Anmerkung von Petra Reichel: Hier hat der IM versehentlich die Gruppe „Wühlmäuse“ genannt. „Die Wühlmäuse“ ist ein Kabarett aus Westberlin.
Das Programm nimmt jetzt langsam Form an.
Thema:
„Die da oben und wir da unten“
„Was versprechen wir uns vom Parteitag?“
Zur Zeit laufen hierzu auch starke Diskussionen, weil wir uns bis jetzt noch nicht im klaren darüber sind, was die Leute am meisten interessiert.
Es folgt ein unleserlicher Abschnitt.
Weiter:
Bei Hella Born waren vor kurzem 2 Genossen vom Ministerium für Staatssicherheit, so erzählte es uns Hella. Das Gespräch soll am letzten Freitag, 07.03.1986, in der Wohnung der Eltern von Hella geführt worden sein. Die beiden Genossen sollen sie in der elterlichen Wohnung empfangen haben.
Hella erzählte uns, dass sie ihre Eltern von 2 Monaten darüber informierte, was sie macht. Vorher erzählte sie ihnen immer nur, dass sie sich bei Freunden aufhält und nun sprach sie erstmals über ihre Mitgliedschaft zur Gruppe „Wühlmäuse“. Darüber waren die Eltern echt erschrocken, sie führten mit ihr eine Diskussion, was sie sich von ihrer Zukunft erhofft, wenn sie sich an sowas beteiligt. Es handele sich doch bei der Gruppe um Leute, die alle fehlgeleitet sind und irrige Ansichten vertreten usw.
Beide Elternteile von Hella sind Staatsangestellte. (Den Beamtenstatus gab es in der DDR nicht. P.R.)
Jedenfalls sprachen die Genossen vom MfS mit ihr darüber, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, wenn sie weiter in der Gruppe mitmacht. Ob sie nicht Dialogbereitschaft zeigen würde usw.
Nach Aussagen der Hella hat immer nur einer der beiden geredet, sie nimmt an, ein Höhergestellter. Dieser hat ihr einiges erzählt über alle möglichen Leute, die in der Friedensbewegung aktiv sind und gefragt, ob sie diesen oder jenen kennt, ob sie bestimmte Vorgänge/Sachverhalte kennt bzw. dabei war, so z.B. den Brief, der von Hirsch, nächster Name unleserlich, Templin und Eppelmann(spätere Konterrevolutionäre P.R.)abgeschickt wurde, ob sie über Stendal informiert ist – Friedensseminar- usw. Speziell wurde nach Templin, Hirsch, Grimm gefragt. Das Interesse soll sich wohl auf Hirsch konzentriert haben.
Also dieser ältere Genosse hat fast die ganze Zeit geredet und erzählt, was das MfS schon alles herausbekommen hat.
Hella selbst verhielt sich dabei nach eigenen Aussagen absolut bockig und patzig. Sie soll entgegnet haben: „Ich habe Sie nicht eingeladen und beabsichtige nicht, mit Ihnen zu reden.“
Dies alles erzählte sie innerhalb der Gruppe, sie ist sofort damit herausgeplatzt.
Auch über Benn Roolf haben sich die beiden ziemlich ausgelassen, dass Benn die Hella negativ beeinflusst usw. So, sie sie die beiden vom MfS beschrieben hat, soll es sich um die beiden Genossen handeln, die vor 2 Jahren bereits mit Benn Roolf gesprochen haben.
Auf alle Fälle besteht jetzt ein gespanntes Verhältnis zu den Eltern. Da die Eltern jetzt absolut nicht mehr wissen, wie sie ihre Tochter in den Griff bekommen sollen.
Benn Roolf erzählte, dass er zur NVA gezogen wird. Er teilte in diesem Zusammenhang mit, dass er bei der Musterung seine Erklärung zur Ableistung des Bausoldatendienstes abgegeben habe. Er hofft ganz stark, dass er deswegen zurückgestellt wird.
Bericht 1 des IMS„Roland“ (Auszug) Es muss IMSheißen, aber in der Broschüre stehtIMB. Vermutlich ein Schreibfehler. P.R.
Kreisdienststelle Treptow Berlin, 25.04.1986
Information
Quelle: IMS „Roland“ (zuverlässig, ehrlich und überprüft)
Der IM besuchte die Zusammenkunft der Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ am 22.04.1986 im Gebäude des evangelischen Kindergartens (Hier steht auch wieder „Kindergarten“, obwohl es wohl eher „Kirchengarten“ heißt. P.R.)in der Firlstraße 16.
Benn Roolf berichtete, dass er zum 6. Mai 1986 als Bausoldat zur NVA nach 8906 Ostritz, August-Bebel-Straße 259 (Panzergerätelager) einberufen wird.
Roolf zeigt sich sehr verärgert. Er hatte nicht mit einer so kurzfristigen Einberufung gerechnet.
Roolf brachte zum Ausdruck, dass die Einberufung aus dem Grunde erfolgen wird, dass er inzwischen den Sicherheitsorganen bekannt ist und einen Namen hat. Er ist den Sicherheitsorganen wahrscheinlich unbequem und man wollte ihn erst einmal loswerden.
Roolf brachte zum Ausdruck, dass diese Rechnung nicht aufgehen werde. Er werde als Bausoldat die „illegale Arbeit organisieren und eine Gruppe aufbauen“ (wörtliche Formulierung)
Roolf vertrat die Meinung, dass unter den Einberufenen ein „Spitzel der Staasi“ sein wird den es gilt vor der Gründung der Gruppe herauszufinden.
Roolf war auch deshalb über die kurzfristige Einberufung verärgert, da es für ihn den Anschein hatte, dass sich die Mitglieder der Laienspielgruppe jetzt fester zusammengeschlossen hatten und die Arbeit wieder vorwärts geht.
Roolf verkündete, dass er am 3. Oder 4. Mai in seiner Wohnung eine Abschlussfeier veranstalten wird.
Roolf bat alle Mitglieder der Laienspielgruppe darum, Bemühungen zu unternehmen, dass die Gruppe jetzt nicht auseinanderfällt.
Die in Besitz von Roolf befindlichen Schriftstücke (Kabarettstücke, Lieder, Texte und Bücher) sowie Matrizen zum Drucken für Texte wolle er demnächst an Jörg Metzner übergeben.
Ohne dass es ausgesprochen wurde war für die Mitglieder der Laienspielgruppe klar, dass Metzner die Leitung übernehmen wird.
Der Rest des Schreibens ist unleserlich gemacht worden.
IMS „Andreas Harms“, BV (Bezirksverwaltung) Neubrandenburg, Abt. XX
Nächster Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.
Operative Ausgangsinformation, die zur Anlage des OV(Operationsvorganges) führte und Zielstellung und Bearbeitung
Durch überprüfte offizielle und inoffizielle Informationen wurde im Juni 1983 bekannt, dass sich in der Treptower evangelischen Bekenntniskirche (Es folgt die Adresse der Kirche.) eine Gruppe Jugendlicher etabliert hat, die sich als sogenannte „Treptower Friedensgruppe“ (TFG) bezeichnete und durch die an dieser kirchlichen Einrichtung fungierenden Pfarrer (Namen geschwärzt) angeleitet und unterstützt wurden. Die Zielstellung der TFG bestand darin, einen „eigenen Dienst am Frieden“ zu leisten und dafür möglichst viele Jugendliche zu gewinnen.
Zum Zeitpunkt der Einleitung des OV gehörten fast ausschließlich ehemalige Schüler der EOS „Klement Gottwald“-Treptow und der EOS „Alexander von Humboldt“- Köpenick zum Personenkreis der sogenannten „Treptower Friedensgruppe“.
Die Bearbeitung erfolgte mit folgender Zielstellung:
Verhinderung eines Zusammenschlusses mit festen Organisationsformen und pragmatischen Zielen, rechtzeitiges Erkennen und vorbeugende Verhinderung negativ-feindlicher Handlungen.
Aufdeckung feindlicher Pläne, Absichten, Mittel und Methoden im Zusammenhang mit der personellen Erweiterung der Gruppierung und deren Wirkungsbereich, um deren Ausweitung erfolgreich zu verhindern.
Schaffung von Möglichkeiten zur positiven Einflussnahme auf den R. zur Rückgewinnung auf gesellschaftsgerechte Positionen und zu Schaffung inoffizieller Möglichkeiten.
Einleitung erforderlicher Maßnahmen zur Zersetzung der Gruppierung durch inoffizielle Verbindungen in der TFG selbst.
Wesentliche Ergebnisse der bisherigen operativen Bearbeitung des OV
In Auswertung der durchgeführten operativen Maßnahmen zur Erreichung der Zielstellung des OV kann folgendes eingeschätzt werden:
Mitte 1984 wurde inoffiziell bekannt, dass die sogenannte „TFG“ zerstritten war und um eine neue Zusammensetzung und Funktionsaufteilung rang. Verschiedene Gründe führten dann zur vollständigen Auflösung der „TFG“.
Im 2. Halbjahr wirkte der Roolf vorwiegend individuell auf verschiedenen kirchlichen Veranstaltungen. Die damalige Freundin des Roolf. (Name geschwärzt) trennte sich in dieser Phase von Roolf.
Eine Zusammenarbeit der (Name geschwärzt) mit dem MfS zur Rückgewinnung des Roolf wurde von ihr abgelehnt. Es musste eingeschätzt werden, dass die durch die KD (Kreisdienststelle)Treptow eingeleiteten Maßnahmen, den Roolf unter positive Beeinflussung zu stellen, nicht fruchteten.
Durch den IMS „Lange“ wurde im 2. Halbjahr 1984 bekannt, dass der R. eine Theatergruppe „Die Wühlmaus“ gegründet hat. Diese Theatergruppe trat in der Folgezeit in den verschiedensten kirchlichen Einrichtungen in Berlin und Neuruppin mit eigenem Programm auf. Zu diesem Zeitpunkt gehörten folgenden Personen dieser Theatergruppe an:
Es folgt eine Namensliste.
Der nächste Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.
Aufgrund des Auftritts von Buchheim, Gerd am 30.06.1985 auf der Evangelischen Friedenswerkstatt in der Erlöserkirche in Berlin-Rummelsburg wurde im Juli 1985 der Abteilung IX ein (jetzt folgt ein § aus dem Strafgesetzbuch – ein politischer §) im Rahmen des OV „Bekenntnis“ wegen Verletzung des Straftatbestandes (wieder ein politischer §) zu Buchheim festgelegt.
Diesbezüglich wurde entschieden, die beabsichtigte Übersiedlung des Buchheim nach Westberlin zu genehmigen.(Das war das Vernünftigste. Weg mit dem Scharfmacher. P.R.)
Durch die Einleitung koordinierter Zersetzungsmaßnahmen der KD Köpenick, der KD Königs Wusterhausen und der KD Treptow konnte erreicht werden, dass innerhalb der Laienspielgruppe Differenzen auftraten, die dazu führten, dass sich einige Mitglieder aus ihrer Tätigkeit in der Laienspielgruppe verabschiedeten.
Zu diesen politisch-operativen Zersetzungsmaßnahmen zählte
die Übersiedlung des Buchheim nach Westberlin,
-die Einberufung des Meier, Bernd zur NVA,
-das Herauslösen des (Name geschwärzt) seitens der KD Königs Wusterhausens aus der Laienspielgruppe.
-die Durchführung von zwei Gesprächen mit Meier, Bernd, bei den ihm Informationen gegeben wurden, die die Differenzen unter den Mitgliedern der Laienspielgruppe und speziell zwischen Roolf und Grimm weiter forcierten,
-das Herausbrechen eines Mitgliedes aus der Laienspielgruppe und Gewinnung zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS.
Weitere Maßnahmen führten dazu, dass der Zersetzungsprozess weiter beschleunigt werden konnte und die Gruppe derzeitig nicht in der Lage ist, ein Programm aufzuführen.
Derzeitig gehören der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ folgende Personen an:
(Es folgt eine Namensliste.)
(Unvollständiger Satzanfang..) können derzeitig noch keine Aussagen getroffen werden. Mit der Born wurde ein Gespräch geführt, in dessen Ergebnis sie sich vorerst als Mitglied der Laienspielgruppe verabschiedete.
Am 09.04. 1986 fand nach längerer Pause wieder eine Veranstaltung der Laienspielgruppe, durch die Gestaltung eines Diskussionsabends im Gebäude des evangelischen Kindergartens (Vermutlich ist „Kindergarten“ ein Schreibfehler. Später ist vom „Kirchengarten“ die Rede. Das halte ich für wahrscheinlicher. P.R.) in der Firlstraße in Berlin-Oberschönweide, statt.
In diesem Gebäude finden regelmäßig dienstags Zusammenkünfte der Mitglieder der Laienspielgruppe statt. Seit dem 08.04.1986 gehört ein (Name geschwärzt) zu den Mitgliedern der Laienspielgruppe. Es bestehen Bemühungen, dass der Handlungsspielraum innerhalb der Kirche wieder stärker zu politisch-negativen Zwecken missbraucht wird und ein neues Programm erarbeitet wird. Im April 1986 ist es gelungen, den IMS „Roland“ der KD Treptow in die Laienspielgruppe zu integrieren.
Weitere Zielstellung der Bearbeitung
Erarbeitung von Informationen zur vorbeugenden Verhinderung negativ-feindlicher Aktivitäten in der Öffentlichkeit.
Einleitung weiterer Maßnahmen zur Zersetzung der Gruppe.
Feststellung des Charakters der festgestellten Kontakte zu Personen der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung und Prüfung, ob von diesen eine Anleitung und Inspiration ausgeht.
Die weiteren konkreten Maßnahmen zur Bearbeitung des OV „Bekenntnis“ werden in einem gesonderten Operativplan festgelegt. Der Operativplan wird bis zum 5. Mai 1986 erarbeitet.
Die Personen Buchheim, (weitere Namen geschwärzt) werden vom Index des OV „Bekenntnis“ gelöscht und für die KD Treptow KK (eine Registrierungsart, siehe Abkürzungsverzeichnis) erfasst.
Sternchenvermerk: wie Eppelmann, nächster Name unkenntlich gemacht, Hirsch und Grimm. (Später bekannte Konterrevolutionäre. P.R.)
Es folgt der Verteiler und Unterzeichnung durch Leutnant Beyer
Am 09.06.1986 erfolgte zwischen dem Genosse Hauptmann Pogge und Leutnant Beyer der Kreisdienststelle Treptow und dem Genossen Gottwald der Hauptabteilung I, Abt. MfNV. Militärakademie Dresden, (Telefonnr.) ein Gespräch zu dem im OV „Bekenntnis“ bearbeiteten Roolf, Benn.
Genosse Gottwald brauchte eine erste Einschätzung zu Roolf nach seiner Einberufung als Bausoldat zur NVA.
Er leistet seinen Dienst im Teillager Charlottenhof, welches zum Panzergerätelager im Ostritz gehört.
Im Teilelager Charlottenhof sind 36 Bausoldaten tätig. 7 Bausoldaten unter ihnen Roolf wurden jetzt aus Berlin einberufen.
Ausgang und Urlaub für Bausoldaten ist sehr großzügig gestaltet. So erhalten die Bausoldaten alle 14 Tage bis 3 Wochen, Wochenendurlaub und 2-3 mal wöchentlich Ausgang.
Folgende Vereinbarungen werden getroffen:
Roolf bleibt für die Kreisdienststelle Treptow weiter erfasst. Genosse Gottwald veranlasst die Maßnahme -M- (Postkontrolle)zum NPV (Nationaler Postverkehr).
Weiterhin wird registriert, von wem Roolf am Dienstort Besuch erhält.
Darüber hinaus wird Roolf bevorzugt behandelt. So erhält er öfter Ausgang und wird bevorzugt mit Urlaub. Er wird auch öfter zum Vorgesetzten vorgeladen. Mit diesen Maßnahmen könnte eine Isolierung von Roolf erreicht werden.
Genosse Gottwald wies darauf hin, dass im Herbst 3 Bausoldaten aus Berlin Treptow zum Einsatzort von Roolf einberufen werden. (Eine diesbezügliche Überprüfung erfolgt über das Wehrkreiskommando Treptow.)
Die zuständige Kreisdienstelle für Ostritz ist die Kreisdienststelle Görlitz. Seitens der Kreisdienststelle sowie vom Genossen Gottwald bestehen keine inoffiziellen Möglichkeiten.
Der Genosse Gottwald wird einen Abschlussbericht von Roolf übergeben.
Am 19.06.1986 erfolgte die Absprache zwischen dem Genossen Mitzkat der Abteilung xx der Bezirksverwaltung Neubrandenburg und dem Unterzeichner. Genosse Mitzkat brachte zum Ausdruck, dass es derzeitig unmöglich ist, den IMS „Andreas Harms“ aus der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ herauszulösen.
Es gibt Schwierigkeiten mit dem IM. Er ist auch nicht bereit offen über alles zu sprechen.
So deutete der IM nur an, dass 2 Mitarbeiter des MfS mit der Born, Hella und ihren Eltern gesprochen haben. Dadurch habe die Born Schwierigkeiten in der kirchlichen Tätigkeit. Weitere Fragen zu diesem Sachverhalt wollte der IM nicht beantworten. Er sagte dazu wörtlich „die gehört nicht hierher!“
Der IMS reagierte sehr ungehalten als ihm dargelegt wurde, dass er sich aus der Laienspielgruppe zurückziehen soll. Er sieht seine Tätigkeit in dieser Gruppe als Sprungbrett für eine noch festere Integrierung in der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung.
Der IMS „Andreas Harms“ beabsichtigt ab September/Oktober 1986 eine neue Tätigkeit auszuüben. Ihm wurde die Möglichkeit gegeben als Handwerker im Bund der evangelischen Kirchen zu arbeiten. Verbunden damit ist ein Umzug nach Berlin Mitte.
Nach der Aufnahme der neuen Tätigkeit sowie des Umzuges wäre der IMS bereit, sich aus der Laienspielgruppe zurückzuziehen.
Von den Genossen der Abteilung xx der Bezirksverwaltung Neubrandenburg wird angestrebt, den IMS bis zum Oktober 1986 aus der Laienspielgruppe herauszulösen.
Dem Genossen Mitzkat wurde ein umfassender Informationsbedarf übergeben.
Eine weitere Absprache ist für September vorgesehen.
Von Februar 2025 bis Mai 2025 hat sich DIE TROMMLER mit derBroschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber: Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, beschäftigt. Manches war ganz schön knifflig.
Diese Broschüre ist an die heutigen Schülerinnen und Schüler gerichtet. Ob im Unterricht soviel Zeit ist, um das alles auszuarbeiten, ist fraglich. Vielleicht ist es als Projektarbeit gedacht. Sind die heutigen Lehrerinnen und Lehrer in der Lage entsprechende Anleitung zu geben? Denn die meisten Lehrkräfte sind zu jung, um die DDR noch zu kennen. Es besteht die Gefahr, dass letztendlich die Geschichtsschreibung der Sieger vermittelt wird. Doch Original-Dokumente geben die Chance die historischen Ereignisse ohne Vorurteile auszuwerten. DIE TROMMLER bietet der heutigen und nachfolgenden Generationen die Möglichkeit historische Ereignisse aus der Sicht der Verlierer der Geschichte wahrzunehmen.
Informieren Sie sich im Abkürzungsverzeichnis und im Internet über die Stasi-Abteilung „M“. In welchen Gebäuden hatte sie ihre Außenstellen? Nennen Sie Argumente, mit denen die Einstellung der Arbeit dieser Abteilung begründet wurde.
Aufgabe 2
Erläutern Sie, welche Auswirkungen die Umwandlung des MfS in das AfNS für viele Stasi-Mitarbeiter hatte. Auf welche Weise wollte die Stasi das Arbeitsplatzproblem für ehemalige Mitarbeiter lösen?
Aufgabe 3
Fassen Sie anhand des Dokumentes 11 zusammen, worin die angeblich wichtigsten Neuerungen beim AfNS (ANS) bestanden.
Aufgabe 4
Dokument 12 ist ein mit Bleistiftbemerkungen versehener Entwurf der Leitung der AfNS. Untersuchen Sie anhand dieses Dokuments, mit welchen Spitzeln das neue Amt nicht mehr zusammenarbeiten wollte.
Aufgabe 5
Setzen Sie sich mit der 1989 oft zu hörenden Auffassung auseinander, das AfNS sei nur Etikettenschwindel gewesen, um die Stasi über die Krisenzeit zu retten. Schreiben Sie auf, was dafür und dagegen spricht. Bilden Sie sich eine abschließende Meinung und begründen diese.
Antwort zu Aufgabe 1
Die Abteilung „M“ beim MfS war die Abteilung für Postkontrolle. Diese Diensteinheit war für die Kontrolle und Auswertung der Postsendungen sowie für die Führung des Schriftenspeichers und spezieller Adressdateien zuständig.
Die Außenstellen befanden sich in Gebäuden der Post und der Zollverwaltung. Die Räumlichkeiten mussten geräumt und im Anschluss so hergerichtet werden, das nichts auf die Abteilung „M“ hinweist.
Trotz gesetzlicher Regelungen wurde auch die Postzollfahndung beendet. Aufgrund der Krise waren diese Tätigkeiten nicht mehr durchführbar. Der amtierende Minister, Rudi Mittig, hat das so entschieden.
Man wollte sich angleichen, an wen auch immer. Es sah nach Angleichung an die BRD aus. Andererseits schwurbelte man herum, dass es um Erneuerung des Sozialismus ginge und ähnlichen Stuss. Das war Irreführung der Aufrechten.
Bei der Lösung des Arbeitsplatzproblems für ausscheidende Mitarbeiter des MfS, bzw. AfNS hat man auf eine alte Regelung aus dem Jahre 1982 zurückgegriffen. Man hatte nicht beachtet, dass bei der Krisen- und Umbruchssituation die Regelung aus alter Zeit nicht mehr real anwendbar war.
Es geht um eine Angleichung in Richtung Geheimdienst eines bürgerlichen Staates. Mit dem Sozialismus hatte man abgeschlossen. Die Aufgaben des Geheimdienstes änderten sich folglich. Es wurden innerhalb des Theaters keine Spitzel und IM mehr gebraucht.
Nicht mehr zusammenarbeiten wollte man mit IMs, die für innere und äußere Feinde zuständig waren. (Mensch wozu ist dann ein Geheimdienst da? P.R.)
mit IMs die mit den Bereichen Politik, leitenden Mitarbeitern staatlicher Organe, Funktionären aus Parteien und Organisationen zu tun hatten.
mit IMs die unzuverlässig und unehrlich waren.
mit IMs die eine weitere Zusammenarbeit ablehnten
mit IMs, die man nicht mehr für geeignet hielt
na und mit IMs, die die Umstellung und Angleichung nicht mitmachen wollten
Soweit in Kürze die Antwort auf die gestellte Aufgabe. Man könnte noch viel sagen, wenn man ins Detail ginge.
Antwort zu Aufgabe 5
Dass die Umstellung vom MfS auf das AfNS nur ein Etikettenschwindel wäre, nur eine Namensänderung stattgefunden hätte usw. wurde 1989 stets behauptet. Doch befasst man sich tiefer mit der Materie, stellt man fest, dass dem nicht so ist. Es ist die Angleichung und Umstellung auf den Geheimdienst eines bürgerlichen Staates vorgenommen worden. Als Vorbild diente die BRD. Doch letztendlich war das sinnlos. Es war eben noch nicht entschieden, ob die DDR ohne Sozialismus weiterhin bestehen sollte oder, wie dann geschehen, die DDR nicht mehr existent sein wird.
Anfang Dezember besetzten Bürgerinnen und Bürger der DDR viele Stasi-Dienststellen. Was war der Auslöser für diese Aktionen? Überlegen Sie, warum die Häuser der Staatssicherheit erst zu diesem Zeitpunkt besetzt wurden.
Aufgabe 2
Beschreiben Sie die Reaktionen des AfNS auf die Ereignisse am 4. Und 5. Dezember 1989. Erörtern Sie die Gründe für das Zurückweichen der Stasi-Mitarbeiter in den Bezirken und Kreisen der DDR.
Aufgabe 3
Im Dokument 15 beklagt die Staatssicherheit die schlechte Zusammenarbeit mit der Volkspolizei Anfang Dezember 1989. Geben Sie mit eigenen Worten wieder, welche Punkte bemängelt wurden.
Aufgabe 4
Jahrzehntelang waren die DDR-Behörden, wie die Volkspolizei, gezwungen, sich nach Anweisungen der Stasi zu richten. Diskutieren Sie, warum diese ungeschriebene Regel seit Anfang Dezember 1989 nicht mehr funktionierte.
Antwort zu Aufgabe 1
Ob das nur Bürgerinnen und Bürger waren, welche die Dienststellen des MfS besetzten, sei mal dahingestellt. Ich denke da haben sich Krawallmacher, Kriminelle und Spione anderer Geheimdienste druntergemischt. Anhand des bekanntgewordenen Falls der „Rosenholzdateien“ wurde ja zugegeben, dass fremde Geheimdienste die Gunst der Stunde nutzten. Was war der Auslöser? Gute Frage. Ist auch uninteressant. Ein Geheimdienst, der seine Gebäude und Anlagen nicht schützen kann, hat versagt.
Antwort zu Aufgabe 2
Kurz und gut, die Geheimdienstmitarbeiter haben aufgegeben. Ein Geheimdienst, der sein Land nicht schützen kann, nicht mal seine Gebäude und Anlagen schützen kann, hat versagt.
Es war die gesetzlose Zeit, während die Konterrevolution marschierte. Ausführliches im Beitrag.
Antwort zu Aufgabe 4
Sehr sinnig. In bestimmten Fällen, insbesondere bei Delikten mit politischem Hintergrund, muss die Polizei, bzw. die Staatsanwaltschaft mit dem Geheimdienst zusammenarbeiten. Das ist überall so. Nun gut, das MfS übernahm Aufgaben, die in anderen Ländern von anderen Behörden erledigt werden. Aber ob das so entscheidend ist?
Was gibt’s da zu diskutieren? Die Konterrevolution marschierte. Behörden waren nicht mehr handlungsfähig, wurden umstrukturiert u.ä. Das MfS/AfNS war in Auflösung begriffen. Die Endzeit der DDR war faktisch eine gesetzlose Zeit.
Die beiden Telegramme wurden innerhalb von 24 Stunden geschickt. Vergleichen Sie die Inhalte und benennen Sie die wichtigsten Unterschiede. Diskutieren Sie, was die Gründe dafür gewesen sein könnten.
Aufgabe 2
Ministerpräsident Modrow hatte die Schaffung eines Amtes für Nationale Sicherheit (AfNS) Mitte November initiiert. Finden Sie Motive, warum er das Amt nur drei Wochen später wieder fallen ließ!
Aufgabe 3
Auf einer der letzten Dienstberatungen im AfNS musste der Leiter große Veränderungen verkünden (Dok. 17). Geben Sie die wichtigsten Veränderungen mit eigenen Worten wieder.
Aufgabe 4
An den Rand der „Hinweise“ hatte ein Stasi-Mitarbeiter geschrieben: „Zoll, Passkontrolle(olle)“. Entwickeln Sie Szenarien, aus denen hervorgeht, was die Staatssicherheit vorhatte. Bedenken Sie dabei, dass eine große Entlassungswelle von Stasi-Mitarbeitern bevorstand.
Aufgabe 5
Erläutern Sie, warum ab 9. Dezember Volkspolizisten und Vertreter der Bürgerbewegung die Sicherung aller Stasi-Dienststellen übernehmen sollten.
Antwort zu Aufgabe 1
Die Ersteller der Broschüre und der darin enthaltenen Aufgaben sind anscheinend jüngere Leute, die nicht wissen, dass Telegramme und Fernschreiben verschiedene Dinge waren. Hier geht es um Fernschreiben und nicht um Telegramme.
Na, was soll man da sagen? Die konterrevolutionären Ereignisse überschlugen sich. So war nach 24 Stunden manche Festlegung nicht mehr aktuell. Ansonsten fehlen einem für die damaligen Zustände die Worte.
Was soll man dazu noch sagen? Die Konterrevolution schritt voran. Möglicherweise war absehbar, dass die DDR nicht mehr lange existiert. Es ging darum alles für die Übergabe vorzubereiten. Näheres siehe Beitrag „Hinweise für die Dienstbesprechung am 08.12.1989, 17 Uhr“
Zum damaligen Zeitpunkt war zu erwarten, dass das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) bald aufgelöst wird. Man sah voraus, dass eine größere Anzahl von Mitarbeitern keine weitere Dienstverwendung finden wird.
Na, was da noch handschriftlich zum Dokument hinzugefügt wurde, war wohl die falsche Hoffnung die ehemaligen Mitarbeiter des nunmehrigen AfNS beim Zoll und der Passkontrolle unterzubringen. Wir wissen, dass das bald obsolet wurde.
Antwort zu Aufgabe 5
Nun musste die Volkspolizei herhalten, um die Sicherung der Dienststellen des MfS (in der Aufgabe als „Stasi-Dienststellen“ bezeichnet), gemeinsam mit den Konterrevolutionären, in der Aufgabe als „Bürgerbewegung“ bezeichnet, zu sichern. Na ja, der Fall „Rosenholzdateien“ ist ja bekannt geworden. Es ist davon auszugehen, dass westliche Geheimdienste die Gunst der Stunde nutzten und vieles abgegriffen haben. Schließlich ist ja nicht alles bekanntgeworden.
Erläutern Sie, mit welchen Schwierigkeiten das in der Auflösung befindliche AfNS seit Mitte Dezember 1989 zu kämpfen hatte.
Aufgabe 2
Erklären Sie, weshalb sich die Beschäftigten in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen erst ab Dezember 1989 massiv gegen die Einstellung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter wehrten.
Aufgabe 3
Seit Dezember herrschte in vielen Familien von Stasi-Mitarbeitern die Angst vor Ausgrenzung, Verhaftung und sogar Lynchjustiz. Erörtern Sie, was die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter befürchteten. Waren ihre Ängste real zu begründen? Was für Ansichten und Vorstellungen der Stasi-Leute kamen dabei zum Vorschein?
Antwort zu Aufgabe 1
Man konnte die ehemaligen Mitarbeiter nicht oder nur schwer in Arbeit unterbringen. Die Zusammenarbeit mit anderen Behörden ist zum Erliegen gekommen. Es herrschte eine gesetzlose Zeit.
Was soll man dazu sagen? Die sahen, dass es mit dem MfS, bzw. AfNS zu Ende ging und sie fühlten sich sicher. So zeigten sie offen die Ablehnung gegenüber den ehemaligen Mitarbeitern des MfS/AfNS. Ja, sie „rechneten sogar mit ihnen ab“.