Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Erich Honecker wurde am 25. August 1912 in Neunkirchen (Saarland) geboren. Er entstammte einer klassenbewussten Arbeiterfamilie. Bald fand er den Weg zur kommunistischen Kinder- und Jugendbewegung. 1929, mit gerade 17 Jahren, wurde Erich Honecker Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Die Partei übertrug ihm wichtige Aufgaben im Kommunistischen Jugendverband. Nach dem Machtantritt des Faschismus (1933) leistete Eich Honecker illegale Arbeit im antifaschistischen Kampf. Er half, in Deutschland Widerstandsgruppen gegen den Faschismus zu organisieren, und hielt Verbindung zwischen ihnen. Im Dezember 1935, also mit 23 Jahren, wurde Erich Honecker von der faschistischen Geheimpolizei (Gestapo) verhaftet und eingekerkert.
Aus dem Zuchthaus Brandenburg wurde er 1945 von der Sowjetarmee befreit. In den Jahren der Haft war Erich Honecker standhaft geblieben und hatte allen Quälereien und Grausamkeiten der Faschisten getrotzt. Sofort ging er nach der Befreiung an die Arbeit. Die KPD übertrug ihm erneut Funktionen in der Jugendarbeit. 1946 gehörte Erich Honecker zu den Mitbegründern der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Er war ihr erster Vorsitzender. Diese Funktion bekleidete er bis 1955. Seit dieser Zeit war Erich Honecker im Kollektiv der Parteiführung der SED tätig. Mitglied des Parteivorstandes bzw. des Zentralkomitees war Erich Honecker seit dem I. Parteitag der SED (1946). 1971 wurde Erich Honecker an die Spitze der SED gewählt. Er war auch Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. Mit seinem Namen und seinem Wirken war eng die Politik zur weiteren Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft in den 1970ern und 1980ern Jahren verbunden.
Soweit der Stand zur Person Erich Honecker im Jahre 1987.
Das Schulbuch empfahl das Buch „Aus meinem Leben“, die Autobiografie von Erich Honecker. Bei einem großen Online-Versandhändler kann man das Buch heutzutage erwerben. In Antiquariaten wird man wohl auch fündig werden.
Fortführung der Kurzbiografie – Erich Honecker von Petra Reichel
1981 empfing Erich Honecker den damaligen Bundeskanzler der BRD, Helmut Schmidt, im Jagdschloss Hubertusstock am Werbellinsee. (Siehe auch „Warum lud Erich Honecker Helmut Schmidt ein?“) 1987 besuchte Erich Honecker die BRD und wurde vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl empfangen.
Auf dem letzten Gipfeltreffen der Warschauer-Vertrags-Staaten im Rahmen des „Politisch beratenden Ausschusses des RGW“ wurde durch die Sowjetunion der Grundstein zum Auseinanderbrechen der sozialistischen Staatengemeinschaft gelegt. Erich Honecker konnte keine Maßnahmen mehr ergreifen, um noch etwas zu retten. Er erkrankte schwer und musste seine Teilnahme am Treffen abbrechen. Aufgrund seiner Krankheit war Erich Honecker bis September 1989 nicht im Amt. Das konterrevolutionäre Treiben griff immer mehr um sich. Das Verhältnis zwischen Gorbatschow und Honecker war gespannt, da Honecker Gorbatschow durchschaut hatte. Von Juli bis 1. Oktober 1989 nahm Erich Honecker aus Krankheitsgründen nicht mehr an den Politbürositzungen teil. Die nächste fand am 17. Oktober 1989 statt. Auf der hatte Willi Stoph die Abberufung Erich Honeckers beantragt, die mehrheitlich von den Sitzungsteilnehmern bestätigt wurde. Honecker selbst war von dieser Entscheidung überrascht. So, wie es sich darstellt, war es ein Komplott seiner jahrelangen Gefolgsleute. Da die Konterrevolution weiterhin marschierte, erklärte er schon am 18. Oktober auf dem 9. Plenum des ZK der SED seinen Rücktritt als Generalsekretär, als Vorsitzender des Staatsrates der DDR und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates. Als seinen Nachfolger schlug er Egon Krenz vor.
Nach der konterrevolutionären Großdemonstration am 4. November 1989 und dem Fall des Antifaschistischen Schutzwalls am 9. November 1989 begann die Treibjagd auf Erich Honecker.
In der Restzeit der DDR wurde gegen Erich Honecker staatsanwaltlich ermittelt.
Am 23. November 1989 leitete die Zentrale Parteikontrollkommission der SED ein Parteiverfahren gegen ihn ein. Auf dem letzten Plenum des ZK der SED wurde Erich Honecker aus der SED, die er seit 1971 geleitet hatte, hinausgeworfen. Am 28. Januar 1990 erschienen an Honeckers Krankenbett zwei DDR-Staatsanwälte und erklärten ihn im Krankenzimmer für vorläufig festgenommen und wurde ins Gefängnis Rummelsburg verfrachtet. Nach einem Tag Gefängnis musste Erich Honecker wegen Haftunfähigkeit entlassen werden. Nun war er und seine Frau Margot obdachlos.
Pfarrer Uwe Holmer aus Lobetal bei Berlin nahm das Ehepaar Honecker bei sich auf.
Am 24. März 1990 sollte das Kirchenasyl beim Pfarrerehepaar in Lobetal beendet sein und die das Ehepaar Honecker sollte im benachbarten Ferienheim in Lindow untergebracht werden. Diesen Aufenthalt brachen die Honeckers, wegen politischer Proteste, nach einem Tag ab und zog wieder zurück zu Pfarrer Homer nach Lobetal und war nun bis zum 3. April 1990 dort untergebracht. Dann siedelte das Ehepaar Honecker in das sowjetische Militärhospital nach Beelitz über.
Am 30. November erließ das Amtsgericht Tiergarten einen Haftbefehl gegen Erich Honecker, da aber nicht vollstreckt werden konnte, da er unter Schutz der Noch-Sowjetunion stand.
Am 13. März 1991 wurde das Ehepaar Honecker nach Moskau ausgeflogen.
Da in der Sowjetunion die Konterrevolution ebenfalls marschierte, wurde Erich Honecker am 29. Juli 1992 nach Deutschland (Berlin) ausgeflogen, verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Moabit verbracht. Margot Honecker konnte direkt ins Exil nach Chile reisen, wo sie bei ihrer Tochter Sonja unterkam. Nach zähen juristischen Auseinandersetzungen kam Erich Honecker frei und flog am 13. Januar 1993 zu seiner Familie nach Chile.
Hohe Leistungen zur Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen
Hohe Erträge der Landwirtschaft der DDR
Die sozialistische Landwirtschaft der DDR nahm in der Volkswirtschaft einen bedeutenden Platz ein. Die Produktionsgenossenschaften der Bauern und Gärtner sowie die volkseignen Güter hatten die Aufgabe, die Bevölkerung stabil mit Nahrungsmitteln zu versorgen und die Industrie mit Rohstoffen aus eigenem Aufkommen zu beliefern.
Getreideernte mit Mähdreschern
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Fast alle Nahrungsmittel für die Bevölkerung der DDR kamen aus der eigenen Landwirtschaft. Der Bedarf an Grundnahrungsmitteln wie Frischmilch, Fleisch, Eiern und Butter wurde vollständig aus der eigenen Produktion gedeckt.
Die Landwirtschaft stellte viele Rohstoffe für die Industrie bereit, so für die Textil- und Lederindustrie, aber auch für die chemische Industrie.
Mehr als die Hälfte aller Rohstoffe, die in der DDR gewonnen wurden, kamen aus der Land- und Forstwirtschaft. Dafür nur ein Beispiel, was das Schwein neben Fleisch und Wurst allein an Rohstoffen liefert:
Aus der Haut dieses Tieres wird Oberleder für mehrere Paar Sportschuhe oder für einen Schulranzen und einen Fußball gewonnen. Die Borsten werden zur Herstellung von Bürsten und Pinseln benötigt. Aus den Knochen werden Seife, Leim und Gelatine hergestellt. Gelatine braucht sowohl die Film- als auch die Nahrungsmittelgüterindustrie- unter anderem für die beliebten Kaugummis.(Allerdings war der Kaugummi aus DDR-Produktion unbeliebt. Gummibärchen, die auch aus Gelatine hergestellt werden, waren in der DDR Mangelware. Diese Ware wurde als No-Name-Produkt in den Westen exportiert. Der offizielle Name dieser Süßware lautete „Gelatine-Elastik-Zuckerwaren“ P.R.) siehe Google
Die Därme des Schweines, etwa 22 Meter, dienen als Hülle für die Wurst. Das Blut- es enthält hochwertige Eiweißstoffe- wird getrocknet und im Mischfutter der Tierernährung zugeführt. Aus der Bauchspeicheldrüse wird Insulin gewonnen, ein Medikament, ohne das viele zuckerkranke Menschen nicht leben könnten. Schließlich wird aus den Klauen ein harzfreies und sehr hitzebeständiges Öl gewonnen, das in der pharmazeutischen Industrie sowie in der Feinmechanik sehr gefragt ist.
(Ein Land muss sich selbst ernähren können. Das wird heute nicht mehr beachtet. Auch die hier erwähnten tierischen Stoffe werden heute durch Kunststoff ersetzt oder aus dem Ausland importiert. Arzneimittel, so das hier erwähnte Insulin, wird heute im Ausland hergestellt. Das rächt sich nun, denn nun haben wir auch im Kapitalismus Mangel, denn mit den Lieferungen aus dem Ausland klappt es nicht optimal. Allerdings hatte die DDR ihre Qualitätsprodukte exportiert, die für die eigene Bevölkerung fehlten. Das führte zu Unzufriedenheit. P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Ähnlich viele Rohstoffe liefern uns auch die anderen Nutztiere und zahlreiche pflanzliche Produkte.
Die Leistungen der DDR-Landwirtschaft drückten sich vor allem in steigender Pflanzen- und Tierproduktion für die Ernährung der Bevölkerung (und den Export P.R.) aus.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion war umso höher zu bewerten, wenn man berücksichtigt, dass die Anzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft abnahm- und zwar um zwei Drittel im Vergleich zu 1952, der Zeit vor Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft.
Die Leistungssteigerung wurde durch eine höhere Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft erzielt. Viele Werktätige (arbeitende Menschen P.R.) wurden dadurch für die Arbeit in anderen wichtigen Volkswirtschaftszweigen frei.
Tag für Tag wurden zur Versorgung der Bevölkerung der DDR rund 230 000 dt Milch, 13 Millionen Eier und 65 000 dt Fleisch benötigt. Würde man diese Fleischmenge auf lebende und hintereinander aufgestellte Schweine beziehen, ergäbe das eine 100 Kilometer lange Reihe – tagtäglich!
Der Boden ist das wichtigste Produktionsmittel der Landwirtschaft. Er ist nicht vermehrbar. Somit kann der Anbau von Getreide, Kartoffeln oder Futterkulturen, zugleich auch Grundlage für die tierische Produktion, nicht beliebig ausgedehnt werden. Wenn wir beispielsweise mehr Getreide oder mehr Kartoffeln benötigen, müssen wir das hauptsächlich über Erträge erreichen.
In der DDR standen je Einwohner/innen nicht mehr also 0,37 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche für die Produktion von Nahrungsgütern und Futtermitteln zur Verfügung. Das ist eine Fläche von nur 50 mal 70 Metern, die Hälfte eines Fußballfeldes.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Deshalb kam es darauf an, jeden Quadratmeter landwirtschaftlichen Bodens, auch in den Gärten, so gut wie möglich zu nutzen und stets die höchstmöglichen Erträge zu erzielen.
Die wachsenden Aufgaben in der Landwirtschaft der DDR waren nur zu erfüllen, wenn mit allen vorhandenen Produktionsmitteln pfleglich umgegangen wurde, wenn alle Reserven genutzt wurden. Sehr wichtig war es, überall wissenschaftliche Erkenntnisse anzuwenden und die Landtechnik so vorteilhaft wie möglich einzusetzen, zu pflegen und zu warten. Die zahlreichen Traktoren, Mähdrescher, Kartoffel- und Rübenkombines erforderten nicht nur während der Ernte Umsicht bei der Arbeit mit ihnen, sondern das ganze Jahr über Ordnung, Sauberkeit und Pflege.
Vorbereitung des Bodens zur Frühjahrsbestellung
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Wer heute in unserer Landwirtschaft einen leistungsfähigen Traktor fährt, muss auch alle zur Produktion von Getreide, Hackfrüchten und Futter erforderlichen Arbeiten mit Großmaschinen ausführen können.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft der DDR wurde immer mehr von der Anwendung neuer Technologien beeinflusst. (damaliger Stand P.R.) Dazu zählen vor allem Mikroelektronik, moderne Rechentechnik und Biotechnologie. Mit der Mikroelektronik wird die Steuerung der Landtechnik verbessert, durch die Nutzung moderner Rechentechnik wird erreicht, dass die Pflanzen und Tiere stets die genau erforderliche Nährstoffmenge erhalten. Biotechnologische Verfahren helfen, hochleistungsfähige Pflanzen und Tiere schneller zu vermehren, die Futterversorgung zu verbessern, Abfälle zu verwerten und neue Produkte zu erzeugen.
Gebildete Bauern
Die wachsenden Aufgaben der sozialistischen Landwirtschaft konnten nur von qualifizierten Bauern erfüllt werden. Neben gründlichen Kenntnissen über den Boden und die Pflanzen und Tiere verlangte die Bedienung und Wartung der umfangreichen Technik, der modernen Maschinen und Geräte in der Feld- und Viehwirtschaft, die Arbeit in der auf damaligem Stand entwickelten Landwirtschaft überhaupt von den Genossenschaftsbauern und Arbeitern in der Landwirtschaft umfassende Bildung und hohe Fähigkeiten. Mitte der 1980er Jahre verfügten 90,5 Prozent aller in der sozialistischen Landwirtschaft tätigen Genossenschaftsbauern und Arbeiter über eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Viele Genossenschaftsbauern, die in der Pflanzenproduktion tätig waren, hatten sich zu Agrotechnikern/Mechanisatoren qualifiziert. Sie waren in der Lage, alle damaligen Landmaschinen zu bedienen, die zu pflegen, zu warten und auch zu reparieren.
Die Tierproduktion erforderte ebenfalls hohes Fachwissen der Bauern, um erfolgreiche Aufzucht und Mast betreiben sowie die Technik in den Ställen gut bedienen und vorschriftsmäßig warten zu können.
Die Arbeit in den Ställen erfordert von den Genossenschaftsbauern gute Kenntnisse über die Tiere und das Beherrschen verschiedener Arbeitsgebiete und der einzusetzenden Technik.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Früher musste jede Kuh mühsam mit den Händen gemolken werden. Heute werden Kühe mit Melkmaschinen gemolken. Auch zur Zeit der DDR wurden die Kühe in vielen Ställen und auf den Weiden mit Melkmaschinen gemolken.
Für das Füttern und für das Entmisten standen zunehmend Stallarbeitsmaschinen zur Verfügung. Die Fütterung selbst verlangte von den Bauern umfassende Kenntnisse über den Energiegehalt des Futters, damit sie die Futterrationen entsprechend der Haltung der Tiere genau berechnen konnten. Schon damals wurden hierfür zunehmend Computer eingesetzt.
Teil der Schweinemastanlage Langenwitzendorf, Bezirk Gera. In jedem Stallteil sind 1250 Tiere untergebracht. Sie werden von nur zwei bis drei Genossenschaftsbauern betreut.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
(Damals galt die Massentierhaltung als Fortschritt. Heute steht sie in der Kritik. Mit einem Bilderbuchbauernhof kriegt man kein Volk satt. Es muss die Balance gefunden werden zwischen dem Tierwohl und der Massenproduktion. P.R.)
Die Jugend spielte in der sozialistischen Landwirtschaft der DDR eine wichtige Rolle. Jugendliche bedienten an der Seiter älterer LPG-Bauern teure Landmaschinen und betreuten wertvolle Tierbestände. Auch in den LPG und VEG arbeiteten zahlreiche Jugendbrigaden.
Die Jugendlichen hatten in der sozialistischen Landwirtschaft die Möglichkeit, entsprechend ihren beruflichen Neigungen zu arbeiten.
In den Dörfern wurde alles getan, um die Arbeits- und Lebensbedingungen weiter zu verbessern und ein interessantes kulturelles und sportliches Leben zu entwickeln.
Im Mittelpunkt der Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Lande stand der Wohnungsbau, die Modernisierung und der Um- und Ausbau von Wohnungen.
Bei der Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft der DDR unterstützte die Sowjetunion von Anfang an, unter anderem durch die Lieferung leistungsfähiger Landmaschinen. So kamen beispielsweise die ersten Mähdrescher S 4, mit denen die Bauern das Getreide schnell und verlustarm ernten konnten, aus der Sowjetunion. Das war seinerzeit eine große Sensation in den Dörfern, und oft standen viele interessierte Bauern am Feldrand. Denn bis dahin waren für die Getreideernte mehrere Arbeitsgänge nötig, verbunden mit viel schwerer Handarbeit.
Später stellte die DDR selbst leistungsfähige Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Maschinen und Geräte her, die sich auf den Feldern der DDR, in den sozialistischen Bruderländern und auch in anderen Ländern bewährten.
Im VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinen Neustadt (Sachsen) wird moderne Landtechnik für unsere Republik und für den Export in sozialistische und kapitalistische Länder produziert. Unser Bild zeigt den Ausstellungsgegenstand des Fortschritt-Kombinats auf der Leipziger Messe.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Seinerzeit kam es darauf an, dass die Industrie für die Landwirtschaft planmäßig neue Landtechnik entwickelte und bereitstellte. Außerdem musste sie genügend Ersatzteile produzieren und lagern, damit alle vorhandenen Landmaschinen und Anlagen stets einsatzfähig waren.
Die Zusammenarbeit der sozialistischen Länder diente auch der Stärkung der Landwirtschaft der DDR. Das reichte von entwickelter Landtechnik sowie Pflanzenschutzmitteln bis zur Zusammenarbeit in der Züchtung. So gehörten z.B. gemeinsam mit der UdSSR, der VR Polen, der CSSR und der VR Bulgarien gezüchtete Pflanzensorten mit zu den ertragreichsten in der Landwirtschaft der DDR.
Im Institut für Getreideforschung Bernburg-Hadmersleben wurde unter anderem die neue Winterweizensorte „Arkos“ gezüchtet, die hohe Erträge bringt und weitere gute Eigenschaften aufweist.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Bereits unmittelbar nach der demokratischen Bodenreform entstanden erste Formen der gegenseitigen Hilfe und der Gemeinschaftsarbeit zwischen den werktätigen Einzelbauern. Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), die schon 1946 als demokratische Massenorganisation der werktätigen Bauern und Gärtner gegründet wurde, organisierte die Gespannhilfe, Bestell-, Ernte- und Druschgemeinschaften und den Viehaustausch, Die Bauern aus den Südbezirken Sachsens und Thüringens, wo die Viehbestände nicht so sehr unter den Einwirkungen des Krieges gelitten hatten, stellten ihren Berufskollegen im Norden Jungvieh, Kühe und Ochsen zur Verfügung. Kühe und Ochsen dienten gleichzeitig oft als Zugkräfte, weil es zu wenig Pferde und so gut wie keine Traktoren gab. Die VdgB hatte die Aufgabe, die Landwirtschaftsbetriebe mit Produktionsmitteln zu versorgen. Später leistete sie aktive Mitarbeit bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft.
VdgB-Logo
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Schon damals keimte unter den Bauern, bewirkt durch die gegenseitige Hilfe, ein neues Gemeinschaftsgefühl, das später wesentlich zu ihrem genossenschaftlichen Zusammenschluss beitrug.
In aufopferungsvoller Arbeit beseitigten die Bauern in kurzer Zeit, stets von der Arbeiterklasse unterstützt, die Kriegsschäden und steigerten beständig die landwirtschaftliche Produktion.
Ab Frühjahr 1949 erfolgte auf Initiative der SED der Aufbau staatlicher Maschinenausleihstationen (MAS). Die Landmaschinen, die die Arbeiter für die Landwirtschaft produzierten, kamen in die MAS, sie blieben staatliches Eigentum. Die Arbeiter der MAS bestellten mit diesen Maschinen und Traktoren die Felder der Bauern gegen geringe Gebühren.
Auch die ersten 1 000 Traktoren und 540 Lastkraftwagen, welche die Sowjetunion schon 1949 lieferte, erhielten die MAS. Mit Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft wurden die MAS zu Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) umgebildet.
Die meisten Geräte und Landmaschinen der neugegründeten MAS waren veraltet und reparaturbedürftig. Es mangelte an allem: ES gab kaum Fachkräfte. Damals haben die Arbeiter und Bauern gelernt, mit wenig Material zu produzieren und die Versorgung der Bevölkerung mit dem Notwendigsten zu sichern. Die Werktätigen mussten damals viele Schwierigkeiten meistern. Ein Beispiel dafür ist der Folgende Bericht des Genossen Hentzschel.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Der Auftrag für den Genossen Hentzschel
„Im September 1949 erhielt ich von der Partei den Auftrag, im Bereich Leisnig-Polkenberg, Kreis Döbeln, eine MAS aufzubauen. Buchstäblich aus dem Nichts haben wir begonnen. Sieben veraltete, fast schrottreife Traktoren, ein paar alte Druschkästen, einige verrostete Anhängegräte wie Eggen, Düngerstreuer, Drillmaschinen, die ich für die MAS sicherstellte, waren der Grundstock unseres Maschinenparks! Die MAS bauten wir dort auf, wo früher die Ziegelei stand. Wir rissen den alten Ringofen und den Trockenschuppen ein und gewannen so das damals kostbare Baumaterial. An vielen Wochenenden halfen uns jeweils bis zu 100 FDJ-Mitglieder aus Leisniger Betrieben. Das war eine große Hilfe der Arbeiterklasse für uns. Wir holten uns weiteres Baumaterial aus den zerbombten Städten herbei. Manches Handwerkszeug, z.B. die Einrichtungen für das Schmiedefeuer, haben unsere Arbeiter aus altem Abbruchmaterial in fleißiger Arbeit damals selbst angefertigt. So entstanden neben der Reparaturwerkstatt für die Maschinen auch eine Stellmacherei, eine Schlosserei und andere Werkstätten, ohne die eine MAS natürlich nicht auskam. Ende 1950 begannen wir dann auch mit dem Bau eines Kulturhauses in einer MAS des Kreises: Kultur aufs Land! Lautete damals die Losung unserer Partei.“
Von der Einzelbauernwirtschaft zur LPG
Schon sechs Jahre nach Kriegsende erreichten die werktätigen Bauern mit Hilfe der Arbeiterklasse die Vorkriegsergebnisse auf den Feldern und in den Ställen. Für die weitere Leistungssteigerung in der Landwirtschaft wurde die Wirtschaftsweise der Einzelbauern zum Hemmnis. Wie sollte in Einzelbauer die immer moderner werdenden Landmaschinen, Traktoren usw., die die Arbeiter in der Industrie produzierten, aus seinen kleinen Ackerflächen rationell einsetzen? Wie sollte er seine Arbeit im Stall mechanisieren, zum Beispiel für wenige Kühe Melkanlagen nutzen?
Der Einzelbauer musste vom frühen Morgen bis in den späten Abend hart arbeiten. Für ihn gab es keinen Urlaub, keine Reise, keine Theaterbesuche. Er fand kaum Zeit zum Lesen. Das war sein Leben.
Die fortschrittlichen Einzelbauern erkannten, dass sie ihre Arbeits- und Lebensbedingungen nur verbessern konnten, wenn sie gemeinsam ihre bisherige Arbeitsweise und ihr Leben auf dem Dorf grundlegend veränderten. Es war notwendig, die zersplitterte und rückständige Einzelbauernwirtschaft zu überwinden und sozialistische Produktionsgenossenschaften zu schaffen.
Dies war auch für die gesamte Entwicklung in der DDR erforderlich, denn Anfang der 1950er Jahre entwickelte sich bereits eine leistungsfähige sozialistische Industrie. Aber eine moderne Industrie und eine altväterliche Landwirtschaft vertragen sich nicht miteinander, es hätte sich nachteilig für die gesamte Gesellschaft ausgewirkt.
Ab 1952 wurde in der DDR eine sozialistische Landwirtschaft geschaffen, wurden landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) gegründet. Dadurch entstand in der Landwirtschaft der DDR genossenschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln.
Die SED führte die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft in der DDR zielstrebig. Das Jahr 1960 war der Höhepunkt in der Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Im Frühjahr 1960 hatten sich alle Bauern der DDR in Genossenschaften zusammengeschlossen.
Die Propaganda in der alten BRD und erst recht in der heutigen Zeit, behauptet, dass es in der DDR die Zwangskollektivierung gab. Nun ja, die heutige Generation soll ja nicht von dem Fleiß und der Beharrlichkeit in den ersten Jahren der DDR erfahren. P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Vorteile der LPG gegenüber der Einzelbauernwirtschaft
Arbeitsteilung entsprechend den Fähigkeiten der Bauern unter Berücksichtigung ihrer Interessen.
Maschinen können in größeren sozialistischen Landwirtschaftsbetrieben rationell eingesetzt werden. Arbeits- und Lebensbedingungen im Dorf verbesserten sich.
Größere Felder und Ställe, dadurch rationellere Arbeit, niedrigere Produktionskosten je Erzeugniseinheit.
Hoher Qualifizierungstand, dadurch breite und schnelle Anwendung der modernen Wissenschaft und Technik.
Sozialistisches Denken und Verhalten entwickeln sich. Wachsende geistige, soziale und kulturelle Bedürfnisse werden immer besser befriedigt.
Die Arbeiter der MTS und VEG unterstützten mit ihren Maschinen und Traktoren, mit Saat- und Pflanzgut sowie mit Zucht- und Nutzvieh. Sie halfen den Bauern, die genossenschaftliche Arbeit zu organisieren. Die MTS und VEG waren die Stützpunkte der Arbeiterklasse auf dem Lande. Sie förderten das politische und kulturelle Leben in den Dörfern, schufen zum Beispiel Kulturhäuser. In die MTS kamen immer mehr ausgebildete Fachleute, zum Beispiel Agronomen und Zootechniker. Sie vermittelten den Genossenschaftsbauern neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, halfen ihnen, die LPG zu leiten und die Erträge in der Feld- und Viehwirtschaft rasch zu steigern.
Tag der Bereitschaft in einer MAS zur Vorbereitung der Ernte 1951
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Viele klassenbewusste Industriearbeiter, vor allem Genossen der SED, gingen in den 1950er und 1960er Jahren in die neugebildeten LPGs, um ihnen zu helfen, die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden.
Die genossenschaftliche Arbeit verlangte von den ehemaligen Einzelbauern eine völlig neue Arbeitsweise und ein Denken für die Genossenschaft. Als Einzelbauer hatte jeder für sich allein gewirtschaftet, nur mit seinen eigenen Sorgen zu tun gehabt, nur an sich und seine Einzelwirtschaft denken müssen. Nun verlangte die Arbeit in der Genossenschaft von ihm gemeinschaftliches Handeln und Denken. Die LPG machte einen Bauern jetzt zum Beispiel für einen Stall mit 100 und mehr Kühen verantwortlich. Vorher hatte dieser Bauer vielleicht nur fünf eigene Kühe zu versorgen.
Die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft war den schärfsten Angriffen der Feinde ausgesetzt. Sie organisierten Brandstiftungen. Sie erpressten Bauern, nicht der LPG beizutreten. Oder sie versuchten, die Bauern von guter genossenschaftlicher Arbeit abzuhalten. Sie prophezeiten der DDR-Landwirtschaft „magere Jahre“. Doch alle Einschüchterungsversuche scheiterten.
Nachdem 1960 alle Bauern den Genossenschaften beigetreten waren, mussten die jungen LPGs gefestigt und weiterentwickelt werden. Nun bewirtschafteten die LPGs den größten Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) der DDR.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Durch den Zusammenschluss der Bauern zu Produktionsgenossenschaften wurde auf dem Lande sozialistisches, genossenschaftliches Eigentum an Produktionsmitteln geschaffen. Dadurch entstand eine neue Klasse, die Klasse der Genossenschaftsbauern.
Das sozialistische Dorf zu späteren DDR-Zeiten zeichnete sich durch eine hohe landwirtschaftliche Produktion und durch gute Arbeits- und Lebensbedingungen für die Bewohnerinnen und Bewohner aus. Beides setzte voraus, dass die vorhandenen Produktionsmittel, vor allem der Boden, ordentlich genutzt wurden.
Die wichtigsten Methoden zur Steigerung der Produktion in der Landwirtschaft war die Aus- und Weiterbildung der Werktätigen, die Mechanisierung (siehe entsprechende Tabellen weiter oben), das Düngen und der Pflanzenschutz (Chemisierung) (Das steht heute in der Kritik, weil durch das Gift eher den Menschen, als den Schädlingen geschadet wird. Damals dachte man nicht darüber nach. P.R.), die Be- oder Entwässerung (Melioration), die Züchtung leistungsfähiger Pflanzensorten und Tierrassen sowie die Lagerung und Konservierung der landwirtschaftlichen Produkte.
Das Düngen und den Pflanzenschutz übernahmen zum großen Teil agrochemische Zentren, die dazu spezielle Technik besaßen und im Auftrag der jeweiligen LPG arbeiteten. Dabei galt es, dass die Dünge- und Pflanzenschutzmittel so einzusetzen, dass ein möglichst hoher Ertrag erzielt wurde. Das verbilligt die Produktion und entlastet zugleich die Umwelt von Schadstoffen. (Na, dann hatte man ja doch damals darüber nachgedacht. P.R.)
Alle Mühe brachten jedoch nicht den erwarteten Erfolg, wenn die Kulturen unter Wassermangel oder unter zu viel Nässe leiden. Auf vielen Böden war deshalb die Be- und Entwässerung für den Ertrag sehr wichtig. Bis 1985 konnten 1,1 Millionen Hektar, das sind 18 Prozent der Nutzfläche, bewässert werden, und rund 2,2 Millionen Hektar, etwa 35 Prozent der Nutzfläche, waren bis dahin entwässert.
Beregnungsanlage der LPG Pflanzenproduktion Golzow im Oderbruch
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Der Gemüseanbau erfolgte bereits zu 80 Prozent auf Flächen, die bewässert werden konnten.
Gurkenernte in der LPG Groß Beuchow, Bezirk Cottbus
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die verschiedenen Methoden zur Steigerung der Produktion in der Landwirtschaft mussten gut aufeinander abgestimmt sein, damit sie voll wirksam werden konnten. Dazu gehörte auch, dass planmäßig Pflanzensorten und Tierrassen gezüchtet wurden, die hohe Erträge brachten und beste Leistungen aufwiesen.
Auf dem Freigelände der agra werden den Besuchern die züchterischen Fortschritte in der Rinder-, Schweine- und Wollproduktion vorgeführt
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entscheidend aber blieb bei allem, den Boden stets so zu bearbeiten und zu düngen, vor allem auch mit organischen Substanzen (beispielsweise Stalldung), dass seine Fruchtbarkeit ständig erhöht wurde. Die alles war auch deshalb nötig, weil in der landwirtschaftlichen Produktion bestimmte Besonderheiten zu berücksichtigen waren.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Besonderheiten in der landwirtschaftlichen Produktion
Der Boden, das Hauptproduktionsmittel der Landwirtschaft, ist nicht vermehrbar. Man kann ihn also nicht ausdehnen.
Die landwirtschaftliche Produktion hat mit lebenden Organismen zu tun.
Die landwirtschaftliche Produktion ist stark witterungsabhängig und saisonbedingt.
Die dritte Besonderheit hatte zur Folge, dass ein hoher Bestand an Landtechnik vorhanden sein musste. Denn in einer relativ kurzen Zeitspanne wie in der Ernte musste eine sehr hohe Leistung erzielt werden. Danach standen die Maschinen dann zum Teil das ganze Jahr über still. Es ist leider noch keine Maschine erfunden worden, mit der man Getreide ernten, Kartoffeln pflanzen und Dung streuen könnte.(Vielleicht kommt das noch. P.R.)
Die agrochemischen Zentren, die Meliorationsgenossenschaften, die besonders die Be- und Entwässerung betrieben, und die Kreisbetriebe für Landtechnik, die die Landmaschinen instand hielten und reparierten, waren enge Partner der LPGs. Sie arbeiteten kameradschaftlich zusammen.
Kooperation in der Landwirtschaft
Damit die LPGs die Produktion steigern konnten, trafen sie mit anderen LPGs, mit volkseigenen Gütern und anderen Betrieben Vereinbarungen zur Zusammenarbeit (Kooperation). Solche Kooperationsvereinbarungen dienten der Erhöhung der Produktion, der Steigerung der Effektivität und auch der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Sie trugen dazu bei, noch bestehende Unterschiede in den Leistungen der LPGs zu überwinden. Die einzelne LPG blieb aber selbstständig.
Genossenschaftsbauern entschieden gemeinsam
Wichtige Entscheidungen in der LPG musste die Mitgliederversammlung der Genossenschaft treffen. Sie wählte den Vorstand und den Vorsitzenden den LPG und bestätigten die Brigadeleiter. Sie beschlossen auch über die Aufnahme oder das Ausscheiden von Mitgliedern und bestätigte den Finanzplan der LPG. Sie entschied ferner darüber, wie die Einkünfte der Genossenschaft verwendet wurden. Die Mitgliederversammlung wählte ebenfalls verschiedene Kommissionen, in denen oft mehr als die Hälfte aller Genossenschaftsmitglieder unmittelbar an der Leitung ihrer LPG beteiligt waren.
Meliorationsarbeiter des VEB Meleorationskombinat Neubrandenburg halten den Zuflauss für die Karpfen- und Forellenbecken in Boek, Kreis Neustrelitz, instand.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Getreidesilos in Golzow
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Im sozialistischen Dorf hatten sich durch den Fleiß der Genossenschaftsbauern und die Hilfe der Arbeiterklasse die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern wesentlich verbessert. Die Arbeitszeit war regelt. Urlaub, Weiterbildung, Kultur und Sport waren damals Wirklichkeit in den Dörfern.
Die Produktion unter freiem Himmel und mit lebenden Organismen brachte Besonderheiten mit sich. Diesen besonderen Bedingungen der Pflanzen- und Tierproduktion musste auch der Arbeitstag und der Arbeitsrhythmus der Bauern angepasst sein.
Ein Beispiel für das damals neue Leben auf dem Lande war Golzow, ein Dorf im Oderbruch. Golzow hatte ein stattliches Kulturhaus, in dem regelmäßig Tanzabende stattfanden. Es gab Jugend- und Schülerkonzerte sowie Rentnerveranstaltungen. Fast wöchentlich war Disco, Die LPG-Blaskapelle und der Chor der Oberschule waren weit über Golzow hinaus bekannt und beliebt.
Die Blaskapelle der LPG Pflanzenproduktion Golzow vor der Paul-Papke-Oberschule
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Wer sich sportlich betätigen wollte, konnte dies in der BSG tun, die über hundert Mitglieder zählte. Es gab mehrere Fußballmannschaften sowie die Sektionen Tischtennis, Gymnastik, Boxen und Angeln.
Traditionelles Anglerfest der Sektion Angelsport der BSG Golzow
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Nur Schwielen im harten Sattel konnte man sich hier nicht holen wie in 850 anderen Dörfern, wo es auch Reitsportsektionen gab, in denen mehr als 35 000 junge Leute diese beliebte Sportart betrieben.
In Golzow gab es ferner eine Gemeindebibliothek, eine modern eingerichtete Schule sowie eine Arztpraxis.
Schließlich wurden in Golzow die alten Bauernhäuser modernisiert und weit über 100 neue Wohnungen errichtet. Darüber hinaus entstanden zahlreiche schmucke Eigenheime, an die sich kleine Hausgärten anschlossen, in denen Obst und Gemüse gediehen.
Alle Genossenschaftsmitglieder hatten Anspruch auf 0,25 Hektar Land, das sie persönlich nutzen konnten. Sie konnten es auch von der LPG bewirtschaften lassen und erhielten auf Wunsch Getreiden, Kartoffeln oder Futterrüben. Mit diesen Naturalien fütterten sie ihr Vieh; denn die meisten Bauern hatten in ihren Ställen Hühner, Enten, Gänse und Kaninchen; viele hatten auch Schafe, oder sie mästeten ein paar Schweine oder gar Rinder. So konnten auch im Haushalt und im Garten anfallende Abfälle als Viehfutter nützlich verwertet werden. Damit hatten die Genossenschaftsbauern die Möglichkeit, in ihren persönlichen Hauswirtschaften pflanzliche und tierische Produkte zu erzeugen, die sie gut verkaufen konnten.
Wohnhaus eines Werktätigen in Golzow
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Es ließ sich damals im sozialistischen Dorf gut leben. Die Arbeits- und Lebensbedingungen hatten sich gründlich gewandelt, auch wenn noch viel zu tun bleib. In den Jahrzehnten der DDR hatten sich die Dörfer ungleich mehr verändert als zuvor in Jahrhunderten. Die Menschen hatten damals guten Grund, stolz darauf zu sein.
(Damals sagten die Städter in der DDR, dass es den Bauern gut ginge. Die konterrevolutionären Umtriebe kamen aus den Städten her, nicht vom Lande. Heute herrscht auf dem Lande in den neuen Bundesländern vielfach Ödnis. Eine Arztpraxis z.B. sucht man da heute vergebens. Die Leute müssen weit fahren, wenn sie zum Arzt, zur Ärztin müssen. P.R.)
Politische Bildung ist notwendig. Man kann einwenden, dass sie ein Propagandainstrument ist. Selbstverständlich ist sie das. Jeder Staat will ja seine Vorzüge anpreisen.
Über die Strukturen, den Staats- und Verwaltungsaufbau sollten sich alle Kenntnisse aneignen. Auch wie die Welt funktioniert, sollte erlernt werden. Ist schwierig, weil ja in jedem Staat die eignen Interessen gelehrt werden.
In westlichen Ländern, so z.B. in der BRD richtet sich politische Bildung gegen die sozialistischenLänder, insbesondere gegen die DDR. Das ist auch im Nachgang so geblieben.
Die politische Bildung in der DDR hatte natürlich auch die Vorzüge ihres Landes angepriesen. Allerdings war sie im Grunde ehrlich und man konnte Zusammenhänge erkennen. Aber die Menschen in der DDR nahmen die politische Bildung nicht an. So nahm dann die Geschichte ihren Lauf.
Heute, da wieder die Kriegstrommeln gerührt werden, ist politische Bildung umso wichtiger. Dabei sollte man sich nicht allein an heutige Aussagen halten, sondern auch Rückblicke in die Geschichte vornehmen und gucken, was damals „die andere Seite“ gesagt hatte. Alte Bücher findet man in Antiquariaten. Dieses Wissen gilt es zu nutzen.
Was hat man den Schülerinnen und Schülern der DDR im damaligen Fach Staatsbürgerkunde mitgegeben? DIE TROMMLER hat sich da einige Gedanken gemacht.
Petra Reichel
(Der größte Irrtum des Jahrhunderts. P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
„Unsere Epoche ist die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus.
Der Sozialismus hat bereits auf mehreren Kontinenten festen Fuß gefasst.“
Programm der SED, 1976
(Der größte Irrtum des Jahrhunderts. P.R.)
Du und Deine Zeit
Die Erde, wie sie sich dem Betrachter (und der Betrachterin P.R.) aus dem Weltraum zeigt, aufgenommen mit einer Multispektralkamera aus Jena
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse
Das ist sie unsere Erde! Stetig und ruhig bewegt sie sich im Weltall. Schaut auf die herrlichen Farben, in denen sich die Erde dem Betrachter und der Betrachterin aus dem Weltall zeigt! Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schätzen ihr Alter auf nahezu fünf Millionen Jahre.
Würden wir einen Zeitstrahl bauen und jede Milliarde Jahre einem Meter gleichsetzen, dann wäre der Zeitstrahl fünf Meter lang.
Wer von euch würde auf dieser Länge mit bloßem Auge einen Millimeter erkennen? In der Umrechnung wäre nämlich ein Millimeter mit einer Million Jahre gleichzusetzen. Etwas so alt ist die Menschheit!
Ein Millimeter im Vergleich zu fünf Metern! Aber auch das schärfste Adlerauge würde es nicht schaffen, von diesem Millimeter den Teil zu erfassen, der etwa die letzten siebzig von einer Million Jahre ausmacht. Und dabei waren gerade diese siebzig Jahre so entscheidend für die gesamte Menschheit und die Existenz unserer guten alten Erde. (Es ist die Zeit desSozialismusgemeint. Auch wenn, von Ausnahmen abgesehen, der Kapitalismus gesiegt hat, so war die damalige Zeit ein Meilenstein der Geschichte der Menschheit. P.R.)
W.I. Lenin auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress im Oktober 1917 (W.A. Serow)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Zu den wichtigsten Daten gehört nämlich der 7. November (nach der alten russischen Rechnung der 25. Oktober) 1917. Damals begannen russische Arbeiter, Bauern und Soldaten den ersten sozialistischen Staat der Welt zu errichten, die spätere Sowjetunion. Was wurde nicht alles in dieser Zeit erreicht! Seitdem gab es den Sozialismus. Die Erfahrungen der Sowjetunion halfen uns (der DDR P.R.), unseren sozialistischen Weg zu gehen. Die Erfolge des Sozialismus strahlten auf viele Länder und politische Bewegungen in der Welt aus. (Womit es in den 1980er Jahren darnieder gegangen ist. P.R.)
Ein Blick auf die drei Karten auf dem Umschlag deines Atlasses (nicht vorhanden P.R.)über die politische Gliederung der der Erde zeigt dir, dass der Sozialismus in der Welt (seinerzeit P.R.) auf vier Kontinenten Fuß gefasst hatte. Zwar unterschiedlich im konkreten Entwicklungsstand, aber gleichzeitig im Ziel, bauten die Menschen in diesen Ländern ihre sozialistische Gesellschaft auf.
Staatsbürger (und Staatsbürgerinnen) der sozialistischen DDR
Auch die Deutsche Demokratische Republik war ein sozialistischer Staat.
Das Staatswappen der DDR zeigte allen, was das Wichtigste an unserem (der DDR) sozialistischen Staat war. Das Wichtigste waren die Arbeiter, Bauern, Angehörigen der Intelligenz, Handwerker und Gewerbetreibenden, waren die die Staatsbürgerinnen und -bürger selber. Nur durch ihre tägliche fleißige Arbeit, ihr geistiges Schöpfertum und ständiges Lernen konnte das Leben für alle immer schöner und reicher werden.
Sozialismus und Imperialismus – zwei Welten
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Symbole der gemeinsamen Arbeit der Bürgerinnen und Bürger der DDR sind im Staatswappen enthalten, weil im Sozialismus die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen die macht haben. Dadurch ist im Sozialismus das Fortschrittlichste durchgesetzt worden, was man sich denken kann: Diejenigen, die alle Werte und Reichtümer schaffen, verfügen über sie und können sie auch nutzen.
Das ist der entscheidende Vorzug, Staatsbürger, bzw. Staatsbürgerin im Sozialismus zu sein. Jede Staatsbürgerin, jeder Staatsbürger war pflichtet mit dem Eigentum des ganzen Volkes sorgsam und bedacht umzugehen. (Allerdings wurde das nicht so ernst genommen. Diebstähle von Kleinigkeiten waren an der Tagesordnung. Bei Kleinigkeiten drohte nicht die fristlose Entlassung, wie im Westen, bzw. in der heutigen Zeit. P.R.)
Aber nicht überall in der Welt ist schon Sozialismus. (Von Ausnahmen abgesehen ist 1989/90 der Sozialismus in der Welt beseitigt worden. P.R.)
Noch immer, bzw. wieder erstarkt gibt es den Imperialismus, wo Fabriken und Maschinen, wo Grund und Boden, wo Rohstoffe und Produktionsergebnisse nur wenigen gehören, wo die Menschen nach wie vor ausgebeutet werden und wo die Staatspolitik dazu dient, den Reichtum der Mächtigen zu mehren.
Wenn ihr die Zeitungen aufschlagt, lest ihr auch viele Meldungen aus dem vom Imperialismus beherrschten Teil der Welt. (So empfahl es das Staatsbürgerkundebuch der DDR. Aber die Menschen glaubten das nicht. Sie hielten das für Propaganda. Nicht mal Besucherinnen und Besuchern aus dem imperialistischen Teil der Welt glaubte man. P.R.) Damals gab es Massenarbeitslosigkeit. Die Geldentwertung gibt es weiterhin in Form von Inflation, ärmere Länder werden nach wie vor benachteiligt, staatliche Mittel zur Unterstützung der Ärmsten werden rigoros gestrichen usw. Man glaubte, dass dies Anzeichen seien, dass der Imperialismus in Schwierigkeiten gerät.
Die aggressivsten führenden Kräfte im Imperialismus-vor allem die USA- wollen die Schwierigkeiten in ihren Ländern auf ihre Weise lösen: Sie streben einen dritten Weltkrieg an. Was bewegt sie zu diesem Wahnsinnsplan? Diese Kräfte erhoffen sich von einem Weltkrieg erst einmal ein Supergeschäft, denn sie könnten den imperialistischen Regierungen riesige Mengen an Waffen verkaufen. Sie würden verdienen, wie sie bisher noch nie verdient haben. Zugleich erhoffen sich diese Imperialisten, in einem neuen Weltkrieg den realen Sozialismus vernichten zu können. (Nun ja, der reale Sozialismus ist ohne Weltkrieg vernichtet worden. Die heutige Propaganda verkauft das als „friedliche Revolution“. Die Gefahr des dritten Weltkrieges ist nun umso mehr präsent. Die NATO ist an die Grenzen Russlands vorgerückt. Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland ist entbrannt. Ebenso gibt es den Brandherd im Nahen Osten. P.R.)
Der Sozialismus hatte bereits in seinen ersten Lebensjahrzehnten das Antlitz der Welt grundlegend verändert. Sein Beispiel strahlte aus. In Afrika, Lateinamerika und Asien, aber auch in Westeuropa und in den USA verstärkten sich die Aktionen diesem Beispiel nachzueifern. (Von Ausnahmen abgesehen, ist es auch damit vorbei. P.R.)
Mit einem dritten Weltkrieg wollen also die aggressivsten Kreise des Imperialismus ihre eigene Herrschaft retten. Dafür sind sie bereit, das Leben von Millionen Menschen- vor allem in Europa- gewissenlos zu vernichten.
Wir erkennen also: Hinter diesem Kriegskurs stehen grundlegende Interessen der aggressivsten imperialistischen Kräfte. Deshalb sagte auch einer von ihnen: „Es gibt Wichtigeres als den Frieden.“
(Das Staatsbürgerkundebuch der DDR nennt den Namen desjenigen nicht, der dies gesagt hatte. Es war der damalige Außenminister der USA Alexander Haig. Es kann darüber spekuliert werden, warum dieser damalige US-Politiker im Schulbauch nicht namentlich genannt wurde. Vielleicht falsche Rücksichtnahme, Angst vor diplomatischen Verwicklungen, was auch immer…P.R.)
Sicherlich ungewollt, hatte er damit die wahren Ziele dieser aggressiven Politik bloßgelegt: Es geht in diesen Kreisen um höchste Gewinne und die Sicherung aller Bedingungen, um auch in Zukunft ihre Herrschaft durchsetzen zu können. Diese Politik wollen die aggressivsten kreise des Imperialismus gegen die Interessen der Völker und damit auch gegen eure Lebensinteressen unbedingt durchsetzen. Diese Kräfte sind unser Feind. Doch wie kann man sie bekämpfen? Diese Frage stellen sich viele Menschen in der Welt.
Vor allem muss der Frieden sicher sein, und der Frieden wird besonders dann gesichert, wenn der Sozialismus ein starkes Bollwerk gegen die aggressivsten Kräfte des Imperialismus bildet, damit er sie hindern kann, ihre Kriegspläne zu wirklichen. (Nun ist das starke Bollwerk weg. Die Gefahr eines dritten Weltkrieges hat sich bedenklich erhöht. P.R.)
Ein starker Sozialismus, ein sicherer Frieden- da gab es viele Wege, um das zu erreichen. Wir kämpften mit allen Völkern und vielen durchaus unterschiedlichen politischen Kräften in der Welt dafür, dass wirksame Abrüstungsschritte eingeleitet werden. Vorschläge der sozialistischen Länder-vor allem der UdSSR-gab es mehr als genug. Deshalb war es sehr wichtig, dass die Volksmassen sich konsequent für die Verwirklichung dieser Vorschläge einsetzen.(Nun ja, leider ist das nicht gelungen. P.R.)
Die Staatsbürgerin, der Staatsbürger der DDR konnte und musste durch seine tägliche Arbeit an der Maschine, am Pflug, am Reißbrett, im Labor und auch auf der Schulbank zum starken Sozialismus, zum starken Frieden beitragen. Ebenso gehörte aber auch dazu, den Sozialismus mit der Waffe in der Hand zu schützen und die aggressivsten imperialistischen Kräfte an der Verwirklichung ihrer Kriegspläne zu hindern.
(Hier kam nun „Schwerter zu Pflugscharen“ und stiftete Verwirrung. Die behaupteten sich für Frieden einzusetzen, doch sie setzen sich gegen die Verteidigung der DDR, bzw. der sozialistischen Länder ein und nicht gegen die Kriegstreiber auf imperialistischer Seite. Vor allem die Jugend ließ sich durch „Schwerter zu Pflugscharen“ in die Irre führen. P.R.)
Die ganze Arbeitskraft wurde gebraucht, um weiter aufzubauen, und die ganze Verteidigungsfähigkeit, um das Erbaute zu schützen. Für eine Staatsbürgerin, einen Staatsbürger der DDR gehörte all das zum Kampf um die Erhaltung des Friedens. Um den Frieden zu sichern, musste sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch die Verteidigungsfähigkeit erhöht werden. (Leider war das zu Wenigen bewusst und es wollten auch nur Wenige das wahrhaben. P.R.)
Für uns gibt es nichts Wichtigeres als den Frieden – im Gegensatz zu jenem USA-Politiker. (Alexander Haig P.R.) Darum stärken wir den Sozialismus mit unserer Kraft. (So sollte es sein, wurde aber nur unzureichend umgesetzt. P.R.)
Einige Menschen sagten, der Sozialismus sollte einseitig die Waffen niederlegen und so seine Friedensliebe bekunden. Manche von ihnen meinen, man sollte die Verteidigungskosten sparen und diese Gelder lieber für die weitere Verbesserung des Lebens verwenden.
Überlegen wir: Es gäbe schon genug zu tun, um das Leben weiter zu verbessern. Es wären ja beträchtliche Summen, die für solche Zwecke freigesetzt werden könnten. Man hätte z.B. noch mehr Wohnungen bauen oder mehr Rohstoffe auf den internationalen Märkten kaufen können. Wir gern hätte die DDR das getan! Und wie gern hätte es die DDR getan, wenn sie weiter bestanden hätte und es wirklich möglich gewesen wäre. Das ist ja der ganze Sinn des Sozialismus, alles, was produziert wird, zur Verbesserung des Lebens zu verwenden. Aber es war damals nicht möglich.
Wenn wir unsere anspruchsvollen Ziele in die Tat umsetzen wollen, brauchen wir den Frieden, müssen ihn allseitig sichern.
Im Sozialismus gibt es keinen, der an Hochrüstung und Krieg verdient. Im Gegenteil: Wir (die Bürgerinnen und Bürger der DDR P.R.), die wir die Werte schaffen und denen sie gehören, können weniger von unserem geschaffenen Reichtum verbrauchen, weil wir ebenso wirksame, teure Waffensysteme haben müssen wie die NATO-Armeen. Wir, die wir als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger im damaligen Lande die Macht hatten, müssten selber auf die Schlachtfelder und in die Atomregen eines dritten Weltkrieges marschieren. Viele müssten dort ihr Leben lassen.
Um alle Vorzüge des Sozialismus weiterentwickeln und allseitig nutzen zu können, sind wir für den Frieden.
Der Frieden ist für uns deshalb das Wichtigste, weil er die entscheidende Existenzgrundlage für den Sozialismus und jede einzelne und jeden einzelnen von uns darstellt.
Ließen wir einen Moment in unserer Wachsamkeit nach-man braucht nicht lange zu überlegen, um zu wissen, was dann passieren würde. Jene aggressivsten imperialistischen Kreise würden solche „Zeichen von Friedensliebe“ als Ermunterung empfinden, um einen erbarmungslosen Krieg gegen den Sozialismus vom Zaune zu brechen. Das könnte das Ende der Menschheit werden. Deshalb hat jede und jeder von uns eine besondere Verantwortung für den Sozialismus und für den Frieden.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Jeder Staatsbürger, jede Staatsbürgerin braucht einen Kompass
Es sind also lebenswichtige Fragen, in denen sich eine Staatsbürgerin, ein Staatsbürger der DDR zu entscheiden hatte und auf die er oder sie Einfluss nehmen konnte. Mit ihrem oder seinem aktiven Einsatz für die allseitige Stärkung des Sozialismus hilft er oder sie, den Frieden sicherer zu machen. Damit sollten alle einen wichtigen Beitrag für die gesamte Menschheit leisten.
(Nun ja, wir wissen, dass die Bürgerinnen und Bürger der DDR sich 1989 mehrheitlich für einen anderen Weg entschieden hatten. Jetzt steht die Welt wieder am Rande des III. Weltkrieges. P.R.)
Galt das alles auch schon für Zwölf- und Dreizehnjährige? Im Gespräch sagte einmal ein Jugendlicher, bzw. eine Jugendliche: „Ich interessiere mich nicht für Politik!“ Andere pflichteten ihm, bzw. ihr bei, viele widersprachen, einige versuchten auszugleichen.
„Warum interessierst du dich nicht für Politik?“ wurde gefragt.
Die Antwort war irgendwie logisch: „Warum interessierst du dich nicht für Bäume und Pflanzen?“
Mitglieder einer Arbeitsgemeinschaft „Junge Naturforscher und -forscherinnen“
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Alles lachte. Jede und jede wusste, dass der oder die andere gerade noch einen Tannenbaum von einem Rosenstrauch unterscheiden konnte. Und – er oder sie wurde auch unsicher. „Ist da nicht irgendwo ein Unterschied?“ fragte er oder sie noch.„Ob ich mich für Politik interessiere oder für Pflanzen?“
Denkt mal darüber nach! Natürlich ist es nicht gut, wenn einer oder eine keine Ahnung von der Botanik hat. Aber ist das damit zu vergleichen, wenn einer oder eine absolut uninteressiert und unwissend in politischen Fragen ist? Kann man das überhaupt miteinander vergleichen? Politik – das ist schon ein gewichtiges Wort. Es klingt nach Erwachsen- und Wichtigsein. Woran denkt ihr eigentlich zuerst, wenn ihr das Wort hört? Bestimmt an Staatsmänner und -frauen, an deren Begegnungen auf höchster internationaler Ebene, an große Beratungen und Parteitage, an Gesetze und Festveranstaltungen.
Auf der Kampfdemonstration am 1. Mai 1986 in Berlin bekräftigte die Jugend unseres Landes ihre Bereitschaft, nach besten Kräften zur Stärkung der DDR beizutragen.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
(Ich denke, dass es nicht die Jugend der DDR, sondern nur ein Teil der Jugend der DDR war, die willens war „…nach besten Kräften zur Stärkung der DDR beizutragen.“ P.R.)
Der Generalsekretär des ZK der KPdSU, Michail Gorbatschow, leitete die Delegation der KPdSU zum XI. Parteitag der SED im April 1986. Er wurde vom Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates, Erich Honecker, herzlich verabschiedet.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
(Gorbatschow war der größte Verräter des Jahrhunderts. Sein Coup war einmalig. Er schuf die Voraussetzungen, um den Sozialismus in Osteuropa und der DDR zu beseitigen. Erich Honecker hatte Gorbatschow erst durchschaut, als es zu spät war. P.R.)
Es stimmt, all das hat sehr viel mit Politik zu tun. Aber ist Politik wirklich nur eine Sache der Politiker?
Denkt ihr auch an Politik, wenn ihr am Abendbrottisch sitzt und es euch wieder einmal besonders schmeckt? Wenn ihr euren Eltern eine gute Nacht wünscht und dabei nur meint, keine solle krank werden? Denkt man eigentlich an Politik, wenn man sich auf den nächsten Urlaub freut oder dem entscheidenden Spiel der Lieblingsmannschaft entgegenfiebert? Manche und mancher will es einfach nicht glauben, aber auch das hat mit Politik zu tun. Eine gute Nacht, einen schönen Urlaub und ein begeisterndes Sportereignis kann man nur haben, wenn Frieden herrscht. Und das ist doch ganz klar Politik; dafür sollte man sich schon interessieren.
„Dafür“, so sagte unsere Gesprächspartnerin/unser Gesprächspartner nachdenklich,„interessiere ich mich selbstverständlich. Nur – man kann ja doch nichts beeinflussen.“
Jeder und jede von Euch wird zugeben, es gibt leichtere Fragen. Kann man mit dreizehn Jahren etwas dazu tun, dass Frieden bleibt, oder nicht? Kann man überhaupt Einfluss auf die Politik nehmen? Haben jene Erwachsenen nicht recht, die sagen, Kinder verstehen noch nichts von Politik, lasst sie doch deshalb damit in Ruhe?
Es ist nicht einfach, sich da zurechtzufinden. Aber gerade um das Zurechtfinden geht es. Natürlich wollt ihr spielen, euch erholen, sollt lustig sein, Sport treiben und Freundschaften haben. Natürlich sollt ihr in erster Linie günstige Bedingungen für eure wichtigste Aufgabe haben, fleißig zu lernen. All das geschieht aber nicht im luftleeren Raum, in einer „unpolitischen Sphäre“. Ihr lernt, spielt, treibt Sport in unserem Land (der DDR P.R.), innerhalb der Grenzen unseres Landes (der DDR). Das geschah in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Ihr alle seid (wart P.R.) Bürgerinnen und Bürger dieses Staates, Staatsbürgerinnen und -bürger der Deutschen Demokratischen Republik.
In eurem ganzen bisherigen Leben spielte unser Staat (die DDR P.R.) eine wichtige Rolle. Die meisten von euch haben früher Kinderkrippen und Kindergärten besucht. Sie wurden und werden vom Staat gebaut, und unser Staat (die DDR P.R.) wendet dafür viel Geld auf. (Das sieht heute anders aus. Heute gibt es zu wenig Kindergartenplätze und an Geld dafür mangelt es ohnehin. P.R.)
Oder betrachtet mal euren Impfausweis! Die meisten von euch verstecken ihn am liebsten ganz hinten in einer Schublade, aber dennoch: Diese vielen -für Eure Eltern kostenlosen, für den Staat sehr teuren – Impfungen haben dafür gesorgt, dass manche schwere Kinderkrankheit in der DDR nicht mehr auftritt!
Viele von euch leben in einer neuen Wohnung. Die Eltern zahlen dafür wenig Miete, das meiste zur Werterhaltung bestreitet der Staat. Aber vielleicht konntet ihr dadurch zu Hause schneller sparen und manchen Wunsch eher erfüllen?
Wusstet ihr, dass unser Staat (die DDR P.R.)für Bildung und Erholung einen sehr großen Teil seiner Geldmittel aufwendet? (Nun ja, damit sieht es heute düster aus. Schade, dass viele damals die DDR nicht als „unseren Staat“ gesehen haben. Die Aufwendungen für die oben genannte Dinge nahm man als selbstverständlich. Erst als es zu spät war, ist das vielen bewusst geworden und erst dann haben sie gemerkt, was sie verloren haben. P.R.)
So wie hier erholen sich jährlich in den Ferien etwa 2 Millionen Kinder in Ferienobjekten der Betriebe (Heute interessiert das keinen Betrieb mehr. P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Auch ihr habt, wenn ihr heute fleißig lernt, Einfluss auf die Entwicklung unseres Staates (die DDR P.R.) Mit den Kenntnissen und Fähigkeiten, die ihr heute in der Schule erwerbt, werdet ihr morgen komplizierte wissenschaftlich-technische Aufgaben meistern.
Die Jung- und Thälmannpioniere tragen hervorragend zur wirksamen internationalen Solidarität unseres Staates (der DDR P.R.) bei. Auch euer Eintreten für den Frieden hilft, unseren Feinden zu zeigen, dass sie in Zukunft nicht in die DDR eindringen können, es hilft mit, die Lebensfrage der Menschheit- die Erhaltung des Friedens- zu lösen. (Und es ist alles anders gekommen. P.R.)
Man kann also als einzelner, als einzelne eine ganze Menge bewirken! Deshalb solltet ihr euch schon für die Gesellschaft, für die Politik, für den Staat interessieren, dessen Staatsbürger und -bürgerinnen ihr auch mit dreizehn Jahren schon seid.
Freilich, später, als Facharbeiter/in oder Handwerker/in, als LPG-Bauer, bzw. LPG-Bäuerin oder Soldat, Lehr/in oder Künstler/in, Ingenieur/in oder Diplomat/in- da werdet ihr direkter, spürbarer, unmittelbarer auf die Geschicke unseres Vaterlandes(der DDR. P.R.) Einfluss nehmen. Aber darauf muss man sich vorbereiten; man sollte daher rechtzeitig anfangen, sich zu orientieren und zu handeln, dafür braucht man schon heute (im Schulalter P.R.) einen Kompass. Das Fach Staatsbürgerkunde will euch dabei helfen. Viele Fragen können und sollen in diesem Schuljahr gestellt und beantwortet werden. Besonders aber geht es um eine Frage:
Welche Vorzüge hat die sozialistische DDR, und was können wir Staatsbürgerinnen und -bürger tun, um diese Vorzüge zu erweitern? Das allerdings ist eine ganz wichtige und entscheidende Frage, Ihre Beantwortung soll uns helfen, als sozialistische Staatsbürgerinnen und -bürger zu wirken, und das heißt mitzuarbeiten, mitzuplanen, mitzuregieren.
(Allerdings wurde der symbolische Kompass von der Mehrheit der Jugendlichen und vielen Erwachsenen nicht angenommen. So fielen sie auf „Schwerter zu Pflugscharen“ und später auf die Konterrevolutionäre herein. P.R.)
Lied vom Vaterland (DDR)
Text: Lied vom Vaterland (DDR)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
In diesem Abschnitt des alten Staatbürgerkundebuches der DDR steckt viel drin. Es ist schade, dass das Interesse an dem Fach Staatsbürgerkunde gering war. Viele fanden es langweilig. Es stellt sich die Frage, wie die Lehrkräfte das Wissen vermittelten und ob sie womöglich selbst nicht davon überzeugt waren, was sie lehrten. Wäre es von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen angenommen und zu Herzen genommen worden, wäre 1989 anders verlaufen. Natürlich konnte es nicht weitergehen, wie es war. Ein neuer Weg musste eingeschlagen werden.
Einfluss haben die Staatsbürgerinnen und -bürger der DDR sehr wohl genommen, aber es wurde der falsche Weg eingeschlagen. Das verkauft die heutige Propaganda als „friedliche Revolution“.
Das erlernte Wissen ist ja nicht angenommen und somit wieder vergessen worden. Nun gibt es die DDR nicht mehr. Doch auch aus heutiger Sicht ist dieser Abschnitt interessant. Es wird ja heute behauptet, dass die DDR eine Diktatur war. Dieser Abschnitt sagt, dass mitarbeiten und mitdenken angesagt war. Das ist in einer Diktatur nicht möglich und erwünscht. Die heutige Propaganda erzählt viel Falsches und Negatives über die DDR. Um die historischen Ereignisse besser zu verstehen, lohnt ein Blick in die alten Schulbücher der DDR. In Antiquariaten kann man sie noch finden.
Petra Reichel
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel
Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR
Wie in Westdeutschland die Macht der Imperialisten wiederhergestellt wurde
Als der zweite Weltkrieg zu Ende war, war auch in den westlichen Teilen Deutschlands die macht der Monopol– und Bankherren sowie der Großgrundbesitzer stark erschüttert. In Dieser Situation fanden im Ruhrgebiet, in Hessen und Bayern, ja in allen Teilen der westlichen Besatzungszonen vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten zusammen, um ähnliche demokratische Umgestaltungen wie im Osten Deutschlands zu fordern.
Der Wille der Werktätigen
Der Wille der Bevölkerung Westdeutschlands nach grundlegenden demokratischen Umgestaltungen war ebenso stark wie im Osten Deutschlands. So sprachen sich drei Viertel der Wähler im Land Hessen für die Enteignung des Monopolkapitals aus.
Gesetze zur Enteignung von Monopolherren und Kriegsverbrechern wurden verabschiedet, aber entgegen dem Willen der Mehrheit des Volkes nicht verwirklicht.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
In Hessen und Nordrhein-Westfalen fanden Volksabstimmungen statt, in denen sich die Mehrheit der Bevölkerung für Forderungen aussprach, wie sie im Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 enthalten waren. In Schleswig-Holstein erhielt die SPD 1946 die absolute Mehrheit im Landtag, weil sie den Bauern eine Bodenreform versprochen hatte. Im Verlaufe von vier Jahren wurden sieben Gesetze über eine Bodenreform verabschiedet, aber eine Bodenreform fand nirgendwo statt, obwohl es über 800 000 Landbewerber und unüberhörbare Forderungen nach solch einer Reform gab.
Selbst die Führung der SPD in den westlichen Besatzungszonen musste eingestehen: „In Politik, Wirtschaft und Verwaltung herrschen wieder die gleichen Kräfte, die uns zu den heutigen Zuständen geführt haben.“
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Alte Faschisten konnten wieder unbekümmert leitende Ämter ausüben, ja sogar Recht sprechen! So waren über 60 Prozent der Richter und 76 Prozent der Staatsanwälte früher Mitglied der faschistischen Partei gewesen.
Nirgends in den westlichen Besatzungszonen wurde ernsthaft der Militarismus und Faschismus ausgerottet. Die Herrschaft des Monopolkapitals blieb unangetastet.
Warum war es möglich, den Willen der Mehrheit des Volkes so zu missachten?
Die wichtigste Ursache bestand darin, dass es in den westlichen Besatzungszonen nicht gelang, die Einheit der Arbeiterbewegung herzustellen. Damit konnte die Arbeiterklasse ihre Ziele nicht gegen das Monopolkapital durchsetzen.
Im Gegensatz zur sowjetischen Besatzungsmacht, die das Ringen um die revolutionäre Einheit der Arbeiterbewegung unterstützte, verboten die imperialistischen Besatzungsmächte alle Bestrebungen zur Vereinigung von KPD und SPD in ihren Besatzungszonen. Es war ein erklärtes Ziel der imperialistischen Besatzungsmächte, die Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse um jeden Preis zu verhindern.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Das Ziel dieses Verbots bestand darin, die Arbeiterklasse zu schwächen, die Kraft, die einzig und allein in der Lage war, alle demokratischen Kräfte um sich zu scharen und die antifaschistisch-demokratische Entwicklung auch in den westlichen Besatzungszonen einzuleiten und zum Sieg zu führen. Die Militärregierungen in den westlichen Besatzungszonen vertraten damit die Klasseninteressen des in- und ausländischen Monopolkapitals. Sie arbeiteten auch mit Führern der SPD zusammen, die gegen die Kommunisten hetzten und gegen die Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse auftraten.
Alle diese Kräfte hatten Angst vor einer politisch starken Arbeiterklasse, die in der Lage gewesen wäre, auch im Westen Deutschlands eine Wende in der Geschichte unseres Volkes herbeizuführen.
Der Plan des Monopolkapitals zur Spaltung Deutschlands
Das Monopolkapital strebte zunächst die Wiederherstellung seiner Herrschaft in ganz Deutschland an. Als es aber in der sowjetischen Besatzungszone vernichtend geschlagen wurde, war es bestrebt, zu retten, was noch zu retten war. Es nahm Kurs auf die Spaltung Deutschlands durch die Schaffung eines gesonderten Staates.
Diesem Plan des Monopolkapitals setzten die Arbeiterklasse und weitere fortschrittliche Kräfte einen heftigen Widerstand entgegen. Gemeinsam mit allen anderen antifaschistisch-demokratischen Kräften kämpften die SED und die KPD konsequent gegen die Spaltung Deutschlands und für eine einheitliche antifaschistisch-demokratische Republik.
Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden. Ein einheitlicher antifaschistisch-demokratischer Staat zwischen Oder und Rhein hätte das Kräfteverhältnis im Zentrum Europas so grundlegend geändert, dass die Existenz des imperialistischen Systems in Europa ernsthaft bedroht gewesen wäre. Daher war der Imperialismus bestrebt, im Zentrum Europas jede Veränderung des Machtverhältnisses zugunsten der Arbeiterklasse und aller demokratischen Kräfte mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern. Das war auch das Bestreben der imperialistischen Besatzungsmächte, die nunmehr in noch stärkerem Maße vorsätzlich gegen das Potsdamer Abkommen handelten.
Schritte zur Spaltung Deutschlands
Am 02. Dezember 1946 unterzeichneten die Außenminister der USA und Großbritanniens ein Abkommen über die wirtschaftliche Vereinigung der amerikanischen und der britischen Zone. Damit war die sogenannte Bi-Zone geschaffen. Ihr wurde später die französische Zone angeschlossen, wodurch die Tri-Zoneentstand.
Damit war Deutschland ein schwerer Schlag zugefügt worden. Noch gab es aber Gemeinsames, so die gemeinsame Währung. Da verkündeten am 18. Juni 1948 die westdeutschen Rundfunkstationen die Einführung einer neuen Währung in den drei westlichen Besatzungszonen. Damit wurde Deutschland wirtschaftlich gespalten.
Unter dem Schutz der imperialistischen Besatzungstruppen werden überall in den Westzonen und Westberlin die lange vorher gedruckten Geldscheine für die separate Währungsreform ausgeliefert
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Gründung der BRD
Jetzt wollten die großen Monopole von Rhein und Ruhr ihren Staat haben, ihr Machtinstrument zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft.
Unter Missachtung des Willens der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und unter Verletzung des Potsdamer Abkommens wurde im September 1949 die Spaltung Deutschlands mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) vollendet.
Wie dieser Staat aussehen sollte, hatten die westlichen Besatzungsmächte festgelegt. Sie bestimmten auch den Inhalt der Verfassung der BRD. Im Unterschied zur Verfassung der DDR, die das Volk vor ihrer Annahme drei Jahre lang diskutierte, wurde die Verfassung der BRD ohne Mitwirkung des Volkes in Kraft gesetzt.(Offiziell ist es keine Verfassung, sondern das Grundgesetz P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel
Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR
1. Die Einkesselung und Vernichtung der Deutschen bei Stalingrad
In den frühen Morgenstunden des 19. November 1942 traten die sowjetischen Truppen der Südwestlichen, der Don- und der Stalingrader Front auf Befehl des Obersten Befehlshabers zu einem ungestümen Angriff in zwei Richtungen-nordwestlich und südlich von Stalingrad-an. Nachdem sie die Verteidigung des Gegners nordwestlich von Stalingrad in einer Breite von 30 km südlich der Stadt in einer Breite von 20 km durchbrochen hatten, rückten die angreifenden Verbände gleich in den ersten drei Tagen um 60-70 km vor. Die Sowjettruppen zerschmetterten die Flanken des Gegners und schlossen am 23. November einen festen Ring um die Deutsche 6. Armee und die 4. Panzerarmee. Die erste Aufgabe der Offensive war erfüllt.
Die Aufgabe der Vernichtung dieser gewaltigen eingekesselten Armeegruppe trat in den Vordergrund. Das war keine leichte Angelegenheit, erstens, weil es sich um viele Zehntausende voll kampffähiger Soldaten handelte, und zweitens, weil die deutschen Armeen nur einen Teil der Gesamtfront bildeten und durch andere Truppen ersetzt werden konnten.
Die Rote Armee hatte bereits Erfahrungen bei der Einkesselung von deutschen Truppen gesammelt. Anfang 1942 war bei Staraja Russa die 16. Deutsche Armee eingekesselt worden. Aber es war den Deutschen gelungen, eine kleine Bresche zu schlagen und den erkämpften Brückenkopf zu halten. Andere deutsche Verbände, die sich in einer Entfernung von 20-30 km befanden, kamen der 16. Deutschen Armee zu Hilfe. Um den Deutschen keine Möglichkeit zu geben, ein solches Manöver auch bei Stalingrad zu wiederholen, musste die deutsche Front um mindestens 100-150 km zurückgeworfen werden. Hitler versuchte in der Tat, den Ring der Umklammerung zu durchbrechen, zog bedeutende Panzerkräfte zusammen und setzte sie unter dem Befehl von Manstein bei Stalingrad ein, um von Paulus zu Hilfe zu kommen.
Gemäß dem Befehl von J.W. Stalin gingen die sowjetischen Truppen am mittleren Don zum Angriff über. Verbände der Südwestlichen und der Woronesher Front durchbrachen die Verteidigungsfront des Gegners im Abschnitt Nowaja Kalitwa-Monastyrschtschina und rückten gleich in den ersten vier Tagen um 50-90 km vor. Nachdem sie neun feindliche Infanteriedivisionen sowie eine Brigade zerschlagen und vier weiteren Infanteriedivisionen und einer Panzerdivision eine Niederlage bereitet hatten, warfen die sowjetischen Verbände beider Fronten Die Deutschen um weitere 200 km zurück.
Gleichzeitig hielten die sowjetischen Verbände dem Ansturm der Manstein-Gruppe stand, die sich von Kotelnikowo aus nach Stalingrad durchzuschlagen versuchte. In zähen Abwehrkämpfen ließen sie den Feind verbluten und gingen, nachdem Verstärkungen eingetroffen waren, zum Angriff über. Die Manstein-Gruppe erlitt eine entscheidende Niederlage.
Jede Möglichkeit, die bei Stalingrad eingeschlossenen Truppen zu retten, war für das deutsche Oberkommando nunmehr ausgeschlossen. Die Versuche, die eingekesselte Armeegruppe mit Hilfe von Transportflugzeugen zu versorgen, wurden durch die sowjetische Luftwaffe und die Luftabwehr unterbunden.
Feuerüberfall der sowjetischen Granatwerfer, der berühmten „Katjuschas“
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Stalingrad nach Abschluss der Kämpfe
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Lage der bei Stalingrad eingekesselten Truppen des Generalfeldmarschalls Paulus wurde hoffnungslos. Durch den Vertreter des Hauptquartiers des Obersten Befehlshabers, heute (1947) Hauptmarschall der Artillerie Woronow, und durch den Befehlshaber der Truppen der Donfront, heute (1947) Marschall der Sowjetunion Rokossowskij, schlug das sowjetische Oberkommando den Deutschen vor, sich zu ergeben. Paulus lehnte ab. „Wenn der Feind sich nicht ergibt, wird er vernichtet“, so lautete das Gesetz der Roten Armee. In der Zeitspanne vom 10. Januar bis 2. Februar 1943 wurde diese Aufgabe mit der gleichen Meisterschaft wie die gesamte Stalingrader Operation durchgeführt. Zwei deutsche Elitearmeen, die 4. Panzerarmee und die 6. Armee, die über 330 000 Mann zählten, hörten auf zu existieren. Nur ein Drittel ihres Bestandes, etwa 91 000 Mann, blieben am Leben und gerieten in Gefangenschaft. Über 2500 Offiziere und 24. Generale mit Generalfeldmarschall Paulus an der Spitze wurden gefangengenommen. Die Rote Armee brachte riesige Beute ein.
Die nach der Idee und unter der Führung Stalins durchgeführte Stalingrader Operation stellt ein unübertroffenes Vorbild der Kriegskunst dar. Die Kriegsgeschichte kennt keine ähnlichen Fälle der Einkesselung und Vernichtung einer riesigen Anzahl regulärer Truppen, die mit dem seinerzeit modernsten Kriegsmaterial mehr als reichlich ausgestattet waren.
Über 70 Jahre war die deutsche Militärclique von der Idee der Vernichtung feindlicher Armeen durch Einkesselung besessen. 216 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung hatte der karthagische Feldherr Hannibal in der Schlacht bei Cannae das römische Heer eingeschlossen und fast völlig vernichtet. Seit jener Zeit wurde die Schlacht bei Cannae zum Vorbild einer Schlacht, bei der es einem Gegner gelingt, die Truppen des anderen einzukesseln und zu vernichten. Die deutschen Kriegshistoriker, welche die Einkesselung und Vernichtung der gegnerischen Kräfte mit Recht für den höchsten strategischen Erfolge hielten, verfälschten die Wissenschaft, um in den Schlachten der Vergangenheit „deutsche Cannae“ zu finden. Während des ersten imperialistischen Weltkrieges suchten die deutschen Generale in jeder Schlacht erfolglos ihr „Cannae“. Ein klassisches Beispiel einer Einkreisungs- und Vernichtungsoperation fanden sie bei Stalingrad. Aber das war ein „russisches Cannae“. Zum ersten Male in der Geschichte der Kriege und der Kriegskunst wurde eine derartige Anzahl feindlicher Truppen eingekesselt und vernichtet. Dabei vermochten bei Cannae einzelne römische Verbände aus der Einkesselung zu entweichen, bei Stalingrad dagegen entkam keiner.
Nach der Stalingrader Schlacht ging die Initiative bei den Kampfhandlungen in die Hände des sowjetischen Oberkommandos über. Im Jahre 1941 hatte die faschistische Armee, die damals über eine ganze Reihe von vorübergehenden Vorteilen verfügte, die Initiative 5 ½ Monate lang in ihren Händen gehalten. Im Jahre 1942 vermochte das Hitlerkommando, das, dank der fehlenden zweiten Front, alle seine Reserven an die sowjetische Front werfen konnte, nur drei Monate lang die Initiative an sich zu reißen. Wenn man sogar das Vorrücken der deutschen Truppen im Nordkaukasus mitrechnet, befand sich die Initiative 4 ½ Monate lang in ihren Händen. Die Rote Armee dagegen, die bei Stalingrad die Initiative ergriff, ließ sich diese bis Kriegsende nicht mehr entreißen.
Die Stalingrader Schlacht bedeutete einen grundlegenden Umschwung im ganzen Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges. Sie kündete den Untergang der deutsch-faschistischen Armee an.
Der heroische Kampf des Sowjetvolkes im Rücken des Feindes half der Roten Armee den Sieg bei Stalingrad zu erringen.
Durch furchtbare Bestialitäten versuchten die Hitlerleute, den Geist des Sowjetvolkes zu brechen, ihm seinen Widerstandswillen zu rauben und es in gehorsame Sklaven zu verwandeln. Aber den Faschisten gelang es nicht, die Sowjetmenschen einzuschüchtern. Ein Beispiel für die grenzenlose Vaterlandsreue stellt der Kampf der heroischen Jugend von Krasnodon dar.
Die Komsomolzen dieser Bergarbeitersiedlung mit dem 17jährigen Oleg Koschewoj an der Spitze schufen eine illegale Organisation unter dem Namen „Die junge Garde“, um die faschistischen Eindringlinge zu bekämpfen. Die Angehörigen dieser Organisation verbreiteten Flugblätter über die Lage in der Sowjetunion. Sie vernichteten die Listen der von den Hitlerleuten in die Sklaverei getriebenen Menschen, befreiten aus den Lagern und Transportzügen jene, die nach Deutschland verschleppt werden sollten.
Ein gemeiner Verrat machte die Tätigkeit der „Jungen Garde“ ein Ende. Die Helden gerieten in die Hände der Gestapo, die durch ungeheuerliche Folter versuchte, den Verhafteten Angaben über die Zusammensetzung und die Verbindungen der Organisation zu entreißen. Die Junggardisten hielten ihren Treueschwur. Die Hitlerleute warfen die verstümmelten Illegalen in eine Kohlegrube.
Die Rächer des Volkes richteten ihre Schläge gegen die verwundbarsten Stellen des Feindes, zerstörten sein Nachschubsystem und zwangen ihn, seine Kräfte zu zersplittern. Die Hitlerleute verspürten am eigenen Leibe die unheimliche Wirkung des Vernichtungskrieges des Volkes, der im engen Zusammenwirken mit den Operationen der regulären Roten Armee geführt wurde.
2. Der Beginn der Massenvertreibung der faschistischen Eindringlinge aus der Sowjetunion
In den Tagen, da die Vernichtung der bei Stalingrad eingekesselten deutschen Truppen vollendet wurde, trat die Rote Armee auf einer riesigen Front zum Angriff an. Dem Feind wurde zunächst südlich von Woronesh und später westlich von dieser Stadt eine vernichtende Niederlage beigebracht, wobei zusammen mit den deutschen auch italienische und rumänische Divisionen zerschlagen wurden.
Im Januar und Februar 1943 befreite die Rote Armee Stawropol, Salsk, Armawir, Majkop, Krasnodar, Nowotscherkassk und Rostow am Don. In den Händen der Deutschen verblieb im Kaukasus nur ein kleines Gebiet auf der Taman-Halbinsel.
Am 8. Februar wurde Kursk genommen, am 9. Bjelgograd, am 16. Februar Charkow. Beim Verlassen von Charkow zerstörten die Hitlerleute die Stadt. Die schönsten und wichtigsten Gebäude, die Brücken und Werke wurden gesprengt und niedergebrannt. Darauf wurde die Stadt einem heftigen Luftangriff ausgesetzt, bei dem Tausende von Einwohnern umkamen. Die Sowjettruppen erreichten den Dnjepr.
Am 8. Februar wurde Kursk genommen, am 9. Bjelgograd, am 16. Februar Charkow. Beim Verlassen von Charkow zerstörten die Hitlerleute die Stadt. Die schönsten und wichtigsten Gebäude, die Brücken und Werke wurden gesprengt und niedergebrannt. Darauf wurde die Stadt einem heftigen Luftangriff ausgesetzt, bei dem Tausende von Einwohnern umkamen. Die Sowjettruppen erreichten den Dnjepr.
Anfang März verbreiterte sich die Front der Offensive der sowjetischen Truppen: die Truppen der Nordwestlichen Front traten zum Angriff gegen die 16. Deutsche Armee an. Innerhalb von acht Tagen wurde der sogenannte Brückenkopf von Demjansk beseitigt. Die Stadt Demjansk, die Rayonszentren Lytschkowo, Salutschje und 299 Ortschaften wurden befreit.
In der ersten Hälfte des Monats März wurden die Deutschen aus Rshew, Gshatsk, Sytschewka und Wjasma vertrieben. Die Frontlinie rückte von Moskau nach dem Westen zurück. Die Faschisten haben die altrussischen Städte Rshew und Wjasma völlig zerstört. An ihrer Stelle blieben nur Trümmerhaufen zurück.
Das hitlerische Oberkommando, das an verschiedenen Fronten, die oftmals Hunderte von Kilometern voneinander entfernt waren, Schlag auf Schlag hinnehmen musste, vermochte nicht festzustellen, woher die Hauptschläge kamen und wo es die Reserven zusammenziehen sollte. Hitler trieb seine Soldaten nach Woronesh, aber unterwegs wurden sie nach Welikije Luki umdirigiert. Soldaten, die nach Kotelnikowo eilten, fanden ihr Grab bei Woronesh. Allein während der drei Monate der Winteroffensive haben die Sowjettruppen 112 gegnerische Divisionen zerschlagen.
In den Kämpfen der Eindringlinge zeigten die Soldaten und Kommandeure der Roten Armee außergewöhnlichen Heroismus. An der ganzen Front und im ganzen Lande wurde die Heldentat des Soldaten des 254. Gardeschützenregiments Alexander Matwejewitsch Matrossow bekannt.
Am 23. Februar 1943, im entscheidenden Moment des Kampfes um das Dorf Tschernuschki an der Nordwestlichen Front, brach Matrossow, als das Feuer des feindlichen Maschinengewehrs den Angriff seiner Kompanie zum Stehen gebracht hatte, bis zum feindlichen Bunker vor und bedeckte mit seinem Körper die Schießscharte, aus der das gegnerische Maschinengewehr feuerte. Er opferte sich auf, um den Erfolg des Angriffs seiner Kompanie zu gewährleisten. Alexander Matrossow war erst 19 Jahre alt. Einige Stunden vor Beginn des Kampfes um das Dorf Tschernuschki sagte er auf einer Komsomolzenversammlung: „Wir werden den Befehl ausführen. Ich werde gegen die Deutschen kämpfen, solange meine Hände die Waffen halten können und solange mein Herz schlägt. Ich werde mit Todesverachtung für unser Land kämpfen.“Er hat sein Wort gehalten. Ihm wurde nach dem Tode der Titel eines Helden der Sowjetunion zuerkannt. Durch den Befehl des Volkskommissars für die Landesverteidigung, J.W. Stalin, wurde dem 254. Gardeschützenregiment der Name „Alexander Matrossow“ verliehen. Matrossows Name wurde für ewig in die Listen der ersten Kompanie dieses Regiments eingetragen. Die Heldentat des Komsomolzen Matrossow zeigte abermals, welche Kraft sich seinerzeit im Sowjetvolke barg.
Die Hitlerleute erlitten schwere Niederlagen, leisteten aber erbitterten Widerstand. Sie unternahmen einen verzweifelten Versuch, die hereinbrechende Katastrophe von ihrer Armee abzuwenden. Ende Februar 1943 konzentrierte die deutsch-faschistische Führung an einem schmalen Frontabschnitt 25 Divisionen, darunter 12 Panzerdivisionen, und unternahm einen Gegenangriff im Raum Donezbecken-Charkow. Das Hitlerkommando versuchte für seine Niederlage bei Stalingrad mit der gleichen Münze heimzuzahlen und die Sowjettruppen bei Charkow einzuschließen. Die vorgeschobenen sowjetischen Verbände zogen sich auf Befehl des Sowjetkommandos rechtzeitig auf den Nördlichen Donez zurück. Charkow und Bjelogorod wurden geräumt. Der von Hitler ausgeheckte Plan misslang, und dem weiteren Vorrücken der deutschen Truppen wurde bald Einhalt geboten. In gleicher Weise scheiterte der Versuch einer deutschen Offensive im Raum von Orel.
Bis April 1943 hatte die Rote Armee die Winteroffensive auf einer 1500 km langen Front in glänzender Weise abgeschlossen. An einigen Frontabschnitten wurden die deutschen Truppen um 600-700 km zurückgeworfen. Ein riesiges Territorium von fast 1,5 Quadratkilometern war von den Faschisten gesäubert worden. Es wurden nicht nur alle Ergebnisse der Hitleroffensive des Jahres 1942 zunichte gemacht, sondern auch Gebiete befreit, die von den Deutschen bereits zu Beginn des Krieges erobert worden waren. Es begann die Massenvertreibung des Feindes aus dem Sowjetland.
Im Verlauf der Winterkämpfe hat die Rote Armee die besten Stammdivisionen des Gegners vernichtet. Allein an Gefallenen verloren die Deutschen 850 000 Mann, während über 343 000 Soldaten und Offiziere des Gegners gefangengenommen wurden. Eine gewaltige Anzahl von Panzern, Flugzeugen, Kanonen und Kraftwagen wurden vernichtet oder erbeutet.
Durch heldenmütige Anstrengungen der sowjetischen Streitkräfte und des gesamten Sowjetvolkes wurde der zunächst ungünstige Verlauf der Ereignisse in eine für das sowjetische Volk günstige Richtung gewendet. Wie ist es dazu gekommen?
Im Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges war die Kampfkraft der Roten Armee gewachsen. Sie wurde zu einer erprobten Armee, d.h. Millionen sowjetischer Kämpfer hatten die meisterhafte Beherrschung der Waffen erlernt, die ihnen das Land lieferte. Zehntausende von Kommandeuren hatten gelernt, persönliche Kühnheit mit der Kunst zu vereinen, die Truppen auf dem Schlachtfeld zu führen. Die Rote Armee hatte es gelernt, „den Feind unfehlbar zu schlagen unter Berücksichtigung seiner schwachen und starken Seiten, wie es die moderne Kriegswissenschaft fordert“ (Stalin).
Die militärischen Erfolge der Roten Armee stellten ferner das Ergebnis der gewaltigen Arbeit im Hinterland dar, die von dem gesamten Sowjetvolk unter der Führung der kommunistischen Partei geleistet wurde. Es wurde eine Rüstungswirtschaft organisiert, die immer mehr Waffen lieferte. In seinem Befehl vom 23. Februar 1943 schrieb Stalin: „Es handelt sich darum, dass das faschistische Deutschland seine Kräfte immer mehr erschöpft und schwächer wird, während die Sowjetunion ihre Reserven immer mehr entfaltet und stärker wird. Die Zeit arbeitet gegen das faschistische Deutschland.“
Die Veränderung der Lage an der sowjetisch-deutschen Front hatte eine enorme internationale Bedeutung. Die Fesselung der deutschen Hauptkräfte im Osten machte es den Alliierten möglich, große Landungsoperationen in Nordafrika durchzuführen und die italienisch-deutschen Truppen in Libyen und Tripolitanien zu schlagen. Die alliierten Truppen zerschlugen die feindlichen Kräfte im Raum von Tunis; im Mai 1943 wurden die italienisch-deutschen Truppen endgültig aus Afrika vertreiben. Die Versuche der Faschisten, Ägypten zu erobern und sich den Weg nach dem Osten, zum Suezkanal zu bahnen, waren gescheitert. Gleichzeitig verstärkte sie anglo-amerikanische Luftwaffe ihre Schläge gen die Rüstungszentren Deutschlands und Italiens.
„Somit ist der Schlag gegen den Feind vom Osten her, vonseiten der Roten Armee“, so betonte Stalin, „zum ersten Mal während des Krieges mit dem Schlag vom Westen her, vonseiten der Truppen unserer Verbündeten, zu einem einheitlichen, gemeinsamen Schlag verschmolzen. Alle diese Umstände zusammengenommen, habe die hitlerische Kriegsmaschine bis auf den Grund erschüttert, dem Weltkrieg einen anderen Verlauf gegeben und die notwendigen Voraussetzungen für den Sieg über Hitlerdeutschland geschaffen.“
3. Das Scheitern der Offensive bei Kursk
Dieser Sieg war jedoch noch zu erringen. Eine weitere Anspannung der Kräfte des sowjetischen Hinterlandes war notwendig; die Rote Armee musste noch weitere vernichtende Schläge gegen den Feind führen; die Alliierten mussten die Kampfhandlungen auf dem europäischen Kontinent eröffnen.
J.W. Stalin wies im Frühjahr 1943 das sowjetische Volk warnend darauf hin, dass das faschistische Deutschland zwar eine Krise durchmache, dass der Feind aber noch nicht besiegt sei; um ihn endgültig zu zerschlagen, müssten alle Kräfte des Volkes mobilisiert werden.
Im Frühjahr 1943 trat im Verlauf der Kampfhandlungen eine vorrübergehende Atempause ein. Sie dauerte etwa 100 Tage. IM Laufe dieser Zeit rüsteten sich beide Parteien zu dem entscheidenden Waffengang. Nur am Kuban entspannen sich erbitterte Kämpfe. Die Deutschen zogen hier etwa 2000 Flugzeuge zusammen und versuchten, mit deren Hilfe ihren Brückenkopf zu erweitern, stießen aber auf erbitterte Abwehr der sowjetischen Luftwaffe, die sich die Luftherrschaft erkämpft hatte. Die deutsche Luftwaffe erlitt hier riesige Verluste. Bei den Luftkämpfen an der Kubanfront zeichnete sich der hervorragende Jagdflieger Major A.I. Pokryschkin, heute (1947) Oberst und dreifacher Held der Sowjetunion, aus. Allein an der Kubanfront schoss er einige Duzende feindlicher Flugzeuge ab. Zusammen mit Pokryschkin kämpften die Helden der Sowjetunion Gebrüder Glinka und Retschkalow.
Der deutsche Versuch, die Luftherrschaft im Frontabschnitt Kursk zu erringen, war ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Die Deutschen verloren Hunderte von Flugzeugen, ohne irgend etwas zu erreichen.
Trotz der gewaltigen Verluste bereiteten sich die Deutschen fieberhaft zu einer neuen Großoffensive vor. Die militärische, wirtschaftliche und politische Lage des faschistischen Deutschlands hatte ich bis zum Sommer 1943 wesentlich verschlechtert. Trotz der 8 Millionen ausländischer Arbeiter verspürten die Industriebetriebe und insbesondere die Ruhrkohlengruben einen akuten Mangel an Arbeitskräften. Die ungarischen, rumänischen und anderen Hitlervasallen schickten bereits nicht mehr so gern wie früher Truppen, um die geschlagenen Armeen aufzufüllen. Mussolini forderte sogar eine verstärkte deutsche Hilfe, um Italien gegen die Alliierten zu verteidigen.
Um die Verluste seiner Armee aufzufüllen, verkündete Hitler Ende Januar 1943 eine neue „totale Mobilmachung“, die sich bis in den Sommer hinein erstreckte. Durch die „totale Mobilmachung“ wurden alle Männer von 16 bis 65 Jahren und alle Frauen von 17-45 Jahren erfasst. Tausende von Betrieben, Ämtern, Läden und Gaststätten wurden geschlossen. Die Mobilmachung erstreckte sich auch auf die Vasallen und auf die besetzten Länder. Das war eine durchgreifende Auskämmung des Hinterlandes, ein Zusammenraffen aller Reserven für eine neue Offensive gegen die Sowjetunion.
Durch diese Maßnahmen vermochte das hitlerische Oberkommando bis zum Sommer 1943 die Zahl seiner Divisionen auf 257 zu bringen, an Stelle der 240, die im Vorjahr an der sowjetisch-deutschen Front gekämpft hatten.
Die gesamte Industrie Europas arbeitete für die Bewaffnung der deutschen Armee. Es wurden schwere Tigerpanzer (T 6) und das Sturmgeschütz „Ferdinand“ herausgebracht.
Zu Beginn des Sommers 1943 hatte das Hitlerkommando die Vorbereitung zu einer neuen Sommeroffensive abgeschlossen. Es bezeichnete diese großtuerisch als eine Operation, die den Ausgang des Krieges entscheiden würde. Für ihre Offensive hatten sich die Deutschen den sogenannten Frontbogen von Kursk ausgewählt, der als Folge der Winteroffensive der Roten Armee entstanden war. Südlich des Bogens hielten die Deutschen die Stadt Bjelgorod in ihrem Besitz. Im Norden des Frontbogens von Kursk schloss sich der befestigte deutsche Aufmarschraum Orel-Brjansk an. Er stellte gleichsam einen Dolch dar, der mit seiner Spitze gegen Moskau gerichtet war: hier der Feind der sowjetischen Hauptstadt am nächsten.
Der Frontbogen von Kursk, der tief in die Frontlinie der Deutschen vorsprang, hatte auch für die Angriffsoperationen der Roten Armee eine außerordentlich große Bedeutung. Er bedrohte die Deutschen in Bjelgorod, Charkow und Orel. Von dem Frontbogen aus führte der bequemste Weg zum Mittelpunkt der Ukraine – nach Tschernigow, Poltawa und Kiew. Das sowjetische Oberkommando hatte die Bedeutung dieses Aufmarschraums für die zukünftigen Kämpfe richtig eingeschätzt und die notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung dieser Frontabschnitte getroffen.
Die Deutschen rechneten darauf, durch einen Stoß von zwei Seiten – von Orel aus nach Süden und von Bjelgorod aus nach Norden- die im Frontbogen von Kursk konzentrierten Sowjettruppen einzukesseln und zu vernichten, um dann gegen Moskau vorzustoßen. Zur Durchführung dieses Planes zogen die Deutschen insgesamt 17 Panzer-, 3 motorisierte und 18 Infanteriedivisionen zusammen. Hier wurden von den Deutschen über 3000 Panzer, 6000 Geschütze und etwa 2000 Flugzeuge eingesetzt. Niemals und nirgends wurde soviel Kriegsmaterial auf einem so schmalen Frontabschnitt – in einer Breite von 40 km im Norden und von 80 km im Süden- eingesetzt.
Im Morgengrauen des 5. Juli 1943 traten die Deutschen zum Angriff an. Das war für die sowjetische Armee keine Überraschung. Das Sowjetkommando war über die deutschen Absichten rechtzeitig informiert. Im Raum des vermuteten deutschen Angriffes waren stärkere Kräfte der sowjetischen Artillerie, Infanterie, Panzer und Luftwaffe zusammengezogen. Indem es die Angaben der Aufklärung ausnutzte, gelang es dem sowjetischen Kommando, in einigen Abschnitten dem Gegner zuvorzukommen. Hier wurden die feindlichen Stellungen, noch bevor die Artillerievorbereitung der Deutschen begann, unter Geschützfeuer genommen, wodurch der Angriff um einige Stunden verzögert wurde.
Bald darauf entspannen sich der ganzen Frontlinie erbitterte Kämpfe.
An den Luftkämpfen über dem Frontvorsprung von Kursk nahmen von beiden Seiten Tausende von Flugzeugen teil.
Die deutschen Panzer griffen in Kolonnen an. An der Spitze rückten die „Tiger“ vor, an den Flanken die „Ferdinande“ und in der Mitte die leichteren Kampfwagen. Eine sowjetische mechanisierte Brigade, die ihre Panzer eingegraben hatte, fing am 6. Juli den Stoß von 220 Panzern auf, deren Operationen von massierten Luftangriffen unterstützt wurden. Eine sowjetische Schützendivision setzte in einem sechsstündigen Kampf 74 deutsche Panzer außer Gefecht.
Nach vier Tagen ununterbrochener Angriffe waren die Deutschen im nördlichen Abschnitt nur 10-12 km vorgerückt. Es war ihnen nicht gelungen, die sowjetische Front zu durchbrechen. Die Rote Armee schuf eine tiefgestaffelte Verteidigungsstellung, d.h. mehrere Verteidigungsgürtel. Das sowjetische Kommando warf neue starke Reserven in den Kampf. Die Artillerie vernichtete erfolgreich die durchgebrochenen „Tiger“ und „Ferdinande“. Die sowjetischen Panzerkräfte führten wirkungsvolle Gegenschläge gegen die Panzerverbände des Gegners durch.
Die ergebnislosen Angriffe zwangen das Hitlerkommando, seine Reserven zu verbrauchen. Nördlich von Kursk wurden die Deutschen in die Verteidigung gedrängt.
Mit einer noch größeren Erbitterung wurden die Kämpfe im Südabschnitt, längs der Landstraße Bjelgorod-Obojan, geführt. Allein am ersten Tag verloren die Deutschen hier 200 Panzer und 180 Flugzeuge. Alle Versuche der Deutschen, die Front bei Prochorowka zu durchbrechen, misslangen. Sie erlitten große Verluste an Menschen und Material, ihre Reserven gingen zur Neige. Die deutsche Führung wurde gezwungen, auch hier zur Defensive überzugehen. Gleich darauf führten die Sowjettruppen einen mächtigen Gegenschlag und hatten am 17. Juli in Richtung auf Orel und am 23. Juli in Richtung auf Bjelgorod die Ausgangslage wiederhergestellt. Der Pan der deutschen Offensive brach zusammen. Die sowjetische Verteidigung erwies sich als der deutschen Offensive überlegen. Am 24. Juli 1943 beglückwünschte der Oberste Befehlshaber die Truppen zu dem Fiasko der deutschen Sommeroffensive.
4. Die Sommeroffensive der Roten Armee
Auf dem Höhepunkt der Schlacht bei Kursk gingen die sowjetischen Truppen der Brjansker Front bei Flankenunterstützung anderer Fronten in den Morgenstunden des 12. Juli zum Angriff über, um den befestigten Aufmarschraum der Deutschen bei Orel zu beseitigen. Die sowjetischen Truppen durchbrachen die deutsche Verteidigung, an der über anderthalb Jahre gebaut worden war. Der Angriff gegen Orel wurde von drei Seiten aus geführt. Orel wurde vom Norden und Süden umgangen. Vom Westen rückten die Truppen des Generals Bagramjan vor, die den Deutschen den Weg nach Brjansk verlegten. Die Stadt wurde in die Zange genommen. In der Nacht zum 4. August begann der Sturm und am Abend des 5. August war Orel feindfrei.
Gleichzeitig mit der Oreloperation begann der Angriff gegen Bjelgorod. Das sowjetische Kommando führte den Schlag in zwei Fronten: vom Osten direkt gegen Bjelgorod und vom Nordwesten in Richtung Charkow. Am 3. August wurde die Front der deutschen Gruppe im Raum von Bjelgorod durchbrochen und die Stadt Bjelgorod am 5. August befreit. In einem Befehl des Obersten Befehlshabers wurde den Truppen der fünf angreifenden Fronten, die Orel und Bjelgorod befreiten, der Dank ausgesprochen. Am 5. August salutierte Moskau zum ersten Male den tapferen sowjetischen Truppen durch Artilleriesalven. Seitdem wurden die Siege der Roten Armee durch Artilleriesalven gefeiert.
Die Schlacht bei Kursk, Orel und Bjelgorod war der Beginn der wuchtigen Sommeroffensive der Roten Armee. In einem einzigen Monat der Kämpfe verloren die deutschen Truppen 120 000 Soldaten und Offiziere an Toten, über 4600 Panzer, über 1600 Geschütze und 11 000 Lastwagen. Die Rote Armee stellte vor der ganzen Welt ihre Fähigkeit unter Beweis, nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer anzugreifen. Das Märchen der faschistischen Lügner, dass die Angriffe der Roten Armee saisonbedingt seien, zerstob. Über die Bedeutung der von der Roten Armee gewonnenen Schlacht sagte Stalin: „War die Schlacht bei Stalingrad ein Vorbote des Untergangs der faschistischen deutschen Armee, so führte die Schlacht bei Kursk sie an den Rand der Katastrophe.“
Unter Ausnutzung des Erfolges bei Bjelgorod nahmen die Sowjettruppen die Befreiung von Charkow und des Donezbeckens in Angriff. Die Truppen der Woronesher Front unter dem Befehl von Armeegeneral Watutin rückten gegen Charkow vor und umgingen die Stadt vom Westen, während die Truppen der Steppenfront unter dem Befehl von Armeegeneral, heute (1947) Marschall der Sowjetunion, Konjew vom Osten und Norden die Stadt angriffen. Charkow deckte den Weg zum Dnjepr und zum Donezbecken. Der Gegner war bestrebt, die Stadt um jeden Preis zu halten und zog hier große Reserven zusammen. Die sowjetischen Panzertruppen zerschlugen diese und durchschnitten die Eisenbahnlinie Charkow-Poltawa. Am 12. August war die zweite Hauptstadt der Ukraine von Hitlertruppen gesäubert.
Die Rote Armee führte die Sommeroffensive in verschiedenen Richtungen und richtete gegen den Feind vernichtende Schläge, die sich zu einer einzigen Offensive an der ganzen Front von Nord-Bjelorussland bis zur Taman-Halbinsel ausweiteten. Die Truppen der Steppenfront rückten unter Kämpfen gegen Poltawa vor und befreiten die Stadt einen Monat nach der Einnahme von Charkow.
Im Südosten bildeten die Stadt Taganrog sowie die beiden Flüsse Mius und Nördlicher Donez starke Verteidigungsstellungen der Deutschen. Diese hielten die Miusstellung für uneinnehmbar. Auch diese überaus starke deutsche Verteidigungslinie wurde Ende August durchbrochen. Die sowjetische Luftwaffe, die die angreifenden Truppen deckte und Breschen in die deutschen Stellungen schlug, spielte dabei eine bedeutende Rolle.
In die Bresche der Miusfront strömten Kubankosaken und Panzerverbände. Sie erschienen im tief im Rücken der deutschen Armeegruppe in Taganrog und schnitten ihr den Rückzugsweg längs der Küste ab. Der Versuch der Deutschen sich über das Meer zurückzuziehen, wurde durch die sowjetische Luftwaffe vereitelt. Am 30. August 1943 wurde Taganrog befreit. Die Sowjettruppen schlossen hier sechs Infanteriedivisionen sowie eine Luftwaffen-Felddivision und eine Panzerdivision ein und erschlugen sie. Allein an Toten verlor der Gegner 35 000 Mann. Der glänzende Sieg der sowjetischen Armee bei Taganrog bedrohte die gesamte feindlich Armeegruppe am Donez. Die Truppen der sowjetischen südlichen Front tauchten in ihrer Flanke auf. Gleichzeitig begannen die Truppen der Südlichen und Südwestlichen Front Anfang September den Kampf um die Befreiung des Donezbeckens. In dieser Schlacht zeigten die sowjetischen Truppen einen besonderen Angriffsschwung und große Beweglichkeit. Sie drangen tief in den Rücken des Gegners ein und umgingen geschickt alle Stützpunkte der feindlichen Verteidigung. Der Gegner befürchtete eine Einkesselung und zog sich zurück. Am 8. September 1943 wurde die Gebietshauptstadt Stalino eingenommen und damit die Hauptstütze des feindlichen Widerstandes gebrochen.
Das überaus wichtige, wenn auch durch die Hitlertruppen stark zerstörte Industrie- und Kohlenrevier wurde dem Sowjetland zurückerobert.
Bei der Offensive der Roten Armee im Sommer 1943 zeichneten sich im Süden die Matrosen der Asowschen Flottille aus. Sie nahmen an der Eroberung von Taganrog, Ossipenko und des bedeutenden Hüttenzentrums und Hafens Mariupol energisch teil.
Im Nordabschnitt der Offensive rechnete die deutsche Führung, die unter den Schlägen der Roten Armee in die Defensive gezwungen worden war, die Sowjettruppen an der Desna aufzuhalten, deren waldiges und sumpfiges Ufergelände für den Angriff große Schwierigkeiten bot.
Die Truppen der Zentralfront unter dem Befehl von Marshall der Sowjetunion Rokossowskij rückten unaufhaltsam vor, überschritten die Desna und setzten sich am 16. September in den Besitz der Stadt Nowgorod-Sewerskij. Das war die erste Bresche, die in die deutsche Verteidigungsstellung längs des Flusses geschlagen wurde. Am nächsten Tag überschritten die Truppen der Brjansker Front ebenfalls die Desna, aber bereits ihren Oberlauf. Sie führten ein Umgehungsmanöver durch, nahmen Brjansk und Beshiza ein und schlugen damit eine zweite Bresche in die deutsche Verteidigungsstellung längs der Desna.
Am 21 September nahmen Rokossowskijs Truppen Tschernigow ein. Der Oberste Befehlshaber beglückwünschte die Truppen zu diesem Sieg und schrieb: „…Der deutsche Plan, den Angriff unserer Truppen am Desnafluss aufzuhalten, darf als gescheitert betrachtet werden.“Und in der Tat, nach der Befreiung von Tschernigow waren die Sowjettruppen in kaum einer Woche im Besitz des gesamten Laufs der Desna und rückten zum linken Dnjeprufer vor.
Ende August 1943 gingen die Truppen der Westlichen Front in Richtung Smolensk zum Angriff über. Das mit mächtigen Verteidigungsstellungen gespickte Vorfeld von Smolensk wurde von den Deutschen das „Tor von Smolensk“ genannt. Dieses „Tor“ ging bereits zu Beginn der Offensive der Roten Armee verloren. Am 25. September nahmen die sowjetischen Truppen Smolensk im Sturm, nachdem die den Dnjepr überquert hatten. Nur am Oberlauf des Dnjepr gelang es den Deutschen, einen kleinen Brückenkopf am linken Ufer, östlich Orscha und Shlobin bis zur Mündung des Soshflusses in der Dnjepr, zu behaupten.
Gleichzeitig wurde von den Sowjettruppen eine glänzende Operation im Süden durchgeführt, wo der von den Deutschen für eine längere Verteidigung ausgebaute Kubanbrückenkopf die weitere Entwicklung der Offensive der Roten Armee behinderte. Der deutsche Kubanbrückenkopf stellte eine Bedrohung für den Kaukasus dar, hinderte gleichzeitig die Sowjettruppen daran, die Krim über die Meerenge von Kertsch hinweg aus dem Osten anzugreifen und versperrte den sowjetischen Schiffen den Weg aus dem Schwarzen in das Asowsche Meer. Das sowjetische Kommando beschloss, diesen deutschen Dorn zu ziehen und die Okkupanten in Meer zu werfen. Der südliche Frontabschnitt verlief durch die Stadt Noworossijsk, die sich in den Händen der Deutschen befand. Die Hauptkampflinie zog sich über das Gelände der Zementwerke. Die sowjetische Artillerie hielt die Zemesskajabucht unter Feuer und machte es den Deutschen unmöglich, den Hafen von Noworossijsk zu benutzen. An der Küste der Zemesskajabucht, nördlich von Noworossijsk, behaupteten die Sowjettruppen einen kleinen Brückenkopf auf Myszchako, der von den Matrosen „Kleines Land“ genannt wurde. Dieser Brückenkopf wurde im Frühjahr 1943 durch ein kühnes Landungsunternehmen der Marineinfanterie, mit Major Cäsar Kunikow an der Spitze, erobert. Bei der Behauptung de sBrückenkopfes von Myszchako spielte die Schwarzmeerflotte die Hauptrolle.
Der Hauptschlag der Sowjettruppen war gegen Noworossijsk gerichtet. Der Plan für die Eroberung der Stadt und des Hafens war verwegen. Ein Landungstrupp sollte durch die Zemesskajabucht von See aus in die Stadt eindringen, während die Landstreitkräfte die deutsche Verteidigung zu Lande durchbrechen sollten.
Über 100 Schiffe nahmen an der Landungsoperation teil. Die Stärke des Landungstrupps betrug etwa 6000 Mann, die über 40 Geschütze, 105 Granatwerfer und 53 Maschinengewehre verfügten. Die Flotte wurde durch Luftwaffe (200 Flugzeuge) und Artillerie (200 Geschütze) unterstützt.
Der Hafen war durch die Deutschen stark befestigt. Die Einfahrt war durch Stahltrossen gesperrt. Nach einer Vorbereitung durch Artillerie und Luftwaffe brachen die Landungstruppen in der Nacht vom 9. Zum 10. September durch eine Feuerwand hindurch in den Hafen ein. Das war eine schwierige Operation. Als erster drang der Kutter unter dem Befehl des Kommunisten Leutnant Krylow in die Bucht ein. Die Truppen landeten an drei Stellen des Hafens, und es entspannen sich verlustreiche Kämpfe. Eine Handvoll der Gelandeten, die nur mit leichten Waffen ausgestattet waren, wies heldenmütig fünf Tage lang die zahllosen von Panzern unterstützten Angriffe des Gegners ab. Die Kämpfer gaben ihr Leben hin, um ihren Kameraden den Weg zu bahnen. In der Nacht zum 11. September gelang es, Verstärkungen in Höhe von 2600 Mann zu landen. Der Erfolg dieser Operation gab den Ausschlag.
Sowjetinfanterie im Angriff
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Einheiten der Schwarzmeerflotte
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Landungstruppen fingen die ganze Wucht des Schlages der deutschen Garnison auf, bis die Infanterie und die Panzer des Generals Lesselidse in die Stadt eingedrungen waren.
Die Lage der Landungstruppen wurde leichter. Nach den schweren Kämpfen wurde der Gegner zerschlagen, und am 26. September war Noworossijsk völlig feindfrei. Die Sowjettruppen rückten in eine tote Stadt ein. Die Einwohner waren von den Deutschen aus der Stadt vertrieben und zurückgebliebene umgebracht worden.
Die Einnahme von Noworossijsk war der Auftakt zur Vernichtung der Gesamten deutschen Taman-Gruppe. Am 22. September wurde Anapa, am 27. September Temrjuk eingenommen. Einen Monat nach Beginn des Sturms auf Noworossijsk wurde die Zerschlagung der gesamten Taman-Gruppe des Feindes abgeschlossen.
5. Die Überquerung des Djepr
Die von dem Willen des Obersten Befehlshabers gelenkten Truppen der vier Fronten – der Zentral-, Woronesh-, Steppen- und Südwestfront-erreichten in der zweiten Hälfte des Monats September fast gleichzeitig des Dnjepr und besetzten den Mittellauf etwa 700 km des linken Ufers.
Es war bereits das vierte Wasserhindernis, das von den Sowjettruppen bei ihrer Sommeroffensive zu überwinden war. Der Dnjepr ist in seinem Mittel- und Unterlauf 500 bis 600 m breit. Der Gegner sprengte alle Brücken und vernichtete alle Fähren. Er hielt das gut befestigte rechte Steilufer besetzt. Die deutsche Luftwaffe schwebte ständig über den Sowjettruppen. Die Nazis versuchten ihre Soldaten davon zu überzeugen, dass ihr Rückzug auf das andere Dnjeprufer die Folge einer planmäßigen Absetzbewegung zur Verkürzung der Frontlinie sei. „Die Ostfront ist jetzt fester den je“, versicherte der faschistische Rundfunk Anfang Oktober, „die deutschen Truppen haben, wie vorgesehen, die entsprechenden Stellungen auf dem Westufer des Dnjepr bezogen, wobei sie nur geringe Verluste erlitten haben.“ Die deutschen Soldaten hofften, dass ihnen endlich eine Ruhepause gegönnt würde. Aber nicht nur die deutschen Soldaten, sondern auch viele ihrer Offiziere und Generale fühlten sich in Sicherheit, als zwischen den sowjetischen und deutschen Truppen der wasserreiche Dnjepr lag. Hitler forderte von den Generalen, die Dnjeprlinie um jeden Preis zu halten.
Die deutschen Offiziere und Generale kamen gar nicht auf die Idee, dass die Rote Armee den Versuch machen würde, ohne Pontons den Fluss zu überqueren. Die Sowjettruppen warteten jedoch das Eintreffen der Pontons gar nicht erst ab und begannen, unerwartet für den Gegner, mit Hilfsmitteln, d.h. mit allem, was sie gerade bei der Hand hatten, überzusetzen. Gerade durch diese Verwegenheit, die sich mit der alten Kriegswissenschaft nicht in Einklang bringen ließ, wurden Brückenköpfe an drei Stellen: nördlich von Kiew, südlich von Perejaslawl und südöstlich von Krementschug geschaffen.
Das Übersetzen des mechanisierten Korps von General Korschagin, heute (1947) Held der Sowjetunion, ging so vor sich: In der Nacht zum 24. September begann das Übersetzen eines Motorschützenbataillons unter dem Kommando von Oberleutnant Moskwin. Als erstes Boot stieß das des Sergeanten Waliulin vom Ufer ab. Eine Gruppe von 45 Mann landete trotz gegnerischen Feuers und wurde sofort in einen Kampf verwickelt. Im Laufe der Nacht wurde das ganze Bataillon mit einer Pak, zwei Panzerbüchsen, einem schweren Maschinengewehr und zwei leichten Maschinengewehren übergesetzt. Mit diesen Waffen erkämpfte das Bataillon einen Uferstreifen von 200 m Länge. Verstärkung kam erst in der Nacht.
Als das ganze Korps übergesetzt war, hielt es zunächst einen Streifen von 4-5 km Länge und 1,5 km Tiefe besetzt, vermochte aber den Brückenkopf im Laufe der Kämpfe zu erweitern.
Die Lage der kleinen Abteilungen und Verbände der Sowjettruppen auf dem rechten Dnjeprufer war schwierig. Die Deutschen fielen über sie her. Die eroberten Fleckchen Boden mussten um jeden Preis gehalten und Verstärkungen abgewartet werden, um weiter vorzurücken. Von der motorisierten Brigade unter dem Befehl von Oberst Artamonow überquerte zunächst eine Gruppe von 37 Mann den Dnjepr; am nächsten Tag traf Verstärkung ein, und die Gruppe bestand bereits aus 180 Mann; auch 82-mm-Granatwerfer wurden hinübergeschafft. Einen Tag später brachte man drei Geschütze und zwei Panzer hinüber. Erst danach gelang es, einen Übersetzverkehr einzurichten und die ganze Brigade überzusetzen. Nach einigen Tagen wurde auf dem gleichen Wege fast eine ganze Armee auf das andere Dnjeprufer übergesetzt.
Der Heldenmut der sowjetischen Krieger, ihre Standhaftigkeit und Zähigkeit in der Abwehr, sowie die Kriegskunst der sowjetischen Offiziere und Generale trugen den Sieg davon. Die sowjetischen Brückenköpfe am rechten Dnjeprufer wurden erweitert. Am 29. September wurde Krementschug genommen. Am 19. Oktober durchbrachen die Truppen der 2. Ukrainischen Front, nachdem sie Panzerkräfte und Artillerie nachgezogen hatten, die deutsche Verteidigung und besetzten die Station Pjatichatka, erweiterten darauf den Brückenkopf am rechten Ufer beträchtlich, erschienen tief im Rücken der ganzen gegnerischen Armeegruppe im Raum von Dnjepropetrowsk und nahmen die Stadt Dnjepropetrowsk ein.
Bei der Überquerung des Dnjepr taten sich Zehntausende sowjetischer Krieger – Soldaten, Sergeanten, Offiziere und Generale – hervor und wurden von der Regierung durch Orden ausgezeichnet. Fast 2000 Mann, die den Tapferen voranschritten, die als erste den breiten Dnjepr überquerten und dem Feind Gelände auf dem rechten Ufer entrissen, die durch ihr persönliches Beispiel, ihren Mut und ihre Kriegskunst den Sieg gewährleistet hatten, wurden des hohen Titels „Held der Sowjetunion“ für würdig befunden.
6. Niederlage im Vorfeld der Krim
Während am Mittellauf des Dnepr die Kämpfe um seine Überquerung in Gange waren, versuchten die Deutschen weiter südlich den Angriff der Roten Armee an der Stellung Molotschnajafluß-Melitopol zu halten. Hier hatten sie außerordentlich starke Verteidigungsanlagen, die sich vom Dneprbogen bei Saporoshje bis zum Asowschen Meer erstreckten, geschaffen und eine gewaltige Menge Kriegsmaterial zusammengezogen. Die Verteidigungsstellung längs des Molotschnajaflusses war noch stärker als die Miusstellung. Die deutschen Truppen erhielten den Befehl, bis zum letzten Soldaten zu kämpfen.
Die Nazis warfen alle ihre Reserven in den Kampf. Von der Krim zogen sie ihre Truppen heran. Die deutsche Luftwaffe flog je 1000 Feindeinsätze täglich. Die sowjetischen Flieger unter dem Befehl des Helden der Sowjetunion Generaloberst der Luftwaffe Chrjukin bekämpften diese erfolgreich. Nach der Überwindung des erbitterten feindlichen Widerstandes drangen die sowjetischen Truppen des Generals Kreiser am 13. Oktober in Melitpol ein. Zehn Tage lang dauerten die Straßenkämpfe an, bei denen nicht nur um jedes Haus, sondern auch um jedes Stockwerk gekämpft wurde.
Am 23. Oktober 1943 war die Stadt Melitopol nach erbitterten Kämpfen feindfrei. Der Gegner hatte eine überaus wichtige strategische Verteidigungsstellung im Vorfeld der Krim und des Dnjeprunterlaufs verloren. Die Einnahme von Melitopol wurde dadurch beschleunigt, dass sowjetische Panzer- und Kavallerieverbände südlich der Stadt in den Rücken des Gegners durchgebrochen waren und dass am 14. Oktober die Stadt Saporoshje befreit wurde. Die Einnahme von Saporishje sicherte die rechte Flanke der 4. Ukrainischen Front und nahm den Deutschen die Möglichkeit, die auf Melitopol vorrückenden Truppen in der Flanke anzugreifen.
Nachdem sie bei Melitopol einen Sieg errungen hatten, wandten sich die Sowjettruppen nach dem Süden – zur Landenge von Perekop und nach dem Westen – zum Dnjepr. In wenigen Tagen rückten sie um 150 km vor und brachten unterwegs reiche Beute an Kriegsmaterial ein. Panzertruppen und Kosakenverbände stießen das Tor zur Krim auf, brachten die Landenge von Perekop sowie einen Teil des Türkischen Walls in ihren Besitz und erschienen vor Armjansk. Die Rückzugswege der deutschen Truppen aus der Krim waren durchschnitten und die feindliche Kräftegruppe auf der Krim von ihrer südlichen Gruppe am rechten Dnjeprufer isoliert. Die sowjetischen Infanteristen überquerten den Siwasch. Gleichzeitig trieben die Gardisten des Generals Sacharow den Gegner nach dem Westen, rückten zum Dnjepr vor und nahmen Kachowka.
Der Unterlauf des Dnjepr war bis auf den Brückenkopf von Nikopol vom Gegner gesäubert. Die feindlichen Truppen auf der Krim waren abgeschnitten und konnten nur auf dem See- oder Luftwege versorgt werden.
Der Organisator des Durchbruchs der deutschen Stellung südlich von Melitopol war Marschall der Sowjetunion Wassilewskij, der Vertreter des Hauptquartiers bei der 4. Ukrainischen Front. General Wassiljew, der sich bei der Durchführung dieser Operation am meisten ausgezeichnet hatte, erhielt den Titel „Held der Sowjetunion“.
7. Die Befreiung von Kiew
Im Oktober 1943 trat der Kampf um den Dnjepr in ein neues Stadium ein. Im Brennpunkt der Kämpfe stand die Hauptstadt der Ukraine, Kiew.
Ein Frontalangriff gegen die Stadt vom Osten her wäre überaus schwierig gewesen. Ein solcher Angriff hätte viele Opfer gekostet. Nachdem eine Reihe von Ortschaften, die Kiew vom Osten deckten, genommen worden war, bereitete das sowjetische Kommando den Hauptschlag vom Norden her vor. Anfang November 1943 traten die Truppen der 1. Ukrainischen Front unter Befehl des Generals Watutin zum Kampf um die Stadt Kiew an. Gleichzeitig drang ein größerer Panzerverband des Generals Rybalko längs des Flusses Irpen vor, um Kiew zu umgehen. Das Vorrücken der Panzerverbände war so ungestüm, dass die Deutschen nicht einmal die Brücken über den Fluss sprengen konnten. Nachdem sie einige deutsche Divisionen zerschlagen hatten, tauchten die sowjetischen Panzer im Rücken von Kiew auf. Nördlich von Kiew operierten erfolgreich die Panzerverbände des Generals Krawtschenko. Am 5. November wurden alle wichtigen Eisenbahnlinien und Ausfallstraßen von Kiew durchschnitten. Der Gegner konnte sich nur in südlicher Richtung zurückziehen. Die Lage der deutschen Truppen wurde hoffnungslos. Am Stadtrand wurde gekämpft.
In der Nacht vom 5. Zum 6. November steckten die Deutschen die Stadt in Brand, sprengten und vernichteten die großen Gebäude. Der Feuerschein der Brände war bereits von weitem zu sehen. Die Ausfallstraßen waren mit vernichtetem Material des Gegners sowie mit Tausenden von Leichen seiner Soldaten und Offiziere übersät. Im Morgengrauen des 6. November 1943 wurde Kiew gestürmt. Unter Zurücklassung des Kriegsmaterials strömten die zerschlagenen deutschen Verbände längs des Dnjepr nach dem Süden.
Zusammen mit den Truppen der Generale Moskalenko und Tschernjachowskij, den Panzermännern der Generale Rybalko und Krawtschenko zeichnete sich bei diesen Kämpfen die tschechoslowakische Brigade aus, die mit dem Suworow-Orden ausgezeichnet wurde.
Während der Festsitzung des Moskauer Sowjets anlässlich des 26. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wurde in Moskau für die heldenmütigen Truppen, die Befreier von Kiew, Salut geschossen.
Die Bedeutung der Kiewer Operation, bei der das Kommando der Front ein kühnes Umgehungsmanöver durchführte, war äußerst groß. „Mit der Einnahme von Kiew wurde durch unsere Truppen ein überaus wichtiger und günstiger Brückenkopf am rechten Dnjeprufer gewonnen, der für die Vertreibung der Deutschen aus der Ukraine rechts des Dnepr von großer Bedeutung ist“, so hieß es im Befehl des Obersten Befehlshabers.
Der Sommerfeldzug der Roten Armee im Jahre 1943 wurde von glänzenden Siegen gekrönt.
8. Die Angriffspläne in der Ukraine rechts des Dnjepr und in Bjelorussland
Nach der Einnahme von Kiew begannen die Truppen der 1. Ukrainischen Front unverzüglich eine neu grandiose Schlacht um die Säuberung der Ukraine rechts des Dnjepr. Der Angriff wurde in Richtung Shitomir im Süden und Korosten im Nordwesten geführt. Eine Woche nach der Befreiung von Kiew wurde Shitomir und einige Tage später Korosten und Owrutsch genommen. Die letztere Stadt wurde von den Partisanen besetzt: diese durchschnitten die Eisenbahnlinie Owrutsch-Korosten, überfielen die Stadt und warfen die feindliche Garnison hinaus.
Im Laufe einer Woche waren die Truppen von Kiew aus weitere 120-130 km nach Westen vorgerückt.
Nach der Einnahme von Kiew waren einige Tage vergangen, und der Kiewer Brückenkopf war von den Truppen der 1. Ukrainischen Front bis zu 400 km in die Breite und 130 km in die Tiefe erweitert worden. Der Durchbruch der Sowjettruppen in Richtung Shitomir war für die Deutschen besonders gefährlich, da ihre gesamte Heeresgruppe rechts des Dnjepr bedroht wurde. Die Deutschen beschlossen, die Situation durch einen Gegenangriff zu retten und führten ihn Mitte November von Fastow und Korosten aus, wobei sie versuchten, die Truppen der 1. Ukrainischen Front an den Flanken zu fassen, zu vernichten und Kiew zurückzuerobern. Bei der Offensive wurden von den Deutschen starke Panzer- und Infanteriekräfte, „Tiger“ und „Panter“ eingesetzt.
Die Sowjettruppen fingen den feindlichen Ansturm tapfer auf. Die Artilleristen rissen große Lücken in die anstürmenden Panzerkolonnen der Deutschen. Eine einzige Batterie setzte an einem Tag 11 Panzer und 28 Panzerwagen außer Gefecht.
Das Hitlerkommando erreichte das gesteckte Ziel nicht. Nach 40tägigen erbitterten Angriffskämpfen waren die deutschen Truppen nicht mehr als 60 km vorgerückt. Auf Befehl des Kommandos gaben die Sowjettruppen Shitomir und Korosten vorübergehend auf. Nachdem es sein Material und seine Menschen verbraucht hatte, war das Hitlerkommando gezwungen, den Angriff einzustellen.
Um den deutschen Ansturm auf Kiew zu stoppen und neue Brückenköpfe für ihre Offensive zu schaffen, führte die Rote Armee während dieser Verteidigungskämpfe nördlich und südlich der deutschen Angriffsfront zwei starke Stöße gegen die Deutschen.
Nördlich des Frontabschnittes, an dem die Hitlertruppen angriffen, nahmen die Truppen der Bjelorussichen Front auf dem rechten Dnjeprufer die Stadt Retschiza ein und befreiten gleich darauf Gomel (26. November), die zweitgrößte bjelorussische Stadt. Damit wurde die Befreiung Sowjet-Bjelorusslands begonnen. Im Dezember 1943 traten die Sowjettruppen auch in Richtung Witebsk zum Angriff an. Am 1. Januar 1944, am 25. Jahrestag der Errichtung der Sowjetmacht in Bjelosrussland, schrieben das ZK der KPdSU (B) und der Rat der Volkskommissare der UdSSR in ihrer Begrüßungsbotschaft an die Werktätigen Bjelorusslands:„Die Zeit ist nicht mehr fern, da die Rote Armee die Säuberung Sowjet-Bjelorusslands vom Feind vollenden und das bjelorussische Volk aus der deutschen Sklaverei befreien wird.“
Am 14. Januar befreiten die Sowjettruppen die bjelorussische Gebietshauptstadt Mosyr und den Eisenbahnknotenpunkt Kalinkowitschi. Die faschistischen Eindringlinge waren bereits aus einem bedeutenden Teil Bjelorusslands verjagt.
Südlich des Frontabschnitts, an dem die Deutschen ihren Gegenstoß führten, zerschlugen die Truppen der 2. Ukrainischen Front eine größere deutsche Kräftegruppe in der Nähe der Eisenbahnstation Snamenka. In ungestümem Tempo griffen die Sowjettruppen in Richtung Kirowograd an. Mitte Dezember war Tscherkassy befreit. Dadurch wurde auf dem rechten Dnjeprufer ein Brückenkopf erkämpft, der sich über 300 km von Tscherkassy bis Saporoshje erstreckte.
Auf diese Weise hatten die Deutschen im Raum von Kiew nichts gewonnen, wohl aber sowohl in Bjelorussland als auch in der Ukraine eine Schlappe erlitten.
Aber auch im Kiewer Frontabschnitt wurde den Deutschen keine Ruhegegönnt. Nachdem sie die feindlichen Angriffe zurückgewiesen und den Gegner stark mitgenommen hatten, gingen die Sowjettruppen zum Gegenangriff über und durchbrachen die feindliche Front. Im Laufe von sechs Tagen wurde der Durchbruch bis auf 300 km erweitert. 8 deutsche Panzer- und 14 Infanteriedivisionen wurden zerschlagen.
Am 31. Dezember 1943 wurde Shitomir wieder eingenommen, Anfang Januar 1944 die Städte Nowograd-Wolysnk, Bjelaja Zerkow, Berditschew und Sarny. Südlich von Polessje wurde ein tiefer Keil in die deutsche Front getrieben.
9. Die Hilfe der Partisanen für die Rote Armee
Bei der Offensive leistete die Partisanenbewegung, genauso wie bisher, der sowjetischen Armee eine große Hilfe.
Die Zahl der Partisanen in der Ukraine, in Bjelorussland, in den Gebieten von Smolensk, Orel und in anderen von den Deutschen besetzten Gebieten hatte sich bis zum Jahre 1943 vervielfacht. Die Partisanen zogen die Massen der Bevölkerung, die unter dem Joch der faschistischen Eindringlinge ächzten, zum aktiven Befreiungskampf heran. Die Organisation der Partisanenbewegung wurde besser: die kleinen Abteilungen schlossen sich zu größeren zusammen, und auf dieser Grundlage wurden Partisanenbrigaden geschaffen, die von kriegserprobten Kommandeuren geführt wurden. Die Partisanenabteilungen operierten schickt in der Nähe der Großstädte und auf dem flachen Land und unterbrachen für längere Zeit den Verkehr auf den wichtigen Straßen und Eisenbahnstrecken.
Sowohl in Bjelorussland auch im Bezirk von Brjansk und bei Leningrad (heute St. Petersburg) gab es „Partisanengebiete“, die Dutzende und Hunderte von Ortschaften umfassten. Im Rücken der Deutschen waren Organe der Sowjetmacht tätig, wurden Partisanenzeitungen herausgegeben. Die Bevölkerung war bestrebt, die Sowjetregierung in ihren Kampf gegen die Okkupanten auf jede Weise zu unterstützen. Mit Hilfe der Partisanen brachte die Bevölkerung des Orelgebietes 29 Millionen Rubel auf und stiftete sie für die Ausrüstung einer Panzerkolonne.
Einige Monate vor Beginn der deutschen Offensive im Raum Orel-Kursk erließ das deutsche Kommando den Befehl, die Wälder „durchzukämmen“, um den Rücken zu sichern. Es wurden zahlreiche Strafexpeditionen mit Panzern ausgesandt, denen es jedoch nicht gelang, die Tätigkeit der Partisanen lahmzulegen. Als die sowjetische Offensive begann, vernichteten die Partisanen innerhalb von sechs Tagen 9 Transportzüge, 8 Lokomotiven, 228 Waggons, 29 Kraftwagen des Gegners und fügten ihm beträchtliche Verluste an Menschen bei.
In der von den Eindringlingen befreiten Stadt Orel wurde eine Kundgebung und Parade der Partisanen veranstaltet. In den Kolonnen der Volksrächer, die an der Tribüne vorbeidefilierten, waren sieben „Helden der Sowjetunion“, 1677 Orden- und Medaillenträger sowie 1516 Träger der Medaille „Dem Partisan des Vaterländischen Krieges“.
Unter den Kommandeuren der Partisanenabteilungen ragte der Held der Sowjetunion Filipp Strelez durch seine Unerschrockenheit und Erfahrung hervor. Nach dem Tode von Streletz wurde eine der Abteilungen nach ihm benannt. Im Gebiet von Brjansk war der Organisator der Partisanenbewegung, der Kommunist Krawzow, allgemein bekannt. Nach dem Heldentod von Krawzow wurde die Partisanenbrigade unter dem Befehl des Helden der Sowjetunion Michail Duka nach ihm benannt.
Die bjelorussische Partisanenarmee zählte im Jahre 1943 über 300 000 Mann. In den Tagen der Offensive der Roten Armee erleichterten die Partisanen ihr Vorrücken, indem sie im feindlichen Hinterland zehntausende von Kilometern von Gleiswegen außer Betrieb setzten und damit die zurückweichenden deutschen Verbände der Verkehrsmittel beraubten. Im Gebiet von Baranowitschi sprengten die Partisanen in zwei Nächten 11 000 Schienen und setzten vier Eisenbahnstrecken außer Betrieb.
Eine unschätzbare Hilfe leisteten die Partisanen den Sowjettruppen bei der Überquerung von Wasserläufen. Eine der Abteilungen eroberte im Einvernehmen mit dem Kommando der Roten Armee einen Stützpunkt am rechten Desna-Ufer und organisierte mit Hilfe der für diesen Zweck vorbereiteten Boote und Flöße den Übersetzverkehr für die Truppen.
Mit Hilfe der Partisanen und der Örtlichen Bevölkerung gelang es den Truppen des Generals Tschernjachowskij, sich überraschend für den Feind über den Dnjepr zu setzen. Im Laufe einer Nacht wurde die ganze Division auf das rechte Ufer gebracht, die bereits bis zum Morgen einen Brückenkopf bis zu 30 km besetzte. Einige Truppenteile rückten zum Dnjepr mit Flussfahrzeugen vor, die von der örtlichen Bevölkerung mit Ochsen und Pferden befördert wurden. Andere Partisanenabteilungen halfen bei der Überquerung des Dnjepr bei Perejaslawl.
Die Partisanen eroberten bei den Deutschen wichtige strategische Punkte und hielten diese bis zum Heranrücken der angreifenden sowjetischen Verbände. Die Partisanenabteilung, die den Namen Woroschilows trug und im Raum von Wilejka operierte, umzingelte die starke Garnison eines deutschen Stützpunktes. Die herangeeilten regulären Truppenteile vernichteten den feindlichen Stützpunkt.
Die Partisanen retteten die sowjetische Zivilbevölkerung vor dem Schrecken der Sklaverei und vor Ausrottung, entrissen den Hitlerleuten Sowjetmenschen, die nach Deutschland getrieben wurden, befreiten Häftlinge und gaben den Beraubten ihr Eigentum wieder.
Der Partisanenverband des Helden der Sowjetunion Naumow befreite bei einem Streifzug durch das Hinterland der deutschen Front 2000 Zivilisten aus der faschistischen Sklaverei und gab der Bevölkerung 1 Million Pud Getreide wieder. Die Partisanen des Orelgebietes entrissen den Deutschen 30 000 Zivilisten, die von den Nazis in die Sklaverei nach Deutschland getrieben wurden.
Anfang 1943 wurde 25 besonders verdienten Partisanen der Titel eines „Helden der Sowjetunion“ zuerkannt. Im Laufe des Jahres wurden über 40 Personen, darunter den heldenmütigen Partisanen Bjelorusslands, der Ukraine und des Leningrader (heute St. Petersburger) Gebietes, die gleiche Auszeichnung zuteil. Vielen Partisanenführern wurde der Generalsrang zuerkannt, so z.B.: M. Duka, A. Fjodorow, Kowpak, Naumow, Tschernyschow und anderen.
Den hervorragenden Volkshelden, Organisatoren und Führern der Partisanenbewegung in der Ukraine, S.A. Kowpak und A.F. Fjodorow, wurde der Titel eines „Helden der Sowjetunion“ zweimal zuerkannt.
Zu der Zeit, da die Deutschen ihre Offensive auf Kursk vorbereiteten, wurde das deutsche Kommando plötzlich alarmiert: in der Westukraine tauchte ein kampfstarker Verband ukrainischer Partisanen unter dem Befehl von S.A. Kowpak auf.
Die Partisanenführer S.A. KOWPAK (rechts) und P. WERSCHIGORA (links)
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Kowpak war Teilnehmer des ersten Weltkrieges gewesen. Den ganzen Bürgerkrieg hatte er an den Fronten verbracht. Vor dem Einrücken der Deutschen war er Vorsitzender des Sowjets in dem kleinen ukrainischen Städtchen Putiwl. Im September 1941 nahm Kowpak mit einer Handvoll Patrioten die Partisanentätigkeit auf. Es waren ihrer etwa 40 Mann. Ihnen schloss sich S.W. Rudnew mit einer Gruppe von 20 Mann an und wurde Kommissar der Abteilung. Die anfangs 60 Mann zählende Kowpak-Abteilung wuchs zu einer mächtigen Kraft an. Im Jahre 1942 weilte Kowpak zusammen mit anderen Partisanenkommandeuren zum Empfang bei Stalin in Moskau. Dort wurde die Idee eines Streifzuges durch die Ukraine rechts des Dnjepr vorgebracht. Im Juni 1943 unternahm Kowpaks Verband sienen verwegenen Streifzug, dessen Ziel darin bestand, das Volk zum Kampf gegen die faschistischen Eindringlinge sich erheben zu lassen und einen Schlag gegen die feindlichen Nachschublinien zu führen. Kowpaks Verband durchquerte ein Gebiet nach dem anderen. Die Kunde von den Partisanen flog durch die ganze Ukraine und durch Polen. Während der Schlacht um Kursk setzten die Partisanen die Haupteisenbahnlinie, über die deutsche Reserven nach dem Osten rollten- Lwow-Tarnopol-Proskurow-Shmerinka-, außer Betrieb und zwangen die Deutschen, ihre Züge über rumänien und Odessa zu leiten. Die Partisanen vernichteten einige Eisenbahnstationen, 41 Erdölbohrtürme, 13 Erdöllager und 3 Erdölraffinerien. In den Karpaten führten die Kowpak-Abteilungen einen Vernichtungskrieg. Die Deutschen setzten Truppen aus Galizien und Ungarn gegen die Partisanen ein. Die Partisanenabteilungen durchbrachen den Ring und kehrten in die Ukraine zurück. Während dieses heroischen Streifzuges fiel der Kommissar der Abteilung, Held der Sowjetunion S. W. Rudnew. Auf dem Rückweg aus den Karpaten durchschnitten die Partisanen die Strecke Sarny-Korosten, eroberten die Eisenbahnstation Olewsk und hielten sie drei Wochen, bis reguläre Sowjettruppen herangerückt waren. Der Karpatenstreifzug Kowpaks war eine der glänzendsten Operationen der sowjetischen Partisanen.
Eine Partisanenabteilung im Raum von Kiew. März 1943
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Einen genauso kühnen Streifzug unternahm der Held der Sowjetunion A.F. Fjodorow. Sein Verband marschierte von Tscherigow bis Brest-Litowsk. Während des Streifzugs wurden etwa 700 deutsche Transportzüge vernichtet sowie Dutzende von Eisenbahnbrücken gesprengt. Die Nachschubwege der Deutschen im Gebiet von Brest, Rowno, Kiew und Minsk wurden zerstört. Die sowjetischen Partisanen zwangen die Deutschen, ihre Transporte auf Umwegen über die Tschechoslowakei und Rumänien zu leiten.
Die Partisanenabteilungen entwickelten sich zu einer für die Okkupanten bedrohlichen Macht.
10. Die weitere Festigung der Anti-Hitler-Koalition
Die Erfolge der Roten Armee bei Stalingrad sowie die Erfolge der Sommeroffensive 1943 hatten den gesamten weiteren Verlauf des Weltkrieges geändert und große internationale Bedeutung erworben. Die Rote Armee, die auch weiterhin die Hauptkräfte Deutschlands fesselte, hat diese bereits gründlich geschwächt. Die Alliierten verstanden es, diese Situation auszunutzen. Nachdem sie im Mai 1943 die italienisch-deutschen Truppen in Tunis geschlagen und ganz Afrika gesäubert hatten, trugen sie den Krieg auf italienischen Boden. Am 10. Juli, während der Schlacht um Kursk, landeten alliierte Streitkräfte im Süden von Sizilien, das bald darauf völlig gesäubert wurde. Anfang September eroberten die alliierten Truppen Süditalien und später Neapel. Das faschistische Italien erlitt einen militärischen und politischen Zusammenbruch. Die italienische Regierung des Marshalls Badoglio kapitulierte Anfang September 1943 bedingungslos. Die italienische Kriegsflotte und Luftwaffe wurden an die Alliierten ausgeliefert. Die italienischen Häfen und Flugplätze wurden für den Kampf gegen die deutschen Truppen benutzt.
Unter dem Druck der Volksmassen erklärte die italienische Regierung am 13. Oktober 1943 Deutschland den Krieg. Auf diese Weise verlor Deutschland seinen Hauptverbündeten in Europa. Das war ein schwerer Schlag gegen die Hitlerkoalition. In den besetzten Ländern, besonders in Frankreich und auf dem Balkan, verstärkte sich die Befreiungsbewegung. In Jugoslawien wurde im Dezember 1943 das Nationale Befreiungskomitee mit dem Marschall Jugoslawiens Josip Broz-Tito an der Spitze gebildet.
Die Säuberung Afrikas von den italienisch-deutschen Truppen und ihren Helfershelfern, den Truppen der faschistischen Vichy-Regierung, verstärke die Position des französischen Komitees für die Nationale Befreiung.
Durch die Siege der Roten Armee und die Politik der Sowjetunion war deren Autorität in den Augen der ganzen Welt unermesslich gestiegen. Das kam dem Wunsch einer Reihe von Staaten zum Ausdruck, die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion wieder aufzunehmen. In seiner Glückwunschbotschaft an M.I. Kalinin zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution brachte der USA-Präsident Roosevelt die allgemeine Begeisterung und Bewunderung für die Sowjetunion zum Ausdruck. Er schrieb: „Der Roten Armee und dem Volk der Sowjetunion gebühren Ehre und Ruhm für ewig. Sie schrieben in die Geschichte des Kampfes gegen die Tyrannei und die Unterdrückung unvergängliche Blätter. Ihr Vorbild und ihr Opfergeist beflügeln alle Kräfte, die im gemeinsamen Kampf um den Sieg vereint sind.“
Die Sowjetunion erwies den slawischen Brudervölkern- den Tschechoslowaken, Polen und Jugoslawen- bei der Organisation von Streitkräften für den Kampf gegen Hitlerdeutschland große materielle Hilfe. Die Sowjetregierung stellte der Tschechoslowakischen Republik Geldmittel und Kriegsmaterial zur Verfügung, mit deren Hilfe auf dem Territorium der UdSSR eine tschechoslowakische Brigade geschaffen, eingekleidet und mit sowjetischen Waffen ausgerüstet wurde. Schulter an Schulter mit den Sowjettruppen kämpfte sie tapfer an den Fronten des Großen Vaterländischen Krieges. Die Brigade wurde später zu einem Korps erweitert und bildete die Grundlage der Streitkräfte der tschechoslowakischen Regierung.
Im Dezember 1943 wurde ein Vertrag über Freundschaft, gegenseitige Hilfe und Nachkriegszusammenarbeit zwischen der UdSSR und der Tschechoslowakischen Republik unterzeichnet. Der Vertrag wurde für eine Frist von 20 Jahren abgeschlossen. Er schuf die Grundlage einer dauernden freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.
Anders entwickelten sich während der ersten Kriegsetappe die Beziehungen zur polnischen Emigrantenregierung. Die polnische Regierung, die mit Hilfe der Sowjetregierung auf sowjetischem Territorium eine 75 000 Mann starke Armee aufgestellt hatte, verletzte ihr Abkommen mit der Sowjetunion und brachte diese Armee, statt sie im gemeinsamen Kampf gegen die Deutschen einzusetzen, im Jahre 1942 nach Iran. Späterhin ist die feindselige Tätigkeit der polnischen Emigrantenclique gegen die Sowjetunion noch intensiver geworden. Die polnische Reaktion unterstützte die nazistische Verleumdungskampagne anlässlich der von den Hitlerleuten im Raum von Smolensk (Katyn P.R.)ermordeten polnischen Offiziere. Mit Unterstützung der polnischen Emigration versuchten die Nazis, dieses bestialische Verbrechen den sowjetischen Truppenteilen zuzuschieben. (Das wird bis heute noch gemacht. Die offizielle westliche Lesart ist bis heute, dass die polnischen Offiziere von sowjetischen Truppenteilen ermordet worden wären. Siehe auch Beiträge zum Thema vom befreundeten Blog „Sascha’s Welt“. Der FSB, der heutige russische Geheimdienst stellt klar, dass die Ermittlungsergebnisse der Nazis gefälscht sind. Angehörige der Opfer von Katyn klagten beim Europäischen Gerichtshof. Ihre Klage wurde abgewiesen. P.R.)Die Sowjetregierung brach ihre Beziehungen zu der reaktionären polnischen Regierung, die sich in London befand, ab, stellte aber die Unterstützung des polnischen Volkes nicht ein.
Die Sowjetunion setzte sich stets für Bildung eines starken, demokratischen und befreundeten Polens ein. Diese Politik wurde von allen demokratischen Elementen unterstützt, die um die Befreiung Polens kämpften. Polen, denen ihr Vaterland teuer war, schlossen sich in der UdSSR zum Bund polnischer Patrioten zusammen. Der Bund wandte sich an die Sowjetregierung mit der Bitte, ihn bei der Aufstellung einer demokratischen Armee zu unterstützen. Die sowjetische Regierung leistete bei der Organisation der polnischen Division „Tadeusz Kosciusko“ und dann einer weiteren Division Hilfe.
Die Anti-Hitler-Koalition wurde immer stärker. Die Alliierten leisteten der UdSSR eine gewisse Hilfe mit Waffen, Rohstoffen und Lebensmitteln, wodurch sie zu den Erfolgen der Roten Armee beitrugen. Die Operationen der alliierten Truppennahmen ebenfalls einen immer größeren Umfang an. Besonders die alliierten Luftangriffe gegen Deutschland wurden wuchtiger. Durch Bombenabwürfe wurde der deutschen Rüstungsindustrie beträchtlicher Schaden zugefügt. (Allerdings nicht nur. Meist wurden Wohngebiete getroffen und es gab unter der Zivilbevölkerung viele Opfer. Das Elend war groß. Eine These besagt, dass bei der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 schon die unterschiedlichen Interessen der Alliierte zu erkennen gewesen wären. Da klar war, dass Dresden später zur sowjetischen Besatzungszone gehören wird, hätten die Westalliierten ihren Plan wahrgemacht Dresden als Trümmerfeld den Sowjets zu hinterlassen. Die Bombardierung Dresdens war nicht kriegsentscheidend. Darüber gibt es viele Diskussionen. Was wahr ist, werden wir nicht 100% erfahren, da die Wahrheit nicht im Interesse der heutigen Machthaber liegt. Siehe auch Beitragaus dem befreundeten Blog „Sascha’s Welt“ P.R.)
Die Lösung der Aufgabe einer möglichst raschen Vernichtung des Feindes sowie mehrere in den Kriegsjahren aufgetauchte Fragen forderten jedoch eine weitere Vereinigung der militärischen und politischen Anstrengungen der drei großen demokratischen Staaten. Ein Plan für das gemeinsame Handeln wurde auf der Moskauer Konferenz der drei Außenminister umrissen, die vom 19. Bis 30. Oktober 1943 in Moskau stattfand. Über die notwendigen Maßnahmen zur Abkürzung des Krieges gegen Deutschland und seine Trabanten in Europa wurde volle Einmütigkeit erreicht. Es wurde beschlossen, die Zusammenarbeit der großen Staaten auch nach Beendigung der Kriegshandlungen fortzusetzen. In der Deklaration „Über die allgemeine Sicherheit“, die auch von der chinesischen Regierung unterstützt wurde, wurden die Hauptbestimmungen formuliert, auf deren Grundlage die internationale Organisation zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der Weltsicherheit funktionieren sollte.
Mit den Unterschriften Roosevelts, Stalins und Churchills wurde die Deklaration über die Verantwortlichkeit der Hitlerleute für die verübten Gräueltaten veröffentlicht. Das war eine eindrucksvolle kollektive Warnung an die faschistischen Barbaren. Alle für Gräueltaten verantwortlichen Soldaten und Offiziere der deutschen Wehrmacht, Nazibeamte und Machthaber seien nach den Gesetzen jener Länder, wo diese Verbrechen von ihnen gegangen wurden, zu bestrafen.
Einen Monat nach der Moskauer Konferenz fand in Teheran die Zusammenkunft der Oberhäupter der drei Großmächte – des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der UdSSR, J.W. Stalin, des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, F.D. Roosevelt, und des Premierministers Großbritanniens, W. Churchill – statt. Auf der Teheraner Konferenz wurden die vordringlichen Fragen der Kriegführung gegen Deutschland sowie der Nachkriegszusammenarbeit entschieden. Die veröffentlichte Deklaration der drei Mächte war von historischer Bedeutung. Sie zeigte die volle Einmütigkeit der Alliierten bei dem Beschluss, Hitlerdeutschland zu zerschmettern und den Völkern eine friedliche Zukunft zu gewährleisten.
„Keine Macht in der Welt kann uns daran hindern, die deutschen Armeen zu Lande, ihre Unterseeboote zu Wasser und ihre Rüstungswerke aus der Luft zu vernichten. Unser Angriff wird erbarmungslos sein und sich steigern.“
So wurde auf der Konferenz in Teheran das Todesurteil über Hitlerdeutschland formuliert. Die Oberhäupter der Großmächte kamen auf der Konferenz auch über den Zeitpunkt der Eröffnung einer zweiten Front in Europa überein.(Es heißt auch, dass auch hier die unterschiedlichen Interessen der Alliierten zum Tragen kamen, weil die zweite Front erst so spät eröffnet wurde. Siehe Beitrag aus dem befreundeten Blog „Sascha’s Welt“ P.R.)
11. Die Offensive der Roten Armee vom November 1942 bis November 1943
In seinem Bericht zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution am 6. November 1943 nannte J.W. Stalin das abgelaufene Jahr-das Jahr des grundlegenden Umschwungs im Kriegsverlauf.
Dieses Jahr war das Jahr des Umschwungs vor allem deshalb, weil es der Roten Armee gelang, zum ersten Mal seit Beginn des Krieges, eine große Sommeroffensive durchzuführen. Die Erfolge des Sommerfeldzuges bildeten die Fortsetzung und Vollendung der Erfolge des Winterfeldzuges.
Während der Angriffskämpfe führten die Rote Armee und die Kriegsflotte den strategischen Operationsplan des obersten Befehlshabers erfolgreich aus. Die Rote Armee griff auf einer Front von 2000 km Länge an und befreite zwei Drittel des vom Feind vorübergehend besetzten sowjetischen Bodens. Sie rückte um 500-1000 km nach Westen vor. Ein Territorium von einer Million Quadratkilometer, Tausende von Ortschaften, bedeutende Seehäfen und wichtige Eisenbahnlinien wurden dem Feind entrissen. Die deutsche Armee erlitt eine überaus große Niederlage. Alle Pläne des deutschen Oberkommandos, von dem Angriff auf den Frontbogen von Kursk angefangen bis zu den Versuchen, den Krieg durch Abwehrkämpfe zu verlängern, scheiterten.
„Das verflossene Jahr hat gezeigt“, sagte J.W. Stalin, „dass die Rote Armee ebensogut im Sommer angreifen kann wie im Winter.“
Das abgelaufene Jahr war das Jahr des Umschwungs zweitens deshalb, weil die Rote Armee die erprobtesten alten Verbände der faschistischen Armee aufgerieben und vernichtet hatte. Während der vier Monate der Sommeroffensive wurden 144 deutsche Divisionen zerschlagen, und die Deutsche Armee verlor etwa 900 000 Mann allein an Toten und Gefangenen.
Im Laufe des ganzen Jahres büßte die deutsche Armee allein an Toten nicht weniger als 1,8 Millionen Mann und zusammen mit den Verwundeten und Gefangenen über 4 Millionen Soldaten und Offiziere ein. Unersetzliche Verluste erlitt die faschistische Armee auch an Kriegsmaterial: über 14 000 Flugzeuge, über 25 000 Panzer und nicht weniger als 40 000 Geschütze. Die Rote Armee machte die feindlichen Hoffnungen auf einen langwierigen Krieg zunichte, durchbrach seine Verteidigungs- „Wälle“ und trieb die Deutschen, ohne ihnen eine Atempause zu gönnen, aus dem Sowjetland hinaus.
Das abgelaufene Jahr war das Jahr des Umschwungs drittens deshalb, weil, nach den Worten Stalins, „die erfolgreiche Offensive der Roten Armee die wirtschaftliche, militärische und politische Lage des faschistischen Deutschlands von Grund aus verschlechterte und es vor die schwerste Krise führte“.
Die Macht der Sowjetunion, die Kampfkunst der sowjetischen Streitkräfte und ihrer Feldherren waren gewachsen. Die Rote Armee hatte reiche Kampferfahrung gesammelt und bewies, dass sie der deutschen Armee überlegen war und zu kämpfen, zu manövrieren und das Kriegsmaterial einzusetzen verstand. „Die Rote Armee wurde zu der mächtigsten und gestähltesten modernen Armee.“ (Stalin.)
Die militärischen Siege der Roten Armee bewirkten eine Änderung der außenpolitischen Situation zugunsten der Sowjetunion und ihrer Verbündeten und „zum Nachteil Deutschlands und seiner räuberischen Spießgesellen in Europa“. (Stalin.)
Der Kampfbund er UdSSR und der demokratischen Staaten hatte sich gefestigt. Trotz der Voraussagen der faschistischen Politiker über die Gegensätze unter den Vereinten Nationen und über eine Spaltung zwischen diesen hatte das abgelaufene Jahr gezeigt, dass „die Anti-Hitler-Koalition eine zuverlässige Vereinigung der Völker bildet und dass sie auf fester Grundlage beruht“, wie es J.W. Stalin formulierte.(Allerdings bewahrheiteten sich die Voraussagen der faschistischen Politiker im Nachhinein, wie der weitere Verlauf der Geschichte zeigt. Mit der Fultonredeeröffnete Churchillden Kalten Krieg. Doch bereits zuvor zeichneten sich die unterschiedlichen Interessen der Alliierten ab P. R.) Die Vereinten Nationen (hierAnti-Hitler-Koalition P.R.) waren voll Entschlossenheit, gemeinsame Schläge gegen den Feind zu führen und einen endgültigen Sieg zu erringen. Indem J.W. Stalin die Bilanz des Jahres des grundlegenden Umschwungs zog, sagte er: „…der Krieg nähert sich jetzt der Generalentscheidung.“
Das abgelaufene Jahr war das Jahr des Umschwungs auch deshalb, wie die Kriegswirtschaft der Sowjetunion sich weiter gefestigt und verstärkt hatte. Die Erzeugung von Kriegsmaterial in der Sowjetunion war gestiegen. Die heldenmütige Arbeit des Hinterlandes sicherte die technische Überlegenheit der Bewaffnung der Roten Armee im Vergleich zu der Bewaffnung der feindlichen Armee.
Im steigenden Tempo schmiedete das sowjetische Hinterland Waffen für die Front. A.d.B.: Montagehalle einer Flugzeugfabrik, die die berühmten Iljuschin-Sturmflugzeuge herstellte
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
In einer Geschützfabrik im Ural
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Rote Armee gab dem Lande riesige Gebiete zurück (Donezbecken und die Ukraine), wo die Wiederherstellung der zerstörten Industriebetriebe und Kollektivwirtschaften rasch aufgenommen wurde. Auf diese Weise begann das sowjetische Volk bereits in den Kriegsjahren mit der Heilung der tiefen Wunden, die der Volkswirtschaft des Landes durch den Feind geschlagen worden waren.
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947, bearbeitet von Petra Reichel
Originaltext aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947, Original-Autoren: I.I. Minz, I.M. Rasgon und A.L. Sidorow
Genauso wie alle Kriege des 20. Jahrhunderts unterschied sich der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion von den Kriegen vergangener Jahrhunderte dadurch, dass man seinen Ausgang nicht durch eine einzige Schlacht entscheiden konnte. Die Schlacht vor Moskau brachte den Deutschen eine schwere Niederlage bei, aber die deutsche Kriegsmaschine war noch lange nicht zerschlagen. Im ersten Weltkrieg hatten die Großmächte einen Ring von Fronten um Deutschland geschaffen, und trotzdem waren vier Jahre erforderlich, um der deutschen Armee eine endgültige Niederlage beizubringen. Im zweiten Weltkrieg kämpfte Deutschland zwar ohne die Türkei, hatte dafür aber Italien, Japan und Finnland auf seiner Seite.
Im Jahre 1941 führte die Sowjetunion faktisch allein den Kampf gegen Deutschland, das im Vergleich zum Jahre 1914 wesentlich stärker geworden war. Die Last, die sich früher auf einige Großmächte verteilt hatte, musste die Sowjetunion allein tragen. Diese Tatsache allein sagt überzeugend darüber aus, was für Fortschritte das Sowjetland im Vergleich zum alten Russland gemacht hat.
Im Jahre 1942 kämpfte die UdSSR gegen Deutschland und seine Verbündeten auch weiterhin allein, weil die Alliierten keine zweite Front in Europa geschaffen hatten. Das Fehlen der zweiten Front machte sich die faschistische Führung zunutze, um mit neuen Kräften gegen Osten aufzubrechen. In Deutschland wurde eine „totale Mobilmachung“ verkündet: in den Betrieben und Ämtern sowie in den Lehranstalten wurden alle Waffenfähigen eingezogen.
Hitler presste seinen Vasallen neue Truppenverbände ab. Er zog Dutzende von Divisionen von der Westfront ab und warf sie nach Osten. Es gelang ihm, eine gewaltige Faust an der sowjetisch-deutschen Front zu ballen.
In seiner Reichstagsrede am 26. April 1942 sagte Hitler: „Der Winter ist zu Ende, jetzt muss es sich entscheiden, wer siegen wird.“Einige Tage später warf Hitler seine Armeen in eine neue Offensive. Er versuchte vor allem, sich gegen einen Schlag im Rücken von der Krim aus zu sichern. Anfang Mai fielen die deutschen Truppen über die sowjetischen Verbände her, welche die Kertsch-Halbinsel hielten. Ende Mai wichen die sowjetischen Truppen dem Druck überlegener feindlicher Kräfte und räumten die Kertsch-Halbinsel.
Nachdem sie ihre Kräfte auf der Kertsch-Halbinsel frei gemacht hatten, nahmen die Hitlerleute den Sturm gegen die Stadt Sewastopol, die sich bereits über 200 Tage tapfer verteidigte, wieder auf. Gegen die heldenmütigen Verteidiger von Sewastopol setzte Hitler 300 000 Mann, über 400 Panzer und 900 Flugzeuge ein. Die Faschisten ließen täglich 2500 bis 6000 Bomben auf die Stadt fallen. An zwei Kampftagen feuerte der Feind 37 000 Geschosse gegen Sewastopol ab. Aber die Verteidiger Sewastopols kämpften mit beispiellosem Mut und ließen den Gegner im Vorfeld der Stadt verbluten.
Schulter an Schulter mit den Kämpfern der Küstenarmee kämpften heldenmütig die Angehörigen der Schwarzmeerflotte. Die Flotte brachte den Belagerten Ersatz, Waffen und Verpflegung. Die Geschütze der großen Schiffe und die Küstenbatterien errichteten vor dem Gegner eine mächtige Feuerwand. Die Marineluftwaffe bekämpfte unter unwahrscheinlich schwierigen Bedingungen bis zum letzten Belagerungstag die feindliche Luftwaffe und griff die deutschen Stellungen an. Die Brigaden der Marineinfanterie fingen als erste den feindlichen Ansturm auf und vollbrachten in erbitterten Kämpfen Wunder und Standhaftigkeit und Tapferkeit.
Auf dem Höhepunkt der Kämpfe erhielten die Verteidiger von Sewastopol – die Kämpfer der Küstenarmee und der Schwarzmeerflotte – eine Botschaft von J.W. Stalin. Darin hieß es: „Der aufopferungsvolle Kampf der Sewastopoler dient der ganzen Roten Armee und dem Sowjetvolk als Vorbild des Heldenmutes.“
Atemlos verfolgten alle freiheitsliebenden Völker die Schlacht um Sewastopol. In den Stunden des Kampfes auf Leben und Tod erhielten die Verteidiger von Sewastopol ermutigende Grüße von der Garnison der Insel Malta. Der Gouverneur von Malta, Lord Gort, brachte die Begeisterung der Garnison und der Zivilbevölkerung von Malta über die bewundernswürdige Verteidigung von Sewastopol zum Ausdruck und schrieb: „Der Widerstand, den die Verteidiger der Stadt dem Feind leisten, schmückt den historischen Namen Sewastopols mit neuem Lorbeer.“
Der neue Sturm auf Sewastopol kam den Deutschen teuer zu stehen. Allein in 25 Angriffstagen, vom 07. Juni bis 03. Juli 1942, verloren sie etwas 150 000 Soldaten und Offiziere, davon nicht weniger als 60 000 an Toten, über 250 Panzer und 250 Geschütze. In den Luftkämpfen über der Stadt wurden von den Sowjetfliegern über 300 deutsche Flugzeuge abgeschossen. Nach einer 250tägigen heldenmütigen Verteidigung fiel die Heldenstadt am 03. Juli. In dieser Zeitspanne verloren die Deutschen etwa 300 000 Soldaten und Offiziere an Toten und Verwundeten.
Nachdem sie ihren Rücken gegen einen eventuellen Schlag von der Krim aus gesichert hatten, konzentrierten die Hitlerleute seit Anfang Juni ihre Truppen im südwestlichen Abschnitt der sowjetisch-deutschen Front und schufen hier eine große zahlenmäßige Überlegenheit.
In dieser Periode waren von Hitler außer den 179 deutschen Divisionen weitere 61 Divisionen seiner Vasallenländer gegen die Rote Armee eingesetzt. Auf diese Weise operierten gegen die Rote Armee 240 Divisionen- fast doppelt soviel wie im Krieg 1914-1918 gegen Russland.
Das Ziel der neuen faschistischen Offensive bestand genauso wie im Herbst 1941 in der Einnahme von Moskau, aber diesmal wollte man es auf einem anderen Wege erreichen. Die Wolga sollte erreicht, die Hauptstadt von dem Hinterland an der Wolga und dem Ural abgeschnitten werden. Das war der Plan des deutschen Oberkommandos. Aber zum Unterschied vom Jahre 1941, da Hitler seine Pläne hinausposaunte, versuchte er diesmal, seine wahren Absichten zu tarnen. Die Nazis brachten das Gerücht in Umlauf, dass die Eroberung des kaukasischen Erdöls das Hauptziel ihrer Offensive darstelle.
Es gelang ihnen aber nicht, die Wachsamkeit des sowjetischen Oberkommandos zu täuschen. J.W. Stalin durchschaute die deutschen Pläne. Er wies darauf hin, dass das Hauptziel die deutschen Offensive „darin bestand, Moskau vom Osten her zu umgehen, es vom Hinterland, dem Wolgagebiet und dem Ural, abzuschneiden und dann den Schlag gegen Moskau zu führen. Das Vorrücken der Deutschen im Süden in der Richtung auf die Erdölgebiete hatte das Nebenziel, nicht nur und nicht so sehr die Erdölgebiete zu besetzen, als vielmehr unsere Hauptreserven nach dem Süden abzuziehen und die Moskauer Front zu schwächen, um bei dem Schlag gegen Moskau desto leichter einen Erfolg erzielen zu können“.
Die Deutschen hatten zunächst vor, im Raum von Woronesh durchzubrechen. Das sowjetische Oberkommando erriet die gegnerischen Absichten und ergriff die notwendigen Gegenmaßnahmen: bei Woronesh stießen die Deutschen auf einen entschlossenen Widerstand. Das Hitlerkommando warf immer neue Divisionen in den Kampf. Es gelang den Deutschen, in Woronesh einzudringen, ohne dass sie jedoch die Stadtganz zu besetzen vermochten. In den Kämpfen gegen die faschistischen Eindringlinge legten die sowjetischen Krieger außerordentliche Standhaftigkeit und ungewöhnlichen Mut an den Tag und fügten den Angreifern große Verluste zu. Der deutsche Plan wurde zunichte gemacht.
Da es bei Woronesh auf einen zähen Widerstand stieß, änderte das Hitlerkommando die Hauptstoßrichtung und stieß südlicher über den Unterlauf des Dons zur Wolga vor. Da eine zweite Front fehlte, gelang es den Deutschen durch eine beispiellose Kräftekonzentration an einem schmalen Frontabschnitt, neue Gebiete im Südosten der Sowjetunion zu erobern. Sie besetzten den östlichen Teil der Ukraine, überschritten den Don, rückten längs des Unterlaufes dieses Flusses vor und brachen zum Kuban und Nordkaukasus durch. Das Sowjetland geriet in eine äußerst schwere Lage.
2. Die faschistische „Neuordnung“
Überall, wo die deutschen Faschisten hinkamen, legten sie der Bevölkerung ein Joch auf, das schwerer als das der Mongolen war. (siehe „Das Sowjetland“, Band 1) Selbst bei Barbarenüberfällen auf Russland vor vielen Jahrhunderten hatte es keine derartige Ausrottung von Menschen und eine derartig systematische Plünderung gegeben.„Wir brauchen Russland ohne die Russen“,erklärten die Nazis. Dieses Menschenfresserprogramm begannen sie in den von ihnen besetzten Gebieten in die Tat umzusetzen.
Städte und Dörfer wurden buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Die deutschen Faschisten haben 1710 Städte und über 70 000 Dörfer vollständig oder teilweise zerstört und niedergebrannt, über 6 Millionen Wohnhäuser vernichtet. 25 Millionen Sowjetmenschen blieben obdachlos.
In den vorrübergehend besetzten Gebieten und Republiken der Sowjetunion schafften die Hitlerräuber die vom Volke in der Oktoberrevolution erkämpfte Freiheit und Unabhängigkeit wieder ab. Das eroberte Gebiet wurde von den Faschisten in eine Kolonie verwandelt. Überall wurde die sowjetische Verwaltung vernichtet. An die Spitze der besetzten Republiken und Gebiete wurden nazistische Statthalter gestellt. Die nazistischen Kommandanten hatten über das Leben der Bevölkerung zu bestimmen. Wer die Anordnungen des faschistischen Eroberers nicht unverzüglich befolgte, wurde mit dem Tode bestraft. Alle Nazibefehle schlossen unvermeidlich mit der gleichen Androhung der Todesstrafe ab. Die faschistischen Henker erschossen, verbrannte und henkten die Sowjetmenschen zu Tausenden.
Die Hitlerleute schafften das in der Stalinschen Verfassung verankerte Recht des Sowjetmenschen auf Arbeit ab. Die sowjetische Industrie wurde vernichtet. Die Nazis zerstörten 31 850 Betriebe, in denen etwa 4 Millionen Arbeiter beschäftigt waren. Die Ausrüstungen von Werken und Fabriken, die nicht mehr hatten verlagert werden können, wurden von den Deutschen nach Deutschland abtransportiert. Allein an den Werkbänken zur Metallbearbeitung vernichteten oder verschleppten sie 175 000 Stück.
Die Nazis trieben die Sowjetbauern von ihrem Boden und verteilten diesen an ihre Offiziere und Soldaten. Die Kollektivwirtschaften wurden vernichtet. Nach bei weitem nicht vollständigen Angaben betragen allein die Verluste durch unmittelbare Vernichtung des Eigentums von Bürgern, Kollektivwirtschaften, gesellschaftlichen Organisationen sowie staatlichen Ämtern und Betrieben insgesamt 679 Milliarden Rubel. Auf dem sowjetischen Boden erschienen deutsche Gutsbesitzer und Großbauern. Die Nazis vertrieben die Kollektivbauern von ihrem Boden und zwangen sie, für die faschistischen Sklavenhalter zu arbeiten und trieben sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland, Wer Widerstand leistete oder seine Unzufriedenheit äußerte, wurde ausgerottet.
Die Sowjetmenschen mussten Nummernschilder am Hals tragen. Sie wurden nach ihren Nummern zum Ausheben von Schützengräben oder zur Arbeit auf den Gütern der Junker aufgerufen. Hunderttausende von Russen, Ukrainern, Bjelorussen, Litauern, Letten, Moldauern und Esten, die zur Zwangsarbeit weggetrieben worden waren, arbeiteten wie Sklaven, nicht selten in Fesseln. Die deutschen Behörden veröffentlichten eine besondere Anweisung, wie man die Sowjetmenschen zu behandeln hat:
„Deutscher! Um die Produktivität der deutschen Betriebe zu steigern, wurde es notwendig, Arbeiter aus Sowjetrussland herzuschaffen. Zeigen ihnen stets, dass du ihr Herr bist…Zeige den russischen und ukrainischen Arbeitern stets, dass du ihnen überlegen bist.“
Millionen von Sowjetmenschen kamen vor Hunger oder übermäßiger Arbeit für die faschistischen Sklavenhalter um. Die Nazis schafften das vom Sowjetvolk erkämpfte und in der Stalinschen Verfassung niedergeschriebene Recht auf Bildung ab. Sie lösten die Hochschulen und Schulen auf, brannten Bibliotheken, Klubs und Lesehallen nieder. Von insgesamt 992 Museen zerstörten die Hitlerleute 427.
Die Hitlerleute bedeckten die vorübergehend von ihnen besetzten Gebiete der Sowjetunion mit Galgen. Millionen friedlicher sowjetischer Menschen wurden erbarmungslos ausgerottet. (Das Bild wurde einem gefangenen deutschen Offizier abgenommen)
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Hitlerfaschisten verhöhnten die Ehre und den Nationalstolz des russischen Menschen. A. d.B.: Das von den Hitlerleuten zerstörte Kloster „Neues Jerusalem“in Istra bei Moskau, eines der wertvollsten Denkmäler der russischen Baukunst
Auf dem Schutthaufen des heimatlichen Dorfes. Die Hitlerleute haben 1710 sowjetische Städte und über 70 000 Dörfer vollständig oder teilweise zerstört und niedergebrannt, über 6 Millionen Wohnhäuser vernichtet. Über 25 Millionen Sowjetmenschen blieben obdachlos
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Hitlerbanditen verhöhnten die Ehre und den Nationalstolz des russischen Menschen. Sie beraubten ihn seiner geistigen Schätze und waren bestrebt, die Sowjetmenschen zu versklaven und zu germanisieren. Die Hitlerleute zerstörten die Denkmäler Schewtschenkos, des großen Kämpfers um die Freiheit des ukrainischen Volkes. Sie plünderten das Häuschen des großen russischen Komponisten Tschajkowskij in Klein aus und brannte das Gedenkhaus des großen russischen Schriftstellers Tschechow in Tanganrog nieder. Sie schändeten eine der ganzen Menschheit heilige Gedenkstätte: das Gutshaus von L.N. Tolstoi in Jasnaja Poljana.
Die von den Besatzungsbehörden und Truppenteilen begangenen Bestialitäten wurden auf Befehl der deutschen Regierung und des deutschen Oberkommandos nach vorher ausgearbeiteten Plänen verübt.
In offiziellen Befehlen wurde das Plündern von den faschistischen Generälen gefördert. Den regulären Truppenteilen wurden besondere Waggons zur Verfügung gestellt, damit die Soldaten das Beutegut in Hinterland schicken konnten.
In dem deutschen „Merkblatt über das Beutegut und über die bei der Bevölkerung beschlagnahmten Lebensmittel“für die Truppen heißt es:
„Für jeden Truppenteil muss es das höchste Gebot sein, alle örtlichen Hilfsquellen höchstmöglich auszunutzen… Die Einziehung oder die Beschlagnahme von Lebensmitteln oder Rohstoffen bei der Bevölkerung kann auf Befehl der Kompanieführer und ihnen gleichgestellten und darüber erfolgen. Die Beschlagnahme muss planmäßig erfolgen. Die Beute kommt jenem Truppenteil zugute, der die Beschlagnahme durchgeführt hat.“
Das war die „Neuordnung“, die von den nazistischen Kannibalen in dem vorrübergehend besetzten Sowjetgebiet eingeführt wurde.
Der Qualm der Brandstätten legte sich über die Städte und Dörfer. Ein Stöhnen ging durch die verwüsteten Gebiete.
3. Die heldenmütige Verteidigung von Stalingrad
An der Front rückten die Hitlertruppen, die immer wieder Verstärkungen erhielten, weiter zur Wolga, nach Stalingrad, vor. (Stalingrad ist im Jahre 1961 in Wolgograd umbenannt worden.)
Stalingrad war damals eine der größten Industriestädte der Sowjetunion. Vor dem Krieg zählte sie etwa 500 000 Einwohner. Die Stadt erstreckte sich als ein 60 km langes Band längs des rechten Wolga-Ufers. An ihrem nördlichen Rand war der Industriegigant – das Stalingrader Traktorenwerk – sowie eine Reihe metallurgischen Betrieben gelegen. In den Jahren der Sowjetmacht wurde Stalingrad zu einer der wichtigsten Waffenschmieden des Landes. Aus Stalingrad rollten Panzer, Schlepper und Geschütze in einem ununterbrochenen Strom an die Front.
Stalingrad hatte auch eine ungeheure strategische Bedeutung. Die Stadt steht an der Kreuzung der sichtigsten Wasser- und Eisenbahnwege, die das Zentrum des Landes mit dem Kaukasus und Transkaukasien, mit Astrachan und Baku verbinden.
Hitler setzte die 6. Armee unter Führung des Generalobersten von Paulus gegen Stalingrad ein. Diese Armee hatte in Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Griechenland gekämpft. Die Deutschen hielten sie für unbesiegbar. Bei Stalingrad operierte ferner die 4. Panzerarmee. Vor der Stadt kämpften zunächst 17 und im August bis September 36 Divisionen, darunter 21 deutsche, der Rest rumänische und italienische Divisionen. Die Deutschen konzentrierten bei Stalingrad nicht weniger als 2000 Flugzeuge. Über 1500 Geschütze nahmen die Stadt unter Feuer.
Der Oberste Befehlshaber, Stalin, befahl, den Ansturm des Feindes aufzuhalten. „Keinen Schritt zurück!“wurde zur Parole der ganzen Armee.
Hitler dachte zunächst, Stalingrad im Handstreich zu nehmen. Es vergingen aber Tage. Stalingrad hielt sich. Hitler setzte einen Termin nach dem anderen für die Eroberung der Stadt fest. „Das Schicksal Stalingrads ist das Schicksal des ganzen Krieges“, wiederholte immer wieder die deutsche Presse. Ende August wurde die Lage besonders kritisch. Nachdem sie den letzten Befehl Hitlers erhalten hatten, ohne Rücksicht auf Verluste die Stadt nicht später als am 25. August zu nehmen, verstärkten die Deutschen ihren Druck. Am 23. August gelang es einer deutschen Vorhut mit über 100 Panzern, nordwestlich von Stalingrad durchzubrechen und am Abend die Wolga zu erreichen. Die Hitlerleute glaubten: noch ein Ruck, und die Stadt würde fallen. Drei Tage lang wurde sie von den Faschisten ununterbrochen mit Bomben belegt. Im Durchschnitt unternahm die deutsche Luftwaffe bis zu 2000 Feindflüge täglich. Aber die Hitlerleute hatten sich erneut verrechnet. Die unmenschlichen Bombenangriffe haben unter den Verteidigern von Stalingrad keine Panik hervorgerufen, wie das der Feind glaubte, sondern deren Widerstandsgeist entfacht. Zusammen mit den regulären Truppen erhob sich die Bevölkerung der Stadt zu deren Verteidigung. Ein Korps der Volkswehr rückte an die Front. Die Arbeiter des Stalingrader Traktorenwerks setzten sich an das Steuer der Panzer oder stellten sich an die Geschütze. In diesen schweren Tagen rückten die Deutschen ganz nahe, bis auf 500-800 m an das Stalingrader Traktorenwerk heran. Aber in das Werk ließ man sie nicht hinein.
Nach zahlreichen Angriffen gelang es den Deutschen, am 14. September in der Nähe des Bahnhofs in die Stadt einzudringen und am 22. September in der Nähe der Zentralanlegestelle die Wolga zu erreichen. Aber die Stadt setzte den Kampf fort. Es entspannen sich erbitterte Straßenkämpfe. Die beispiellose Tapferkeit der Verteidiger von Stalingrad machte sämtliche deutschen Pläne zunichte. Die Kämpfer der 62. Armee verteidigten unter dem Befehlt von General W.I. Tschujkow, später Held der Sowjetunion, heroisch jedes Haus. Es galt den Ruhm des ehemaligen Zarizyn nicht verblassen zu lassen. Viele von den alten Kämpfern um Zarizyn kämpften in den Reihen der Stalingrader. Jede Straße der Stadt erinnerte an die einstige heroische Verteidigung unter Stalins unmittelbarer Führung während des Bürgerkrieges. Es kam nicht selten vor, dass die Stalingrader die gleichen Stellungen bezogen, an denen einstmals der Ansturm der deutschen Regimenter und der Regimenter Krasnows zerschellte. Die von den Kampftraditionen der Zarizyner beseelten Stalingrader wehrten einen feindlichen Angriff nach dem anderen ab. Hunderte deutscher Flugzeuge wurden abgeschossen, Hunderte von Panzern vernichtet. Jeden Tag musste Hitler 3-4000 Mann abschreiben.
Mit tiefer Erregung verfolgte das ganze Land die heldenmütige Verteidigung von Stalingrad. Vom Ural, von der oberen Wolga, aus allen Enden des Landes trafen Freiwillige ein, rückten Truppen in Eilmärschen heran, rollten Munitionszüge an. Aus Moskau kamen die Moskauer Gardisten, die als erste den Mythos von der Unbesiegbarkeit der Deutschen zerstört haben. Die gesamte fortschrittliche Menschheit verfolgte mit Hoffnung und Stolz die Schlacht an der Wolga. Alle waren sich der Tatsache bewusst, dass der Ausgang der Schlacht das Schicksal des Feldzuges 1942 bestimmen würde. Bei der Verteidigung von Stalingrad spielten die Matrosen der Wolgaflottille eine gewaltige Rolle. Die Einheiten der Flottille waren an der linken, südlichen Flanke der Verteidigung konzentriert. Die eine Gruppe der Schiffe operierte unter dem Befehl von Konteradmiral Nowikow, die andere unter dem Befehl von Konteradmiral Worobjow. Die Schiffsartillerie leistete den sowjetischen Infanterieeinheiten große Hilfe. Im September 1942, als die Gefahr drohte, dass die Deutschen zur Wolga durchbrechen könnten, wurden die Schiffe des Konteradmirals Worobjow in die Nähe der Zentrale für Kulturarbeit verlegt. Hier wurde ein Marinesammelbataillon aufgestellt, das eine Verteidigungsstellung in der Nähe des Traktorenwerkes bezog.
Im Norden operierte ein Verband von Schiffseinheiten, der die Infanterietruppen unterstützte, bis die Verteidigung der Stadt beendet war. Die Schiffe der Wolgaflottille sicherten unter den schwierigsten Bedingungen den Übersetzverkehr über den Fluss unmittelbar bei Stalingrad. Ende Oktober unternahm der nördliche Verband von Panzerkuttern einen Durchbruch nach Stalingrad. Die Matrosen der Wolgaflottille schafften Munition und Verpflegung heran und brachten die Verwundeten in Sicherheit.
Die Regierung zeichnete über 400 Kommandeure und Matrosen der Flottille durch Orden aus. Die Kanonenboote „Usyskin“ und „Tschapajew“ wurden durch Orden des Roten Banners ausgezeichnet. Der Erste Panzerkutter-Verband wurde in die Garde eingereiht. Durch das ganze Land unterstützt, reiben die sowjetischen Truppen bei Stalingrad die faschistischen Divisionen auf. Die Kräfte der Deutschen schmolzen dahin, die Kräfte des Sowjetlandes erstarkten. Die heroische Verteidigung von Stalingrad machte es dem Sowjetischen Oberkommando möglich, die notwendigen Reserven zusammenzuziehen. Die Verteidiger von Stalingrad haben den Feind entkräftet und schwer mitgenommen und dadurch seine endgültige Zerschmetterung vorbereitet.
Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947, Original-Autoren I.I. Minz, I.M. Rasgon und A.L. Sidorow, bearbeitet von Petra Reichel