Wolgograder Traktorenwerk (Stalingrader Traktorenwerk)

Das Wolgograder Traktorenwerk (Stalingrader Traktorenwerk) war ein ehemals sowjetischer, später russischer Hersteller von Traktoren und Rüstungsgütern.

Das 1930 gegründete Unternehmen saß in Wolgograd (Stalingrad), Russland (Sowjetunion) und trat bis zur Insolvenz 2018 auch unter dem Namen OAO Traktornaja Kompania „WgTS“ (russisch ОАО Тракторная компания «ВгТЗ») auf. 2003 wurde das Unternehmen vom Konzern Traktornyje Sawody aufgekauft.

Bis 1961 trug das Werk den Namen Stalingradski Traktorny Sawod imeni F. E. Dserschinskowo, deutsch Stalingrader Traktorenwerk namens F. E. Dserschinski, kurz STS (russisch Сталинградский тракторный завод им. Ф. Э. Дзержинского, abgekürzt СТЗ), nach dem sowjetischen Staatsmann, Revolutionär und Geheimdienstgründer und -chef Felix Dserschinski. Das Unternehmen war lange Zeit einer der größten Traktorenhersteller der Sowjetunion beziehungsweise später Russlands und exportierte auch in zahlreiche andere Länder der Welt.[1] Es baute vor allem Kettentraktoren.

Der erste SChTS-15/30, der 1930 in Stalingrad gebaut wurde, in einem Museum (2014)
Bildquelle: Von Dmitry Ivanov. – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34093145

Im Januar 1925 schlug Felix Dserschinski auf oberster politischer Ebene der Sowjetunion den Aufbau eines Traktorenwerks vor. Baubeginn in Stalingrad war am 12. Juli 1926. Damit war das Werk das erste im Land, das für die Traktorenproduktion errichtet wurde.[2] Am Aufbau wirkten auch ausländische Experten mit, unter anderem der US-amerikanische Architekt Albert Kahn.

Am 17. Juni 1930 lief der erste Traktor vom Typ SChTS-15/30 (auch als STS-1 bezeichnet) vom Band. Damit ging auch das Werk offiziell in Betrieb. Traktoren dieses Typs wurden ab 1931 auch in Charkow gebaut. 1932 wurde die geplante Produktionskapazität erreicht und das Werk mit dem Leninorden ausgezeichnet. Die Produktion des SChTS-15/30 endete im Mai 1937. Im Juli liefen die ersten Kettentraktoren vom Typ SChTS-NATI vom Band, das Fahrzeug wurde noch im gleichen Jahr auf der Weltfachausstellung Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet.[2]

Im März 1940 wurden im Moskauer Kreml zwei Prototypen des Panzers T-34 präsentiert, die aus dem Stalingrader Traktorenwerk stammten. Später nahm das Werk auch die Serienproduktion der Panzer auf. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sowohl Panzer als auch Panzermotoren hergestellt. Im Februar 1942 wurde die Fabrik dafür mit dem Orden des Roten Banners der Arbeit ausgezeichnet.[2]

Panzer T-34/85 (2007)
Bildquelle: Von Antonov14 – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2108482

Im Spätsommer 1942 startete Hitlerdeutschland den Angriff auf Stalingrad. Während in den ersten Wochen trotz Kampfhandlungen in unmittelbarer Nähe und Beschuss im Werk weitergearbeitet wurde, wurden die Anlagen durch Angriffe in der Zeit vom 29. September bis 4. Oktober stark beschädigt. Daraufhin musste die Produktion eingestellt werden.[2] Die Deutschen starteten am 14. Oktober einen Großangriff auf das Werk, in der folgenden Schlacht um das Gelände starben etwa 13.000 sowjetische und 1500 deutsche Soldaten. Siehe entsprechenden Beitrag.

Das zerstörte Traktorenwerk (November 1942)
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-B22703 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5360867

Nach der Befreiung Stalingrads wurde die Arbeit im Traktorenwerk im Sommer 1943 wieder aufgenommen; zunächst wurden Panzer repariert. Ab Oktober 1943 wurden wieder Dieselmotoren hergestellt, bis 1944 die Fertigung aufgebaut. Im Februar 1945 erhielt die Fabrik den Orden des Vaterländischen Krieges erster Klasse. Bereits im Mai 1944 war die Traktorenproduktion wieder aufgenommen worden, bis April 1945 wurden 1000 Maschinen gebaut.[2]

1949 begann die Serienfertigung des Kettentraktors DT-54, der auch in Charkow und im Altaiski Traktorny Sawod gebaut wurde. Es handelte sich um den ersten Traktor des Werks mit Dieselmotor und um das erste neue Modell nach dem Krieg. 1954 erhielt das Stalingrader Traktorenwerk den Auftrag, antarktistaugliche Zugmaschinen zu entwerfen. Die Maschinen wurden 1958 tatsächlich bei einer Expedition auf dem Kontinent eingesetzt. Bereits 1956 entstanden erste Prototypen des Kettentraktors DT-75,[2] der ab 1963 in Serie produziert wurde.

Kettentraktor DT-75 mit Planierschild in Polen (2015)
Bildquelle: Von MOs810 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38920527

Im Jahr 1961 wurde Stalingrad im Rahmen der Verdammung Stalins in Wolgograd umbenannt. Im gleichen Jahr wurde der Werksname in „Wolgogradski Traktorny Sawod“ (deutsch Wolgograder Traktorenwerk)) geändert.[4] Die Abkürzung änderte sich entsprechend von СТЗ in ВгТЗ (ТЗ je für Traktorny Sawod, С für Stalingrad und Вг für Wolgograd). In den 1960er-Jahren kamen verschiedene Modellversionen des DT-75 auf den Markt.[2]

Am 14. Januar 1970 wurde der einmillionste Traktor gebaut. Dafür wurde dem Wolgograder Traktorenwerk erneut der Leninorden verliehen. 1983 folgte der zweimillionste Traktor.[2]

Noch während des Zerfalls der Sowjetunion wurde das staatliche Werk 1992 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In den 1990er-Jahren beschäftigte sich das Werk auf dem militärischen Sektor mit der Weiterentwicklung des Luftlandepanzers BMD und verschiedener anderer Waffensysteme. 2003 wurde das Unternehmen von der Agromaschholding übernommen, die heute als Traktornyje Sawody (Traktorenwerke) firmiert. Seitdem wurden die Kettentraktoren AGROMASCH-90 (überarbeiteter DT-75) und AGROMASCH-150 gebaut.[2]

Haupteingang des Werks in Wolgograd (2015)
Bildquelle: Von http://www.volganet.ru, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41092736

In den 2010er Jahren geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und musste umstrukturiert werden. Am 26. November 2015 wurde die Traktorenproduktion eingestellt, 2018 der militärische Teil vom staatlichen Konzern „Rostec“ übernommen und fortgeführt. Am 28. Dezember 2018 wurde die Firma mit knapp 71 Milliarden Rubeln Schulden für insolvent erklärt. Die weitläufigen ehemaligen Fabrikhallen stehen weitgehend leer und stehen zum Verkauf oder werden bereits neu, unter anderem als Einkaufszentrum, genutzt.[1]

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Wolgograd (Stalingrad)

Der ursprüngliche Name der Stadt war Zarizyn. Von 1925 bis 1961 war ihr Name Stalingrad. Seither heißt sie Wolgograd.

Im Zusammenhang mit dem II. Weltkrieg ist die Stadt als Ort der kriegsentscheidenden Schlacht, der Schlacht von Stalingrad, in die Geschichte eingegangen.

Wolgograd liegt knapp 1000 Kilometer südöstlich von Moskau am westlichen, rechten Ufer der Wolga, rund 400 Kilometer nördlich der Mündung des Flusses ins Kaspische Meer. Die Stadt erstreckt sich in einer Breite von bis zu 10 Kilometern über 60 Kilometer am Ufer der Wolga entlang.

Die Gegend um Wolgograd war aufgrund ihrer geographischen Lage an der Landenge zwischen Wolga und Don schon im Altertum eine wichtige Handelsroute. Hier siedelten im 5. Jahrhundert v. Chr. Skythen. Im 8. und 9. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Reich der Chasaren, im 11. und 12. Jahrhundert hielten sich hier verschiedene Stämme und Horden auf, unter anderen die Polowzer oder die Goldene Horde, die etwa 50 km östlich von Wolgograd, am Fluss Achtuba, mit der Stadt Snamensk eines ihrer Zentren errichtete und Wolgograd seit dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert beherrschte. Die Anfänge des russischen Wolgograds sind nicht näher beleuchtet. Als offizielles Gründungsdatum gilt aber der 2. Juli 1589, als die Stadt vom Fürsten Grigori Sassekin als Festung gegründet wurde, die Russland vor den Nomaden aus dem Süden schützen sollte. Der erste Name der Stadt war Zarizyn, abgeleitet von dem nahegelegenen Nebenfluss der Wolga.

Die aus Holz gebaute Anlage befand sich zunächst auf einer heute nicht mehr existierenden Wolgainsel gegenüber der Mündung des Flusses Zariza (von tatarisch sari su „gelbes Wasser“). Nach einem Brand wurde sie auf das rechte Wolgaufer verlegt. Das erste steinerne Gebäude entstand 1664. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die wenige hundert Einwohner zählende Stadt mehrfach von aufständischen Kosaken belagert und eingenommen: 1670 unter Stenka Rasin und 1774 unter Jemeljan Pugatschow. Nach der Eroberung der Krim und des Kuban-Gebietes 1783 verlor Zarizyn seine militärstrategische Bedeutung und entwickelte sich allmählich zu einem Handels- und Wirtschaftszentrum. Vor allem der Bau der Eisenbahnlinie nach Kalatsch am Don 1862 und nach Grjasi 1872 führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und machten Zarizyn zu einem Knotenpunkt der Ölversorgung und der Verkehrsverbindungen vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer und vom Kaukasus nach Zentralrussland. In der Folge siedelte sich hier auch Großindustrie an, darunter metall- und holzverarbeitende Betriebe, Erdölraffinerien für das Rohöl aus Baku, mehrere Mühlen und Gerbereien.

Im Russischen Bürgerkrieg von 1917 bis 1920 gab es hier im Rahmen der Schlacht um Zarizyn schwere Kämpfe, denn die Stadt befand sich an der Kreuzung der Transportwege für Lebensmittel vom Süden des Landes nach Moskau und Petrograd. Am 10. April 1925 wurde sie zu Ehren Josef Stalins, der hier im Bürgerkrieg als Armeekommissar tätig gewesen war, in Stalingrad („Stalinstadt“) umbenannt. Im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion wurde im Jahre 1926 14 km von der Stadtmitte entfernt das Wolgogradski Traktorny Sawod errichtet. (Stalingrader Traktorenwerk)

Zur Schlacht von Stalingrad siehe entsprechenden Beitrag.

Im Zusammenhang mit der Verdammung Stalins, wurde die Stadt am 07. November 1961 in Wolgograd umbenannt. Es kam immer wieder der Vorschlag die Stadt wieder in Stalingrad umzubenennen. So beschloss die Stadtduma im Jahr 2013, die Bezeichnung „Heldenstadt Stalingrad“ anlässlich der Feiern zum 70. Jahrestag der Kapitulation der deutschen Truppen und an weiteren Gedenktagen zu verwenden.[6] Im Jahr 2015 forderte eine von 50.000 Personen unterschriebene Petition von Präsident Putin die Wiedereinführung des alten Namens, was dieser nicht ausschloss und wozu er eine Abstimmung empfahl.[7] Für Gedenkveranstaltungen trug die Stadt seit zirka 2017 wieder temporär den Namen Stalingrad.[8] Die Errichtung einer Stalinstatue wurde in Wolgograd abgelehnt und erfolgte 2023 stattdessen in Welikije Luki.[9] Ein neuer russischer Eisbrecher erhält den Namen Stalingrad.[10]

Mutter Heimat-Statue
Bildquelle: Von Fotograf: Mariluna – Eigene Arbeit, Bild-frei, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4471501

Die Stadt ist von der typischen Architektur der Stalinära der 1950er und 1960er Jahre der Sowjetunion geprägt. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zählt die Gedenkstätte der Schlacht von Stalingrad auf dem Mamajew-Hügel. Dort steht auch die Mutter-Heimat-Statue, die ein 33 Meter langes Schwert trägt und 7900 Tonnen wiegt (inkl. Fundament). Das Schwert der Statue wiegt allein 14 Tonnen. Sie ist mit 85 Metern (gemessen von der Fußsohle bis zur Schwertspitze) eine der höchsten Statuen der Welt.

Unmittelbar vor dem Hauptbahnhof wurde 2013 eine Rekonstruktion des Barmalei-Brunnens eingeweiht. Der ursprüngliche Brunnen war durch eine Fotografie von Emmanuil Jewserichin, die ihn vor den brennenden Ruinen der Stadt am 23. August 1942 zeigt, zu weltweiter Berühmtheit gelangt.

Bahnhof
Bildquelle: Von A.Savin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40773031

Im südlichsten Stadtteil von Wolgograd (in Krasnoarmeisk) liegt die ehemalige deutsche Siedlung Alt Sarepta, die 1765 von der Herrnhuter Brüdergemeine gegründet wurde. Nicht weit davon entfernt, direkt an der Einmündung des Wolga-Don-Kanales in die Wolga, steht die größte Lenin-Statue Russlands.

Ab 2014 lief die aktive Vorbereitung der Stadt auf die Spiele der Fußball-WM. Insbesondere wurde am Fuße des Kurgan „Mamajew“ das Internationale Stadion „Wolgograd-Arena“ gebaut.

Darüber hinaus wurden in der Stadt für die WM drei Trainingsplätze nach Empfehlungen der Akademie für Körperkultur und Sport, der Sportkomplex „Olympia“, das Stadion „Zenit“ und drei neue Hotels gebaut. Das klinische Krankenhaus des Rettungsdienstes der Nummer 25 wurde saniert. Auf dem Territorium wurde ein Hubschrauberlandeplatz, eine Straße (mit derGesamtlänge von 280 km), Versorgungsleitungen und eine Reihe von Objekten des Flughafens errichtet.

Wolgograd war einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2018.[15] Hierzu wurde am Fuße der Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel und am Ufer des Flusses die neue Wolgograd-Arena gebaut, die ca. 45.000 Menschen Platz bietet.[16]

Wolgograd-Arena (2018)
Bildquelle: Von Arne Müseler / http://www.arne-mueseler.com, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83701917

Nach dem Untergang der Sowjetunion war auch Wolgograd zu Beginn der 1990er Jahre stark von der allgemeinen Wirtschaftskrise betroffen. Inzwischen hat wieder eine Erholung eingesetzt. Das moderne Wolgograd ist heute nach wie vor ein wichtiges industrielles Zentrum Russlands. Wichtige Industriezweige sind Schiffbau, Schwarz- und Buntmetallverarbeitung, Erdölverarbeitung, Stahl- und Aluminiumproduktion, Anlagen- und Maschinenbau, sowie Holz-, Nahrungsmittel- und chemische Industriebetriebe. Des Weiteren befindet sich nördlich der Stadt ein großes Laufwasserkraftwerk, das Wasserkraftwerk Wolgograd. Mit dem Wolgogradski Traktorny Sawod befand sich fast 90 Jahre lang ein wichtiger Traktorenhersteller und Rüstungsbetrieb in der Stadt.

Es war geplant, in Wolgograd ein Kernkraftwerk mit Fernwärmeproduktion zu bauen.[17] Die Pläne für zwei Blöcke wurden jedoch gestoppt.[18][19]

Wolgograd unterhält ein großes Straßenbahnnetz und seit 1984 eine Stadtbahn (russ. Skorostnoi Tramwai) mit 13,5 km Streckenlänge, davon 3,3 km im Tunnel. Daneben verbindet die sogenannte Wolga-Brücke, die mit 7,1 km längste als Balkenbrücke ausgeführte Straßenbrücke Europas, das Stadtgebiet von Wolgograd am westlichen Wolgaufer mit der Stadt Krasnoslobodsk am östlichen Ufer. Die Brücke wurde im Oktober 2009 nach 13-jähriger Bauzeit eröffnet. Weltweite Bekanntheit erlangte die umgerechnet 330 Millionen Euro teure Brücke am 20. Mai 2010, als starke Windböen für Balkenbrücken einzigartige Resonanzschwingungen im Bauwerk auslösten, wie man sie sonst nur bei Hängebrücken wie der ehemaligen Tacoma-Narrows-Brücke oder der Millennium Bridge in London beobachten konnte. Dies äußerte sich unter anderem darin, dass ein etwa einen Kilometer langes Teilstück aus Stahlbeton bis zu ein Meter hohe Wellen in Längsrichtung schlug.[20] Die Brücke wurde daraufhin für den Verkehr und Fußgänger gesperrt, aber fünf Tage später, nach einer Untersuchung durch russische Experten, die keine Schäden feststellten, wieder für Fußgänger und PKWs eröffnet.[21]

Erster Bauabschnitt der Wolgabrücke bei Wolgograd
Bildquelle: Von Aleksander Kaasik – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37548591

Wolgograd ist mit dem Umland der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße R22 Kaspi verbunden. Gleichzeitig ist die Stadt Ausgangspunkt der Abzweigung A260, die in westlicher Richtung über Oblast Rostow zur ukrainischen Grenze führt. Hier endet die R228, die von Sysran über Saratow hierherführt.

In Wolgograd gibt es drei Häfen für Frachtschiffe und ein großes Passagierterminal.[22]

Der Flughafen Wolgograd war vor dem Zerfall des Bündnisses der ehemals sozialistischen Länder 1991 ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Süden der Sowjetunion. Seitdem hat er stark an Bedeutung verloren. Von über einer Million Passagieren in 9 Monaten im Jahr 2023 flogen weniger als 60.000 von Wolgograd ins Ausland[23] und fast der gesamte Flugverkehr ins Ausland geht zentral über die MoskauerFlughäfen Moskau-Scheremetjewo, Moskau-Domodedowo und Moskau-Wnukowo.

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Otto Buchwitz

Otto Buchwitz wurde am 27. April 1879 in Breslau geboren und ist am 09. Juli 1964 in Dresden gestorben.

Nach dem Besuch der Volksschule von 1885 bis 1893 absolvierte Otto Buchwitz bis 1896 eine Lehre zum Metalldrücker und Eisendreher. Er trat 1896 der Metallarbeitergewerkschaft bei und wurde 1898 Mitglied der SPD. Bis 1907 arbeitete Buchwitz in seinem erlernten Beruf, allerdings auch als Weber. Ab 1908 war er als Sekretär des Deutschen Textilarbeiterverbands für das Chemnitzer Landgebiet tätig. 1914 zum Kriegsdienst eingezogen, wurde er bei Kriegsende in Ostpreußen eingesetzt. Danach wurde er 1919 stellvertretender Landrat für den Kreis Görlitz. Außerdem wurde Buchwitz 1920 zum Politischen Sekretär des SPD-Bezirksverbandes Niederschlesien gewählt. Seit Beginn der Weimarer Republik war er Mitglied des Schlesischen Provinziallandtags. Außerdem war er für die SPD von 1921 bis 1924 als Abgeordneter im preußischen Landtag und von 1924 bis 1933 Vertreter des Wahlkreises Liegnitz im Reichstag.

Otto Buchwitz (1947)
Bildquelle: Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6551301

Nach der Machtübernahme durch die Faschisten stimmte Buchwitz mit den anderen SPD-Reichstagsabgeordneten gegen das Ermächtigungsgesetz und ging danach ins Exil nach Dänemark. Von dort aus organisierte er die Flucht deutscher Hitlergegner nach Schweden und schrieb für die antifaschistische Wochenzeitung „Freies Deutschland“, die in Brüssel erschien. Nur wenige Tage nach der deutschen Besetzung Dänemarks im April 1940 wurde er verhaftet und im Juli der Gestapo übergeben. Im Juli 1941 wurde er zu acht Jahren Zuchthausverurteilt.

Tafel für Otto Buchwitz in Königshain
Bildquelle: Von Gliwi – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=139194632

Bis zum Ende des Krieges war er im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Dort nahm die illegale kommunistische Leitung Kontakt mit ihm auf. Gemeinsam wurde das Vorgehen bis zum Ende der Naziherrschaft und danach erörtert. Am 27. April 1945 flohen der Zuchthausdirektor Thümmler und die meisten Wachleute vor der herannahenden Roten Armee. Die politischen Häftlinge entwaffneten die verbliebenen Wachtmeister und übernahmen die Führung des Zuchthauses. Eine militärische Formation besetzte das Tor. Gegen 14 Uhr erreichte der erste sowjetische Panzer das Zuchthaus. Am 28. April zogen etwa 100 ehemalige politische Häftlinge über Bagow und Nauen nach Berlin. Otto Buchwitz war so geschwächt, dass er im Handwagen befördert werden musste.

Nach 1945 arbeitete Otto Buchwitz aktiv an der Vereinigung von SPD und KPD zur SED mit, obwohl er vor dem Krieg nicht unbedingt ein Freund der KPD war. Sein ärgster Widersacher in Sachsen war Stanislaw Trabalski, den er „Krawalski“ nannte. Anschließend übernahm er von April 1946 bis Dezember 1948 zusammen mit Wilhelm Koenen den Landesvorsitz der sächsischen SED. Von April 1946 bis Juli 1964 gehörte er als Mitglied dem Parteivorstand bzw. dem ZK der SED an. Am 29. November 1948 wurde er neben Hermann Matern zum Vorsitzenden der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) der SED gewählt.[1] Diese Funktion übte er bis zum III. Parteitag im Juli 1950 aus. Anschließend war er bis zu seinem Tod einfaches Mitglied der ZPKK. Buchwitz gehörte dem sächsischen Landtag von 1946 bis zur Auflösung 1952 an. Während dieser Zeit war er auch Landtagspräsident und erhielt einen Sitz in der Volkskammer der DDR, die ab 1950 zusammentrat. Buchwitz war seit 1950 Alterspräsident der Volkskammer. Er versuchte vergeblich bei den konterrevolutionären Ereignissen, am 17. Juni 1953, zu beschwichtigen.

1953 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus der hauptamtlichen Tätigkeit. Im Jahr 1957 wurde Buchwitz zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Dresden ernannt, am 27. April 1963 wurde er Ehrenbürger von Dresden.[2] Er starb am 9. Juli 1964 in Dresden, sein Grab befindet sich auf dem dortigen Heidefriedhof.

 

Zentralbild Löwe 6.3.1958 Höhepunkt der Jugendstunden Otto Buchwitz erzählt aus seinem Leben Höhepunkt der Jugendstunden im Erzgebirgskreis Dippoldiswalde war am 5.3.1958 ein Besuch des Arbeiterveteranen Otto Buchwitz in den kleinen Ort Glashütte, wo er vor 150 Kindern aus seinem bewegten Leben erzählte. (siehe auch ADN-Meldung 210 vom 6.3.1958) UBz: Otto Buchwitz im Kreise von Teilnehmern der Jugendstunde.
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-53646-0001 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5354681
Grab von Otto Buchwitz auf dem Heidefriedhof in Dresden
Bildquelle: Von Paulae – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6235247

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Wie die Einheitspartei der deutschen Arbeiterklasse entstand

Warum war es notwendig, die Spaltung der Arbeiterklasse zu überwinden?

In den gemeinsamen Aktionen, wie sie seit dem Juni 1945 vielerorts von Kommunisten und Sozialdemokraten (Hier wird nicht gegendert. In der DDR wusste jeder, dass Frauen und Männer angesprochen waren. P.R.) angeregt worden waren, entstand bei einer wachsenden Zahl von Werktätigen (Erwerbstätige, arbeitenden Menschen P.R.) die Frage: Wozu brauchen wir eigentlich zwei Arbeiterparteien? Lag nicht gerade in der Spaltung unsere Schwäche? Müsste unsere Stärke und Unbesiegbarkeit nicht durch die Einheit der Arbeiterklasse besiegelt werden?

Um die Arbeiterklasse zur Führung in der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung zu befähigen und auch die anderen werktätigen Klassen und Schichten als Bündnispartner zu gewinnen, konnte die politische Einheit der revolutionären Partei ein entscheidender Faktor sein. Viele Kommunisten und Sozialdemokraten hatten in Konzentrationslagern und Zuchthäusern geschworen, nach ihrer Befreiung nur noch gemeinsam zu handeln.

O. Buchwitz: Brüder, in eins nun die Hände. Berlin 1956, S. 35

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Otto Buchwitz, bis zur Gründung der SED ein führender Funktionär der SPD, erwarb sich große Verdienste bei der Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterbewegung und der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung in Sachsen
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Den Monopolherren hatte die Spaltung der Arbeiterbewegung stets geholfen, ihre Herrschaft über die Arbeiterklasse aufrechtzuerhalten.

In den westlichen Besatzungszonen verboten die Militärbehörden die Vereinigung beider Arbeiterparteien. Sie beeinflussten auch Funktionäre der SPD, gegen die Vorbereitung des Vereinigungsparteitages aufzutreten. Die Schaffung der Einheitspartei im Osten Deutschlands konnten sie aber nicht aufhalten.

Bereits im Winter 1945 führten Kommunisten und Sozialdemokraten in Städten und Gemeinden gemeinsame Parteiversammlungen durch. In vielen Betrieben forderten die Arbeiter auf ihren Gewerkschaftsversammlungen, an dem ersten Kampftag der Arbeiterklasse im befreiten Deutschland, am 1. Mai 1946, hinter der Fahne der Einheitspartei zu marschieren. Der Kampf um die Einheit der Parteien fand seinen Höhepunkt im Vereinigungsparteitag am 21. Und 22. April 1946 in Berlin.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Wie der Vereinigungsparteitag begann

„Der imposante, repräsentative Saal des ‚Admiralpalastes‘ war ebenso festlich wie würdig geschmückt. Vor dem ‚Admiralspalast‘. Auf der Friedrichstraße, wogte eine nach Tausenden zählende Menschenmenge. Mehr als tausend Delegierte und Ehrengäste, dazu eine noch größere Zahl von Gästen und Zuhörern, füllten den mächtigen Raum bis auf den letzten Platz. Lebhaft und herzlich war durchweg die persönliche Begrüßung alter Kampfgenossen aus den bisher getrennten Parteilagern nach Jahrzehntelanger Spaltung. Nachdem die Fidelio-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven, gespielt vom Orchester der Staatsoper, verklungen war, betraten die beiden Parteivorsitzenden, Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, von verschiedenen Seiten kommend, die Bühne, trafen in der Mitte zusammen und reichten sich unter minutenlangem stürmischem Beifall der Delegierten und Gäste, die sich von ihren Plätzen erhoben hatten, die Hände. Einem Schwur gleich brause ein dreifaches Hoch auf die deutsche Arbeiterklasse durch den Saal.“

Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD, Berlin 1946, S. 10

Wilhelm Pieck (vorher KPD) und Otto Grotewohl (vorher SPD) reichen sich zu Beginn des Gründungsparteitages der SED symbolisch die Hände
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Zur Begrüßung der Delegierten sagte Otto Grotewohl: „Wer einen geschichtlichen Blick hat, der sieht Millionen von Sozialisten hinter uns stehen. Ein Aufatmen geht durch die Reihen…Ein alter Traum in Wirklichkeit geworden: die Einheit der deutschen Arbeiterklasse.“

Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD, Berlin 1946, S. 10

Wilhelm Pieck sagte in seinen Begrüßungsworten: „Wir werden unsere Sozialistische Einheitspartei zu der Millionenpartei des deutschen werktätigen Volkes machen, um damit alle inneren Feinde zu schlagen und das große Werk zu vollenden, den Sozialismus. Lieber Otto Grotewohl, das sei unser heiligstes Gelöbnis, das sei unsere Tat.“

SCHOLA 870 041

Plakat von Arno Mohr
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD, Berlin 1946, S 15

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Zu Vorsitzenden der SED wurden Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl gewählt. 

Der Vereinigungsparteitag beschloss das Programm der SED die „Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“. Sie enthielten alle wichtigen Forderungen des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945.

Mit der Gründung der SED wurde im Osten Deutschlands die Losung des alten Arbeiterkampfliedes „Brüder, in eins nun die Hände!“ Wirklichkeit.

SED-Logo
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

Durch die Gründung der SED konnte die Arbeiterklasse im Osten Deutschlands als einheitliche Kraft auftreten. Sie wurde befähigt, all antifaschistisch-demokratischen Parteien und Organisationen zu neuen Siegen über die Feinde des Volkes zu führen.

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR

Siehe auch: SozialistischeEinheitspartei  Deutschlands (SED)

und Die Gründung der SED und ihre historische Bedeutung

Die Zerschmetterung der deutsch-faschistischen Truppen bei Moskau

1. Die deutsche Offensive

Da Hitler eine Zerschmetterung der Roten Armee in den ersten Kriegsmonaten nicht erreicht hatte, beschloss er, alle Kräfte Deutschlands und seiner Verbündeten für eine neue offensive anzuspannen. Er nahm die mitgenommenen und zerschlagenen Divisionen zurück und schickte die Reserven an die Front. Er zog viele Arbeiter der Rüstungsbetriebe in die Armee ein und ersetzte diese mit ausländischen Arbeitern, die aus den eroberten Ländern zwangsweise herangetrieben wurden. Er schickte einen Teil der Besatzungsdivisionen aus Frankreich, Belgien und Norwegen an die sowjetisch-deutsche Front und zwang auch seine Vasallen, neues Kanonenfutter zu liefern. Rumänien, Ungarn und Finnland schickten weitere Dutzende von Divisionen an die Front, Italien schickte Deutschland eine ganze Armee zu Hilfe.

Am 2. Oktober 1941 startete Hitler eine neue Offensive. Ersetzte im Osten die Hauptmasse seiner Luftwaffe, Artillerie und Panzerwaffe ein. Das hitlerische Oberkommando stellte seinen Truppen folgende Aufgaben:

An der Südfront wurde befohlen, das Donezbecken zu erobern und zum Kaukasus durchzubrechen. Dazu wurden durch Hitler beträchtliche Kräfte, darunter auch die Panzertruppen des Generals von Kleist bereitgestellt, der von der faschistischen Presse prahlerisch als „unbesiegbar“ bezeichnet wurde.

Im Nordabschnitt der sowjetisch-deutschen Front ballten die Faschisten ihre Kräfte zu einer mächtigen Faust zusammen und beabsichtigten, in den Raum von Tichwin durchzubrechen, um die Leningrader Truppen völlig einzukreisen und die Stadt Leningrad durch Hunger zu erwürgen. Der Schlag gegen Tichwin verfolgte noch ein weiteres, für die Deutschen äußerst wichtiges Ziel. Wären sie zum Onegasee und weiter nördlich vorgedrungen, so hätten sie Reserven und Munition auf dem kürzesten Wege aus dem Baltikum nach Finnland befördern können. Außerdem hätte die Vereinigung mit den Truppen in Finnland den Faschisten die Möglichkeit geboten, ihre Kontrolle über die finnischen Truppenteile zu verstärken.

Den an der Kalininfront operierenden deutschen Truppen wurde die Aufgabe gestellt, nach Kalinin und weiter nördlich durchzubrechen, um einerseits Moskau mit Einkreisung zu bedrohen und andererseits die nach Archangelsk führende Eisenbahnlinie durchzuschneiden und dadurch den Nachschub an Munition, die auf dem nördlichen Wege eintraf, für die Sowjetunion zu verhindern.

Die Grund- und Hauptaufgabe der deutsch-faschistischen Truppen war aber die Einkesselung der Armeen, die Moskau verteidigten, und die Einnahme der Hauptstadt der Sowjetunion.

Am zweiten Tage nach Beginn der Offensive hielt Hitler eine Rede und erklärte, dass die Sowjetunion geschlagen sei und sich nie mehr erheben würde. Goebels befahl den Zeitungen für den 12. Oktober Platz für eine „besonders wichtige Meldung“ zu reservieren, wobei er andeutete, dass es sich um die Einnahme von Moskau handeln würde.

Im Oktober 1941 setzten die Deutschen bis zu 35 Divisionen gegen Moskau ein. Den Sowjettruppen der Westlichen Front drohte eine gewaltige „Zange“ aus der Richtung Rshew-Kalinin im Norden und Orel-Tula im Süden.

Innerhalb dieses Erschließungsringes wurden die Vorstöße aus drei Richtungen keilförmig vorgetragen: Wjasma-Moskau, Juchnow-Malojaroslawez-Moskau, Kaluga-Serpuchow-Moskau.

Nach zweiwöchigen erbitterten Kämpfen rückten die Deutschen 200 Kilometer in Richtung Moskau vor. Im Norden besetzten sie am 14. Oktober Kalinin, im Süden rückten sie in das Tula-Gebiet ein, im Zentrum eroberten sie Borodino und drangen am 18. Oktober in Moshajsk ein. Der Hauptstadt der Sowjetunion drohte ernste Gefahr.

2. Die Organisation der Verteidigung von Moskau

Am 13. Oktober 1941 wurden die Funktionäre der Moskauer Parteiorganisation zusammengerufen. Der Sekretär des Moskauer Komitees und des Moskauer Stadtkomitees der KPdSU(B), A.S.Schtscherbakow, berichtete den Versammelten über die ernste Lage an der Front bei Moskau. Das Parteiaktiv setzte die vordringlichsten praktischen Aufgaben der Bolschewiki und der Werktätigen der Stadt fest.

In der Hauptstadt wurde die Aufstellung von neuen Volkswehreinheiten in Angriff genommen. Es begann die Organisation von kommunistischen Arbeiterbataillonen- je einem in jedem der 25 Stadtbezirke von Moskau. Am Abend des 13. Oktober waren bereits in allen Bezirken die Kommandeure und die politischen Funktionäre für die Bataillone bestimmt. Am Morgen des 14. Oktober – lange vor der festgesetzten Zeit- kamen die Freiwilligen an den vorgesehenen Plätzen zusammen. In drei Tagen wurde die Aufstellung abgeschlossen. Es begann die Ausbildung. Nach weiteren drei bis vier Tagen bezogen die Bataillone Abschnitte der Verteidigungsfront.

Die zweite von den Werktätigen von Moskau gestellte Aufgabe war der Bau von Verteidigungslinien. Zehntausende von Moskauern nahmen den Bau von Panzersperren, Artilleriestellungen und Maschinengewehrnestern in Angriff. In beispielloser kurzer Frist wurde Moskau mit starken Verteidigungslinien umgürtet.

Schließlich mussten die zentralen Ämter und die wichtigsten Industriebetriebe aus Moskau verlagert werden, um nicht der Luftgefahr ausgesetzt zu sein. Die Arbeiter blieben Tag und Nacht in den Werken, um deren Verlagerung vorzubereiten. Hunderttausende Eisenbahnwaggons wurden in wenigen Tagen verladen.

Am 19. Oktober wurde durch eine Bestimmung des Staatlichen Verteidigungskomitees der Belagerungszustand über die Hauptstadt verhängt. Die Werktätigen von Moskau wurden zur aktiven Teilnahme an der Verteidigung und zur erbarmungslosen Bekämpfung der Provokateure, Spione und anderer Feindagenten aufgerufen. In der von J.W. Stalin unterzeichneten Bestimmung hieß es:

„Das Staatliche Verteidigungskomitee ruft alle Werktätigen der Hauptstadt auf, Ruhe und Ordnung zu bewahren sowie der Moskau verteidigenden Roten Armee jede Unterstützung zu gewähren.“

Die Augen aller Sowjetmenschen waren auf die Hauptstadt gerichtet. Aus dem fernen Chabarowsk, von den heldenmütigen Verteidigern der Halbinsel Hanko, von den Arbeitern des Werkes „Roter Oktober“ und anderer Stalingrader Werke, aus Gorki, aus Swerdlowsk, Archangelsk, Taschkent, Erewan, Tbilissi- aus allen Enden des Landes trafen brüderliche Grüße ein. Von überall eilten Verstärkungen heran, Von der Wolga kam Munition. Aus dem Ural trafen Panzer und Granatwerfer ein. Sibirien schickte Ersatz und Proviant. Das Land steigerte die Waffenproduktion für die Verteidiger von Moskau, für die Kämpfer an allen Fronten des Vaterländischen Krieges.

Moskau, Oktober 1941. Die Bevölkerung errichtet Panzersperren am Stadtrand
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Moskau, 7. November. Auf dem Roten Platz fand die traditionelle Kampfschau der Roten Armee am Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution Statt. Die Truppen marschierten von der Parade direkt an die Front
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947

Auf den Schlachtfeldern bei Moskau kämpften gegen den Feind die Söhne der vielen Völker der Sowjetunion: Russen aus den Zentralgebieten, aus dem Ural, aus dem Norden und aus Sibirien, Söhne des Kaukasus und der Ukraine, Bjelorussen und Turkmenen, Kaschen und Kirgisen, Litauer, Letten, Esten. Allen Kriegern lag die Hauptstadt der Sowjetunion in gleicher Weise am Herzen. (davon wollen einige der nun selbstständigen Länder heute nichts mehr wissen. P.R.)

Moskau-die Stadt, in der die Sowjetmacht gewachsen und erstarkt war, von wo sämtliche historischen Beschlüsse und Erlasse der Sowjetregierung ausgegangen waren, in der Lenin schaffen und gearbeitet hatte und in der Stalin schafft und arbeitet (Als das Buch geschrieben wurde, lebte Stalin noch. P.R.), spannte ihre Kräfte für die Verteidigung an. Die Moskauer wurden durch den Gedanken begeistert, dass Stalin unter ihnen weilte und den Kampf ruhig und zuversichtlich leitete.

Mit jedem Tag versteifte sich der Widerstand der Divisionen der sowjetischen Westfront. Immer häufiger und stärker wurden die Gegenschläge der Sowjettruppen. Das Tempo des Vorrückens der hitlerischen Divisionen ließ von Tag zu Tag nach.

Das Deutsche Nachrichtenbüro berief sich auf unvorhergesehene Umstände und setzte den 25. Oktober als einen neuen Termin für die Einnahme von Moskau fest. Auch diese Frist verstrich, aber das Ende der Schlacht um Moskau war noch gar nicht abzusehen. Die verlogenen Nazischreiberlinge begannen von einem Missverständnis zu sprechen: die Deutschen hätten angenommen, das in der Sowjetunion noch der Julianische Kalender in Kraft sei, während in Wirklichkeit längst der Gregorianische Kalender gelte und der 25. Oktober als der 7. November sei: an diesem Tage würde Hitler die Parade seiner Truppen auf dem Roten Platz abnehmen.

An diesem Tage fand in Moskau tatsächlich eine Parade statt, aber es war die traditionelle Kampfschau der Roten Armee am Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Bei Moskau waren erbitterte Kämpfe im Gange. Einige Tagesmärsche von der Stadt entfernt donnerten ununterbrochen Geschütze. Vier- bis fünfmal täglich wurde Luftalarm gegeben. Tag und Nacht griffen die faschistischen Bomber Moskau an. Und in dieser ungemein angespannten frontmäßigen Situation fand in Moskau am 6. November die Festsitzung des Moskauer Sowjets statt. Am Morgen des 7. November wurde auf dem Roten Platz die Truppenparade veranstaltet. Sowohl auf der Sitzung als auch bei der Parade sprach der große Führer der Völker der Sowjetunion J.W. Stalin Allein die Situation, in der Stalin seine Rede hielt, zeugte davon, dass die Sowjetunion über ausreichende Reserven verfügte, denn auf dem Platz der Stadt, vor der in wenigen Kilometern Entfernung erbitterte Kämpfe tobten, waren Zehntausende von Kämpfern aufmarschiert. Die Parade der Roten Armee am 7. November 1942 war das beste Zeichen für die Standhaftigkeit, Ruhe und die feste Siegeszuversicht des Sowjetvolkes.

Der große Feldherr betonte in seiner historischen Rede auf der Festsitzung am 6. November 1941, dass die faschistischen Pläne des „Blitzkrieges“ gescheitert seien. Stalin wies darauf hin, dass die dem Lande drohende Gefahr im Vergleich zum Juli größer geworden sei, erklärte aber gleichzeitig, dass der Feind sich in allen Plänen verrechnet hätte. Es würde ihm nicht gelingen, den Widerstand der Sowjetunion zu brechen und die Sowjetunion zu vernichten, die Kräfte des Feindes gingen zur Neige, während die der Sowjetunion und der gesamten Anti-Hitler-Koalition im ständigen Wachsen begriffen wären.

In genialer Voraussicht sprach J.W. Stalin von der herannahenden unvermeidlichen Zerschmetterung der Faschisten.

Die Rede J.W. Stalins spornte das Sowjetvolk und seine Armee zu neuen Heldentaten an.

3. Die deutsche Novemberoffensive

Die deutsche Novemberoffensive war gescheitert. Die deutschen Truppen waren zwar vorgerückt, haben aber die vor Beginn der Generaloffensive von Hitler gestellten Aufgaben nicht erfüllt. Im Norden hielten die sowjetischen Truppen die deutschen Kräfte bei Kallinin auf und machten es ihnen unmöglich, ihren Erfolg aufzubauen. Im Süden blieb Gurderian bei Tula stecken, wo die Volkswehr und die regulären Sowjettruppen dem Ansturm des Feindes heroisch standhielten und die Stadt behaupteten. Die kolossalen Verluste der Deutschen blieben ergebnislos. Der Winter rückte heran. Hier und da fiel Schnee. Die für einen Blitzkrieg ausgerüstete Armee war zur Winter-Kriegführung unvorbereitet. Es wurde allen klar, dass sich die deutsche Führung verrechnet hatte. Nicht nur die Soldaten, sondern auch Angehörige des Offizierskorps begannen zu begreifen, dass man sie hinters Licht geführt hatte. Auch unter den Hitlervasallen waren die ersten Anzeichen von Gärung zu beobachten.

Die Hitlerleute brauchten irgendeinen überwältigenden Erfolg, um den Rausch der Armee und des Volkes nicht verfliegen zu lassen und ihre Vasallen zum Gehorsam zu zwingen. Dieser Erfolg musste unverzüglich, vor Anbruch des Winters, erzielt werden. Die Hitlerleute beschlossen, alle ihre Kräfte anzuspannen und die Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Lösung der einen Aufgabe: der Einnahme von Moskau zu konzentrieren. Sie waren der Meinung, dass der Verlust der Hauptstadt mit ihren Riesenbetrieben die Niederlage der Sowjetunion bedeuten und in jedem Falle weiteren Widerstand stark erschweren würde. Die Einnahme von Moskau würde große Beute und Winterquartier für die deutschen Soldaten bedeuten, die durch die Schuld ihrer Kommandeure ohne warme Kleidung waren. „Moskau ist einzunehmen!“ forderte Hitler.

Am 10. November wandte sich Hitler mit einem Befehl an seine Truppen, in dem er diesen letzten, „entscheidenden“ Angriff ankündigte. Der Weg“ so lautete der Befehl – „für einen vernichtenden und endgültigen Schlag, der den Gegner vor Ausbruch des Winters zerschmettern wird, ist frei.“

Über zwei Wochen bereiteten sich die Deutschen zu der neuen Offensive vor, die am 16. November begann. Sie füllten ihre zusammengeschrumpften Divisionen auf, brachten Flugzeuge, Panzer und Geschütze heran, zogen neue Truppenteile nach. Nun ließen sie 51 Divisionen, darunter 13 Panzer- und 5 motorisierte Divisionen gegen Moskau vorrücken. Die nördliche Gruppe aus zwei Panzerarmeen führte den Hauptstoß gegen Klein-Solnetschnogorsk-Rogatschewo-Jachroma-Dmitrow und Zielte weiter in den Rücken von Moskau. Die Panzerarmee des Generals Guderian rückte vom Süden gegen Tula-Kaschira vor, um weiter nach Rjasan-Kolomna-Orechowo-Sujewo vorzudringen und den Ring um Moskau zu schließen. Im Mittelabschnitt wurde der Stoß gegen Moskau von Istra, Swenigorod und Narofominsk geführt.

Es war nicht schwer zu erkennen, dass die Sowjettruppen es wiederum mit einer Zangenbewegung und keilförmigen Vorstößen zu tun hatten. Die Faschisten wandten den Plan ihrer Oktoberoffensive noch einmal an und gaben sich nicht einmal Mühe, die Stoßrichtung ihrer Truppen zu ändern.

Dabei hatte sich aber die Lage an der Front im November 1941 grundlegend geändert. Die Faschisten waren vor allem weit im Lande vorgedrungen und hatten sich von ihren Nachschubbasen weit entfernt. Die deutschen Nachschubwege waren länger geworden und gegen die Schläge der Partisanen empfindlicher. Die Rote Armee zog sich auf Moskau, in die zentralen Industriegebiete zurück, wo sich die bewährtesten proletarischen Kader befanden. Die Armee wurde ständig aufgefüllt.

Die Faschisten hatten bereits beim Angriff gegen Moskau alles eingesetzt, was sie besaßen. Das Sowjetische Oberkommando dagegen zog ständig neue Verstärkungen heran. Die heranrückenden Divisionen wurden außerhalb der Linie einer eventuellen Einkreisung Moskaus konzentriert. Die Reserven wurden an den Flanken konzentriert und drohten die Hitlersche „Zange“ ihrerseits zu umfassen.

Die Veränderung der Frontlage machte es der Roten Armee möglich, zur Gegenoffensive überzugehen und gerade bei Moskau mit der Zerschmetterung des Feindes zu beginnen. „..Ohne Rücksicht auf Verluste“, so hieß es in dem Bericht des Sowjetischen Nachrichtenbüros vom 25. November 1941, „stürmt der Feind weiter vorwärts. Er spannt die letzten Kräfte an, um Moskau zu erobern. Das hängt jedoch-wie man sagt- nicht nur von dem Angeber Hitler ab. Das sowjetische Millionenvolk und seine Rote Armee werden den Krieg nur mit einer restlosen Zerschmetterung des Feindes beenden. Diese Zerschmetterung des Feindes muss bei Moskau beginnen.“

Die kampfgestählte Rote Armee hielt dem wütenden Ansturm des Feindes stand und rieb ihn durch heftige und häufige Gegenstöße auf. In diesen Kämpfen schrieben die Sowjetkrieger heroische Seiten in die Chronik des Großen Befreiungskrieges. Auf den Befehl des Vaterlandes, Moskau zu verteidigen, antworteten Tausende und aber Tausende von Kriegern mit einer aufopfernden Erfüllung ihrer Pflicht.      So z.B. verteidigten am 16. November 28 Gardisten der Panfilow-Division unter Führung von W.G. Klotschkow an der Ausweichstelle Dubossekowo eine Stellung, die der Gegner mit 50 Panzern berannte. Der ungleiche Kampf dauerte vier Stunden. Durch Panzerbüchsen und Flaschen mit Zündstoff setzten die Gardisten einen Panzer nach dem anderen außer Gefecht. Die Helden fielen im Kampf, hielten aber die Panzer auf, bis die Verstärkung herangerückt war und der ausgeblutete Feind zurückgeworfen wurde.

Panzermänner und Infanteristen, Kanoniere und Kavalleristen, Maschinengewehr- und Maschinenpistolenschützen, Flieger und Granatwerferschützen, alle zeigten einen beispiellosen Heroismus, alle waren von dem einen Wunsche beseelt: den Feind zu vernichten.

Immer stärker entfaltete sich die Kampftätigkeit der Partisanen in den vorübergehend vom Feind besetzten Bezirken des Moskauer Gebietes. Sie griffen die Nachschubkolonnen der deutschen Einheiten an, sprengten Eisenbahnen und Chausseen, unterbrachen die Verbindungen, vernichteten Läger und Vorräte. Sie brachten den in den besetzten Gebieten Zurückgebliebenen Worte der Wahrheit, straften die prahlerische deutsche Propaganda Lügen und stärkten die Siegeszuversicht der Bevölkerung. Sie brachten den Einheiten der Roten Armee überaus wertvolle Informationen.

Das Sowjetvolk wird den Namen seiner Heldin Soja Kosmodemjanskaja nicht vergessen. Nach Kriegsaufbruch trat sie, Angehörige des Komsomol und Schülerin der 10. Klasse, freiwillig in die Armee ein. Befehlsgemäß schlug sie sich durch die Frontlinie. Die junge Patriotin wurde in der Abteilung „Partisanin Tanja“ genannt. In einer dunklen Winternacht durchschnitt sie Telefonleitungen und steckte im Dorf Petrischtschewo ein feindliches militärisches Objekt in Brand. Zwei Tage später, als Soja den Versuch unternahm, ein anderes wichtiges militärisches Objekt zu vernichten, gelang es den Hitlerleuten sie zu fassen. Die Partisanin musste bestialische Martern erleiden. Aus dem tapferen Mädchen war ein einziges Wort herauszubringen. Die Folter vermochte ihren Willen-den Willen eines stolzen Sowjetmenschen- nicht zu brechen. Schon mit der Schlinge um den Hals, wandte sich die junge Heldin an die zur Hinrichtungsstätte zusammengetriebenen Bauern mit einem flammenden Aufruf, die Faschisten zu vernichten. „Stalin ist mit uns! Stalin wird kommen!“ rief sie vor ihrem Tode aus.

„Ich bin nicht allein. Wir sind zweihundert Millionen! Mit allen werdet ihr nicht fertig!“ rief die heldenmütige Partisanin Soja Kosmodemjanskja vor ihrer Hinrichtung den Hitlerleuten ins Gesicht. (Das Bild wurde einem gefangen deutschen Offizier abgenommen)
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947

4. Die Niederlage der deutschen Truppen vor Moskau

Der Widerstand der Roten Armee wurde immer entschlossener. Die Lage an der Front blieb jedoch gespannt. Im Nordwesten war es den Deutschen gelungen, Klin und Solnetschnogorsk einzunehmen, im Süden umgingen sie die uneinnehmbare Stadt Tula und näherten sich Kaschira. Bei Leningrad nahm der deutsche General Schmidt Tischwin ein, im äußersten Süden waren die Hitlertruppen in Rostow eingedrungen.

Die Einnahme von Rostow gab den Nazis Anlass zu einer gewaltigen Propaganda. „Jetzt“, so gellte es durch den Äther, „steht Deutschland der Weg zu den Erdölfeldern des Kaukasus offen.“ Die Hitlergenerale teilten bereits das sowjetische Erdöl auf, während die faschistischen Diplomaten sich in den Vorzimmern einer Reihe neutraler Länder herumdrückten und diesen zuredeten sich auf die Seite Deutschlands zu schlagen, das angeblich alles Notwendige besaß, um die Welt zu besiegen.

Das Geheul der Faschisten war jedoch noch nicht im Äther verklungen, als der Rundfunk die Meldung von der Befreiung Rostows brachte. Nachdem sie Verstärkung erhalten und sich auf Befehl des Obersten Befehlshabers umgruppiert hatten, warfen die Sowjettruppen die Faschisten aus der Stadt und trieben sie nach dem Westen, auf Tagonrog zurück. Der Sieg wurde durch die gleichen Truppenteile errungen, die der faschistische Rundfunk bereits als vernichtet oder eingekesselt gemeldet hatte, und durch die gleichen Kommandeure, die dem Berliner Rundfunk zufolge gefallen oder gefangengenommen waren.

Bei Moskau rückten die Hitlertruppen zwar vor, aber immer langsamer und unter immer größeren Anstrengungen. Zu Beginn der Novemberoffensive rückten sie 10-20 km täglich vor, dann ging das Tempo bis auf 2 oder 3 km täglich herunter. Gegen Ende November war ihr Vorrücken bereits nach Metern zu bemessen. Jeder Fußbreit Boden war mit deutschen Gefallenen besät. Durch verzweifelte Anstrengungen erreichte der Feind nur an einigen Stellen das Vorfeld der Stadt. Die ausgeblutete Hitlerarmee, die ihre Reserven erschöpft hatte, versuchte vergeblich, sich vorwärtszukämpfen. Sie versuchte, die Flanken der Sowjettruppen zu umgehen, wurde aber zurückgeschlagen. Voll Wut stürmten die Faschisten im Mittelabschnitt frontal gegen Moskau vor, aber die sowjetischen Truppen hielten wie ein Wellenbrecher stand und warfen die feindlichen Angriffswelle zurück. Die Deutschen waren augenscheinlich außer Atem. Es kam der Moment für einen entscheidenden Gegenschlag.

Am 6. Dezember 1941 begann auf Befehl Stalins die Offensive, um die deutsche „Zange“ zu sprengen. Die an Moskau nördlich und südlich herangebrachten Reserven wurden gerade an jenen Stellen eingesetzt, wo die Faschisten die Front zu durchbrechen und den Ring um die Hauptstadt zu schließen gedachten. Die Deutschen wurden selbst von einer Einkesselung bedroht. Sie begannen sich eilig zurückzuziehen. Die Rote Armee verstärke den Druck. Die gesamte sowjetische Westliche Front ging zu einem entschlossenen Angriff über und versetzte dem Feind einen vernichtenden Schlag.

Am 6. Dezember 1941 verkündete die Sowjetartillerie den Beginn der Zerschmetterung der Hitlertruppen bei Moskau
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947

Die desorganisierten und geschlagenen deutschen Truppen flüchteten und ließen Geschütze, Lastwagen, Panzer sowie Tausende von Toten, Verwundeten und Erfrorenen auf dem Schlachtfeld zurück.

Jeder Tag brachte immer neue Meldungen über die Erfolge der Sowjettruppen. In kurzer Zeit wurde fast das gesamte Moskauer Gebiet befreit. Allein während der 40 Tage der ununterbrochenen sowjetischen Offensive-bis zum 15. Januar 1942- verloren die Deutschen nur an Toten etwa 300 000 Soldaten und Offiziere. Die Rote Armee erbeutete Waffen und Munition aller Art in Mengen, die ausgereicht hätten, um einige Dutzende von Divisionen auszurüsten. Das war die erste große Niederlage, die den Deutschen in diesem Krieg beigebracht wurde. Sie hinterließ der ganzen Welt einen gewaltigen Eindruck. Die gesamte fortschrittliche Menschheit spendete der Roten Armee Beifall.

Die Gerüchte über die Niederlage und die gewaltigen Verluste der Hitlerarmee vor Moskau drangen nach Deutschland durch. Die nazistische Presse war gezwungen, einen anderen Ton anzuschlagen. Das deutsche Nachrichtenbüro teilte zunächst mit, dass an der Front „Kämpfe von örtlicher Bedeutung“ im Gange seien und später, dass „der Gegner erbitterte Angriffe unternehme“.

Schließlich gaben die Nazis das Scheitern ihres Planes zu, erklärten aber dabei…dass der Winter sie daran gehindert hätte, Moskau einzunehmen.

Das Sowjetische Nachrichtenbüro entlarvte die plumpen Versuche der Nazis, ihre Niederlage durch Wetterbedingungen zu entschuldigen, und führte aus:

„Die Deutschen beschweren sich über den Winter und behaupten, dass dieser sie gehindert hätte, den Plan von der Einnahme Moskaus zu verwirklichen. Aber erstens gibt es bei uns vor Moskau noch keinen richtigen Winter, weil die Temperatur noch nicht unter minus 3-5 Grad ist. Zweitens beweisen die Beschwerden über den Winter bloß, dass die Deutschen es versäumt haben, ihre Armee mit warmer Kleidung auszustatten, obwohl sie laut genug verkündet hatten, dass sie sich für einen Winterfeldzug vorbereitet hätten. Sie haben ihre Armee deshalb nicht mit Winterkleidung ausgestattet, weil sie den Krieg vor Ausbruch des Winters zu enden hofften. Die Hoffnungen der Deutschen haben sich jedoch, wie man sieht, nicht bewahrheitet. Hier haben sich die Deutschen gefährlich verrechnet. Die Fehlrechnung in den deutschen Plänen kann man jedoch keinesfalls durch die winterlichen Bedingungen des Feldzuges erklären. Nicht der Winter ist schuld, sondern ein organisatorischer Fehler in der Arbeit des deutschen Oberkommandos auf dem Gebiet der Kriegsplanung.“

Die Schlacht vor Moskau hatte gewaltige Bedeutung. Vor Moskau wurde der Hitlerarmee ein vernichtender Schlag versetzt.

Nie Niederlage vor Moskau hat die Moral des Feindes stark erschüttert. Zerfallserscheinungen traten in der Hitlerarmee auf. Die Moskauer Schlacht hat das Fiasko der faschistischen Kriegskunst bloßgestellt. Der Führer der Roten Armee und des gesamten Sowjetvolkes, J.W. Stalin, erriet die feindlichen Pläne und wählte den günstigsten Augenblick, um den Gegenschlag zu führen.

Die Niederlage der Hitlerleute vor Moskau trug den Mythos von der Unbesiegbarkeit der deutsch-faschistischen Armee endgültig zu Grabe.

Die Rote Armee entriss dem Feind jene vorrübergehenden Vorteile, über die er zu Beginn des Kriegs verfügte. „Heute haben die Deutschen nicht mehr den militärischen Vorsprung, den sie infolge des wortbrüchigen und überraschenden Überfalls in den ersten Kriegsmonaten hatten“, schrieb J.W. Stalin in seinem Befehl vom 23. Februar 1942. „Die Momente der Überraschung und des Unerwarteten als Reserven der faschistischen deutschen Truppen sind vollständig verausgabt. Dadurch ist jene Ungleichheit in den Kampfbedingungen beseitig, die durch die Überraschung des faschistischen deutschen Überfalls geschaffen worden war. Nunmehr wird das Schicksal des Krieges nicht durch solch ein zufälliges Moment wie das Moment der Überraschung entschieden werden, sondern durch die ständig wirkenden Faktoren: die Festigkeit des Hinterlandes, die Moral der Armee, die Quantität und Qualität der Divisionen, die Bewaffnung der Armee, die organisatorischen Fähigkeiten des Kommandobestandes der Armee.“

5. Die Gegenoffensive der Roten Armee im Winter 1941/42

Die durch den Sieg bei Moskau beflügelte Armee trug die Gegenoffensive auch in anderen Richtungen erfolgreich vor.

Im Norden zerschlugen die sowjetischen Truppen unter dem Befehl von Armeegeneral, heute (1947 P.R.) Marschall der Sowjetunion Merezkow, die Ende November zum Angriff angetreten waren, das XXXIX. Deutsche Armeekorps und befreiten am 9. Dezember Tichwin. Der Versuch der Deutschen, Leningrad einzuschließen und sich mit den Finnen am Onegasee zu vereinigen, war gescheitert. Die bei Tichwin geschlagenen Deutschen versuchten, auf den Zwischenstellungen Widerstand zu leisten, wurden aber aus ihren Stellungen geworfen und zogen sich eilig zum Wolchofluss zurück. Die Sowjettruppen blieben den Deutschen ständig auf den Fersen und erkämpften mehrere Brückenköpfe am linken Ufer des Flusses.

Ein glänzender Erfolg wurde von den Sowjettruppen auf der Krim erzielt. Ende Dezember überquerten die Truppen der Kaukasischen Front im engen Zusammenwirken mit der Schwarzmeerflotte die Meerenge von Kertsch im Sturm. Auch Feodosia wurde befreit.

Mitte Januar 1942 durchbrachen die Sowjettruppen der Kalinin- und Nordwestlichen Front die Verteidigung der Deutschen südlich der Städte Ostaschkowo und Selisharowo und rückten um mehr als 100 km vor. Eine der wichtigsten Nachschublinien des Feindes – die Eisenbahnlinie Rshew-Welikije Luki – wurde durchschnitten. Im Süden rückten die Truppen der sowjetischen Südwestlichen und Südlichen Front um 100 km vor und besetzten Barwenkowo und Losowaja.

Zum Jahrestag der Roten Armee, am 23. Februar 1942, waren die Gebiete von Moskau und Tula, ein beträchtlicher Teil des Kaliningebietes und ein Teil des Leningrader Gebietes befreit und die Befreiung der Gebiete von Smolensk und Orel, der Krim sowie des Gebietes von Charkow, des Donezbeckens und anderer ukrainischer Bezirke (Stand damals. Heute will die Ukraine nichts mehr von wissen. P.R.) in Angriff genommen. Insgesamt befreite die Rote Armee während des Winterfeldzuges über 11 000 Ortschaften und darunter über 60 Städte.

Die Winteroffensive der Roten Armee machte die Pläne der Hitlerleute zur Eroberung von Moskau, Leningrad, des Kaukasus und des zentralen Teils von Russland zunichte. Sie verurteilte auch den deutschen Versuch, den Winter über hinter einer Verteidigungslinie auszuharren, zum Scheitern. Das Hitlerkommando konnte seinen Truppen nicht nur keine Ruhepause gönnen, sondern war gezwungen, Ersatz aus den Reserven, die für die Frühjahrsoffensive vorgesehen waren, an die sowjetische Front zu schicken. Allein im Januar und Februar 1942 warf Hitler etwa 30 Divisionen aus Frankreich, Dänemark, Griechenland und aus Deutschland selbst an die Ostfront. Im Laufe der Winteroffensive der Roten Armee büßte die Hitlerarmee etwa 1 Million Menschen ein, die Verwundeten und Erfrorenen nicht eingerechnet. Die Elitedivisionen der Faschisten waren bei Moskau, Rostow, Tichwin, Kertsch und in der Ukraine geblieben.

„…Es brauchte nur das Moment der Überraschung aus dem Arsenal der Deutschen zu verschwinden“, sagte J.W. Stalin, „damit die faschistische Deutsche Armee vor einer Katastrophe stand.“

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4, aus dem Jahre 1947, Original-Autoren I.I. Minz, I.M. Rasgon und A. L. Sidorow, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“

Vorwort zur Ausgabe April 2024

Diese Ausgabe beschäftigt sich mit dem II. Weltkrieg aus sowjetischer Sicht. Dort wurde der Krieg Großer Vaterländischer Krieg genannt. Der Original-Text stammt  dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947.. Da waren die Kriegserinnerungen noch frisch.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit einem Ausreiseantrag zweier Freundinnen, die gegen die DDR eingestellt sind. DIE TROMMLER hat damalige amtliche Papiere ausgewertet, die heute der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Siehe Inhaltsverzeichnis.

DDR: Zu den Ausreiseanträgen zweier Freundinnen

Bild: Ausschnitt aus Broschürentitel vom Bundesarchiv/Stasi-Unterlagen-Archiv (Hg), OV „Zwillinge“. Als zwei Freundinnen Ausreiseanträge stellten. Auszug aus Stasi-Akten. Redaktion: Bettina Altendorf, Axel Janowitz, Andreas Schiller, Berlin 2022

Am 1. April 1976 stellte Silke Spahr einen Ausreiseantrag aus der DDR.

Sie war seit September 1971 als Sekretärin (keine Chefsekretärin, sondern Schreibkraft im Schreibmaschinensaal. In der DDR wurden wohl alle Schreibkräfte als Sekretärin bezeichnet. P.R.) beim Verlag NEUES DEUTSCHLAND beschäftigt. Eine gute Stelle, die sie so einfach gefährdete. Bei einem, heute würde man sagen Tendenzbetrieb, ist doch wirklich Loyalität zu erwarten.

Frau Spahr gibt an zu ihrer Tante in der BRD zu wollen. Zunächst gibt sie nur private Gründe an.  Doch dann mokiert sie sich darüber, dass es in der DDR nicht die freie Wahl der Wohnsitznahme gab. Sie hätte doch intelligent genug sein müssen, um zu wissen, dass man diese Äußerung im Ausreiseantrag besser weggelassen hätte. Das steht im Widerspruch dazu, dass sie sagt, ihr Antrag hätte keine politischen Hintergründe und dass sie die DDR nicht diskreditieren wollte.

Ob die Tante finanziell gut gestellt war, interessierte die DDR-Behörden wohl herzlich wenig, soweit sie ihr Geld nicht in der DDR ausgab.

Dann folgt ein Abschnitt, wo Frau Spahr angibt, die BRD als Ausreiseland gewählt zu haben, um reisen zu können.  Soviel Intelligenz hätte sie doch besitzen müssen, dass gerade darauf die DDR-Behörden empfindlich reagieren. Und was ist ein Urlaub gegen den Alltag? Diese Relation hatte Frau Spahr auch nicht bedacht.

Dann kommt ein Abschnitt von wegen UNO-Mitgliedschaft der DDR und der Schlussakte von Helenski.  Nun wird sie doch politisch. Übrigens hatte die DDR diesen Punkt in der Helsinki-Akte nicht unterzeichnet. Das hätte Frau Spahr in der örtlichen Bücherei in Erfahrung bringen können.

Dann geht sie wieder auf eine Erklärung der Menschenrechte ein. All diesen „Kram“ hätte sie weglassen sollen und sich nur auf die Familienzusammenführung mit der Tante konzentrieren sollen. Dann hätte es wohl geklappt mit dem Ausreiseantrag.

Von einer Angestellten beim Verlag NEUES DEUTSCHLAND wäre mehr Intelligenz und Kenntnisse der politischen Sachlage zu erwarten gewesen.

Ebenfalls am 1. April 1976 stellte Ilona Seeber einen Ausreiseantrag aus der DDR.

Sie war ebenfalls beim Verlag NEUES DEUTSCHALND als Sekretärin (keine Chefsekretärin, sondern Schreibkraft im Schreibmaschinensaal. In der DDR wurden wohl alle Schreibkräfte als Sekretärin bezeichnet. P.R.)   beschäftigt.  Auch sie gefährdete ihre gute Stelle in einem, wie man heute sagen würde, Tendenzbetrieb. Auch mit ihrer Loyalität war es nicht weit her.

Frau Seeber hat ebenfalls eine Tante in der BRD. Auch sie macht die gleichen Fehler, wie Frau Spahr. Anstatt sich auf die Zusammenführung mit ihrer Tante zu konzentrieren und anderen „Kram“ wegzulassen, folgt, nach der anfänglichen Behauptung, dass der Antrag keine politischen Hintergründe hätte, im Widerspruch dazu doch einige politischen Statements.

Es geht wieder um die fehlende Reisefreiheit und der fehlenden Freiheit der Wahl des Wohnsitzes. Soviel Intelligenz hätte sie doch besitzen müssen, dass gerade darauf die DDR-Behörden empfindlich reagieren. Und was ist ein Urlaub gegen den Alltag? Diese Relation hatte Frau Seeber auch nicht bedacht.

Dann folgt das Gleiche, wie bei Frau Spahr mit der UNO-Mitgliedschaft der DDR und der Schlussakte von Helsinki, was doch letztendlich keinen Sinn gemacht hat.

Gleichzeitig am 1. April 1976 verfasst Frau Spahr ein Schreiben an den BRD-Minister für Innerdeutsche Beziehungen, Egon Franke.

Sie legt diesem Schreiben eine Kopie ihres Ausreiseantrages und eines Schreibens an den Innenminister der DDR, Friedrich Dickel, bei. Dieses Schreiben schickt sie über ihre Tante an den Bundesminister Egon Franke und gibt für etwaige Antworten die Adresse ihrer Tante an. Das ist doch total sinnlos. Erstmal erreicht das Schreiben den Minister gar nicht, sondern bleibt in seinem Büro hängen. Falls es nicht gleich in den Papierkorb fliegt, schickt jemand aus dem Büro ein „Lari-Fari“-Schreiben als Antwort. Ebenso verhält es sich mit dem Innenminister der DDR, Friedrich Dickel. Soviel Intelligenz hätte Frau Spahr doch haben müssen, dass diese Schreiben sinnlos waren.

Frau Seeber schickt auch ein Schreiben, über ihre Tante, an den BRD-Minister für Innerdeutsche Beziehungen, Egon Franke.

Auch Frau Seeber hat für eine Mitarbeiterin beim Verlag NEUES DEUTSCHLAND wenig Intelligenz.

Ein Bericht der Postzollfahndung vom 19. April 1976 zeigt, dass die Briefe in die BRD   „herausgefischt“ wurden.

All dieser unnütze Schriftverkehr macht den beiden auch noch unnütze Schwierigkeiten.

Laut der Postzollfahndung ist auch davon die Rede, dass sich die beiden an die Ständige Vertretung der BRD in der DDR wandten.

Am 2. November 1976 gab es ein Gespräch mit Frau Spahr bezüglich der Ablehnung der Ausreise.

Hier ist ersichtlich, dass doch die üblichen politischen Gründe dahintersteckten, die sich gegen die DDR richten.

Sie beschwerte sich darüber, dass ihr beim Verlag NEUES DEUTSCHLAND gekündigt wurde. Was erwartete sie denn? Selbst in der BRD, auch in der heutigen Zeit, wird man auch bei einem Tendenzbetrieb gekündigt, wenn man sich gegen dessen Ziele wendet.

Da sie noch keine neue Arbeitsstelle hatte, wurde sie an das Arbeitsamt verwiesen.

In dem Schreiben gibt es eine Anmerkung, dass die Anträge von Frau Spahr und Frau Seeber gleichlautend waren und dass die beiden in einer Wohngemeinschaft zusammenlebten. (Betriebswohnung des ND) 

Am 8. Februar 1977 folgte das zweite Ablehnungsgespräch mit Frau Spahr und Frau Seeber.

Die beiden erschienen spontan und ohne Vorladung und erkundigten sich nach dem Bearbeitungsstand ihrer Anträge. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass die Anträge vom 10. Januar 1977 abgelehnt worden sind.

Daraufhin erklärten beide empört, dass sie arbeitslos seien und nicht mehr länger in der DDR leben möchten. Es wurde ihnen erklärt, dass sie ihre (gute) Stelle wegen ihrer Antragstellung und gegnerischen Haltung zur DDR verloren hätten. Sie wurden zum Arbeitsamt verwiesen.

Dann beriefen sich die beiden auf diverse internationale Abkommen. Wovon sie wohl keine Ahnung hatten und nur nachplapperten.

Es wird vermerkt, dass die 1. Ablehnung am 2. November 1976 erfolgte und das Auftreten der beiden frech, fordernd und sehr überheblich war.

Sachstandsbericht vom 30.04.1977 Hauptabteilung XX/AG RV

Nun kommt das MfS „ins Spiel“. Der Sachstandsbericht betrifft alle beiden Freundinnen.

Aktendeckel
Bildquelle: Stasi-Unterlagen-Archiv „Einblick ins Geheime“ https://www.einblick-ins-geheime.de/de/beispielakten/aop-zwillinge/

Dieser fängt damit an, dass die beiden im Schreibzimmer des Verlages „Neues Deutschland“ tätig waren.

Am 01.04.1976 stellten beide einen an das MdI (Innenministerium der DDR) gerichteten Antrag auf Ausreise aus der DDR, Zielland BRD.

In der Folgezeit stellten beide gleichlautende Anträge auf Ausreise, bzw. Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR. Und zwar

  • am 08.09.1976
  • am 05.11.1976
  • am 10.01.1977

Es wird vermerkt, dass die beiden sich auf die Charta der Vereinten Nation über die Menschenrechte sowie die Schlussakte von Helsinki beriefen und fest auf ihrem Vorhaben beharrten.

Dann wird die Ablehnung vermerkt und dass die beiden in den jeweiligen Aussprachen nicht von ihrem Vorhaben abzubringen waren.

Niedergeschrieben ist auch, dass die beiden am 23.07.1977 weitere Schreiben an das MdI (Innenministerium der DDR) und den Staatsratsvorsitzenden der DDR mit der Forderung richteten, den Anträgen stattzugeben.

Durch die Kaderabteilung (so wurde in der DDR die Personalabteilung bezeichnet. P.R.) des ND wurde mit den Eltern von Frau Spahr im August 1976 eine Aussprache betreffs des Ausreiseantrages ihrer Tochter geführt. Die Eltern versuchten ständig, ihre Tochter von diesem Vorhaben abzubringen. (Also war das mit der Tante ein vorgeschobener Grund. Ginge es tatsächlich um eine Familienangelegenheit, wären ja die Eltern involviert und würden ihre Tochter unterstützen. P.R.)

Dann wurde im August 1076 das Arbeitsverhältnis der beiden gekündigt. Doch in der DDR wurde niemand auf die Straße geworfen. Durch den Verlag des ND wurden den beiden nach der Kündigung vier Arbeitsstellen zugewiesen:

  1. Autotrans Berlin
  2. EAW Treptow
  3. VEB lufttechnische Anlagen Berlin
  4. VE Kühlbetrieb Berlin

Bei drei Arbeitsstellen habe sie sich nicht beworben und bei VEB Autotrans Berlin haben sie es abgelehnt, dort eine Tätigkeit in der Produktion aufzunehmen. (Was wollten sie? Sollen froh sein, dass sie mehrere Arbeitsstellen zur Auswahl angeboten bekamen. Außerdem ist Produktion doch besser, wie ein Schreibmaschinensaal.P.R.)

Anfang 1977 haben sich Frau Spahr und Frau Seeber bei der Sportstättenverwaltung Berlin beworben, um dort halbtags als Sauna-Kräfte zu arbeiten. Jedoch wurden dort von beiden Forderungen erhaben, die von der Sportstättenverwaltung nicht zu erfüllen waren und es erfolgte dort keine Einstellung. (Menschenskinder, in der von ihnen geliebten BRD hätten sie von vornherein keine Forderungen stellen können. P.R.)

Im Februar 1977 wurde über den Rat der Stadt, Abt. Inneres, durch das Amt für Arbeit (Also dem Arbeitsamt. P.R.) den beiden Arbeit zugewiesen.

Frau Spahr sollte im Betrieb Pentacon eingestellt werden und Frau Seeber sollte eine Tätigkeit im VEB Lufttechnische Anlagen eine Arbeit aufnehmen.

Da die beiden nicht zusammen in einem Betrieb arbeiten konnten, lehnten sie dieses Angebot ab und wandten sich daraufhin an das Amt für Arbeit (das Arbeitsamt P.R.) mit der Bitte um neue Vermittlung. (Das hätten sie schon damals nicht in ihrer geliebten BRD machen können. Da hätte es eine Sperre für den Geldbezug geben. Heute ist das noch viel schlimmer und niemand kann sich solche Sperenzien erlauben. Da steht man schnell ohne Geld da. P.R.)

Sie wurden an das Kinderwochenheim „Makarenko“ – Königsheide verwiesen, haben sich dort aber nicht beworben.

Wovon Frau Spahr und Frau Seeber ihren Lebensunterhalt bestritten haben, war nicht bekannt. Vermutlich ließen sie sich von Freunden und Bekannten aushalten. Inoffiziell wurde bekannt, dass sie von einer Auszahlung aus einer Versicherung (2000 bis 3000 Mark) leben sollten.

Aus einem Beobachtungsbericht vom Oktober 1976 geht hervor, dass die beiden Kontakt zu 2 Ausländern, vermutlich Mitarbeiter der bulgarischen Botschaft in der DDR, hatten.

Frau Spahr und Frau Seeber bewohnten seinerzeit immernoch die Wohnung des ND.  Seitens der Kaderabteilung (Personalabteilung P.R.) wurde ihnen die Auflage erteilt, die Wohnung so schnell wie möglich zu räumen und sich eine Arbeit zu suchen, da die Wohnung dringend vom ND benötigt wurde. Die Miete wurde von den beiden pünktlich bezahlt. (Kündigung wegen Eigenbedarf gab es in der in der DDR nicht. Es wurde niemand auf die Straße gesetzt. Die beiden nutzten, trotz ihres Hasses auf die DDR, diesen Umstand gnadenlos aus. Übrigens war es in der DDR gar nicht so leicht eine Wohnung zu bekommen. Als Single oder WG schon mal gar nicht. Bei den beiden war das schon eine Ausnahme. Aber darüber dachten sie doch nicht nach. Sie bewohnten die Wohnung noch bis zum Schluss. Im Film behaupten sie, dass sie ihre Wohnung durch Erpressung behalten haben. Sie hätten damit gedroht, ein Kamerateam eines westlichen Fernsehsenders zu bestellen, welches die Zwangsräumung filmen würde. In der DDR gab es keine Zwangsräumungen. Woher hätten sie das Kamerateam bestellen sollen? Völliger Humbug, was die da erzählt haben. Es war unfair die Wohnung weiterhin zu nutzen, während möglicherweise ein ehrlicher Mitarbeiter, eine ehrliche Mitarbeiterin des ND ohne Wohnung dastand, auch wenn bereits eine Familie gegründet war. P.R.)

Eröffnungsbericht zur OPK (Operative Personenkontrolle des MfS) „Zwillinge“ vom 27.02.1978

Zunächst geht es um Frau Spahr. Zwischenzeitlich arbeitete sie als Serviererin in einem Eiskaffee.

Zunächst wird über die Ausreiseanträge und Briefe an Politiker, einschließlich Erich Honecker, und Institutionen berichtet. Es wird ist vermerkt worden, dass Frau Spahr gegen die DDR ist.

Im August wurde ihr beim ND gekündigt. Dies wurde von ihr zum Anlass genommen, dass sie in der DDR mit Berufsverbot belegt wäre. (Dabei hatte sie doch andere Stellen angeboten bekommen. Auch in der BRD wird man in einem Tendenzbetrieb, wie Partei oder Kirche, gekündigt, wenn man dessen Ziele ablehnt. P.R.)

Frau Spahr hatte zahlreiche Kontakte zu Ausländern, die sie zum größten Teil im Hotel „Metropol“ kennenlernte. Dort wohnte sie, gemeinsam mit ihrer Freundin, Frau Seeber, mit verschiedenen Ausländern ohne Anmeldung. (Ich frage mich, wie das möglich war. Laut meinen Erfahrungen durfte man im Hotelzimmer keinen Besuch empfangen und es war unmöglich „schwarz“ dort zu wohnen. Vielleicht waren die Regeln erst später so streng. P.R.)

Es war nicht auszuschließen, dass die beiden diese Kontakte für ihr Ziel, die DDR zu verlassen, nutzten. (Laut Film wollten sie diese Kontakte nutzen. Sie hofften einen Bulgaren heiraten zu können und über Bulgarien leichter in die BRD zu kommen. Hat aber nicht geklappt. P.R.)

In ihrem Ersuchen vom 19.04.1977 kritisierte sie die Maßnahmen gegen Biermann (Mensch immer wieder der Biermann P.R.)

Im März 1976 suchten beide die Ständige Vertretung der BRD auf, um sich Hilfe und Ratschläge für ihr weiteres Vorgehen zu holen.

In ihrem letzten Schreiben vom 09.01.1978 begründeten sie ihr Ersuchen u.a. ihre Persönlichkeitsentwicklung gestört würde, bzw. ihre Entwicklung rückwärts verliefe. (Au weia. P.R.)

Dann folgen geheimdienstliche Maßnahmen.

Nun mischt sich die Tante von Frau Seeber ein und schickt einen Brief an den Innenminister der DDR, Friedrich Dickel. Das Datum des Briefes ist der 09.01.1979

Am 11.01.1979 ein Schreiben von einer Abteilung des MfS an eine andere, wo nach Kontakten zu ausländischen diplomatischen Vertretungen gefragt wird. Dann folgen Punkte, die noch geheimdienstlich bearbeitet werden müssen.

Dann ein Schreiben vom 29.01.1979 bezüglich der Tante von Frau Seeber. Gegen sie wurde eine Einreisesperre eingeleitet.

Am 08.02.1979 ein Vermerk, dass die Ausreise von Frau Seeber abgelehnt wird.

Es werden im Nachgang negative Folgen befürchtet. Diese sind ohnehin eingetreten. Siehe im Nachwort „Aus heutiger Sicht gesehen,“ Außerdem war die Mutter von Frau Seeber pflegebedürftig. (Na, ein Grund um Zuhause zu bleiben und sich um die Mutter zu kümmern. Hatte Frau Seeber wohl nicht im Sinn. P.R.)

Mit Datum vom 18.07.1976 mischt sich die Tante von Frau Seeber ein und schreibt einen Brief an den Rat des Stadtbezirkes, Abt. Inneres in Berlin.

Vermerk über ein Gespräch mit Frau Spahr beim Rat des Stadtbezirks Berlin-Friedrichshain, Abt. Inneres vom 24.09.1979

Sie erhielt Mitteilung darüber, dass die Schreiben an Erich Honecker und das MdI (Innenministerium der DDR) an diese Stelle weitergeleitet und eingegangen sind.

Frau Spahr wurde auf die Sinnlosigkeit dieser Schreiben hingewiesen. (In der Tat waren diese Schreiben sinnlos. Niemals erreichten sie Herrn Honecker und Herrn Dickel. Ihre Büros haben die Briefe dann an den Rat des Stadtbezirks… weitergeleitet. Sowas hätten sich die beiden Damen doch denken können.  P.R.)

Nun war das Auftreten von Frau Seeber ruhig und sachlich, wie bei Frau Spahr. (Nun ja, da haben die beiden eingesehen, dass Unruhe nichts bringt. Wenigstens etwas. Im Film wird nur auf das überhebliche Auftreten bei einem anderen Termin eingegangen, aber nicht auf das sachlich-ruhige Gespräch. P.R.)

Mit einem Brief mit Datum vom 27.09.1979 mischt sich die Tante von Frau Seeber wieder ein. Diesmal schreibt sie einen Brief an Erich Honecker. (Wieder so ein Sinnlos-Brief. P.R.)

Ein Vermerk über die Legalisierung postalischer Kontakte zwischen Frau Spahr/Frau Seeber mit jemanden in der BRD.

Hier geht es auch um telefonische Kontakte. (Da das Telefonieren zwischen der BRD und der DDR äußerst schwierig war, stellt sich die Frage was für einen Sinn das für die beiden hatte. P.R.) Der Kontakt wird nicht legalisiert, weil das MfS diese Korrespondenz überwacht.

Information über Frau Spahr (Im Dokument ist der Name falsch geschrieben.) vom 05.11.1979

Vom 23.08.1979 bis 27.08.1979 hielt sich Frau Spahr in der CSSR (Prag) auf, um sich mit einem ehemaligen DDR-Bürger, der nun in Westberlin wohnte, zu treffen.

Auch hier wird erwähnt, dass Frau Spahr seit 3 Jahren Antragstellerin auf Übersiedlung in die BRD gewesen ist und seit längerer Zeit keiner geregelten Arbeit nachgegangen ist. Sie erledigte für Verlage in Berlin gelegentlich Schreibarbeiten.

Der Westberliner Bürger wurde bereits durch das MfS überwacht. Frau Spahr forderte diesen auf sie mit in die BRD zu nehmen. Darauf ist der Westberliner Bürger nicht eingegangen.

Anscheinend ein neuer IM. Denn als er Frau Spahr am 18.10.1979 und am 23.10.1979 besuchte, war ihm der Nachname der Mitbewohnerin Ilona (Seeber) nicht bekannt.

Der IM berichtete, dass Frau Spahr sich mit dem Gedanken getragen hatte, an das ZDF, Sendung „Hilferufe aus dem Osten“ zu schreiben, um ihre Antragstellung von dort aus publik zu machen und zu forcieren. (Die war doch spinnert, um es drastisch zu formulieren. Wusste sie nicht, was sie tat oder war sie eine bewusste DDR-Hasserin? P.R.)

Ilona, also Frau Seeber hatte geäußert, dass sie die DDR ungesetzlich verlassen will. Sie hatte einkalkuliert an der Grenze festgenommen zu werden und nach einer Strafverbüßung in die BRD entlassen zu werden.

Als Motiv für ihre Pläne gaben die beiden an, dass sie auf alle Fälle in die BRD wollten um in „Freiheit“ zu leben. Von der Tante und Familienangelegenheiten war nicht mehr die Rede.

Es folgen Beobachtungsberichte vom 16.11.1979, dem 30.11. 1979 vom 05.12.1979

Bericht vom 04.12.1979 über Aussprache mit Frau Spahr am 28.11.1979 beim Rat des Stadtbezirks Berlin-Friedrichshain, Abt. Innere Angelegenheiten

Die Aussprache fand beim Direktor des Amtes für Arbeit, also des Arbeitsamtes, auf dessen Vorladung statt. Es war noch ein Vertreter der Abt. Innere Angelegenheiten anwesend.

Es ging darum Frau Spahr zu erklären, dass ihre geringfügige Arbeitsstelle bei INTERTEXT nicht den Anforderungen eines geregelten Arbeitsverhältnisses entspricht und sofort eine neue Vollzeitarbeitsstelle angetreten werden muss.

Frau Spahr erklärte sich mit dieser Maßnahme nicht einverstanden und erklärte, dass sie von den 300 Mark, die sie bei der geringfügigen Arbeitsstelle verdiente, ihren Lebensunterhalt bestreiten könnte. Sie wunderte sich, dass dies einer staatlichen Stelle jetzt erst auffiel.

Ihr wurde erklärt, dass mit der Bildung der Ämter für Arbeit (Arbeitsämter) ab dem 01.09.1979, alle gleichgelagerten Fälle einer Prüfung unterzogen und Veränderungen herbeigeführt wurden.

Gleichzeitig wurde die Veränderung der strafrechtlichen Bestimmung erwähnt, wonach Pauschalarbeit (geringfügiges Arbeitsverhältnis) nicht als lautere Art und Weise des Erwerbs des Unterhalts angesehen werden konnte. (Der Asozialen-Paragraph hatte nun hier gegriffen. P.R.)

Frau Spahr sah diese Argumente ein und erklärte sich bereit ein Vollzeitarbeitsverhältnis aufzunehmen.

Allerdings wollte sie auf keinen Fall durch das Arbeitsamt vermittelten Betriebe aufsuchen. Das waren

  • Berliner Bremsenwerk
  • NARVA
  • der Bereich Krippen und Heime beim Rat des Stadtbezirks.

Sie erklärte innerhalb von 14 Tagen den Nachweis eines selbstgewählten Arbeitsverhältnisses vorzulegen. Damit erklärte sich der Direktor des Arbeitsamtes nicht einverstanden, sondern er bestand darauf, dass Frau Spahr die Vermittlungskarte zum Berliner Bremsenwerk annehme und nach Ablauf einer Woche das Arbeitsverhältnis mit diesem Betrieb vorlegt.

Durch den Vertreter der Abt. Inneres wurde ihr eingeräumt, nach dieser Frist auch den Nachweis eines Arbeitsverhältnisses, dass sie durch eigene Bemühungen gefunden hat. Sie sollte aber auf jeden Fall das Berliner Bremsenwerk aufsuchen, da seinerzeit Arbeitsverhältnisse ohne Vermittlung durch das Arbeitsamt nicht zustandekommen konnten.

Frau Spahr wurde zum 05.12.1979 zwecks Vorlage der Nachweise ihrer Bemühungen erneut vorgeladen.

Vermerk über das Gespräch mit Frau Seeber beim Rat des Stadtbezirks Friedrichshain, Abt. Inneres, Datum ist nicht erkennbar, weil da der Stempel der BStU drüber ist.

Frau Seeber ist auf die Vorladung hin erschienen. Sie ist darauf hingewiesen worden, dass die Briefe an Erich Honecker und das Innenministerium der DDR an den Rat des Stadtbezirks Berlin-Friedrichhain, Abt. Inneres weitergeleitet worden sind. Es ist erklärt worden, dass nur diese Behörde für die Angelegenheiten von Frau Seeber zuständig ist.

Desweiteren ist ihr der Vorwurf gemacht worden, dass sie durch falsche Darlegungen völlig unglaubwürdig geworden war und sich die Behörde gegen die falschen Anschuldigungen verwahrt hatte.

Als Rechtsmittelbelehrung war ihr der der § 249 StGB der DDR; also der Asozialen-Paragraph, wörtlich vorgetragen und die daraus entstehenden Konsequenzen erläutert worden. Im Gegensatz zu vorangegangenen Gesprächen, war sie nun ruhig und sachlich.

Sie widerspricht sich, weil sie einmal sagt, dass sie weitermachen wird ohne gegen bestehende Gesetze zu verstoßen und zum anderen nennt sie die Option die Sache publik zu machen und kalkuliert entsprechende Konsequenzen ein.

Sie wollte ihre Freiheit wieder erlangen und dem Staat keinen Nutzen bringen. Sie wollte nur soviel arbeiten, dass es zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes reicht. Die 300 Mark, die sie bei INTERTEXT verdiene, würden ihr ausreichen.

Dann erkundigt sie sich nach gesetzlichen Grundlagen, nach welchen sie in die BRD übersiedeln kann. Diese solle man anwenden, auch wenn es noch 5 oder 20 Jahre dauern würde.

Ein Schreiben des MfS vom 06.12.1979 wo vermerkt wird, dass Frau Spahr und Frau Seeber Mit der GfM in Köln in Verbindung stehen.

Es soll geprüft werden, ob die Tante aus Köln Mitglied der GfM ist. (So eine selbst ernannte Gruppe für Menschenrechte, die aber nur die Aufgabe hat, der DDR zu schaden. Im Netzt findet sich ein Dokument bezüglich der GfM mit Sitz in Frankfurt am Main. Nun ja, die waren dann wohl auch in Köln aktiv. P.R.)

Am 12.12.1979 schreibt die Tante aus Köln einen Weihnachtsbrief.

Briefausschnitt von Tante in Köln

In dem Brief schreibt die Tante, dass sie wegen einer Autoreparatur keine finanziellen Mittel hat, um in den Weihnachtsurlaub zu fahren. Soviel zur Reisefreiheit. Ob Gesetze oder Finanzen die Reisefreiheit einschränken, es kommt doch letztendlich auf Gleiche heraus.

In einem Schreiben des MfS vom 20.12.1979 geht es um die Überwachung der Personen, die mit der GfM zu tun haben.

(Wie konnten sich die beiden auf so eine Organisation einlassen? P.R.)

Im Vorliegenden Dokument geht es um die GfM mit Sitz in Frankfurt/Main. e.V

Dokument entnommen vom Bundesarchiv

Ein Vermerk der Postzollfahndung vom 03.01.1980 über ein kontrolliertes Paket.

Ab dem 15.01.1980 geht es los. Das Strafrecht (§100 StGB der DDR „Landesverräterische Agententätigkeit“) hat nun gegriffen.

Aktenausschnitt
Bildquelle: Stasi-Unterlagen-Archiv „Einblick ins Geheime“ https://www.einblick-ins-geheime.de/de/beispielakten/aop-zwillinge/

(Dafür hätten sie lange Jahre im Knast sitzen können. Wie konnten sich die beiden auf so eine Organisation einlassen? P.R.)

Ein Schreiben des MfS vom 18.01.1980 sagt, dass betreffs der beiden der Auftrag „C“ einzuleiten wäre. (Kontrolle von Brief und Paketsendungen)

In einem weiteren Schreiben des MfS vom 18.01.1980 ist es um Paketsendungen gegangen, die an die beiden gerichtet sind, zu beschlagnahmen, da gegen sie wegen dem § 100 StGB der DDR („Landesverräterische Agententätigkeit“) ermittelt worden ist.

Ein Schreiben der Kriminalpolizei Berlin-Friedrichshain vom 21.04. 1981 besagt, dass Frau Seeber sich nun in die Gesellschaft der DDR eingegliedert hatte und die Personenkontrolle nun beendet worden ist.

Das gleiche Schreiben der Kriminalpolizei Berlin-Friedrichshain vom 21.04.1981 betreffs Frau Spahr.

Am 18.05.1981 verfasste das MfS einen Abschlussbericht zu dem Fall der beiden. („Zwillinge“)

Um nicht alles zu wiederholen, nun das wichtigste und noch fehlende.

(Die beiden hatten mehr Glück, als Verstand, was das Strafrechtliche betrifft. P.R.)

Am 22.07.1979 ging es um diskriminierende Äußerungen gegen die DDR, welche die Strafbestandsmerkmale der §§ 106, 220 StGB der DDR verletzten. Da diese Schreiben der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, konnten keine strafrechtlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Seit Januar 1980 arbeiten die beiden in kirchlichen Einrichtungen. (Menschenskinder, warum sind die nicht früher auf die Idee gekommen bei der Kirche oder einem Privatunternehmer eine Arbeitsstelle anzunehmen.? Da wäre ihr Problem mit der beruflichen Tätigkeit gelöst gewesen. Es arbeiteten viele Leute bei der Kirche, die mit der Arbeitswelt der DDR nicht zurechtkamen. P.R.)

Im Zusammenhang mit GfM, also diese selbsternannte Gesellschaft für Menschenrechte, konnten gegen die beiden keine strafrechtlichen Maßnahmen nach § 100 StGB der DDR eingeleitet werden. Diese Hinweise waren „offiziell nicht auswertbar“, wie es auf Amtsdeutsch heißt. (D.h. wohl, dass das Gericht diese Hinweise nicht anerkannt hatte. Menschenskind, die hatten ganz schön Dusel. P.R.)

Zwischenzeitlich haben die beiden feste Partner gefunden. Und da ihnen, wenn auch verspätet, die Idee gekommen ist, bei der Kirche zu arbeiten, konnte sie nun feste Arbeitsverhältnisse nachweisen. Der Asozialen-Paragraph war nun auch aus der Welt.

Frau Seeber wurde angeboten bei der Beschaffung von Wohnraum die erforderliche Unterstützung durch den Rat zu gewähren. Wo dann Frau Spahr wohnen sollte ist im Dokument nicht ersichtlich. Laut Film hatte Frau Spahr den Pfarrer geheiratet, wo sie arbeitete. Dann wohnte sie wohl im Pfarrhaus.

Schließlich und endlich habe die beiden eingesehen, dass es doch das Beste war, wenn sie in der DDR blieben.

Frau Seeber zog am 17.03.1980 ihren Ausreiseantrag zurück, Frau Spahr folgte am 01.10.1980.

Da sie nun feste Partner hatten und einer geregelten Arbeit nachgingen, wurde dieser Vorgang beendet. Des Lebens Lauf hat an der Beendigung dieses Vorgangs und dieser Karrieren eine wichtige Rolle gespielt.


Nachwort von Petra Reichel:

Wie der Film zeigt, waren die beiden niemals einsichtig. Des Lebens Lauf hatte sie zum stillhalten veranlasst. Heute sind sie wieder laut und beteiligen sich an der Volksverdummung durch die Sieger der Geschichte. Die beiden hatten eine gute Arbeitsstelle und eine dazugehörige Betriebswohnung. Ihnen ging es gut in der DDR. Weshalb sie zu Gegnerinnen der DDR geworden sind und auch im Nachgang diesbezüglich aktiv sind, ist unerklärlich.

Aus heutiger Sicht gesehen, muss man feststellen, dass die DDR damals kontraproduktiv handelte. Im Fall der Beiden wurde der Ausreiseantrag wegen Unrechtmäßigkeit abgelehnt. Warum hatte die DDR nicht die entsprechenden Rechtsgrundlagen geschaffen, damit die Leute ausreisen konnten? Einschränkungen hätte es für Geheimnisträger, in Zivil- und Strafprozessen befindlichen Personen und Leuten, die Schulden hatten, geben können. Das hätte man ja prüfen können. Natürlich hätte es für Menschen, die diesen Schritt bereut hätten die Möglichkeit zur Rückkehr geben müssen. Es ist ja das Widersinnige, dass Leute, die es in die BRD geschafft hatten, in der Regel nicht mehr zurückkehren konnten. Ebenso war der Zuzug von Bürgerinnen und Bürgern der BRD, welche die Staatsbürgerschaft der DDR anstrebten, sehr stark eingeschränkt. Siehe Aufnahmeheim Röntgental. Hätte die DDR grundsätzlich neue Leute und Rückkehrende aufgenommen und die Unzufriedenen ausreisen lassen, wäre das für die Gesellschaft in der DDR besser gewesen, wie „das Schmoren im eignen Saft“.

In dem Fall der beiden Freundinnen hätte die Gefahr für die DDR im Zusammenhang mit der Verbindung zur GfM vermieden werden können, denn diese wäre nicht zustande gekommen, wenn die beiden hätten zeitnah ausreisen können. Die Betriebswohnung des ND wäre Jahre früher frei geworden.

Auch im Nachgang hat diese Vorgehensweise der DDR einen Bumerangeffekt. Viele Jahre nach ihrem Ende, kippen die Sieger der Geschichte weiterhin Kübel von Dreck über die DDR.


Nachwort des Stasi-Unterlagen-Archivs:

„2019 besuchten die zwei Frauen aus diesem Fall noch einmal gemeinsam die Orte ihrer damaligen Erfahrungen. Begleitet von einem Filmteam der Deutschen Welle erinnerten sie an ihre Situation. Die Reportage „Zwei Frauen im Visier der Stasi“ ist online unter…“

Entnommen aus Bundesarchiv/Stasi-Unterlagen-Archiv (Hg), OV „Zwillinge“. Als zwei Freundinnen Ausreiseanträge stellten. Auszug aus Stasi-Akten. Redaktion: Bettina Altendorf, Axel Janowitz, Andreas Schiller, Berlin 2022

Bearbeitet und Gedankeneinfügungen von Petra Reichel

Siehe auch Stasi-Unterlagen-Archiv – „Einblick ins Geheime“

Broschüre mit den Dokumenten im PDF-Anhang zum Download