Eng mit dem Leben verbunden ?

Die Überschrift habe ich mit einem Fragezeichen versehen, denn die enge Verbundenheit der Politik mit dem Leben, wie sie im Schulbuch dargestellt wurde, war fraglich. Petra Reichel

Organisiert, wo die Werktätigen arbeiten und leben

Um die führende Rolle der Arbeiterklasse durchzusetzen, musste die Partei mit dem Leben in seiner ganzen Vielfalt eng verbunden sein. Die SED verfolgte den Grundsatz, überall dort organisiert zu sein, wo die Werktätigen arbeiteten und wo sie lebten.

(Das alte Schulbuch zeigt natürlich, wie es sein sollte. Musterbeispiele also. Dass es in Wirklichkeit anders aussah, wissen wir. Vielleicht hätte man sich in der Krise darauf besinnen sollen, anstatt ein unverbindliches „Wir sind das Volk“ zu grölen. P.R.)

In den Brigaden und anderen Kollektiven gab es Parteigruppen. Mehrere Parteigruppen oder größere Arbeitskollektive bildeten Abteilungsparteiorganisationen oder Grundorganisationen. Grundorganisationen gab es in Betrieben, Institutionen, Schulen, aber auch in den Wohnbezirken. Die SED war weiterhin auf Kreis-, Bezirks- und Republikebene organisiert; sie hatte ihren festen Platz in den bewaffneten Organen.

Zum Zeitpunkt des XI. Parteitages der SED (1986) vereinte die SED in ihren Reihen 2 1999 741 Mitglieder und 104380 Kandidaten.

Von 100 Berufstätigen der DDR waren 22 Mitglieder oder Kandidaten der SED.

Die SED hatte 1986 59 116 Grundorganisationen und 28 039 Abteilungsparteiorganisationen.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Alle Erfahrungen und Erkenntnisse der Parteiarbeit liefen in der zentralen Leitung der SED zusammen. Im Ergebnis dessen entstanden auf dieser Ebene wichtige Beschlüsse. Sie hatten für die gesamte Partei Gültigkeit und bestimmten Grundrichtungen im Entwicklungsprozesse der Gesellschaft.

Das höchste Organ der SED war der Parteitag. Er fand in der Regel alle fünf Jahre statt. Die Parteitage prüften den zurückgelegten Weg und legten die Aufgaben für die kommende Zeit dar. Dazu wurden Beschlüsse gefasst. Der Parteitag wählte das Zentralkomitee. Er beschloss auch das Programm und das Statut der Partei. Die Delegierten zu den Parteitagen kamen aus allen Bezirksparteiorganisationen und wurden dort gewählt. Die meisten Delegierten waren Arbeiter.

Der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, in der Abteilung für Herzchirurgie des neuerbauten Chirurgisch Orientierten Zentrums der Charité in Berlin
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Entsprechend ihrer gegenwärtigen Tätigkeit waren von den Delegierten des XI. Parteitages der SED 65,2 Prozent Arbeiter, 6,9 Prozent Genossenschaftsbauern, 26,7 Prozent Angehörige der Intelligenz.

Auf dem XI. Parteitag der SED wurden 165 Mitglieder und 57 Kandidaten des Zentralkomitees gewählt, die in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens tätig waren. Die meisten von ihnen entstammten der Arbeiterklasse. Das Zentralkomitee war zwischen den Parteitagen das höchste Leitungsgremium der SED. Es tagte zwei- bis dreimal im Jahr und fasste dabei wichtige Beschlüsse für die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche. (Die soziale Herkunft der ZK-Mitglieder hatte nur noch statistischen wert. Es waren letztendlich Berufspolitiker. P.R.)

Für die laufende Tätigkeit wählte das Zentralkomitee ein Sekretariat des Zentralkomitees. Seine Mitglieder waren der Generalsekretär und die Sekretäre des ZK der SED, die für bestimmte Aufgabenbereiche der Parteiarbeit Verantwortung trugen. Zugleich wählte das ZK für politische Grundsatzentscheidungen ein Politisches Büro des Zentralkomitees (Politbüro). Ihm gehörten besonders erfahrene leitende Funktionäre der SED an, die als Sekretäre des ZK, als Erste Sekretäre der Bezirksleitungen der SED oder als Funktionäre des Staatsapparates und in gesellschaftlichen Organisationen tätig waren. (Erfahrung wurde mit Überalterung verwechselt. Es war nicht gelungen geeigneten Nachwuchs heranzuziehen und die altgedienten Genossinnen und Genossen in Ehren in Pension zu schicken.  Altgediente Genossinnen und Genossen wurden während und nach der Konterrevolution aus der SED-PDS ausgeschlossen. Der heutige Zustand der LINKEN, wovon die SED-PDS eine der Quellparteien ist, spricht Bände. Listen der Mitglieder des Politbüros siehe Wikipedia. Frauen waren als Vollmitglieder gar nicht repräsentiert. Ingeburg Lange und Margarete Müller waren Kandidatinnen des Politbüros. Siehe Wikipedia. P.R.)

Erich Honecker- Generalsekretär des ZK der SED

Das ZK wählte auch den Generalsekretär des ZK der SED. Diese Funktion bekleidete Erich Honecker.

Im Schulbuch folgt an dieser Stelle eine Kurzbiografie zu Erich Honecker. Diese war auf dem Stand von 1987. Ich habe sie fortgeführt, vervollständigt und einen eigenen Beitrag dazu gemacht. Ebenso gibt es einen eigenen Beitrag zur Autobiografie „Aus meinem Leben“.                                                                       Petra Reichel


Breite Mitarbeit aller

Die höchsten Gremien der SED waren stets die Beratungen des Parteitages oder des Zentralkomitees. Die dort gefassten Beschlüsse wurden in der täglichen Arbeit umgesetzt. Darin widerspiegelte sich ebenfalls das Bestreben der SED, eng mit dem Leben des Volkes verbunden zu sein.

Auf allen Ebenen war es so – Überall wurde vor der Beschlussfassung gründlich mit den Parteimitgliedern des betreffenden Bereiches beraten.  Deshalb spielten die Delegiertenkonferenzen in den Bezirken, Kreisen, Orten, großen Betrieben und Institutionen eine so herausragende Rolle im Leben der Partei. Sie wählten Leitungen, denen wiederum die Besten und Erfahrensten gehörten.

Jedes Mitglied der Partei hatte das Recht und die Pflicht zugleich, an den Mitgliederversammlungen in den Parteigruppen und Grundorganisationen teilzunehmen.  Sie fanden einmal im Monat statt. Hier diskutierten die Genossinnen und Genossen ihre Aufgaben, nahmen kritisch Stellung zu ihrer Arbeit und informierten sich über die Beschlüsse der zentralen Leitungen.

Musterbeispiel

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Konkrete Wege, um mehr, besser und billiger zu produzieren, im Werkzeugkombinat Schmalkalden

Der Kampf um die Lösung der Aufgabe, mehr, besser und billiger zu produzieren, wurde auch im Werkzeugkombinat Schmalkalden geführt.

Ein Produktionsbereich stellte Schneidwerke für Mähdrescher, Mähhäcksler Schwadmäher her. Diese Produktion war also für die Landwirtschaft und damit für die Ernährung aller Bürgerinnen und Bürger der DDR von allergrößter Bedeutung.

Vor dem Produktionsbereich stand seit Anfang 1982 die Aufgabe, zusätzlich Erzeugnisse im Wert von 1 Million Mark herzustellen, die das Gütezeichen „Q“ trugen. 15 Tonnen Walzstahl waren einzusparen, obwohl die Produktion gesteigert wurde. Um das zu schaffen, gab es klare Festlegungen.

In der Berichtswahlversammlung der Parteigruppe wurden alle Aufgaben von dieser Zielstellung her abgeleitet und ein Kampfprogramm beschlossen. Alle Genossinnen und Genossen hatten den Auftrag, sich gründlich Gedanken zu machen, wie die hohe Zielstellung erfüllt werden konnte.

Die Schleiferin Genossin Elke Schönecker war dafür eingetreten, sich intensiv um die Kleinmechanisierung zu kümmern. Viele Arbeitsgänge und Transportwege mussten per Hand und mit schwerer körperlicher Arbeit vollzogen werden. Genossin Schönecker rechnete aus, dass sich die Arbeitszeit für solche Gänge verringern, die Leistung jedoch erhöhen würde. Zudem würde schwere körperliche Arbeit wegfallen.

Inzwischen wurden Transportwagen konstruiert, die tatsächlich jene von Elke Schönecker errechneten Vorteile erbrachten.

Der Einrichter Genosse Gerhard Zapf erklärte: „Für uns ist jede Minute Arbeitszeit kostbar. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass mitunter Maschinen stillstehen, nur weil deren Instandhaltung lediglich nur ein Elektriker ausgebildet wurde.“  Er schlug vor, dass ein zweiter Kollege zusätzlich qualifiziert, so dass die Reparaturen immer schnell ausgeführt werden konnten. Das war inzwischen geschehen, und der Bereich konnte auch dadurch seine Verpflichtung realisieren, etwa 5 000 Arbeitsstunden im Jahr einzusparen.

Sinnvoller Einsatz menschlicher Arbeitskraft, Nutzung des Vorhandenen, sorgsamer Umgang mit Zeit, Maschinen und Material- dazu hatten die Genossinnen und Genossen kluge Vorschläge unterbreitet. Ihre Nutzung führte dazu, dass das gesamte Kollektiv im 1. Halbjahr 1982 seinen Plan monatlich etwa mit 110 Prozent erfüllte.


(Allerdings lief es nicht überall so mustergültig. Frust machte sich breit. P.R.)

Das Kombinat wurde 1990 aufgelöst. Die einzelnen Unternehmen erhielten ihre Selbständigkeit zurück und wurden von den früheren Eigentümern, ehemaligen leitenden Mitarbeitern oder von Werkzeugherstellern aus den alten Bundesländern weitergeführt. Einige dieser Unternehmen bzw. deren Nachfolger bestehen noch heute (Juli 2010). Quelle und weitere Ausführungen zu dem Betrieb seit 1990 siehe Wikipedia.


Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR

Kurzbiografie – Erich Honecker

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Erich Honecker wurde am 25. August 1912 in Neunkirchen (Saarland) geboren. Er entstammte einer klassenbewussten Arbeiterfamilie. Bald fand er den Weg zur kommunistischen Kinder- und Jugendbewegung. 1929, mit gerade 17 Jahren, wurde Erich Honecker Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Die Partei übertrug ihm wichtige Aufgaben im Kommunistischen Jugendverband. Nach dem Machtantritt des Faschismus (1933) leistete Eich Honecker illegale Arbeit im antifaschistischen Kampf. Er half, in Deutschland Widerstandsgruppen gegen den Faschismus zu organisieren, und hielt Verbindung zwischen ihnen. Im Dezember 1935, also mit 23 Jahren, wurde Erich Honecker von der faschistischen Geheimpolizei (Gestapo) verhaftet und eingekerkert.

Aus dem Zuchthaus Brandenburg wurde er 1945 von der Sowjetarmee befreit. In den Jahren der Haft war Erich Honecker standhaft geblieben und hatte allen Quälereien und Grausamkeiten der Faschisten getrotzt. Sofort ging er nach der Befreiung an die Arbeit. Die KPD übertrug ihm erneut Funktionen in der Jugendarbeit. 1946 gehörte Erich Honecker zu den Mitbegründern der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Er war ihr erster Vorsitzender. Diese Funktion bekleidete er bis 1955. Seit dieser Zeit war Erich Honecker im Kollektiv der Parteiführung der SED tätig. Mitglied des Parteivorstandes bzw. des Zentralkomitees war Erich Honecker seit dem I. Parteitag der SED (1946). 1971 wurde Erich Honecker an die Spitze der SED gewählt. Er war auch Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. Mit seinem Namen und seinem Wirken war eng die Politik zur weiteren Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft in den 1970ern und 1980ern Jahren verbunden. 


Soweit der Stand zur Person Erich Honecker im Jahre 1987.

Das Schulbuch empfahl das Buch „Aus meinem Leben“, die Autobiografie von Erich Honecker. Bei einem großen Online-Versandhändler kann man das Buch heutzutage erwerben. In Antiquariaten wird man wohl auch fündig werden.

Fortführung der Kurzbiografie – Erich Honecker von Petra Reichel

1981 empfing Erich Honecker den damaligen Bundeskanzler der BRD, Helmut Schmidt, im Jagdschloss Hubertusstock am Werbellinsee.     (Siehe auch „Warum lud Erich Honecker Helmut Schmidt ein?“)                                                                                                                    1987 besuchte Erich Honecker die BRD und wurde vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl empfangen.

Auf dem letzten Gipfeltreffen der Warschauer-Vertrags-Staaten im Rahmen des „Politisch beratenden Ausschusses des RGW“ wurde durch die Sowjetunion der Grundstein zum Auseinanderbrechen der sozialistischen Staatengemeinschaft gelegt. Erich Honecker konnte keine Maßnahmen mehr ergreifen, um noch etwas zu retten. Er erkrankte schwer und musste seine Teilnahme am Treffen abbrechen. Aufgrund seiner Krankheit war Erich Honecker bis September 1989 nicht im Amt. Das konterrevolutionäre Treiben griff immer mehr um sich. Das Verhältnis zwischen Gorbatschow und Honecker war gespannt, da Honecker Gorbatschow durchschaut hatte. Von Juli bis 1. Oktober 1989 nahm Erich Honecker aus Krankheitsgründen nicht mehr an den Politbürositzungen teil. Die nächste fand am 17. Oktober 1989 statt. Auf der hatte Willi Stoph die Abberufung Erich Honeckers beantragt, die mehrheitlich von den Sitzungsteilnehmern bestätigt wurde. Honecker selbst war von dieser Entscheidung überrascht. So, wie es sich darstellt, war es ein Komplott seiner jahrelangen Gefolgsleute. Da die Konterrevolution weiterhin marschierte, erklärte er schon am 18. Oktober auf dem 9. Plenum des ZK der SED seinen Rücktritt als Generalsekretär, als Vorsitzender des Staatsrates der DDR und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates. Als seinen Nachfolger schlug er Egon Krenz vor.

Nach der konterrevolutionären Großdemonstration am 4. November 1989 und dem Fall des Antifaschistischen Schutzwalls am 9. November 1989 begann die Treibjagd auf Erich Honecker.

In der Restzeit der DDR wurde gegen Erich Honecker staatsanwaltlich ermittelt.

Am 23. November 1989 leitete die Zentrale Parteikontrollkommission der SED ein Parteiverfahren gegen ihn ein. Auf dem letzten Plenum des ZK der SED wurde Erich Honecker aus der SED, die er seit 1971 geleitet hatte, hinausgeworfen. Am 28. Januar 1990 erschienen an Honeckers Krankenbett zwei DDR-Staatsanwälte und erklärten ihn im Krankenzimmer für vorläufig festgenommen und wurde ins Gefängnis Rummelsburg verfrachtet. Nach einem Tag Gefängnis musste Erich Honecker wegen Haftunfähigkeit entlassen werden. Nun war er und seine Frau Margot obdachlos.

Pfarrer Uwe Holmer aus Lobetal bei Berlin nahm das Ehepaar Honecker bei sich auf.

Am 24. März 1990 sollte das Kirchenasyl beim Pfarrerehepaar in Lobetal beendet sein und die das Ehepaar Honecker sollte im benachbarten Ferienheim in Lindow untergebracht werden. Diesen Aufenthalt brachen die Honeckers, wegen politischer Proteste, nach einem Tag ab und zog wieder zurück zu Pfarrer Homer nach Lobetal und war nun bis zum 3. April 1990 dort untergebracht. Dann siedelte das Ehepaar Honecker in das sowjetische Militärhospital nach Beelitz über.

Am 30. November erließ das Amtsgericht Tiergarten einen Haftbefehl gegen Erich Honecker, da aber nicht vollstreckt werden konnte, da er unter Schutz der Noch-Sowjetunion stand.

Am 13. März 1991 wurde das Ehepaar Honecker nach Moskau ausgeflogen.

Da in der Sowjetunion die Konterrevolution ebenfalls marschierte, wurde Erich Honecker am 29. Juli 1992 nach Deutschland (Berlin) ausgeflogen, verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Moabit verbracht. Margot Honecker konnte direkt ins Exil nach Chile reisen, wo sie bei ihrer Tochter Sonja unterkam. Nach zähen juristischen Auseinandersetzungen kam Erich Honecker frei und flog am 13. Januar 1993 zu seiner Familie nach Chile.

Am 29. Mai 1994 starb er dort.

Ausführliches siehe den Beitrag über Erich Honecker in DIE TROMMLER-ARCHIV

und im Beitrag des befreundeten Blogs „Sascha’s Welt“.

und Wikipedia.

Otto Buchwitz

Otto Buchwitz wurde am 27. April 1879 in Breslau geboren und ist am 09. Juli 1964 in Dresden gestorben.

Nach dem Besuch der Volksschule von 1885 bis 1893 absolvierte Otto Buchwitz bis 1896 eine Lehre zum Metalldrücker und Eisendreher. Er trat 1896 der Metallarbeitergewerkschaft bei und wurde 1898 Mitglied der SPD. Bis 1907 arbeitete Buchwitz in seinem erlernten Beruf, allerdings auch als Weber. Ab 1908 war er als Sekretär des Deutschen Textilarbeiterverbands für das Chemnitzer Landgebiet tätig. 1914 zum Kriegsdienst eingezogen, wurde er bei Kriegsende in Ostpreußen eingesetzt. Danach wurde er 1919 stellvertretender Landrat für den Kreis Görlitz. Außerdem wurde Buchwitz 1920 zum Politischen Sekretär des SPD-Bezirksverbandes Niederschlesien gewählt. Seit Beginn der Weimarer Republik war er Mitglied des Schlesischen Provinziallandtags. Außerdem war er für die SPD von 1921 bis 1924 als Abgeordneter im preußischen Landtag und von 1924 bis 1933 Vertreter des Wahlkreises Liegnitz im Reichstag.

Otto Buchwitz (1947)
Bildquelle: Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6551301

Nach der Machtübernahme durch die Faschisten stimmte Buchwitz mit den anderen SPD-Reichstagsabgeordneten gegen das Ermächtigungsgesetz und ging danach ins Exil nach Dänemark. Von dort aus organisierte er die Flucht deutscher Hitlergegner nach Schweden und schrieb für die antifaschistische Wochenzeitung „Freies Deutschland“, die in Brüssel erschien. Nur wenige Tage nach der deutschen Besetzung Dänemarks im April 1940 wurde er verhaftet und im Juli der Gestapo übergeben. Im Juli 1941 wurde er zu acht Jahren Zuchthausverurteilt.

Tafel für Otto Buchwitz in Königshain
Bildquelle: Von Gliwi – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=139194632

Bis zum Ende des Krieges war er im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Dort nahm die illegale kommunistische Leitung Kontakt mit ihm auf. Gemeinsam wurde das Vorgehen bis zum Ende der Naziherrschaft und danach erörtert. Am 27. April 1945 flohen der Zuchthausdirektor Thümmler und die meisten Wachleute vor der herannahenden Roten Armee. Die politischen Häftlinge entwaffneten die verbliebenen Wachtmeister und übernahmen die Führung des Zuchthauses. Eine militärische Formation besetzte das Tor. Gegen 14 Uhr erreichte der erste sowjetische Panzer das Zuchthaus. Am 28. April zogen etwa 100 ehemalige politische Häftlinge über Bagow und Nauen nach Berlin. Otto Buchwitz war so geschwächt, dass er im Handwagen befördert werden musste.

Nach 1945 arbeitete Otto Buchwitz aktiv an der Vereinigung von SPD und KPD zur SED mit, obwohl er vor dem Krieg nicht unbedingt ein Freund der KPD war. Sein ärgster Widersacher in Sachsen war Stanislaw Trabalski, den er „Krawalski“ nannte. Anschließend übernahm er von April 1946 bis Dezember 1948 zusammen mit Wilhelm Koenen den Landesvorsitz der sächsischen SED. Von April 1946 bis Juli 1964 gehörte er als Mitglied dem Parteivorstand bzw. dem ZK der SED an. Am 29. November 1948 wurde er neben Hermann Matern zum Vorsitzenden der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) der SED gewählt.[1] Diese Funktion übte er bis zum III. Parteitag im Juli 1950 aus. Anschließend war er bis zu seinem Tod einfaches Mitglied der ZPKK. Buchwitz gehörte dem sächsischen Landtag von 1946 bis zur Auflösung 1952 an. Während dieser Zeit war er auch Landtagspräsident und erhielt einen Sitz in der Volkskammer der DDR, die ab 1950 zusammentrat. Buchwitz war seit 1950 Alterspräsident der Volkskammer. Er versuchte vergeblich bei den konterrevolutionären Ereignissen, am 17. Juni 1953, zu beschwichtigen.

1953 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus der hauptamtlichen Tätigkeit. Im Jahr 1957 wurde Buchwitz zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Dresden ernannt, am 27. April 1963 wurde er Ehrenbürger von Dresden.[2] Er starb am 9. Juli 1964 in Dresden, sein Grab befindet sich auf dem dortigen Heidefriedhof.

 

Zentralbild Löwe 6.3.1958 Höhepunkt der Jugendstunden Otto Buchwitz erzählt aus seinem Leben Höhepunkt der Jugendstunden im Erzgebirgskreis Dippoldiswalde war am 5.3.1958 ein Besuch des Arbeiterveteranen Otto Buchwitz in den kleinen Ort Glashütte, wo er vor 150 Kindern aus seinem bewegten Leben erzählte. (siehe auch ADN-Meldung 210 vom 6.3.1958) UBz: Otto Buchwitz im Kreise von Teilnehmern der Jugendstunde.
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-53646-0001 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5354681
Grab von Otto Buchwitz auf dem Heidefriedhof in Dresden
Bildquelle: Von Paulae – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6235247

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Wie die Einheitspartei der deutschen Arbeiterklasse entstand

Warum war es notwendig, die Spaltung der Arbeiterklasse zu überwinden?

In den gemeinsamen Aktionen, wie sie seit dem Juni 1945 vielerorts von Kommunisten und Sozialdemokraten (Hier wird nicht gegendert. In der DDR wusste jeder, dass Frauen und Männer angesprochen waren. P.R.) angeregt worden waren, entstand bei einer wachsenden Zahl von Werktätigen (Erwerbstätige, arbeitenden Menschen P.R.) die Frage: Wozu brauchen wir eigentlich zwei Arbeiterparteien? Lag nicht gerade in der Spaltung unsere Schwäche? Müsste unsere Stärke und Unbesiegbarkeit nicht durch die Einheit der Arbeiterklasse besiegelt werden?

Um die Arbeiterklasse zur Führung in der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung zu befähigen und auch die anderen werktätigen Klassen und Schichten als Bündnispartner zu gewinnen, konnte die politische Einheit der revolutionären Partei ein entscheidender Faktor sein. Viele Kommunisten und Sozialdemokraten hatten in Konzentrationslagern und Zuchthäusern geschworen, nach ihrer Befreiung nur noch gemeinsam zu handeln.

O. Buchwitz: Brüder, in eins nun die Hände. Berlin 1956, S. 35

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Otto Buchwitz, bis zur Gründung der SED ein führender Funktionär der SPD, erwarb sich große Verdienste bei der Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterbewegung und der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung in Sachsen
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Den Monopolherren hatte die Spaltung der Arbeiterbewegung stets geholfen, ihre Herrschaft über die Arbeiterklasse aufrechtzuerhalten.

In den westlichen Besatzungszonen verboten die Militärbehörden die Vereinigung beider Arbeiterparteien. Sie beeinflussten auch Funktionäre der SPD, gegen die Vorbereitung des Vereinigungsparteitages aufzutreten. Die Schaffung der Einheitspartei im Osten Deutschlands konnten sie aber nicht aufhalten.

Bereits im Winter 1945 führten Kommunisten und Sozialdemokraten in Städten und Gemeinden gemeinsame Parteiversammlungen durch. In vielen Betrieben forderten die Arbeiter auf ihren Gewerkschaftsversammlungen, an dem ersten Kampftag der Arbeiterklasse im befreiten Deutschland, am 1. Mai 1946, hinter der Fahne der Einheitspartei zu marschieren. Der Kampf um die Einheit der Parteien fand seinen Höhepunkt im Vereinigungsparteitag am 21. Und 22. April 1946 in Berlin.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Wie der Vereinigungsparteitag begann

„Der imposante, repräsentative Saal des ‚Admiralpalastes‘ war ebenso festlich wie würdig geschmückt. Vor dem ‚Admiralspalast‘. Auf der Friedrichstraße, wogte eine nach Tausenden zählende Menschenmenge. Mehr als tausend Delegierte und Ehrengäste, dazu eine noch größere Zahl von Gästen und Zuhörern, füllten den mächtigen Raum bis auf den letzten Platz. Lebhaft und herzlich war durchweg die persönliche Begrüßung alter Kampfgenossen aus den bisher getrennten Parteilagern nach Jahrzehntelanger Spaltung. Nachdem die Fidelio-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven, gespielt vom Orchester der Staatsoper, verklungen war, betraten die beiden Parteivorsitzenden, Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, von verschiedenen Seiten kommend, die Bühne, trafen in der Mitte zusammen und reichten sich unter minutenlangem stürmischem Beifall der Delegierten und Gäste, die sich von ihren Plätzen erhoben hatten, die Hände. Einem Schwur gleich brause ein dreifaches Hoch auf die deutsche Arbeiterklasse durch den Saal.“

Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD, Berlin 1946, S. 10

Wilhelm Pieck (vorher KPD) und Otto Grotewohl (vorher SPD) reichen sich zu Beginn des Gründungsparteitages der SED symbolisch die Hände
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Zur Begrüßung der Delegierten sagte Otto Grotewohl: „Wer einen geschichtlichen Blick hat, der sieht Millionen von Sozialisten hinter uns stehen. Ein Aufatmen geht durch die Reihen…Ein alter Traum in Wirklichkeit geworden: die Einheit der deutschen Arbeiterklasse.“

Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD, Berlin 1946, S. 10

Wilhelm Pieck sagte in seinen Begrüßungsworten: „Wir werden unsere Sozialistische Einheitspartei zu der Millionenpartei des deutschen werktätigen Volkes machen, um damit alle inneren Feinde zu schlagen und das große Werk zu vollenden, den Sozialismus. Lieber Otto Grotewohl, das sei unser heiligstes Gelöbnis, das sei unsere Tat.“

SCHOLA 870 041

Plakat von Arno Mohr
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD, Berlin 1946, S 15

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Zu Vorsitzenden der SED wurden Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl gewählt. 

Der Vereinigungsparteitag beschloss das Programm der SED die „Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“. Sie enthielten alle wichtigen Forderungen des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945.

Mit der Gründung der SED wurde im Osten Deutschlands die Losung des alten Arbeiterkampfliedes „Brüder, in eins nun die Hände!“ Wirklichkeit.

SED-Logo
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Durch die Gründung der SED konnte die Arbeiterklasse im Osten Deutschlands als einheitliche Kraft auftreten. Sie wurde befähigt, all antifaschistisch-demokratischen Parteien und Organisationen zu neuen Siegen über die Feinde des Volkes zu führen.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR

Siehe auch: SozialistischeEinheitspartei  Deutschlands (SED)

und Die Gründung der SED und ihre historische Bedeutung

Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PVAP-polnisch PZPR)

Die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (polnisch: Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, kurz: PZPR) war eine von 1948  bis 1990 bestehende Partei in der Volksrepublik Polen, die eine marxistisch-leninistische Ausrichtung vertrat. Als sämtliche Staats-    und Regierungschefs stellende Partei der VR Polen war sie zeit ihres Bestehens die führende politische Kraft im Land.

Logo der PZPR
Bildquelle: Von Zdzisław Otello Horodecki (Flawiuszott1), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1403378

Die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei wurde auf einem Vereinigungsparteitag der Polnischen Arbeiterpartei (Polska Partia RobotniczaPPR) und der Polnischen Sozialistischen Partei (Polska Partia SocjalistycznaPPS) vom 15. bis 21. Dezember 1948 im Hauptgebäude der Technischen Universität Warschau gegründet. Die PPR stellte dabei rund zwei Drittel der Gründungsmitglieder, die zuvor durch Flügelkämpfe und Angriffe durch die Staatsmacht geschwächte PPS rund ein Drittel. Die Führungsgremien wurden aber paritätisch besetzt. Programmatisch richtete sich die Partei trotz des sozialdemokratischen Ursprungs der PPS klar auf den Marxismus-Leninismus sowjetischer Prägung aus.[1] 

Zunächst wurde die Partei durch Bolesław Bierut geführt, bevor dieser 1956 in Moskau während des XX. Parteitags der KPdSU verstarb. Unter Bierut wurde die neu geschaffene Partei als auch die von ihr regierte Volksrepublik Polen in enger Anlehnung an die Sowjetunion aufgebaut. Große wirtschaftliche Probleme beim Wiederaufbau des kriegs- und besatzungszerstörten Landes sowie auch die geringe Stärke bereits vor 1948 aktiver kommunistischer Kader führten dazu, dass sich im ZK als auch andernorts in der Partei Strömungen bildeten, die eine weniger enge Anbindung an die Sowjetunion wünschten. Diese wurden von Bierut jedoch erfolgreich bekämpft und konnten erst nach dem Abtritt seines kurzlebigen Nachfolgers, Edward Ochab, in Folge des Posener Aufstands von 1956 ihren Einfluss innerhalb der Partei steigern.

Der Sitz des ZK der PZPR war von 1952 bis 1990 das „Haus der Partei“ (poln. Dom Partii), umgangssprachlich Weißes Haus (poln. Biały Dom) genannt. Das Gebäude war im Stadtzentrum von Warschau nach einem 1947 ausgeschriebenen Architektenwettbewerb aus obligatorischen Beiträgen des ganzen Volkes errichtet worden. Seit 1991 befindet sich im Gebäude das Warschauer Bank- und Finanzzentrum. In den Jahren 1918 bis 1931 stand an dieser Stelle das Gebäude des Verkehrsministeriums und davor, von 1831 bis 1918, des Rechnungshofs.

Das Gebäude des ZK der PZPR in den 1960er Jahren
Bildquelle: Von nieznany/unknown – Warszawski Kalendarz Ilustrowany 1965, Wydawnictwo Warszawskiego Tygodnika "Stolica", Warszawa 1964, p.64, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=122318182

Mit dem erneuten Machtantritt Władysław Gomułkas im Herbst 1956 wurde die enge Bindung an das sowjetische Vorbild gelockert und ein „polnischer Weg“ zum Sozialismus proklamiert. Im Rahmen dieser Politik wurde u. a. die angefangene Kollektivierung der Landwirtschaft abgebrochen, Lockerungen im kulturellen Bereich ermöglicht und die Tätigkeit des Staatssicherheitsapparates etwas beschränkt.

Vor allem aufgrund der ökonomischen Stagnation und den daraus resultierenden konterrevolutionären Umtrieben Dezember 1970 in Polen wurde Gomułka 1970 durch Edward Gierek ersetzt. Seine Zeit als Erster Sekretär des ZK der PVAP war vor allem durch den Versuch einer beschleunigten Modernisierung der polnischen Wirtschaft und die Verbesserung der Kontakte zu den westlichen Ländern geprägt. Nach der misslungenen Rückzahlung der zahlreichen Auslandskredite und der Überschuldung des Landes bei gleichzeitig weiter sinkendem Lebensstandard kam es jedoch bereits seit Mitte der 1970er Jahre zu erneuten Unruhen, die 1976 und 1980 kulminierten.

1980 wurde Gierek kurzzeitig durch Stanisław Kania ersetzt, der jedoch die aufgebrachte Stimmung im Lande und das Anwachsen des Einflusses der Solidarnosc nicht eindämmen konnte. Auf ihn folgte 1981 Wojciech Jaruzelski, der im selben Jahr das Kriegsrecht ausrief und damit das konterevolutionäre Treiben für einige Jahre stoppen konnte. Es wurde jedoch bis Ende der 1980er Jahre trotz verschiedenster Ansätze keine Besserung der wirtschaftlichen Lage erreicht.

Unter Mieczysław Rakowski (1989 bis 1990) schlug die Partei schließlich den Weg der Kooperation mit der politischen Opposition (Konterrevolutionären) ein und besiegelte somit das allmähliche Ende ihrer Herrschaft. 

Am 29. Januar 1990 fand der XI. Parteitag der PZPR statt, auf dem die Umwandlung der Partei vorangebracht werden sollte. Letztlich kam es zu ihrer Selbstauflösung.

Die Folgen, bzw. Nachfolgeparteien und was mit dem Parteivermögen geschah, kann man detailliert aus Wikipedia entnehmen.

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Partisanen (Fraktion der PVAP-polnisch PZPR)

Eigentlich soll es in kommunistischen Parteien keine Fraktionsbildung geben. In Polen war das anders. Die „Partisanen“ waren eine Fraktion in der PVAP. Ihre Ausrichtung war widersprüchlich. Einerseits waren sie konsequente Kommunisten, andererseits waren sie nationalistisch ausgerichtet.

Dieser Nationalismus war gegen Deutsche, Ukrainer, Juden und heimlich auch gegen Sowjetbürger gerichtet. Dazu zählten ja damals die Ukrainer. Das steht im Widerspruch dazu, dass die Sowjetunion ein verbündetes Land war. Eigentlich soll es in kommunistischen Parteien keine Fraktionsbildung geben. In Polen war das anders. Die „Partisanen“ waren eine Fraktion in der   PZPR. Ihre Ausrichtung war widersprüchlich. Einerseits waren sie konsequente Kommunisten, andrerseits waren sie nationalistisch ausgerichtet. Bei den Juden war es eine besondere Sache. Es ging um das Misstrauen gegen Juden, die Israel unterstützten.  

Der Name der Fraktion hat seinen Ursprung in der Vergangenheit von Moczar und Korczyński während der deutschen Besetzung Polens, in der beide Partisanenabteilungen anführten.

Mieczysław Moczar als stellvertretender Minister und später als Innenminister hatte um sich eine Gruppe von Partei- und Staatsfunktionären der mittleren und unteren Ebene sowie ehemalige Soldaten der Armia Ludowa (dt. Volksarmee) versammelt. Zusammen mit Korczyński begann Moczar ebenfalls, jüngere Funktionäre um sich zu scharen, die hauptsächlich nationalistisch orientiert waren und aufgrund der Blockierung der Stellenbesetzung durch die ältere Generation keine Chancen für eine Beförderung hatten.[2] Diejenigen von ihnen, die angesichts ihres jungen Alters im Kampf gegen die deutschen Besatzer nicht beteiligen konnten, nannte man „Patrioten“. Seit September 1964 nutzte Moczar als Vorsitzender des Verbandes der Kämpfer für Freiheit und Demokratie auch diesen, um seine Ziele zu verwirklichen. Mit der Zeit wurden Moczar und Korczyński von Mitgliedern des Politbüros des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (pol. Biuro Polityczne KC PZPR) wie Zenon Kliszko und Ryszard Strzelecki anerkannt. Mit der Fraktion der „Partisanen“ waren u. a. die Generale Grzegorz Korczyński, Franciszek Szlachcic, Teodor Kufel, Jan CzaplaMieczysław Róg-ŚwiostekTadeusz Pietrzak, Oberst Marian Janic und andere verbunden. Unter den Anhängern war zu einem bestimmten Zeitpunkt auch der damalige Chef des Generalstabs der Polnischen Streitkräfte, General Wojciech Jaruzelski.

Die „Partisanen“ haben den Kommunisten, die in Partisanenkriegen kämpften, die mit den sowjetischen treitkräften angekommenen Kommunisten entgegengesetzt. Die Gruppe hat sich als Nationalkommunisten vorgestellt.

Offiziell waren die „Partisanen“ gegenüber dem PVAP-Parteichef Władysław Gomułka loyal eingestellt, aber inoffiziell hat man die Meinung vertreten, dass er durch jemanden energischeren und jüngeren ersetzt werden sollte.

Die „Partisanen“ richteten sich auch gegen Juden, die Israel unterstützten. Das geschah verstärkt während des 6-Tage-Krieges Israels gegen arabische Länder im Jahre 1967. Da wollten die „Partisanen“ Juden aus dem Staatsdienst und Parteifunktionen entfernen. Siehe die März-Unruhen im Jahre 1968. Das wird uns heute als Antisemitismus „verkauft“. Dabei war das eine Sicherheitsmaßnahme. Die sozialistischen Länder unterstützten Palästina, bzw. die arabischen Staaten und nicht Israel. Israel wurde und wird von den USA und anderen westlichen Ländern unterstützt. Juden auf der ganzen Welt sind Kandidaten für den Mossad (israelischer Geheimdienst). Das trifft erst recht zu, wenn sie Israel unterstützen.

Es ist nicht ganz klar, ob die „Partisanen“ versuchten, Gomułka zu stürzen oder Moczar die Stelle der zweiten Person in der Partei zu sichern. 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Boleslaw Bierut

Boleslaw Bierut wurde am 18. April 1892 in Rury Brigidkowskie geboren und ist am 12. März 1956 in Moskau gestorben.

Boleslaw Bierut
Bildquelle: Von Burzyński Roman – Bolesław Bierut "Sześcioletni plan odbudowy Warszawy", Warszawa 1950, Książka i Wiedza, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6571881

Bierut wurde 1892 als Sohn eines Lehrers in eine bäuerlich geprägte Familie im heute zu Lublin gehörenden Dorf Rury Brigidkowskie geboren, das damals zum vom Russischen Kaiserreich seit 1867 annektierten Teil Polens, dem sogenannten Weichselland, zählte. 1905 wurde er der Schule verwiesen, weil er an einem Schülerstreik teilgenommen hatte, der sich gegen die Einführung des Russischen als alleiniger Unterrichtssprache richtete. Seine Ausbildung setzte er anschließend an einer kaufmännisch orientierten Abendschule fort und verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem als Schriftsetzer.[1] Mit zwanzig Jahren trat er der Splitterpartei PPS Lewica bei, die später in der Kommunistischen Partei Polens aufging. 1927 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Polens. In der Zwischenzeit übte er mehrere Funktionen im linksgerichteten Konsumverein aus und weilte 1925 bis 1926 und 1928 bis 1930 in Moskau, wo er die Parteihochschule für kommunistische Kader besuchte. In dieser Zeit wurde er als Agent des sowjetischen Geheimdienstes GPU angeworben.[2] In den Jahren 1930 bis 1932 war er als Funktionär der Kommunistischen Internationale in Bulgarien, der Tschechoslowakei und Österreich tätig.

1933 wurde er in Polen zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt, die er im Gefängnis von Rawicz verbüßte. 1938 wurde er jedoch begnadigt und entlassen. 

Bis Kriegsbeginn 1939 arbeitete er als Büroangestellter in einer Warschauer Konsumgenossenschaft.

Um sich dem Dienst in der polnischen Armee zu entziehen, floh Bierut aus Warschau nach Ostpolen, das nach dem 17. September 1939 von der Roten Armee okkupiert wurde. Von dort begab er sich nach Kiew, wo er 1940 in die Kommunistische Allunions-Partei (Bolschewiki) (die später in KPdSU umbenannt wurde) eintrat. 1941 zog er nach Minsk und arbeitete dort während der Zeit der deutschen Okkupation beinahe zwei Jahre in der Stadtverwaltung, um seine Agententätigkeit für den sowjetischen Geheimdienst NKWD zu tarnen. Auf Stalins Befehl begab er sich 1943 ins deutsch besetzte Warschau und übernahm im Untergrund bald wichtige Funktionen im Zentralkomitee und Generalsekretariat der neu entstehenden Polnischen Arbeiterpartei.[4]

Ab Dezember 1944 war er Vorsitzender des Landesnationalrates (KRN), der, gelenkt von Moskau, die kommunistische Machtübernahme in Polen vorbereiten sollte. Offiziell war Bierut parteilos, doch war er geheimes Mitglied des Politbüros der kommunistischen Arbeiterpartei.[4]

Im Juli 1945 gehörte er als KRN-Vorsitzender der polnischen Delegation bei der Potsdamer Konferenz an, neben dem in Moskau geschulten Ministerpräsidenten Edward Osóbka-Morawski, Außenminister Wincenty Rzymowski und Landwirtschaftsminister Stanisław Mikołajczyk, der bis 1944 Ministerpräsident der polnischen Exilregierung in London gewesen war.

Bierut wurde 1947 vom Sejm zum Staatspräsidenten gewählt. Unterstützt vom sowjetischen Auslandsgeheimdienst gewann er den Machtkampf gegen den Parteivorsitzenden Władysław Gomułka, der 1948 wegen „rechtsnationalistischer Abweichung“ aus der Partei ausgeschlossen und inhaftiert wurde. Bierut nahm seinen Platz an der Spitze der PZPR ein.

Da Bierut ein aufrechter Kommunist war und konsequent handelte, verdammt man ihn genauso, wie Stalin und macht ihm die gleichen Vorwürfe.

Bierut ließ die Kollektivierung der Landwirtschaft einleiten und führte einen Kampf gegen die katholische Kirche.[5]   Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde in Polen später gestoppt, bzw. rückgängig gemacht.

1952 wurde mit der offiziellen Umbenennung der Republik Polen in Volksrepublik das Präsidentenamt abgeschafft, Bierut ersetzte Józef Cyrankiewicz als Vorsitzenden des Ministerrates. 1954 gab er das Amt des Regierungschefs wieder an Cyrankiewicz ab.

Im Februar 1956 fuhr Bierut nach Moskau, um an den Beratungen des XX. Parteitags der KPdSU teilzunehmen.

Nach der Lektüre von Nikita Chruschtschows Geheimrede „Über den Personenkult und seine Folgen“, wo Chruschtschow mit Stalin „abrechnet“ und diesen verdammt, erlitt Bierut einen Herzanfall und verstarb zweieinhalb Wochen später in Moskau.[6] 

Er erhielt ein Staatsbegräbnis und ein Mausoleum auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau. Schon bald nach seinem Tod verbreitete sich in Polen das Gerücht, er sei ermordet worden. Nach Auskunft seines Sohnes starb Bierut an Nierenversagen.[7] Was auch immer die organische Ursache des Todes von Bierut war, so kann man „1 und 1 zusammenzählen“ um eine psychische Ursache, als Reaktion auf die Geheimrede von Chruschtschow, als Todesursache zu sehen.

Bieruts Mausoleum auf dem Militärfriedhof Powatzi
Bildquelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29400

1950 und 1946 drei Dörfer nach ihm benannt – Bolesławowo, Bierutowice und Bierutowo. Außerdem trug das Schiff MS Bolesław Bierut seinen Namen. Mehrere Betriebe und öffentliche Einrichtungen waren auch nach Bierut benannt, so die Breslauer Universität (1952–1989), Palast der Jugend in Kattowitz (1951–1990) sowie das Stahlwerk in Częstochowa (1952–1989) und die Fabryka Samochodów Ciężarowych in Lublin.

Görlitzer Abkommen: Wilhelm Pieck und Boleslaw Bierut reichen sich über die Oder-Neiße-Grenze die Hände, Briefmarke der DDR von 1951
Bildquelle: Von Deutsche Post der DDR – Deutsche Post der DDR, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3174260

Die vielen Denkmäler, die in der Bierut-Ära aufgestellt wurden, sind nach der Konterrevolution 1989 in das Museum des Sozrealismus in Kozłówka gebracht worden. Noch heute existiert in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine nach ihm benannte Straße.[9]

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Die bolschewistische Partei-die führende und lenkende Kraft des Sowjetstaates.

Bildquelle: Von Russia – Coat of arms of the Soviet Union (1923–1936).svg and various flags, including those at Hammer and sickle, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=473728

1. Die bolschewistische Partei und die Volksmassen

Im Buch „Das Sowjetland“ ist mehr, als einmal von der bolschewistischen Partei, ihrer Bedeutung im Leben des Volkes und des Sowjetstaates sowie von ihren Führern Lenin und Stalin gesprochen worden.

Unter den Bedingungen des Zarenregimes war die bolschewistische Partei eine kleine illegale, verfolgte Organisation, die insgesamt nur einige tausend Mitglieder zählte. Aber ihre Kräfte und ihr Einfluss im Lande wuchsen ständig und wuchsen auch später noch (Stand 1947 P.R.). Vor der Großen sozialistischen Oktoberrevolution zählte die Partei bereits 270 000 Mitglieder. In den Jahren des Bürgerkrieges, als das erbitterte Ringen um die Erhaltung und Festigung der Sowjetmacht im Gange war, hatte sich die Zahl der Parteimitglieder fas verdreifacht und 730 000 überstiegen. Vor dem Großen Vaterländischen Krieg (II. Weltkrieg P.R.) hatte die Partei 3 400 000 Mitglieder, Mitte 1945 – bereits 5 800 000 Mitglieder.

Diese Zahlen zeugen besser als alle Worte nicht nur von dem zahlenmäßigen Wachsen der Partei, sondern auch von ihrem wachsenden Einfluss unter den Volksmassen. Es ist bemerkenswert, dass in den für das Land schwersten Zeiten, wie zum Beispiel in den Jahren des Bürgerkrieges und während des Großen Vaterländischen Krieges, der Zustrom von Mitgliedern in die Partei nicht nur nicht nachließ, sondern sich im Gegenteil verstärkte. Das Vertrauen der Volksmassen wuchs.

Wie ist das zu erklären?

Die Volksmassen haben gesehen, dass die Bolschewiki sich stets tapfer und entschlossen zum Schutze der Arbeiter und Bauern einsetzen und einen unversöhnlichen Kampf gegen alle Feinde des Volkes führen. Die Bolschewiki enthüllten dem Volk die konterrevolutionären Pläne der Gutsbesitzer- und Kapitalistenparteien und entlarvten die volksfeindliche Politik der Zarenmacht und der bürgerlichen Regierung. Die Bolschewiki führten einen unversöhnlichen Kampf auch gegen die falschen „Volksfreunde“, die sich „Sozialisten“ nannten, in Wirklichkeit aber die Gutsbesitzer und Kapitalisten unterstützten.

Im Laufe vieler Jahre, an der Erfahrung von drei Revolutionen, haben die Arbeiter und Bauern gesehen, was die bürgerlichen und pseudosozialistischen Parteien wollen und wofür die bolschewistische Partei kämpft. Sie haben begriffen, dass nur die Partei der Bolschewiki die Freiheit und die Macht für die Werktätigen sowie ein glückliches Leben für das Volk erkämpfen wollte und diese auch wirklich erkämpft hatte. Alle übrigen Parteien hatten sich in den Augen der Volksmassen mit Schmach und Schande bedeckt und waren zusammen mit jenen Klassen, für deren Interessen sie sich einsetzten, zeitweilig abgetreten.

Im Sowjetland waren nur die beiden befreundeten Klassen: Arbeiter und Bauern übriggeblieben. „In der Sowjetunion“, sagte J.W. Stalin, „gibt es Raum für nur eine Partei, für die kommunistische Partei. In der Sowjetunion kann es nur eine Partei geben, die Partei der Kommunisten, die kühn und bis zum letzten die Interessen der Arbeiter und Bauern verteidigt.“

Das ist der Grund, weshalb die Bolschewiki zu der einzigen Partei im Lande geworden waren, die das volle Vertrauen und die Liebe der Volksmassen genoss. Das ist der Grund, weshalb Tausende der besten Menschen aus den Reihen der Arbeiter, Kollektivbauern, Intellektuellen, Soldaten und Kommandeure der Roten Armee in jenen Jahren, da dem Sowjetland tödliche Gefahr drohte, um Aufnahme in die Partei ersuchten.

In den Jahren der friedlichen Arbeit und in den Kriegsjahren, im Hinterland und an der Front sowie im Partisanenkampf zeigten die Kommunisten unvergessliche Beispiel an Opfergeist und Vaterlandstreue. Das Volk sah in der kommunistischen Partei seinen Führer und den Leiter des Sowjetstaates.

2. Wie leitete die Partei das Land?

Die leitende Stellung der Partei in der Sowjetunion war durch die Stalinsche Verfassung verankert. In dieser hieß es, dass die Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) „den Vortrupp der Werktätigen in ihrem Kampf für die Festigung und Entwicklung des Sozialistischen Systems“ darstellt. In der Verfassung hieß es, dass die kommunistische Partei „den leitenden Kern aller Organisationen der Werktätigen, der gesellschaftlichen sowohl wie der staatlichen bildet.“ J.W. Stalin nannte die Partei der Bolschewiki die führende und richtunggebende und organisierende Kraft des Sowjetstaates und des Sowjetvolkes.

Auf welche Weise führte die kommunistische Partei das Land?

In der Sowjetunion gab es viele verschiedene parteilose Organisationen der Werktätigen. Es waren die Sowjets – eine staatliche Organisation, die alle Sowjetbürger erfasste; die Gewerkschaften, die fast alle Arbeiter und Angestellten vereinigten; die genossenschaftliche-kollektivwirtschaftlichen Organisationen, die fast alle Bauern und Kleingewerbetreibenden vereinigte; die Jugendorganisationen, in denen Millionen der führenden Jugend von Stadt und Land zusammengeschlossen waren, sowie verschiedene kulturelle, wissenschaftliche, wehrsportliche, sportliche und andere gesellschaftliche Organisationen, die viele Mitglieder zählten.

Jede dieser Organisationen war auf ihrem Gebiet tätig. Sie alle dienten den Interessen der Werktätigen. Aber welche Organisation der Arbeiterklasse, der werktätigen Massen, gewährleistete eine gleichgerichtete Tätigkeit, eine einheitliche Führung aller Organisationen?

Eine solche zentrale leitende Organisation war die kommunistische Partei. Warum?

Die Partei vereinigte die fortgeschrittenen Menschen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der Intelligenz. Sie war mit allen parteilosen Organisationen eng verbunden. Die Partei war die beste Schule, in der die Führer der werktätigen Massen ausgebildet und erzogen wurden, die imstande waren, die verschiedenen Organisationen zu leiten. Nach ihrer Erfahrung und ihrem Einfluss unter den Werktätigen war die Partei die einzige Organisation, die imstande war, für die Tätigkeit aller Organisationen eine gemeinsame Linie auszuarbeiten und die Gesamtführung des Kampfes der Werktätigen in ihren Händen zu konzentrieren. Dabei stützte sich auf die übrigen Organisationen als ihre Gehilfen, die sie mit den Massen verbanden.

Die Partei ersetzte keinesfalls irgendeine der parteilosen Organisationen. Die Parteiorgane befehligten nicht die parteilosen Organisationen und hatten nicht das Recht, von ihnen zu fordern, dass sie sich der Parteiführung unterstellen. Die Parteiorganisationen halfen den parteilosen Organisationen bei ihrer Arbeit. Die Kommunisten, die zu den Mitgliedern der parteilosen Organisationen zählten, erreichten als führende und einflussreiche Menschen durch ihre Überzeugungskraft, dass dies Organisationen der Partei folgten und deren Führung freiwillig akzeptierten.

Nehmen wir die Sowjets der Deputierten (Abgeordneten P.R.) der Werktätigen und die Obersten Sowjets als Beispiel. Das Volk wählte für die Sowjets seine besten Vertreter. Für die führenden Posten in den Sowjets stellte die Partei ihre Kandidaten auf. Und wenn die von der Partei aufgestellten Kandidaten in der Regel als Leiter der staatlichen Organe gewählt wurden, so erfolgte das aus dem Grund, weil diese Kandidaten bewährten, dem Volk ergebene Menschen waren.

Nehmen wir die Gewerkschaften und Kollektivwirtschaften. Die Mitglieder dieser Organisationen waren bei der Besetzung der leitenden Posten ehr wählerisch. Und wenn in den weitaus meisten Fällen Kommunisten gewählt wurden, so ist es dadurch zu erklären, dass sie das Vertrauen der Massen genossen.

Die parteilosen Bürger wählten nicht nur gemeinsam mit den Parteiangehörigen die Leiter der Sowjets, Gewerkschaften, der Kollektivwirtschaften usw., sondern kontrollierten auch deren Arbeit, darunter auch die Arbeit der Kommunisten. Sie nahmen die Berichte der Leiter entgegen, kritisierten ihre Fehler, schlugen Maßnahmen vor, um die Mängel ihrer Arbeit abzustellen, setzten auch manchmal den einen oder anderen Leiter von seinem Posten ab, wenn er mit seiner Arbeit nicht fertig wurde, und wählten an seine Stelle einen anderen.

J.W. Stalin lehrte: „Die Parteiangehörigen sollen sich von den Parteilosen nicht absondern, sich nicht in ihrem engen Parteigehäuse abkapseln, sich nicht mit ihrer Parteiangehörigkeit brüsten, sondern sie sollen auf die Stimme der Parteilosen hören, die Parteilosen nicht nur belehren, sondern auch bei ihnen lernen.“ (Allerdings hatte sich das später zum Schlechten geändert. Weniger die „kleinen“ Mitglieder, aber die Mehrheit der Funktionäre und Politiker sonderten sich von der Basis und der parteilosen Bevölkerung ab. Es entstand die abgehobene Schicht der Nomenklatura. Mit der Zeit war die Partei nicht mehr in der Lage die Arbeiterklasse zu vertreten. Natürlich gab es auch Politiker und hauptamtliche Funktionäre bis in die hohen Ämter hinauf, die guten Willens waren, hauptsächlich die Alten. Ebenso mag es Abgeordnete gegeben haben, die bis zum Ende das bestmögliche für ihre Leute tun wollten. Doch sie mussten sich den Gegebenheiten, heute würde man sagen den Sachzwängen, beugen. Es konnte sich der Verräter Gorbatschow an die Spitze schwingen, bzw. er wurde sogar gefördert. Ansonsten wäre ja seine Karriere nicht möglich gewesen. Mit den Schlagworten „Glasnost“ und „Perestroika“ und anderen Sprüchen hatte er die Bevölkerung und die Welt getäuscht. Während im eigenen Land Gorbatschow unbeliebt wurde, hatte er aber im Ausland hohes Ansehen. So konnte Gorbatschow sein verräterisches Werk vollenden und die Konterrevolution marschieren lassen. P.R.)

Die Partei handelte nach ihren Richtlinien. Hier eines der Beispiele. Im Donezbecken klappte es nicht mit der Kohleförderung. Die Frage wurde im Zentralkomitee der Partei mit den Leitern des Volkskommissariats für die Schwerindustrie beraten. Dreimal wurden Bestimmungen entworfen, die aber nicht zufriedenstellen konnten. Da wurden aus dem Donezbecken einige Arbeiter, einfache Wirtschaftler und Gewerkschaftsfunktionäre herangezogen. Drei Tage lang wurde mit ihnen beraten. (Das Wesen der Verbesserungsvorschläge haben sich sogar die Kapitalisten abgeguckt. Aber im Kapitalismus werden nur Verbesserungsvorschläge angenommen und umgesetzt, die den Kapitalisten Nutzen bringen. P.R.)

„Und wir alle, die Mitglieder des ZK, sagte J.W. Stalin, „mussten zugeben, dass nur sie, diese gewöhnlichen Arbeiter, diese kleinen Leute, es vermocht hatten, uns zu einer richtigen Entscheidung zu verhelfen.“

So leitete die bolschewistische Partei den Sowjetstaat und das Volk. Die Partei brachte den Interessen und den Bedürfnissen der Werktätigen die größte Aufmerksamkeit entgegen. Sie bereicherte die Erfahrungen der Leiter, indem sie diese mit den Erfahrungen der Massen vereinigte, Darin bestand eine der Hauptbesonderheiten der bolschewistischen Führung des Staates und des Volkes. Dafür liebte und achtete seinerzeit das Sowjetvolk seine Partei.

3. Worin lag die Stärke der bolschewistischen Partei?

Die Stärke der bolschewistischen Partei beruhte vor allem auf ihrer fortschrittlichen revolutionären Theorie. Diese Theorie wurde auf Grundlage der Errungenschaften aller Wissenschaften und Erfahrungen der Arbeiterbewegung aller Länder von den großen Gelehrten und Führern der Arbeiterklasse Karl Marx und Friedrich Engels, die im vorvergangenen Jahrhundert lebten, geschaffen. Die Lehre von Marx und Engels wurde von W.I. Lenin und J.W. Stalin weiterentwickelt. (Nach Stalins Tod hat man seine Weiterentwicklung der Lehre von Marx und Engels auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. P.R.)

Diese Lehre ist der Schlüssel für alle Vorgänge in der Gesellschaft. Sie erklärt die Einrichtung der menschlichen Gesellschaft, die Teilung in Klassen und den Kampf zwischen den Klassen. Sie zeigt, was jede Klasse will und wonach sie strebt. Diese Lehre hilft der Partei, sich unter den jeweils gegebenen Bedingungen zurechtzufinden, den inneren Zusammenhang der Ereignisse zu begreifen und zu erkennen, wie und in welcher Richtung sich die Ereignisse entwickeln und dich in der Zukunft entwickeln müssen. Diese Lehre bietet die Möglichkeit, den Gang der Ereignisse vorauszusehen und folglich auch den Lauf der Ereignisse so zu lenken, wie das im Interesse der Volksmassen und des Sowjetstaates erforderlich war. (Das hat ja, nach Stalins Tod, bekanntlich nicht funktioniert. P.R.)

Die bolschewistische Partei war der bewusste Vortrupp der Arbeiterklasse und aller Werktätigen, der die große Kraft der revolutionären Theorie von Marx-EngelsLeninStalin beherrschte. (Bekanntlich ist nach Stalins Tod ein Großteil verloren gegangen P.R.)

Die Stärke der bolschewistischen Partei beruhte auf ihrer Organisation. Lenin und Stalin maßen der Organisation der Arbeitermassen eine überaus große Bedeutung bei. Lenin schrieb über die Partei als die führende Schicht, den Vortrupp der Arbeiterklasse: „Die Stärke dieser Avantgarde beträgt das Zehn-, Hundert- und noch Mehrfache seiner zahlenmäßigen Stärke. Wie ist sowas möglich? Kann ein Hundert stärker sein als ein Tausend? Es kann stärker sein, und es ist stärker, wenn das Hundert organisiert ist. Die Organisation verzehnfacht die Kräfte.“  

Dank der Organisation ihrer Reihen bestand die bolschewistische Partei die allerschwersten Prüfungen, die sie im Kampf gegen die Feinde des Volkes bestehen musste, und wurde mit den schwierigsten Aufgaben der Führung der Volksmassen und des Sowjetstaates sowohl in den Friedens- als auch Kriegszeiten fertig.

Als Mitglieder der Partei galten nur jene Arbeiter, Kollektivbauern und Intelligenzler, die das Parteiprogramm anerkannten, die Ansichten der Partei teilten, sich den Bestimmungen der Partei unterordneten und der Arbeit einer ihrer Organisationen teilnahmen. Wer als Mitglied in die Partei einzutreten wünschte, musste erst für die Dauer eines Jahres eine Anwärterschaft durchmachen.

Die Partei kämpfte stets unversöhnlich gegen jene, die es versucht haben, die Parteieinheit zu sprengen und innerhalb der Partei Gruppen zu bilden. Die Partei schloss solche Mitglieder als Helfershelfer des Klassenfeindes aus ihren Reihen aus. Die Partei forderte von allen ihrer Mitglieder allerstrengste Disziplin, das heißt unbedingte, genaue und rasche Erfüllung der Parteibestimmungen.

Ohne eine solche Disziplin hätte die Partei zu der Zeit, da sie eine illegale Organisation war, nicht bestehen und kämpfen können. Die Bedeutung der Disziplin war noch mehr gestiegen, als die Partei die Führung des Sowjetstaates übernahm. Lenin schrieb im Jahre 1920, dass die Sowjetmacht ohne allerstrengste, wahrhaft eiserne Disziplin in ihren Reihen sich keine zwei Monate und erst recht keine zweieinhalb Jahre gehalten hätte. Wie wichtig die allerstrengste Parteidisziplin ist, hatte der Große Vaterländische Krieg (II. Weltkrieg P.R.) gezeigt.

Die Partei duldete in ihren Reihen nicht den geringsten Verstoß gegen die Disziplin. Für Nichtausführung der Parteibestimmungen und für andere Vergehen wurden die Parteimitglieder zur Verantwortung gezogen, in ernsten Fällen – bis zum Ausschluss aus der Partei.

Die Partei erkannte jedoch keine „blinde Disziplin“, keine mechanische Unterordnung unter die Parteibeschlüsse an. Die Partei wollte, dass alle Mitglieder durchaus bewusst, nach ihrer Überzeugung handeln. Die bolschewistische Parteidisziplin beruhte darauf, dass die Mitglieder sich freiwillig der Partei unterordneten und ihrer Sache grenzenlos ergeben waren. Die Stärke und seinerzeitige Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Partei beruhte auf ihrer damals unlösbaren Verbindung mit den Massen. Lenin und Stalin lehrten, dass die Partei, wenn sie ihre Verbindungen mit den Massen verliert oder auch nur vernachlässigt, das Vertrauen und die Unterstützung der Massen einbüßen und folglich unweigerlich zugrunde gehen wird. (Und es bekanntlich so gekommen. Der dämliche Spruch „Die Partei wird sich dabei was gedacht haben. “, machte die Runde an der Parteibasis, wenn Entscheidungen der Parteispitze in Frage gestellt wurden. Die Konterrevolution konnte marschieren und siegen. P.R.)

Die bolschewistische Partei ließ diese Anweisung nach dem Tod Stalins außer Acht. Zu Lebzeiten von Lenin und Stalin arbeiteten die Bolschewiki inmitten der Volksmassen. Sie wussten genau, was für das Volk lebenswichtig ist. Arbeiter, Kollektivbauern und Intellektuelle wandten sich in ihren Nöten, Anfragen und Vorschlägen an die Bolschewiki. Die Parteiorganisationen luden die Parteilosen ein, die an öffentlichen Parteiversammlungen zu beteiligen.

Die Partei war von Millionen aktiver parteiloser Helfer umgeben. Die Bolschewiki organisierten den Leninschen Kommunistischen Jugendverband der UdSSR, der an die Partei angeschlossen war. Der kommunistische Jugendverband war ein treuer, energischer Helfer der Partei bei ihrer Arbeit und leitete die Parteibeschlüsse an die Massen weiter. Der kommunistische Jugendverband erzog die Jugend im Geiste des Kommunismus.  In den Tagen des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg P.R.) bewiesen die Mitglieder des kommunistischen Jugendverbandes durch Heldentaten an der Front und durch aufopfernde Arbeit im Hinterland aufs Neue ihre Treue und Ergebenheit gegenüber der Partei von LeninStalin und der sowjetischen Heimat.

Die Partei forderte, dass jedes ihrer Mitglieder in seiner Berufsarbeit, in der Aneignung der Technik seines Faches, in der ständigen Erhöhung seiner Qualifikation und seines Wissens, in der Wahrung der Arbeits- und Staatsdisziplin, in seinem ganzen Benehmen in der Gesellschaft und im Alltagsleben als Vorbild für die Massen dient.

Die bolschewistische Partei war durch ihren organisatorischen Aufbau stark. Die primären Parteiorganisationen in den Betrieben, Ämtern, in der Arme, in den Lehranstalten usw. stellten die Grundlage der Partei dar. Die Partei war jedoch nicht die einfache Summe ihrer primären Organisationen. Die Partei war eine einheitliche, die ganze Sowjetunion umfassende Organisation der Kommunisten mit unteren und höheren leitenden Organen, mit einer Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit. Ihre Beschlüsse waren für alle Parteimitglieder bindend. Das höchste Organ der primären Organisation stellte die allgemeine Versammlung ihrer Mitglieder dar. Das höchste Organ der Partei war der Allunions-Parteitag der KPdSU(B). In der Zeit zwischen den Parteitagen war die gesamte Arbeit der Partei durch das Zentralkomitee der KPdSU(B) geleitet. Alle leitenden Parteiorgane – vom Büro der primären Organisationen bist zum Zentralkomitee der Partei– waren in geheimer Abstimmung gewählt worden. Die Parteiorgane waren ihren Parteiorganisationen rechenschaftspflichtig. Die Beschlüsse der höheren Organe waren für die unteren unbedingt verbindlich.

Alle Parteimitglieder genossen das Recht einer freien sachlichen Erörterung der praktischen Fragen der Parteipolitik. Jeder Kommunist kann auf Mängel in der Arbeit der Parteiorganisation hinweisen und jeden Parteifunktionär sachlich kritisieren.

Die Partei zog auch die Parteilosen zur Erörterung praktischer Fragen ihrer Arbeit heran. Jeder Arbeiter, Angestellte und Kollektivbauer konnte in eine öffentliche Parteiversammlung oder in das Parteikomitee kommen und sagen, wo und was an der Arbeit der Parteiorganisation schlecht war.

Auf diese Weise waren beim organisatorischen Aufbau der Partei eine umfassende innerparteiliche Demokratie und Selbstständigkeit bei der Entscheidung lokaler Fragen mit der Unterordnung der niederen Organe unter die höheren sowie die Leitung der Partei aus einem einheitlichen Zentrum in Einklang gebracht. Ein solcher organisatorischer Aufbau trug dazu bei, dass die bolschewistische Partei, die den Sowjetstaat und das Sowjetvolk leitete, stellte eine der Hauptquellen der Stärke und Macht der Sowjetunion dar.

Der Partei hatte das Sowjetvolk zu verdanken, dass im Lande alle anderen Quellen der Stärke und Macht der Sowjetunion entstanden waren und erschlossen wurden: die sowjetische Gesellschaftsordnung; die sowjetische Staatsordnung; die moralisch-politische Einheit der Sowjetgesellschaft; die Freundschaft der Sowjetvölker; der glühende sowjetische Patriotismus.

Unter der Führung der kommunistischen Partei errang das Sowjetvolk zur damaligen Zeit einen vollen Sieg über seine Feinde und sicherte damit die Voraussetzung für eine weitere Blüte seines Landes.

Unter Führung der kommunistischen Partei und ihres großen Führers J. W. Stalin schritt die Sowjetunion neuen Erfolgen bei der Festigung der Macht des Sowjetstaates sowie bei der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft zu Kommunismus entgegen. (Allerdings ist der Kommunismus ein Wolkenkuckucksheim geblieben. Nach Stalins Tod ging es langsam, aber stetig bergab. P.R.)

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 3 aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Kapinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dm Buch „Das Sowjetland“ aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Kapinskij