Russlands Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der große Feldherr Suworow

Der Bauernkrieg hatte das Adelsreich stark erschüttert. Zarin Jekaterina II. (Katharina die Große), neue Unruhen befürchtend, stärkte die zentrale und lokale Macht der Adligen. Das gesamte Reich war in 50 Gouvernements eingeteilt worden. An der Spitze der Gouvernements standen Gouverneure, die der obersten Gewalt unterstellt waren. Die Gouvernements waren in Kreise eingeteilt, die von Isprawniks aus den Reihen des Adels verwaltet wurden. Die Adligen waren die herrschende und regierende Klasse im Staate. Jekaterina II. (Katharina die Große) teilte in freigiebiger Weise staatliches oder erobertes Land an die Adligen aus. Die Rechte und Privilegien der Adligen waren in einem besonderen „Gnadenbrief für den Adel“, der am 21. April 1785 herausgegeben war, eingetragen. Darin wurde bestimmt, dass nur der Adel das Recht habe, Land und Leibeigene zu besitzen.

Jekaterina II. (Katharina die Große) bemühte sich, nicht nur die innere, sondern auch die internationale Lage des Reiches zu stärken. Sie wollte Russland eine führende Rolle in der Politik der europäischen Staaten sichern und stützte sich dabei auf die Stärke und Macht ihrer Armee. Die ausgezeichneten Kampfeigenschaften der russischen Armee hatte ganz Europa während des Siebenjährigen Krieges gesehen, Die Teilnahme an diesem Krieg war für die russische Armee eine ausgezeichnete militärische Schule gewesen.

Diese Schule bildete vortreffliche russische Feldherren heran. Einer der hervorragendsten Feldherren jener Zeit, General Rumjanzew, ist durch seine Siege über die Preußen im Siebenjährigen Krieg bekannt.

Alexander Wassiljewitsch Suworow

Alexander Wassiljewitsch Suworow

Die gleiche Schule der Kampferfahrung machte auch der große russische Heerführer Suworow durch. Mit seinem Namen sind die ausgezeichneten kriegerischen Taten der russischen Armee und die glänzende Entwicklung der russischen Kriegskunst, deren Grundlagen bereits Peter der Große geschaffen hatte, verbunden.

Alexander Wassiljewitsch Suworow wurde im Jahre 1730 in Moskau geboren. Sein Vater, der verabschiedete General Wassilij Iwanowitsch Suworow, war in seiner Jugend Fähnrich des Preobrashensker Garderegiments und eine Zeitlang Bursche bei Peter dem Großen gewesen. Die hohe Achtung vor dem militärischen Genie Peters I. hatte der Vater sein ganzes Leben bewahrt und auch seinem Sohn eingeflößt. Alexander zeigte schon sehr früh eine Leidenschaft zum Lesen und begeisterte sich besonders für Kriegsgeschichte. Es las über Heldentaten der großen Heerführer – Julius Cäsar, Hannibal, Alexander von Mazedonien. Da Suworow aber ein kränkliches und schwächliches Kind war, hatte sein Vater ihn nicht für die militärische Laufbahn bestimmt. Jedoch von seinem 10. Lebensjahr an war der kleine Suworow fest entschlossen, sich dem Kriegswesen zu widmen. Er begann beharrlich seinen Körper abzuhärten, begoss sich mit kaltem Wasser, schlief bei jedem Wetter bei geöffnetem Fenster, verzichtete auf warme Kleidung.

Mit 17 Jahren trat er in die Armee ein. Er begann seine militärische Laufbahn als Korporal (jüngerer Unteroffizier) des Semjonowsker Garderegiments und beendete sie im Range eines Feldmarschalles. Allmählich sämtliche militärischen Rangstufen durchlaufend, erlernte Suworow ausgezeichnet das Dienstreglement und den Frontdienst. Im Jahre 1754 wurde er zu Offizier befördert und empfing einige Jahre später die Feuertaufe im Siebenjährigen Krieg mit Preußen.

Damals schon begriff Suworow, dass das preußische Militärsystem, das auf der Stockdisziplin und auf komplizierten Gefechtsübungen beruhte, veraltet war, wir auch die preußische Strategie und Taktik der Kriegsführung veraltet waren.

Als er nach Beendigung des Krieges zum Kommandeur des Susdaler Infanterieregiments in Nowaja Ladoga, Gouvernement Nowgorod, ernannt worden war, begann er, seine Soldaten auf neue Art und Weise auszubilden. Er errichtete zwei Schulen, Für Soldaten- und Adelskinder, und lehrte dort auch selbst. Das Hauptaugenmerk richtete er auf die Ausbildung eines initiativen, für den Kampf und nicht für den Parademarsch geeigneten Kriegers. Daher wurden sogar die Manöver für die Soldaten des Susdaler Regimentes unter Bedingungen veranstaltet, die Kriegsverhältnissen ähnelten. „Schwierig bei der Übung – leicht im Kriege, leicht bei der Übung – schwierig im Kriege“, pflegte Suworow zu seinen Soldaten zu sagen.

Sechs Jahre beschäftigte sich Suworow mit der Ausbildung seines Susdaler Regimentes. Er legte seine militärischen Ansichten in der berühmten Instruktion nieder, die später den Titel „Die Lehre vom Siege“ erhielt. Diese Instruktion war in einfacher Volkssprache, in Form kurzer und scharfer Aussprüche und Vorschriften gehalten. Im zweiten Teil der Instruktion, unter der Bezeichnung „Mündliche Unterweisung der Soldaten“, legte Suworow drei Grundregeln der Kriegskunst dar: Augenmaß, Schnelligkeit und Angriffsgeist. Suworow bestimmte das Wesen dieser drei Regeln folgendermaßen:

  1. „Erstens – Augenmaß: Wie man Feldlager errichten, wie man marschieren, wo angreifen, verfolgen und schlagen soll.“
  2. „Zweitens – Schnelligkeit…Der Feind vermutet uns nicht, rechnet damit, dass wir 100 Werst entfernt sind, manchmal sogar 200, 300 Werst und mehr. Plötzlich sind wir über ihm wie der Schnee auf dem Kopfe. Ihm wird schwindlig. Greif an mit dem, was gerade herbeikommt, was Gott schickt. Reiterei, fang an! Säble, steche, jage, schneide ab, lass nicht locker!“
  3. „Drittens – Angriffsgeist. Ein Fuß stützt den anderen, eine Hand stärkt die andere. Im Feuer kommen viele Leute um. Der Feind hat die gleichen Hände, aber das russische Bajonett kennt er nicht.“

Suworow verlangte von seinen Soldaten Ungestüm, hohen Angriffsgeist, grenzenlose Tapferkeit und gleichzeitig Kaltblütigkeit und Überlegenskraft.

Im Hinblick auf die Unvollkommenheit der Feuerwaffen in der damaligen Zeit legte Suworow Wert auf den Bajonettangriff. Gleichzeitig verlangte er jedoch, dass die Soldaten das Gewehr gut kannten und geschickt mit ihm umzugehen verstanden. „Schieß selten, ab genau!“ lehrte Suworow. Er prägte den Soldaten ein, dass ihre Hauptaufgabe im Kampf darin bestehe, den Feind zu vernichten. Er sagte: „Der Gegner hat den Rückzug angetreten – das ist ein Misserfolg; der Gegner ist vernichtet, vertilgt – das ist ein Erfolg.“

Suworow schätzte im Soldaten die bewusste Einstellung gegenüber seiner Aufgabe und das Streben nach Aneignung von militärischem Wissen. „Jeder Soldat soll sein Manöver verstehen“– pflegte Suworow gern zu wiederholen. Die abgeschmackte Antwort des Soldaten: „Ich kann nicht wissen“, konnte er nicht ausstehen. „Von den Leuten, die sprechen: ‚Ich kann nicht wissen‘, kommt viel, viel Unglück“, sagte er. Die kämpferischen und persönlichen Eigenschaften des russischen Soldaten sehr hoch einschätzend, verlangte er von den Vorgesetzten, dass sie sich um die Nöte und Bedürfnisse der Soldaten kümmerten. Suworow selbst lebte in enger Gemeinschaft mit den Soldaten, aß die Kohlsuppe und Grütze der Soldaten, trug einfache Felduniform. Die Soldaten liebten ihren Feldherrn grenzenlos und waren bereit, mit ihm durch Feuer und Wasser zu gehen.

Die Neuerungen, die Suworow in seinem Regiment eingeführt hatte, riefen das Missfallen der Anhänger des preußischen Militärsystems und der höchsten Hofkreise hervor. Jedoch die Notwendigkeit, Kriege zu führen, zwang die Regierung, sich seiner Feldherrenkunst zu bedienen.

Im Jahre 1768 musste Jekaterina II. (Katharina die Große) gleichzeitig zwei Kriege führen: mit Polen und mit der Türkei. In Europa war man überzeugt, dass Russland es nicht aushalten würde, gleichzeitig zwei Kriege zu führen, und seine Pläne, sich im Baltikum festzusetzen und zum Schwarzen Meer vorzudringen, aufgeben würde. Aber an die Spitze des russischen Heeres wurde der vortreffliche Feldherr General Rumjanzew gestellt. Seine Handlung zeichneten sich durch Selbstständigkeit, Kühnheit und Neuartigkeit aus. Rumjanzew suchte Berührung mit dem Feind und war bestrebt, vor allem dessen Stoßkraft zu vernichten. Er verstand es, die geeigneten Untergeordneten zu wählen und zeichnete sehr bald den militärisch genial begabten Alexander Wassiljewitsch Suworow aus. Schon zur Zeit des Siebenjährigen Krieges war Rumjanzew auf Suworow aufmerksam geworden. Er schickte ihn anfangs nach Polen, und als dort der Krieg zu Ende war, übertrug er ihm die Belagerung der türkischen Festung Turtukaj. Am 10. Mai 1773, in dunkler Nacht, ließ Suworow, indem er eine günstige Entwicklung der Lage ausnutzte, seine Abteilung über die Donau übersetzen, ohne Rumjanzews Anweisungen abzuwarten, und nahm nach heißem Kampfe die Festung ein.

Der erste Krieg mit der Türkei dauerte von 1768 bis 1774. Die russischen Truppen eroberten einige starke Festungen. Mehr als einmal offenbarte Suworow dabei seine Kriegskunst.

Nachdem die Türken mehrere Schlachten verloren und die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage eingesehen hatten, traten sie in Friedensverhandlungen ein. Am 10. Juli 1774 wurde in der Stadt Kutschuk-Kajnardshi zwischen Russland und der Türkei Frieden geschlossen, demzufolge Asow, Kertsch und die Steppe zwischen Dnjepr und Bug an Russland fielen. Das der Türkei unterstellte Krimer Khanat wurde für unabhängig erklärt. Im April 1783 besetzten die russischen Truppen die Krim und vernichteten das Khanat. Unter der Bezeichnung „Taurien“ wurde die Krim Russland angegliedert. Im gleichen Jahre wurde in der Krim ein befestigter Hafen für die russische Kriegsflotte, Sewastopol, gegründet.

Die Türkei wollte sich mit dem Verlust der Krim nicht abfinden, der für sie den Verlust der Herrschaft über das Schwarze Meer bedeutete. Daher begann sie mit Russland einen zweiten Krieg, der vier Jahre (von 1787 bis 1791) dauerte.

Die Festung Otschakow war der Hauptstützpunkt der Türkei am Schwarzen Meer. Im Jahre 1788 belagerte der Günstling der Zarin, der Fürst Potjomkin, der zum Oberbefehlshaber ernannt worden war, Otschakow. Die Belagerung zog sich lange hin. Suworow kommandierte den linken Flügel des Besatzungskorps. Er beschloss, einen sich ihm bietenden günstigen Augenblick zu benutzen, und begann den Angriff gegen die Türken. Doch Suchorows Vorgehen wurde von Potjomkin nicht gutgeheißen, und schickte ihm keine Verstärkung. In diesem Gefecht wurde Suworow am Kopf verwundet.

Im Frühling 1789 wurde Suworow nach Moldawien versetzt. Hier erwarb er sich Ruhm durch die hervorragenden Siege bei Fakschani, am Rymnikfluss und besonders durch den heldenhaften Sturm auf die stärkste türkische Festung Isamil.

Im dritten Jahr des Krieges mit der Türkei trat Schweden gegen Russland auf den Plan. Russland war gezwungen, zum Schutz seiner Westgrenzen Truppen abzuziehen. Russlands Bundesgenosse, Österreich, nahm mit der Türkei Verhandlungen wegen Abschlusses eines Separatfriedens auf. Dies alles erschwerte die Lage an der russisch-türkischen Front. Um die Türkei zum Friedensschluss zu veranlassen, entschloss sich die russische Heeresleitung, die Festung Ismail einzunehmen, die den Weg zur unteren Donau versperrte. Es war eine erstklassige europäische Festung, die unter Leitung französischer und deutscher Ingenieure errichtet worden war. Suworow bekam den Befehl, die Festung im Sturm zu nehmen. Lange und sorgfältig hatte er sich auf die schwierige Operation vorbereitet. Abseits und vom Feind unbemerkt, hatte er ein Modell fertigen lassen, das haargenau der Festung Ismail glich, und daran mit den Soldaten alle ihnen bevorstehenden Operationen eingeübt.

Im Morgengrauen des 11. Dezember 1790 begannen vom Fluss und von der Landseite her 600 russische Geschütze das Bombardement der Festung. Den ganzen Tag über währte der Nahkampf. Die Zahl der Opfer war auf beiden Seiten sehr groß, jedoch Ismail wurde genommen. Suworow selbst gab zu, dass man sich nur einmal im Leben zu einem solchen Sturmangriff entschließen könne. Ismails Fall öffnete Russland den Weg für den Vormarsch an die Donau. Aber Potjomkin verstand es nicht, die Früchte des errungenen Sieges zu pflücken. Auf sein Betreiben wurde Suworow von der Armee abberufen und nach Finnland geschickt.

Im Jahre 1791 schloss Jekaterina II. (Katharina die Große) in der Stadt Jassy mit der Türkei Frieden. Die Türkei erkannte die Angliederung der Krim an Russland an und trat ihm das Gebiet zwischen dem Südlichen Bug und dem Dnjestr ab. Als Ergebnis des erfolgreichen Krieges mit der Türkei fasste Russland an den nördlichen Ufern des eisfreien Schwarzen Meeres endgültig festen Fuß.

Nach der Beendigung des zweiten Krieges mit der Türkei wurde der Krieg mit Polen wieder aufgenommen. Auf Vorschlag Preußens wurde Polen zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt. Dabei wurden Russland die ukrainischen und bjelorussischen Gebiete zurückgegeben, die bereits im 14. Jahrhundert von dem litauischen, später mit Polen vereinigten Großfürstentum erobert worden waren. Jekaterina II. (Katharina die Große) führte eine reaktionäre Politik durch. Sie hinderte die Umwandlung Polens in einen unabhängigen demokratischen Staat, den die polnischen Demokraten, mit dem Nationalhelden des aufständischen Polens, Thaddäus Kosciuszko an der Spitze erstrebten. Jekaterina II. (Katharina die Große) schickte Truppen nach Polen. Im Jahre 1794 nahm Suworow Praga (eine Vorstadt Warschaus) im Sturm und entschied damit den Ausgang des Krieges mit Polen. Jekaterina II. (Katharina die Große) beförderte ihn zum Feldmarschall.

Aber bald darauf fiel der Feldmarschall in Ungnade. Im November 1796 starb Jekaterina II. (Katharina die Große), und ihr 40jähriger Sohn Pawel (Paul), ein begeisterter Anhänger des preußischen Militärsystems, bestieg den Thron. Er schaffte das Suworowsche Reglement ab und befahl, die preußischen Dienstvorschriften in der Armee einzuführen. Die russischen Soldaten wurden in enge deutsche Röcke gepresst, und man befahl ihnen, sich die Haare mit Mehl zu bestreuen und Haarlocken zu tragen. Damit beim Marschieren die Knie nicht einknickten, band man Schienen unter. Man schätzte am Soldaten nur die Haltung und das Marschieren können. „Der Soldat ist nichts weiter als ein Mechanismus, der im Exerzierreglement vorgesehen ist“, erklärte Pawel I (Paul I.).

Suworow konnte sich mit den preußischen Dienstvorschriften in der russischen Armee nicht abfinden. Mit Spott und Empörung äußerte er sich über die preußischen Einfälle des Zaren: „Puder – kein Pulver, Locken – keine Kanonen, Zopf – kein Seitengewehr, und ich bin kein Deutscher, sondern ein echter Russe.“ Wegen seiner Dreistigkeit wurde Suworow im Februar 1797 nach seinem Stammgut Kontschanskoje verbannt.  Die Verbannung war für Suworow schwer und demütigend. Alle seine Handlungen wurden beobachtet. Es war ihm verboten, auszufahren, Freunde zu empfangen, zu korrespondieren.

Jedoch nach zwei Jahren, im Februar 1799, rief ihn Pawel I. unerwartet zurück nach Petersburg. Russland begann gemeinsam mit England und Österreich einen Krieg gegen Frankreich. Suworow wurde zum Oberbefehlshaber der verbündeten russisch-österreichischen Armee ernannt, die in Norditalien gegen die Franzosen operierte. Napoleon selbst eroberte zu jener Zeit Ägypten. Er schickte seine besten Feldherren gegen Suworow. Dank dem Heldentum der russischen Soldaten und der Kunst Suworows wurden die französischen Truppen geschlagen. Im Verlaufe einiger Wochen besetzte Suworow ganz Norditalien. Von hier aus lag der Weg nach Frankreich offen.  Aber die Österreicher verrieten ihren Bundesgenossen Russland und nahmen mit den Franzosen Friedensverhandlungen auf.

Suworow war befohlen worden, seine Truppen in die Schweiz zu führen, um sie mit der russischen Armee Rimskij-Korsakows, die die Österreicher dort ihrem Schicksal überlassen hatten, zu vereinigen. Der Schweizer Feldzug war noch schwieriger und heroischer als der italienische. Suworows erschöpfte Armee war ohne Artillerie, ohne Munition, ohne Proviant, sie befand sich in einer katastrophalen Lage.

Jedoch die russische Armee, von Suworow angefeuert, verrichtete Wunder an Heldentaten und überwand ehrenvoll alle Schwierigkeiten und Prüfungen. Anfang Oktober 1799 machte sie ihren letzten Übergang über den schneebedeckten Kamm des Panix. Diese Berge waren hoch, steil und felsig. Langsam kletterten die russischen Soldaten im Schneesturm und in dichtem Bergnebel hinauf. Der Abstieg von den Bergen nach dem Passübergang war noch schwieriger als der Aufstieg. Die Menschen, Pferde, Maulesel kamen ins Rutschen und fielen hin. Mitunter stürzten sie in den Abgrund.



Suworow überquert die Alpen Gemälde von Wassili Iwanowitsch Surikow

 

Bildquelle: Von Wassili Iwanowitsch Surikow – _AHnWPcZJr1YrQ at Google Cultural Institute maximum zoom level, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21854387

 

 

Suworows Alpenfeldzug, der schwierigste der Kriegsgeschichte, war beendet. Binnen zwei Wochen hatte die russische Armee an die 5000 Mann verloren, war jedoch der Vernichtung entgangen. Die gesamte Welt sprach von der Tapferkeit und dem Heroismus der russischen Soldaten und von Suworows Feldherrenkunst. Selbst der französische Marschall Massena bemerkte mit Bewunderung, dass er bereit wäre, für diesen Übergang Suworows über die Alpen alle seine 48 Feldzüge hinzugeben. Der Imperator Pawel I. (Paul I.) erhob Suworow in den Rang eines Generalissimus. Suworow wurde befohlen, nach Russland zurückzukehren. Unterwegs erkrankte er.

In Russland bereitete das Volk einen feierlichen Empfang für den geliebten Feldherren vor. Aber der Zar untersagte die Feierlichkeiten. Er hatte Angst vor der gewaltigen Liebe des Volkes und des Heeres zu Suworow. Der grausame Despot beraubte den sterbenden Feldherren der letzten Freude – der Freude des Zusammentreffens mit dem Volk.

In der Nacht zum 3. Mai 1800 fuhr Suworow heimlich durch die stillen Straßen der schlafenden Hauptstadt. In tiefer Einsamkeit verbrachte der Feldherr, der den Kriegsruhm Russlands begründet hatte, seine letzten Tage.

Am 18. Mai 1800 war Suworow nicht mehr. In großem Schmerze begleiteten ihn das Volk und die alten Kampfgefährten zur letzten Zufluchtsstätte – zum Alexander-Newskij-Kloster. Auf dem Grab des größten russischen Feldherrn wurde eine schlichte Steinplatte gelegt, die die ebenso schlichte Aufschrift trägt: „Hier ruht Suworow.“


Aber Suworows Name und Heldentaten lebten weiter. Die Suworowsche „Lehre zu siegen“ wurde auf viele Jahre hinaus zum Kriegsprogramm der besten russischen Feldherren. Seine Schüler und Nachfolger setzten die Weiterentwicklung und Vervollkommnung der Suworowschen Kriegskunst fort. Auch die Rote Armee hat sich die Suworowschen Gebote fest zu eigen gemacht und sie unter der Leitung ihrer Feldherren, unter der Leitung des Generalissimus der Sowjetunion, J.W. Stalin, schöpferisch verwertet.

Ein Zeitgenosse Suworows und sein Anhänger im Kriegshandwerk war der ausgezeichnet Flottenführer Uschakow. Mit seinem Namen ist das Aufblühen der russischen Kriegsmarinekunst verbunden.

Suworow hat nicht mitgekriegt, dass er später viel geehrt wurde. Siehe Wikipedia.

Suworow-Denkmal in der Schöllenen-Schlucht (Schweiz)
Bildquelle: Von I, Ondřej Žváček, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10710249

Die aktuellen Ereignisse machen auch vor den Denkmälern aus der älteren russischen Geschichte nicht halt.

Laut Wikipedia ist das Denkmal in der Schweiz, dass 1898 errichtet wurde, von mutmaßlich proukrainischen „Aktivisten“ Anfang 2022 geschändet worden.[15][16]

Noch zwei Ereignisse aus der heutigen Zeit sind zu erwähnen, die mit dem Denkmal an Suworow zusammenhängen.

Während der Kriegshandlungen zwischen der Ukraine und Russland erbeuteten (Na ja, sie nahmen es mit nach Hause, weil die Ukrainer damit ohnehin nichts anfangen können. P.R.) russische Truppen bei ihrem Rückzug aus Cherson im Oktober ein Denkmal für Suworow.[17]

Am 1. Dezember 2022 stimmte der Stadtrat von Odessa für eine Demontage des örtlichen Suworow-Denkmals. Am selben Tag begann der Abbau eines Denkmals für Suworow in Ismajil.[19]


Fjodor Fjodorowitsch Uschakow

Sowjetische Briefmarke von 1987
Bildquelle: Von Scanned and processed by Mariluna – Personal collection, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2823541

Fjodor Fjodorowitsch Uschakow wurde im Jahre 1745 in der Familie eines nicht reichen Adligen geboren. In das Petersburger Marinekorps eingetreten, begann der Sechzehnjährige mit Eifer und Beharrlichkeit sich dem schwierigen und rauen, aber verlockenden Seemannsberuf zu widmen.

Im ersten Russisch-Türkischen Krieg (1768 bis 1774) war Uschakow Leutnant und fuhr auf einem der kleinen Schiffe im Schwarzen Meer. Der Kampf um das Schwarze Meer wurde ihm zur Lebensaufgabe. Uschakow wurde der erste Erzieher der Schwarzmeer-Seeleute. Er kannte und liebte seine Matrosen. Wie Suworow war er der Ansicht, dass das Ziel der Erziehung der Soldaten darin bestehe, dass dieser in einer beliebigen Kampflage kriegerisches Können, kämpferischen Geist, Tapferkeit und Standhaftigkeit, Initiative und Flinkheit zeige.

Im ersten Russisch-Türkischen Krieg (1768 bis 1774) war Uschakow Leutnant und fuhr auf einem der kleinen Schiffe im Schwarzen Meer. Der Kampf um das Schwarze Meer wurde ihm zur Lebensaufgabe. Uschakow wurde der erste Erzieher der Schwarzmeer-Seeleute. Er kannte und liebte seine Matrosen. Wie Suworow war er der Ansicht, dass das Ziel der Erziehung der Soldaten darin bestehe, dass dieser in einer beliebigen Kampflage kriegerisches Können, kämpferischen Geist, Tapferkeit und Standhaftigkeit, Initiative und Flinkheit zeige.

Uschakow, wie auch Suworow, kümmerte sich nicht darum die Linienschlachtordnung einzuhalten. An erste Stelle stellte er das Manövrieren und den kühnen Angriff, beide mit kühler Berechnung kombinierend.

Im März 1790 wurde Uschakow zum Befehlshaber der Schwarzmeerflotte ernannt und konnte das von ihm ausgearbeitete System des Seekrieges zur praktischen Anwendung bringen. Der kühne, schnelle und entschlossene Angriff der Kriegsschiffe Uschakows war stets von einem Sieg gekrönt. Uschakows Seekriege, die gleichzeitig mit der Einnahme Isamils durch Suworow erfolgten, beschleunigten das siegreiche Ende des zweiten türkischen Krieges.

Im Jahre 1798 trat Russland in den Krieg gegen den französischen Eroberer Napoleon ein, der Malta, die Ionischen Inseln und Ägypten erobert hatte. Mit den Operationen gegen Napoleon im Mittelländischen Meer wurde Uschakow betraut, dem das Kommando über die gemeinsamen Aktionen der russischen und türkischen Flotte übertragen worden war.

Nachdem Uschakow eine Reihe griechischer Inseln befreit hatte, begann er im November 1798 die Belagerung der Insel Korfu. Es War eine mächtige Festung, gut ausgebaut, die als uneinnehmbar galt. Getreu den Suworowschen Regeln, bereitete Uschakow den Sturm auf die Festung gewissenhaft vor. Die russischen Schiffe kamen so nahe an die Insel heran, dass sie aus nächster Nähe die französischen Bastionen zerstören konnten. 2 000 Mann Marineinfanterie wurden unter Gewehrfeuerdeckung auf der Insel an Land gesetzt und schlugen den Feind in die Flucht. Als Suworow von dem glänzenden Sieg Uschakows erfuhr, rief er mit Bewunderung aus: „Unser großer Peter ist noch am Leben! Hurra die russische Flotte! Warum war ich nicht in Korfu mit dabei, wenn auch nur als Unterleutnant!“

Die griechische Bevölkerung begrüßte die russischen Befreier mit Jubel. Uschakow gewährte der Bevölkerung das Recht, sich ihre Selbstverwaltungsorgane selbst zu wählen und schützte die Rechte und das Eigentum der Bevölkerung vor jedwedem Anschlag. Als die Inseln endgültig von den französischen Okkupanten befreit waren, arbeitete Uschakow gemeinsam mit den örtlichen Patrioten eine Verfassung der Republik der Ionischen Inseln aus.

Nach der Einnahme von Korfu schickte Uschakow eine seiner Landungsabteilungen nach Süditalien, das bald von den Franzosen befreit wurde. Mit seinem Geschwader segelte Uschakow in die napolitanischen Gewässer und kommandierte zwei Abteilungen zur Befreiung Roms ab. Jubelnd empfing die römische Bevölkerung die russischen Befreier.

Uschakow hielt es für notwendig, sich nachher zur Insel Malta gegen die Hauptstreitkräfte Napoleons zu wenden, erhielt aber unerwartet den Befehl des Imperators Pawel I.(Paul I.) unverzüglich nach Russland zurückzukehren. Auf dem Rückweg in die Heimat besuchte Uschakow noch einmal die Insel Korfu. Der Senat der neuen Republik erklärte ihn in einer feierlichen Versammlung „zum Vater und Retter des Volkes“ und überreichte dem russischen Admiral im Namen des Volkes einen reichverzierten Schild, ein goldenes Schwert und eine Medaille, die ihm zu Ehren geprägt worden war.

Die zaristische Regierung würdigte die „eigenmächtigen“ und „aufrührerischen“ Handlungen des russischen Admirals in völlig anderer Weise.

1807 wurde Uschakow verabschiedet.

(Auf Wikipedia steht, dass Uschakow im Jahre 1806 verabschiedet wurde. P.R.)

Am 2. Oktober 1817 starb er, gleich Suworow, in der Einsamkeit und Verbannung.

(Dass er später geehrt wurde, hatte er ja nicht mitgekriegt. P.R.)

(Folgendes ist noch zu ergänzen, was auf Wikipedia, aber nicht in dem Alten Buch „Das Sowjetland“ steht. P.R.)

Mit der Ermordung von Zar Paul I. am 6. April 1801 änderten sich jedoch die russischen Interessen. Der neue Zar Alexander I. dachte an ein Bündnis mit Napoleon. Dabei störte ein erfolgreicher Kämpfer gegen die Franzosen wie Uschakow

Das Grab Uschakows im Sanaksar-Kloster bei Temnikow
Bildquelle: Von Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Olegivvit als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). – Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird angenommen, dass es sich um ein eigenes Werk handelt (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=867394

 

Von http://mondvor.narod.ru, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2150504

 

Nach Uschakow ist der Uschakoworden der sowjetischen Flotte benannt.

Ebenso tragen mehrere Kriegsschiffe sowie der Asteroid (3010) Ushakov seinen Namen und der Ort Brandenburg (Frisches Haff) wurde 1946 nach ihm umbenannt.

2001 wurde er von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen. Zum 15. Jahrestag der Heiligsprechung 2016 wurden Reliquien von ihm mit kirchlichem und militärischem Zeremoniell in der Kasaner Kathedrale in Sankt Petersburg niedergelegt.[1] Die 2006 fertiggestellte neue Kathedrale von Saransk trägt seinen Namen.

Ebenfalls 2006 wurde in Bulgarien das Uschakow-Denkmal am Kap Kaliakra eingeweiht.

Uschakow-Denkmal am Kap Kaliakra
Bildquelle: on Borislavlm87 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49757394

 

 

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 1 aus dem Jahre 1947. Original-Autorin:  Anna Michailowna Pankratowa,

bearbeitet und einige Passagen aus Wikipedia entnommen, Petra Reichel

Suworow und Uschakow

 

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 1

 

 

 

 

 

 

Vorwort zur Mai-Ausgabe 2025

Von Februar 2025 bis Mai 2025 hat sich DIE TROMMLER mit der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber: Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, beschäftigt. Manches war ganz schön knifflig.

Diese Broschüre ist an die heutigen Schülerinnen und Schüler gerichtet. Ob im Unterricht soviel Zeit ist, um das alles auszuarbeiten, ist fraglich. Vielleicht ist es als Projektarbeit gedacht. Sind die heutigen Lehrerinnen und Lehrer in der Lage entsprechende Anleitung zu geben? Denn die meisten Lehrkräfte sind zu jung, um die DDR noch zu kennen. Es besteht die Gefahr, dass letztendlich die Geschichtsschreibung der Sieger vermittelt wird. Doch Original-Dokumente geben die Chance die historischen Ereignisse ohne Vorurteile auszuwerten. DIE TROMMLER bietet der heutigen und nachfolgenden Generationen die Möglichkeit historische Ereignisse aus der Sicht der Verlierer der Geschichte wahrzunehmen.

Näheres siehe Inhaltsverzeichnis

Broschüre

Arbeitsaufträge 5

Aufgabe 1

Informieren Sie sich im Abkürzungsverzeichnis und im Internet über die Stasi-Abteilung „M“. In welchen Gebäuden hatte sie ihre Außenstellen? Nennen Sie Argumente, mit denen die Einstellung der Arbeit dieser Abteilung begründet wurde.

 

Aufgabe 2

Erläutern Sie, welche Auswirkungen die Umwandlung des MfS in das AfNS für viele Stasi-Mitarbeiter hatte. Auf welche Weise wollte die Stasi das Arbeitsplatzproblem für ehemalige Mitarbeiter lösen?

 

Aufgabe 3

Fassen Sie anhand des Dokumentes 11 zusammen, worin die angeblich wichtigsten Neuerungen beim AfNS (ANS) bestanden.

 

Aufgabe 4

Dokument 12 ist ein mit Bleistiftbemerkungen versehener Entwurf der Leitung der AfNS. Untersuchen Sie anhand dieses Dokuments, mit welchen Spitzeln das neue Amt nicht mehr zusammenarbeiten wollte.

 

Aufgabe 5

Setzen Sie sich mit der 1989 oft zu hörenden Auffassung auseinander, das AfNS sei nur Etikettenschwindel gewesen, um die Stasi über die Krisenzeit zu retten. Schreiben Sie auf, was dafür und dagegen spricht. Bilden Sie sich eine abschließende Meinung und begründen diese.

Antwort zu Aufgabe 1

Die Abteilung „M“ beim MfS war die Abteilung für Postkontrolle. Diese Diensteinheit war für die Kontrolle und Auswertung der Postsendungen sowie für die Führung des Schriftenspeichers und spezieller Adressdateien zuständig.

Die Außenstellen befanden sich in Gebäuden der Post und der Zollverwaltung. Die Räumlichkeiten mussten geräumt und im Anschluss so hergerichtet werden, das nichts auf die Abteilung „M“ hinweist.

Trotz gesetzlicher Regelungen wurde auch die Postzollfahndung beendet. Aufgrund der Krise waren diese Tätigkeiten nicht mehr durchführbar. Der amtierende Minister, Rudi Mittig, hat das so entschieden.

Siehe auch: „Dokument zur Postkontrolle nach Abschluss der KSZE“

 

Antwort zu Aufgabe 2

Man wollte sich angleichen, an wen auch immer. Es sah nach Angleichung an die BRD aus. Andererseits schwurbelte man herum, dass es um Erneuerung des Sozialismus ginge und ähnlichen Stuss. Das war Irreführung der Aufrechten.

Bei der Lösung des Arbeitsplatzproblems für ausscheidende Mitarbeiter des MfS, bzw. AfNS hat man auf eine alte Regelung aus dem Jahre 1982 zurückgegriffen.  Man hatte nicht beachtet, dass bei der Krisen- und Umbruchssituation die Regelung aus alter Zeit nicht mehr real anwendbar war.

Siehe auch Beitrag „Erklärung des Kollegiums des MfS zum Thema Umstellung des MfS zum AfNS (Vom Ministerium für Staatssicherheit zum Amt für Nationale Sicherheit)“

 

Antwort zu Aufgabe 3

Ausführlich ist das im Beitrag „Über ein Gespräch im Landestheater Halle in Reaktion auf einen Brief des Landestheaters“ dargelegt worden.

Es geht um eine Angleichung in Richtung Geheimdienst eines bürgerlichen Staates. Mit dem Sozialismus hatte man abgeschlossen. Die Aufgaben des Geheimdienstes änderten sich folglich. Es wurden innerhalb des Theaters keine Spitzel und IM mehr gebraucht.

 

Antwort zu Aufgabe 4

Im Beitrag „(Vorläufige) Grundsätze für die inhaltliche und methodische Gestaltung der Arbeit mit IM“ wird auf einen früheren Beitrag in DIE TROMMLER verwiesen, der das Thema IM ausführlich behandelt. Außerdem wird auf den entsprechenden Abschnitt aus dem Buch „Die Sicherheit“ hingewiesen, dass man in Teilen oder als Ganzes auf der Website des ISOR Sozialvereins Archiv herunterladen kann.

Nicht mehr zusammenarbeiten wollte man mit IMs, die für innere und äußere Feinde zuständig waren. (Mensch wozu ist dann ein Geheimdienst da? P.R.)

  • mit IMs die mit den Bereichen Politik, leitenden Mitarbeitern staatlicher Organe, Funktionären aus Parteien und Organisationen zu tun hatten.
  • mit IMs die unzuverlässig und unehrlich waren.
  • mit IMs die eine weitere Zusammenarbeit ablehnten
  • mit IMs, die man nicht mehr für geeignet hielt
  • na und mit IMs, die die Umstellung und Angleichung nicht mitmachen wollten

Soweit in Kürze die Antwort auf die gestellte Aufgabe. Man könnte noch viel sagen, wenn man ins Detail ginge.

 

Antwort zu Aufgabe 5

Dass die Umstellung vom MfS auf das AfNS nur ein Etikettenschwindel wäre, nur eine Namensänderung stattgefunden hätte usw. wurde 1989 stets behauptet. Doch befasst man sich tiefer mit der Materie, stellt man fest, dass dem nicht so ist. Es ist die Angleichung und Umstellung auf den Geheimdienst eines bürgerlichen Staates vorgenommen worden. Als Vorbild diente die BRD.  Doch letztendlich war das sinnlos. Es war eben noch nicht entschieden, ob die DDR ohne Sozialismus weiterhin bestehen sollte oder, wie dann geschehen, die DDR nicht mehr existent sein wird.

 

 

 

Dokument 9

Dokument 10

Dokument 11

Dokument 12

Entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

Arbeitsaufträge 6

Aufgabe 1

Anfang Dezember besetzten Bürgerinnen und Bürger der DDR viele Stasi-Dienststellen. Was war der Auslöser für diese Aktionen? Überlegen Sie, warum die Häuser der Staatssicherheit erst zu diesem Zeitpunkt besetzt wurden.

 

Aufgabe 2

Beschreiben Sie die Reaktionen des AfNS auf die Ereignisse am 4. Und 5. Dezember 1989. Erörtern Sie die Gründe für das Zurückweichen der Stasi-Mitarbeiter in den Bezirken und Kreisen der DDR.

 

Aufgabe 3

Im Dokument 15 beklagt die Staatssicherheit die schlechte Zusammenarbeit mit der Volkspolizei Anfang Dezember 1989. Geben Sie mit eigenen Worten wieder, welche Punkte bemängelt wurden.

 

Aufgabe 4

Jahrzehntelang waren die DDR-Behörden, wie die Volkspolizei, gezwungen, sich nach Anweisungen der Stasi zu richten. Diskutieren Sie, warum diese ungeschriebene Regel seit Anfang Dezember 1989 nicht mehr funktionierte.

Antwort zu Aufgabe 1

Ob das nur Bürgerinnen und Bürger waren, welche die Dienststellen des MfS besetzten, sei mal dahingestellt. Ich denke da haben sich Krawallmacher, Kriminelle und Spione anderer Geheimdienste druntergemischt. Anhand des bekanntgewordenen Falls der „Rosenholzdateien“ wurde ja zugegeben, dass fremde Geheimdienste die Gunst der Stunde nutzten. Was war der Auslöser? Gute Frage. Ist auch uninteressant. Ein Geheimdienst, der seine Gebäude und Anlagen nicht schützen kann, hat versagt.

 

Antwort zu Aufgabe 2

Kurz und gut, die Geheimdienstmitarbeiter haben aufgegeben. Ein Geheimdienst, der sein Land nicht schützen kann, nicht mal seine Gebäude und Anlagen schützen kann, hat versagt.

 

Antwort zu Aufgabe 3

Siehe auch Beitrag „Hinweise zum Zusammenwirken des Amtes für Nationale Sicherheit, Ministeriums für innere Angelegenheiten und der Staatsanwälte auf verschiedenen Ebenen.“

Es war die gesetzlose Zeit, während die Konterrevolution marschierte. Ausführliches im Beitrag.

 

Antwort zu Aufgabe 4

Sehr sinnig. In bestimmten Fällen, insbesondere bei Delikten mit politischem Hintergrund, muss die Polizei, bzw. die Staatsanwaltschaft mit dem Geheimdienst zusammenarbeiten. Das ist überall so. Nun gut, das MfS übernahm Aufgaben, die in anderen Ländern von anderen Behörden erledigt werden. Aber ob das so entscheidend ist?

Siehe auch Beitrag „MfS: Der Anfang“

Was gibt’s da zu diskutieren? Die Konterrevolution marschierte. Behörden waren nicht mehr handlungsfähig, wurden umstrukturiert u.ä.  Das MfS/AfNS war in Auflösung begriffen.  Die Endzeit der DDR war faktisch eine gesetzlose Zeit.

Dokument 13

Dokument 14

Dokument 15

Entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

Arbeitsaufträge 7

Aufgabe 1

Die beiden Telegramme wurden innerhalb von 24 Stunden geschickt. Vergleichen Sie die Inhalte und benennen Sie die wichtigsten Unterschiede. Diskutieren Sie, was die Gründe dafür gewesen sein könnten.

 

Aufgabe 2

Ministerpräsident Modrow hatte die Schaffung eines Amtes für Nationale Sicherheit (AfNS) Mitte November initiiert. Finden Sie Motive, warum er das Amt nur drei Wochen später wieder fallen ließ!

 

Aufgabe 3

Auf einer der letzten Dienstberatungen im AfNS musste der Leiter große Veränderungen verkünden (Dok. 17). Geben Sie die wichtigsten Veränderungen mit eigenen Worten wieder.

 

Aufgabe 4

An den Rand der „Hinweise“ hatte ein Stasi-Mitarbeiter geschrieben: „Zoll, Passkontrolle(olle)“. Entwickeln Sie Szenarien, aus denen hervorgeht, was die Staatssicherheit vorhatte. Bedenken Sie dabei, dass eine große Entlassungswelle von Stasi-Mitarbeitern bevorstand.

 

Aufgabe 5

Erläutern Sie, warum ab 9. Dezember Volkspolizisten und Vertreter der Bürgerbewegung die Sicherung aller Stasi-Dienststellen übernehmen sollten.

Antwort zu Aufgabe 1

Die Ersteller der Broschüre und der darin enthaltenen Aufgaben sind anscheinend jüngere Leute, die nicht wissen, dass Telegramme und Fernschreiben verschiedene Dinge waren. Hier geht es um Fernschreiben und nicht um Telegramme.

Na, was soll man da sagen? Die konterrevolutionären Ereignisse überschlugen sich. So war nach 24 Stunden manche Festlegung nicht mehr aktuell. Ansonsten fehlen einem für die damaligen Zustände die Worte.

Siehe Beitrag: „Zwei Fernschreiben an die Beauftragten des Vorsitzenden des Ministerrates“

Antwort zu Aufgabe 2

Was soll man dazu noch sagen? Die Konterrevolution schritt voran. Möglicherweise war absehbar, dass die DDR nicht mehr lange existiert. Es ging darum alles für die Übergabe vorzubereiten. Näheres siehe Beitrag „Hinweise für die Dienstbesprechung am 08.12.1989, 17 Uhr“

 

Antwort zu Aufgabe 3

Siehe auch Beitrag „Hinweise für die Dienstbesprechung am 08.12.1989, 17:00 Uhr“

Zum damaligen Zeitpunkt war zu erwarten, dass das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) bald aufgelöst wird. Man sah voraus, dass eine größere Anzahl von Mitarbeitern keine weitere Dienstverwendung finden wird.

Die Dienststellen sollten aufgelöst werden.

Alles Weitere: bitte Link zum Beitrag klicken.

Antwort zu Aufgabe 4

Na, was da noch handschriftlich zum Dokument hinzugefügt wurde, war wohl die falsche Hoffnung die ehemaligen Mitarbeiter des nunmehrigen AfNS beim Zoll und der Passkontrolle unterzubringen. Wir wissen, dass das bald obsolet wurde.

Antwort zu Aufgabe 5

Nun musste die Volkspolizei herhalten, um die Sicherung der Dienststellen des MfS (in der Aufgabe als „Stasi-Dienststellen“ bezeichnet), gemeinsam mit den Konterrevolutionären, in der Aufgabe als „Bürgerbewegung“ bezeichnet, zu sichern. Na ja, der Fall „Rosenholzdateien“ ist ja bekannt geworden. Es ist davon auszugehen, dass westliche Geheimdienste die Gunst der Stunde nutzten und vieles abgegriffen haben. Schließlich ist ja nicht alles bekanntgeworden.

Dokument 16

Dokument 17

Entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

Arbeitsaufträge 8

Aufgabe 1

Erläutern Sie, mit welchen Schwierigkeiten das in der Auflösung befindliche AfNS seit Mitte Dezember 1989 zu kämpfen hatte.

Aufgabe 2

Erklären Sie, weshalb sich die Beschäftigten in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen erst ab Dezember 1989 massiv gegen die Einstellung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter wehrten.

Aufgabe 3

Seit Dezember herrschte in vielen Familien von Stasi-Mitarbeitern die Angst vor Ausgrenzung, Verhaftung und sogar Lynchjustiz. Erörtern Sie, was die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter befürchteten. Waren ihre Ängste real zu begründen? Was für Ansichten und Vorstellungen der Stasi-Leute kamen dabei zum Vorschein?

Antwort zu Aufgabe 1

Man konnte die ehemaligen Mitarbeiter nicht oder nur schwer in Arbeit unterbringen.  Die Zusammenarbeit mit anderen Behörden ist zum Erliegen gekommen. Es herrschte eine gesetzlose Zeit.

Siehe auch „Bericht über die Lage in den Bezirksämtern für Nationale Sicherheit sowie im Zusammenhang mit der Auflösung der Kreisämter für Nationale Sicherheit (15.12.1989)“

Antwort zu Aufgabe 2

Was soll man dazu sagen?  Die sahen, dass es mit dem MfS, bzw. AfNS zu Ende ging und sie fühlten sich sicher. So zeigten sie offen die Ablehnung gegenüber den ehemaligen Mitarbeitern des MfS/AfNS. Ja, sie „rechneten sogar mit ihnen ab“.

Siehe auch „Tagesbericht aus Halle“

Antwort zu Aufgabe 3

Natürlich waren die Ängste zu begründen. Es herrschte die gesetzlose Zeit. Der Mob war damals zu allem fähig.

Entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

Dokument 18

Dokument 19

entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

Arbeitsaufträge 1

Brief der Kirchen an Erich Honecker

Aufgabe 1

Erarbeiten Sie anhand des Briefs an den DDR-Staatschef, welche Veränderungen die Kirchenleitung in der DDR wünschte. Geben Sie die Forderungen mit eignen Worten wieder.

Aufgabe 2

Erörtern Sie, warum die Kirchenoberen ihre Anhänger zum Dableiben aufriefen.

Aufgabe 3

Ermitteln Sie mithilfe des Abkürzungsverzeichnisses die Aufgaben und Befugnisse einer Bezirkseinsatzleitung in der DDR. Diskutieren Sie anhand Ihrer Erkenntnisse, mit welcher drastischen Maßnahme die alte SED-Führung um Honecker im Oktober 1989 die friedliche Revolution verhindern wollte.

Antwort zu Aufgabe 1

Das ist weitgehend in der Bearbeitung und den Nachbemerkungen zu diesem Dokument erledigt.

Hier nochmal die Forderungen:

  • offene und wirklichkeitsnahe Diskussionen über die allgemeine Unzufriedenheit in der DDR
  • kritische Einwände von Bürgerinnen und Bürgern der DDR zu berücksichtigen und zum Wohle aller in erkennbaren Veränderungen wirksam werden zu lassen
  • Änderung der Medienpolitik
  • besserer Umgang der Behörden mit den Bürgerinnen und Bürgern Reisemöglichkeiten in alle Länder
  • ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern der DDR, die in ein anderes Land übergesiedelt sind die Rückkehr zu ermöglichen.  (Zu dieser Thematik siehe Schwesterblog „Aufnahmeheim Röntgental“. P.R.)

    Die aufgelisteten Forderungen klingen vernünftig, denn es geht da tatsächlich um Defizite in der DDR.

Antwort zu Aufgabe 2

Werner Leich hatte als Vertreter der Evangelischen Kirchen in der DDR an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger der DDR appelliert.

Er warnte vor der Illusion vom besseren Leben in der BRD. Außerdem zeigte er auf, welche Lücken der Weggang von vielen Bürgerinnen und Bürgern gerissen hatte. So z.B. im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft.

Werner Leich appellierte an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen nicht nur für sein eigenes Leben, sondern für das Leben der Gemeinschaft.

Um den Frieden zu wahren und des geordneten Miteinanders von verschiedenen Staaten, hatte er die Botschaftsbesetzungen und die Massenflucht über Ungarn nicht gutgeheißen.

Er appellierte in der heimatlichen Gemeinschaft zu bleiben und die DDR nicht zu verlassen und erklärte außerdem, dass alle an ihrem Platz wichtig sind.

Werner Leich hatte geschrieben, dass die Kirche ihre Aufgabe darin sieht, in der Gesellschaft der DDR zu wirken und hatte die Menschen gelobt, die keinen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR (Ausreisantrag) mehr stellen wollten.

Er hatte auch geschrieben, dass die Mitarbeit aller gefragt ist, unter den Defiziten der DDR leiden und Veränderungen anstreben. (Na ja, das ist „Wischi-Waschi“. Ging es um die Hilfe von Ungerechtigkeit Betroffenen oder um Konterrevolution? Außerdem hielt sich die Kirche ein „Hintertürchen“ offen, um flexibel reagieren zu können, egal was kommt.)

Siehe Bearbeitung des Dokuments

Aufruf der Konferenz der evangelischen Kirchen vom 08. September 1989

Antwort zu Aufgabe 3

Entnommen aus dem Abkürzungsverzeichnis der Broschüre, wie in der Aufgabe vorgegeben.

„Oberstes Führungsorgan im Bezirk zur Leitung der Verteidigungsmaßnahmen im Kriegsfall und in Krisensituationen. Der BEL gehörten u.a. die Chefs von Staatssicherheit, Polizei und Militär im Bezirk an. Vorsitzender war der Chef der SED-Bezirksleitung. Die BEL unterstand dem vom SED-Generalsekretär geführten Nationalen Verteidigungsrat, der die Mobilmachung anordnen und den Ausnahmezustand verhängen konnte.“

Was gibt es da zu diskutieren? Jeder Staat trifft Maßnahmen in Kriegs- und Krisensituationen. Wir kennen das ja noch aus der Corona-Zeit. Heute wissen wir, dass die Maßnahmen überzogen waren. Doch da findet keine Aufarbeitung statt. Wenn es echte Krisen oder gar Kriegssituationen gibt, hat jeder Staat entsprechende Maßnahmen in der Reserve. In der DDR war das natürlich auch angedacht. Doch letztendlich war die Staatsmacht nicht in der Lage diese durchzusetzen. Erich Honecker war durch seine Krankheit zu lange handlungsunfähig. Als er wieder handlungsfähig war, war die Konterrevolution bereits zu weit fortgeschritten und er musste zurücktreten.

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv

Arbeitsaufträge 2

Vergleich Montagsdemo Halle Geheimdienst – und Polizeibericht sowie des MfS Dresden

 

  1. Vergleichen Sie Inhalt und Stil der Dokumente 4 und 5 (Fernschreiben des MfS Dresden nach Berlin und der Bericht des MfS Halle an die SED-Kreisleitung) Fassen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zusammen. Versuchen Sie Erklärungen für die Unterschiede zu finden. Besprechen Sie die Ergebnisse in der Gruppe.

 

  1. Die Dokumente 5 und 6, sind der Geheimdienstbericht (des MfS) und der Polizeibericht. Es sind verschiedene Berichte zu ein und demselben Ereignis. Arbeiten Sie durch Vergleiche heraus, welche Eindrücke der Verfasser von Dokument 5 (Bericht an die SED) beim Leser erwecken wollte.

 

  1. Charakterisieren Sie die in den Berichten Dok.5 und 6, also dem Polizeibericht und dem Geheimdienstbericht, geschilderten Verhaltensweisen der kirchlichen Amtsträger während der Ereignisse am 09.Oktober 1989 in Halle. Erörtern Sie die Gründe für das Verhalten. Beachten Sie dabei, wer die Berichte verfasst hatte.

 

 

  1. Auch in Demokratien, wie der Bundesrepublik Deutschland, kann es vorkommen, dass Polizeikräfte gewaltsam gegen Demonstranten vorgehen. Diskutieren Sie in der Gruppe, worin Sie Unterschiede zum Vorgehen der DDR-Sicherheitskräfte sehen.

 

 

Dokument 4

Dokument 5

Dokument 6

Diese Aufgaben sind knifflig. Es geht einmal um den Polizeibericht und den Geheimdienstbericht zur Montagsdemo am 10.10.1989 in Halle. Das soll verglichen werden. Dann kommt noch der Geheimdienstbericht von Dresden ins Spiel, der auch verglichen werden muss.

In den Beiträgen habe ich mich mehr auf den Geheimdienstbericht konzentriert, was Halle angeht, da es sich um einunddasselbe Ereignis handelt. Erst bei der Lösung der Aufgaben sind mir die Unterschiede bewusst geworden. Der Geheimdienstbericht von Dresden war MfS-intern. Der Geheimdienstbericht von Halle ging an die SED-Kreisleitung und war subjektiv abgefasst.

Den Geheimdienstbericht von Dresden habe ich extra abgefasst, da es sich um ein anderes Ereignis handelt. Da dieser Bericht MfS-intern war, wurde dieser nüchtern-sachlich abgefasst.

Petra Reichel

Antwort zu Aufgabe 1

Das Schreiben des MfS-Dresden (Dokument 4) ist nüchtern-sachlich abgefasst. Die Kirchen, wo die Veranstaltungen stattfanden, wurden genannt und die Forderungen von Demonstranten aufgelistet. In Dresden gab es laut diesem Bericht keine „feindlich-negative“ oder „provozierende Vorkommnisse“. Es war ein MfS internes Schreiben. Man konnte dabei nüchtern-sachlich bleiben.

Das Schreiben der MfS-Kreisdienststelle Halle an die SED-Kreisleitung (Dokument 5) enthält die Meinung des Verfassers.  Es wird von internen Quellen berichtet, die vor Störungshandlungen warnen. Es wird über einen Sicherungseinsatz in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei und den Kampfgruppen der Arbeiterklasse berichtet. Der Hauptfokus wird auf „feindlich-negative Kräfte“ und „dekadenter Jugendlicher“ gerichtet. Das werden die Demonstranten mit dem Inhalt ihrer Transparente genannt. Die mitwirkenden Pfarrer werden genannt. Die rebellischen Jugendlichen waren aber eine Nebenhandlung, die das Ereignis ausnutzten. Das MfS sah es aber anders.

Es wird eine Mitarbeiterin der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (eine Handelskette in der DDR) genannt, die neben anderen Personen vorläufig festgenommen wurde, im DDR-Amtsdeutsch „zugeführt“ wurde.

Die Amtspersonen der Kirche machten laut diesem Bericht erst verspätet ihren Einfluss geltend, dass die Versammlung ordnungsgemäß aufgelöst wurde. Im Bericht werden Amtspersonen der Kirche beschuldigt die rebellischen Jugendlichen zu ihren Aktionen ermuntert zu haben.

Laut Bericht wurde durch das konsequente Handeln der Sicherungskräfte die beabsichtigte Konfrontation unterbunden.

Antwort auf Aufgabe 2

Welchen Eindruck wollte der Verfasser des Schreibens der Kreisdienststelle des MfS (Bericht an die SED-Kreisleitung) (Dokument 5) beim Leser erwecken? Der Verfasser war ein Oberstleutnant Thomas. Ob er noch lebt?  Leider besteht nicht die Möglichkeit ihn selbst zu fragen, was ja der Fairness dienen würde. So äußere ich meine, in der Aufgabe geforderte, Meinung.

Der Fokus wurde auf die rebellischen Jugendlichen gerichtet. Allerdings nutzten diese nur die Veranstaltung um zu provozieren und über die Stränge zu schlagen. Ihre Aktion war ein Nebenereignis. Das Beschuldigen der kirchlichen Amtspersonen für zu spätes Eingreifen wäre nicht nötig gewesen. Dass es mehrheitlich unbescholtene Bürgerinnen und Bürger waren, welche die Veranstaltung in der Kirche besuchten, war das Hauptereignis. Das ist in diesem Schreiben untergegangen.

Der Verfasser wollte vermutlich vor der SED-Kreisleitung das Ereignis verharmlosen und „gut dastehen“. Von unzufriedenen Bürgerinnen und Bürgern sollte die SED-Kreisleitung keine Kenntnis erhalten. Warum auch immer. Im Schlusssatz wurde vermittelt: „Wir haben die Lage im Griff.“

Die Festnahme der Mitarbeiterin der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (Handelskette in der DDR) Industriewaren ist in diesem Schreiben herausgestellt worden. Warum war diese Person so wichtig, dass man dies der SED-Kreisleitung mitteilen musste? War sie SED-Mitglied? Wenn ja, wurde sie als einzelne Person hingestellt, die sich parteischädigend verhalten hatte.  Nur sie war dann von Disziplinarmaßnahmen betroffen. So machte man es sich einfach. Es ist die Frage, ob sie ins Gegnerlager übergelaufen ist oder sich nur ihrer Unzufriedenheit Luft machen wollte und es dabei übertrieben hatte. Doch man machte sich wohl nicht die Mühe das herauszufinden. Es war einfacher Disziplinarmaßnahmen zu verhängen. Das machte diese Frau noch unzufriedener und ließ sie tatsächlich ins Gegnerlager überlaufen.

In Halle wurde die Aktion der rebellischen Jugendlichen aufgebauscht. In Dresden wird wohl ähnliches als Nebenhandlungen passiert sein, aber das wurde nicht wichtig genommen. Da wurde der Bericht an das MfS in Berlin nüchtern-sachlich abgefasst.

Der Polizeibericht über den Sicherungseinsatz vom 09.10.1989, von 16:30 bis 22:00 Uhr ist nüchtern sachlich abgefasst.

Gegnerische Personen werden benannt, hier aus heutigen Datenschutzgründen geschwärzt.

Es wird erwähnt, dass eine Demo außerhalb der Kirche geplant war. Man hatte Angst vor möglichem gewalttätigen Einschreiten der Volkspolizei. Die Kirche öffnete die Türen für Schutzsuchende. (Menschenskind, die wissen gar nicht, was gewalttätiges Einschreiten der Polizei ist.)

Die Sicherung wird beschrieben.

Über ein Gespräch mit Kirchenvertretern wird berichtet und die Aufforderung ein draußenhängendes Transparent zu entfernen. (Damals war es nur in privaten Innenräumen, wozu Kirchenräume zählten, zulässig solcherart Transparente aufzuhängen.)

Es wird über kleine Auseinandersetzungen berichtet, wobei es zu ersten Festnahmen kam. Es werden zwei Leute genannt, wobei einer unter Alkoholeinfluss stand. Womöglich ging es diesen Leuten ums Krawallmachen, wobei sie die ersten konterrevolutionären Ereignisse ausnutzten.

Nochmal wird ein Plakat erwähnt, das Leute mit aus der Kirche genommen haben. Nach Aufforderung brachten sie es wieder in die Kirche zurück.

Nun kommt auch in diesem Bericht, die bereits im Bericht des MfS an die SED-Kreisleitung, benannte Frau vor, die damals in der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (Handelskette in der DDR) Industriewaren arbeitete. Hier ist ersichtlich, dass sie für das „Neue Forum“ aktiv war. Also war sie bereits eine Gegnerin. Sie leistete Widerstand und der Schlagstock kam zum Einsatz.

Dann werden noch eine Sachbearbeiterin und eine Sekretärin im Bereich Medizin (vermutlich eine Arztsekretärin) benannt. Diese Frauen leisteten Widerstand, zeigten sich später aber einsichtig.

Diese Widerstandshandlungen ereigneten sich in Halle in Höhe des Kaufhauses „1000 kleine Dinge“.

An anderer Stelle ist ein Ingenieur vorläufig festgenommen worden, der, nach eigenen Angaben, als Abgeordneter beim Rat des Stadtbezirkes Halle/Ost tätig war. Es ist nicht sicher, ob er tatsächlich ein Abgeordneter war, weil im Bericht mit „..nach eigenen Angaben..“ eingeschränkt wird. Er könnte ein Hochstapler sein. Falls er doch Abgeordneter war, gehörte er vermutlich einer Blockpartei an. Denn das MfS interessierte sich nicht für diesen Mann. Hätte er der SED angehört, hätte das MfS an die SED-Kreisleitung gemeldet. Das MfS interessierte sich ohnehin nur für den Ereignisort Kirche, aber nicht für die anderen, im Polizeibericht aufgeführten Ereignisorte.

Insgesamt wurden 41 Leute vorläufig festgenommen. Über den Einsatz und Befehl zum Einsatz des Schlagstockes wird berichtet. Eine Frau, bereits oben erwähnt, aus heutigen Datenschutzgründen geschwärzt, ist beim Schlagstockeinsatz verletzt worden. Aus dem Zusammenhang erkennt man, dass es sich um die um die renitente Frau handelt, die in der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (Handelskette in der DDR) Industriewaren arbeitete.

Soweit in Kürze der Polizeibericht.

Antwort zu Aufgabe 3

Hier wird nochmal der Vergleich zwischen dem Geheimdienst- und Polizeibericht betreffs der Verhaltensweisen der Amtsträger der Kirche gefordert. Bei der Lösung der vorigen Aufgaben ist das bereits eingeflossen. Hier nochmal.

Der Bericht des MfS ist subjektiv. Die Amtspersonen der Kirche machten laut diesem Bericht erst verspätet ihren Einfluss geltend, dass die Versammlung ordnungsgemäß aufgelöst wurde. Im Bericht werden Amtspersonen der Kirche beschuldigt die rebellischen Jugendlichen zu ihren Aktionen ermuntert zu haben.

Der Verfasser, Oberstleutnant Thomas, wollte vermutlich vor der SED-Kreisleitung gut dastehen. Er lenkte von der Unzufriedenheit der Bevölkerung ab.

Der Polizeibericht ist nüchtern sachlich über Gespräche mit den anwesenden Kirchenvertretern und dass durch Aufforderung die in der Öffentlichkeit illegalen Transparente entfernt und in den Innenraum gebracht wurden, berichtet worden.

Antwort zu Aufgabe 4

Na, das ist ja sinnig. Was in damals in der DDR abging, war harmlos gegen das, was heute los ist, wenn sich der Staat angegriffen fühlt. Die Volkspolizei der DDR war nicht derart ausgerüstet, wie heutige Spezialeinheiten. Die Sonderausrüstung der Volkspolizei gab es erst im Verlaufe der konterevolutionären Ereignisse. In diesem Bericht wird eine Verletzte genannt.  (Vermutlich diese renitente Frau.) Heute gibt es mehr Verletzte, wenn die Spezialeinheiten zuschlagen. Dabei wurde damals tatsächlich der Staat aus den Angeln gehoben. Das ist heute undenkbar. Wenn sich heute der Staat angegriffen fühlt, wird zugeschlagen und Festnahmen durchgeführt.

Siehe auch folgende Beiträge:

Siehe Beitrag „Wurden in der DDR Demonstranten misshandelt?“ in „Was war die DDR?“ Bitte auch den Nachtrag des Zeitzeugen Gernot Budach lesen.

Ich erinnere an Phillip Müller, ein Kommunist aus der alten BRD, der am 11. Mai 1952 auf einer Demonstration in Essen von der Polizei erschossen wurde. Siehe Beiträge in DIE TROMMLER-ARCHIV und Kalter Krieg und „Entspannungspolitik“. In der DDR wurden Straßen nach Phillip Müller benannt. Diese Namensgebung  fiel nach der Konterrevolution und Annexion der DDR durch die BRD der Schilderstürmerei zum Opfer.

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv

Arbeitsaufträge 3

Dokument 7

Arbeitsaufträge zu Dokument 7

  1. Ermitteln Sie im Abkürzungsverzeichnis und im Internet, was die „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ waren und welche Funktion sie im System der DDR hatten.
  2. Erläutern Sie, welche Aufgabe die Kampfgruppen während der Friedlichen Revolution (Unter diesem Slogan wird die Konterrevolution in der DDR heute „verkauft“ P.R.) im Oktober 1989 erledigen sollten und ob sie, laut Quelle, dazu in der Lage waren.
  3. Mitglieder der Kampfgruppen sollten nur vom Sozialismus überzeugte Menschen sein. Analysieren Sie, warum es 1989 trotzdem zu massenhaften Austritten aus den Kampfgruppen kam.

Hier geht es um das in der Broschüre als Dokument 7 bezeichnete Schriftstück.

Thema ist der Zerfall der Kampfgruppen der Arbeiterklasse.

Das sind drei Aufgaben. Die kann man aber zusammenziehen. Im Beitrag in DIE TROMMLER zu diesem Schriftstück und im Beitrag in DIE TROMMLER-ARCHIV zum Thema ist alles gesagt, um auf diese Aufgaben zu antworten.

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv

Aufgaben beantwortet von Petra Reichel

Arbeitsaufträge 4

In der Broschüre ist das Schreiben von Erich Mielke als Dokument 8 gekennzeichnet.

Dokument 8

Hier die Aufgaben aus der Broschüre.

  1. Erläutern Sie, worin Stasi-Minister Mielke die Ursachen für Demonstrationen und Proteste im Herbst 1989 sah. Vergleichen Sie dies mit Ihren Kenntnissen über die Ursachen der Friedlichen Revolution in der DDR. Legen Sie dazu eine schriftliche Gegenüberstellung an.

  1. Erich Mielke glaubte, auch diese Krise wieder überstehen zu können. Suchen Sie den entsprechenden Abschnitt heraus und geben mit eignen Worten wieder, welche Vorkehrungen die Stasi-Mitarbeiter für die Zeit danach treffen sollten.

  1. Ergründen Sie anhand des Dokuments, welche Bevölkerungsgruppen im Oktober 1989 als erste von der revolutionären Stimmung erfasst wurden und auf die Straßen gingen. Versuchen Sie, Erklärungen dafür zu finden.

  1. Erörtern Sie, warum Minister Mielke besonderen Wert auf Ruhe innerhalb der Arbeiterschaft in den Betrieben legte. Überlegen Sie, weshalb sich die Arbeiter bis Mitte November kaum an den Demonstrationen beteiligten. Stellen Sie dazu vier bis 5 Thesen auf.

Siehe Beitrag in DIE TROMMLER

und Beitrag in ERICH MIELKE POWERPOINT-VORTRÄGE

Aufgabe 1

Erich Mielke sieht die Ursachen für die Proteste und Demonstrationen in äußeren Einflüssen, wie westliche Medien.

In der Aufgabenstellung wird der Slogan „Friedliche Revolution“ verwendet. Das ist ein Propagandabegriff, vergleichbar mit einem Werbespruch.  Es handelt sich um eine Konterrevolution. Vom Sozialismus zum Kapitalismus, von einem gesellschaftlich fortschrittlicheren System zurück zu einem gesellschaftlich rückschrittlichen System. 

Erich Mielke hat Recht, denn ohne die äußeren Einflüsse hätte es keine Konterrevolution gegeben. Ohne äußere Einflüsse wäre die Unzufriedenheit der Bevölkerung nicht derart geschürt worden, dass es am Ende keinen Lösungsweg mehr gab.

Allerdings gab es auch innere Versäumnisse und Fehler. Die Politik hatte die Unzufriedenheit der Bevölkerung ignoriert und saß diese aus. Am Ende war die Politik sprachlos.

Aufgabe 2

Erich Mielke glaubte an das Klassenbewusstsein der Arbeiter und Funktionäre aus Staat und Wirtschaft. Da es aus diesem Personenkreis nur wenige an den Protesten beteiligten, ging Erich Mielke davon aus, dass die arbeitenden Menschen Ruhe und Ordnung wollten. Er glaubte, dass dieser Personenkreis am Schutz der Errungenschaften der DDR interessiert wären. Er hatte übersehen, dass es den arbeitenden Menschen nur um Pflichterfüllung, Ruhe und Frieden ging. Die Errungenschaften wurden als selbstverständlich angesehen. Die Unzufriedenheit ging quer durch alle Bevölkerungsschichten. Auch das nahm Erich Mielke nicht wahr.

Aufgabe 3

Teile der wissenschaftlich-technischen, medizinischen und pädagogischen Intelligenz, Kunst- und Kulturschaffende, Studentinnen und Studenten, andere Jugendliche sowie Mitglieder befreundeter Parteien (Blockparteien) und Personen im kirchlichen Bereich waren die Bevölkerungsgruppen, die als erstes von der konterrevolutionären Stimmung erfasst wurden. Wie soll man dafür eine Erklärung finden, wenn man nicht spekulieren will?

 

Aufgabe 4

Die Arbeiter wollten Ruhe und Frieden und ihre Plicht erfüllen. Darum beteiligten sie sich zunächst nicht an den konterrevolutionären Aktionen.

Erich Mielke legte Wert auf Ruhe innerhalb der Arbeiterschaft. Logisch, denn es ist die größte Bevölkerungsgruppe, die ein Land am Laufen hält. Das war in der DDR nicht anders. Darum war es Erich Mielke sehr wichtig, dass es so bleibt.

Was soll man sonst noch für Thesen aufstellen, wie in der Aufgabe gefordert?

Aufgaben entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv

Aufgaben beantwortet von Petra Reichel