Wieder ist ein Jahr vorüber und es beginnt ein Neues. DIE TROMMLER wünscht allen viel Glück und ein friedliches neues Jahr.
Nun geht es weiter mit der Präsentation der MfS-Akten, womit in der Ausgabe Dezember 2025 begonnen worden ist.
Im Februar erfolgt die Auswertung und die Lösung der Aufgaben, welche das Bundesarchiv vorgegeben hat.
Das ist alles sehr mühselig und kostet viel Zeit. Ob die Schülerinnen von heute diese Zeit haben? Es wird wohl eher mit der Lehrkraft „dünn drüber“ gegangen, wobei wohl die Sicht der Sieger der Geschichte überwiegt.
Darum hat DIE TROMMLER sich eingehender mit befasst und versucht anhand der Dokumente die damalige Zeit und historische Situation zu verstehen und darzulegen.
Am 30. Januar 1933 berief der Reichspräsident von Hindenburg im Interesse der reaktionärsten und aggressivsten Kreise des deutschen Monopolkapitals Hitler zum Reichskanzler.
Hella Born hat sich jetzt erst einmal im FK „Wühlmaus“ abgemeldet, man hat sie also klein bekommen und sie wird eine Pause einlegen.
Hella will also nach eigenen Aussagen sehr ruhig treten, erstmal weil sie in den Prüfungen steht, schon eine ganze Zeit, da sie nicht noch vorher kurzfristig geext wird. Dann will sie erstmal ihre weitere persönliche Perspektive sichern, also entweder 12. Klasse oder Lehre.
Einige aus der FK hatten es bereits damals bemängelt, dass sie überall mitmacht, egal wie hart es war und jetzt hat sie es eingesehen, dass es doch nicht das Richtige war.
Hella wird auch schon nicht mehr am 05.07.1986 mit nach Waren kommen.
Neu in den Kreis gekommen ist ein (Name geschwärzt) und eine (Name geschwärzt), beide sich aus Hohnsdorf, haben aber kein großes Interesse an unserer Arbeit.
(Name geschwärzt) selbst arbeitet nicht, soweit mit bekannt, in einem anderen Kabarett.
(Name geschwärzt) selbst beteiligt sich aktiv in unserem FK.
Anforderung von Handschriftenmaterial für einen Schriftenvergleich
Bezirksverwaltung Berlin, 12. September 1986
Für Staatssicherheit Berlin bey-pau 37107 52/76/86
Kreisdienststelle Treptow
Leiter
Bezirksverwaltung für Staatssicherheit
Abteilung XX
Halle
OV (Operationsvorgang) „Pazifist“ der KD(Kreisdienststelle) Quedlinburg
IN Ihrem Schreiben vom 08.08.1986, Tgb.-Nr. 6040/86 bitten Sie um die Beschaffung von Handschriftenmaterial zu Vergleichszwecken.
Die von Ihnen aufgeführten Mitglieder bzw. ehemaligen Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ werden bzw. wurden im OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ der KD (Kreisdienststelle) Treptow erfasst.
Für die KD (Kreisdienststelle Treptow erfassten und bearbeiteten Personen wurden Schriftvergleichsmaterialen im Schriftenschrank der Abteilung XX gespeichert.
Wir bitten Sie zu Vergleichszwecken Material zu übersenden, damit ein Schriftenvergleich im dafür eingerichteten Schriftenschrank der Abteilung XX erfolgen kann.
Auftrag zur inoffiziellen Überwachung einer Person
Auftrag
Der Patriot (Der Begriff „Patriot“ hatte früher eine andere Bedeutung und nichts mit Rechtsradikalismus zu tun. P.R.) „Picasso“ erhält folgenden Auftrag:
Es ist die inoffizielle Kontrolle der Person
Roolf, Benn
Durchzuführen, mit dem Ziel alle strafbaren Handlungen des R. zu erkennen und aufzudecken. Der Auftrag besteht über den Zeitraum der Ableistung des Wehrdienstes ohne Waffe der Person R.
Aufgaben im Rahmen des Auftrages
Die Person R. ist am Stationierungsort ausfindig zu machen, entsprechend der Personenmerkmale und vorgelegten Fotos.
Der Umgangskreis der Person R. ist festzustellen und nach Persönlichkeitsmerkmalen zu differenzieren.
Über eine Person des Umgangskreises ist schrittweise ein vertrauensvoller Kontakt zu R. aufzubauen.
Im Rahmen der Auftragserfüllung sind folgende Informationen zielgerichtet zu erarbeiten:
-Bekommt der R. Besuch, (von wem, wann und wo)?
-Mit welchen Personen hält der R. schriftliche und andere Kontakte?
-Welchen Umgangskreis hat der R. in der Einheit, und wie sind diese Personen einzuordnen?
-Besucht der R. die dortige Kirche?
-Sind kirchliche Veranstaltungen durch den R. geplant, wo sollen diese stattfinden und wer nimmt daran teil?
-Wie tritt der R. bei Veranstaltungen o.n. auf?
-Wann beabsichtigt der R. nach Berlin, Stendal oder Thale zu fahren, bzw. wann hatte er sich dort aufgehalten?
Verhaltenslinie
Die eigene Sicherheit und Konspiration ist unter allen Umständen zu wahren. Negative Handlungen des R. sind nicht zu verhindern. Es ist möglichst im Sinne des R. zu handeln, ohne dabei selbst strafbare Handlungen durchzuführen.
Eine weitere Präzisierung der Aufgabenstellung und deren Konkretisierung erfolgt beim 1. Treff nach der Einberufung.
Auftrag erhalten: …hier musste der „Picasso“ noch unterzeichnen) Berlin, 29.10.1986
Operativplan zum OV (Operationsplan) „Bekenntnis“, Reg.-Nr. XX/1996/84
-Um die Mitglieder der Laienspielgruppe zu verunsichern, werden folgende geplante Auftritte verhindert:
28.03. 1987 in Dresden in der Weinbergskirche
23.04.1987 in Berlin in der Gemeinde Bohnsdorf
In Abstimmung mit der Abt. XX der Bezirksverwaltung Dresden wird durch ein Telegramm mit einer Absage des geplanten Auftritts durch den Diakon der Weinbergskirche der Auftritt verhindert (fingiertes Telegramm).
In Vorbereitung des Auftritts in der Gemeinde Bohnsdorf wird ein Gespräch zwischen der Superintendentin des KK (Kirchenkreises) Oberspree und Vertretern der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ angestrebt, mit der Zielstellung, eine Programmkonzeption vorzulegen bzw. den Auftritt abzusagen. Zu diesem Gespräch werden der Superintendentin Informationen über die Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ übergeben (Programminhalte, Zielstellungen, Schlüsselproblem).
Termin: bis 15.04.1987
Zu 3. Die unter Punkt 3 genannte Zielstellung wird durch folgende politisch-operative Maßnahmen realisiert:
-Koordinierung mit der Abt. XX/2 zu den festgestellten Kontakten zwischen Mitgliedern der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ und Vertretern der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung wie Bohley, Hirsch sowie der Klärung, welcher Einfluss von diesen auf die Laienspielgruppe ausgeht.
(Ahh später bekannte Konterrevolutionäre mischen da mit. P.R.)
Termin: ständig
-Als wesentliche Maßnahme erfolgt die Einleitung einer Maßnahme S der Abr. 26 im Wohnbereich des Roolf und dessen Lebensgefährtin. Zur Realisierung dieser Maßnahme erfolgt der Einsatz des IMS „Sandra“.
Termin: 30.05.1987
-Es erfolgt eine Prüfung, ob das ehemalige Mitglied der Laienspielgruppe Born, Hella nach wie vor Kontakte zu einzelnen Mitgliedern der Laienspielgruppe sowie Vertretern der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung unterhält.
Diesbezüglich erfolgt ein weiteres Gespräch mit der Direktorin der EOS (Schule – Erweitere Oberschule) sowie der Einsatz des IMS „Sandra“.
Der IM berichtete, dass er die Veranstaltung der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ am 22.04.1987 im Gebäude des evangelischen Kindergartens (wieder Kindergarten statt Kirchengarten P.R.) in der Firlstr. 16, besuchte.
Bei der Zusammenkunft waren folgende Mitglieder der Laienspielgruppe anwesend:
Dann folgt die Namensliste und wo diese Leute erfasst sind. Nur Metzner, Jörg und Altvogt, Georg sind lesbar.
Die Zusammenkunft fand von 18:00 Uhr bis 19:00 statt.
In der Gruppe herrscht gegenwärtig eine pessimistische Haltung vor. Diese ist darauf zurückzuführen, dass keine Erfolge mehr verbucht werden können.
So sind die geplanten Auftritte in Dresden und Leipzig aus nicht bekannten Gründen ausgefallen.
(Name geschwärzt) als der Organisator der Gruppe hat sich auch aus der Laienspielgruppe zurückgezogen. Gründe hierfür sind ebenfalls nicht bekannt.
Weiterhin ist es nicht möglich, in der derzeitigen Besetzung der Gruppe ein vernünftiges Programm aufzuführen.
Im Rahmen der Bearbeitung des OV „Bekenntnis“ wurde beim Treff am 30.04.1987 mit dem IMB „Roland“ folgender Sachverhalt bekannt- Der IMB ist überprüft. Ehrlich und zuverlässig.
Der IM berichtete zu einer planmäßig am 29.04.1987 stattgefundenen Zusammenkunft der Mitglieder der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ im Gebäude des evangelischen Kindergartens (es hieß wohl eher Kirchengarten P.R.) in 1190 Berlin, Firlstr. 16.
Es folgt eine Namensliste der Anwesenden. Außer den ersten zwei sind alle Namen geschwärzt.
Lydike (1. Name auf der Liste) teilte mitt, dass er eine Einberufung zur NVA für den 05.05.1987 erhalten hat. Er wird jedoch nicht zum Einberufungsort erscheinen.
Lydike beabsichtigt, den Wehrdienst grundsätzlich abzulehnen und eine Inhaftierung in Kauf zu nehmen.
Dazu wird Lydike am 05.05.1987 zu seinen Eltern nach Berlin fahren (Eltern wohnen im kirchlichen Gemeindeheim), um dort „seine Verhaftung abzuwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wird Lydike an seiner Wohnungstür in Berlin anbringen.
Die von Lydike erwartete Zuführung und Verhaftung will er von namentlich nicht bekannten Personen (vermutlich 3) mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollen in der Zeitschrift „Grenzfall“ (Eine bösartige antikommunistische Zeitschrift. P.R.) veröffentlicht werden.
Lydike hat die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke von der gelplanten Aktion informiert und sie gebeten, sich nicht einzumischen.
Lydike möchte „die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen“. Da Lydike mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnet, beabsichtigt er Bücher und Zeitschriften zur Umweltschutz- und Friedensproblematik sowie Schriften des innerkirchlichen (Wort nicht lesbar) aus seiner Wohnung zu bringen.
Die Freundin des Lydike (Name geschwärzt) erfasst in Treptow
Steht nach Aussagen des Lydike voll hinter seinem geplanten Vorgehen. Nach Absprache mit dem Leiter der SR AWK(Wehrkreiskommando) Genosse Klebe wird folgende Vorgehensweise vorgeschlagen:
Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der IMB „Roland“ nicht dekonspiriert (enttarnt) wird, da er auf Grund objektiver beruflicher Umstände am 05.05.1987 nicht auf dem Gelände des Gemeindehauses sein wird.
Über die KD (Kreisdienststelle) Köpenick wird das WKK Köpnick veranlasse, dass eine Zuführung des Lydike am 05.05.1987 nicht erfolgt.
Gleichzeitig wird die zuständige Diensteinheit der HA I am Einsatzort des Lydike bei Hggesin darüber informiert, dass möglicherweise keine Einberufung des Lydike erfolgt und keine Fahndung auszulösen ist.
Lydike wird bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum WKK (Wehrkreiskommando) Köpenick vorgeladen, wo ihm mit einer politisch vertretbaren Begründung der Einberufungsbefehl abgenommen wird.
Durch die KD (Kreisdienststelle Treptow erfolgt am 05.05.1987 eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Zeil der Feststellung und Dokumentation von Personen, welche sich auf dem Gelände des Gemeindeheimes aufhalten, sowie der Personen, welche beabsichtigten, die vermutete Zuführung und Verhaftung des Lydike zu dokumentieren.
Dabei ist auf unbedingte Konspiration zu achten. Bei Verdacht auf Dekonspiration wird die Maßnahme sofort abgebrochen.
Es wird erwogen, die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglinicke (Name geschwärzt) zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion des Lydike auszuwerten.
Entgegen den Informationen des IMB „Roland“ berichtete der IMS „Peter“ beim Treff am 29.04.1987, dass Lydike den Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Eine Studienablehnung durch die Humboldt-Universität erfolgte im Februar 1987. Der IMS „Peter“ kennt den Lydike durch die gemeinsame Freizeitbeschäftigung im Eisbaderclub. Der IMS „Peter“ ist ehrlich und zuverlässig.
Unterzeichnet vom Leiter der KD Treptow
Starke Oberstleutnant
Dann folgt der Verteiler
Na, da wurde dem Lydike die Show gestohlen. Gut gemacht MfS. P.R.
Der IM berichtete, dass die Situation unter den Mitgliedern der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ seit Monaten sehr instabil ist.
So sind Zusammenkünfte auf Grund zu geringer Beteiligung ausgefallen. Weitere Zusammenkünfte wiederum hatten keine inhaltlichen Probleme zum Programm da einige Mitglieder fehlten.
Bei den letzten Zusammenkünften fehlten (Name geschwärzt) und Hettner? (nicht lesbar) unentschuldigt.
Auf Grund von beruflichen Problemen einzelner Mitglieder der Laienspielgruppe wurden die Zusammenkünfte von mittwochs auf donnerstags verlegt. Diese Maßnahme änderte jedoch auch nichts an der Situation der zu geringen Beteiligung.
Der IM sieht keine Perspektive im Fortbestand der Laienspielgruppe. Weiterhin kommt hinzu, dass ab Juli keine weiteren Zusammenkünfte mehr stattfinden, da wie in jedem Jahr eine Sommerpause eingelegt wird.
Der IM wies darauf hin, dass die einzelnen Mitglieder der Laienspielgruppe zu unterschiedliche und eigene Wege gehen. Es gibt keinen richtigen Zusammenhalt mehr.
Ohne einen Beweis zu haben wurde von dem IM die Vermutung geäußert, dass sich die Laienspielgruppe getrennt hat, bzw, sich einige Mitglieder der Laienspielgruppe einer anderen Gruppe angeschlossen haben könnten.
Diesen Verdacht begründet der IM mit dem nicht mehr Erscheinen einzelner Mitglieder der Gruppe. Weiterhin spricht dafür die Tatsache, dass konkrete Pläne für Programme und Auftritte bestanden welche jedoch in der jetzigen Zusammensetzung aus den unterschiedlichsten Gründen scheiterten. (dies sind die Verdachtsmomente des IM)
Bei einer Nachfrage des IM am 25.06.1987 bei dem Mitglied der Laienspielgruppe Altvogt, sagte dieser, dass die nächste Zusammenkunft planmäßig wie gehabt am Donnerstag, 25.06.1987 stattfindet.
Zur Unterstützung der Vermutung des IM kann die Tatsache angesehen werden, dass von der HA XXX7 bei einer telefonischen Rücksprache informiert wurde, dass sich Metzner einer anderen „kirchlichen Tätigkeit“ zugewandt hat.
Genannte Information des IM ist eindeutig zu klären. Dazu erfolgt eine Rücksprache mit der Abt. XX der BV Nbg.
Weiterhin wird in einer Absprache die Information der HA XX/7 zum Metzner konkretisiert.
Der IMB „Roland“ wird versuchen mit Metzner und Altvogt ein persönliches Gespräch zur Situation in der Laienspielgruppe zu führen.
Nach der Sommerpause der Laienspielgruppe wird Ende August zu (Name geschwärzt) und Metzner eine Beobachtungsmaßnahme vorbereitet.