Aufgaben für Einzel- und Partnerarbeit

Thema „Zersetzung

Entnommen aus Das Bundesarchiv – Stasiunterlagen-Archiv

Broschüre

 

 

Klären Sie zur Erschließung des Inhalts einzeln oder in Partnerarbeit die folgenden Aufgaben:

  1. Lesen Sie die Seiten 15 und 16-18. Arbeiten Sie heraus, mit welchen Maßnahmen das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegen die Gruppe vorgehen wollte. Wählen Sie eine der Aktionen aus, erläutern Sie genauer und bewerten dieses staatliche Vorgehen
  2. Beschreiben Sie das Gespräch von Gerd Buchheim in der Abteilung Inneres des Stadtbezirkes (S. 10-11). Was wollte er erfahren? Mit wem führte er das Gespräch
  3. Welche Aufgaben erhielt die IMS „Sandra“? Beschreiben Sie mit eigenen Worten und vergleichen Sie sie mit dem ersten Bericht von „Sandra“ (S. 16, S. 19-20)
  4. Welches Erlebnis von Hella Born schildert der IMS „Andreas Harms“ (S. 22-23)? Überlegen Sie anhand der Wortwahl, welche Position „Andreas Harms“ in der Laienspielgruppe hatte
  5. Lesen Sie den Sachstandsbericht der Stasi (S. 25-30). Welche Zersetzungsmaßnahmen wurden bisher angewandt? Wie viele IM waren daran beteiligt? Welche Auswirkungen hatten die Methoden auf die Kabarettgruppe?
  6. Kurz vor seiner Einberufung zur Armee wurde Benn Roolf als Bausoldat eingezogen. Recherchieren Sie, was ein „Bausoldat“ war. Was verabredeten die zuständigen Offiziere des MfS, wie er behandelt werden soll und was wollten sie damit erreichen? (S.31-32)
  7. Nennen Sie die Aufgaben die der IM „Picasso“ für die Stasi erfüllen sollte (S. 37). Nehmen Sie Stellung zu der Bezeichnung „Patriot“ für „Picasso“.
  8. Finden Sie mithilfe des Abkürzungsverzeichnisses heraus, was „Einleitung einer Maßnahme B.im Wohnbereich“ bedeutet. Erklären Sie die Maßnahme mit eigenen Worten. Beziehen Sie dabei auch den Inhalt des Dokuments „Quittung“ (S.50) mit ein.
  9. Untersuchen Sie anhand des IM-Berichtes vom Oktober 1987 (S. 51) wie die Gruppe ihre Lage im Herbst 1987 einschätzte. Nennen Sie die Gründe, die Laut IM-Bericht zur Auflösung geführt haben.
  10. Arbeiten Sie anhand des Abschlussberichts (S.52-56) heraus, mit welchen Maßnahmen die Stasi nach Auflösung des Kabaretts die aktivsten Mitglieder beeinflussen wollte.
  11. Die Zersetzungsmaßnahmen der Stasi gegen die Gruppe hatten nach 33 Monaten Erfolg: Die Gruppe fiel auseinander. Schätzen Sie ein, ob der „Erfolg“ den Aufwand lohnte.
  12. Überlegen Sie, die die Gruppenmitglieder reagiert haben könnten, als sie nach dem Ende der DDR aus den Stasi-Akten erfuhren, dass ihre Gruppe nicht einfach so zerbrach, sondern gezielt „zersetzt“ worden war.

Die Seitennummern beziehen sich auf die Original-Broschüre. (entnommen vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagenarchiv)

Original-Aufgabenstellung aus der Broschüre

Abkürzungsverzeichnis

Broschüre, entnommen aus dem Bundesarchiv – Stasiunterlagen

Lösung der Aufgaben für Einzel- und Partnerarbeit

Thema „Zersetzung“

 

Entnommen aus der Broschüre „Zersetzung“ Das Bundesarchiv – Stasiunterlagen-Archiv

 

  1. Herrn Buchheim wurde schnellstens die Übersiedlung nach Westberlin ermöglicht. Er war ein „Scharfmacher“. Man musste ihn loswerden. Diese Maßnahme war der Anfang des Zersetzungsprozesses dieser Gruppe. Im 2. Operativplan ist eine lange Liste von vorgesehenen Maßnahmen. Das war am 22. Oktober 1985
  2. Herr Buchheim ist unaufgefordert bei der Behörde vorstellig geworden. Er verhielt sich frech und unverschämt. Er wollte was über die Rückweisung an der Grenze zur CSSR. Grenzübergang Schönberg, wissen und warum sein Personalausweis eingezogen wurde und er als Ersatzdokument den PM 12 bekam. Mit einem PM 12 hatte man weniger Rechte. Außerdem wollte er sich nach dem Stand der Bearbeitung seines Übersiedlungsantrages erkundigen. Was soll man da bewerten.? Am besten schnell weg mit dem Kerl. Die Maßnahme des MfS war richtig.            
  3. Das eine waren die Aufgaben von IMS „Sandra“ und das andere die Ergebnisse. Siehe auch Bericht des IMS „Sandra“ vom 08.11.1985
  4. Der IMS „Andreas Harms“ schildert das Erlebnis von Hella Born, als Mitarbeiter des MfS sie, bzw. ihre Eltern zu Hause besuchten. Die Position in der Laienspielgruppe des „Andreas Harms“ scheint wichtig zu sein.
  5. Es waren 3 IM beteiligt. Es wurde erreicht, dass die Gruppe zerstritten war. Weiteres siehe Sachstandsbericht – Tätigkeitsbericht – OV „Bekenntnis“ gemäß §§ vom 28.04.1986.
  6. Bausoldaten in der DDR waren sozusagen Ersatzdienstleistende. Sie leisteten zwar ihren Wehrdienst ab, aber ohne Waffe. Sie wurden zu Bau- und Reparaturarbeiten eingesetzt. Ihr Kennzeichen war der Spaten auf der Schulterklappe ihrer Uniform. Benn Roolf sollte bevorzugt behandelt werden. Siehe Vermerk über eine Vereinbarung.
  7. Hier geht es um die Überwachung von Benn Roolf während seines Wehrdienstes. Der Begriff „Patriot“ hatte in der DDR eine andere Bedeutung, als heute. Siehe Auftrag zur inoffiziellen Überwachung einer Person.
  8. Es geht um die Maßnahme B, die Raumüberwachung mittels Abhörwanze. Na ja, Überwachung ist was Langweiliges. Da wird Kaffee getrunken, geraucht und Limonade getrunken. Das wurde als Spesen abgerechnet. Daher die Quittung.
  9. Bericht 3 des IMB „Roland“ sagt, dass die Gruppe beschlossen hat sich aufzulösen. Als Gründe gibt die Gruppe z.B. an: Nachlassendes Interesse an Kabarettaufführungen, Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell, kein geeignetes Programm mehr vorhanden.
  10. Der weitere Lebensweg der nun ehemaligen Mitglieder der Gruppe wird weiterhin beobachtet. Ist ja eigentlich logisch. Weiteres siehe Abschlussbericht.
  11. Eine gute Frage. Das Ganze war sehr aufwändig und personalintensiv. Da das Ganze nur an einem Ort (Berlin-Treptow) durchgezogen wurde, war es der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“ und war wie bei einer Hydra. Schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach.  In Berlin-Treptow hatte das MfS mit Herzblut daran gearbeitet, einer solchen Gruppe den Garaus zu machen. Doch das war nur punktuell. Das MfS hätte flächendeckend und gleichzeitig konsequent diese Maßnahmen anwenden müssen. Doch in den „oberen Etagen“ war man sich des Ernstes der Lage nicht bewusst. Erich Mielke sah diejenigen, die in den Kirchen agierten verharmlosend als „Strolche“. Womöglich war ihm das so verharmlosend berichtet worden. Siehe Power Point-Vortrag „Erich Mielke übersieht den Beginn der Konterrevolution“
  12. Na da kann man spekulieren. Jeder Geheimdienst dieser Welt wendet Zersetzung als Methode an. Nun ja, da die DDR-Gegnerschaft zu den Siegern der Geschichte zählt, können diese Leute sich ja nun auslassen. Trotzdem ärgern sich diese Leute und sehen sich als Opfer.

Original-Aufgaben aus der Broschüre

Original-Broschüre vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen

Abkürzungsverzeichnis

Aufgaben für die Gruppenarbeit

Thema „Zersetzung

Entnommen aus Das Bundesarchiv – Stasiunterlagen-Archiv

 

 

Gruppe 1

Stellen Sie das Ziel der Treptower Friedensgruppe und die strafrechtliche Beurteilung der Gruppe durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegenüber (S. 6-8). Vergleichen Sie die Perspektiven.

Überlegen und erörtern Sie, warum SED und Stasi die Bildung unabhängiger Gruppen und Vereinigungen unter allen Umständen verhindern wollten.

 

Gruppe 2

Ausreisewillige DDR-Bürgerinnen und -Bürger hatten kaum Chancen, in den Westen zu kommen. Wenn sie einen Ausreiseantrag stellten, mussten sie meistens jahrelang und unter Schikanen auf eine Entscheidung warten.

Erklären Sie warum der Mitbegründer des Laienkabaretts, Gerd Buchheim, relativ schnell mit seiner Familie die DDR verlassen durfte (S. 14-15).

Diskutieren Sie die Frage, warum die Stasi die aufwändige Methode der „Zersetzung“ zur Auflösung des Laienkabaretts anwendete und die Jugendlichen nicht ins Gefängnis warf. Sammeln Sie Argumente, die dafür und dagegen sprachen.

 

Gruppe 3

Obwohl der Leiter des Laienkabaretts, Benn Roolf, im Frühjahr 1986 weit entfernt von Berlin zum Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) einberufen worden war, ließ das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ihn weiterhin überwachen. Erörtern Sie die Gründe. Welches Verhältnis von Stasi und NVA wurde hier sichtbar?

DDR-Bürger, die sich einer Einberufung zum Wehrdienst entzogen, mussten normalerweise mit Verhaftung und einer längeren Haftstrafe rechnen. Versuchen Sie eine Erklärung dafür zu finden, warum die Stasi Matthias Lydicke davor bewahrte (S. 42-44).

 

Gruppe 4

Zur Beobachtung und Kontrolle oppositioneller Aktivitäten setzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sehr viele Informanten ein: Inoffizielle Mitarbeiter, die entweder in Gruppen eingeschleust wurden oder Gruppenmitglieder, die zur Zusammenarbeit bewegt wurden. Welche Gründe könnte es für Menschen geben, mit dem MfS zusammengearbeitet zu haben?

Zur „vorbeugenden Verhinderung“ von Straftaten waren IM nützlich, die das MfS bereits über Pläne und Absichten informieren konnten. Bewerten Sie in einer Pro- und Contra-Rede, ob diese Spitzeldienste immer sinnvoll, angemessen und gerechtfertigt sind. Beziehen Sie den vorliegenden Fall in Ihre Überlegungen ein.

 

Die Seitennummern beziehen sich auf die Original-Broschüre. (entnommen vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagenarchiv)

Original-Aufgaben aus der Broschüre

Original-Broschüre

Lösung der Aufgaben für die Gruppenarbeit

Thema „Zersetzung“

Für DIE TROMMLER habe ich die Gruppenaufgaben alleine gelöst. (P.R.)

 

 

Gruppe 1

Es ging um die Feststellung, ob diese Gruppe gegen das Strafrecht der DDR verstoßen hatte.

Es gab keine unabhängigen Gruppen. Diese Gruppen waren gegen die DDR gerichtet und bekämpften die eigene Verteidigung, nicht die Atomraketen, welche die Amis in der BRD stationiert hatten.

Gruppe 2

Herr Buchheim war ein „Scharfmacher“. Den musste man loswerden. Darum war es das Vernünftigste seinen Ausreiseantrag schnell zu bearbeiten, damit er, nebst Anhang die DDR verlässt.

Es wurde die strafrechtliche Relevanz geprüft, aber nichts gefunden.

Es machte mehr Sinn die Gruppe zu zersetzen. Da derartige Gruppen in der DDR „wie Pilze aus dem Boden schossen“, war es unmöglich flächendeckend alle zu zersetzen. So war die Zersetzung dieser Gruppe „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

 

Gruppe 3

Klar, wo Herr Roolf Leiter dieser Gruppe war, musste sichergestellt werden, dass er bei der NVA nicht erneut Unsinn verzapft. Die Strategie war gute und großzügige Bedingungen zu schaffen. So konnte kein Grund zum Aufbegehren entstehen.

Der Fall Lydike ist auch für die Nachwelt interessant. Herr Lydike wollte eine Show abziehen, um antikommunistische Hetzpropaganda zu betreiben. Das MfS hat durch Einflussnahme das verhindert. So kam Herr Lydike ohne Festnahme und Strafe davon.

 

Gruppe 4

Warum arbeiteten Leute mit dem MfS zusammen? Nun ja, es gab ja auch Pro-DDR eingestellte Leute, die ihrem Staat dienen wollten.  Es gab aber auch Billig-Spitzel, wie überall auf der Welt. Aber nicht in diesem Fall. Der war zu komplex für billige Spitzel. Da mussten patriotische Kräfte her. In der DDR hatte der Begriff „Patriot“ und „Patriotismus“ eine andere Bedeutung wie heute. Heute bringt man diesen Begriff mit Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus in Verbindung. Damit hatte die Bedeutung dieses Begriffs in der DDR nichts zu tun.

 

Original-Aufgaben aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv

Aufgaben

Eröffnungsbericht zum Operativvorgang „Bekenntnis“ 

Nachtrag: Der Eröffnungsbericht ist untergegangen, hiermit wird dieser nachgetragen.

 

Eröffnungsbericht zum Operativvorgang „Bekenntnis“

Es wurde vorgeschlagen, auf Grundlage der bisher in einem operativen Material erarbeiteten, überprüften, offiziellen und inoffiziellen Informationen zur sogenannten „Treptower Friedensgruppe“ in der Bekenntniskirche in Berlin gegen nachfolgend genannte Personen den Operativvorgang „Bekenntnis“ anzulegen.

Es folgen die Namen und Adressen sowie die Nennung der Arbeitgeber von drei Personen. Alle drei hatten bis zu diesem Zeitpunkt keine Vorstrafen.

Einschätzung des politisch-operativen Ausgangsmaterials

Durch offizielle und inoffizielle Informationen wurde im Juni 1983 bekannt, dass sich in der bereits genannten evangelischen Kirche aus der Jungen Gemeinde eine sogenannte „Treptower Friedensgruppe“ gebildet hat. Nach der Einleitung politisch-operativer Maßnahmen und deren Realisierung konnten folgende wesentliche Erkenntnisse zur sogenannten „Treptower Friedensgruppe“ erarbeitet werden:

Es folgen Namen und Adressen der Initiatoren und dem harten Kern der Gruppe.

Bei diesen Leuten handelt es sich in der Mehrzahl um ehemalige Schüler von Schulen aus Treptow und Köpenick.

Die Zielstellung der Tätigkeit der sogenannten „Treptower Friedensgruppe“ (TFG) bestand darin, einen „eigenen Dienst am Frieden zu leisten“, da ihnen das gesellschaftliche Engagement als zu global und die Tätigkeit der FDJ als zu gering und einseitig erschien. (Mensch, was für eine Logik. Für Frieden muss sich doch gemeinsam, bzw. global engagiert werden. Was heißt hier „einseitig“?  Gemeinsam mit der FDJ was zu tun, wäre richtig gewesen. Was diese Leute wollten, ist nicht nachvollziehbar. P.R.)

 

Strafrechtliche Einschätzung

Aufgrund der vorliegenden inoffiziellen und offiziellen Beweise bestand der Verdacht, dass die im Eröffnungsbericht genannten Personen einen Zusammenschluss Jungerwachsener herbeigeführt hatten. Im Sinne von damaligen Strafrechtsparagraphen bestand der Verdacht, dass diese Leute Zielstellungen verfolgten, die den gesellschaftlichen Interessen der DDR zuwiderliefen.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die sogenannte „TFG“ stark konspiriert in ihren Aktivitäten und über die Vervielfältigungstechnik innerhalb der Kirche verfügte, konnten Handlungen gemäß diesen damaligen Strafrechtsparagraphen nicht ausgeschlossen werden

Auf der subjektiven Seite der Personen konnte eingeschätzt werden, dass die drei Hauptinitiatoren immer weiter von einer ehemals fortschrittlichen Weltanschauung abgegangen sind, zum damaligen Zeitpunkt pluralistisch-opportunistische Auffassungen („Pluralismus“ ist auch so eine hohle Phrase in der bürgerlichen Demokratie. P.R.), sich zum Pazifismus bekannten (Ich würde wetten, dass diese Leute heute für Waffenlieferungen in die Ukraine sind und sich heute für die Wehrpflicht einsetzen. P.R.) und bewusst die Freiräume der Kirche für diese Zielstellungen ausnutzten.

 

Die weitere Bearbeitung erfolgte mit dem Ziel

  1. Verhinderung eines Zusammenschlusses mit festen Organisationsformen und programmatischen Zielen, rechtzeitiges Erkennen und vorbeugende Verhinderung negativ-feindlicher Handlungen.

  1. Aufdeckung feindlicher Pläne, Absichten und Mittel und Methoden im Zusammenhang mit der personellen Erweiterung der Gruppierung und deren Wirkungsbereich, um deren Ausweitung erfolgreich zu verhindern. Zu diesem Zweck erfolgte in Verbindung mit der inoffiziellen Kontrolle des (dann folgt ein Name) über den Zeitraum des NJF eine Beobachtungsmaßnahme zur Feststellung weiterer Verbindungen der „TFG“.

  1. Schaffung von Möglichkeiten einer positiven Einflussnahme auf den (dann folgt ein Name) und die anderen aktiven Mitglieder zur Rückgewinnung dieser Jungerwachsenen und inoffizieller Möglichkeiten zu deren weiterer umfassender Aufklärung und Kontrolle.

  1. Einleitung erforderlicher Maßnahmen zur Zersetzung der Gruppierung durch inoffizielle Verbindungen in der „TFG“ selbst.

 

Zum damaligen Zeitpunkt waren noch keine IM für einen zielgerichteten Einsatz zur Erreichung dieser Zielstellung des OV vorhanden, peripher konnten jedoch die IM „Lange“ und die IM-Kandidatin „Julia Schwarz“ im Zusammenhang mit dieser Gruppierung eingesetzt werden.

Original-Dokument entnommen Aus der Broschüre „Zersetzung“, Herausgeber Bundesarchiv, Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

Nachtrag:

Der Eröffnungsbericht ist untergegangen. Dieser ist nun nachgetragen worden und wird in die März-Ausgabe integriert. Allerdings wird er vorab veröffentlicht. 

Es gibt da nichts Neues, das in die Gesamtübersicht eingefügt werden müsste. Es geht da nochmal um die strafrechtliche Relevanz. Dieses Thema ist in anderen Abschnitten erörtert worden.

In der DDR bildeten sich unter dem Dach der Kirche massenhaft Gruppen und Grüppchen, die vorgaben für Frieden einzutreten und kritisch zu sein. Am bekanntesten ist „Schwerter zu Pflugscharen“.

Das begann mit der Stationierung der Atomraketen der USA in der BRD in den 1980er Jahren. 1979 erfolgte der unselige NATO-Beschluss.  Es entstand in der BRD eine große Friedensbewegung. Trotz der großen Demos und Aktionen bewirkte sie nichts.

Da schossen in der DDR angebliche Friedensgruppen wie Pilze aus dem Boden. Sie richteten sich nicht gegen die Atomraketen der USA in der BRD, sondern gegen die Verteidigung des eigenen Landes. Doch sie behaupteten die Friedensbewegung der DDR zu sein. Unter dem Dach der Kirche waren diese Leute aufgrund der Religionsfreiheit schwierig zu bekämpfen, obwohl sie die Beseitigung des Sozialismus im Sinne hatten. Ob die Beseitigung der DDR, war damals noch nicht absehbar

Allerdings hatte die DDR eigene Schwächen, die diese Leute gnadenlos ausnutzten. Die entsprechenden §§ waren weit gefasst und teilweise überzogen. So reichte die Bandbreite von harmlosen Gruppierungen, die etwas scharf formulierten bis hin zu Terrorgruppen.

 

Aufgrund dieser Rechtslage war es für Kulturschaffende, insbesondere für das Kabarett, in der DDR schwierig

Für Laien war es folglich nochmal schwieriger. In diesem Fallbeispiel geht es um eine Laienspielgruppe, die Kabarett macht. Doch wenn man die Dokumente durchgeht, kommt man zu dem Schluss, dass diese Leute tatsächlich der DDR schaden wollten.

Schon der Name der Laienspielgruppe ist aufschlussreich, was aber vom MfS nicht beachtet wurde. Die Gruppe nannte sich „Die Wühlmaus“.  Die Namensgebung lehnte sich an das Westberliner Kabarett „Die Wühlmäuse“ an. Die Frage ist, ob die Namensgebung aus Einfallslosigkeit erfolgte oder eine gewisse Absicht dahinter war, wie die Sehnsucht nach dem „Westen“. Das MfS verwechselte sogar die Namen und schrieb von „Wühlmäuse“, anstatt „Die Wühlmaus“. Anscheinend hatte man das Westberliner Kabarett „Die Wühlmäuse“ nicht „auf dem Schirm“.

Siehe: Maßnahmeplan

Herr Buchheim, ein Mitglied dieser Laienspielgruppe war ein „Scharfmacher“, also er hetzte am meisten und versuchte negativen Einfluss zu nehmen. Im Dokument ist beschrieben, was er alles angestellt hatte und wie unverschämt er sich gegenüber Behörden verhielt.

Letztendlich wurde der Ausreiseantrag des Herrn Buchheim nebst „Anhang“ schneller bearbeitet, um ihn loszuwerden. Das war die vernünftigste Methode

Im nächsten Dokument wird nach Straftatbeständen der Gruppenmitglieder gesucht. Es wird sich wieder mit Herrn Buchheim beschäftigt.

Siehe auch: Paragraphen

Laut dem nächsten Dokument fand man nichts strafrechtlich Relevantes.  Es wird nochmal erwähnt, dass der Herr Buchheim, nebst „Anhang“, bald ausreisen soll.

Das nächste Dokument befasst sich wieder mit Herrn Buchheim nebst „Anhang“.  Mit der Übersiedlung dieser Person, nebst „Anhang“ soll der Zersetzungsprozess der Gruppe „Die Wühlmaus“ eingeleitet werden.

Im darauffolgenden Dokument wurden die weitere Planung und der Einsatz von IM festgelegt.

IMS „Sandra“ berichtet von Uneinigkeit in der Gruppe und beschreibt die Situation.

In Bericht 1 des IMS „Andreas Harms“ geht es darum, dass die Aktivitäten der Gruppe nachlassen und dass das an einer bestimmten Person lag. Die Aktivitäten sollen wieder aufgenommen werden.

In Bericht 2 von „Andreas Harms“ geht es um das junge Mädchen Hella Born, ein Gruppenmitglied. Die Eltern waren damals Staatsangestellte. Es gab bei ihr zu Hause ein Gespräch mit Vertretern des MfS.

Dann geht es noch um Benn Roolf, der eine wichtige Rolle spielt. Er sollte zum Wehrdienst eingezogen werden. Bei der Musterung gab er eine Erklärung ab, dass er seinen Wehrdienst bei den Bausoldaten ableisten möchte.

 

In Bericht 1 des IMS „Roland“ geht es wieder um diesen Benn Roolf. Es stand fest, wo er seinen Wehrdienst als Bausoldat ableisten sollte. Der junge Mann war sehr verärgert, weil er nicht mit so einer kurzfristigen Einberufung gerechnet hatte. Er will nun eine illegale Arbeit organisieren. Bisher war er Leiter der Gruppe, gibt die Leitung aber nun ab.

Im Tätigkeitsbericht OV „Bekenntnis“ vom 28. April 1986 wird über die aufwendigen Ermittlungen berichtet, die schon seit Jahren laufen. Die Frage ist, ob sich das Ganze gelohnt hat. Hier, wie auch in anderen Dokumenten tauchen die Namen späterer bekannter Konterrevolutionäre auf. Doch man konnte sie nicht fassen.

In einem Vermerk über eine Vereinbarung der Kreisdienststelle Treptow an die Hauptabteilung I geht es um Maßnahmen betreffs Benn Roolf, der nun als Bausoldat dient.

Der IM „Andreas Harms“ soll aus der Laienspielgruppe herausgelöst werden. Davon war er zunächst nicht begeistert, doch es ergibt sich ein neues Tätigkeitsfeld für ihn. Alles weitere siehe Dokument.

Im Bericht 3 von IMS „Andreas Harms“ geht es um Hella Born, über die „Andreas Harms“ bereits berichtet hatte. (Bericht 1) Sie kümmert sich nun um die eigene Zukunft (Schule und Beruf).

Dann geht es um einige neue Mitglieder der Gruppe, die aber nicht aktiv waren.

 

Beim nächsten Dokument geht es um die Anforderung von Handschriftenmaterial zu Vergleichszwecken. An dieser Stelle sei angemerkt, dass seinerzeit die Kriminaltechnik noch nicht soweit war, wie heute. Es war alles sehr aufwendig.

Ein Mitglied der Gruppe soll inoffiziell überwacht werden. Man will strafbare Handlungen dieser Person erkennen und aufdecken. Es geht um die Zeit der Ableistung des Wehrdienstes dieser Person.

Aus einer Notiz des IMB „Roland“ geht hervor, dass vorgeschlagen wurde einen Auftritt der Laienspielgruppe zu verhindern.

Im zweiten Operationsplan „Bekenntnis“ geht es darum die Mitglieder der Laienspielgruppe zu verunsichern und Auftritte zu verhindern. Es gab auch vernünftige Kirchenleute, welche diese Maßnahmen unterstützen

Es wird nach Verbindungen zu späteren bekannten Konterrevolutionären gesucht.

Dann geht es nochmal um Hella Born. Es wird kontrolliert, ob sie noch Kontakte zu der Gruppe hat. Es folgt noch ein Gespräch mit der Direktorin der Schule, die Hella Born besucht.

Dann geht es noch um die Überwachung des wichtigen jungen Mannes und dessen Lebensgefährtin.

 

In einer Information des IMB „Roland“ wird berichtet, dass in der Gruppe eine pessimistische Stimmung herrscht, weil keine Erfolge mehr verbucht werden können. Auch der Organisator der Gruppe hat sich zurückgezogen

Mit der Besetzung der Gruppe zum damaligen Zeitpunkt konnte sie kein Programm mehr aufführen.

 

Die Auswertung eines IM-Berichts vom 30.04.1987 ist für die Nachwelt ein wichtiges Dokument. Aber die Nachwelt mag es nicht präsentieren und auswerten, denn es zeigt, wie antikommunistische Propaganda und das Delegitimieren der DDR funktionierten, bzw funktionieren.

In diesem Dokument geht es um Herrn Lydike, der den Wehrdienst und den Ersatzdienst (Bausoldat) verweigern will. (Totalverweigerer)

Herr Lydike hat sich ein raffiniertes Theater ausgedacht, um die antikommunistische Propaganda zu befeuern.

Das MfS hatte rechtzeitig „Wind bekommen“ und Herrn Lydike die Show gestohlen. Was hatte er vor?Er wollte zu seinen Eltern fahren, die seinerzeit in einem kirchlichen Gemeindeheim wohnten. Er wollte dort „seine Verhaftung abwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wollte er an seiner Wohnungstür anbringen. Die erwartete Verhaftung wollte er von, dem MfS namentlich nicht bekannten Personen, mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollten in der Zeitschrift „Grenzfall“ veröffentlicht werden. „Grenzfall“ war eine bösartige antikommunistische Zeitschrift, die in der DDR verteilt wurde. Sie wurde illegal in der DDR hergestellt.

Herr Lydike hatte die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke über die geplante Aktion informiert und sie gebeten sich nicht einzumischen. Er wollte die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen. Da er mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnete, beabsichtigte er illegale Schriften zum Thema Frieden und Umwelt aus der Wohnung zu bringen.

Bei der Aktion des MfS in Absprache mit dem Leiter des zuständigen Wehrkreiskommandos musste darauf geachtet werden, dass der IMB „Roland“ nicht auffliegt. Es war dafür gesorgt worden, dass keine Festnahme erfolgte und keine Fahndung eingeleitet wurde.

Der Herr Lydike sollte bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum Wehrkreiskommando Köpenick vorgeladen werden wo ihm der Einberufungsbefehl abgenommen wurde.

Es gab eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Ziel der Feststellung und Dokumentation von Personen, die sich auf dem Gelände des Gemeindeheims aufhielten und beabsichtigten die vermutete Festnahme des Herrn Lydike zu dokumentieren.

Es wurde erwogen die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglienicke zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion auszuwerten. (In der DDR war die Abteilung Innere Angelegenheiten eine sehr wichtige kommunale Behörde, wo alle Fäden zusammenliefen.)

IMS „Peter“ berichtete, dass Herr Lydike nun doch seinen Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Zuvor erfolgte eine Studienablehnung. Vermutlich wegen dem ganzen „Theater“. Nun ja zumindest ist Herr Lydike vernünftig geworden und eine antikommunistische Aktion ist verhindert worden.

Allerdings war es bei der schieren Masse solcher Aktionen unmöglich alle zu verhindern und die Akteure auf den rechten Weg zu bringen.

 

 

In Bericht 2 beschreibt IMB „Roland“ Auflösungserscheinungen der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ Einige Mitglieder sind beruflich eingebunden, andere schlossen sich anderen kirchlichen Gruppen an und bald war Sommerpause.

Im nächsten Dokument geht es um die Zuarbeit der Kreisdienststelle Treptow an die Bezirksverwaltung Berlin

Es wird über diese Gruppen berichtet, die unter dem Dach der Kirche agierten. Speziell wird nochmal über „Die Wühlmaus“ berichtet.

Es ist vermerkt worden, dass es keine Kontakte zu solchen Gruppieren im sozialistischen Ausland gab. Allerdings gab es Kontakte einzelner Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ zu Personen in Ungarn und der CSSR.

Es wurden keine Kontakte, bzw. Hinweise zu entsprechenden Plänen zu gegnerischen Zentren und Einzelpersonen festgestellt. Na ja, darum war das Ganze trotzdem nicht harmlos. Heute wissen wir, dass diese Gruppierungen die Keimzellen der Konterrevolution waren.

Das Ziel, die vollständige Zersetzung der Gruppe konnte nicht erreicht werden. Doch es herrschte gegenseitiges Misstrauen in der Laienspielgruppe.

 

Das nächste Dokument ist eine Spesenquittung.

Bericht 3 IMB „Roland

Dieses Dokument ist für die Nachwelt interessant.

Hier geht es um die Auflösung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“.  Einer der Hauptgründe ist wohl nachlassendes Interesse an die Kabarettaufführungen.

Das dargebotene Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell. So hatte es zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn mehr zu fordern, dass die SS 20 der UdSSR abgebaut werden, bzw. der Osten als erster abrüsten soll. Durch die Abrüstungsmaßnahmen der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern, waren diese Forderungen nicht mehr aktuell.

Auch einige Forderungen zum Umweltschutz oder zu mehr Meinungsfreiheit waren teilweise nicht mehr aktuell.  Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es mit dem Thema Umweltschutz in der DDR widersprüchlich aussah. Zum einen hatte man ein vorbildliches System zur Altstoffverwertung. Und das schon in einer Zeit, als man in der BRD noch nicht über Recycling nachdachte. Zum anderen haperte es, was die Umweltverschmutzung durch die Industrie angeht. Man denke an Bitterfeld, was durch die Konterrevolutionäre direkt aufgegriffen wurde. Hans Reichelt, der Umweltminister der DDR, wollte etwas tun und hatte Kontakt zum Umweltminister der BRD, Klaus Töpfer aufgenommen. Klaus Töpfer war einer der wenigen vernünftigen Politiker in der BRD. Doch es scheiterte an der Finanzierung.  Hans Reichelt wandte sich deswegen an Günter Mittag. Doch dieser blockierte.  Nach dem Ende der DDR fand man die Briefe von Hans Reichelt an Günter Mittag ungeöffnet. Hätte es dieses Politikversagen nicht gegeben, hätte die Umweltbibliothek keine nennenswerte Rolle gespielt.

Auch in anderen Bereichen hatte die Politik versagt, was den zahlreichen Gruppierungen unter dem Dach der Kirche Auftrieb gab. Auch wenn das Politikversagen in der DDR längst nicht mit dem heutigen Politikversagen vergleichbar ist, so gibt es doch einen entscheidenden Unterschied. Politikversagen in der DDR hatte harte Konsequenzen bis hin zur Beseitigung der DDR. Heutiges Politikversagen ruft zwar Empörung hervor, aber niemand stellt die Existenz des Staates und des kapitalistischen Systems in Frage. Heute gibt es massenhaft Möglichkeiten der Empörung Luft zu machen, die in der DDR fehlten. So wurde Raum für illegales Treiben gegeben.

Ein damals aktuelles Programm hatte „Die Wühlmaus“ nicht mehr.  Ein weiterer Grund für die Auflösung der Gruppierung war die hohe Fluktuation der Mitglieder.  So konnten die übergesiedelten und zum Wehrdienst einberufenen Mitglieder nicht, bzw. nur ungenügend ersetzt werden. Auch die zu geringe Wirkung auf geplante oder durchgeführte Aktivitäten (auch Provokationen) führte letztendlich zur Auflösung der Gruppe.

 

Abschlussbericht

Dieser ganze Operativvorgang des MfS dauerte vom 06.06.1984 bist zum 29.12.1987

Es wurden 11 Personen bearbeitet. Es wurden fünf IM eingesetzt.

Es wird über die Maßnahmen zu den einzelnen Personen berichtet. So z.B. die Übersiedlung des „Scharfmachers“ (Herr Buchheim) nach Westberlin, die Einberufung zweier Personen zum Wehrdienst. Das Herauslösen einer Person aus der Laienspielgruppe. Das Forcieren von Differenzen zwischen einzelnen Mitgliedern, speziell zwischen zwei Personen. Das Herausbrechen eines Mitgliedes der Gruppe, welches vom MfS angeworben wurde. Das Platzieren des IMB „Roland“ in der Laienspielgruppe. Die Durchführung von mehreren Gesprächen mit Hella Born und ihren Eltern

Diese und weitere Maßnahmen führten zur Zersetzung der Gruppe.

Allerdings waren einzelne Mitglieder der Laienspielgruppe weiter in anderen sogenannten „Friedens- und Ökogruppen“ aktiv. Nach der Übersiedlung nach Westberlin des Herrn Buchheim wurden er und ein anderer (Name geschwärzt) im OV „Bekenntnis“ nicht mehr operativ bearbeitet.

Weitere Maßnahmen zu Herrn Lydike und einer anderen Person (Name geschwärzt), führten dazu, dass die Mitglieder der Laienspielgruppe im September 1987 beschlossen ihre Gruppe aufzulösen.

Es folgen Erwähnungen weiterer Maßnahmen betreffs verschiedener Personen.

 

 

Am 16.12.1987 wurde das Ganze archiviert und am 08.01.1988 bestätigt.

Man kann sagen, dass das Ganze den Effekt der Bekämpfung einer Hydra hatte. Man schlägt einen Kopf ab und es wachsen zwei neue nach.

Für die Nachwelt wichtiges Dokument 1

Die Auswertung eines IM-Berichts vom 30.04.1987 ist für die Nachwelt ein wichtiges Dokument. Aber die Nachwelt mag es nicht präsentieren und auswerten, denn es zeigt, wie antikommunistische Propaganda und das Delegitimieren der DDR  entstanden ist.

In diesem Dokument geht es um Herrn Lydike, der den Wehrdienst und den Ersatzdienst (Bausoldat) verweigern will. (Totalverweigerer)

Dieser Mensch hat sich ein raffiniertes Theater ausgedacht, um die antikommunistische Propaganda zu befeuern.

Das MfS hatte rechtzeitig „Wind bekommen“ und dem Herrn Lydike die Show gestohlen. Was hatte er vor?

Er wollte zu seinen Eltern fahren, die seinerzeit in einem kirchlichen Gemeindeheim wohnten. Er wollte dort „seine Verhaftung abwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wollte er an seiner Wohnungstür anbringen. Die erwartete Verhaftung wollte er von, dem MfS namentlich nicht bekannten Personen, mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollten in der Zeitschrift „Grenzfall“ veröffentlicht werden. „Grenzfall“ war eine bösartige antikommunistische Zeitschrift, die in der DDR verteilt wurde. Sie wurde illegal in der DDR hergestellt.

Herr Lydike hatte die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke über die geplante Aktion informiert und sie gebeten sich nicht einzumischen. Er wollte die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen. Da er mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnete, beabsichtigte er illegale Schriften zum Thema Frieden und Umwelt aus der Wohnung zu bringen.

Bei der Aktion des MfS in Absprache mit dem Leiter des zuständigen Wehrkreiskommandos musste darauf geachtet werden, dass der IMB „Roland“ nicht auffliegt. Es war dafür gesorgt worden, dass keine Festnahme erfolgte und keine Fahndung eingeleitet wurde.

Herr Lydike sollte bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum Wehrkreiskommando Köpenick vorgeladen werden wo ihm der Einberufungsbefehl abgenommen wurde.

Es gab eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Ziel der Feststellung und Dokumentation von Personen, die sich auf dem Gelände des Gemeindeheims aufhielten und beabsichtigten die vermutete Festnahme des Herrn Lydike zu dokumentieren.

Es wurde erwogen die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglienicke zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion auszuwerten. (In der DDR war die Abteilung Innere Angelegenheiten eine sehr wichtige kommunale Behörde, wo alle Fäden zusammenliefen.)

IMS „Peter“ berichtete, dass der Herr Lydike nun doch seinen Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Zuvor erfolgte eine Studienablehnung. Vermutlich wegen dem ganzen „Theater“. Nun ja zumindest ist Herr Lydike vernünftig geworden und eine antikommunistische Aktion ist verhindert worden.

Allerdings war es bei der schieren Masse solcher Aktionen unmöglich alle zu verhindern und die Akteure auf den rechten Weg zu bringen.

Auszug aus Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Für die Nachwelt wichtiges Dokument 2

Bericht 3 IMB „Roland“

Dieses Dokument ist für die Nachwelt interessant.

Hier geht es um die Auflösung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“.  Einer der Hauptgründe ist wohl nachlassendes Interesse an die Kabarettaufführungen.

Das dargebotene Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell. So hatte es zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn mehr zu fordern, dass die SS 20 der UdSSR abgebaut werden, bzw. der Osten als erster abrüsten soll. Durch die Abrüstungsmaßnahmen der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern, waren diese Forderungen nicht mehr aktuell.

Auch einige Forderungen zum Umweltschutz oder zu mehr Meinungsfreiheit waren teilweise nicht mehr aktuell.  Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es mit dem Thema Umweltschutz in der DDR widersprüchlich aussah. Zum einen hatte man ein vorbildliches System zur Altstoffverwertung. Und das schon in einer Zeit, als man in der BRD noch nicht über Recycling nachdachte. Zum anderen haperte es, was die Umweltverschmutzung durch die Industrie angeht. Man denke an Bitterfeld, was durch die Konterrevolutionäre direkt aufgegriffen wurde. Hans Reichelt, der Umweltminister der DDR, wollte etwas tun und hatte Kontakt zum Umweltminister der BRD, Klaus Töpfer aufgenommen. Klaus Töpfer war einer der wenigen vernünftigen Politiker in der BRD. Doch es scheiterte an der Finanzierung.  Hans Reichelt wandte sich deswegen an Günter Mittag. Doch dieser blockierte.  Nach dem Ende der DDR fand man die Briefe von Hans Reichelt an Günter Mittag ungeöffnet. Hätte es dieses Politikversagen nicht gegeben, hätte die Umweltbibliothek keine nennenswerte Rolle gespielt.

Auch in anderen Bereichen hatte die Politik versagt, was den zahlreichen Gruppierungen unter dem Dach der Kirche Auftrieb gab. Auch wenn das Politikversagen in der DDR längst nicht mit dem heutigen Politikversagen vergleichbar ist, so gibt es doch einen entscheidenden Unterschied. Politikversagen in der DDR hatte harte Konsequenzen bis hin zur Beseitigung der DDR. Heutiges Politikversagen ruft zwar Empörung hervor, aber niemand stellt die Existenz des Staates und des kapitalistischen Systems in Frage.

Ein damals aktuelles Programm hatte „Die Wühlmaus“ nicht mehr.  Ein weiterer Grund für die Auflösung der Gruppierung war die hohe Fluktuation der Mitglieder.  So konnten die übergesiedelten und zum Wehrdienst einberufenen Mitglieder nicht, bzw. nur ungenügend ersetzt werden. Auch die zu geringe Wirkung auf geplante oder durchgeführte Aktivitäten (auch Provokationen) führte letztendlich zur Auflösung der Gruppe.

Auszug aus

Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom  Bundesarchiv

Bericht 3 des IMS „Andreas Harms“

Bericht 3 des IMS „Andreas Harms“

Abteilung XX                               Neubrandenburg, 02.07.1986

 

Abteilung vom Band

Quelle: „Andreas Harms“                                              entgegengenommen:                                                                                               

                                                                                                 Oberleutnant Mitzkat

                                                                                               Am: 27.06.1986

 

 

Situation FK „Wühlmaus“

 

Hella Born hat sich jetzt erst einmal im FK „Wühlmaus“ abgemeldet, man hat sie also klein bekommen und sie wird eine Pause einlegen.

Hella will also nach eigenen Aussagen sehr ruhig treten, erstmal weil sie in den Prüfungen steht, schon eine ganze Zeit, da sie nicht noch vorher kurzfristig geext wird. Dann will sie erstmal ihre weitere persönliche Perspektive sichern, also entweder 12. Klasse oder Lehre.

Einige aus der FK hatten es bereits damals bemängelt, dass sie überall mitmacht, egal wie hart es war und jetzt hat sie es eingesehen, dass es doch nicht das Richtige war.

Hella wird auch schon nicht mehr am 05.07.1986 mit nach Waren kommen.

Neu in den Kreis gekommen ist ein (Name geschwärzt) und eine (Name geschwärzt), beide sich aus Hohnsdorf, haben aber kein großes Interesse an unserer Arbeit.

(Name geschwärzt) selbst arbeitet nicht, soweit mit bekannt, in einem anderen Kabarett.

(Name geschwärzt) selbst beteiligt sich aktiv in unserem FK.

 

Dann folgt der Platz für die Unterzeichnung

 

FK=Friedenskreis

Originaldokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv