Bericht von Meisner

Bezirksverwaltung Leipzig                         Leipzig, den 14.04.1953

Abteilung II                                                    Streng geheim

                                                                         Entgegengenommen von Geyer am 13.04.1959

Meissner

Bericht

Am 28.03.1953 fuhr ich mit dem Interzonenzug von Leipzig über Probstzella-Ludwigstadt nach Nürnberg. Von dort weiter nach Regen am Hof. Die Kontrolle von Seiten der Volkspolizei war wie üblich. Von Seiten der westlichen Zollbehörden stellte ich dieses Mal sechs bis sieben Mann fest, welche kontrollierten. Einer von diesen fragte sich wo der Interzonenpass ausgestellt sei. Ich sagte ihm in Leipzig. Er fragte darauf ferner wo ich die doppelte Ausführung meiner Aufenthaltsgenehmigung hätte. Ich entgegnete ihm, dass ich nur eine habe. Von Ludwigstadt fuhr ich gegen 2:36 Uhr weiter nach Hof am Regen, wo ich gegen 10:00 Uhr am 29.03.1953 eintraf. Am gleichen Tage hatte mein Bruder Hochzeit an der ich teilnahm. Ich blieb bei meinen Eltern bis einschließlich 05.04.1953. Von hier aus fuhr ich nach Berlin über die Grenzorte Ludwigstadt-Probstzella. Der Grenzübertritt war normal auf beiden Seiten, er erfolgte ohne Beanstandung. In Berlin besuchte ich meine Braut bis einschließlich Donnerstag, den 09.04.1953. Von hier aus führ ich mit meiner Braut nach Leipzig zurück.

Während meines Aufenthaltes in Hof am Regen sind mein Bruder und ich nach Cham mit dem Motorrad gefahren. Mein Bruder hatte in Cham in der Lagerhausgenossenschaft etwas zu erledigen. Bei diesem Besuch stellte ich fest:

  1. Im Rodinger Forst, wo die ehemaligen Messerschmidt-Zweigwerke standen, werden von den Amerikanern große Materiallager angelegt. Ein großes Gebiet ist eingezäunt und es ist unmöglich dies zu betreten. Dieses Lager befindet sich ca. 35 bis 40 km von der Staatsgrenze der CST (später CSSR, heute Tschechien). Dieses erzählte mir mein Bruder (Name geschwärzt). Mein Bruder erzählte mir ferner, dass im Haidhof, im Forst Kreis Burgenlangenfeld, ebenfalls amerikanische Waffenlager angelegt wurden. Den Umfang des Lagers kannte mein Bruder nicht.                                                        In Cham selber wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. Ich beobachtete, dass dort zwei zweimotorige Flugzeuge auf dem Paltz standen, während die anderen Maschinen in den Flughallen untergebracht waren. Mein Bruder berichtete mir noch, dass in der Nähe des Flugplatzes sehr bald Kasernen gebaut werden sollen.
  2. In der Gegend von Regensburg -Neustadt. Abensberg (Niederbayern) -Krw. Kelheim, befindet sich ein großer Übungsplatz für amerikanische Düsenflugzeuge. Der Übungsplatz befindet sich schon seit der Nazizeit dort. Nach Kriegsende erhielten die Bauern die Wälder wieder zurück und 1948 haben die Amerikaner die Wälder wieder beschlagnahmt. Sie sind bestrebt diesen Übungsplatz ständig zu vergrößern. Diesen Platz sah ich in den letzten Jahren wiederholt, zum letzten Mal im Sommer 1952-
  3. In Parsberg bei Regensburg wurden inzwischen neue Gleisanlagen auf dem Bahnhof gelegt. Ich beobachtete drei bis vier Gleisanlagen. Ich sah auf dem Bahnhof amerikanische Soldaten, die aus einem Güterzug größere Kisten auf Lastwagen verluden. Zu diesen neuen Gleisanlagen wurden Anfahrtsstraßen gebaut.
  4. In Regensburg besuchte ich meinen Freund (Name geschwärzt), ca. 19 Jahre alt, von Beruf Steinsetzerlehrling, wohnhaft in Regensburg, (Straße und Hausnummer geschwärzt) ist KPD-Genosse und gilt als zuverlässig. (Name geschwärzt) erzählte mir:

a) Die CIC-Dienststelle befindet sich im Gebäude der amerikanischen Militärregierung in Regensburg, Dachauer Platz. Die Unterkünfte des CIC befinden sich Regensburg, Landauer Str. in der ehemaligen Infanteriekaserne.

b) Der BVSA (Bundesverfassungsschutzamt) befindet sich Regensburg, ebenfalls Dachauer Platz. Diese BVSA-Dienststelle nennt sich Sonderabteilung der Polizei. Zum Aufbau dieser Dienststelle wurde ein (geschwärzt) aus München geholt, der sich durch brutales Vorgehen gegen die Friedenskämpfer schon bewährte.

c) Die amerikanischen Offiziere sind mit ihren Familien im Villenviertel Regensburg, Prüfingerstr. Untergebracht.

d) In Regensburg befinden sich ungefähr zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei. Sie sind ebenfalls in den Infanteriekasernen in der Landshuter Straße untergebracht. Sie sind mit leichten Infanteriewaffen (Maschinengewehre und Wasserwerfern) ausgerüstet.

Mein Cousin (Name geschwärzt) der Sohn meines Onkels, ebenfalls (geschwärzt) wurde vom Arbeitsamt Cham nach Kaiserslautern zwangsverpflichtet. Er ist jetzt in Siegelbach bei Kaiserslautern wohnhaft und arbeitet als Maurer an einem Kasernenbau. Er ist 19 Jahre alt, politisch nicht organisiert und auch nicht zuverlässig. Ich hatte Gelegenheit, während der Osterferien meinen Cousin zu sprechen. Er erzählte mir, dass er in den Wäldern um Siegelbach große Kasernen, Materiallager und Bunker gebaut werden. Bei den Bunkern handelt es sich um Verteidigungsbunker. Diese Bauten werden in sehr großer Eile im Tag- und Nachtbetrieb errichtet.

5. Die Regenstaufer Regenbrücke, über die die Straße von Regensburg über Parsberg Grafenwöhr nach Hof in Bayern führt, wurde durch neue Betonsockel verstärkt und etwas erweitert.

6. Die Regenbrücke in Nittenau, an der Straße Regensburg-Fürth im Walde, (an der CSR-Staatsgrenze/später CSSR/heute Tschechien) wurde vollkommen neu gebaut.

7. Auf dem Nürnberger Hauptbahnhof habe ich während meines Aufenthaltes am 29.03.1953 beobachtet, wie ungefähr zwei amerikanische Kompanien in Kriegsausrüstung in einen Personenzug stiegen. Jeder Waggon hatte einen weißen Streifen mit der Nr. RC 190. Dieselbe Nummer sah ich in Parsberg an Güterwaggons.

8. Während meines kurzen Aufenthaltes am Bahnhof in Lichtenfels, auf der Fahrt nach Regen am Hof, beobachtete ich 4:00 Uhr einen Güterzug, beladen mit Panzern und Kraftwagen, die teilweise mit Planen überdeckt waren. Ich zählte ca. 20 Panzer. Der Zug wurde durch amerikanische Soldaten bewacht. Der Zug stand mit der Lokomotive in Richtung Norden.

gez. Meisner

Ob die Leute, die Wilhelm Meisner irgendetwas erzählt hatten, davon Kenntnis hatten, dass das beim MfS landet oder ob sie ahnungslos waren? Das geht aus dem Dokument nicht hervor. Vermutlich waren diese Leute ahnungslos.

Sieh an: Bereits damals im Jahre 1953, inmitten der Zeit des Wirtschaftswunders und der Aufbaujahre gab es Arbeitslosigkeit und Zwangsmaßnahmen des Arbeitsamtes. Genau, wie die heutigen Jobcenter, hatte das damalige Arbeitsamt immer bestimmte Leute im Visier, während bei anderen alles locker gesehen wurde und wird.

Der Cousin von Wilhelm Meisner wird zu einem Fernumzug nach Kaiserlautern gezwungen.  Das ist eine wichtige Liegenschaft der US-Amerikaner geworden. Der Cousin von Wilhelm Meisner wirkte am Aufbau mit. Kaiserslautern wird von den US-Amerikanern K-Town genannt.

 Während es heute mit dem Bauen eine Katastrophe ist, Straßen und Brücken bröckeln, so waren damals genügend Mittel für Baumaßnahmen da. Diese Baumaßnahmen waren allerdings für das Militär nützlich. Der Nutzen für die Zivilbevölkerung war nebensächlich.

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen

Beschluss über das Abbrechen der Verbindung

Leipzig, den 16.10.195

Nach Durchsicht der Personalakte Nr. 211/53 des Informators (Das IM-System kam später.) „Josef Brandl“ (Deckname) Meisner, Wilhelm, geb. (außer Geburtsjahr geschwärzt), 1928 in Hof am Regen, wohnhaft in Leipzig (Straße geschwärzt)

Stelle ich fest, dass der Informator „Josef Brandl“ in Westdeutschland als politisch belastet gilt, da er aktiv für die KPD eingetreten ist. Aus diesem Grunde kann er der Abt. II nicht mehr von Nutzen sein.

Aus aufgezeigten Gründen schlage ich vor, mit dem Informator – die Verbindung abzubrechen und die Personalakte im Archiv der Abteilung XII der Verwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit Land Leipzig abzugeben.

Unterzeichnet

Mitarbeiter der Abteilung (Kreisdienststelle) Hutschenreuter Unterleutnant

Bestätigt:

Der Leiter der Abteilung (Kreisdienststelle) Otto Unterleutnant

 

Damals wurde wohl die Regelung eingeführt, dass im Westen politisch Aktive, bzw. Mitglieder und Sympathisantinnen und Sympathisanten kommunistischer Parteien nicht für die DDR geheimdienstlich tätig sein durften.

Diese strikte Trennung wurde bis zum bitteren Ende beibehalten.

 Trotzdem waren Mitglieder sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten kommunistischer Parteien im Westen, insbesondere der BRD, Vorurteilen und Misstrauen ausgesetzt, da sie verdächtigt wurden geheimdienstlich für die DDR tätig zu sein. Da konnten sie tausendfach die strikte Trennung von politischen Aktivitäten und geheimdienstlicher Tätigkeit erklären.

Dokument entnommen aus der Broschüre

und vom Bundesarchiv: MfS im Westen.

Aufgaben zu Wilhelm Meissner

  1. Lesen Sie Dokument 1 und fassen Sie Kurz Meisners Lebenslauf zusammen.
  2. Zeichnen Sie in eine Deutschlandkarte die Orte seiner Lebensstationen ein.
  3. Stellen Sie in einer Tabelle Meisner Lebenslauf- bis zum Ende seiner Tätigkeit für das MfS – die politischen Ereignisse in Deutschland gegenüber.
  4. Lesen Sie Dokument 2 und überlegen Sie, weshalb Meissner von sich aus seine Beobachtungen meldete. Diskutieren Sie, was er mit seinen Meldungen bewirken wollte.
  5. Arbeiten Sie aus den Dokumenten 3 und 4 in kurzen Stichworten heraus, was das Ministerium für Staatssicherheit in Regensburg und Umgebung besonders interessierte – und wie Meissner seinen Auftrag ausführte.

Dokumente in der anhängenden Broschüre vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv.

Zusatzaufgabe:

Nach dem Abbruch der Verbindung steht über Meissners weiteren Lebensweg nichts mehr in den Stasi-Akten. Formulieren Sie aufgrund Ihrer Kenntnisse Meisners wie auch der deutschen Geschichte nach 1953 zwei fiktive Lebensläufe, wie sein Leben nach 1953 bis in die Gegenwart verlaufen sein könnte. Stellen Sie die Lebensläufe zur Diskussion, welcher Ihnen und Ihrer Klasse als der realistischere erscheint.

Ich fasse die Lösungen zusammen, denn warum soll im Nachhinein ein Lebenslauf für einen Menschen geschrieben werden, der längst in Rente ist, soweit er noch lebt?

Wozu die Lebensstationen in einer Karte einzeichnen? Das ist fächerübergreifend und geht in Richtung Geografie. Das finde ich überflüssig.

Am Anfang der DDR gab es die Arbeiter- und Bauernfakultäten. Das Bildungsmonopol für die Wohlhabenden und Akademiker wurde gebrochen. Arbeiter und Bauern sollten auch eine höhere Bildung erlangen und studieren. In qualifizierten Bereichen brauchte die DDR in möglichst kurzer Zeit gebildete Menschen während der Aufbauphase, um qualifizierte Stellen zu besetzen. Die KPD ermöglichte auch Menschen aus Westdeutschland sich an den Arbeiter- und Bauernfakultäten zu bilden.

Später gab es für Westdeutsche Parteischulen. Diese waren ausschließlich auf politische Bildung ausgerichtet. Die Schülerinnen und Schüler waren internatsmäßig untergebracht und hatten kaum Kontakt mit der Bevölkerung.

Warum half Meisner dem MfS? Er wollte kein Geld und tat dies auf Überzeugung. Ich denke, es ging ihm um die Erhaltung des Friedens.

Es war der Anfang der DDR. Verzeichnisse über Örtlichkeiten und Militärliegenschaften im Westen waren da vermutlich im Aufbau. So waren Menschen wie Wilhelm Meisner sehr hilfreich.

 

Es soll spekuliert werden, wie das Leben von Wilhelm Meisner weiter verlaufen ist

  1. Variante: Er heiratet seine Verlobte, von der in den Dokumenten die Rede ist und lässt sich mit ihr in der DDR nieder. Er arbeitete weiterhin für das Institut für Publizistik, soweit es noch bestand. In dieser Richtung gab es in der DDR gewiss weiterhin gute Stellen. Wie es während und nach der Konterrevolution weiterging ist schwer zu sagen. Hoffentlich hat(te) er da schon Rente.
  2. Variante: Er heiratet seine Verlobte, von der in den Dokumenten die Rede ist und lässt sich mit ihr in seiner Heimat in Bayern nieder. Nun war er arbeitslos. 1956 war er vom KPD-Verbot betroffen und musste in den Knast. Für seine Tätigkeit für das MfS erfolgte keine Strafe, da es um öffentliche Dinge und nicht um den Verrat von Staatsgeheimnissen ging. Nach Gründung der DKP wurde er dort Mitglied und fand eine politische Heimstatt. Während und nach der Konterrevolution blieb er Mitglied der DKP und war, bzw. ist ein Veteran. Über seine Tätigkeit für das MfS ließ er weder bei der KPD noch bei der DKP etwas verlauten, um die Parteien und auch sich nicht zu gefährden. Vermutlich wären die Parteien nicht mit der Tätigkeit für das MfS einverstanden gewesen und hätten Wilhelm Meisner ausgeschlossen. So konnte spätestens nach Veröffentlichung der Akte Wilhelm Meisner kein Mitglied mehr in der DKP gewesen sein.

 

Broschüre mit den Dokumenten

Aufgaben

Nachwort zu Wilhelm Meisner

Nachwort

Heute kann man einfach googlen, wenn man was über die Örtlichkeiten und die Geschichte militärischer Liegenschaften wissen will.

„Fremde“ Geheimdienste sind nicht mehr auf ortskundige Personen angewiesen, um Auskünfte einzuholen.

Ob sich Wilhelm Meisner nach der Gesetzgebung der BRD strafbar gemacht hat, ist hier die Frage. Er war ja nicht im Inneren der Objekte und hat auch nichts entgegengenommen und es wegetragen, bzw. weitergegeben.

Hut ab, vor dem Mut dieses Mannes, der aus freien Stücken dem MfS geholfen hatte. Es war der Anfang der DDR, als die Verzeichnisse für die westlichen Örtlichkeiten noch im Aufbau waren.

Dann kam die Regelung, dass es für Kommunistinnen und Kommunisten, deren Sympathisantinnen und Sympathisanten sowie sonstigen links- und friedenspolitischen Aktiven in der BRD und Westberlin ausgeschlossen war für das MfS zu arbeiten. So trennte sich das MfS von Wilhelm Meisner.

 

Aufgaben für Einzel- und Partnerarbeit

Thema „Zersetzung

Entnommen aus Das Bundesarchiv – Stasiunterlagen-Archiv

Broschüre

 

 

Klären Sie zur Erschließung des Inhalts einzeln oder in Partnerarbeit die folgenden Aufgaben:

  1. Lesen Sie die Seiten 15 und 16-18. Arbeiten Sie heraus, mit welchen Maßnahmen das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegen die Gruppe vorgehen wollte. Wählen Sie eine der Aktionen aus, erläutern Sie genauer und bewerten dieses staatliche Vorgehen
  2. Beschreiben Sie das Gespräch von Gerd Buchheim in der Abteilung Inneres des Stadtbezirkes (S. 10-11). Was wollte er erfahren? Mit wem führte er das Gespräch
  3. Welche Aufgaben erhielt die IMS „Sandra“? Beschreiben Sie mit eigenen Worten und vergleichen Sie sie mit dem ersten Bericht von „Sandra“ (S. 16, S. 19-20)
  4. Welches Erlebnis von Hella Born schildert der IMS „Andreas Harms“ (S. 22-23)? Überlegen Sie anhand der Wortwahl, welche Position „Andreas Harms“ in der Laienspielgruppe hatte
  5. Lesen Sie den Sachstandsbericht der Stasi (S. 25-30). Welche Zersetzungsmaßnahmen wurden bisher angewandt? Wie viele IM waren daran beteiligt? Welche Auswirkungen hatten die Methoden auf die Kabarettgruppe?
  6. Kurz vor seiner Einberufung zur Armee wurde Benn Roolf als Bausoldat eingezogen. Recherchieren Sie, was ein „Bausoldat“ war. Was verabredeten die zuständigen Offiziere des MfS, wie er behandelt werden soll und was wollten sie damit erreichen? (S.31-32)
  7. Nennen Sie die Aufgaben die der IM „Picasso“ für die Stasi erfüllen sollte (S. 37). Nehmen Sie Stellung zu der Bezeichnung „Patriot“ für „Picasso“.
  8. Finden Sie mithilfe des Abkürzungsverzeichnisses heraus, was „Einleitung einer Maßnahme B.im Wohnbereich“ bedeutet. Erklären Sie die Maßnahme mit eigenen Worten. Beziehen Sie dabei auch den Inhalt des Dokuments „Quittung“ (S.50) mit ein.
  9. Untersuchen Sie anhand des IM-Berichtes vom Oktober 1987 (S. 51) wie die Gruppe ihre Lage im Herbst 1987 einschätzte. Nennen Sie die Gründe, die Laut IM-Bericht zur Auflösung geführt haben.
  10. Arbeiten Sie anhand des Abschlussberichts (S.52-56) heraus, mit welchen Maßnahmen die Stasi nach Auflösung des Kabaretts die aktivsten Mitglieder beeinflussen wollte.
  11. Die Zersetzungsmaßnahmen der Stasi gegen die Gruppe hatten nach 33 Monaten Erfolg: Die Gruppe fiel auseinander. Schätzen Sie ein, ob der „Erfolg“ den Aufwand lohnte.
  12. Überlegen Sie, die die Gruppenmitglieder reagiert haben könnten, als sie nach dem Ende der DDR aus den Stasi-Akten erfuhren, dass ihre Gruppe nicht einfach so zerbrach, sondern gezielt „zersetzt“ worden war.

Die Seitennummern beziehen sich auf die Original-Broschüre. (entnommen vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagenarchiv)

Original-Aufgabenstellung aus der Broschüre

Abkürzungsverzeichnis

Broschüre, entnommen aus dem Bundesarchiv – Stasiunterlagen

Lösung der Aufgaben für Einzel- und Partnerarbeit

Thema „Zersetzung“

 

Entnommen aus der Broschüre „Zersetzung“ Das Bundesarchiv – Stasiunterlagen-Archiv

 

  1. Herrn Buchheim wurde schnellstens die Übersiedlung nach Westberlin ermöglicht. Er war ein „Scharfmacher“. Man musste ihn loswerden. Diese Maßnahme war der Anfang des Zersetzungsprozesses dieser Gruppe. Im 2. Operativplan ist eine lange Liste von vorgesehenen Maßnahmen. Das war am 22. Oktober 1985
  2. Herr Buchheim ist unaufgefordert bei der Behörde vorstellig geworden. Er verhielt sich frech und unverschämt. Er wollte was über die Rückweisung an der Grenze zur CSSR. Grenzübergang Schönberg, wissen und warum sein Personalausweis eingezogen wurde und er als Ersatzdokument den PM 12 bekam. Mit einem PM 12 hatte man weniger Rechte. Außerdem wollte er sich nach dem Stand der Bearbeitung seines Übersiedlungsantrages erkundigen. Was soll man da bewerten.? Am besten schnell weg mit dem Kerl. Die Maßnahme des MfS war richtig.            
  3. Das eine waren die Aufgaben von IMS „Sandra“ und das andere die Ergebnisse. Siehe auch Bericht des IMS „Sandra“ vom 08.11.1985
  4. Der IMS „Andreas Harms“ schildert das Erlebnis von Hella Born, als Mitarbeiter des MfS sie, bzw. ihre Eltern zu Hause besuchten. Die Position in der Laienspielgruppe des „Andreas Harms“ scheint wichtig zu sein.
  5. Es waren 3 IM beteiligt. Es wurde erreicht, dass die Gruppe zerstritten war. Weiteres siehe Sachstandsbericht – Tätigkeitsbericht – OV „Bekenntnis“ gemäß §§ vom 28.04.1986.
  6. Bausoldaten in der DDR waren sozusagen Ersatzdienstleistende. Sie leisteten zwar ihren Wehrdienst ab, aber ohne Waffe. Sie wurden zu Bau- und Reparaturarbeiten eingesetzt. Ihr Kennzeichen war der Spaten auf der Schulterklappe ihrer Uniform. Benn Roolf sollte bevorzugt behandelt werden. Siehe Vermerk über eine Vereinbarung.
  7. Hier geht es um die Überwachung von Benn Roolf während seines Wehrdienstes. Der Begriff „Patriot“ hatte in der DDR eine andere Bedeutung, als heute. Siehe Auftrag zur inoffiziellen Überwachung einer Person.
  8. Es geht um die Maßnahme B, die Raumüberwachung mittels Abhörwanze. Na ja, Überwachung ist was Langweiliges. Da wird Kaffee getrunken, geraucht und Limonade getrunken. Das wurde als Spesen abgerechnet. Daher die Quittung.
  9. Bericht 3 des IMB „Roland“ sagt, dass die Gruppe beschlossen hat sich aufzulösen. Als Gründe gibt die Gruppe z.B. an: Nachlassendes Interesse an Kabarettaufführungen, Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell, kein geeignetes Programm mehr vorhanden.
  10. Der weitere Lebensweg der nun ehemaligen Mitglieder der Gruppe wird weiterhin beobachtet. Ist ja eigentlich logisch. Weiteres siehe Abschlussbericht.
  11. Eine gute Frage. Das Ganze war sehr aufwändig und personalintensiv. Da das Ganze nur an einem Ort (Berlin-Treptow) durchgezogen wurde, war es der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“ und war wie bei einer Hydra. Schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach.  In Berlin-Treptow hatte das MfS mit Herzblut daran gearbeitet, einer solchen Gruppe den Garaus zu machen. Doch das war nur punktuell. Das MfS hätte flächendeckend und gleichzeitig konsequent diese Maßnahmen anwenden müssen. Doch in den „oberen Etagen“ war man sich des Ernstes der Lage nicht bewusst. Erich Mielke sah diejenigen, die in den Kirchen agierten verharmlosend als „Strolche“. Womöglich war ihm das so verharmlosend berichtet worden. Siehe Power Point-Vortrag „Erich Mielke übersieht den Beginn der Konterrevolution“
  12. Na da kann man spekulieren. Jeder Geheimdienst dieser Welt wendet Zersetzung als Methode an. Nun ja, da die DDR-Gegnerschaft zu den Siegern der Geschichte zählt, können diese Leute sich ja nun auslassen. Trotzdem ärgern sich diese Leute und sehen sich als Opfer.

Original-Aufgaben aus der Broschüre

Original-Broschüre vom Bundesarchiv Stasi-Unterlagen

Abkürzungsverzeichnis

Aufgaben für die Gruppenarbeit

Thema „Zersetzung

Entnommen aus Das Bundesarchiv – Stasiunterlagen-Archiv

 

 

Gruppe 1

Stellen Sie das Ziel der Treptower Friedensgruppe und die strafrechtliche Beurteilung der Gruppe durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegenüber (S. 6-8). Vergleichen Sie die Perspektiven.

Überlegen und erörtern Sie, warum SED und Stasi die Bildung unabhängiger Gruppen und Vereinigungen unter allen Umständen verhindern wollten.

 

Gruppe 2

Ausreisewillige DDR-Bürgerinnen und -Bürger hatten kaum Chancen, in den Westen zu kommen. Wenn sie einen Ausreiseantrag stellten, mussten sie meistens jahrelang und unter Schikanen auf eine Entscheidung warten.

Erklären Sie warum der Mitbegründer des Laienkabaretts, Gerd Buchheim, relativ schnell mit seiner Familie die DDR verlassen durfte (S. 14-15).

Diskutieren Sie die Frage, warum die Stasi die aufwändige Methode der „Zersetzung“ zur Auflösung des Laienkabaretts anwendete und die Jugendlichen nicht ins Gefängnis warf. Sammeln Sie Argumente, die dafür und dagegen sprachen.

 

Gruppe 3

Obwohl der Leiter des Laienkabaretts, Benn Roolf, im Frühjahr 1986 weit entfernt von Berlin zum Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) einberufen worden war, ließ das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ihn weiterhin überwachen. Erörtern Sie die Gründe. Welches Verhältnis von Stasi und NVA wurde hier sichtbar?

DDR-Bürger, die sich einer Einberufung zum Wehrdienst entzogen, mussten normalerweise mit Verhaftung und einer längeren Haftstrafe rechnen. Versuchen Sie eine Erklärung dafür zu finden, warum die Stasi Matthias Lydicke davor bewahrte (S. 42-44).

 

Gruppe 4

Zur Beobachtung und Kontrolle oppositioneller Aktivitäten setzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sehr viele Informanten ein: Inoffizielle Mitarbeiter, die entweder in Gruppen eingeschleust wurden oder Gruppenmitglieder, die zur Zusammenarbeit bewegt wurden. Welche Gründe könnte es für Menschen geben, mit dem MfS zusammengearbeitet zu haben?

Zur „vorbeugenden Verhinderung“ von Straftaten waren IM nützlich, die das MfS bereits über Pläne und Absichten informieren konnten. Bewerten Sie in einer Pro- und Contra-Rede, ob diese Spitzeldienste immer sinnvoll, angemessen und gerechtfertigt sind. Beziehen Sie den vorliegenden Fall in Ihre Überlegungen ein.

 

Die Seitennummern beziehen sich auf die Original-Broschüre. (entnommen vom Bundesarchiv-Stasi-Unterlagenarchiv)

Original-Aufgaben aus der Broschüre

Original-Broschüre

Lösung der Aufgaben für die Gruppenarbeit

Thema „Zersetzung“

Für DIE TROMMLER habe ich die Gruppenaufgaben alleine gelöst. (P.R.)

 

 

Gruppe 1

Es ging um die Feststellung, ob diese Gruppe gegen das Strafrecht der DDR verstoßen hatte.

Es gab keine unabhängigen Gruppen. Diese Gruppen waren gegen die DDR gerichtet und bekämpften die eigene Verteidigung, nicht die Atomraketen, welche die Amis in der BRD stationiert hatten.

Gruppe 2

Herr Buchheim war ein „Scharfmacher“. Den musste man loswerden. Darum war es das Vernünftigste seinen Ausreiseantrag schnell zu bearbeiten, damit er, nebst Anhang die DDR verlässt.

Es wurde die strafrechtliche Relevanz geprüft, aber nichts gefunden.

Es machte mehr Sinn die Gruppe zu zersetzen. Da derartige Gruppen in der DDR „wie Pilze aus dem Boden schossen“, war es unmöglich flächendeckend alle zu zersetzen. So war die Zersetzung dieser Gruppe „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

 

Gruppe 3

Klar, wo Herr Roolf Leiter dieser Gruppe war, musste sichergestellt werden, dass er bei der NVA nicht erneut Unsinn verzapft. Die Strategie war gute und großzügige Bedingungen zu schaffen. So konnte kein Grund zum Aufbegehren entstehen.

Der Fall Lydike ist auch für die Nachwelt interessant. Herr Lydike wollte eine Show abziehen, um antikommunistische Hetzpropaganda zu betreiben. Das MfS hat durch Einflussnahme das verhindert. So kam Herr Lydike ohne Festnahme und Strafe davon.

 

Gruppe 4

Warum arbeiteten Leute mit dem MfS zusammen? Nun ja, es gab ja auch Pro-DDR eingestellte Leute, die ihrem Staat dienen wollten.  Es gab aber auch Billig-Spitzel, wie überall auf der Welt. Aber nicht in diesem Fall. Der war zu komplex für billige Spitzel. Da mussten patriotische Kräfte her. In der DDR hatte der Begriff „Patriot“ und „Patriotismus“ eine andere Bedeutung wie heute. Heute bringt man diesen Begriff mit Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus in Verbindung. Damit hatte die Bedeutung dieses Begriffs in der DDR nichts zu tun.

 

Original-Aufgaben aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv-Stasiunterlagen-Archiv

Aufgaben

Eröffnungsbericht zum Operativvorgang „Bekenntnis“ 

Nachtrag: Der Eröffnungsbericht ist untergegangen, hiermit wird dieser nachgetragen.

 

Eröffnungsbericht zum Operativvorgang „Bekenntnis“

Es wurde vorgeschlagen, auf Grundlage der bisher in einem operativen Material erarbeiteten, überprüften, offiziellen und inoffiziellen Informationen zur sogenannten „Treptower Friedensgruppe“ in der Bekenntniskirche in Berlin gegen nachfolgend genannte Personen den Operativvorgang „Bekenntnis“ anzulegen.

Es folgen die Namen und Adressen sowie die Nennung der Arbeitgeber von drei Personen. Alle drei hatten bis zu diesem Zeitpunkt keine Vorstrafen.

Einschätzung des politisch-operativen Ausgangsmaterials

Durch offizielle und inoffizielle Informationen wurde im Juni 1983 bekannt, dass sich in der bereits genannten evangelischen Kirche aus der Jungen Gemeinde eine sogenannte „Treptower Friedensgruppe“ gebildet hat. Nach der Einleitung politisch-operativer Maßnahmen und deren Realisierung konnten folgende wesentliche Erkenntnisse zur sogenannten „Treptower Friedensgruppe“ erarbeitet werden:

Es folgen Namen und Adressen der Initiatoren und dem harten Kern der Gruppe.

Bei diesen Leuten handelt es sich in der Mehrzahl um ehemalige Schüler von Schulen aus Treptow und Köpenick.

Die Zielstellung der Tätigkeit der sogenannten „Treptower Friedensgruppe“ (TFG) bestand darin, einen „eigenen Dienst am Frieden zu leisten“, da ihnen das gesellschaftliche Engagement als zu global und die Tätigkeit der FDJ als zu gering und einseitig erschien. (Mensch, was für eine Logik. Für Frieden muss sich doch gemeinsam, bzw. global engagiert werden. Was heißt hier „einseitig“?  Gemeinsam mit der FDJ was zu tun, wäre richtig gewesen. Was diese Leute wollten, ist nicht nachvollziehbar. P.R.)

 

Strafrechtliche Einschätzung

Aufgrund der vorliegenden inoffiziellen und offiziellen Beweise bestand der Verdacht, dass die im Eröffnungsbericht genannten Personen einen Zusammenschluss Jungerwachsener herbeigeführt hatten. Im Sinne von damaligen Strafrechtsparagraphen bestand der Verdacht, dass diese Leute Zielstellungen verfolgten, die den gesellschaftlichen Interessen der DDR zuwiderliefen.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die sogenannte „TFG“ stark konspiriert in ihren Aktivitäten und über die Vervielfältigungstechnik innerhalb der Kirche verfügte, konnten Handlungen gemäß diesen damaligen Strafrechtsparagraphen nicht ausgeschlossen werden

Auf der subjektiven Seite der Personen konnte eingeschätzt werden, dass die drei Hauptinitiatoren immer weiter von einer ehemals fortschrittlichen Weltanschauung abgegangen sind, zum damaligen Zeitpunkt pluralistisch-opportunistische Auffassungen („Pluralismus“ ist auch so eine hohle Phrase in der bürgerlichen Demokratie. P.R.), sich zum Pazifismus bekannten (Ich würde wetten, dass diese Leute heute für Waffenlieferungen in die Ukraine sind und sich heute für die Wehrpflicht einsetzen. P.R.) und bewusst die Freiräume der Kirche für diese Zielstellungen ausnutzten.

 

Die weitere Bearbeitung erfolgte mit dem Ziel

  1. Verhinderung eines Zusammenschlusses mit festen Organisationsformen und programmatischen Zielen, rechtzeitiges Erkennen und vorbeugende Verhinderung negativ-feindlicher Handlungen.

  1. Aufdeckung feindlicher Pläne, Absichten und Mittel und Methoden im Zusammenhang mit der personellen Erweiterung der Gruppierung und deren Wirkungsbereich, um deren Ausweitung erfolgreich zu verhindern. Zu diesem Zweck erfolgte in Verbindung mit der inoffiziellen Kontrolle des (dann folgt ein Name) über den Zeitraum des NJF eine Beobachtungsmaßnahme zur Feststellung weiterer Verbindungen der „TFG“.

  1. Schaffung von Möglichkeiten einer positiven Einflussnahme auf den (dann folgt ein Name) und die anderen aktiven Mitglieder zur Rückgewinnung dieser Jungerwachsenen und inoffizieller Möglichkeiten zu deren weiterer umfassender Aufklärung und Kontrolle.

  1. Einleitung erforderlicher Maßnahmen zur Zersetzung der Gruppierung durch inoffizielle Verbindungen in der „TFG“ selbst.

 

Zum damaligen Zeitpunkt waren noch keine IM für einen zielgerichteten Einsatz zur Erreichung dieser Zielstellung des OV vorhanden, peripher konnten jedoch die IM „Lange“ und die IM-Kandidatin „Julia Schwarz“ im Zusammenhang mit dieser Gruppierung eingesetzt werden.

Original-Dokument entnommen Aus der Broschüre „Zersetzung“, Herausgeber Bundesarchiv, Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel