Für die Nachwelt wichtiges Dokument 2

Bericht 3 IMB „Roland“

Dieses Dokument ist für die Nachwelt interessant.

Hier geht es um die Auflösung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“.  Einer der Hauptgründe ist wohl nachlassendes Interesse an die Kabarettaufführungen.

Das dargebotene Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell. So hatte es zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn mehr zu fordern, dass die SS 20 der UdSSR abgebaut werden, bzw. der Osten als erster abrüsten soll. Durch die Abrüstungsmaßnahmen der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern, waren diese Forderungen nicht mehr aktuell.

Auch einige Forderungen zum Umweltschutz oder zu mehr Meinungsfreiheit waren teilweise nicht mehr aktuell.  Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es mit dem Thema Umweltschutz in der DDR widersprüchlich aussah. Zum einen hatte man ein vorbildliches System zur Altstoffverwertung. Und das schon in einer Zeit, als man in der BRD noch nicht über Recycling nachdachte. Zum anderen haperte es, was die Umweltverschmutzung durch die Industrie angeht. Man denke an Bitterfeld, was durch die Konterrevolutionäre direkt aufgegriffen wurde. Hans Reichelt, der Umweltminister der DDR, wollte etwas tun und hatte Kontakt zum Umweltminister der BRD, Klaus Töpfer aufgenommen. Klaus Töpfer war einer der wenigen vernünftigen Politiker in der BRD. Doch es scheiterte an der Finanzierung.  Hans Reichelt wandte sich deswegen an Günter Mittag. Doch dieser blockierte.  Nach dem Ende der DDR fand man die Briefe von Hans Reichelt an Günter Mittag ungeöffnet. Hätte es dieses Politikversagen nicht gegeben, hätte die Umweltbibliothek keine nennenswerte Rolle gespielt.

Auch in anderen Bereichen hatte die Politik versagt, was den zahlreichen Gruppierungen unter dem Dach der Kirche Auftrieb gab. Auch wenn das Politikversagen in der DDR längst nicht mit dem heutigen Politikversagen vergleichbar ist, so gibt es doch einen entscheidenden Unterschied. Politikversagen in der DDR hatte harte Konsequenzen bis hin zur Beseitigung der DDR. Heutiges Politikversagen ruft zwar Empörung hervor, aber niemand stellt die Existenz des Staates und des kapitalistischen Systems in Frage.

Ein damals aktuelles Programm hatte „Die Wühlmaus“ nicht mehr.  Ein weiterer Grund für die Auflösung der Gruppierung war die hohe Fluktuation der Mitglieder.  So konnten die übergesiedelten und zum Wehrdienst einberufenen Mitglieder nicht, bzw. nur ungenügend ersetzt werden. Auch die zu geringe Wirkung auf geplante oder durchgeführte Aktivitäten (auch Provokationen) führte letztendlich zur Auflösung der Gruppe.

Auszug aus

Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom  Bundesarchiv

Bericht des IMS „Sandra“ (Auszug)

Bericht des IMS „Sandra“ (Auszug)

Kreisdienststelle Treptow Berlin, 08.November 1985

 

Information

Quelle: IMS „Sandra“ (zuverlässig)

Treff am 05. Und 07.11.1985 (Zusammenfassung)

Der IMS berichtete, dass die Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ am 12. Und 13.10.1985 einen Auftritt in Dresden in der „Weinbergskirche“ hatten. Sie traten dort im Rahmen einer Friedenswerkstatt mit weiteren Kabarett- und Liedergruppen auf. Der Laienspielgruppe stand für ihren Auftritt eine Zeit von ca. 40 Minuten zur Verfügung. Aus diesem Grunde konnten nur Teile des Programms vorgetragen werden. An der Fahrt nach Dresden beteiligten sich folgende Mitglieder der Laienspielgruppe:

Es folgt die Namensliste und wo diese Leute erfasst sind.

Der IM wies darauf hin, dass es in letzter Zeit häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Roolf und Grimm gekommen ist. Diese sind darauf zurückzuführen, dass Grimm Texte mitbringt, die nicht den Auffassungen von Roolf entsprechen.

Auch in Diskussionen innerhalb der Gruppierung stempelt Roolf den Grimm häufig als dumm und zu intellektuell ab. Der IM schätzt ein, dass Roolf im Gegensatz zu Grimm ein gutes Allgemeinwissen hat. Roolf ist in der Lage, sich für alle verständlich auszudrücken. Roolf hat auf fast alle Fragen eine entsprechende Antwort.

Grimm drückt sich im Gegensatz zu Roolf oft unverständlich und zu kompliziert aus. Nicht selten wird er als „intellektueller Spinner“ abgestempelt. Der IM schätzt ein, dass sowohl bei Roolf als auch bei Grimm Bemühungen ersichtlich werden, die dahin gehen, die Leitung der Laienspielgruppe inne zu haben.

Ein geschwärzter Name, erfasst bei der Kreisdienststelle Treptow, hat sich nun endgültig als Mitglied der Laienspielgruppe verabschiedet. Sie erwartet ein Kind.

Müller, Bernd und noch einige geschwärzte Namen, erfasst bei der Kreisdienststelle Treptow, erschienen bisher auch nicht mehr zu den Proben und Veranstaltungen der Laienspielgruppe. Meier wurde vor kurzem zur NVA einberufen. Meier muss noch einige Mitglieder der Laienspielgruppe vor seiner Einberufung getroffen haben, da bei der Probe am 05.11.1985 über Meier berichtet wurde.

Der Streit zwischen Grimm und Roolf hat sich inzwischen auf die gesamte Gruppe ausgewirkt. So erschienen am 29.10.1985 nur Altvogt, Born, Roolf und (Name geschwärzt) zur vereinbarten Probe. Auf Grund der intensiven Bemühungen von Roolf (z.B. tätigte er mehrere Anrufe) gelang es ihm, dass alle Mitglieder der Laienspielgruppe am 05.11.1985 zur Probe erschienen. Von Roolf wurde dargelegt, dass unabhängig von den bestehenden Differenzen der geplante Auftritt der Laienspielgruppe am 14.11.1985 in einer Kirche in Friedrichsfelde vorbereitet und auch durchgeführt wird. Alle Mitglieder der Gruppierung stimmten diesem Vorschlag zu. Roolf hat auch weiterhin die Möglichkeit eingeräumt, dass sich alle Mitglieder der Laienspielgruppe am geplanten „Menschenrechtsseminar“ am 23. Und 24.11.1985 beteiligen. Alle Mitglieder der Laienspielgruppe gaben eine Zusage.

Neben den bereits genannten 8 Personen der Laienspielgruppe, die sich am Auftritt in Dresden beteiligten, gehört noch

Name geschwärzt, erfasst bei der Kreisdienststelle Treptow

zur Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“.

Weiterhin berichtete der IM, dass Roolf, Benn derzeitig ohne Arbeitsverhältnis ist. Er hatte sich als Elektriker im KEH (Königliches Elisabeth Hospital) in Herzberge beworben. Gleichzeitig hatte er im RMHW als Elektromonteur gekündigt. Eine Einstellung als Elektriker wurde abgelehnt (Wehe, wenn es in der DDR nicht mit der Arbeit geklappt hat. Da waren die sofort hinterher. P.R.)

Weiterhin hat auch Altvogt, Georg (erfasst Kreisdienststelle Waren) Probleme in seinem Arbeitsbereich. Er arbeitet derzeitig noch in einer Kaufhalle. Er hat die Absicht zu kündigen. Altvogt wird vom IM als ruhig und zurückhaltend charakterisiert. Wenn er sich jedoch einmal äußert, so spricht er aus. Was er denkt, auch wenn es den anderen nicht passt.

Original-Schriftstück aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv