Warum hat die Sowjetunion im Vaterländischen Kriege gesiegt?

Nachdem Hitlerdeutschland viele Jahre lang Kräfte gesammelt hatte, überfiel es tückisch und wortbrüchig das Sowjetland, das mit friedlicher Aufbauarbeit beschäftigt war. Die ganze Wucht ihrer Kriegsmaschine, die in vielen Jahrzehnten geschaffen wurde, sowie der Armeen ihrer Vasallen und die Kapazität fast des gesamten Europas setzte die räuberische deutsche Regierung gegen die Sowjetunion ein. Das Sowjetland musste allein den Ansturm des Feindes standhalten, der stärker war als derjenige, gegen den im ersten Weltkrieg sechs Großmächte kämpften und den zu zerschmettern es vier Jahre gemeinsamer Anstrengungen bedurft hatte.

Die Rote Armee hielt dem wütenden Ansturm der deutsch-faschistischen Armeen stand und brachte deren Vorrücken in den Weiten des Sowjetlandes zum Stillstand. Die Sowjetkrieger haben dem Gegner eine Niederlage bereitet, eine gewaltige Menge Menschen und Material des Gegners aufgerieben und das gesamte Sowjetland von den Eindringlingen gesäubert; sie sind in das Territorium Deutschlands eingerückt, haben gemeinsam mit den Alliierten die deutsch-faschistische Armee restlos zerschmettert und das Siegesbanner über Berlin gehisst. Die Rote Armee zerschmetterte die Verbündeten Deutschlands, die danach ihre Waffen gegen ihren ehemaligen Gebieter richteten. Die Sowjettruppen führten gemeinsam mit den anglo-amerikanischen Alliierten den vernichtenden Schlag gegen Japan. Die heldenmütige Sowjetische Armee war für die ganze Welt – die Befreiungsarmee. Die gesamte fortschrittliche Menschheit zollt ihr Achtung und Anerkennung.

Was hat sie zu diesem gigantischen Befreiungskampf beseelt? Was hat diesen beispiellosen Erfolg des Sowjetvolkes in seinem Zweikampf gegen einen tückischen und starken Feind vorausbestimmt?

1.Die sowjetische Gesellschaftsordnung hat dem Sowjetland und seinen Völkern eine große, unüberwindliche Kraft verliehen.

Durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution wurde die Ausbeuterordnung beseitigt und eine neue Ordnung, die fortschrittlichste der Welt – die Sowjetordnung geschaffen. Nur im Sowjetland hatten die werktätigen Massen, die ihre eigene Macht, eine Volksmacht geschaffen hatten, tatsächlich die Freiheit errungen und führten ein glückliches Leben. Zum ersten Mal in der Geschichte begann der Mensch für sich selbst, für die Gemeinschaft und nicht für die Ausbeuter zu arbeiten. Die Gesellschaftsordnung der Sowjetunion erwies sich als weit fortschrittlicher als die der fortgeschrittensten demokratischen Länder der Welt.

Die Sowjetmacht hatte das Land in eine Großmacht verwandelt. Unter Anspannung aller Kräfte wurde vom Sowjetvolk eine leistungsfähige Industrie geschaffen. Nach der Durchführung der Stalinistischen Fünfjahrpläne besaß das Land Industriezweige, die es im zaristischen Russland überhaupt nicht gegeben hatte: Werkbankbau, Traktoren- und Mähdrescherbau, Flugzeug- und Panzerindustrie. Die Sowjetmacht beseitigte die jahrhundertealte industrielle Rückständigkeit des Landes, unter der das Volk so gelitten hatte. Das Sowjetvolk vermochte während des Großen Vaterländischen Krieges seine Armee mit erstklassigem, modernem Kriegsmaterial mehr als reichlich auszustatten.

Auch für die Landwirtschaft erschlossen sich während der Sowjetzeit außerordentliche Möglichkeiten. Auf der Grundlage der Industrialisierung des Landes schuf die Sowjetmacht die kollektive Großlandwirtschaft, die eine reibungslose Versorgung der Armee und der Bevölkerung mit Lebensmitteln und der Industrie mit landwirtschaftlichen Rohstoffen gewährleistete.

In den Stalinschen Planjahrfünften vollzog sich eine wahre Kulturrevolution im Lande. Das Analphabetentum wurde restlos liquidiert und die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Das wichtigste Ergebnis der im Lande durchgeführten Kulturrevolution war die Entstehung der Sowjetintelligenz, was auch für die weitere Stärkung der Streitkräfte der UdSSR von enormer Bedeutung war.

Auch die militärische Rückständigkeit des Landes gehört der Vergangenheit an. Die Werktätigen der Sowjetunion sorgten, nachdem sie die Macht in ihre Hände genommen hatten, für eine zuverlässige Verteidigung des Vaterlandes. Die Erfahrung der Geschichte lehrt, dass die Aufstellung einer Armee langjährige Arbeit sowie Anstrengungen ganzer Generationen erfordert. Die Sowjetmacht löste jedoch diese Aufgabe in kürzester Frist. In weniger als einem Vierteljahrhundert wuchs und erstarkte die mächtige Rote Armee, die sich als fähig erwies, die deutsch-faschistische Kriegsmaschine zu zerschmettern.

So entfesselte die Sowjetmacht den Schöpfergeist der Millionenmassen, organisierte und lenkte deren Anstrengungen und beseitigte in kürzester Frist die Ursachen für die Schwäche Russlands – seine politische, wirtschaftliche, kulturelle und militärische Rückständigkeit. Die ganze Kraft und Stärke der sowjetischen Gesellschaftsordnung offenbarte sich anschaulich während des Großen Vaterländischen Krieges. „Der Krieg hat gezeigt“, sagte J.W. Stalin, „dass die sowjetische Gesellschaftsordnung eine wahrhafte Volksordnung ist, die aus dem Schoße des Volkes emporgewachsen ist und seine machtvolle Unterstützung genießt, dass die sowjetische Gesellschaftsordnung eine durchaus lebensfähige und stabile Form der Gesellschaft ist.“

Kein Land der Welt hätte es vermocht, eine solche kolossale Anspannung an der Front und in der Heimat auszuhalten, wie sie der Sowjetunion zugemutet wurde. Die Sowjetunion hat jedoch nicht nur alle Prüfungen bestanden, sondern wurde mit jedem Kriegsmonat immer stärker.

Nachdem sie in der ersten Kriegsperiode die Industriebezirke einiger südlicher Gebiete – das Donezbecken, das Erzgebiet von Kriwoj Rog und die Ukrainischen Riesenwerke – eingebüßt hatte, ließ die Sowjetindustrie in ihrem Tempo nicht nach, wie das die deutsch-faschistischen Eindringlinge hofften. Von dem Gefühl des lebensspendenden sowjetischen Patriotismus beflügelt, erreichte die Arbeiterklasse der UdSSR unter Anspannung aller Kräfte eine starke Produktionssteigerung. Die Arbeiterklasse stellte sich die Aufgabe, die Front mit allem Notwendigen zu versorgen, um den Feind zu besiegen. Und diese Aufgabe wurde von ihr ehrenvoll erfüllt.

Ein hohes Pflichtbewusstsein in Bezug auf die Interessen des gesamten Volkes legte auch die Kollektivbauernschaft an den Tag. Im alten Russland war – genau so wie in allen anderen kapitalistischen Staaten – ein solcher patriotischer Schwung, wie der, von dem die Kollektivbauern der Sowjetunion erfasst wurden, etwas Unbekanntes. Die Kollektivbauern erfüllten nicht nur die Pläne zur Versorgung der Armee und des Hinterlandes, sondern geben über den Plan hinaus Millionen von Tonnen Getreide und Milliarden von Rubeln aus ihren Ersparnissen für die Verteidigung des Staates. „Das“, sagte J.W. Stalin, „ist ein Ausdruck der Kraft und Lebensfähigkeit der Kollektivwirtschaftsordnung, des Patriotismus der Kollektivbauernschaft.“

Auch die Sowjetintelligenz marschierte mit den Arbeitern und Kollektivbauern im gleichen Schritt. Durch ihre unermüdliche schöpferische Arbeit trug sie zum Sieg des Volkes bei.

Die gesamte fortschrittliche Menschheit neigte sich vor dem Arbeitsheroismus des Sowjetvolkes wie vor einem Wunder. Aber die Völker der Sowjetunion sich dessen bewusst, dass ihre Erfolge keine Wunder, sondern gesetzmäßige Ergebnisse einer aufopfernden Arbeit, der weisen Politik der kommunistischen Partei und der genialen Stalinschen Führung waren.

Der Krieg hatte die ganze Überlegenheit der sowjetischen Gesellschaftsordnung über jede andere Gesellschaftsordnung gezeigt.

„Jetzt handelt es sich darum“, sagte J.W. Stalin, „dass die sowjetische Gesellschaftsordnung sich als lebensfähiger und stabiler erwiesen hat als die nichtsowjetische Gesellschaftsordnung, dass die sowjetische Gesellschaftsordnung eine bessere Organisationsform der Gesellschaft ist als jegliche nichtsowjetische Gesellschaftsordnung.“

2. Die sowjetische Staatsordnung brachte der Sowjetunion den Sieg über den Feind.

Die Geschichte kennt nicht wenig Versuche, einen Vielvölkerstaat zu bilden. Die meisten von ihnen wurden mit Waffengewalt geschaffen und zerfielen unter den Schlägen des Schwertes.

In der UdSSR wurde zum ersten Male in der Weltgeschichte ein Vielvölkerstaat geschaffen, der sich auf dem Wege einer einträchtigen, gelichberechtigten Teilnahme an der Aufbauarbeit aller Völker entwickelt. Die damals unzerstörbare Stalinsche Freundschaft der Völker der UdSSR war bei der Erringung des Sieges von außerordentlicher Bedeutung. Mit dem russischen Volk an der Spitze und zusammen mit ihm kämpften Ukrainer und Bjelorussen (Heute undenkbar und es will niemand daran erinnern und erinnert werden. P.R.), Georgier und Armenier, Usbeken und Tadshiken – alle Völker der riesigen Sowjetunion (Die 1990 zerfallen ist. P.R.). Viele von ihnen haben früher an Kriegen nicht teilgenommen und verfügten über keine Kampferfahrung, weil die zaristische Regierung es fürchtete, ihnen Waffen in die Hände zu geben. Jetzt aber vollbrachten die Söhne dieser Völker auf den Schlachtfeldern Wunder an Tapferkeit. Aus ihrer Mitte gingen Helden der Sowjetunion hervor, wuchsen Kommandeure und Generale heran.

Die Freundschaft der Sowjetvölker wurde zu einer gewaltigen Kraft. Auf einem Sechstel des Erdballs, das von vielen Völkern und Nationalitäten, die ihren Gebräuchen und Sitten, ihrem Kulturniveau und ihren Traditionen nach verschieden sind, bevölkert ist, wuchs das einheitliche Sowjetvolk heran, das sich eng um die Partei von Lenin und Stalin zusammenschloss (…und 1990 all das zerfallen ist. P.R.).

Ander Spitze der damals festzusammengeschweißten Völkerfamilie stand das große russische Volk.

Beim Empfang im Kreml zu Ehren der Befehlshaber der Truppen der Roten Armee am 24. Mai 1945 brachte J.W. Stalin einen Trinkspruch auf das Wohl des russischen Volkes aus, „..weil es die hervorragendste Nation unter allen zur Sowjetunion gehörenden Nationen ist“.

Im Laufe seiner reichen Geschichte – im Kampf gegen die rauhe Natur, im erbitterten Ringen gegen die Feinde innerhalb und außerhalb des Landes – hatte sich das russische Volk die bemerkenswerten Eigenschaften erworben: klaren Verstand, standhaften Charakter und Geduld, sagte J.W. Stalin.

Das russische Volk hat seine Existenz im jahrhundertelangen schweren Kampf gegen äußere Feinde ertrotzt. Es fing den Schlag der mongolischen Eroberer auf und bewahrte damit Europa vor dem Joch. Es brachte die Expansion der deutschen Ritter nach dem Osten zum Stehen. Es vernichtete die Heere Napoleons – eines Anwärters auf die Weltherrschaft. Das russische Volk brachte eine Reihe glänzender Feldherren hervor: den Schöpfer der regulären Armee und Flotte – Peter I., den begabten Militärführer und Organisator der Armee – Rumjanzew, das russische Feldherrngenie Suworow und den Besieger Napoleons Kutusow.

Im Kampf gegen die Feinde der Werktätigen brachte das russische Volk solche Giganten des revolutionären Denkens wie Belinskij, Dobroljubow, Tschernyschewskij und den Pionier des Marxismus in Russland, Plechanow, hervor. Das russische Volk schenkte der Welt das größte Genie unserer Epoche, den Begründer des Sowjetstaates, Lenin. Die Arbeiter Russlands schufen die große Partei Lenins-Stalins, die die Werktätigen aller Völker Russlands zum Kampf gegen die volksfeindliche Regierung führte und einen völligen Sieg errang.  Die Literatur und Wissenschaft des russischen Volkes haben die Kultur aller Völker des Landes und der Welt befruchtet und – ihrerseits durch die Kultur der Völker Russlands und die Weltkultur bereichert – der Menschheit die großen Gelehrten und Schriftsteller Lomonossow und Mendelejw, Metschinkow und Pawlow, Puschkin und Lermontow, Tolstoi und Gorki sowie viele andere geschenkt.

Die ganze Fülle seiner Talente stellte das russische Volk während des Großen Vaterländischen Krieges unter Beweis. Beim Empfang zu Ehren der Befehlshaber der Truppen der Roten Armee sagte J.W. Stalin: „Ich bringe einen Toast auf das Wohl des russischen Volkes aus, weil es sich in diesem Kriege die allgemeine Anerkennung als die führende Kraft der Sowjetunion unter allen Völkern unseres Landes verdient hat.“

Das russische Volk hat sich mit Recht an die Spitze aller Völker der UdSSR gestellt. „Von Russland, dem großen, auf ewig verbündet, Steht machtvoll der Volksrepubliken Bastion.“ So heißt die Staatshymne der Sowjetunion. Die Melodie, mit einem anderen Text, ist wieder die Hymne des heutigen Russlands. Sie wurde von Wladimir Putin im Jahre 2000 wieder eingeführt. siehe Wikipedia

3. Im Vaterländischen Kriege haben die sowjetischen Streitkräfte gesiegt.

„Der Krieg hat gezeigt“, sagte J.W. Stalin, „dass die Rote Armee kein ‚Koloss auf tönernen Füßen‘ ist, sondern eine erstklassige Armee unserer Zeit, die eine durchaus moderne Bewaffnung, einen überaus erfahrenen Kommandobestand und hohe moralische und militärische Eigenschaften besitzt.“

Die Sowjetmacht hat die Armee mit vortrefflichem Kriegsmaterial versorgt. Die sowjetischen Panzer und Flugzeuge waren in ihrer Qualität den deutschen überlegen. Was die Menge an Waffen anbetrifft, so hat die Sowjetunion nach dem ersten Kriegsjahr, als die Verlagerung der Industrie nach dem Osten abgeschlossen war, auch in dieser Hinsicht ihren Gegner übertroffen.

Aber die Stärke der Sowjetischen Armee beruht nicht nur auf ihrer starken Kampftechnik. Natürlich spielen die Waffen in jedem Kriege eine gewaltige Rolle, und im modernen Kriege gewinnt die Ausrüstung der Armee mit Kriegsmaterial eine ganz besondere Bedeutung. Aber Kriegsmaterial allein bringt noch nicht den Sieg. Die Technik in den Händen eines Menschen, der nicht weiß, wofür er kämpft, ist keine vollwertige Waffe. Um alles aus ihr herauszuholen, was sie hergeben kann, muss der Krieger nicht nur die Technik selbst kennen und beherrschen, sondern auch wissen, wofür sie eingesetzt wird.

Die russischen Krieger waren stets für ihre Standhaftigkeit und ihre Kriegskunst bekannt. Sie haben viele ruhmreiche Seiten in die Geschichte ihres Volkes geschrieben. Die Feldzüge Suworows oder die Verteidigung von Sewastopol im Krimkrieg 1853-1856 werden für ewig unvergängliche Vorbilder der Tapferkeit der Armee bleiben. Aber damals trat selten der Fall ein, dass die Kriegsziele den Soldaten am Herzen lagen. Die alte russische Armee war ein Werkzeug der Gutsherren und der Bourgeoisie, ein Werkzeug für koloniale Versklavung vieler Völker des zaristischen Russlands. Sie stand im Dienst der zaristischen Raubpolitik. DA die russische Armee im Dienste einer fremden Sache und fremder Interessen stand, waren ihre gigantischen Kräfte gefesselt. Es war den fortschrittlichen Menschen des Landes und vor allem der Partei Lenins-Stalins klar, dass nur die sozialistische Revolution den mächtigen Geist des Volkes befreien und es seiner Armee möglich machen konnte, im Kampf um das Vaterland beispiellosen Mut an den Tag zu legen. Die große sozialistische Revolution schuf eine neue Armee und verwandelte sie aus einem Werkzeug zur Unterdrückung der Arbeiter und Bauern in ein Werkzeug zu deren Befreiung, in ein Bollwerk der Arbeiter und Bauernmacht, in ein Bollwerk der Unabhängigkeit der Völker des Sowjetlandes. Die Stärke der Sowjetischen Armee beruht gerade darauf, dass das vortreffliche Kriegsmaterial in den Händen des politisch bewussten Kämpfers liegt, der sich volle Rechenschaft darüber gibt, wofür er kämpft. Die Stärke der Roten Armee liegt darin, dass sie sich ihre Ziele bewusst und den Ideen Lenins und Stalins treu ergeben ist.

„Die Stärke der Roten Armee besteht vor allem darin“, sagte J.W. Stalin, „dass sie keinen Raubkrieg, keinen imperialistischen Krieg, sondern einen Vaterländischen Krieg, einen gerechten, einen Befreiungskrieg führt… Der deutsche Soldat hat kein erhabenes und edles Kriegsziel, das ich begeistern und auf das er stolz sein könnte. Und umgekehrt, jeder beliebige Kämpfer der Roten Armee kann mit Stolz sagen, dass er einen gerechten, einen Befreiungskrieg, einen Krieg für die Freiheit und Unabhängigkeit seines Vaterlandes führt. Die Rote Armee hat ihr edles und erhabenes Kriegsziel, das sie zu Heldentaten begeistert.  Dadurch ist eigentlich auch zu erklären, dass der Vaterländische Krieg bei uns Tausende von Helden und Heldinnen hervorbringt, die bereit sind, für die Freiheit ihrer Heimat in den Tod zu gehen.“

Bei ihrem siegreichen Kampf genoss die Sowjetische Armee eine uneingeschränkte Unterstützung der Volksmassen.  Ohne Unterstützung des Hinterlandes kann man nicht kämpfen, das Hinterland stellt Ersatz und schickt Munition und Verpflegung. Im alten Russland aber hat das Hinterland, wie in jedem Klassenstaat, die Front nicht unterstützt. Eine solche Unterstützung wurde bei gerechten, bei Vaterländischen Kriegen geleistet, wenn die Freiheit und nationale Unabhängigkeit des Landes bedroht war. Bei den weitaus meisten Kriegen, die vom Zarismus geführt wurden, besonders in den letzten anderthalb Jahrhunderten seines Bestehens, brachte das Volk seine Unzufriedenheit mit der zaristischen Eroberungspolitik zum Ausdruck, wie das beim Russisch-Japanischen Krieg oder im ersten Weltkrieg der Fall war.

Der Sieg der Oktoberrevolution hatte das Verhältnis zwischen Front und Hinterland grundlegend verändert. In der Sowjetunion waren Front und Hinterland eins. Alle Sowjetbürgerinnen und -bürger leisteten ihren Beitrag zum Sieg über die deutsch-faschistischen Eindringlinge.

Eine große Hilfe für die Rote Armee bedeutete der aufopfernde Kampf der sowjetischen Partisanen im Rücken der deutsch-faschistischen Truppen. In der Geschichte der Völker der Sowjetunion hat die Partisanenbewegung nicht selten eine große Rolle gespielt. Es genügt, auf die Operationen der Partisanen während des Vaterländischen Krieges im Jahre 1812 hinzuweisen. Eine besondere Bedeutung hatte der Partisanenkampf bei dem Befreiungskrieg des Sowjetvolkes gegen die deutschen, englischen, japanischen, französischen und amerikanischen Interventen sowie die russische Konterrevolution in den Jahren 1918-1920. Die Erfahrungen des Partisanenkampfes, die Traditionen dieser heroischen Vergangenheit waren der sowjetischen Epoche in Fleisch und Blut übergegangen.

Der aufopfernde Kampf der Partisanen im Rücken der deutsch-faschistischen Armeen hat in der Geschichte nicht seinesgleichen. Die sowjetischen Partisanen ließen den Faschisten weder bei Tag noch bei Nacht Ruhe und zwangen sie, Dutzende von Divisionen von der Front abzuziehen, um das Hinterland zu bewachen. Die Partisanen ließen den Faschisten weder bei Tag noch bei Nacht Ruhe und zwangen sie, Dutzende von Divisionen von der Front abzuziehen, um das Hinterland zu bewachen. Die Partisanen haben aber nicht nur deutsche Kräfte gefesselt und dadurch den Kampf der Roten Armee erleichtert, sondern auch aktiv an deren Operationen teilgenommen: sie halfen beim Überqueren der Wasserhindernisse, verteidigten Brückenköpfe, die sie dem Feind entrissen hatten, und griffen den Feind unerwartet im Rücken an. Die Volksrächer eröffneten gegen die deutschen Eindringlinge eine innere Front, was auf den gesamten Kriegsverlauf einen starken Einfluss hatte.

Die Siege der Roten Armee wurden dank der Sowjetischen Kriegskunst errungen. Die schweren Niederlagen der deutschen Armee demonstrierten anschaulich die Wirkungslosigkeit der nazistischen Strategie. Im Krieg siegte die Stalinsche Strategie, die auf einer wissenschaftlichen Grundlage aufgebaut ist. Jede der siegreichen Schlachten der Roten Armee wird unzweifelhaft Gegenstand eingehenden Studiums ganzer Generationen von Historikern und Historikerinnen sein. (Falls diese Historikerinnen und Historiker ehrlich sind. Ich denke das sie in Russland anders an die Sache herangehen, als in anderen Ländern. P.R.)

Die Rote Armee hat gesiegt, weil sie es gelernt hatte, den Feind so zu schlagen, wie das die moderne Kriegskunst erfordert. Die sowjetischen Krieger wurden zu Meistern ihres Fachs und die Kommandeure zu Meistern der Truppenführung. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass nur die weise Strategie der Obersten Führung der Roten Armee, sowie die wenige Taktik der Truppenkommandeure -der Vollstrecker des Willens der Obersten Führung- zu den von den Streitkräften der Sowjetunion errungen historischen Siegen führen konnten und tatsächlich geführt haben. In ihren Reihen hatte die Rote Armee Heerführer neuen Typs, Feldherren der Stalinschen Kriegsschule- die Marschälle Wassilewskij, Konjew, Shukow, Rokossowskij, Woroschilow, Budjonnyj, Timoschenko, Goworow, Tolbuchin, Malinowskij, Merezkow, hervorragende Generale und Befehlshaber der Fronten Watutin, Tschernjachowskij, Jeremenko, Bagramjan und andere.

Den Gegner völlig zu zerschmettern, gelang der Roten Armee auch deshalb, weil die Sowjetunion im Kampf gegen Hitlerdeutschland nicht allein stand. Die richtige Außenpolitik der Sowjetregierung gewährleistete dem Sowjetvolk die Unterstützung der gesamten fortschrittlichen Menschheit. Der heroische Kampf des jugoslawischen, tschechoslowakischen, polnischen, französischen und anderer Völker Europas gegen die deutschen Okkupanten verschmolz mit dem Ringen der Sowjetvölker. Im Laufe des Krieges bildete und festigte sich die Anti-Hitler-Koalition, an deren Spitze die UdSSR, Großbritannien und die USA standen.

Die Sowjetunion erkämpfte den Sieg, weil die Partei von Lenin und Stalin, die Partei der Bolschewiki, die führende und lenkende Kraft, der organisierte Kern des Sowjetvolkes im Kampf gegen die faschistischen Eindringlinge war.

Die besten Kräfte der kommunistischen Partei wurden an die Front geschickt. Die Kommunisten kämpften in den ersten Reihen der Roten Armee. Sämtliche Kräfte der Partei waren darauf gerichtet, eine leistungsfähige Kriegswirtschaft zu schaffen und die Anstrengungen des Volkes zur Unterstützung der Front zusammenzufassen.

„In den Tagen des Vaterländischen Krieges“, sagte J.W. Stalin, „steht die Partei vor uns als der Inspirator und Organisator des allgemeinen Volkskampfes gegen die faschistischen Okkupanten. Durch die Organisationsarbeit der Partei wurden alle Anstrengungen der Sowjetmenschen ein eins zusammengefasst und auf das gemeinsame Zeil gelenkt, alle unsere Kräfte und Mittel der Zerschmetterung des Feindes dienstbar gemacht.“

Die Organisatoren des Kampfes der Sowjetarmee und des gesamten Sowjetvolkes gegen die faschistischen Eindringlinge waren die bedeutendsten Persönlichkeiten der kommunistischen Partei und des Sowjetstaates: Molotow, Kalinin, Woroschilow, Kaganowitsch, Shdanow, Andreje, Mikojan, Schtscherbakow, Berija, Malenkow, Chruschtschow, Schwernik, Wosnessenskij, Bulganin, Kossygin und andere. ( Na ja, was Chruschtschow angerichtet hat, ist hinlänglich bekannt. Chruschtschow gelang es sich bei Stalin einzuschleimern. So erkannte Stalin nicht, was Chruschtschow im Schilde führte.  Nach Stalins Tod und dem Machtantritt Chruschtschows wird Stalin verdammt. Das hat sich auch nach seiner Absetzung nicht geändert und besteht auch heute noch fort. Das Agieren von Chruschtschow war der erste Schritt ins AUS. Berija wird noch viel schlimmer verdammt, als Stalin. P.R.)

Die Sowjetunion hat gesiegt, weil sie von J.W. Stalin, dem Steuermann des Sowjetlandes und dem großen Strategen und Feldherrn zum Sieg geführt wurde. J.W. Stalin entwickelte einen genialen Plan, wie der Krieg zu führen und der Sieg zu erringen ist. Unter seiner Führung zerschmetterte die Sowjetarmee die faschistischen Eindringlinge bei Moskau, bereitete die Katastrophe bei Stalingrad vor, schlug den Gegner in der Schlacht bei Bjelggorod und Kursk. Die Sowjetarmee verwirklichte die Pläne Stalins, als sie den Sowjetboden von den faschistischen Eindringlingen säuberte und sie endgültig auf ihrem eigenen Territorium zerschmetterte.

Entnommen aus der Buchreihe „Das Sowjetland“, Band 4, aus dem Jahre 1947, Original-Autoren I.I. Minz, I.M. Rasgon und A.L. Sidorow, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus „Das Sowjetland“ aus dem Jahre 1947 , Band 4 

Das ganze Volk half der Front

1. Die Vorbereitung des Landes zur aktiven Verteidigung

Die Rote Armee hätte ihre glänzenden Siege über so starke Gegner nicht errungen, wenn sie nicht vom gesamten Sowjetland unterstützt worden wäre.

Der moderne Krieg -der Krieg der Motoren, der Technik und der Millionenarmeen- erfordert eine hohe Entwicklung der Schwerindustrie. Das zaristische Russland war ein wirtschaftlich rückständiges Land gewesen und seine Armee deshalb schlecht bewaffnet; es erhielt die Waffen von seinen Verbündeten zu räuberischen Bedingungen.

Unter Führung der kommunistischen Partei beseitigte die Sowjetregierung die wirtschaftliche Rückständigkeit des Landes und bereitete es für die Verteidigung vor. „Die Partei wusste“, sagte Stalin in der Wahlversammlung am 9. Februar 1946, „dass der Krieg heranrückt, dass es unmöglich ist, ohne eine Schwerindustrie das Land zu verteidigen, dass die Entwicklung der Schwerindustrie möglichst schnell in Angriff genommen werden muss, dass dabei Zeit versäumen gleichbedeutend ist mit Scheitern.“

Diese gigantische Aufgabe wurde von den durch die bolschewistische Partei begeisterten Völkern der Sowjetunion erfolgreich gelöst. Dank der Stalinistischen Politik der sozialistischen Industrialisierung hatte das Land in unglaublich kurzer Frist seine jahrhundertealte wirtschaftliche Rückständigkeit liquidiert, sich aus einem Agrarland in ein Industrieland verwandelt und die notwendigen materiellen Voraussetzungen für die erfolgreiche Führung eines modernen Krieges geschaffen. „Für die Vorbereitung dieses grandiosen Werkes war die Verwirklichung von drei Fünfjahresplänen der Entwicklung der Volkswirtschaft notwendig. Gerade diese drei Fünfjahrespläne haben uns geholfen, diese materiellen Möglichkeiten zu schaffen. Jedenfalls war in dieser Hinsicht die Lage unseres Landes vor dem zweiten Weltkrieg, im Jahre 1940, um ein Mehrfaches besser als vor dem ersten Weltkrieg, im Jahre 1913.“ (Stalin.)

Auf Anregung von Stalin hin wurde eine zweite Kohle-Eisen-Basis im Osten des Landes, in Westsibirien und Kasachstan – das Kusnezbecken und Karaganga- geschaffen. Im Zusammenhang damit stieg der Anteil der östlichen Gebiete an der Kohlenförderung vor Beginn des zweiten Weltkrieges bis auf 36 v. H., während er im Jahre 1913 12 v.H. betrug. Es entstanden neue Zentren der Erdölförderung. In den Jahren der Stalinistischen Fünfjahrespläne verwandelte sich der Ural in ein leistungsfähiges Hütten- und Maschinenzentrum des Landes. Dort wuchsen das Hüttenkombinat von Magintogorsk und das Eisenlegierungswerk von Tscheljabinsk aus dem Boden und wurde eine Reihe von großen Maschinenbaubetrieben erbaut, von denen viele wahre Industrieriesen darstellten.

Auch in der Landwirtschaft gingen entscheidende Veränderungen vor sich. Die auf Kollektivierung der Landwirtschaft gerichtete Politik der kommunistischen Partei wurde konsequent und erfolgreich durchgeführt. An Stelle der 25 Millionen individueller Bauernwirtschaften mit einer rückständigen Technik der Bodenbearbeitung bedeckten große mechanisierte Kollektivwirtschaften das Land, die alle Errungenschaften der landwirtschaftlichen Wissenschaft und die modernste, fortschrittlichste Technik anwandten. Vor dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion wurden 72 bis 80 v. H. der Pflugarbeiten in den Kollektivwirtschaften von Traktoren bewältigt. Die Kollektivierung bereitete der jahrhundertealten Rückständigkeit der Landwirtschaft ein Ende und verwandelte sie in eine hoch absatzfähige Wirtschaft.

Vor dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR lieferte die Sowjetindustrie eine ausreichende Menge an Metall für die Waffenerzeugung sowie Brenn- und Treibstoffen für die Arbeit der Industrie und des Verkehrs, während die Landwirtschaft die notwendige Menge an Getreide für die Versorgung des Landes und an Rohstoffen für die Industrie erzeugte.

Im Jahre 1940 erzeugte das Sowjetland im Vergleich zu der Erzeugung des zaristischen Russlands im Jahre 1913: Roheisen fast das 4fache, Stahl das 4,5fache, Kohle das 5,5fache, Erdöl das 3,5fache, Rohbaumwolle das 3,5fache und um 17 Millionen Tonnen mehr an Absatzgetreide. Diese wirtschaftlichen Möglichkeiten, die in der Vorkriegsperiode geschaffen wurden, vermochte die bolschewistische Partei in den Jahren des Vaterländischen Krieges in weitem Maße auszunutzen und weiterzuentwickeln.

2. Das Verdienst der Arbeiterklasse

In seiner Rede vom 3. Juli 1941 rief Stalin das Sowjetvolk auf, „…unverzüglich unsere ganze Arbeit auf den Krieg umzustellen, indem wir alles den Interessen der Front unterordnen, die Zerschmetterung des Feindes zu organisieren“. Stalins Appell rief bei den Völkern der Sowjetunion eine beispiellose Arbeitsbegeisterung hervor.

Gerade durch die aufopfernde Arbeit der Sowjetmenschen in der Industrie, im Verkehrswesen und in der Landwirtschaft, durch die selbstlose Unterstützung des Volkes wurden derart glänzende Siege der Sowjetwaffen möglich. Durch Anstrengung des sowjetischen Hinterlandes wurde die Rote Armee mit allem Notwendigen versorgt und ihre Waffen ständig vervollkommnet. Niemals und nirgends offenbarte sich die patriotische Sorge des Volkes um seine Armee so überzeugend wie im Sowjetlande während des Großen Vaterländischen Krieges. Die Völker der Sowjetunion waren zu jedem Opfer bereit, um die Zerschmetterung des Feindes zu beschleunigen.

Bei der Entwicklung der Kriegswirtschaft waren gewaltige Schwierigkeiten zu überwinden. Bereits in den ersten Kriegsmonaten besetzte der Feind überaus wichtige Industriegebiete des Landes. Nach der Einnahme der Kohlenreviere am Donez und bei Moskau durch den Feind büßte das Land fast zwei Drittel der gesamten Vorkriegskohlenförderung (64 v. H.) ein. Die Hüttenindustrie des Südens lieferte etwa die Hälfte der gesamten Stahlmenge, die in der Sowjetunion erzeugt wurde. Im Süden befanden sich fast zwei Drittel der Walzstraßen und vier Fünftel der Gleis- und Trägerwalzwerke. Und trotzdem wurde die Kriegserzeugung im gewaltigen Maßstab und in kürzester Frist aufgenommen. Das wurde durch die grandiose Entwicklung der Industrie im Osten und eine erfolgreich durchgeführte Verlagerung der Betriebe in die Tiefe des Landes erreicht.

Anfang 1942 war die Verlagerung der Industriebetriebe nach dem Osten in der Hauptsache abgeschlossen. Mitte 1942, d.h. am Ende des ersten Kriegsjahres, wurde in den meisten verlagerten Rüstungsbetrieben der Vorkriegsstand der Erzeugung übertroffen.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1942 übertraf die Panzerindustrie der Sowjetunion die Industrie Hitlerdeutschlands nicht nur in der Qualität der Panzer und deren Bewaffnung, sondern auch in der Menge der erzeugten Panzer. Mit jedem Monat des Krieges gingen vom Ural und aus Sibirien Transporte mit Panzern in immer stärker werdendem Strom an die Front ab.

Während des Krieges wurde die metallurgische Basis der Sowjetindustrie im Osten stark erweitert. Im Kombinat von Magnitogorsk wurden die Hochöfen 5 und 6 erbaut – die leistungsfähigsten nicht nur in der Sowjetunion, sondern in ganz Europa. In Tscheljabinsk wurde der Bau eines riesigen Hüttenkombinats in Angriff genommen, dessen Betriebe zum Teil noch während des Krieges die Arbeit aufnahmen. In dem Werk von Nishnij Tagil wurden in den Kriegsjahren ein Hochofen, zwei Koksbatterien und fünf Martinöfen in Betrieb genommen. Die alten Uralwerke in Slatoust, Tschussowoj und andere wurden Überholt und haben ihre Erzeugung wesentlich gesteigert.

Im Ural und in Kasachstan wurde ein Manganindustrie geschaffen. Die Erzeugung von Roheisen, Stahl- und Walzeisen stieg von Jahr zu Jahr.

Die wachsende Waffen- und Munitionserzeugung erforderte vor allem Metall von hoher Qualität. Die östliche Metallurgie hat es vermocht, die Erzeugung aller Waffengattungen mit sowjetischem Stahl zu versorgen. Die sowjetischen Metallurgen veränderten den technologischen Prozess und lernten Stahllegierungen nicht nur wie bisher in elektrischen Öfen, sondern auch in großen Martinöfen erzeugen.

Auch eine Reihe neuer Maschinenbauwerke wuchs aus dem Boden. Im Ural, in Miass, wurde ein Kraftwagenwerk, in Krassnojarsk ein Maschinenbauwerk, im Altai ein Traktorenwerk erbaut. Alle wurden auf das modernste ausgestattet. Der schwere Maschinenbau erreichte bemerkenswerte Erfolge. Die Betriebe des schweren Maschinenbaus haben im Jahre 1944 die Vorkriegsproduktion übertroffen, die Erzeugung von Hebemaschinen im Jahre 1944 betrug das Dreifache der Erzeugung des Vorkriegsjahres 1940. Der chemische, elektrotechnische und andere Zweige der Schwerindustrie haben sich während des Krieges entwickelt.

Auch die Aufgabe der Brennstoffversorgung der Industrie wurde gelöst: die Kohlenförderung in den östlichen Revieren wuchs stark an. Im Jahre 1943 lieferte das Ural-Kohlenbecken das Anderthalbfache der Förderung des Jahres 1942, während bei dem Kusnezkbecken die Steigerung 4 Millionen Tonnen betrug; das Karagandabecken hat in der gleichen Zeitspanne die Kohlenförderung um 36,6 v. H. gesteigert.

Die Erdölarbeiter standen den Kumpen nicht nach und versorgten die Front reibungslos mit Treibstoff und Schmierölen. Im Vergleich zum Jahre 1940 stieg die Erdölförderung bei dem Trust „Kujbyschewneft“ um das Vierfache und in Mittelasien bei dem Trust „Kalininneft“ um das Dreifache. Im Jahre 1943 wurde die Aufgabe der Wiederherstellung der Erdölraffinerien in Grosnyj und der Erdölförderung in Majkop gelöst.

Bei der Versorgung der Armee ist die Rolle des Urals, der sich in eine mächtige Waffenschmiede verwandelt hatte, besonders gewachsen. Der alljährliche Zuwachs der Industrieproduktion des Urals betrug in den Jahren 1941/43 50 v. H. anstatt 16 v. H. in den Vorkriegsjahren. Die Elektro-Energieerzeugung hat sich während des Krieges verdoppelt. In der zweiten Hälfte des Jahres 1942 lieferte der Ural 2-2,5mal soviel Flugzeuge, Geschütze und Granatwerfer wie zu Beginn des Jahres. In der ersten Hälfte des Jahres 1944 wurde im Ural ein Mehrfaches an Geschützen und Granaten wie in dem gesamten ersten Kriegsjahr erzeugt; dasselbe gilt für die Produktion von Panzermotoren. Die Panzerwerke des Urals lieferten nach Erfüllung des Programms für das Jahr 1944 für 300 Millionen Rubel Erzeugnisse über den Plan hinaus.

Nach vier Kriegsjahren (im ersten Halbjahr 1945) hat sich die gesamte Industrieproduktion der östlichen Gebiete im Vergleich zum ersten Halbjahr 1941 verdoppelt. Die Produktion der Rüstungsindustrie gegen ist um das 5,6fache gestiegen. Die östlichen Gebiete der Sowjetunion stellten also eine leistungsfähige Basis für die Versorgung der Roten Armee mit Munition, Waffen, Panzern und Flugzeugen dar.

Der Bedarf an Arbeitskräften für die Industrie war außerordentlich groß. Um die einberufenen Arbeiter zu ersetzen, um die neuen Betriebe mit Arbeitskräften zu versorgen und die Produktion ständig zu steigern, waren Millionen von zusätzlichen Arbeitskräften erforderlich.

Neue Menschen – die Sowjetjugend und die Frauen- kamen in die Fabriken. Allein die Werk- und Gewerbeschulen der Staatlichen Arbeiterreserven hatten in den Kriegsjahren über 2 Millionen Arbeiter für die Industrie ausgebildet.

In vielen Betrieben stellten die Zöglinge der Werk- und Gewerbeschulen 30-70 v. H. der gesamten Belegschaft dar. Viele Tausende junger Arbeiter wurden mit Orden ausgezeichnet.

Bereist drei Monate nach Kriegsbeginn – im Oktober 1941 – betrug die Zahl der in der Industrie arbeitenden Frauen 45 v.H. der Gesamtzahl der Arbeiter. Später ist diese Zahl noch gestiegen. In einigen Betrieben erreichte die Zahl der Frauen 90v.H. der Belegschaft. Die Frauen erlernten eine Reihe schwieriger Berufe und Produktionsprozesse, die sie früher nicht kannten. Überall waren die Sowjetfrauen Vorbilder an Arbeitsheroismus.

Um die endgültige Zerschmetterung des Feindes zu beschleunigen und möglichst viel Waffen, Panzer und Flugzeuge zu liefern, rief J.W. Stalin die Industriearbeiter auf, mit verdoppelter Energie zu arbeiten. Die Arbeiter, Techniker und Gelehrten des Landes kämpften aufopfernd um die Erfüllung dieser überaus wichtigen Aufgabe. Die Uralarbeiter schritten den anderen Gruppen der Arbeiterklasse voran. In ihrer Neujahrsbotschaft an J.W. Stalin verpflichteten sich die Uraler, die Waffenerzeugung im Jahre 1943 im Vergleich zum Vorjahr zu verdoppeln. Das war eine gewagte Verpflichtung, deren Einlösung gewaltige Anstrengungen und eine geschickte Organisation der Erzeugung erforderte. „Der Brief der Uraler“, so schrieb die „Prawda“, „atmet bolschewistische Energie und bolschewistischen Siegeswillen, die keine Großtuerei und keinen Stillstand, keine Selbstzufriedenheit und keine Gleichgültigkeit duldet.“Ein beispielloser Aufschwung des sozialistischen Wettbewerbs gewährleistete eine erfolgreiche Erfüllung dieser Verpflichtung.

Der im April 1942 begonnene Sozialistische Allunionswettbewerb, Stachanowmethoden der Arbeit, weitgehende Einführung von Fließbandmethoden in der Erzeugung sowie Förderung der Rationalisierung und des Erfinderwesens, bedingten das ständige Anwachsen der Rüstungsproduktion. Von Mitte 1942 an ist die Arbeitsproduktivität in der gesamten Industrie im Lauf von zwei nachfolgenden Jahren um 40 v.H., in der Flugzeugindustrie um 47 v. H. und in der Munitionsindustrie um 54 v. H. gestiegen.

Die Siege der Roten Armee im Sommer 1943 riefen eine neue Welle patriotischer Gefühle und ein weiteres Ansteigen der Arbeitsproduktivität hervor.

Im Jahre 1943 begann die Massenbewegung der Sowjetjugend zur Übererfüllung der Produktionspläne mit weniger Arbeitskräften. Die Jugendarbeitsgruppen begannen eine führende Rolle in der Produktion zu spielen. In der Munitionsindustrie hat sich die Zahl der Jugendarbeitsgruppen in einem knappen Jahr verdreifacht. Viele Tausende von Arbeitern, Ingenieuren, Technikern und Angestellten wurden freigestellt und bei anderer Arbeit eingesetzt. Die Betriebe brachten es fertig, größere Produktionspläne mit einer geringeren Anzahl von Arbeitern erfolgreich zu bewältigen.

Der Leningrader Fräser und Stalinpreisträger D.F. Bossyj, der mit seinem Werk nach dem Ural gegangen war, wandte eine Vorrichtung an, mit deren Hilfe er die Norm beim Fräsen eines Einzelteils um ein Vielfaches übertraf. Im Februar 1943 erreichte D.F. Bossyj ein Rekordergebnis: die Norm wurde zu 6200 v.H. erfüllt. Damit begann die Bewegung der „Tausendler“, d.H. Arbeiter, die ihre Norm zu tausend und mehr Prozent erfüllen.

Der Name des Bergarbeiters Alexej Semiwolos war bereits vor dem Krieg bekannt. Erstellte Weltrekorde an Arbeitsproduktivität auf. Während des Krieges wurde er nach dem Ural, in die Baikaler Kupfer-Erzbergwerke versetzt. Hier vollbrachte er eine technische Revolution, indem er das Bohren in mehreren Sohlen anwandte, das die Arbeitsproduktivität der Bergleute verzehnfachte. Am 6. Februar 1943 baute Semiwolos 27 Sohlen ab und erfüllte den Tagesplan zu 4940 v.H. Die Arbeitsmethode von Semiwolos wurde in großem Umfang angewandt. Alexej Semiwolos wurde mit dem Stalinpreis ausgezeichnet.

Die heroischen Anstrengungen der Arbeiterklasse trugen reiche Früchte. Das Tempo der Rüstungsproduktion wuchs stetig. Die Front litt keinen Mangel an irgendeiner Waffen- oder Munitionsart.

In den Tagen des Großen Vaterländischen Krieges begann bereits die Wiederherstellung der Industrie in den befreiten Gebieten. Das ganze Land half dem Donezbecken, die von den faschistischen Okkupanten fast völlig zerstörten Gruben, Kraftwerke und Betriebe wiederherzustellen. Ein Jahr nach der Befreiung des Donezbeckens nahmen Hunderte von Gruben die Arbeit wieder auf, 8 Hochöfen und 34 Martinöfen begannen Metall zu liefern.

In den befreiten Gebieten waren im Jahre 1945 bereits mehr als 1000 Gruben, 15 Hochöfen, einige Dutzende von Martinöfen, 27 Walz- und Röhrenwerke in Betrieb. Das Dnjepr-Kraftwerk, das Stalingrader Traktorenwerk, das Woroschilowgrader Lokomotivwerk sowie Dutzende anderer Betriebe und Kraftwerke erhoben sich aus den Ruinen.

Das sowjetische Verkehrswesen spielte im Krieg eine gewaltige Rolle. Zum Unterschied vom ersten Weltkrieg, wo die Transportschwierigkeiten in Russland die wirtschaftliche Krise der gesamten Industrie verschärfte, bewältigte das Transportwesen der Sowjetunion die überaus schwierige Aufgabe der Versorgung der Front und des Hinterlandes mit allem Notwendigen. In seinen Reden hob J.W. Stalin die Verdienste der Transportarbeiter und -angestellten der Sowjetunion mehrfach hervor.

Die Eisenbahner sind mit der Evakuierung von Menschen und Betrieben, die über eine Million Waggons erforderte, mit Ehren fertig geworden. Über 19 Millionen Waggons beanspruchten die Truppentransporte. Während der Kämpfe bei Moskau wurden die Truppentransporte mit einer Geschwindigkeit von 500-800 km täglich vollzogen. Während der Stalingrader Schlacht im Winter 1942/43 haben die Eisenbahner es fertiggebracht, Reserven und Munition in kürzester Frist an die Front zu bringen. Es wurden zwei neue Eisenbahnstrecken erbaut – die eine am linken Wolga-Ufer gegenüber von Stalingrad (heute Wolgograd P.R.), die andere am rechten Ufer (Saratow-Kamyschin-Panschin). Die letztere machte es möglich, Truppen nach Stalingrad vom Norden her heranzubringen. Es wurde eine Reihe neuer Eisenbahnstrecken erbaut, um Erdöl sowie die aus England und Amerika über die Nordroute gelieferte Ausrüstung zu befördern und die Industrie mit Petschorakohle zu versorgen. Eine dieser Linien – die nach Petschora- ist über 1800 km lang.

Während der Besatzung fügten die Faschisten dem Eisenbahntransport einen enormen Schaden zu. Sie zerstörten 65 000 km Eisenbahnstrecke und sprengten 13 000 Eisenbahnbrücken, 317 Depots und 2491 Bahnhöfe. Die Faschisten zerstörten oder verschleppten 15 800 Lokomotiven und Triebwagen sowie 438 00 Waggons. Alle diese Zerstörungen haben die Leistungsfähigkeit der Eisenbahnstrecken stark beeinträchtigt. Aber in dem Maße, wie das sowjetische Territorium gesäubert wurde, schritt die Wiederherstellung des Verkehrs durch heroische Anstrengungen der Eisenbahner rasch voran. Im Jahre 1943 wurde die Wiederherstellung der Eisenbahnen im großen Maßstab aufgenommen. Von Juli bis Dezember 1943 wurden 12000 km Eisenbahnstrecke sowie 350 große und mittlere Brücken mit einer Gesamtlänge von 33,4 km wiederhergestellt. Die 1200 m lange Dnjeprbrücke bei Kiew wurde in 13 Tagen erbaut.

Im Verlaufe des Krieges wurden 81 500 km Hauptstrecken wiederhergestellt sowie etwa 15 000 Brücken erbaut und repariert. Die Stachanowbewegung, die im Transportwesen rasch um sich griff, trug dazu bei, die gewaltigen Schwierigkeiten zu überwinden.

Der Arbeitsheroismus der Arbeiterklasse stellte eine mächtige Quelle des wirtschaftlichen Sieges über den Feind dar, ohne die der Sieg der Roten Armee unmöglich wäre. „Die Arbeiterklasse der Sowjetunion hat in diesem Kriege eine Großtat der Arbeit vollbracht.“ (Stalin.)

(Wenn man der heutigen katastrophalen Situation betreffs Brücken und der Bahn im heutigen Deutschland zusieht, erstaunt es um so mehr, was damals in Kriegszeiten in der Sowjetunion geleistet wurde. P.R.)

3. Die aufopfernde Arbeit der Kollektivwirtschaft

Auch die sozialistische Landwirtschaft hat die Prüfung des Krieges ehrenvoll bestanden. Die Rote Armee litt keinen Mangel an Nahrungsmitteln. Die Kollektivwirtschaften und Sowjetgüter versorgten ununterbrochen die Front sowie die städtische Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und die Industrie mit Rohstoffen. Die kollektivierte Landwirtschaft der Sowjetunion überwand alle Schwierigkeiten, die mit dem zunehmenden Mangel an mechanischer und lebender Zugkraft, mit der beträchtlichen Verringerung der Arbeitskräfte und mit dem vorübergehenden Verlust der westlichen und südlichen Gebiete, die bei der Nahrungsmittelversorgung des Landes eine große Rolle spielten, im Zusammenhang standen. In den vom Feind bis Herbst 1942 besetzten Gebieten lagen bis zu 40 v.H. der Gesamtanbaufläche der Kollektivwirtschaften.

Nach der Berechnung der Außerordentlichen Staatlichen Kommission haben die Deutschen 137 000 Traktoren, 49 000 Mähdrescher, 4 Millionen Pflüge und Eggen sowie über 1 Million andere landwirtschaftliche Maschinen vernichtet oder nach Deutschland verschleppt. Die Landwirtschaft der weit hinter der Front gelegenen Gebiete musste eine gewaltige zusätzliche Belastung übernehmen, und wenn sie die Aufgaben der Kriegszeit bewältigte, so nur dank dem Umstand, dass der sozialistische Großackerbau die rückständige zersplitterte Einzelwirtschaft abgelöst hatte.

Der Aufruf von J.W. Stalin, mit verdoppelter Energie für die Front zu arbeiten, stellte für die Kollektivbauernschaft ein Aktionsprogramm dar. Die Kollektivbauern und -bäuerinnen zeigten, dass sie sich der Interessen des gesamten Staates bewusst sind, arbeiteten angestrengt, vergrößerten die Anbauflächen, verbesserten die Bodenbearbeitung und erhöhten die Erträge. Die Anbauflächen der Kollektivwirtschaften und Sowjetgüter im Hinterland wurden im Jahre 1942 bedeutend vergrößert. Es wuchsen die Anbauflächen auch in den Gebieten, die nur begrenzte Reserven an Ackerboden hatten; so im Inwanowogebiet, Kirowgebiet u.a.

Im Jahre 1944 wurden im Lande fast 7 Millionen Hektar mehr als im Jahre 1943 bestellt.

In den nördlichen Gebieten, in Sibirien und in den mittelasiatischen Republiken sind die Getreideanbauflächen wesentlich gewachsen. In Usbekistan, wo gewaltige Bewässerungsanlagen geschaffen wurden, vergrößerte sich die Anbaufläche fast um 800 000 Hektar. Die Ernteerträge der Getreidekulturen verdoppelten sich. In der Kasachischen SSR ist die Getreideaussaatfläche im Jahre 1943 im Vergleich zum Jahre 1940 um fast 415 000 Hektar gewachsen.

Auch die Viehzucht wurde in den östlichen Gebieten des Landes weiterentwickelt. In Usbekistan stieg der Viehbestand um 1,5 Millionen Schafe und Ziegen sowie 162 000 Stück Rindvieh. In den Kollektivwirtschaften des Gorkigebietes stieg der Schweinebestand um 66 v. H., der Rindviehbestand um 64 v.H. Die Fleischlieferungen an den Staat wurden erheblich größer.

Im Laufe der vier Kriegsjahre hat die Kasachische SSR an den Staat um 350 000 Tonnen mehr Brotgetreide abgeliefert als in den vier Vorkriegsjahren, während sie die Fleischablieferung in der gleichen Zeitspanne verdoppelt hat.

Der Mangel an Arbeitskräften in den Kollektivwirtschaften zwang alle Kollektivbauern, mit verdoppelter und verdreifachter Anspannung zu arbeiten. Die Leistung eines erwachsenen arbeitsfähigen Kollektivangehörigen stieg im Durchschnitt von 265 auf 346 Tagwerke jährlich.

Die Arbeiter der Industrie, die Einwohner der Städte und die Schüler leisteten dem Sowjetdorf große Hilfe. Bei der Erfüllung von Aufträgen der Kollektivwirtschaften sowie der Maschinen- und Traktorenstationen zur Reparatur von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen ließen sich die Arbeiter der Fabriken und Werke von der Parole leiten: „Ein Auftrag des Dorfes – ist ein Auftrag der Front.“ Hunderttausende von Städtern, darunter alle Schüler und Studenten, halfen den Kollektivbauern bei der Einbringung der Ernte.

Die Rolle der Frauen im Dorf war stark gewachsen. Auf ihre Schultern legte sich die Hauptlast der Arbeit in den Kollektivwirtschaften. Kollektivbäuerinnen wurden Vorsitzende von Kollektivwirtschaften und Vorarbeiterinnen von Traktorenbrigaden. 40-60 v.H. der Vorarbeiter beim Ackerbau sowie 50-70 v.H. der Leiter der Viehzuchtfarmen waren Frauen. Sie waren die Organisatoren des Sozialistischen Wettbewerbs, der in den Jahren des Krieges im Kollektivdorf immer weiter um sich griff.

Auch die tatbereite Jugend spielte bei der Kollektivwirtschaftsarbeit eine große Rolle. Die Zahl von Tagewerken der Jugendlichen stieg um das 1,5- 2fache.

Die kommunistische Partei und die Sowjetregierung erwiesen dem Kollektivwirtschaftsdorf jede erdenkliche Hilfe. In dem Maße, wie das Territorium vom Feind gesäubert wurde, traten auch die Aufgaben der Wiederherstellung der von den Faschisten verwüsteten Landwirtschaft in den Vordergrund. Am 21. August 1943 wurde der Beschluss des ZK der KPdSU(B) und des Rates der Volkskommissare der UdSSR „Über die vordringlichen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wirtschaft in den von der deutschen Besetzung befreiten Gebieten“ herausgegeben. Er sah ein umfangreiches Programm der staatlichen Hilfe für die befreiten Gebiete vor.

Ein halbes Jahr später, am 5. Februar 1944, veröffentlichte der Rat der Volkskommissare der UdSSR die Ergebnisse der Durchführung des Beschlusses. Die Organe der Sowjetmacht, die Kollektivwirtschaften und die gesamte Öffentlichkeit der Sowjetunion haben die vorgesehenen Maßnahmen weit übertroffen. Es wurde weitaus mehr Vieh, als es geplant war, in die befreiten Gebiete zurückgeschickt. Es wurden Hunderte von Maschinen-Traktoren-Stationen wiederhergestellt und über 326 000 Häuser erbaut. In der Ukraine wurden in weniger als einem Jahr 26 439 Kollektivwirtschaften sowie 1173 Maschinen-Traktoren-Stationen zu neuem Leben erweckt, ferner viele Tausende von Viehzuchtfarmen der Kollektivwirtschaften geschaffen. Gegen Ende des Krieges mit Hitlerdeutschland waren in den befreiten Gebieten über 3000 Maschinen-Traktoren-Stationen wiederhergestellt, sowie über 28 000 Traktoren und über 3 Millionen Stück Vieh dorthin geliefert. Die Anbauflächen in den befreiten Gebieten erreichten im Jahre 1945 69 v.H. und bei den Getreidekulturen 75 v.H. der Vorkriegsanbaufläche. Auch die Viehzucht erlebt einen Aufschwung. Der neue Fünfjahrplan für die Wiederherstellung und Entwicklung der Landwirtschaft sieht nicht nur eine volle Wiederherstellung, sondern auch eine bedeutende Steigerung des Vorkriegsstandes in allen Zweigen der Landwirtschaft vor.

4. Der Beitrag der Sowjetintelligenz zur Zerschmetterung des Feindes 

Schulter an Schulter mit den Arbeitern und Bauern nahm die sowjetische Intelligenz aktiv und erfolgreich am Kampf gegen die deutsch-faschistischen Eindringlinge teil.

„Unsere Intelligenz tritt in Technik und Kultur kühn als Neuerer auf, entwickelt erfolgreich die moderne Wissenschaft weiter und verwendet schöpferisch ihre Errungenschaften für die Erzeugung von Waffen für die Rote Armee. Die Sowjetintelligenz hat durch ihre schöpferische Arbeit einen unschätzbaren Beitrag zu Zerschmetterung des Feindes geleistet.“ (Stalin)

Als Antwort auf den wortbrüchigen Überfall des Feindes griffen Zehntausende von Vertretern der Sowjetintelligenz zu den Waffen und gingen an die Front. Im Hinterland stellte die Sowjetintelligenz alle Kräfte zur Verfügung, um den Sieg über den Feind zu sichern. Die sowjetischen Gelehrten, Ingenieure und Techniker haben eine Reihe überaus wichtiger wissenschaftlicher und technischer Probleme gelöst, viele Erneuerungsprozesse grundlegend verbessert und zur raschen Umstellung der Volkswirtschaft auf Kriegsproduktion beigetragen.

J.W. Stalin stellte für die Tätigkeit der sowjetischen Gelehrten während des Krieges ein umfassendes Programm auf. Anfang 1942 wandte er sich an den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, W.L. Komarow, mit einem Telegramm, in dem es hieß: „Ich hoffe, dass die Akademie der Wissenschaften der UdSSR sich an die Spitze der Neuererbewegung auf dem Gebiete der Wissenschaft und Erzeugung stellen und in dem entbrennenden Kampf gegen den grimmigsten Feind unseres Volkes und aller anderen freiheitsliebenden Völker- den deutschen Faschismus- zum Mittelpunkt der fortgeschrittenen Sowjetwissenschaft werden wird. Die Regierung der Sowjetunion bringt die Überzeugung zum Ausdruck, dass die von Ihnen geleitete Akademie der Wissenschaften der UdSSR in der schweren Zeit des Großen Vaterländischen Krieges des Sowjetvolkes gegen die deutschen Okkupanten ihre hohe patriotische Pflicht vor dem Vaterlande erfüllen wird.“

Die Sowjetgelehrten erfüllten die ihnen von Stalin gestellte Aufgabe. Ihre gesamte Tätigkeit war darauf gerichtet, der Industrie, der Landwirtschaft und der Roten Armee zu helfen. Eine Gruppe von Akademiemitgliedern führte eine gewaltige Arbeit durch, um die Hilfsquellen des Urals, Westsibiriens, Kasachstans und des Wolgagebietes zu mobilisieren.

Groß war die Rolle der Sowjetintelligenz bei der Entwicklung der Kriegstechnik. Von Kriegsbeginn an standen die deutschen Waffen in ihrer Qualität den sowjetischen nach. Die Rote Armee besaß erstklassige Geschütze, Panzer und Flugzeuge. Die Konstrukteure verbesserten ständig das Kriegsmaterial und schufen neue, immer kampfstärkere Waffenarten. Alle Anstrengungen der Deutschen, bei dieser Vervollkommnung der Waffen die Rote Armee zu überflügeln, blieben vergeblich. „Im gesamten Verlauf des Krieges ist es dem Feind nicht gelungen, unsere Armee in der Qualität der Waffen zu übertreffen“, stellte J.W. Stalin fest.

Unschätzbar ist das Verdienst der sowjetischen Gelehrten und Konstrukteure bei der Schaffung neuer Werkbänke und Maschinen verschiedener Art für die Industrie. Die Arbeiten der Akademiemitglieder Bardin und Bajkow spielten bei der Entwicklung des sowjetischen Hüttenwesens eine außerordentlich große Rolle. Das Ingenieur-Kollektiv unter der Leitung von M.I. Grinberg schuf eine Dampfturbine mit einer Leistung von 100 000 Kilowatt und 3000 Umdrehungen in der Minute. Professor L.K. Ramsin schuf eine neue Kesselkonstruktion, die nach einem Beschluss des Rates der Volkskommissare der UdSSR der „Ramsin-Kessel“ genannt wurde. Professor K.K. Chrenow hat eine Methode ausgearbeitet, um Metalle unter Wasser elektrisch zu schweißen und zu schneiden.

Die sowjetischen Gelehrten und Ingenieure, mit den Akademiemitgliedern S.I. Wawilow, B.A. Wwedenskij, N.D. Papaleksi u.a. an der Spitze, haben viel Neues für die Radiotechnik und Optik entdeckt. Die Armee verfügte über eine ausreichende Menge vollkommener optischer Geräte.

Die sowjetische Medizin hatte in der Kriegszeit hervorragende Leistungen aufzuweisen. Die Akademiemitglieder Burdenko, Abrikossow, Orbeli und die anderen sowjetischen Militärärzte retteten durch ihre aufopfernde Arbeit Tausenden und aber Tausenden verwundeter Krieger das Leben. Die meisten Verwundeten konnten nach dem Krieg zu ihrer gewohnten Arbeit zurückkehren.

Auch auf dem Gebiet der Landwirtschaft haben die sowjetischen Wissenschaftler Vortreffliches geleistet. Die vom Akademiemitglied Lyssenko ausgearbeiteten Methoden des Kartoffelpflanzens wurden nicht nur in den Kollektivwirtschaften, sondern auch in den Kleingärten der Werktätigen mit großem Erfolg angewandt. Die Arbeiten des Akademiemitgliedes Zizin zur Schaffung neuer Sorten von Getreidkulturen haben in bedeutendem Maße zur Ertragssteigerung in den östlichen Gebieten des Landes beigetragen. Die Akademiemitglieder Prjanischnikow, Jakuschin und Liskun wurden unter den Kollektivbauern durch ihre Arbeiten allgemein bekannt.

Die Akademie der Wissenschaften der UdSSR, die im Jahre 1945 auf ein 220jähriges Bestehen zurückblickte, sowie die Akademien der Wissenschaften in den Unionsrepubliken haben bei der Mobilisierung aller Hilfsquellen des Landes zur Zerschmetterung des Feindes außerordentliche Erfolge aufzuweisen.

Die sowjetischen Geologen suchten nach Bodenschätzen und fanden sie. Es wurden überaus reiche Erzvorkommen entdeckt. Akademiemitglied S.S. Smirnow entdeckte reiche Bleivorkommen. Die UdSSR steht jetzt in der Förderung dieses Metalls an dritter Stelle.

Die Physiker, Chemiker, Mediziner, Mathematiker und Historiker arbeiteten-jeder auf seinem Gebiet-überaus nutzbringend für den Sieg.

Die sowjetische Literatur und Kunst standen der Wissenschaft nicht nach. Hunderte von Schriftstellern waren an der Front und arbeiteten in den Frontzeitungen. Die sowjetischen Schriftsteller und Dichter A. Tolstoi, M. Scholochow, I. Ehrenburg, N. Tichonow, M. Issakowskij, K. Simonow und viele andere schufen Werke, die den glühenden Patriotismus des Sowjetvolkes zum Ausdruck brachten und die hohen Tugenden tapferer Vaterlandsverteidiger bei den Sowjetmenschen erweckten.

Das Theater, die Musik, die Malerei und die Filmkunst haben durch ihre Werke das Sowjetvolk zum heroischen Kampf gegen die deutsch-faschistischen Eindringlinge beseelt.

Die Arbeiterklasse, die Kollektivbauernschaft und die Sowjetintelligenz bestanden heroisch die schwersten Prüfungen des beispiellosen Krieges und gewährleisteten durch ihre aufopfernde Arbeit in der Heimat die historischen Siege der Roten Armee an der Front.

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4, Original-Autoren I.I. Minz, I.M. Rason, A.L. Sidorow, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“ Band 4 von 1947

Die bolschewistische Partei-die führende und lenkende Kraft des Sowjetstaates.

Bildquelle: Von Russia – Coat of arms of the Soviet Union (1923–1936).svg and various flags, including those at Hammer and sickle, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=473728

1. Die bolschewistische Partei und die Volksmassen

Im Buch „Das Sowjetland“ ist mehr, als einmal von der bolschewistischen Partei, ihrer Bedeutung im Leben des Volkes und des Sowjetstaates sowie von ihren Führern Lenin und Stalin gesprochen worden.

Unter den Bedingungen des Zarenregimes war die bolschewistische Partei eine kleine illegale, verfolgte Organisation, die insgesamt nur einige tausend Mitglieder zählte. Aber ihre Kräfte und ihr Einfluss im Lande wuchsen ständig und wuchsen auch später noch (Stand 1947 P.R.). Vor der Großen sozialistischen Oktoberrevolution zählte die Partei bereits 270 000 Mitglieder. In den Jahren des Bürgerkrieges, als das erbitterte Ringen um die Erhaltung und Festigung der Sowjetmacht im Gange war, hatte sich die Zahl der Parteimitglieder fas verdreifacht und 730 000 überstiegen. Vor dem Großen Vaterländischen Krieg (II. Weltkrieg P.R.) hatte die Partei 3 400 000 Mitglieder, Mitte 1945 – bereits 5 800 000 Mitglieder.

Diese Zahlen zeugen besser als alle Worte nicht nur von dem zahlenmäßigen Wachsen der Partei, sondern auch von ihrem wachsenden Einfluss unter den Volksmassen. Es ist bemerkenswert, dass in den für das Land schwersten Zeiten, wie zum Beispiel in den Jahren des Bürgerkrieges und während des Großen Vaterländischen Krieges, der Zustrom von Mitgliedern in die Partei nicht nur nicht nachließ, sondern sich im Gegenteil verstärkte. Das Vertrauen der Volksmassen wuchs.

Wie ist das zu erklären?

Die Volksmassen haben gesehen, dass die Bolschewiki sich stets tapfer und entschlossen zum Schutze der Arbeiter und Bauern einsetzen und einen unversöhnlichen Kampf gegen alle Feinde des Volkes führen. Die Bolschewiki enthüllten dem Volk die konterrevolutionären Pläne der Gutsbesitzer- und Kapitalistenparteien und entlarvten die volksfeindliche Politik der Zarenmacht und der bürgerlichen Regierung. Die Bolschewiki führten einen unversöhnlichen Kampf auch gegen die falschen „Volksfreunde“, die sich „Sozialisten“ nannten, in Wirklichkeit aber die Gutsbesitzer und Kapitalisten unterstützten.

Im Laufe vieler Jahre, an der Erfahrung von drei Revolutionen, haben die Arbeiter und Bauern gesehen, was die bürgerlichen und pseudosozialistischen Parteien wollen und wofür die bolschewistische Partei kämpft. Sie haben begriffen, dass nur die Partei der Bolschewiki die Freiheit und die Macht für die Werktätigen sowie ein glückliches Leben für das Volk erkämpfen wollte und diese auch wirklich erkämpft hatte. Alle übrigen Parteien hatten sich in den Augen der Volksmassen mit Schmach und Schande bedeckt und waren zusammen mit jenen Klassen, für deren Interessen sie sich einsetzten, zeitweilig abgetreten.

Im Sowjetland waren nur die beiden befreundeten Klassen: Arbeiter und Bauern übriggeblieben. „In der Sowjetunion“, sagte J.W. Stalin, „gibt es Raum für nur eine Partei, für die kommunistische Partei. In der Sowjetunion kann es nur eine Partei geben, die Partei der Kommunisten, die kühn und bis zum letzten die Interessen der Arbeiter und Bauern verteidigt.“

Das ist der Grund, weshalb die Bolschewiki zu der einzigen Partei im Lande geworden waren, die das volle Vertrauen und die Liebe der Volksmassen genoss. Das ist der Grund, weshalb Tausende der besten Menschen aus den Reihen der Arbeiter, Kollektivbauern, Intellektuellen, Soldaten und Kommandeure der Roten Armee in jenen Jahren, da dem Sowjetland tödliche Gefahr drohte, um Aufnahme in die Partei ersuchten.

In den Jahren der friedlichen Arbeit und in den Kriegsjahren, im Hinterland und an der Front sowie im Partisanenkampf zeigten die Kommunisten unvergessliche Beispiel an Opfergeist und Vaterlandstreue. Das Volk sah in der kommunistischen Partei seinen Führer und den Leiter des Sowjetstaates.

2. Wie leitete die Partei das Land?

Die leitende Stellung der Partei in der Sowjetunion war durch die Stalinsche Verfassung verankert. In dieser hieß es, dass die Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) „den Vortrupp der Werktätigen in ihrem Kampf für die Festigung und Entwicklung des Sozialistischen Systems“ darstellt. In der Verfassung hieß es, dass die kommunistische Partei „den leitenden Kern aller Organisationen der Werktätigen, der gesellschaftlichen sowohl wie der staatlichen bildet.“ J.W. Stalin nannte die Partei der Bolschewiki die führende und richtunggebende und organisierende Kraft des Sowjetstaates und des Sowjetvolkes.

Auf welche Weise führte die kommunistische Partei das Land?

In der Sowjetunion gab es viele verschiedene parteilose Organisationen der Werktätigen. Es waren die Sowjets – eine staatliche Organisation, die alle Sowjetbürger erfasste; die Gewerkschaften, die fast alle Arbeiter und Angestellten vereinigten; die genossenschaftliche-kollektivwirtschaftlichen Organisationen, die fast alle Bauern und Kleingewerbetreibenden vereinigte; die Jugendorganisationen, in denen Millionen der führenden Jugend von Stadt und Land zusammengeschlossen waren, sowie verschiedene kulturelle, wissenschaftliche, wehrsportliche, sportliche und andere gesellschaftliche Organisationen, die viele Mitglieder zählten.

Jede dieser Organisationen war auf ihrem Gebiet tätig. Sie alle dienten den Interessen der Werktätigen. Aber welche Organisation der Arbeiterklasse, der werktätigen Massen, gewährleistete eine gleichgerichtete Tätigkeit, eine einheitliche Führung aller Organisationen?

Eine solche zentrale leitende Organisation war die kommunistische Partei. Warum?

Die Partei vereinigte die fortgeschrittenen Menschen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der Intelligenz. Sie war mit allen parteilosen Organisationen eng verbunden. Die Partei war die beste Schule, in der die Führer der werktätigen Massen ausgebildet und erzogen wurden, die imstande waren, die verschiedenen Organisationen zu leiten. Nach ihrer Erfahrung und ihrem Einfluss unter den Werktätigen war die Partei die einzige Organisation, die imstande war, für die Tätigkeit aller Organisationen eine gemeinsame Linie auszuarbeiten und die Gesamtführung des Kampfes der Werktätigen in ihren Händen zu konzentrieren. Dabei stützte sich auf die übrigen Organisationen als ihre Gehilfen, die sie mit den Massen verbanden.

Die Partei ersetzte keinesfalls irgendeine der parteilosen Organisationen. Die Parteiorgane befehligten nicht die parteilosen Organisationen und hatten nicht das Recht, von ihnen zu fordern, dass sie sich der Parteiführung unterstellen. Die Parteiorganisationen halfen den parteilosen Organisationen bei ihrer Arbeit. Die Kommunisten, die zu den Mitgliedern der parteilosen Organisationen zählten, erreichten als führende und einflussreiche Menschen durch ihre Überzeugungskraft, dass dies Organisationen der Partei folgten und deren Führung freiwillig akzeptierten.

Nehmen wir die Sowjets der Deputierten (Abgeordneten P.R.) der Werktätigen und die Obersten Sowjets als Beispiel. Das Volk wählte für die Sowjets seine besten Vertreter. Für die führenden Posten in den Sowjets stellte die Partei ihre Kandidaten auf. Und wenn die von der Partei aufgestellten Kandidaten in der Regel als Leiter der staatlichen Organe gewählt wurden, so erfolgte das aus dem Grund, weil diese Kandidaten bewährten, dem Volk ergebene Menschen waren.

Nehmen wir die Gewerkschaften und Kollektivwirtschaften. Die Mitglieder dieser Organisationen waren bei der Besetzung der leitenden Posten ehr wählerisch. Und wenn in den weitaus meisten Fällen Kommunisten gewählt wurden, so ist es dadurch zu erklären, dass sie das Vertrauen der Massen genossen.

Die parteilosen Bürger wählten nicht nur gemeinsam mit den Parteiangehörigen die Leiter der Sowjets, Gewerkschaften, der Kollektivwirtschaften usw., sondern kontrollierten auch deren Arbeit, darunter auch die Arbeit der Kommunisten. Sie nahmen die Berichte der Leiter entgegen, kritisierten ihre Fehler, schlugen Maßnahmen vor, um die Mängel ihrer Arbeit abzustellen, setzten auch manchmal den einen oder anderen Leiter von seinem Posten ab, wenn er mit seiner Arbeit nicht fertig wurde, und wählten an seine Stelle einen anderen.

J.W. Stalin lehrte: „Die Parteiangehörigen sollen sich von den Parteilosen nicht absondern, sich nicht in ihrem engen Parteigehäuse abkapseln, sich nicht mit ihrer Parteiangehörigkeit brüsten, sondern sie sollen auf die Stimme der Parteilosen hören, die Parteilosen nicht nur belehren, sondern auch bei ihnen lernen.“ (Allerdings hatte sich das später zum Schlechten geändert. Weniger die „kleinen“ Mitglieder, aber die Mehrheit der Funktionäre und Politiker sonderten sich von der Basis und der parteilosen Bevölkerung ab. Es entstand die abgehobene Schicht der Nomenklatura. Mit der Zeit war die Partei nicht mehr in der Lage die Arbeiterklasse zu vertreten. Natürlich gab es auch Politiker und hauptamtliche Funktionäre bis in die hohen Ämter hinauf, die guten Willens waren, hauptsächlich die Alten. Ebenso mag es Abgeordnete gegeben haben, die bis zum Ende das bestmögliche für ihre Leute tun wollten. Doch sie mussten sich den Gegebenheiten, heute würde man sagen den Sachzwängen, beugen. Es konnte sich der Verräter Gorbatschow an die Spitze schwingen, bzw. er wurde sogar gefördert. Ansonsten wäre ja seine Karriere nicht möglich gewesen. Mit den Schlagworten „Glasnost“ und „Perestroika“ und anderen Sprüchen hatte er die Bevölkerung und die Welt getäuscht. Während im eigenen Land Gorbatschow unbeliebt wurde, hatte er aber im Ausland hohes Ansehen. So konnte Gorbatschow sein verräterisches Werk vollenden und die Konterrevolution marschieren lassen. P.R.)

Die Partei handelte nach ihren Richtlinien. Hier eines der Beispiele. Im Donezbecken klappte es nicht mit der Kohleförderung. Die Frage wurde im Zentralkomitee der Partei mit den Leitern des Volkskommissariats für die Schwerindustrie beraten. Dreimal wurden Bestimmungen entworfen, die aber nicht zufriedenstellen konnten. Da wurden aus dem Donezbecken einige Arbeiter, einfache Wirtschaftler und Gewerkschaftsfunktionäre herangezogen. Drei Tage lang wurde mit ihnen beraten. (Das Wesen der Verbesserungsvorschläge haben sich sogar die Kapitalisten abgeguckt. Aber im Kapitalismus werden nur Verbesserungsvorschläge angenommen und umgesetzt, die den Kapitalisten Nutzen bringen. P.R.)

„Und wir alle, die Mitglieder des ZK, sagte J.W. Stalin, „mussten zugeben, dass nur sie, diese gewöhnlichen Arbeiter, diese kleinen Leute, es vermocht hatten, uns zu einer richtigen Entscheidung zu verhelfen.“

So leitete die bolschewistische Partei den Sowjetstaat und das Volk. Die Partei brachte den Interessen und den Bedürfnissen der Werktätigen die größte Aufmerksamkeit entgegen. Sie bereicherte die Erfahrungen der Leiter, indem sie diese mit den Erfahrungen der Massen vereinigte, Darin bestand eine der Hauptbesonderheiten der bolschewistischen Führung des Staates und des Volkes. Dafür liebte und achtete seinerzeit das Sowjetvolk seine Partei.

3. Worin lag die Stärke der bolschewistischen Partei?

Die Stärke der bolschewistischen Partei beruhte vor allem auf ihrer fortschrittlichen revolutionären Theorie. Diese Theorie wurde auf Grundlage der Errungenschaften aller Wissenschaften und Erfahrungen der Arbeiterbewegung aller Länder von den großen Gelehrten und Führern der Arbeiterklasse Karl Marx und Friedrich Engels, die im vorvergangenen Jahrhundert lebten, geschaffen. Die Lehre von Marx und Engels wurde von W.I. Lenin und J.W. Stalin weiterentwickelt. (Nach Stalins Tod hat man seine Weiterentwicklung der Lehre von Marx und Engels auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. P.R.)

Diese Lehre ist der Schlüssel für alle Vorgänge in der Gesellschaft. Sie erklärt die Einrichtung der menschlichen Gesellschaft, die Teilung in Klassen und den Kampf zwischen den Klassen. Sie zeigt, was jede Klasse will und wonach sie strebt. Diese Lehre hilft der Partei, sich unter den jeweils gegebenen Bedingungen zurechtzufinden, den inneren Zusammenhang der Ereignisse zu begreifen und zu erkennen, wie und in welcher Richtung sich die Ereignisse entwickeln und dich in der Zukunft entwickeln müssen. Diese Lehre bietet die Möglichkeit, den Gang der Ereignisse vorauszusehen und folglich auch den Lauf der Ereignisse so zu lenken, wie das im Interesse der Volksmassen und des Sowjetstaates erforderlich war. (Das hat ja, nach Stalins Tod, bekanntlich nicht funktioniert. P.R.)

Die bolschewistische Partei war der bewusste Vortrupp der Arbeiterklasse und aller Werktätigen, der die große Kraft der revolutionären Theorie von Marx-EngelsLeninStalin beherrschte. (Bekanntlich ist nach Stalins Tod ein Großteil verloren gegangen P.R.)

Die Stärke der bolschewistischen Partei beruhte auf ihrer Organisation. Lenin und Stalin maßen der Organisation der Arbeitermassen eine überaus große Bedeutung bei. Lenin schrieb über die Partei als die führende Schicht, den Vortrupp der Arbeiterklasse: „Die Stärke dieser Avantgarde beträgt das Zehn-, Hundert- und noch Mehrfache seiner zahlenmäßigen Stärke. Wie ist sowas möglich? Kann ein Hundert stärker sein als ein Tausend? Es kann stärker sein, und es ist stärker, wenn das Hundert organisiert ist. Die Organisation verzehnfacht die Kräfte.“  

Dank der Organisation ihrer Reihen bestand die bolschewistische Partei die allerschwersten Prüfungen, die sie im Kampf gegen die Feinde des Volkes bestehen musste, und wurde mit den schwierigsten Aufgaben der Führung der Volksmassen und des Sowjetstaates sowohl in den Friedens- als auch Kriegszeiten fertig.

Als Mitglieder der Partei galten nur jene Arbeiter, Kollektivbauern und Intelligenzler, die das Parteiprogramm anerkannten, die Ansichten der Partei teilten, sich den Bestimmungen der Partei unterordneten und der Arbeit einer ihrer Organisationen teilnahmen. Wer als Mitglied in die Partei einzutreten wünschte, musste erst für die Dauer eines Jahres eine Anwärterschaft durchmachen.

Die Partei kämpfte stets unversöhnlich gegen jene, die es versucht haben, die Parteieinheit zu sprengen und innerhalb der Partei Gruppen zu bilden. Die Partei schloss solche Mitglieder als Helfershelfer des Klassenfeindes aus ihren Reihen aus. Die Partei forderte von allen ihrer Mitglieder allerstrengste Disziplin, das heißt unbedingte, genaue und rasche Erfüllung der Parteibestimmungen.

Ohne eine solche Disziplin hätte die Partei zu der Zeit, da sie eine illegale Organisation war, nicht bestehen und kämpfen können. Die Bedeutung der Disziplin war noch mehr gestiegen, als die Partei die Führung des Sowjetstaates übernahm. Lenin schrieb im Jahre 1920, dass die Sowjetmacht ohne allerstrengste, wahrhaft eiserne Disziplin in ihren Reihen sich keine zwei Monate und erst recht keine zweieinhalb Jahre gehalten hätte. Wie wichtig die allerstrengste Parteidisziplin ist, hatte der Große Vaterländische Krieg (II. Weltkrieg P.R.) gezeigt.

Die Partei duldete in ihren Reihen nicht den geringsten Verstoß gegen die Disziplin. Für Nichtausführung der Parteibestimmungen und für andere Vergehen wurden die Parteimitglieder zur Verantwortung gezogen, in ernsten Fällen – bis zum Ausschluss aus der Partei.

Die Partei erkannte jedoch keine „blinde Disziplin“, keine mechanische Unterordnung unter die Parteibeschlüsse an. Die Partei wollte, dass alle Mitglieder durchaus bewusst, nach ihrer Überzeugung handeln. Die bolschewistische Parteidisziplin beruhte darauf, dass die Mitglieder sich freiwillig der Partei unterordneten und ihrer Sache grenzenlos ergeben waren. Die Stärke und seinerzeitige Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Partei beruhte auf ihrer damals unlösbaren Verbindung mit den Massen. Lenin und Stalin lehrten, dass die Partei, wenn sie ihre Verbindungen mit den Massen verliert oder auch nur vernachlässigt, das Vertrauen und die Unterstützung der Massen einbüßen und folglich unweigerlich zugrunde gehen wird. (Und es bekanntlich so gekommen. Der dämliche Spruch „Die Partei wird sich dabei was gedacht haben. “, machte die Runde an der Parteibasis, wenn Entscheidungen der Parteispitze in Frage gestellt wurden. Die Konterrevolution konnte marschieren und siegen. P.R.)

Die bolschewistische Partei ließ diese Anweisung nach dem Tod Stalins außer Acht. Zu Lebzeiten von Lenin und Stalin arbeiteten die Bolschewiki inmitten der Volksmassen. Sie wussten genau, was für das Volk lebenswichtig ist. Arbeiter, Kollektivbauern und Intellektuelle wandten sich in ihren Nöten, Anfragen und Vorschlägen an die Bolschewiki. Die Parteiorganisationen luden die Parteilosen ein, die an öffentlichen Parteiversammlungen zu beteiligen.

Die Partei war von Millionen aktiver parteiloser Helfer umgeben. Die Bolschewiki organisierten den Leninschen Kommunistischen Jugendverband der UdSSR, der an die Partei angeschlossen war. Der kommunistische Jugendverband war ein treuer, energischer Helfer der Partei bei ihrer Arbeit und leitete die Parteibeschlüsse an die Massen weiter. Der kommunistische Jugendverband erzog die Jugend im Geiste des Kommunismus.  In den Tagen des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg P.R.) bewiesen die Mitglieder des kommunistischen Jugendverbandes durch Heldentaten an der Front und durch aufopfernde Arbeit im Hinterland aufs Neue ihre Treue und Ergebenheit gegenüber der Partei von LeninStalin und der sowjetischen Heimat.

Die Partei forderte, dass jedes ihrer Mitglieder in seiner Berufsarbeit, in der Aneignung der Technik seines Faches, in der ständigen Erhöhung seiner Qualifikation und seines Wissens, in der Wahrung der Arbeits- und Staatsdisziplin, in seinem ganzen Benehmen in der Gesellschaft und im Alltagsleben als Vorbild für die Massen dient.

Die bolschewistische Partei war durch ihren organisatorischen Aufbau stark. Die primären Parteiorganisationen in den Betrieben, Ämtern, in der Arme, in den Lehranstalten usw. stellten die Grundlage der Partei dar. Die Partei war jedoch nicht die einfache Summe ihrer primären Organisationen. Die Partei war eine einheitliche, die ganze Sowjetunion umfassende Organisation der Kommunisten mit unteren und höheren leitenden Organen, mit einer Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit. Ihre Beschlüsse waren für alle Parteimitglieder bindend. Das höchste Organ der primären Organisation stellte die allgemeine Versammlung ihrer Mitglieder dar. Das höchste Organ der Partei war der Allunions-Parteitag der KPdSU(B). In der Zeit zwischen den Parteitagen war die gesamte Arbeit der Partei durch das Zentralkomitee der KPdSU(B) geleitet. Alle leitenden Parteiorgane – vom Büro der primären Organisationen bist zum Zentralkomitee der Partei– waren in geheimer Abstimmung gewählt worden. Die Parteiorgane waren ihren Parteiorganisationen rechenschaftspflichtig. Die Beschlüsse der höheren Organe waren für die unteren unbedingt verbindlich.

Alle Parteimitglieder genossen das Recht einer freien sachlichen Erörterung der praktischen Fragen der Parteipolitik. Jeder Kommunist kann auf Mängel in der Arbeit der Parteiorganisation hinweisen und jeden Parteifunktionär sachlich kritisieren.

Die Partei zog auch die Parteilosen zur Erörterung praktischer Fragen ihrer Arbeit heran. Jeder Arbeiter, Angestellte und Kollektivbauer konnte in eine öffentliche Parteiversammlung oder in das Parteikomitee kommen und sagen, wo und was an der Arbeit der Parteiorganisation schlecht war.

Auf diese Weise waren beim organisatorischen Aufbau der Partei eine umfassende innerparteiliche Demokratie und Selbstständigkeit bei der Entscheidung lokaler Fragen mit der Unterordnung der niederen Organe unter die höheren sowie die Leitung der Partei aus einem einheitlichen Zentrum in Einklang gebracht. Ein solcher organisatorischer Aufbau trug dazu bei, dass die bolschewistische Partei, die den Sowjetstaat und das Sowjetvolk leitete, stellte eine der Hauptquellen der Stärke und Macht der Sowjetunion dar.

Der Partei hatte das Sowjetvolk zu verdanken, dass im Lande alle anderen Quellen der Stärke und Macht der Sowjetunion entstanden waren und erschlossen wurden: die sowjetische Gesellschaftsordnung; die sowjetische Staatsordnung; die moralisch-politische Einheit der Sowjetgesellschaft; die Freundschaft der Sowjetvölker; der glühende sowjetische Patriotismus.

Unter der Führung der kommunistischen Partei errang das Sowjetvolk zur damaligen Zeit einen vollen Sieg über seine Feinde und sicherte damit die Voraussetzung für eine weitere Blüte seines Landes.

Unter Führung der kommunistischen Partei und ihres großen Führers J. W. Stalin schritt die Sowjetunion neuen Erfolgen bei der Festigung der Macht des Sowjetstaates sowie bei der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft zu Kommunismus entgegen. (Allerdings ist der Kommunismus ein Wolkenkuckucksheim geblieben. Nach Stalins Tod ging es langsam, aber stetig bergab. P.R.)

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 3 aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Kapinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dm Buch „Das Sowjetland“ aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Kapinskij

Hungersnot und Konterrevolution

Vorbemerkung: Nun ist vom „Holodomor“ die Rede. Diese Hungersnot in den Jahren 1932/33 wird Stalin „in die Schuhe geschoben“. Bereits in den 1920er Jahren gab es in der Sowjetunion eine Hungersnot. Gegnerische Kräfte versuchten diese zu nutzen, um die Konterrevolution zu starten. Damals ist es misslungen.

Symbolbild
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Im Sommer 1921 vernichtete eine Dürre im Wolgagebiet, im Uralvorland, im Kaukasus, auf der Krim und in einem Teil der Ukraine die Saat. In den fruchtbarsten Gouvernements, den Kornkammern des Landes, gab es weder Getreide für die Versorgung der Bevölkerung noch Saatgut für eine neue Aussaat. Das Sowjetland, das sich von dem wirtschaftlichen Verfall im Gefolge des imperialistischen Krieges und des Bürgerkrieges noch nicht erholt hatte, wurde von einer neuen schrecklichen Katastrophe, einer Hungersnot, betroffen. Im Winter und Frühjahr 1922 litten über dreißig Millionen Menschen, das heißt fast ein Viertel der damaligen Bevölkerung, Hunger. Besonders stark betroffen war das Wolgagebiet, wo viele Menschen vor Hunger starben.

Die Sowjetregierung ergriff außerordentliche Maßnahmen, um die Auswirkungen der Katastrophe entgegenzuwirken. Millionen Werktätige, die in den Betrieben und auf den Feldern des Landes arbeiteten, gaben einen Teil ihres dürftigen Einkommens und ihrer Hungerrationen ab, um den Hungernden zu helfen. Aber die inneren Ressourcen waren vernichtet, das verwüstete Land brauchte Hilfe von außen. W.I. Lenin appellierte an das Internationale Proletariat, Hilfe zu leisten. Maxim Gorki wandte sich an alle ehrlichen Menschen in Europa und Amerika mit der Bitte, dem russischen Volk zu helfen. Die Appelle Lenins und Gorkis fanden bei den Werktätigen im Ausland ein starkes Echo. Aber es gab auch Kräfte, die die Naturkatastrophe, die das Sowjetland heimsuchte, für ihre konterrevolutionären Ziele auszunutzen versuchten.

Gorki schlug im Juni 1921 vor, ein Gesamtrussisches Hilfskomitee für die Hungernden zu bilden. Dieser Vorschlag wurde von ehemaligen „im öffentlichen Leben tätigen“ Kadetten, von S.N. Prokopowitsch, J.D. Kuskova, N.M. Kischkin, dem ehemaligen zaristischen Minister N.N. Kutler und anderen, aufgegriffen. Sie bildeten die Initiativgruppe für die Gründung eines solchen Komitees. Am 21. Juli fand eine Zusammenkunft dieser Gruppe mit Vertretern der Sowjetmacht statt. Kischkin redete dabei lange über die Bedeutung der Beteiligung der bürgerlichen „Öffentlichkeit“ an der Arbeit zur Beseitigung der Volkskatastrophe. Er forderte „Unabhängigkeit“ für die Organisationen des zu bildenden Komitees und „exakte Garantien“ der Sowjetorgane, dass die Mitarbeiter des Komitees ungehindert arbeiten können. Natürlich verlangte er auch völlige Sicherheit für die Güter und Spenden, die das Komitee aufbringe. Dem Komitee müssten das Recht und die Möglichkeit eingeräumt werden, mit ausländischen Organisationen Verbindung aufzunehmen.

Es war klar, dass die „im öffentlichen Leben Tätigen“ ihre Teilnahme am Kampf gegen die Hungersnot für politische Ziele ausnutzen wollten. Der Vertreter der Sowjetregierung, der an der Zusammenkunft teilnahm, wies darauf hin, dass die Regierung keinerlei politische Verpflichtungen eingehen werde und aus dem Vorhaben keine politischen Schlussfolgerungen zu ziehen beabsichtige. Die Art der Garantien, die die Regierung geben könne, werde durch die Diktatur des Proletariats bestimmt. „Wir garantieren“, erklärte er, dass das Komitee für seine sachliche Arbeit alle Voraussetzungen erhält, so dass es mit Erfolg praktische Ergebnisse erzielen kann. Eine sachliche Arbeit wird bei der Regierung und den örtlichen Behörden auf keinerlei Hindernisse stoßen.“

Die Sowjetregierung wollte möglichst alle gesellschaftlichen Kräfte in den Kampf gegen die Hungersnot einbeziehen und kam deshalb dem Vorschlag der Initiativgruppe entgegen. Am 21 Juli 1921, dem gleichen Tag, an dem sich die Gruppe mit Vertretern der Sowjetmacht traf, wurde durch eine Verfügung des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees das Gesamtrussische Hilfskomitee für die Hungernden gegründet. Es wurde unter das Zeichen des Roten Kreuzes gestellt, unter dem es arbeiten sollte. Anfangs gehörten dem Komitee 63 Mitglieder an, die in der Mehrzahl, mit Ausnahme einiger Vertreter der Regierung und anderer Sowjetfunktionäre, im öffentlichen Leben Tätige der alten Gesellschaft waren. Nur der Vorsitzende des Komitees und sein Stellvertreter wurden vom Gesamtrussischen ZEK ernannt, die übrigen Mitglieder des Präsidiums aber in geheimer Abstimmung auf einer allgemeinen Versammlung des Komitees gewählt. Später konnte es selbstständig weitere Mitglieder hinzuziehen. Das Gesamtrussische Hilfskomitee für die Hungernden erhielt das Recht, im Lande selbst sowie im Ausland Geschäftsstellen zu gründen, in Russland und im Ausland Lebensmittel, Viehfutter, Medikamente und anderes zu kaufen und unter den Hungernden zu verteilen.

Die bürgerlichen Elemente schätzten die Bildung des Gesamtrussischen Hilfskomitees auf ihre Weise ein. Die Konterrevolutionäre hofften, unter dem Deckmantel der legalen Arbeit die lokalen Abteilungen des Komitees in Organe des politischen Kampfes gegen die Sowjetmacht verwandeln zu können. Die weißgardistischen Emigranten beeilten sich, mit den Mitgliedern des Komitees Verbindung aufzunehmen. Auch die Agenten des internationalen Imperialismus setzten große Hoffnungen auf das Komitee.

Die breite öffentliche Bewegung im Ausland zwang auch die führenden Politiker der kapitalistischen Welt, zu erklären, wie sie zur Hilfe für die Hungernden in Russland standen. Der Oberste Rat der Entente fasste am 10. August 1921 den Beschluss, eine Kommission zu bilden, die Möglichkeiten ermitteln sollte, wie der hungernden Bevölkerung Russlands geholfen werden konnte. An die Spitze der Kommission wurde Joseph Noulens, der ehemalige französische Botschafter in Russland und allen bekannten Feind der Sowjetmacht, gestellt. Die Kommission Noulens‘ verlangte als unerlässliche Voraussetzung dafür, dass die Hungernden in Russland geholfen wird, von der Sowjetregierung, dass sie die Schulden der Zaren- und Provisorischen Regierung anerkenne, „ausreichende Garantien für die Einlösung der künftigen Verpflichtungen“ gebe und „normale Bedingungen“ für das Wirtschaftsleben im Lande schaffe.

Auf Gorkis Appell reagierte in den USA die American Relief Administration (ARA), die Amerikanische Verwaltung für Hilfe, deren Vorsitzender Handelsminister Herbert Hoover war. Die ARA war eine Vereinigung von Wohltätigkeits-, religiösen und nationalistischen Gesellschaften, die unter einer einheitlichen Leitung arbeiteten. Ihr Ziel war, den Völkern Europas, die unter dem Krieg gelitten hatten, mit Lebensmitteln und anderen Gütern zu helfen. Eine der verschwiegenen Aufgaben die Organisation bestand darin, in die verschiedenen Länder einzudringen und auf sie im Sinne des Imperialismus politisch Einfluss zu nehmen. Die Vertreter der ARA waren bestrebt, in Verhandlungen mit der Sowjetregierung zu erreichen, dass sie unkontrolliert arbeiten konnten und ihre Filialen auf dem Boden Sowjetrusslands die Rechte der Exterritorialität zugebilligt erhielten. Über die nach Russland geschickten Lebensmittel wollten sie nach ihren eigenen Gesichtspunkten verfügen. W.I. Lenin verfolgte aufmerksam die Verhandlungen mit der ARA und schrieb am 13. August 1921:

„Da die niederträchtigen amerikanischen Krämer den Anschein erwecken wollen, als wären wir imstande, jemand zu betrügen, empfehle ich, ihnen sofort telegrafisch im Namen der Regierung…offiziell folgendes vorzuschlagen: Wir deponieren bei einer New Yorker Bank in Gold eine Summe, die 120% dessen beträgt, was sie im Laufe eines Monats für eine Million hungernder Kinder und Kranker liefern. Aber dann stellen wir die Bedingung, dass sich die Amerikaner angesichts einer derart vollständigen materiellen Garantie auf keine Weise, weder politisch noch administrativ, einmischen und keinerlei Ansprüche erheben. Die Kontrolle werden paritätische Kommissionen (von unserer Regierung und von ihnen) an Ort und Stelle ausüben. Mit diesen Vorschlägen geben wir den Krämern eins auf die Nase und stellen sie dann vor der ganzen Welt bloß.“

Bei den Verhandlungen in Riga musste die ARA gezwungenermaßen auf die geforderte Kaution und die ultimativ beanspruchte Exterritorialität ihrer Vertreter verzichten. Am 20. August wurde ein für beide Seiten annehmbares Abkommen geschlossen. Die Verwaltung der ARA wurden ziemlich weitgehende Rechte bei der Unterbringung ihrer Filialen, bei der selbstständigen Auswahl der Mitarbeiter, bei der Verfügung über alle Fonds usw. eingeräumt. Die Sowjetregierung behielt sich jedoch das Recht vor, Mitarbeiter der amerikanischen Einrichtungen abzulehnen.

Mitte August 1921 fand in Genf eine Konferenz von Vertretern internationaler und nationaler Rot-Kreuz-Gesellschaften statt, die den populären norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen zum Hauptbevollmächtigten der Rot-Kreuz-Gesellschaften bei der Hilfe für die Hungernden in Russland wählten. Nansen nahm ohne unnötige Verzögerung Verhandlungen mit der Sowjetregierung auf und schloss mit ihr am 27. August ein Abkommen über die Arbeit der von ihm geschaffenen Organisation, des Exekutivkomitees der internationalen Hilfe für Russland, dem auch Vertreter der Sowjetmacht angehörten. Im Unterschied zur ARA schlug Nansen vor, alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Verteilung von Lebensmitteln in Russland mit Hilfe der örtlichen Machtorgane durchzuführen.

Das Abkommen mit der ARA und das Wirken der internationalen Hilfsorganisation Nansens spalteten die einheitliche Front, die die Imperialisten unter Ausnutzung der Hungersnot gegen Sowjetrussland zu bilden versuchten. Lediglich die Regierungen der Ententemächte, die in der Kommission Noulens‘ vertreten waren, kamen zu keinem Abkommen mit der Sowjetregierung. Bald wurde klar, dass die imperialistischen Kreise große Hoffnungen auf die Vertreter des Gesamtrussischen Hilfskomitees für die Hungernden setzten. Agenten der französischen Regierung hatten bereits Verhandlungen mit M.I. Skobelew, dem Vertreter dieses Komitees in Paris, aufgenommen.

Das Gesamtrussische Hilfskomitee für die Hungernden bildete im Lande zahlreiche örtliche Geschäftsstellen, in die viele „im öffentlichen Leben tätige“ Repräsentanten des Bürgertums eintraten. Da die Anhänger der Kadetten die Mehrheit im Komitee bildeten, wählten sie eine Delegation mit M.N. Kischkin, S.N. Prokopowitsch und J.D. Kuskowa and der Spitze, die sie ins Ausland schicken wollten. Sie hatten es damit deshalb so eilig, weil die Delegation offenbar an den politischen Verhandlungen der Sowjetregierung mit den Regierungen der kapitalistischen Länder teilnehmen wollte. Die Sowjetorgane durchschauten die politischen Absichten der Kadettenvertreter im Gesamtrussischen Hilfskomitee. Das Gesamtrussische Zentralexekutivkomitee beschloss am 18. August, die Reise dieser Delegation ins Ausland zu verschieben. Es empfahl dem Komitee, seine Mitglieder vor allem zur praktischen Arbeit in die von der Hungersnot betroffenen Bezirke zu schicken. Die Mehrheit des Komitees war mit dem Beschluss des Gesamtrussischen ZEK nicht einverstanden und forderte am 23. August ultimativ, die Delegation ins Ausland reisen zu lassen. Anderenfalls drohte es, seine Arbeit einzustellen.

Die Gesamtrussische Tscheka(Geheimdienst P.R.) nahm am 27. August eine Reihe von Haussuchungen vor und verhaftete mehrere Mitglieder des Komitees. In der aus diesem Anlass veröffentlichten Mitteilung der Tscheka hieß es:

 „Seit dem Bestehen des Komitees erhielt die Gesamtrussische Tscheka Informationen darüber, dass eine Gruppe von Mitgliedern des Komitees in Wirklichkeit nicht von ihren aktiven politischen Bestrebungen Abstand genommen hatte. Vielmehr sah diese Gruppe in der Katastrophe der Bevölkerung des Wolgagebiets ein Mittel des politischen Kampfes und der Verschwörung gegen Sowjetrussland. Sie setzte alle Hoffnungen auf eine erneute Intervention der ausländischen Kapitalisten in neuer Form. Diese Gruppe organisierte mehrere konspirative Zusammenkünfte, nutzte den Umstand aus, dass das Hilfskomitee legal existierte, knüpfte Verbindungen an u.a.m.. Alle dies Tatsachen veranlassten die Gesamtrussische Tscheka am 27. August d. J. bei den Mitgliedern des Komitees und Personen ihrer Umgebung Haussuchungen durchzuführen und Verhaftungen vorzunehmen. Dabei wurde reiches Material sichergestellt, dass die Richtigkeit vorhergehenden Angaben bestätigte.“

Bei Kischkins Sekretärin, einer gewissen Kafjewa, die Mitglied der Kadettenpartei war, entdeckten die Tschekisten einen von Kischkins Hand stammenden Plan für die Umgestaltung Sowjetrusslands. Der Plan sah einen obersten Herrscher an der Spitze der des Staates, eine Reichsduma und einen Reichsrat, Gebiets-, Gouvernements-, Kreis- und Amtsbezirksvorsteher usw. vor. Bei P.T. Salatow, einem anderen Mitglied des Komitees, der etwas früher als die Kafjewa verhaftet worden war, wurden „Thesen für einen Bericht zu den Aufzeichnungen ‚Wiederheerstellung eines einheitlichen Russlands‘“ gefunden, die Kischkins Plan anfochten. In den Thesen wurde vorgeschlagen, nach dem Sturz der Sowjetmacht eine zentralisierte starke Macht zu bilden. Nur eine von einer einzelnen geleiteten diktatorischen Macht in Russland könne die Ordnung wiederherstellen. In den Thesen wurde auch dargelegt, wie die Sowjets gestürzt werden sollten, die zu einer einheitlichen Bewegung unter zentraler Führung zusammenfließen sollten.

Bei den Haussuchungen und Verhaftungen von Angestellten des Komitees sowie Personen, die mit ihnen in Verbindung standen, wurden im Gebäude des Komitees Dokumente gefunden, die bewiesen, dass hier eindeutige politische Arbeit geleistet wurde, So wurde bei J.S. Galkina, einer Instrukteurin und Organisatorin lokaler Komitees, ein Brief gefunden, in dem sie darlegte, dass sich „um das Komitee herum eine interessante Arbeit anbahnt. Sie berichtete über eine ganze Reihe von Organisationen und Personen, die sich mit antisowjetischer Arbeit in der Ukraine befassten. Der Petrograder Ingenieur M. Mett, der die Abteilung für gesellschaftliche Arbeiten des Komitees leitete, empfahl einem Freund in Riga in einem Brief vom 22. August „das Mitglied des Komitees und der Auslandsmission S.N. Prokopowitsch als ‚seinen‘ Mann, dem man jegliche Unterstützung erweisen und sich voll zur Verfügung stellen muss“. In einem Brief an die Nationalbank in New York schrieb Mett: An die Nationalbank, New York. Hiermit bestätige ich, dass der von mit am 30. März 1921 auf die Summe von 3 000 Dollar ausgestellte Scheck Nr. 116 echt ist. Ich bitte Sie, die genannte Summer Mister Ephraim Nieburg, meinem Vertreter in Riga (Lettland), oder einer von ihm benannten Person auszuzahlen. Notieren Sie auch, dass Mister Ephraim Nieburg, Ingenieur, mich in Riga solange vertritt, bis sich die Dinge in Russland ändern. Hochachtungsvoll M. Mett, Ingenieur.“ Das Mitglied des Komitees Bulgakow schrieb über die politische Tätigkeit des Komitees in sein Tagebuch: „Auch wir und der Hunger sich Mittel des politischen Kampfes.“

Es war klar, dass das Hilfskomitee für die Hungernden in Wirklichkeit ein Zentrum antisowjetischer Arbeit war. Die Sowjetregierung teilte am 30. August 1921 mit, es sei endgültig bewiesen, dass „die Mehrheit des Komitees im Bann politischer Spekulationen steht, die mit den Interessen der Hungernden nichts zu tun haben. Das Komitee neigt dazu, sich über die Interessen einer sachlichen Arbeit hinwegzusetzen, und zwar um sich an jenem konterrevolutionären politischen Spiel zu beteiligen, das im Zusammenhang mit der Bildung des Komitees unter den ausländischen Weißgardisten und den von ihnen inspirierten Regierungskreisen Europas angefangen hat. Die Sowjetregierung musste mit Bedauern dies Ergebnis ihres Schrittes feststellen, mit dem sie die ehemaligen aktiven Gegner der Sowjetmacht möglichst umfassend zur Hilfe für die Hungernden hatte heranziehen wollen. Sie hat daher beschlossen, das Komitee aufzulösen. In diesem Zusammenhang fordert die Sowjetregierung alle, die nicht gewillt sind, die Interessen der Hungernden konterrevolutionären Spekulationen zu opfern, auf, ihre Kräfte anzuspannen und die Hilfsaktion für die Hungernden weitgehend selbstständig weiterzuführen.“

Die aktivsten Mitglieder des Gesamtrussischen Hilfskomitees für die Hungernden, N.M. Kischkin, S.N. Prokopowitsch, J.D. Kuskowa und andere, wurden auf administrativem Wege aus Sowjetrussland ausgewiesen.

Aber die Imperialisten der Ententeländer dachten nicht daran ihre Versuche aufzugeben, die Hungersnot in Sowjetrussland für die Durchsetzung ihrer politischen Ziele auszunutzen. Am 4. September 1921 informierte Noulens die Sowjetregierung darüber, dass die von ihm geleitete Kommission beschlossen habe, „ein Komitee von Experten nach Russland zu schicken. Die Experten sind bevollmächtigt, an Ort und Stelle rasch und gründlich das Ausmaß des Erforderlichen zu überprüfen und festzulegen, wie schnellstens und am wirksamsten geholfen werden kann.“ Noulens verlangte, dass diesen „Prüfern“ (es waren etwa dreißig) „alle erforderlichen Voraussetzungen und Garantien“ für ihre Arbeit gewährt werden. Er fügte eine Liste ausführlicher Fragen bei, die geprüft werden sollten. Im Grunde handelte es sich dabei um ein schlecht getarntes Spionageprogramm: Die Lage Russlands sollte ausgekundschaftet werden. W.I. Lenin war über Noulens‘ Forderungen empört und sagte am gleichen Tage: „Noulens ist bodenlos dreist.“ Dem Politbüro leitete Lenin einen Beschlussentwurf zu, in dem es hieß: Tschitscherin wird beauftragt, als Antwort an Noulens in schärfster Form eine ablehnende Note nach Art einer Proklamation gegen Borugeoisie und Imperialismus zu verfassen, dabei ist die konterrevolutionäre Rolle von Noulens selbst besonders hervorzuheben und extra auf den unverschämt-frechen Charakter des Angebots einzugehen, vor jedem Vertrag eine sich Expertenausschuss nennende Kommisssion von Spionen zu schicken… Speziell unterstreichen, dass wir auch nicht eine Sekunde glauben können, das die Herren Noulens den Wunsch haben zu helfen, wenn sie so an die Sache herangehen.“

Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, G.W. Tschitscherin, teilte daraufhin den Regierenden Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Belgiens in einer Note vom 7. September 1921 mit: „Die Werktätigen Russlands haben den Namen des Mannes nicht vergessen, der einer ihrer schlimmsten und blutigsten Feinde während ihres Kampfes auf Leben und Tod war, den sie gegen Konterrevolution und ausländische Einmischung führten. Sie haben nicht vergessen, dass von den ausländischen Vertretern Herr Noulens seit dem ersten Tag der Existenz des Arbeiter- und Bauernstaates in Russland die meisten Anstrengungen unternahm, damit zwischen der Sowjetregierung und den Regierungen der Ententeländer keine Einigung und Verständigung zustande kam… Herr Noulens setzte seine ganze Kraft ein für die Vorbereitung einer Verschwörung gegen die Sicherheit der Republik und gegen das Leben ihrer leitenden Funktionäre, für die Vorbereitung von Aufständen, für die Werbung von Teilnehmern an allen möglichen Abenteuern, die gegen die Republik gerichtet waren, für Versuche, Brücken in die Luft zu sprengen und Katastrophen bei der Eisenbahn zu organisieren usw.. Her Noulens trägt die Hauptschuld an dem Aufstand der Tschechoslowaken, die von den Feinden des russischen Volkes betrogen und von ihnen in den Kampf gegne die Sowjetmacht hineingezogen wurden. Herr Noulens war einer der aktivsten Führer jenes Blockadesystems, das das ganze russische Volk der Verarmung und dem Elend ausgeliefert hat. Diese Führer haben in bedeutendem Maße die augenblickliche unerhörte Hungersnot verursacht…Die Ernennung dieses geschworenen Anführers aller gegen Sowjetrussland gerichteten Unternehmungen zum Beauftragten der internationalen Hilfskommission für die Hungernden hat die breiten Massen des russischen Volkes in höchstes Erstaunen versetzt und größte Entrüstung ausgelöst. Die Kommission des Herrn Noulens möchte die Hilfe für die Hungernden durch das Sammeln von Informationen über die innere Lage Sowjetrusslands ersetzen. Sie hat ein umfangreiches Untersuchungsprogramm aufgestellt, dessen Durchführung darauf hinausläuft, die Ressourcen und Mittel Sowjetrusslands auf dem Gebiet der Landwirtschaft, des Transportwesens, der Viehzucht usw. zu ermitteln. Und das soll unter Führung jener Leute geschehen, die schon einmal solche Studien zu dem unverhohlenen Zweck betrieben haben, Meutereien anzustiften und den Vormarsch der ausländischen Armeen auf dem auf dem Territorium der Sowjetrepublik zu erleichtern. Die Hungersnot und die Leiden der Werktätigen Russlands waren für diese Kommission nur ein Anlass um zu versuchen herauszubekommen, über welche Kräfte und Mittel die Sowjetregierung verfügt.“

Die Sowjetregierung lehnte es ab, dem Drängen der Kommission Noulens‘ nachzugeben. Geleichzeitig wies sie darauf hin, dass „sie jeder anderen Organisation in vollem Maße entgegenkommt, wenn sie sieht, dass diese Organisation sich wirklich mit der Hilfe für die Hungernden beschäftigen will. Jeder derartigen Organisation schlägt die Sowjetregierung vor, die Methoden der Hilfeleistung und Kontrollmethoden über die Verteilung der für die Hungernden bereitgestellten Mittel ganz genau und konkret in Gestalt eines formellen Vertrages zu fixieren, und zwar nach dem Muster der Verträge, die bereits mit der American Relief Administration und dem obersten Kommissar Nansen abgeschlossen worden sind… In den Vorschlägen der Kommission Noulens‘ sieht die Sowjetregierung jedoch nur eine unerhörte Verhöhnung der Millionen, die vor Hunger sterben.“

Alle Versuche Fridtjof Nansens, die Regierungen der Ententemächte und den Völkerbund zur ehrlichen Hilfe für die Hungernden zu gewinnen, stießen auf unüberwindliche Hindernisse. In seinem Buch „Russland und der Friede“, das 1923 erschien, schrieb Nansen, das Haupthindernis, auf das er gestoßen war, sei das Argument der politischen Führer Europas gewesen, „dem hungernden und leidenden russischen Volk zu helfen sei gleichbedeutend mit einer Stützungsaktion für die Sowjetregierung und die Bolschewiki. „Die Herzen der politischen Führer“, sagte Nansen, „sind oft hart und unmenschlich.“

Der IX. Gesamtrussische Sowjetkongress sprach Fridtjof Nansen auf seiner Tagung am 25. Dezember 1921 in einer Grußadresse seinen tiefempfundenen Dank aus. In der Adresse hieß es: „Das russische Volk wird den Namen des großen Gelehrten, Forschers und Bürgers F. Nansen, der heldenhaft einen Weg durch das ewige Eis des toten Nordens gebahnt, aber sich als machtlos erwiesen hat, die grenzenlose Grausamkeit, die Gewinnsucht und Hartherzigkeit der herrschenden Klasse der kapitalistischen Länder zu überwinden, in seinem Gedächtnis bewahren.“

W.I. Lenin schrieb: „Die Kapitalisten, die heute die mächtigsten Staaten der Welt, wie England, Amerika und Frankreich regieren, haben uns wohl erklärt, dass auch sie, wie sie sagen, unseren hungernden Bauern helfen wollen, aber zu solchen Bedingungen, die die Übergabe der ganzen Macht über unsere Arbeiter-und-Bauern-Republik in ihre Hände bedeuten. Die Sache ist klar. Wann hat man je erlebt, dass der Blutsauger des werktätigen Menschen, der Kapitalist und Wucherer, selbstlos hilft? Die Klasse der Kapitalisten hat den Hunger des werktätigen Menschen immer ausgenutzt, um seinen Körper und seine Seele zu unterjochen. Und unseren Hunger will man jetzt ausnutzen, um unsre mit Blut errungene Freiheit zu vernichten, um den Arbeitern und Bauern für immer die Macht aus der Hand zu reißen und um erneut Zar, Gutsbesitzer, Herrn, Polizeioffizier und Beamte über ihre Köpfe zu stellen.“

Auch die Mitarbeiter der American Relief Administration versuchten sich antisowjetisch zu betätigen. Herbert Hoover, der Leiter der ARA, verbarg nicht, dass er der Sowjetordnung feindlich gesonnen war, und als er das Abkommen mit Sowjetrussland schloss, verfolgte er damit natürlich seine eignen Ziele. Der Sowjetstaat und seine Organe hielten die Bedingungen des Abkommens strikt ein, wobei sie die Tätigkeit der amerikanischen Vertreter aufmerksam beobachteten.

In dem von der ARA in Sowjetrussland aufgebauten Apparat waren etwa dreihundert amerikanische Mitarbeiter beschäftigt, von denen viele Berufsspione waren. Die Funktionäre der ARA stellten häufig Leute mit zwielichtiger, sowjetfeindlicher Vergangenheit, reaktionäre Geistliche, ehemalige Sozialrevolutionäre und Kulaken als russische Mitarbeiter in ihren Apparat ein. Neben der Verteilung von Lebensmitteln und der Leitung von Verpflegungspunkten wandte dieser Apparat nicht wenig Zeit für Spionage und sowjetfeindliche subversive Tätigkeit auf. Die Mitarbeiter der ARA unternahmen häufig Fahrten durch das Land (versuchten sogar in Grenzbezirke zu gelangen, wo es keine Verpflegungspunkte gab), warben unter den Sowjetbürgern labile Elemente für ihr Agentennetz, „befragten“ Personen, die sich um Hilfe an die ARA wandten, sammelten geheime und offizielle Angaben über den Zustand der Industrie, der Landwirtschaft und über die militärische Lage des Sowjetlandes.

Im Auftrag des amerikanischen Spions Woodworth, der in der ARA tätig war, sammelte ein gewisser Paltschitsch geheime Karten der Erdölfelder von Baku, Surachany und Grosny, in denen die Bohrlöcher und Bohrtürme angegeben waren. Auch für Informationen über die Leistungsfähigkeit der Erdölraffinerien, über die Rüstungsindustrie, über Kraftwerke und Bodenschätze interessierte er sich.

Ermutigt durch die Tätigkeit der ARA, erhoben sich in mehreren Orten Kulakenelemente. Die sowjetfeindliche Agitation verstärkte sich. Allein im Kreis Samara wurden von Dezember 1921 bis Oktober 1922 vierundzwanzig Kulaken wegen antisowjetischer Erhebungen, die mit der amerikanischen Hilfe in Verbindung standen, zur Verantwortung gezogen. Auch weißgardistische Elemente wurden wieder aktiv.

Die Organe für Staatssicherheit des Sowjetlandes führten einen ständigen Kampf gegen die Versuche der amerikanischen Agenten unter der Fahne der ARA Sabotage zu betreiben und subversive Arbeit zu leisten. Zum Beispiel verwiesen sie den amerikanischen Spion Foy, einen Mitarbeiter der ARA, des Landes, weil er Spionageangaben gesammelt und sich gegenüber lokalen Behörden beleidigend verhalten hatte. Sowjetbürger, die rechtswidriger Tätigkeit überführt worden waren, wurden gerichtlich belangt oder auf Verlangen der Sowjetorgane von den Organisationen der ARA entlassen.

Nichtsdestoweniger verstand es die Sowjetregierung im Interesse der Hilfsaktion für die Hungernden sachliche Beziehungen zur ARA herzustellen. Dadurch wurde es möglich, die reichen Hilfsmittel dieser Organisation für die Hungernden zu erschließen.

Die Hungerkatastrophe bildete den Boden für die Verstärkung des Aberglaubens und religiöser Vorurteile. Die wenig klassenbewussten Massen suchten bei übernatürlichen Kräften Rettung aus dem Unglück. In den Jahren 1921 bis 1923 gab es eine verbreitete Bewegung der „Erneuerung der wundertätigen Ikonen“, der Kreuze, die angeblich von Gott geschickt worden waren, um den Menschen zu helfen oder sie zu bestrafen. Die Kirche, die sich bemühte, ihren Einfluss auf die breiten Massen zu behalten, konnte als religiöse Institution bei den schweren Prüfungen, denen das Volk ausgesetzt war, nicht abseitsstehen und musste am Kampf gegen den Hunger teilnehmen. Patriach Tichon wandte sich am 22. August 1921 an die Bevölkerung mit dem Aufruf wer könne, solle den Hungernden „nach seinen Kräften“ helfen. Die reaktionäre Geistlichkeit veranstaltete Prozessionen mit „restaurierten wundertätigen Ikonen“ und kurze Gottesdienste auf den von der Sonne versengten Feldern. Sie schürte im Volk einen religiösen Fanatismus und brachte die Bevölkerung nach und nach gegen die „gottlose“ Sowjetmacht auf, als sei dies am Hunger schuld.

Im Juni 1921 verbreitete sich im dem Dorf Bojewo im Kreis Woronesh das Gerücht, die alte Ikone „Sie ist würdig“ im Gotteshaus habe sich „erneuert“. Die ungebildeten und rückständigen Bauern, hauptsächlich Frauen, unternahmen eine Wallfahrt zur Ikone und forderten von den Popen, sie mögen sie ihnen für öffentliche Dankgebetee zur Verfügung stellen. Mit der Ikone zogen die Bauern auf die Felder. Sie glaubten, die Ikone könne sie von der Dürre befreien. Die Geistlichen veranstalteten feierliche Empfänge mit Glockengeläut und Gottesdienste für die Ikone. Die religiöse Psychose, die die Bauern ergriff, führte dazu, dass in vielen umliegenden Dörfern „erneuerte“ Ikonen „auftauchten“ und nicht nur in den Gotteshäusern, sondern auch in den Häusern der Bauern. Gegen die Inspiratoren und Organisationen des gefälschten „Wunders“ fand vor dem Revolutionstribunal des Gouvernements Woronesh ein Prozess statt. In seinem Urteil vom 22. Oktober 1921 stellte das Tribunal fest: „Eine wissenschaftlich-psychiatrische Untersuchung hat die Entwicklung eine Epidemie, einer religiösen Massenpsychose (bei den Bauern D.G.) festgestellt, dass die andere Seite, die Nonnen und die Kirche, materiellen Vorteil aus diesem Volksunglück gezogen hat.“ Das Revolutionstribunal hielt die zur Verantwortung gezogenen Bauern und sogar einige Geistliche für „von einer religiösen Geisteskrankheit Besessene“ und erließ ihnen die Strafe. Elf Angeklagte wurden freigesprochen, nur sieben Geistliche wurden zu je sechs Monaten gesellschaftlich nützlicher Arbeit mit Bewährung verurteilt. Die Freiheit wurde ihnen nicht entzogen.

Im Gouvernement Rjasan wurde eine „wundertätige“ Ikone, die im Troizki-Kloster aufbewahrt wurde, zum Gegenstand der Anbetung. Erzbischof Feodorit von Rjasan sollte mit ihr im Jahre 1613 angeblich die Herrschaft Michail Romanows „gesegnet“ haben. Der Klostervorsteher Ewergetow händigte die Ikone dem Vorsitzenden des Kirchenrates der Vorstadt Rykowaja, Kopin aus, und dieser veranstaltete mit ihr einen Umzug durch viele Siedlungen. Das Ehrengeleit der weißen und schwarzen Geistlichkeit für die Ikone hielt öffentliche Dankgebete ab, und konterrevolutionär Eingestellte erinnerten bedeutungsvoll daran, dass der Thron des Zaren Michail Romanow mit ebendieser Ikone „gesegnet“ worden war.

Als die Volkskatastrophe immer größere Ausmaße annahm, wurde in gesellschaftlichen Organisationen der Werktätigen des Öfteren erwogen, die gewaltigen Werte in den Kirchen zu nutzen, um die Hungersnot zu lindern. Arbeiter und Bauern äußerten sich in zahlreichen Versammlungen in diesem Sinne. Im Januar 1922 wandten sich Vertreter der hungernden Gouvernements mit ähnlichen Gesuchen an die Sowjetregierung. Am 23. Februar beschloss das Gesamtrussische Zentralexekutivkomitee, „alle Wertgegenstände aus Gold, Silber und Edelsteinen, die sich im Besitz der Kirche befinden und deren Konfiskation den Kult selbst nicht wesentlich beeinträchtigen kann, zu beschlagnahmen“ und dem Hilfsfonds für die Hungernden zuzuführen. Daraufhin zeigte die reaktionäre Geistlichkeit ungeschminkt ihr wahres Gesicht. Patriarch Tichon wandte sich am 28. Februar 1922 mit einem Aufruf an alle „gläubigen Kinder der russischen orthodoxen Kirche“, in dem er über den Beschluss des Gesamtrussischen ZEK folgendes sagte: „Vom Standpunkt der Kirche aus ist ein derartiger Akt eine Gotteslästerung, und wir halten es für unsere heilige Pflicht, die Ansichten der Kirche zu diesem Akt zu äußern und unsere gläubigen Kinder davon in Kenntnis zu setzen… Wir können die Konfiskation oder auch freiwillige Spende von geweihten Gegenständen in Gotteshäusern nicht billigen. Deren Gebrauch außerhalb des Gottesdienstes ist von den Kanons der ökumenischen Kirche verboten und wird von ihr als Gotteslästerung bestraft. Laien werden exkommuniziert, Kirchendiener aus Amt und Würden entlassen.“

Das war ein unverhohlener Aufruf zum Ungehorsam, zur Sabotage des Beschlusses der Sowjetregierung. Tichons Appell wurde in den Kirchen verkündet, von Mund zu Mund weitergegeben und löste eine Welle von mitunter blutigen Unruhen aus. Am 12. März 1922 kam eine Kommission für die Beschlagnahme von Kirchenwerten in die Kathedrale der Stadt Schuja im Gouvernement Iwanowo-Wonessenk, wo sich bereits eine aufgeputschte Menge eingefunden hatte, die die Kommission mit Geschrei und Schimpfworten empfing. Die Mitglieder der Kommission wurden herumgestoßen und geschlagen. Die Kommission wollte einen Zusammenstoß vermeiden und beschloss daher, ihren Auftrag erst am 15. März zu erledigen. Aber an jenem Tage hatte sich entsprechend einem Appell der erzreaktionären Geistlichkeit eine noch größere Menge in und vor der Kathedrale versammelt. Als eine Milizstreife die Ordnung vor der Kathedrale herstellen wollte, wurde sie von der Menge mit Steinen empfangen. Die Glocken der Kathedrale läuteten anderthalb Stunden Sturm und peitschten die Menge auf. Aus der Menge waren Revolverschüsse zu hören. Die Rotarmisten wurden umringt, vier von den übrigen abgedrängt, entwaffnet und übel zugerichtet. Die Rotarmisten waren gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Dabei wurden vier Menschen getötet. In einer Regierungserklärung zu dem Vorfall hieß es: „Seit das Dekret über die Konfiskation von Kirchenwerten zur Rettung der Hungernden und zur Wiederherstellung ihrer Existenz veröffentlicht worden ist, betreiben die Spitzen der Geistlichkeit offen eine verbrecherische Arbeit. Sie zeigt sich darin, dass sie regierungsfeindliche Appelle erlassen und dazu aufrufen, Gold, Silber und Brillanten nicht abzugeben, dass sie konterrevolutionäre Organisatoren aussenden und Beratungen der geistlichen Rädelsführer mit einflussreichen Laien, hauptsächlich ehemaligen Kaufleuten und hohen Beamten, die weiterhin eine führende Rolle unter den Gläubigen spielen, abhalten. Die oberste Geistlichkeit hält sich im Hintergrund und bemüht sich, überall die am wenigsten gebildeten Elemente der Bevölkerung, nämlich Greisinnen, Hysterikerinnen und sogar Kinder, in den Vordergrund zu schieben. Die Kirchenfürsten lassen sich allein davon leiten, die vom Volk geschaffenen kirchlichen Werte in ihrer Hand zu behalten. Sie verbreiten ungeheuerliche und unsinnige Gerüchte, behaupten, die Werte würden nicht für die hungernden Bauern, sondern für Zahlungen an Polen oder die Rote Armee u.a. m. verwendet. Auf dem Boden dieser verbrecherischen Agitation, deren Fäden in einem Führungszentrum zusammenlaufen, kam es an mehreren Orten zu Auseinandersetzungen, als die Kommissionen für die Beschlagnahme ihren Auftrag, der durch das Dekret des Präsidiums des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees beschlossen worden ist, erfüllen wollten…

Der Regierung ist jeder Gedanke an ein wie auch immer geartetes Vorgehen gegen die Gläubigen und gegen die Kirche fremd… Die Wertgegenstände sind durch die Arbeit des Volkes geschaffen worden und gehören dem Volk. Die Ausübung der religiösen Riten leidet, wenn die wertvollen Gegenstände durch andere, schlichtere ersetzt werden, keinerlei Schaden. Für die Wertgegenstände kann man genügend Getreide, Saatgut, Zugvieh und Gerät kaufen, um nicht nur das Leben, sondern auch die Existenzgrundlage der Bauern im Wolgagebiet und den anderen von der Hungersnot betroffenen Gebieten der Sowjetischen Föderation zu retten. Dem Appell und der Forderung der Hungernden selbst sowie der Arbeiter, Bauern und Rotarmisten des ganzen Landes folgend beschloss das Präsidium des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, die kirchlichen Werte zu konfiszieren. Die überwiegende Masse der unteren Geistlichkeit hielt und hält dieses Dekret für unbedingt richtig und gerecht. Nur die Clique der Kirchenfürsten ist unersättlich bemüht, die Werte um jeden Preis in ihrer Hand zu behalten. Sie macht weder vor verbrecherischen Verschwörungen noch vor der Provozierung offener Meutereien halt… Die Sowjetregierung nimmt nach wie vor Rücksicht auf die Gläubigen und übt ihnen gegenüber Toleranz, aber sie duldet keine einzige Stunde, dass die oberste Geistlichkeit, die sich in Seide kleidet und mit Brillanten schmückt, im Staat der Arbeiter und Bauern einen besonderen Staat der Kirchenfürsten bildet.“

Der Widerstand der Oberschicht der Geistlichkeit wurde gebrochen. Dem Hilfsfonds für die Hungernden wurde eine große Anzahl von kirchlichen Wertgegenständen zugeführt, mit denen das Leben von Menschen gerettet werden konnte.

Durch die gewaltigen Anstrengungen der Kommunistischen Partei, des Sowjetvolkes, seiner Regierung und mit Hilfe des internationalen Proletariats gelang es, die Hungersnot im Jahre 1923 zu überwinden. Der Konterrevolution gelang es zur damaligen Zeit nicht, sie für ihre Ziele auszunutzen.

Entnommen aus dem Buch „Fiasko einer Konterrevolution“, Dietz Verlag Berlin 1982, Original-Autor David Golinkow, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Fiasko einer Konterrevolution“, Original-Autor David Golinkow 

Gericht und Staatsanwaltschaft (Sowjetunion Stand 1947)

Volksgericht
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1. Die Aufgaben des Sowjetgerichtes

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Der Volksmund sprach über das Gericht des zaristischen Russlands: „Wo ein Gericht -Da ein Unrecht“,„Es macht dem Reichen nichts aus, zum Gericht zu gehen, der Arme wird aber einen Kopf kürzer gemacht“, „Ein Richter ist wie ein Zimmermann, was er will, das haut er zusammen“. In diesen Sprichwörtern kam in treffender Weise der Klassencharakter des alten bürgerlich-gutsherrlichen Gerichtes zum Ausdruck: es stand im Dienst der Ausbeuterklassen, schützte ihre Reichtümer und ihre Macht und diente in ihren Händen als ein Werkzeug zur Unterdrückung der Werktätigen.

Die Richter entstammten den Kreisen der adligen Gutsherren und Kapitalisten und verurteilten oft sogar Unschuldige zu hohen Strafen.

Dieses alte ungerechte Gericht wurde durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution zusammen mit der ganzen Staatsmaschinerie der Bourgeoisie abgeschafft. Die Sowjetmacht schuf ein neues, ein wirkliches Volksgericht.

Volksgericht
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Das Sowjetgericht stellte eines der Organe des sozialistischen Sowjetstaates der Arbeiter und Bauern dar. Dadurch unterscheidet sich das Sowjetgericht in grundlegender Weise von den Gerichten in den kapitalistischen Ländern, bzw. der heutigen Zeit, wo es als ein Organ der Diktatur der Bourgeoisie, als ein Werkzeug zur gerichtlichen Unterdrückung der Werktätigen dient.

Lenin und Stalin lehrten, dass der Sowjetstaat und das Sowjetvolk das Gericht brauchten, um erstens die Feinde der Sowjetmacht zu bekämpfen und zweitens den Kampf um die Festigung der damals neuen, sowjetischen Ordnung und Sicherung der neuen, sozialistischen Disziplin unter den Werktätigen zu führen.

J.W. Stalin forderte einen unentwegten Kampf gegen alle Verletzer der sowjetischen revolutionären Gesetzlichkeit, wer es auch war und welchen Posten er auch bekleiden mochte. (Nach Stalins Tod wurde das aufgeweicht. Wohin das geführt hat, sehen wir heute.  Seit der „Geheimrede“ Chruschtschows wird Stalin bis heute Willkür und Alleinherrschaft vorgeworfen. P.R.)

Das Sowjetgericht war ferner notwendig, um Streitfragen zu lösen, welche die Rechte und Interessen der Sowjetbürger, Staatsämter und Betriebe, Kollektivwirtschaften und anderer gesellschaftlicher Organisationen berührten.

Der Oberste Sowjet der UdSSR nahm am 16. August 1938 das neue Gesetz über da Gerichtssystem an, das die Aufgaben des Sowjetgerichts auf der Grundlage der Stalinschen Verfassung festlegte.

Als Wichtigstes betrachtete dieses Gesetz den Schutz der Gesellschafts- und Staatsordnung, wie von der Verfassung der UdSSR und den Verfassungen der Unions- und autonomen Republiken festgelegt wurde, den Schutz des gesellschaftlichen, sozialistischen Eigentums und der sozialistischen Wirtschaft.

2. Die Gerichtsorgane

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Das Sowjetgericht war ein Staatsorgan, das auf Grund der Gesetze des sozialistischen Sowjetstaates Recht sprach. Das Gericht der Sowjetunion war ein einheitliches und gleiches für alle Bürger, unabhängig von ihrer nationalen und rassischen Zugehörigkeit, sozialen Herkunft, Religion, Vermögenslage oder ihrer Dienststellung.

Die Rechtsprechung wurde im Sowjetland von verschiedenen Gerichtsorganen ausgeübt, aber die Gesetzgebung über das Gerichtssystem und über die Prozessordnung sowie die strafrechtliche und zivile Gesetzgebung in der Sowjetunion war für alle Gerichte einheitlich und verbindlich.

Der Grundbaustein des sowjetischen Gerichtswesens war das Volksgericht. Die Volksgerichte verhandelten sowohl Straf- als auch Zivilfälle. Den Volksgerichten oblag auch der Schutz der Wahlrechte der Sowjetbürger. Die höherstehenden Gerichtsorgane verhandelten besonders wichtige Gerichtsfälle.

Volksgericht
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Die Regions-, Gebiets- und Kreisgerichte, die Gerichte der autonomen Gebiete und nationalen Bezirke verhandelten Straffälle, die auf Grund der Gesetze zu ihrem Kompetenzbereich gehörten: die Fälle von Staatsverbrechen, Raub sozialistischen Eigentums und andere wichtige Verbrechen sowie Zivilangelegenheiten bei Streitigkeiten zwischen staatlichen oder gesellschaftlichen Organisationen. Außerdem prüften diese Gerichte Klagen und Berufungen gegen die Urteile und Beschlüsse der Volksgerichte.

Der Oberste Gerichtshof der autonomen Republik stellte ihr höchstes Gerichtsorgan dar. Ihm oblag die Aufsicht über die gerichtliche Tätigkeit aller Gerichte der Republik. Es verhandelte die Straf- und Zivilsachen, die auf Grund des Gesetzes zu seinem Kompetenzbereich gehörten, und prüfte die Beschwerden und Berufungen gegen die Urteile und Beschlüsse aller Gerichte der Republik.

Der Oberste Gerichtshof der Unionsrepublik war ihr höchstes gerichtliches Organ. Ihm oblag die Aufsicht über die gerichtliche Tätigkeit aller Gerichte der Unionsrepublik sowie der autonomen Republiken, Regionen, autonomen Gebiete und nationalen Bezirke, die dieser Republik angehörten. Er verhandelte Straf- und Zivilfälle, die vom Gesetz seinem Kompetenzbereich unterstellt waren, und prüfte die Beschwerden und Berufungen gegen die Urteile und Beschlüsse der Regions-, Gebiets- und anderen Gerichte der Republik.

Der Oberste Gerichtshof der UdSSR war das höchste gerichtliche Organ der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Dem Obersten Gerichtshof der UdSSR oblag die Aufsicht über die gerichtliche Tätigkeit aller Gerichtsorgane der UdSSR und der Unionsrepubliken. Der Oberste Gerichtshof der UdSSR bestand aus fünf Kollegien: für Strafsachen, Zivilsachen, für Militär, Eisenbahn und Binnenschifffahrt. Der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes hatte das Recht, jeden Fall eines beliebigen Gerichts der UdSSR oder der Unionsrepubliken anzufordern und in diesem Fall Berufung einzulegen. Der Oberste Gerichtshof der UdSSR gab den Gerichten seine Richtlinien in den Fragen der Gerichtspraxis. Der Oberste Gerichtshof der UdSSR verhandelte die wichtigsten Straf- und Zivilsachen, die vom Gesetz seinem Kompetenzbereich unterstellt waren, und prüfte ferner die Beschwerden und Berufungen gegen die Urteile der besonderen Gerichte der UdSSR und der Obersten Gerichtshöfe der Unionsrepubliken.

3. Das einzige wirkliche Volksgericht der Welt (Stand 1947)

Volksgericht
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Was waren die Besonderheiten des Sowjetgerichtes? Wie wurden in den Sowjetgerichten die Fälle verhandelt?

Die Stalinsche Verfassung setzte die Wählbarkeit und Absetzbarkeit aller Gerichte vom Volksgericht bis zum Obersten Gerichtshof der UdSSR fest.

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Richter konnte jeder Sowjetbürger werden, die die Wahlrechte besaß.

Die Volksrichter wurden nach der Stalinschen Verfassung unmittelbar durch die Bürger der einzelnen Bezirke auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts in geheimer Abstimmung auf die Dauer von zwei Jahren gewählt. Die Wähler konnten zu jeder Zeit einen Richter abberufen, der seinen Pflichten nicht gewachsen war, und einen neuen an dessen Stelle wählen. Die Volksrichter waren über ihre Tätigkeit und die des Volksgerichtes vor den Wählern rechenschaftspflichtig.

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Das Gericht bestand aus einem Richter und zwei Volksbeisitzern, die während der Gerichtssitzungen alle Rechte des Richters genossen. Volksbeisitzer konnten alle wahlberechtigten Bürger werden. Die Volksbeisitzer wurden nach dem gleichen Verfahren wie die Volksrichter gewählt und abgesetzt. Jeder von ihnen nahm nur zehn Tage Jährlich an den Gerichtssitzungen teil und erhielt während dieser Zeit seinen Durchschnittslohn bei seiner Arbeitsstelle. Danach wurde er durch einen anderen Volksbeisitzer ersetzt.  Auf diese Weise war das Sowjetgericht eine Art Schule der Staatsverwaltung, zu der die breiten Massen der Werktätigen herangezogen wurden.

Die Regions-, Gebiets- und Kreisgerichte, die Gerichte der autonomen Gebiete und nationalen Bezirke wurden durch die entsprechenden Sowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen für die Dauer von fünf Jahren gewählt.

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Die Obersten Gerichtshöfe der autonomen Republiken und der Unionsrepubliken wurden durch die entsprechenden Obersten Sowjets ebenfalls für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Der Oberste Gerichtshof der UdSSR sowie die besonderen Gerichte der UdSSR wurden für die gleiche Dauer durch den Obersten Sowjet der UdSSR gewählt. Den höheren Gerichten gehörten genauso wie bei den Volksgerichten je zwei Volksbeisitzer an, die von den entsprechenden Sowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen oder von den Obersten Sowjets gewählt wurden.

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Die Sowjetrichter waren unabhängig und nur dem Gesetz unterstellt. Kein Organ der Sowjetmacht- weder ein örtliches noch ein höheres- hatte das Recht, dem Gericht die Anweisung zu geben, einen Fall so und nicht anders zu entscheiden. Die Sowjetrichter waren verpflichtet, bei der Urteilsfindung sich nur von den Sowjetgesetzen leiten zu lassen, in denen der Volkswille zum Ausdruck kam.

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Die Gerichtsverhandlung fand in allen Sowjetgerichten öffentlich unter Teilnahme der Parteien (des Angeklagten und des Staatsanwaltes, des Beklagten und des Klägers), unter Anwesenheit von Bürgern und Pressevertretern statt, wobei dem Angeklagten das Recht auf Verteidigung gewährleistet wurde.

Auf diese Weise verlief die Arbeit der Sowjetgerichte unter der Kontrolle der sowjetischen Öffentlichkeit. Jeder Bürger konnte zur Gerichtsverhandlung kommen und ihr von Anfang bis zum Ende beiwohnen. Die Gerichtssitzungen wurden öfters in den Betrieben, Fabriken und Kollektivwirtschaften durchgeführt, um einer möglichst großen Zahl von Bürgern, die an der Entscheidung des betreffenden Falles interessiert waren, Möglichkeit zu geben, ihnen beizuwohnen.

Ein solches Gerichtsverfahren verhalf den Massen zu Kenntnissen in den Fragen der Staatsverwaltung, der Volkswirtschaft, der Lebensweise und der Moral. Eine solche Gerichtsordnung erzog in den Massen das sozialistische Rechtsbewusstsein und regte sie zum Kampf gegen das Verbrechertum an.

Nur in Ausnahmefällen, die im Gesetz besonders erwähnt waren, wurden die Gerichtssitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch drei Richter ohne Teilnahme von Volksbeisitzern abgehalten.

Das Gerichtsverfahren wurde bei allen Gerichten in der Sprache der Unionsrepublik bzw. der autonomen Republik oder des autonomen Gebiets durchgeführt. Bürger, die dieser Sprache nicht mächtig waren, hatten das Recht, in die Akten mit Hilfe eines Dolmetschers Einsicht zu nehmen und sich vor Gericht der Muttersprache zu bedienen.

Durch alle dies Besonderheiten stellte das Sowjetgericht das einzige wahre Volksgericht der Welt dar. (Stand 1947)

4. Die sowjetische Staatsanwaltschaft

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Es kam vor, dass in sowjetische Ämter und Betriebe volksfeindliche Elemente eindrangen, die ihre Dienststellung dazu benutzten, um die Gesetze falsch oder überhaupt nicht anzuwenden und damit die Sowjetmacht schädigten. In der Tätigkeit und in den Beschlüssen der örtlichen Machtorgane kamen manchmal Abweichung von den Gesetzen, falsche Auslegung oder unrichtige Anwendung von Gesetzen vor. Es kamen auch direkte bewusste Verletzungen der Gesetze durch einzelne Amtspersonen vor.

Das alles machte ein besonderes staatliches Organ notwendig, dessen Aufgabe es war, Aufsicht über die richtige Anwendung und strikte Durchführung der Gesetze durch alle Ministerien und die ihnen unterstellten Institutionen sowie durch alle Amtspersonen und Bürger der UdSSR zu führen.

Ein solches Organ stellte die sowjetische Staatsanwaltschaft dar, die ursprünglich in der RSFSR im Jahre 1922 geschaffen wurde. Die Staatsanwaltschaft der UdSSR bestand seit dem 30. Juni 1933.

Die Arbeit der Staatsanwaltschaft war mit der des Gerichts auf das engste verbunden. Genau so wie das Sowjetgericht führte auch die sowjetische Staatsanwaltschaft den Kampf gegen das Verbrechen am Sowjetstaat, gegen die Feinde der Sowjetmacht, Spione, Diversanten, Schädlingen und andre Agenten der ausländischen Bourgeoisie. Genau so wie das Gericht schützte die Staatsanwaltschaft das gesellschaftliche, sozialistische Eigentum, bekämpfte Raub, Diebstahl, Misswirtschaft, Bürokratismus, Verletzungen der Arbeits- und Staatsdisziplin usw..

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Die Staatsanwaltschaft und das Gericht hatten gemeinsame Aufgaben, aber verschiedene Arbeitsmethoden. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage und untersuchte Kriminalfälle, legte die Umstände der Verbrechen dar, sammelte Beweismaterial gegen die Verbrecher und ihre Komplizen, überwachte die Gesetzlichkeit der Handlungen anderer Untersuchungsorgane.

Das Gericht verhandelte die Fälle, die ihm durch die Staatsanwaltschaft übergeben wurden. Der Staatsanwalt sprach vor Gericht und erhob Anklage im Namen des Sowjetstaates. Das Gericht entschied die Sache und fällte das Urteil. Die Staatsanwaltschaft überwachte die richtige Entscheidung der Fälle durch die Gerichte, die Vollstreckung der Urteile und Beschlüsse des Gerichts und legte gegen unrichtige Urteile und Beschlüsse Berufung ein.

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Die sowjetische Staatsanwaltschaft schützte ferner auch die persönlichen Rechte der Bürger. Sie schützte die Unverletzlichkeit der Person: niemand durfte ohne Genehmigung des Staatsanwalts oder einen Gerichtsbeschluss verhaftet werden.

Zum Unterschied vom Gericht wurden die Organe der Staatsanwaltschaft nicht gewählt, sondern ernannt.

An der Spitze der Staatsanwaltschaft stand der Generalstaatsanwalt der UdSSR, der vom Obersten Sowjet der UdSSR für die Dauer von sieben Jahren ernannt wurde. Ihm oblag die oberste Aufsicht über die richtige Anwendung und strikte Durchführung der Gesetze in der gesamten Sowjetunion. Der Generalstaatsanwalt der UdSSR ernannte Staatsanwälte der Unionsrepubliken, autonomen Republiken, Regionen, Gebiete und der autonomen Gebiete für die Dauer von fünf Jahren. Die Staatsanwälte der Kreise, der Rayons und der Städte wurden von den Staatsanwälten der Unionsrepubliken ebenfalls für die Dauer von fünf Jahren ernannt und vom Generalstaatsanwalt der UdSSR bestätigt.

Außerdem ernannte der Generalstaatsanwalt der UdSSR die Hauptstaatsanwälte, welche die besonderen Organe der Staatsanwaltschaft für das Militär, den Eisenbahnverkehr und die Binnenschifffahrt leiteten.

Wie erklärt es sich, dass die Staatsanwälte ernannt und nicht gewählt wurden?

Die Hauptaufgabe des Staatsanwaltes bestand darin, auf die richtige und einheitliche Anwendung der Gesetze im ganzen Land zu achten. Die sowjetische Gesetzlichkeit durfte nicht in Pensa oder Tscheljabinsk, in der Ukraine (😫 P.R.) oder Usbekistan, in Tatarien oder Jakutien verschieden sein. Die sowjetische Gesetzlichkeit musste für die ganze Sowjetunion einheitlich sein. Das lag im Interesse der Werktätigen, in welchem Gebiet sie auch lebten und welchem Volk sie angehörten.

Um eine solche Aufgabe erfolgreich zu erfüllen, mussten die Staatsanwälte ihre Arbeit unabhängig von irgendwelchen örtlichen Organen durchführen und nur dem Generalstaatsanwalt der UdSSR unterstellt sein. Deshalb wurden die Staatsanwälte nach der Verfassung der UdSSR ernannt und nicht gewählt.

Die zentralisierte Ernennung der Staatsanwälte behinderte in keiner Weise die Selbstständigkeit der örtlichen Machtorgane, weil der Staatsanwalt zum Unterschied von den vollziehenden und verfügenden Organen der Sowjets keine administrative Gewalt hatte. Der Staatsanwalt fällte keine Gerichtsurteile. Diese Urteile fällte das Gericht, das unmittelbar vom Volk und den Sowjets gewählt wurde.

Die Sowjetische Staatsanwaltschaft war genau wie das Gericht eng mit den Massen verbunden, die in ihr die Wahrerin ihrer Interessen und die Beschützerin der Sowjetmacht erblickten.


Entnommen aus „Das Sowjetland“ aus dem Jahre 1947, Band 3, Original-Autor W.A. Karpinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“