Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

In der DDR bildeten sich unter dem Dach der Kirche massenhaft Gruppen und Grüppchen, die vorgaben für Frieden einzutreten und kritisch zu sein. Am bekanntesten ist „Schwerter zu Pflugscharen“.

Das begann mit der Stationierung der Atomraketen der USA in der BRD in den 1980er Jahren. 1979 erfolgte der unselige NATO-Beschluss.  Es entstand in der BRD eine große Friedensbewegung. Trotz der großen Demos und Aktionen bewirkte sie nichts.

Da schossen in der DDR angebliche Friedensgruppen wie Pilze aus dem Boden. Sie richteten sich nicht gegen die Atomraketen der USA in der BRD, sondern gegen die Verteidigung des eigenen Landes. Doch sie behaupteten die Friedensbewegung der DDR zu sein. Unter dem Dach der Kirche waren diese Leute aufgrund der Religionsfreiheit schwierig zu bekämpfen, obwohl sie die Beseitigung des Sozialismus im Sinne hatten. Ob die Beseitigung der DDR, war damals noch nicht absehbar

Allerdings hatte die DDR eigene Schwächen, die diese Leute gnadenlos ausnutzten. Die entsprechenden §§ waren weit gefasst und teilweise überzogen. So reichte die Bandbreite von harmlosen Gruppierungen, die etwas scharf formulierten bis hin zu Terrorgruppen.

 

Aufgrund dieser Rechtslage war es für Kulturschaffende, insbesondere für das Kabarett, in der DDR schwierig

Für Laien war es folglich nochmal schwieriger. In diesem Fallbeispiel geht es um eine Laienspielgruppe, die Kabarett macht. Doch wenn man die Dokumente durchgeht, kommt man zu dem Schluss, dass diese Leute tatsächlich der DDR schaden wollten.

Schon der Name der Laienspielgruppe ist aufschlussreich, was aber vom MfS nicht beachtet wurde. Die Gruppe nannte sich „Die Wühlmaus“.  Die Namensgebung lehnte sich an das Westberliner Kabarett „Die Wühlmäuse“ an. Die Frage ist, ob die Namensgebung aus Einfallslosigkeit erfolgte oder eine gewisse Absicht dahinter war, wie die Sehnsucht nach dem „Westen“. Das MfS verwechselte sogar die Namen und schrieb von „Wühlmäuse“, anstatt „Die Wühlmaus“. Anscheinend hatte man das Westberliner Kabarett „Die Wühlmäuse“ nicht „auf dem Schirm“.

Siehe: Maßnahmeplan

Herr Buchheim, ein Mitglied dieser Laienspielgruppe war ein „Scharfmacher“, also er hetzte am meisten und versuchte negativen Einfluss zu nehmen. Im Dokument ist beschrieben, was er alles angestellt hatte und wie unverschämt er sich gegenüber Behörden verhielt.

Letztendlich wurde der Ausreiseantrag des Herrn Buchheim nebst „Anhang“ schneller bearbeitet, um ihn loszuwerden. Das war die vernünftigste Methode

Im nächsten Dokument wird nach Straftatbeständen der Gruppenmitglieder gesucht. Es wird sich wieder mit Herrn Buchheim beschäftigt.

Siehe auch: Paragraphen

Laut dem nächsten Dokument fand man nichts strafrechtlich Relevantes.  Es wird nochmal erwähnt, dass der Herr Buchheim, nebst „Anhang“, bald ausreisen soll.

Das nächste Dokument befasst sich wieder mit Herrn Buchheim nebst „Anhang“.  Mit der Übersiedlung dieser Person, nebst „Anhang“ soll der Zersetzungsprozess der Gruppe „Die Wühlmaus“ eingeleitet werden.

Im darauffolgenden Dokument wurden die weitere Planung und der Einsatz von IM festgelegt.

IMS „Sandra“ berichtet von Uneinigkeit in der Gruppe und beschreibt die Situation.

In Bericht 1 des IMS „Andreas Harms“ geht es darum, dass die Aktivitäten der Gruppe nachlassen und dass das an einer bestimmten Person lag. Die Aktivitäten sollen wieder aufgenommen werden.

In Bericht 2 von „Andreas Harms“ geht es um das junge Mädchen Hella Born, ein Gruppenmitglied. Die Eltern waren damals Staatsangestellte. Es gab bei ihr zu Hause ein Gespräch mit Vertretern des MfS.

Dann geht es noch um Benn Roolf, der eine wichtige Rolle spielt. Er sollte zum Wehrdienst eingezogen werden. Bei der Musterung gab er eine Erklärung ab, dass er seinen Wehrdienst bei den Bausoldaten ableisten möchte.

 

In Bericht 1 des IMS „Roland“ geht es wieder um diesen Benn Roolf. Es stand fest, wo er seinen Wehrdienst als Bausoldat ableisten sollte. Der junge Mann war sehr verärgert, weil er nicht mit so einer kurzfristigen Einberufung gerechnet hatte. Er will nun eine illegale Arbeit organisieren. Bisher war er Leiter der Gruppe, gibt die Leitung aber nun ab.

Im Tätigkeitsbericht OV „Bekenntnis“ vom 28. April 1986 wird über die aufwendigen Ermittlungen berichtet, die schon seit Jahren laufen. Die Frage ist, ob sich das Ganze gelohnt hat. Hier, wie auch in anderen Dokumenten tauchen die Namen späterer bekannter Konterrevolutionäre auf. Doch man konnte sie nicht fassen.

In einem Vermerk über eine Vereinbarung der Kreisdienststelle Treptow an die Hauptabteilung I geht es um Maßnahmen betreffs Benn Roolf, der nun als Bausoldat dient.

Der IM „Andreas Harms“ soll aus der Laienspielgruppe herausgelöst werden. Davon war er zunächst nicht begeistert, doch es ergibt sich ein neues Tätigkeitsfeld für ihn. Alles weitere siehe Dokument.

Im Bericht 3 von IMS „Andreas Harms“ geht es um Hella Born, über die „Andreas Harms“ bereits berichtet hatte. (Bericht 1) Sie kümmert sich nun um die eigene Zukunft (Schule und Beruf).

Dann geht es um einige neue Mitglieder der Gruppe, die aber nicht aktiv waren.

 

Beim nächsten Dokument geht es um die Anforderung von Handschriftenmaterial zu Vergleichszwecken. An dieser Stelle sei angemerkt, dass seinerzeit die Kriminaltechnik noch nicht soweit war, wie heute. Es war alles sehr aufwendig.

Ein Mitglied der Gruppe soll inoffiziell überwacht werden. Man will strafbare Handlungen dieser Person erkennen und aufdecken. Es geht um die Zeit der Ableistung des Wehrdienstes dieser Person.

Aus einer Notiz des IMB „Roland“ geht hervor, dass vorgeschlagen wurde einen Auftritt der Laienspielgruppe zu verhindern.

Im zweiten Operationsplan „Bekenntnis“ geht es darum die Mitglieder der Laienspielgruppe zu verunsichern und Auftritte zu verhindern. Es gab auch vernünftige Kirchenleute, welche diese Maßnahmen unterstützen

Es wird nach Verbindungen zu späteren bekannten Konterrevolutionären gesucht.

Dann geht es nochmal um Hella Born. Es wird kontrolliert, ob sie noch Kontakte zu der Gruppe hat. Es folgt noch ein Gespräch mit der Direktorin der Schule, die Hella Born besucht.

Dann geht es noch um die Überwachung des wichtigen jungen Mannes und dessen Lebensgefährtin.

 

In einer Information des IMB „Roland“ wird berichtet, dass in der Gruppe eine pessimistische Stimmung herrscht, weil keine Erfolge mehr verbucht werden können. Auch der Organisator der Gruppe hat sich zurückgezogen

Mit der Besetzung der Gruppe zum damaligen Zeitpunkt konnte sie kein Programm mehr aufführen.

 

Die Auswertung eines IM-Berichts vom 30.04.1987 ist für die Nachwelt ein wichtiges Dokument. Aber die Nachwelt mag es nicht präsentieren und auswerten, denn es zeigt, wie antikommunistische Propaganda und das Delegitimieren der DDR funktionierten, bzw funktionieren.

In diesem Dokument geht es um Herrn Lydike, der den Wehrdienst und den Ersatzdienst (Bausoldat) verweigern will. (Totalverweigerer)

Herr Lydike hat sich ein raffiniertes Theater ausgedacht, um die antikommunistische Propaganda zu befeuern.

Das MfS hatte rechtzeitig „Wind bekommen“ und Herrn Lydike die Show gestohlen. Was hatte er vor?Er wollte zu seinen Eltern fahren, die seinerzeit in einem kirchlichen Gemeindeheim wohnten. Er wollte dort „seine Verhaftung abwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wollte er an seiner Wohnungstür anbringen. Die erwartete Verhaftung wollte er von, dem MfS namentlich nicht bekannten Personen, mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollten in der Zeitschrift „Grenzfall“ veröffentlicht werden. „Grenzfall“ war eine bösartige antikommunistische Zeitschrift, die in der DDR verteilt wurde. Sie wurde illegal in der DDR hergestellt.

Herr Lydike hatte die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke über die geplante Aktion informiert und sie gebeten sich nicht einzumischen. Er wollte die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen. Da er mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnete, beabsichtigte er illegale Schriften zum Thema Frieden und Umwelt aus der Wohnung zu bringen.

Bei der Aktion des MfS in Absprache mit dem Leiter des zuständigen Wehrkreiskommandos musste darauf geachtet werden, dass der IMB „Roland“ nicht auffliegt. Es war dafür gesorgt worden, dass keine Festnahme erfolgte und keine Fahndung eingeleitet wurde.

Der Herr Lydike sollte bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum Wehrkreiskommando Köpenick vorgeladen werden wo ihm der Einberufungsbefehl abgenommen wurde.

Es gab eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Ziel der Feststellung und Dokumentation von Personen, die sich auf dem Gelände des Gemeindeheims aufhielten und beabsichtigten die vermutete Festnahme des Herrn Lydike zu dokumentieren.

Es wurde erwogen die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglienicke zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion auszuwerten. (In der DDR war die Abteilung Innere Angelegenheiten eine sehr wichtige kommunale Behörde, wo alle Fäden zusammenliefen.)

IMS „Peter“ berichtete, dass Herr Lydike nun doch seinen Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Zuvor erfolgte eine Studienablehnung. Vermutlich wegen dem ganzen „Theater“. Nun ja zumindest ist Herr Lydike vernünftig geworden und eine antikommunistische Aktion ist verhindert worden.

Allerdings war es bei der schieren Masse solcher Aktionen unmöglich alle zu verhindern und die Akteure auf den rechten Weg zu bringen.

 

 

In Bericht 2 beschreibt IMB „Roland“ Auflösungserscheinungen der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ Einige Mitglieder sind beruflich eingebunden, andere schlossen sich anderen kirchlichen Gruppen an und bald war Sommerpause.

Im nächsten Dokument geht es um die Zuarbeit der Kreisdienststelle Treptow an die Bezirksverwaltung Berlin

Es wird über diese Gruppen berichtet, die unter dem Dach der Kirche agierten. Speziell wird nochmal über „Die Wühlmaus“ berichtet.

Es ist vermerkt worden, dass es keine Kontakte zu solchen Gruppieren im sozialistischen Ausland gab. Allerdings gab es Kontakte einzelner Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ zu Personen in Ungarn und der CSSR.

Es wurden keine Kontakte, bzw. Hinweise zu entsprechenden Plänen zu gegnerischen Zentren und Einzelpersonen festgestellt. Na ja, darum war das Ganze trotzdem nicht harmlos. Heute wissen wir, dass diese Gruppierungen die Keimzellen der Konterrevolution waren.

Das Ziel, die vollständige Zersetzung der Gruppe konnte nicht erreicht werden. Doch es herrschte gegenseitiges Misstrauen in der Laienspielgruppe.

 

Das nächste Dokument ist eine Spesenquittung.

Bericht 3 IMB „Roland

Dieses Dokument ist für die Nachwelt interessant.

Hier geht es um die Auflösung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“.  Einer der Hauptgründe ist wohl nachlassendes Interesse an die Kabarettaufführungen.

Das dargebotene Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell. So hatte es zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn mehr zu fordern, dass die SS 20 der UdSSR abgebaut werden, bzw. der Osten als erster abrüsten soll. Durch die Abrüstungsmaßnahmen der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern, waren diese Forderungen nicht mehr aktuell.

Auch einige Forderungen zum Umweltschutz oder zu mehr Meinungsfreiheit waren teilweise nicht mehr aktuell.  Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es mit dem Thema Umweltschutz in der DDR widersprüchlich aussah. Zum einen hatte man ein vorbildliches System zur Altstoffverwertung. Und das schon in einer Zeit, als man in der BRD noch nicht über Recycling nachdachte. Zum anderen haperte es, was die Umweltverschmutzung durch die Industrie angeht. Man denke an Bitterfeld, was durch die Konterrevolutionäre direkt aufgegriffen wurde. Hans Reichelt, der Umweltminister der DDR, wollte etwas tun und hatte Kontakt zum Umweltminister der BRD, Klaus Töpfer aufgenommen. Klaus Töpfer war einer der wenigen vernünftigen Politiker in der BRD. Doch es scheiterte an der Finanzierung.  Hans Reichelt wandte sich deswegen an Günter Mittag. Doch dieser blockierte.  Nach dem Ende der DDR fand man die Briefe von Hans Reichelt an Günter Mittag ungeöffnet. Hätte es dieses Politikversagen nicht gegeben, hätte die Umweltbibliothek keine nennenswerte Rolle gespielt.

Auch in anderen Bereichen hatte die Politik versagt, was den zahlreichen Gruppierungen unter dem Dach der Kirche Auftrieb gab. Auch wenn das Politikversagen in der DDR längst nicht mit dem heutigen Politikversagen vergleichbar ist, so gibt es doch einen entscheidenden Unterschied. Politikversagen in der DDR hatte harte Konsequenzen bis hin zur Beseitigung der DDR. Heutiges Politikversagen ruft zwar Empörung hervor, aber niemand stellt die Existenz des Staates und des kapitalistischen Systems in Frage. Heute gibt es massenhaft Möglichkeiten der Empörung Luft zu machen, die in der DDR fehlten. So wurde Raum für illegales Treiben gegeben.

Ein damals aktuelles Programm hatte „Die Wühlmaus“ nicht mehr.  Ein weiterer Grund für die Auflösung der Gruppierung war die hohe Fluktuation der Mitglieder.  So konnten die übergesiedelten und zum Wehrdienst einberufenen Mitglieder nicht, bzw. nur ungenügend ersetzt werden. Auch die zu geringe Wirkung auf geplante oder durchgeführte Aktivitäten (auch Provokationen) führte letztendlich zur Auflösung der Gruppe.

 

Abschlussbericht

Dieser ganze Operativvorgang des MfS dauerte vom 06.06.1984 bist zum 29.12.1987

Es wurden 11 Personen bearbeitet. Es wurden fünf IM eingesetzt.

Es wird über die Maßnahmen zu den einzelnen Personen berichtet. So z.B. die Übersiedlung des „Scharfmachers“ (Herr Buchheim) nach Westberlin, die Einberufung zweier Personen zum Wehrdienst. Das Herauslösen einer Person aus der Laienspielgruppe. Das Forcieren von Differenzen zwischen einzelnen Mitgliedern, speziell zwischen zwei Personen. Das Herausbrechen eines Mitgliedes der Gruppe, welches vom MfS angeworben wurde. Das Platzieren des IMB „Roland“ in der Laienspielgruppe. Die Durchführung von mehreren Gesprächen mit Hella Born und ihren Eltern

Diese und weitere Maßnahmen führten zur Zersetzung der Gruppe.

Allerdings waren einzelne Mitglieder der Laienspielgruppe weiter in anderen sogenannten „Friedens- und Ökogruppen“ aktiv. Nach der Übersiedlung nach Westberlin des Herrn Buchheim wurden er und ein anderer (Name geschwärzt) im OV „Bekenntnis“ nicht mehr operativ bearbeitet.

Weitere Maßnahmen zu Herrn Lydike und einer anderen Person (Name geschwärzt), führten dazu, dass die Mitglieder der Laienspielgruppe im September 1987 beschlossen ihre Gruppe aufzulösen.

Es folgen Erwähnungen weiterer Maßnahmen betreffs verschiedener Personen.

 

 

Am 16.12.1987 wurde das Ganze archiviert und am 08.01.1988 bestätigt.

Man kann sagen, dass das Ganze den Effekt der Bekämpfung einer Hydra hatte. Man schlägt einen Kopf ab und es wachsen zwei neue nach.

Für die Nachwelt wichtiges Dokument 1

Die Auswertung eines IM-Berichts vom 30.04.1987 ist für die Nachwelt ein wichtiges Dokument. Aber die Nachwelt mag es nicht präsentieren und auswerten, denn es zeigt, wie antikommunistische Propaganda und das Delegitimieren der DDR  entstanden ist.

In diesem Dokument geht es um Herrn Lydike, der den Wehrdienst und den Ersatzdienst (Bausoldat) verweigern will. (Totalverweigerer)

Dieser Mensch hat sich ein raffiniertes Theater ausgedacht, um die antikommunistische Propaganda zu befeuern.

Das MfS hatte rechtzeitig „Wind bekommen“ und dem Herrn Lydike die Show gestohlen. Was hatte er vor?

Er wollte zu seinen Eltern fahren, die seinerzeit in einem kirchlichen Gemeindeheim wohnten. Er wollte dort „seine Verhaftung abwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wollte er an seiner Wohnungstür anbringen. Die erwartete Verhaftung wollte er von, dem MfS namentlich nicht bekannten Personen, mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollten in der Zeitschrift „Grenzfall“ veröffentlicht werden. „Grenzfall“ war eine bösartige antikommunistische Zeitschrift, die in der DDR verteilt wurde. Sie wurde illegal in der DDR hergestellt.

Herr Lydike hatte die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke über die geplante Aktion informiert und sie gebeten sich nicht einzumischen. Er wollte die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen. Da er mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnete, beabsichtigte er illegale Schriften zum Thema Frieden und Umwelt aus der Wohnung zu bringen.

Bei der Aktion des MfS in Absprache mit dem Leiter des zuständigen Wehrkreiskommandos musste darauf geachtet werden, dass der IMB „Roland“ nicht auffliegt. Es war dafür gesorgt worden, dass keine Festnahme erfolgte und keine Fahndung eingeleitet wurde.

Herr Lydike sollte bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum Wehrkreiskommando Köpenick vorgeladen werden wo ihm der Einberufungsbefehl abgenommen wurde.

Es gab eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Ziel der Feststellung und Dokumentation von Personen, die sich auf dem Gelände des Gemeindeheims aufhielten und beabsichtigten die vermutete Festnahme des Herrn Lydike zu dokumentieren.

Es wurde erwogen die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglienicke zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion auszuwerten. (In der DDR war die Abteilung Innere Angelegenheiten eine sehr wichtige kommunale Behörde, wo alle Fäden zusammenliefen.)

IMS „Peter“ berichtete, dass der Herr Lydike nun doch seinen Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Zuvor erfolgte eine Studienablehnung. Vermutlich wegen dem ganzen „Theater“. Nun ja zumindest ist Herr Lydike vernünftig geworden und eine antikommunistische Aktion ist verhindert worden.

Allerdings war es bei der schieren Masse solcher Aktionen unmöglich alle zu verhindern und die Akteure auf den rechten Weg zu bringen.

Auszug aus Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Für die Nachwelt wichtiges Dokument 2

Bericht 3 IMB „Roland“

Dieses Dokument ist für die Nachwelt interessant.

Hier geht es um die Auflösung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“.  Einer der Hauptgründe ist wohl nachlassendes Interesse an die Kabarettaufführungen.

Das dargebotene Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell. So hatte es zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn mehr zu fordern, dass die SS 20 der UdSSR abgebaut werden, bzw. der Osten als erster abrüsten soll. Durch die Abrüstungsmaßnahmen der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern, waren diese Forderungen nicht mehr aktuell.

Auch einige Forderungen zum Umweltschutz oder zu mehr Meinungsfreiheit waren teilweise nicht mehr aktuell.  Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es mit dem Thema Umweltschutz in der DDR widersprüchlich aussah. Zum einen hatte man ein vorbildliches System zur Altstoffverwertung. Und das schon in einer Zeit, als man in der BRD noch nicht über Recycling nachdachte. Zum anderen haperte es, was die Umweltverschmutzung durch die Industrie angeht. Man denke an Bitterfeld, was durch die Konterrevolutionäre direkt aufgegriffen wurde. Hans Reichelt, der Umweltminister der DDR, wollte etwas tun und hatte Kontakt zum Umweltminister der BRD, Klaus Töpfer aufgenommen. Klaus Töpfer war einer der wenigen vernünftigen Politiker in der BRD. Doch es scheiterte an der Finanzierung.  Hans Reichelt wandte sich deswegen an Günter Mittag. Doch dieser blockierte.  Nach dem Ende der DDR fand man die Briefe von Hans Reichelt an Günter Mittag ungeöffnet. Hätte es dieses Politikversagen nicht gegeben, hätte die Umweltbibliothek keine nennenswerte Rolle gespielt.

Auch in anderen Bereichen hatte die Politik versagt, was den zahlreichen Gruppierungen unter dem Dach der Kirche Auftrieb gab. Auch wenn das Politikversagen in der DDR längst nicht mit dem heutigen Politikversagen vergleichbar ist, so gibt es doch einen entscheidenden Unterschied. Politikversagen in der DDR hatte harte Konsequenzen bis hin zur Beseitigung der DDR. Heutiges Politikversagen ruft zwar Empörung hervor, aber niemand stellt die Existenz des Staates und des kapitalistischen Systems in Frage.

Ein damals aktuelles Programm hatte „Die Wühlmaus“ nicht mehr.  Ein weiterer Grund für die Auflösung der Gruppierung war die hohe Fluktuation der Mitglieder.  So konnten die übergesiedelten und zum Wehrdienst einberufenen Mitglieder nicht, bzw. nur ungenügend ersetzt werden. Auch die zu geringe Wirkung auf geplante oder durchgeführte Aktivitäten (auch Provokationen) führte letztendlich zur Auflösung der Gruppe.

Auszug aus

Zusammenfassung und Auswertung der Dokumente „Zersetzung“

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom  Bundesarchiv

Bericht 3 des IMS „Andreas Harms“

Bericht 3 des IMS „Andreas Harms“

Abteilung XX                               Neubrandenburg, 02.07.1986

 

Abteilung vom Band

Quelle: „Andreas Harms“                                              entgegengenommen:                                                                                               

                                                                                                 Oberleutnant Mitzkat

                                                                                               Am: 27.06.1986

 

 

Situation FK „Wühlmaus“

 

Hella Born hat sich jetzt erst einmal im FK „Wühlmaus“ abgemeldet, man hat sie also klein bekommen und sie wird eine Pause einlegen.

Hella will also nach eigenen Aussagen sehr ruhig treten, erstmal weil sie in den Prüfungen steht, schon eine ganze Zeit, da sie nicht noch vorher kurzfristig geext wird. Dann will sie erstmal ihre weitere persönliche Perspektive sichern, also entweder 12. Klasse oder Lehre.

Einige aus der FK hatten es bereits damals bemängelt, dass sie überall mitmacht, egal wie hart es war und jetzt hat sie es eingesehen, dass es doch nicht das Richtige war.

Hella wird auch schon nicht mehr am 05.07.1986 mit nach Waren kommen.

Neu in den Kreis gekommen ist ein (Name geschwärzt) und eine (Name geschwärzt), beide sich aus Hohnsdorf, haben aber kein großes Interesse an unserer Arbeit.

(Name geschwärzt) selbst arbeitet nicht, soweit mit bekannt, in einem anderen Kabarett.

(Name geschwärzt) selbst beteiligt sich aktiv in unserem FK.

 

Dann folgt der Platz für die Unterzeichnung

 

FK=Friedenskreis

Originaldokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Anforderung von Handschriftenmaterial für einen Schriftenvergleich

Anforderung von Handschriftenmaterial für einen Schriftenvergleich

Bezirksverwaltung                                                Berlin, 12. September 1986

Für Staatssicherheit Berlin                                     bey-pau 37107 52/76/86

Kreisdienststelle Treptow

Leiter

 

 

Bezirksverwaltung für Staatssicherheit

Abteilung XX

Halle

 

 

OV (Operationsvorgang) „Pazifist“ der KD(Kreisdienststelle) Quedlinburg

 

IN Ihrem Schreiben vom 08.08.1986, Tgb.-Nr. 6040/86 bitten Sie um die Beschaffung von Handschriftenmaterial zu Vergleichszwecken.

Die von Ihnen aufgeführten Mitglieder bzw. ehemaligen Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ werden bzw. wurden im OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ der KD (Kreisdienststelle) Treptow erfasst.

Für die KD (Kreisdienststelle Treptow erfassten und bearbeiteten Personen wurden Schriftvergleichsmaterialen im Schriftenschrank der Abteilung XX gespeichert.

Wir bitten Sie zu Vergleichszwecken Material zu übersenden, damit ein Schriftenvergleich im dafür eingerichteten Schriftenschrank der Abteilung XX erfolgen kann.

 

Unterzeichner

 

Zeiseweis

Oberstleutnant

Originaldokument aus der Broschüre Zersetzung vom Bundesarchiv

Auftrag zur inoffiziellen Überwachung einer Person

Auftrag zur inoffiziellen Überwachung einer Person

Auftrag

Der Patriot (Der Begriff „Patriot“ hatte früher eine andere Bedeutung und nichts mit Rechtsradikalismus zu tun. P.R.)  „Picasso“ erhält folgenden Auftrag:

Es ist die inoffizielle Kontrolle der Person

Roolf, Benn

Durchzuführen, mit dem Ziel alle strafbaren Handlungen des R. zu erkennen und aufzudecken. Der Auftrag besteht über den Zeitraum der Ableistung des Wehrdienstes ohne Waffe der Person R.

 

Aufgaben im Rahmen des Auftrages

  1. Die Person R. ist am Stationierungsort ausfindig zu machen, entsprechend der Personenmerkmale und vorgelegten Fotos.
  2. Der Umgangskreis der Person R. ist festzustellen und nach Persönlichkeitsmerkmalen zu differenzieren.
  3. Über eine Person des Umgangskreises ist schrittweise ein vertrauensvoller Kontakt zu R. aufzubauen.

Im Rahmen der Auftragserfüllung sind folgende Informationen zielgerichtet zu erarbeiten:

-Bekommt der R. Besuch, (von wem, wann und wo)?

-Mit welchen Personen hält der R. schriftliche und andere Kontakte?

-Welchen Umgangskreis hat der R. in der Einheit, und wie sind diese Personen einzuordnen?

-Besucht der R. die dortige Kirche?

-Sind kirchliche Veranstaltungen durch den R. geplant, wo sollen diese stattfinden und wer nimmt daran teil?

-Wie tritt der R. bei Veranstaltungen o.n. auf?

-Wann beabsichtigt der R. nach Berlin, Stendal oder Thale zu fahren, bzw. wann hatte er sich dort aufgehalten?

Verhaltenslinie

Die eigene Sicherheit und Konspiration ist unter allen Umständen zu wahren. Negative Handlungen des R. sind nicht zu verhindern. Es ist möglichst im Sinne des R. zu handeln, ohne dabei selbst strafbare Handlungen durchzuführen.

Eine weitere Präzisierung der Aufgabenstellung und deren Konkretisierung erfolgt beim 1. Treff nach der Einberufung.

 

Auftrag erhalten: …hier musste der „Picasso“ noch unterzeichnen) Berlin, 29.10.1986

Originaldokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Zweiter Operativplan zum OV „Bekenntnis“ (Auszug)

Zweiter Operativplan zum OV „Bekenntnis“ (Auszug)

Kreisdienststelle Treptow                                Berlin, 17. März 1987

                                                                                 bey-pau

                                                                                  bestätigt:

 

                                                                                    es folgen zwei Kurzzeichen

Operativplan zum OV (Operationsplan) „Bekenntnis“, Reg.-Nr. XX/1996/84

-Um die Mitglieder der Laienspielgruppe zu verunsichern, werden folgende geplante Auftritte verhindert:

28.03. 1987 in Dresden in der Weinbergskirche

23.04.1987 in Berlin in der Gemeinde Bohnsdorf

In Abstimmung mit der Abt. XX der Bezirksverwaltung Dresden wird durch ein Telegramm mit einer Absage des geplanten Auftritts durch den Diakon der Weinbergskirche der Auftritt verhindert (fingiertes Telegramm).

In Vorbereitung des Auftritts in der Gemeinde Bohnsdorf wird ein Gespräch zwischen der Superintendentin des KK (Kirchenkreises) Oberspree und Vertretern der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ angestrebt, mit der Zielstellung, eine Programmkonzeption vorzulegen bzw. den Auftritt abzusagen. Zu diesem Gespräch werden der Superintendentin Informationen über die Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ übergeben (Programminhalte, Zielstellungen, Schlüsselproblem).

Termin:                      bis 15.04.1987

Zu 3. Die unter Punkt 3 genannte Zielstellung wird durch folgende politisch-operative Maßnahmen realisiert:

-Koordinierung mit der Abt. XX/2 zu den festgestellten Kontakten zwischen Mitgliedern der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ und Vertretern der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung wie Bohley, Hirsch sowie der Klärung, welcher Einfluss von diesen auf die Laienspielgruppe ausgeht.

(Ahh später bekannte Konterrevolutionäre mischen da mit. P.R.)

Termin:                                 ständig

-Als wesentliche Maßnahme erfolgt die Einleitung einer Maßnahme S der Abr. 26 im Wohnbereich des Roolf und dessen Lebensgefährtin. Zur Realisierung dieser Maßnahme erfolgt der Einsatz des IMS „Sandra“.

Termin:                                                         30.05.1987

-Es erfolgt eine Prüfung, ob das ehemalige Mitglied der Laienspielgruppe Born, Hella nach wie vor Kontakte zu einzelnen Mitgliedern der Laienspielgruppe sowie Vertretern der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung unterhält.

Diesbezüglich erfolgt ein weiteres Gespräch mit der Direktorin der EOS (Schule – Erweitere Oberschule) sowie der Einsatz des IMS „Sandra“.

Hier endet das Teilschriftstück.

 

Originalschriftstück aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Information des IMB „Roland“ (Auszug)

Information des IMB „Roland“ (Auszug)

KD (Kreisdienststelle) Treptow                           Berlin, 24.04.1987

 

Information zum OV (Operativvorgang) „Bekenntnis“

Quelle: IMB „Roland“

Treff am 23.04. 1987

 

Der IM berichtete, dass er die Veranstaltung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ am 22.04.1987 im Gebäude des evangelischen Kindergartens (wieder Kindergarten statt Kirchengarten P.R.) in der Firlstr. 16, besuchte.

Bei der Zusammenkunft waren folgende Mitglieder der Laienspielgruppe anwesend:

Dann folgt die Namensliste und wo diese Leute erfasst sind. Nur Metzner, Jörg und Altvogt, Georg sind lesbar.

Die Zusammenkunft fand von 18:00 Uhr bis 19:00 statt.

In der Gruppe herrscht gegenwärtig eine pessimistische Haltung vor. Diese ist darauf zurückzuführen, dass keine Erfolge mehr verbucht werden können.

So sind die geplanten Auftritte in Dresden und Leipzig aus nicht bekannten Gründen ausgefallen.

(Name geschwärzt) als der Organisator der Gruppe hat sich auch aus der Laienspielgruppe zurückgezogen. Gründe hierfür sind ebenfalls nicht bekannt.

Weiterhin ist es nicht möglich, in der derzeitigen Besetzung der Gruppe ein vernünftiges Programm aufzuführen.

 

(hier endet das Schriftstück)

Original-Schriftstück aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Auswertung eines IM-Berichts (30.04.1987)

Kreisdienststelle Treptow                                               Berlin, 30.04.1987

                                                                                                      bey-ul

 

Information zum OV (Operativvorgang) „Bekenntnis“

 

Im Rahmen der Bearbeitung des OV „Bekenntnis“ wurde beim Treff am 30.04.1987 mit dem IMB „Roland“ folgender Sachverhalt bekannt- Der IMB ist überprüft. Ehrlich und zuverlässig.

Der IM berichtete zu einer planmäßig am 29.04.1987 stattgefundenen Zusammenkunft der Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ im Gebäude des evangelischen Kindergartens (es hieß wohl eher Kirchengarten P.R.) in 1190 Berlin, Firlstr. 16.

Es folgt eine Namensliste der Anwesenden. Außer den ersten zwei sind alle Namen geschwärzt.

Lydike (1. Name auf der Liste) teilte mitt, dass er eine Einberufung zur NVA für den 05.05.1987 erhalten hat. Er wird jedoch nicht zum Einberufungsort erscheinen.

Lydike beabsichtigt, den Wehrdienst grundsätzlich abzulehnen und eine Inhaftierung in Kauf zu nehmen. 

Dazu wird Lydike am 05.05.1987 zu seinen Eltern nach Berlin fahren (Eltern wohnen im kirchlichen Gemeindeheim), um dort „seine Verhaftung abzuwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wird Lydike an seiner Wohnungstür in Berlin anbringen.

Die von Lydike erwartete Zuführung und Verhaftung will er von namentlich nicht bekannten Personen (vermutlich 3) mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollen in der Zeitschrift „Grenzfall“ (Eine bösartige antikommunistische Zeitschrift. P.R.) veröffentlicht werden.

Lydike hat die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke von der gelplanten Aktion informiert und sie gebeten, sich nicht einzumischen.

Lydike möchte „die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen“. Da Lydike mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnet, beabsichtigt er Bücher und Zeitschriften zur Umweltschutz- und Friedensproblematik sowie Schriften des innerkirchlichen (Wort nicht lesbar) aus seiner Wohnung zu bringen.

Die Freundin des Lydike (Name geschwärzt) erfasst in Treptow

Steht nach Aussagen des Lydike voll hinter seinem geplanten Vorgehen. Nach Absprache mit dem Leiter der SR AWK(Wehrkreiskommando) Genosse Klebe wird folgende Vorgehensweise vorgeschlagen:

  1. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der IMB „Roland“ nicht dekonspiriert (enttarnt) wird, da er auf Grund objektiver beruflicher Umstände am 05.05.1987 nicht auf dem Gelände des Gemeindehauses sein wird.
  2. Über die KD (Kreisdienststelle) Köpenick wird das WKK Köpnick veranlasse, dass eine Zuführung des Lydike am 05.05.1987 nicht erfolgt.

 

Gleichzeitig wird die zuständige Diensteinheit der HA I am Einsatzort des Lydike bei Hggesin darüber informiert, dass möglicherweise keine Einberufung des Lydike erfolgt und keine Fahndung auszulösen ist.

Lydike wird bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum WKK (Wehrkreiskommando) Köpenick vorgeladen, wo ihm mit einer politisch vertretbaren Begründung der Einberufungsbefehl abgenommen wird.

 

  1. Durch die KD (Kreisdienststelle Treptow erfolgt am 05.05.1987 eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Zeil der Feststellung und Dokumentation von Personen, welche sich auf dem Gelände des Gemeindeheimes aufhalten, sowie der Personen, welche beabsichtigten, die vermutete Zuführung und Verhaftung des Lydike zu dokumentieren.

Dabei ist auf unbedingte Konspiration zu achten. Bei Verdacht auf Dekonspiration wird die Maßnahme sofort abgebrochen.

  1. Es wird erwogen, die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglinicke (Name geschwärzt) zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion des Lydike auszuwerten.

Entgegen den Informationen des IMB „Roland“ berichtete der IMS „Peter“ beim Treff am 29.04.1987, dass Lydike den Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Eine Studienablehnung durch die Humboldt-Universität erfolgte im Februar 1987. Der IMS „Peter“ kennt den Lydike durch die gemeinsame Freizeitbeschäftigung im Eisbaderclub. Der IMS „Peter“ ist ehrlich und zuverlässig.

 

Unterzeichnet vom Leiter der KD Treptow

Starke Oberstleutnant

 

Dann folgt der Verteiler

 

Na, da wurde dem Lydike die Show gestohlen. Gut gemacht MfS. P.R.

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Bericht 2 des IMB „Roland“ (Auszug)

Kreisdienststelle Treptow                               Berlin 25.06.1987

Bericht 2 des IMB „Roland“ (Auszug)

Information zum OV „Bekenntnis“

Quelle: IMB „Roland“

Treff a, 25.06.1987

Der IM berichtete, dass die Situation unter den Mitgliedern der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ seit Monaten sehr instabil ist.

So sind Zusammenkünfte auf Grund zu geringer Beteiligung ausgefallen. Weitere Zusammenkünfte wiederum hatten keine inhaltlichen Probleme zum Programm da einige Mitglieder fehlten.

Bei den letzten Zusammenkünften fehlten (Name geschwärzt) und Hettner? (nicht lesbar) unentschuldigt.

Auf Grund von beruflichen Problemen einzelner Mitglieder der Laienspielgruppe wurden die Zusammenkünfte von mittwochs auf donnerstags verlegt. Diese Maßnahme änderte jedoch auch nichts an der Situation der zu geringen Beteiligung.

Der IM sieht keine Perspektive im Fortbestand der Laienspielgruppe. Weiterhin kommt hinzu, dass ab Juli keine weiteren Zusammenkünfte mehr stattfinden, da wie in jedem Jahr eine Sommerpause eingelegt wird.

Der IM wies darauf hin, dass die einzelnen Mitglieder der Laienspielgruppe zu unterschiedliche und eigene Wege gehen. Es gibt keinen richtigen Zusammenhalt mehr.

Ohne einen Beweis zu haben wurde von dem IM die Vermutung geäußert, dass sich die Laienspielgruppe getrennt hat, bzw, sich einige Mitglieder der Laienspielgruppe einer anderen Gruppe angeschlossen haben könnten.

Diesen Verdacht begründet der IM mit dem nicht mehr Erscheinen einzelner Mitglieder der Gruppe. Weiterhin spricht dafür die Tatsache, dass konkrete Pläne für Programme und Auftritte bestanden welche jedoch in der jetzigen Zusammensetzung aus den unterschiedlichsten Gründen scheiterten. (dies sind die Verdachtsmomente des IM)

Bei einer Nachfrage des IM am 25.06.1987 bei dem Mitglied der Laienspielgruppe Altvogt, sagte dieser, dass die nächste Zusammenkunft planmäßig wie gehabt am Donnerstag, 25.06.1987 stattfindet.

Zur Unterstützung der Vermutung des IM kann die Tatsache angesehen werden, dass von der HA XXX7 bei einer telefonischen Rücksprache informiert wurde, dass sich Metzner einer anderen „kirchlichen Tätigkeit“ zugewandt hat.

Genannte Information des IM ist eindeutig zu klären. Dazu erfolgt eine Rücksprache mit der Abt. XX der BV Nbg.

Weiterhin wird in einer Absprache die Information der HA XX/7 zum Metzner konkretisiert.

Der IMB „Roland“ wird versuchen mit Metzner und Altvogt ein persönliches Gespräch zur Situation in der Laienspielgruppe zu führen.

Nach der Sommerpause der Laienspielgruppe wird Ende August zu (Name geschwärzt) und Metzner eine Beobachtungsmaßnahme vorbereitet.

Unterzeichner

Bayer (Leutnant)

Und Verteiler

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv