Politische Bildung ist notwendig. Man kann einwenden, dass sie ein Propagandainstrument ist. Selbstverständlich ist sie das. Jeder Staat will ja seine Vorzüge anpreisen.
Über die Strukturen, den Staats- und Verwaltungsaufbau sollten sich alle Kenntnisse aneignen. Auch wie die Welt funktioniert, sollte erlernt werden. Ist schwierig, weil ja in jedem Staat die eignen Interessen gelehrt werden.
In westlichen Ländern, so z.B. in der BRD richtet sich politische Bildung gegen die sozialistischenLänder, insbesondere gegen die DDR. Das ist auch im Nachgang so geblieben.
Die politische Bildung in der DDR hatte natürlich auch die Vorzüge ihres Landes angepriesen. Allerdings war sie im Grunde ehrlich und man konnte Zusammenhänge erkennen. Aber die Menschen in der DDR nahmen die politische Bildung nicht an. So nahm dann die Geschichte ihren Lauf.
Heute, da wieder die Kriegstrommeln gerührt werden, ist politische Bildung umso wichtiger. Dabei sollte man sich nicht allein an heutige Aussagen halten, sondern auch Rückblicke in die Geschichte vornehmen und gucken, was damals „die andere Seite“ gesagt hatte. Alte Bücher findet man in Antiquariaten. Dieses Wissen gilt es zu nutzen.
Was hat man den Schülerinnen und Schülern der DDR im damaligen Fach Staatsbürgerkunde mitgegeben? DIE TROMMLER hat sich da einige Gedanken gemacht.
Petra Reichel
(Der größte Irrtum des Jahrhunderts. P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
„Unsere Epoche ist die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus.
Der Sozialismus hat bereits auf mehreren Kontinenten festen Fuß gefasst.“
Programm der SED, 1976
(Der größte Irrtum des Jahrhunderts. P.R.)
Du und Deine Zeit
Die Erde, wie sie sich dem Betrachter (und der Betrachterin P.R.) aus dem Weltraum zeigt, aufgenommen mit einer Multispektralkamera aus Jena
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse
Das ist sie unsere Erde! Stetig und ruhig bewegt sie sich im Weltall. Schaut auf die herrlichen Farben, in denen sich die Erde dem Betrachter und der Betrachterin aus dem Weltall zeigt! Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schätzen ihr Alter auf nahezu fünf Millionen Jahre.
Würden wir einen Zeitstrahl bauen und jede Milliarde Jahre einem Meter gleichsetzen, dann wäre der Zeitstrahl fünf Meter lang.
Wer von euch würde auf dieser Länge mit bloßem Auge einen Millimeter erkennen? In der Umrechnung wäre nämlich ein Millimeter mit einer Million Jahre gleichzusetzen. Etwas so alt ist die Menschheit!
Ein Millimeter im Vergleich zu fünf Metern! Aber auch das schärfste Adlerauge würde es nicht schaffen, von diesem Millimeter den Teil zu erfassen, der etwa die letzten siebzig von einer Million Jahre ausmacht. Und dabei waren gerade diese siebzig Jahre so entscheidend für die gesamte Menschheit und die Existenz unserer guten alten Erde. (Es ist die Zeit desSozialismusgemeint. Auch wenn, von Ausnahmen abgesehen, der Kapitalismus gesiegt hat, so war die damalige Zeit ein Meilenstein der Geschichte der Menschheit. P.R.)
W.I. Lenin auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress im Oktober 1917 (W.A. Serow)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Zu den wichtigsten Daten gehört nämlich der 7. November (nach der alten russischen Rechnung der 25. Oktober) 1917. Damals begannen russische Arbeiter, Bauern und Soldaten den ersten sozialistischen Staat der Welt zu errichten, die spätere Sowjetunion. Was wurde nicht alles in dieser Zeit erreicht! Seitdem gab es den Sozialismus. Die Erfahrungen der Sowjetunion halfen uns (der DDR P.R.), unseren sozialistischen Weg zu gehen. Die Erfolge des Sozialismus strahlten auf viele Länder und politische Bewegungen in der Welt aus. (Womit es in den 1980er Jahren darnieder gegangen ist. P.R.)
Ein Blick auf die drei Karten auf dem Umschlag deines Atlasses (nicht vorhanden P.R.)über die politische Gliederung der der Erde zeigt dir, dass der Sozialismus in der Welt (seinerzeit P.R.) auf vier Kontinenten Fuß gefasst hatte. Zwar unterschiedlich im konkreten Entwicklungsstand, aber gleichzeitig im Ziel, bauten die Menschen in diesen Ländern ihre sozialistische Gesellschaft auf.
Staatsbürger (und Staatsbürgerinnen) der sozialistischen DDR
Auch die Deutsche Demokratische Republik war ein sozialistischer Staat.
Das Staatswappen der DDR zeigte allen, was das Wichtigste an unserem (der DDR) sozialistischen Staat war. Das Wichtigste waren die Arbeiter, Bauern, Angehörigen der Intelligenz, Handwerker und Gewerbetreibenden, waren die die Staatsbürgerinnen und -bürger selber. Nur durch ihre tägliche fleißige Arbeit, ihr geistiges Schöpfertum und ständiges Lernen konnte das Leben für alle immer schöner und reicher werden.
Sozialismus und Imperialismus – zwei Welten
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Symbole der gemeinsamen Arbeit der Bürgerinnen und Bürger der DDR sind im Staatswappen enthalten, weil im Sozialismus die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen die macht haben. Dadurch ist im Sozialismus das Fortschrittlichste durchgesetzt worden, was man sich denken kann: Diejenigen, die alle Werte und Reichtümer schaffen, verfügen über sie und können sie auch nutzen.
Das ist der entscheidende Vorzug, Staatsbürger, bzw. Staatsbürgerin im Sozialismus zu sein. Jede Staatsbürgerin, jeder Staatsbürger war pflichtet mit dem Eigentum des ganzen Volkes sorgsam und bedacht umzugehen. (Allerdings wurde das nicht so ernst genommen. Diebstähle von Kleinigkeiten waren an der Tagesordnung. Bei Kleinigkeiten drohte nicht die fristlose Entlassung, wie im Westen, bzw. in der heutigen Zeit. P.R.)
Aber nicht überall in der Welt ist schon Sozialismus. (Von Ausnahmen abgesehen ist 1989/90 der Sozialismus in der Welt beseitigt worden. P.R.)
Noch immer, bzw. wieder erstarkt gibt es den Imperialismus, wo Fabriken und Maschinen, wo Grund und Boden, wo Rohstoffe und Produktionsergebnisse nur wenigen gehören, wo die Menschen nach wie vor ausgebeutet werden und wo die Staatspolitik dazu dient, den Reichtum der Mächtigen zu mehren.
Wenn ihr die Zeitungen aufschlagt, lest ihr auch viele Meldungen aus dem vom Imperialismus beherrschten Teil der Welt. (So empfahl es das Staatsbürgerkundebuch der DDR. Aber die Menschen glaubten das nicht. Sie hielten das für Propaganda. Nicht mal Besucherinnen und Besuchern aus dem imperialistischen Teil der Welt glaubte man. P.R.) Damals gab es Massenarbeitslosigkeit. Die Geldentwertung gibt es weiterhin in Form von Inflation, ärmere Länder werden nach wie vor benachteiligt, staatliche Mittel zur Unterstützung der Ärmsten werden rigoros gestrichen usw. Man glaubte, dass dies Anzeichen seien, dass der Imperialismus in Schwierigkeiten gerät.
Die aggressivsten führenden Kräfte im Imperialismus-vor allem die USA- wollen die Schwierigkeiten in ihren Ländern auf ihre Weise lösen: Sie streben einen dritten Weltkrieg an. Was bewegt sie zu diesem Wahnsinnsplan? Diese Kräfte erhoffen sich von einem Weltkrieg erst einmal ein Supergeschäft, denn sie könnten den imperialistischen Regierungen riesige Mengen an Waffen verkaufen. Sie würden verdienen, wie sie bisher noch nie verdient haben. Zugleich erhoffen sich diese Imperialisten, in einem neuen Weltkrieg den realen Sozialismus vernichten zu können. (Nun ja, der reale Sozialismus ist ohne Weltkrieg vernichtet worden. Die heutige Propaganda verkauft das als „friedliche Revolution“. Die Gefahr des dritten Weltkrieges ist nun umso mehr präsent. Die NATO ist an die Grenzen Russlands vorgerückt. Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland ist entbrannt. Ebenso gibt es den Brandherd im Nahen Osten. P.R.)
Der Sozialismus hatte bereits in seinen ersten Lebensjahrzehnten das Antlitz der Welt grundlegend verändert. Sein Beispiel strahlte aus. In Afrika, Lateinamerika und Asien, aber auch in Westeuropa und in den USA verstärkten sich die Aktionen diesem Beispiel nachzueifern. (Von Ausnahmen abgesehen, ist es auch damit vorbei. P.R.)
Mit einem dritten Weltkrieg wollen also die aggressivsten Kreise des Imperialismus ihre eigene Herrschaft retten. Dafür sind sie bereit, das Leben von Millionen Menschen- vor allem in Europa- gewissenlos zu vernichten.
Wir erkennen also: Hinter diesem Kriegskurs stehen grundlegende Interessen der aggressivsten imperialistischen Kräfte. Deshalb sagte auch einer von ihnen: „Es gibt Wichtigeres als den Frieden.“
(Das Staatsbürgerkundebuch der DDR nennt den Namen desjenigen nicht, der dies gesagt hatte. Es war der damalige Außenminister der USA Alexander Haig. Es kann darüber spekuliert werden, warum dieser damalige US-Politiker im Schulbauch nicht namentlich genannt wurde. Vielleicht falsche Rücksichtnahme, Angst vor diplomatischen Verwicklungen, was auch immer…P.R.)
Sicherlich ungewollt, hatte er damit die wahren Ziele dieser aggressiven Politik bloßgelegt: Es geht in diesen Kreisen um höchste Gewinne und die Sicherung aller Bedingungen, um auch in Zukunft ihre Herrschaft durchsetzen zu können. Diese Politik wollen die aggressivsten kreise des Imperialismus gegen die Interessen der Völker und damit auch gegen eure Lebensinteressen unbedingt durchsetzen. Diese Kräfte sind unser Feind. Doch wie kann man sie bekämpfen? Diese Frage stellen sich viele Menschen in der Welt.
Vor allem muss der Frieden sicher sein, und der Frieden wird besonders dann gesichert, wenn der Sozialismus ein starkes Bollwerk gegen die aggressivsten Kräfte des Imperialismus bildet, damit er sie hindern kann, ihre Kriegspläne zu wirklichen. (Nun ist das starke Bollwerk weg. Die Gefahr eines dritten Weltkrieges hat sich bedenklich erhöht. P.R.)
Ein starker Sozialismus, ein sicherer Frieden- da gab es viele Wege, um das zu erreichen. Wir kämpften mit allen Völkern und vielen durchaus unterschiedlichen politischen Kräften in der Welt dafür, dass wirksame Abrüstungsschritte eingeleitet werden. Vorschläge der sozialistischen Länder-vor allem der UdSSR-gab es mehr als genug. Deshalb war es sehr wichtig, dass die Volksmassen sich konsequent für die Verwirklichung dieser Vorschläge einsetzen.(Nun ja, leider ist das nicht gelungen. P.R.)
Die Staatsbürgerin, der Staatsbürger der DDR konnte und musste durch seine tägliche Arbeit an der Maschine, am Pflug, am Reißbrett, im Labor und auch auf der Schulbank zum starken Sozialismus, zum starken Frieden beitragen. Ebenso gehörte aber auch dazu, den Sozialismus mit der Waffe in der Hand zu schützen und die aggressivsten imperialistischen Kräfte an der Verwirklichung ihrer Kriegspläne zu hindern.
(Hier kam nun „Schwerter zu Pflugscharen“ und stiftete Verwirrung. Die behaupteten sich für Frieden einzusetzen, doch sie setzen sich gegen die Verteidigung der DDR, bzw. der sozialistischen Länder ein und nicht gegen die Kriegstreiber auf imperialistischer Seite. Vor allem die Jugend ließ sich durch „Schwerter zu Pflugscharen“ in die Irre führen. P.R.)
Die ganze Arbeitskraft wurde gebraucht, um weiter aufzubauen, und die ganze Verteidigungsfähigkeit, um das Erbaute zu schützen. Für eine Staatsbürgerin, einen Staatsbürger der DDR gehörte all das zum Kampf um die Erhaltung des Friedens. Um den Frieden zu sichern, musste sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch die Verteidigungsfähigkeit erhöht werden. (Leider war das zu Wenigen bewusst und es wollten auch nur Wenige das wahrhaben. P.R.)
Für uns gibt es nichts Wichtigeres als den Frieden – im Gegensatz zu jenem USA-Politiker. (Alexander Haig P.R.) Darum stärken wir den Sozialismus mit unserer Kraft. (So sollte es sein, wurde aber nur unzureichend umgesetzt. P.R.)
Einige Menschen sagten, der Sozialismus sollte einseitig die Waffen niederlegen und so seine Friedensliebe bekunden. Manche von ihnen meinen, man sollte die Verteidigungskosten sparen und diese Gelder lieber für die weitere Verbesserung des Lebens verwenden.
Überlegen wir: Es gäbe schon genug zu tun, um das Leben weiter zu verbessern. Es wären ja beträchtliche Summen, die für solche Zwecke freigesetzt werden könnten. Man hätte z.B. noch mehr Wohnungen bauen oder mehr Rohstoffe auf den internationalen Märkten kaufen können. Wir gern hätte die DDR das getan! Und wie gern hätte es die DDR getan, wenn sie weiter bestanden hätte und es wirklich möglich gewesen wäre. Das ist ja der ganze Sinn des Sozialismus, alles, was produziert wird, zur Verbesserung des Lebens zu verwenden. Aber es war damals nicht möglich.
Wenn wir unsere anspruchsvollen Ziele in die Tat umsetzen wollen, brauchen wir den Frieden, müssen ihn allseitig sichern.
Im Sozialismus gibt es keinen, der an Hochrüstung und Krieg verdient. Im Gegenteil: Wir (die Bürgerinnen und Bürger der DDR P.R.), die wir die Werte schaffen und denen sie gehören, können weniger von unserem geschaffenen Reichtum verbrauchen, weil wir ebenso wirksame, teure Waffensysteme haben müssen wie die NATO-Armeen. Wir, die wir als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger im damaligen Lande die Macht hatten, müssten selber auf die Schlachtfelder und in die Atomregen eines dritten Weltkrieges marschieren. Viele müssten dort ihr Leben lassen.
Um alle Vorzüge des Sozialismus weiterentwickeln und allseitig nutzen zu können, sind wir für den Frieden.
Der Frieden ist für uns deshalb das Wichtigste, weil er die entscheidende Existenzgrundlage für den Sozialismus und jede einzelne und jeden einzelnen von uns darstellt.
Ließen wir einen Moment in unserer Wachsamkeit nach-man braucht nicht lange zu überlegen, um zu wissen, was dann passieren würde. Jene aggressivsten imperialistischen Kreise würden solche „Zeichen von Friedensliebe“ als Ermunterung empfinden, um einen erbarmungslosen Krieg gegen den Sozialismus vom Zaune zu brechen. Das könnte das Ende der Menschheit werden. Deshalb hat jede und jeder von uns eine besondere Verantwortung für den Sozialismus und für den Frieden.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Jeder Staatsbürger, jede Staatsbürgerin braucht einen Kompass
Es sind also lebenswichtige Fragen, in denen sich eine Staatsbürgerin, ein Staatsbürger der DDR zu entscheiden hatte und auf die er oder sie Einfluss nehmen konnte. Mit ihrem oder seinem aktiven Einsatz für die allseitige Stärkung des Sozialismus hilft er oder sie, den Frieden sicherer zu machen. Damit sollten alle einen wichtigen Beitrag für die gesamte Menschheit leisten.
(Nun ja, wir wissen, dass die Bürgerinnen und Bürger der DDR sich 1989 mehrheitlich für einen anderen Weg entschieden hatten. Jetzt steht die Welt wieder am Rande des III. Weltkrieges. P.R.)
Galt das alles auch schon für Zwölf- und Dreizehnjährige? Im Gespräch sagte einmal ein Jugendlicher, bzw. eine Jugendliche: „Ich interessiere mich nicht für Politik!“ Andere pflichteten ihm, bzw. ihr bei, viele widersprachen, einige versuchten auszugleichen.
„Warum interessierst du dich nicht für Politik?“ wurde gefragt.
Die Antwort war irgendwie logisch: „Warum interessierst du dich nicht für Bäume und Pflanzen?“
Mitglieder einer Arbeitsgemeinschaft „Junge Naturforscher und -forscherinnen“
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Alles lachte. Jede und jede wusste, dass der oder die andere gerade noch einen Tannenbaum von einem Rosenstrauch unterscheiden konnte. Und – er oder sie wurde auch unsicher. „Ist da nicht irgendwo ein Unterschied?“ fragte er oder sie noch.„Ob ich mich für Politik interessiere oder für Pflanzen?“
Denkt mal darüber nach! Natürlich ist es nicht gut, wenn einer oder eine keine Ahnung von der Botanik hat. Aber ist das damit zu vergleichen, wenn einer oder eine absolut uninteressiert und unwissend in politischen Fragen ist? Kann man das überhaupt miteinander vergleichen? Politik – das ist schon ein gewichtiges Wort. Es klingt nach Erwachsen- und Wichtigsein. Woran denkt ihr eigentlich zuerst, wenn ihr das Wort hört? Bestimmt an Staatsmänner und -frauen, an deren Begegnungen auf höchster internationaler Ebene, an große Beratungen und Parteitage, an Gesetze und Festveranstaltungen.
Auf der Kampfdemonstration am 1. Mai 1986 in Berlin bekräftigte die Jugend unseres Landes ihre Bereitschaft, nach besten Kräften zur Stärkung der DDR beizutragen.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
(Ich denke, dass es nicht die Jugend der DDR, sondern nur ein Teil der Jugend der DDR war, die willens war „…nach besten Kräften zur Stärkung der DDR beizutragen.“ P.R.)
Der Generalsekretär des ZK der KPdSU, Michail Gorbatschow, leitete die Delegation der KPdSU zum XI. Parteitag der SED im April 1986. Er wurde vom Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates, Erich Honecker, herzlich verabschiedet.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
(Gorbatschow war der größte Verräter des Jahrhunderts. Sein Coup war einmalig. Er schuf die Voraussetzungen, um den Sozialismus in Osteuropa und der DDR zu beseitigen. Erich Honecker hatte Gorbatschow erst durchschaut, als es zu spät war. P.R.)
Es stimmt, all das hat sehr viel mit Politik zu tun. Aber ist Politik wirklich nur eine Sache der Politiker?
Denkt ihr auch an Politik, wenn ihr am Abendbrottisch sitzt und es euch wieder einmal besonders schmeckt? Wenn ihr euren Eltern eine gute Nacht wünscht und dabei nur meint, keine solle krank werden? Denkt man eigentlich an Politik, wenn man sich auf den nächsten Urlaub freut oder dem entscheidenden Spiel der Lieblingsmannschaft entgegenfiebert? Manche und mancher will es einfach nicht glauben, aber auch das hat mit Politik zu tun. Eine gute Nacht, einen schönen Urlaub und ein begeisterndes Sportereignis kann man nur haben, wenn Frieden herrscht. Und das ist doch ganz klar Politik; dafür sollte man sich schon interessieren.
„Dafür“, so sagte unsere Gesprächspartnerin/unser Gesprächspartner nachdenklich,„interessiere ich mich selbstverständlich. Nur – man kann ja doch nichts beeinflussen.“
Jeder und jede von Euch wird zugeben, es gibt leichtere Fragen. Kann man mit dreizehn Jahren etwas dazu tun, dass Frieden bleibt, oder nicht? Kann man überhaupt Einfluss auf die Politik nehmen? Haben jene Erwachsenen nicht recht, die sagen, Kinder verstehen noch nichts von Politik, lasst sie doch deshalb damit in Ruhe?
Es ist nicht einfach, sich da zurechtzufinden. Aber gerade um das Zurechtfinden geht es. Natürlich wollt ihr spielen, euch erholen, sollt lustig sein, Sport treiben und Freundschaften haben. Natürlich sollt ihr in erster Linie günstige Bedingungen für eure wichtigste Aufgabe haben, fleißig zu lernen. All das geschieht aber nicht im luftleeren Raum, in einer „unpolitischen Sphäre“. Ihr lernt, spielt, treibt Sport in unserem Land (der DDR P.R.), innerhalb der Grenzen unseres Landes (der DDR). Das geschah in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Ihr alle seid (wart P.R.) Bürgerinnen und Bürger dieses Staates, Staatsbürgerinnen und -bürger der Deutschen Demokratischen Republik.
In eurem ganzen bisherigen Leben spielte unser Staat (die DDR P.R.) eine wichtige Rolle. Die meisten von euch haben früher Kinderkrippen und Kindergärten besucht. Sie wurden und werden vom Staat gebaut, und unser Staat (die DDR P.R.) wendet dafür viel Geld auf. (Das sieht heute anders aus. Heute gibt es zu wenig Kindergartenplätze und an Geld dafür mangelt es ohnehin. P.R.)
Oder betrachtet mal euren Impfausweis! Die meisten von euch verstecken ihn am liebsten ganz hinten in einer Schublade, aber dennoch: Diese vielen -für Eure Eltern kostenlosen, für den Staat sehr teuren – Impfungen haben dafür gesorgt, dass manche schwere Kinderkrankheit in der DDR nicht mehr auftritt!
Viele von euch leben in einer neuen Wohnung. Die Eltern zahlen dafür wenig Miete, das meiste zur Werterhaltung bestreitet der Staat. Aber vielleicht konntet ihr dadurch zu Hause schneller sparen und manchen Wunsch eher erfüllen?
Wusstet ihr, dass unser Staat (die DDR P.R.)für Bildung und Erholung einen sehr großen Teil seiner Geldmittel aufwendet? (Nun ja, damit sieht es heute düster aus. Schade, dass viele damals die DDR nicht als „unseren Staat“ gesehen haben. Die Aufwendungen für die oben genannte Dinge nahm man als selbstverständlich. Erst als es zu spät war, ist das vielen bewusst geworden und erst dann haben sie gemerkt, was sie verloren haben. P.R.)
So wie hier erholen sich jährlich in den Ferien etwa 2 Millionen Kinder in Ferienobjekten der Betriebe (Heute interessiert das keinen Betrieb mehr. P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Auch ihr habt, wenn ihr heute fleißig lernt, Einfluss auf die Entwicklung unseres Staates (die DDR P.R.) Mit den Kenntnissen und Fähigkeiten, die ihr heute in der Schule erwerbt, werdet ihr morgen komplizierte wissenschaftlich-technische Aufgaben meistern.
Die Jung- und Thälmannpioniere tragen hervorragend zur wirksamen internationalen Solidarität unseres Staates (der DDR P.R.) bei. Auch euer Eintreten für den Frieden hilft, unseren Feinden zu zeigen, dass sie in Zukunft nicht in die DDR eindringen können, es hilft mit, die Lebensfrage der Menschheit- die Erhaltung des Friedens- zu lösen. (Und es ist alles anders gekommen. P.R.)
Man kann also als einzelner, als einzelne eine ganze Menge bewirken! Deshalb solltet ihr euch schon für die Gesellschaft, für die Politik, für den Staat interessieren, dessen Staatsbürger und -bürgerinnen ihr auch mit dreizehn Jahren schon seid.
Freilich, später, als Facharbeiter/in oder Handwerker/in, als LPG-Bauer, bzw. LPG-Bäuerin oder Soldat, Lehr/in oder Künstler/in, Ingenieur/in oder Diplomat/in- da werdet ihr direkter, spürbarer, unmittelbarer auf die Geschicke unseres Vaterlandes(der DDR. P.R.) Einfluss nehmen. Aber darauf muss man sich vorbereiten; man sollte daher rechtzeitig anfangen, sich zu orientieren und zu handeln, dafür braucht man schon heute (im Schulalter P.R.) einen Kompass. Das Fach Staatsbürgerkunde will euch dabei helfen. Viele Fragen können und sollen in diesem Schuljahr gestellt und beantwortet werden. Besonders aber geht es um eine Frage:
Welche Vorzüge hat die sozialistische DDR, und was können wir Staatsbürgerinnen und -bürger tun, um diese Vorzüge zu erweitern? Das allerdings ist eine ganz wichtige und entscheidende Frage, Ihre Beantwortung soll uns helfen, als sozialistische Staatsbürgerinnen und -bürger zu wirken, und das heißt mitzuarbeiten, mitzuplanen, mitzuregieren.
(Allerdings wurde der symbolische Kompass von der Mehrheit der Jugendlichen und vielen Erwachsenen nicht angenommen. So fielen sie auf „Schwerter zu Pflugscharen“ und später auf die Konterrevolutionäre herein. P.R.)
Lied vom Vaterland (DDR)
Text: Lied vom Vaterland (DDR)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
In diesem Abschnitt des alten Staatbürgerkundebuches der DDR steckt viel drin. Es ist schade, dass das Interesse an dem Fach Staatsbürgerkunde gering war. Viele fanden es langweilig. Es stellt sich die Frage, wie die Lehrkräfte das Wissen vermittelten und ob sie womöglich selbst nicht davon überzeugt waren, was sie lehrten. Wäre es von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen angenommen und zu Herzen genommen worden, wäre 1989 anders verlaufen. Natürlich konnte es nicht weitergehen, wie es war. Ein neuer Weg musste eingeschlagen werden.
Einfluss haben die Staatsbürgerinnen und -bürger der DDR sehr wohl genommen, aber es wurde der falsche Weg eingeschlagen. Das verkauft die heutige Propaganda als „friedliche Revolution“.
Das erlernte Wissen ist ja nicht angenommen und somit wieder vergessen worden. Nun gibt es die DDR nicht mehr. Doch auch aus heutiger Sicht ist dieser Abschnitt interessant. Es wird ja heute behauptet, dass die DDR eine Diktatur war. Dieser Abschnitt sagt, dass mitarbeiten und mitdenken angesagt war. Das ist in einer Diktatur nicht möglich und erwünscht. Die heutige Propaganda erzählt viel Falsches und Negatives über die DDR. Um die historischen Ereignisse besser zu verstehen, lohnt ein Blick in die alten Schulbücher der DDR. In Antiquariaten kann man sie noch finden.
Petra Reichel
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel
Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR
Wie in Westdeutschland die Macht der Imperialisten wiederhergestellt wurde
Als der zweite Weltkrieg zu Ende war, war auch in den westlichen Teilen Deutschlands die macht der Monopol– und Bankherren sowie der Großgrundbesitzer stark erschüttert. In Dieser Situation fanden im Ruhrgebiet, in Hessen und Bayern, ja in allen Teilen der westlichen Besatzungszonen vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten zusammen, um ähnliche demokratische Umgestaltungen wie im Osten Deutschlands zu fordern.
Der Wille der Werktätigen
Der Wille der Bevölkerung Westdeutschlands nach grundlegenden demokratischen Umgestaltungen war ebenso stark wie im Osten Deutschlands. So sprachen sich drei Viertel der Wähler im Land Hessen für die Enteignung des Monopolkapitals aus.
Gesetze zur Enteignung von Monopolherren und Kriegsverbrechern wurden verabschiedet, aber entgegen dem Willen der Mehrheit des Volkes nicht verwirklicht.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
In Hessen und Nordrhein-Westfalen fanden Volksabstimmungen statt, in denen sich die Mehrheit der Bevölkerung für Forderungen aussprach, wie sie im Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 enthalten waren. In Schleswig-Holstein erhielt die SPD 1946 die absolute Mehrheit im Landtag, weil sie den Bauern eine Bodenreform versprochen hatte. Im Verlaufe von vier Jahren wurden sieben Gesetze über eine Bodenreform verabschiedet, aber eine Bodenreform fand nirgendwo statt, obwohl es über 800 000 Landbewerber und unüberhörbare Forderungen nach solch einer Reform gab.
Selbst die Führung der SPD in den westlichen Besatzungszonen musste eingestehen: „In Politik, Wirtschaft und Verwaltung herrschen wieder die gleichen Kräfte, die uns zu den heutigen Zuständen geführt haben.“
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Alte Faschisten konnten wieder unbekümmert leitende Ämter ausüben, ja sogar Recht sprechen! So waren über 60 Prozent der Richter und 76 Prozent der Staatsanwälte früher Mitglied der faschistischen Partei gewesen.
Nirgends in den westlichen Besatzungszonen wurde ernsthaft der Militarismus und Faschismus ausgerottet. Die Herrschaft des Monopolkapitals blieb unangetastet.
Warum war es möglich, den Willen der Mehrheit des Volkes so zu missachten?
Die wichtigste Ursache bestand darin, dass es in den westlichen Besatzungszonen nicht gelang, die Einheit der Arbeiterbewegung herzustellen. Damit konnte die Arbeiterklasse ihre Ziele nicht gegen das Monopolkapital durchsetzen.
Im Gegensatz zur sowjetischen Besatzungsmacht, die das Ringen um die revolutionäre Einheit der Arbeiterbewegung unterstützte, verboten die imperialistischen Besatzungsmächte alle Bestrebungen zur Vereinigung von KPD und SPD in ihren Besatzungszonen. Es war ein erklärtes Ziel der imperialistischen Besatzungsmächte, die Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse um jeden Preis zu verhindern.
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Das Ziel dieses Verbots bestand darin, die Arbeiterklasse zu schwächen, die Kraft, die einzig und allein in der Lage war, alle demokratischen Kräfte um sich zu scharen und die antifaschistisch-demokratische Entwicklung auch in den westlichen Besatzungszonen einzuleiten und zum Sieg zu führen. Die Militärregierungen in den westlichen Besatzungszonen vertraten damit die Klasseninteressen des in- und ausländischen Monopolkapitals. Sie arbeiteten auch mit Führern der SPD zusammen, die gegen die Kommunisten hetzten und gegen die Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse auftraten.
Alle diese Kräfte hatten Angst vor einer politisch starken Arbeiterklasse, die in der Lage gewesen wäre, auch im Westen Deutschlands eine Wende in der Geschichte unseres Volkes herbeizuführen.
Der Plan des Monopolkapitals zur Spaltung Deutschlands
Das Monopolkapital strebte zunächst die Wiederherstellung seiner Herrschaft in ganz Deutschland an. Als es aber in der sowjetischen Besatzungszone vernichtend geschlagen wurde, war es bestrebt, zu retten, was noch zu retten war. Es nahm Kurs auf die Spaltung Deutschlands durch die Schaffung eines gesonderten Staates.
Diesem Plan des Monopolkapitals setzten die Arbeiterklasse und weitere fortschrittliche Kräfte einen heftigen Widerstand entgegen. Gemeinsam mit allen anderen antifaschistisch-demokratischen Kräften kämpften die SED und die KPD konsequent gegen die Spaltung Deutschlands und für eine einheitliche antifaschistisch-demokratische Republik.
Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden. Ein einheitlicher antifaschistisch-demokratischer Staat zwischen Oder und Rhein hätte das Kräfteverhältnis im Zentrum Europas so grundlegend geändert, dass die Existenz des imperialistischen Systems in Europa ernsthaft bedroht gewesen wäre. Daher war der Imperialismus bestrebt, im Zentrum Europas jede Veränderung des Machtverhältnisses zugunsten der Arbeiterklasse und aller demokratischen Kräfte mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern. Das war auch das Bestreben der imperialistischen Besatzungsmächte, die nunmehr in noch stärkerem Maße vorsätzlich gegen das Potsdamer Abkommen handelten.
Schritte zur Spaltung Deutschlands
Am 02. Dezember 1946 unterzeichneten die Außenminister der USA und Großbritanniens ein Abkommen über die wirtschaftliche Vereinigung der amerikanischen und der britischen Zone. Damit war die sogenannte Bi-Zone geschaffen. Ihr wurde später die französische Zone angeschlossen, wodurch die Tri-Zoneentstand.
Damit war Deutschland ein schwerer Schlag zugefügt worden. Noch gab es aber Gemeinsames, so die gemeinsame Währung. Da verkündeten am 18. Juni 1948 die westdeutschen Rundfunkstationen die Einführung einer neuen Währung in den drei westlichen Besatzungszonen. Damit wurde Deutschland wirtschaftlich gespalten.
Unter dem Schutz der imperialistischen Besatzungstruppen werden überall in den Westzonen und Westberlin die lange vorher gedruckten Geldscheine für die separate Währungsreform ausgeliefert
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Die Gründung der BRD
Jetzt wollten die großen Monopole von Rhein und Ruhr ihren Staat haben, ihr Machtinstrument zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft.
Unter Missachtung des Willens der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und unter Verletzung des Potsdamer Abkommens wurde im September 1949 die Spaltung Deutschlands mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) vollendet.
Wie dieser Staat aussehen sollte, hatten die westlichen Besatzungsmächte festgelegt. Sie bestimmten auch den Inhalt der Verfassung der BRD. Im Unterschied zur Verfassung der DDR, die das Volk vor ihrer Annahme drei Jahre lang diskutierte, wurde die Verfassung der BRD ohne Mitwirkung des Volkes in Kraft gesetzt.(Offiziell ist es keine Verfassung, sondern das Grundgesetz P.R.)
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987
Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987, bearbeitet von Petra Reichel
Original-Text aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR
1. Die Einkesselung und Vernichtung der Deutschen bei Stalingrad
In den frühen Morgenstunden des 19. November 1942 traten die sowjetischen Truppen der Südwestlichen, der Don- und der Stalingrader Front auf Befehl des Obersten Befehlshabers zu einem ungestümen Angriff in zwei Richtungen-nordwestlich und südlich von Stalingrad-an. Nachdem sie die Verteidigung des Gegners nordwestlich von Stalingrad in einer Breite von 30 km südlich der Stadt in einer Breite von 20 km durchbrochen hatten, rückten die angreifenden Verbände gleich in den ersten drei Tagen um 60-70 km vor. Die Sowjettruppen zerschmetterten die Flanken des Gegners und schlossen am 23. November einen festen Ring um die Deutsche 6. Armee und die 4. Panzerarmee. Die erste Aufgabe der Offensive war erfüllt.
Die Aufgabe der Vernichtung dieser gewaltigen eingekesselten Armeegruppe trat in den Vordergrund. Das war keine leichte Angelegenheit, erstens, weil es sich um viele Zehntausende voll kampffähiger Soldaten handelte, und zweitens, weil die deutschen Armeen nur einen Teil der Gesamtfront bildeten und durch andere Truppen ersetzt werden konnten.
Die Rote Armee hatte bereits Erfahrungen bei der Einkesselung von deutschen Truppen gesammelt. Anfang 1942 war bei Staraja Russa die 16. Deutsche Armee eingekesselt worden. Aber es war den Deutschen gelungen, eine kleine Bresche zu schlagen und den erkämpften Brückenkopf zu halten. Andere deutsche Verbände, die sich in einer Entfernung von 20-30 km befanden, kamen der 16. Deutschen Armee zu Hilfe. Um den Deutschen keine Möglichkeit zu geben, ein solches Manöver auch bei Stalingrad zu wiederholen, musste die deutsche Front um mindestens 100-150 km zurückgeworfen werden. Hitler versuchte in der Tat, den Ring der Umklammerung zu durchbrechen, zog bedeutende Panzerkräfte zusammen und setzte sie unter dem Befehl von Manstein bei Stalingrad ein, um von Paulus zu Hilfe zu kommen.
Gemäß dem Befehl von J.W. Stalin gingen die sowjetischen Truppen am mittleren Don zum Angriff über. Verbände der Südwestlichen und der Woronesher Front durchbrachen die Verteidigungsfront des Gegners im Abschnitt Nowaja Kalitwa-Monastyrschtschina und rückten gleich in den ersten vier Tagen um 50-90 km vor. Nachdem sie neun feindliche Infanteriedivisionen sowie eine Brigade zerschlagen und vier weiteren Infanteriedivisionen und einer Panzerdivision eine Niederlage bereitet hatten, warfen die sowjetischen Verbände beider Fronten Die Deutschen um weitere 200 km zurück.
Gleichzeitig hielten die sowjetischen Verbände dem Ansturm der Manstein-Gruppe stand, die sich von Kotelnikowo aus nach Stalingrad durchzuschlagen versuchte. In zähen Abwehrkämpfen ließen sie den Feind verbluten und gingen, nachdem Verstärkungen eingetroffen waren, zum Angriff über. Die Manstein-Gruppe erlitt eine entscheidende Niederlage.
Jede Möglichkeit, die bei Stalingrad eingeschlossenen Truppen zu retten, war für das deutsche Oberkommando nunmehr ausgeschlossen. Die Versuche, die eingekesselte Armeegruppe mit Hilfe von Transportflugzeugen zu versorgen, wurden durch die sowjetische Luftwaffe und die Luftabwehr unterbunden.
Feuerüberfall der sowjetischen Granatwerfer, der berühmten „Katjuschas“
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Stalingrad nach Abschluss der Kämpfe
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Lage der bei Stalingrad eingekesselten Truppen des Generalfeldmarschalls Paulus wurde hoffnungslos. Durch den Vertreter des Hauptquartiers des Obersten Befehlshabers, heute (1947) Hauptmarschall der Artillerie Woronow, und durch den Befehlshaber der Truppen der Donfront, heute (1947) Marschall der Sowjetunion Rokossowskij, schlug das sowjetische Oberkommando den Deutschen vor, sich zu ergeben. Paulus lehnte ab. „Wenn der Feind sich nicht ergibt, wird er vernichtet“, so lautete das Gesetz der Roten Armee. In der Zeitspanne vom 10. Januar bis 2. Februar 1943 wurde diese Aufgabe mit der gleichen Meisterschaft wie die gesamte Stalingrader Operation durchgeführt. Zwei deutsche Elitearmeen, die 4. Panzerarmee und die 6. Armee, die über 330 000 Mann zählten, hörten auf zu existieren. Nur ein Drittel ihres Bestandes, etwa 91 000 Mann, blieben am Leben und gerieten in Gefangenschaft. Über 2500 Offiziere und 24. Generale mit Generalfeldmarschall Paulus an der Spitze wurden gefangengenommen. Die Rote Armee brachte riesige Beute ein.
Die nach der Idee und unter der Führung Stalins durchgeführte Stalingrader Operation stellt ein unübertroffenes Vorbild der Kriegskunst dar. Die Kriegsgeschichte kennt keine ähnlichen Fälle der Einkesselung und Vernichtung einer riesigen Anzahl regulärer Truppen, die mit dem seinerzeit modernsten Kriegsmaterial mehr als reichlich ausgestattet waren.
Über 70 Jahre war die deutsche Militärclique von der Idee der Vernichtung feindlicher Armeen durch Einkesselung besessen. 216 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung hatte der karthagische Feldherr Hannibal in der Schlacht bei Cannae das römische Heer eingeschlossen und fast völlig vernichtet. Seit jener Zeit wurde die Schlacht bei Cannae zum Vorbild einer Schlacht, bei der es einem Gegner gelingt, die Truppen des anderen einzukesseln und zu vernichten. Die deutschen Kriegshistoriker, welche die Einkesselung und Vernichtung der gegnerischen Kräfte mit Recht für den höchsten strategischen Erfolge hielten, verfälschten die Wissenschaft, um in den Schlachten der Vergangenheit „deutsche Cannae“ zu finden. Während des ersten imperialistischen Weltkrieges suchten die deutschen Generale in jeder Schlacht erfolglos ihr „Cannae“. Ein klassisches Beispiel einer Einkreisungs- und Vernichtungsoperation fanden sie bei Stalingrad. Aber das war ein „russisches Cannae“. Zum ersten Male in der Geschichte der Kriege und der Kriegskunst wurde eine derartige Anzahl feindlicher Truppen eingekesselt und vernichtet. Dabei vermochten bei Cannae einzelne römische Verbände aus der Einkesselung zu entweichen, bei Stalingrad dagegen entkam keiner.
Nach der Stalingrader Schlacht ging die Initiative bei den Kampfhandlungen in die Hände des sowjetischen Oberkommandos über. Im Jahre 1941 hatte die faschistische Armee, die damals über eine ganze Reihe von vorübergehenden Vorteilen verfügte, die Initiative 5 ½ Monate lang in ihren Händen gehalten. Im Jahre 1942 vermochte das Hitlerkommando, das, dank der fehlenden zweiten Front, alle seine Reserven an die sowjetische Front werfen konnte, nur drei Monate lang die Initiative an sich zu reißen. Wenn man sogar das Vorrücken der deutschen Truppen im Nordkaukasus mitrechnet, befand sich die Initiative 4 ½ Monate lang in ihren Händen. Die Rote Armee dagegen, die bei Stalingrad die Initiative ergriff, ließ sich diese bis Kriegsende nicht mehr entreißen.
Die Stalingrader Schlacht bedeutete einen grundlegenden Umschwung im ganzen Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges. Sie kündete den Untergang der deutsch-faschistischen Armee an.
Der heroische Kampf des Sowjetvolkes im Rücken des Feindes half der Roten Armee den Sieg bei Stalingrad zu erringen.
Durch furchtbare Bestialitäten versuchten die Hitlerleute, den Geist des Sowjetvolkes zu brechen, ihm seinen Widerstandswillen zu rauben und es in gehorsame Sklaven zu verwandeln. Aber den Faschisten gelang es nicht, die Sowjetmenschen einzuschüchtern. Ein Beispiel für die grenzenlose Vaterlandsreue stellt der Kampf der heroischen Jugend von Krasnodon dar.
Die Komsomolzen dieser Bergarbeitersiedlung mit dem 17jährigen Oleg Koschewoj an der Spitze schufen eine illegale Organisation unter dem Namen „Die junge Garde“, um die faschistischen Eindringlinge zu bekämpfen. Die Angehörigen dieser Organisation verbreiteten Flugblätter über die Lage in der Sowjetunion. Sie vernichteten die Listen der von den Hitlerleuten in die Sklaverei getriebenen Menschen, befreiten aus den Lagern und Transportzügen jene, die nach Deutschland verschleppt werden sollten.
Ein gemeiner Verrat machte die Tätigkeit der „Jungen Garde“ ein Ende. Die Helden gerieten in die Hände der Gestapo, die durch ungeheuerliche Folter versuchte, den Verhafteten Angaben über die Zusammensetzung und die Verbindungen der Organisation zu entreißen. Die Junggardisten hielten ihren Treueschwur. Die Hitlerleute warfen die verstümmelten Illegalen in eine Kohlegrube.
Die Rächer des Volkes richteten ihre Schläge gegen die verwundbarsten Stellen des Feindes, zerstörten sein Nachschubsystem und zwangen ihn, seine Kräfte zu zersplittern. Die Hitlerleute verspürten am eigenen Leibe die unheimliche Wirkung des Vernichtungskrieges des Volkes, der im engen Zusammenwirken mit den Operationen der regulären Roten Armee geführt wurde.
2. Der Beginn der Massenvertreibung der faschistischen Eindringlinge aus der Sowjetunion
In den Tagen, da die Vernichtung der bei Stalingrad eingekesselten deutschen Truppen vollendet wurde, trat die Rote Armee auf einer riesigen Front zum Angriff an. Dem Feind wurde zunächst südlich von Woronesh und später westlich von dieser Stadt eine vernichtende Niederlage beigebracht, wobei zusammen mit den deutschen auch italienische und rumänische Divisionen zerschlagen wurden.
Im Januar und Februar 1943 befreite die Rote Armee Stawropol, Salsk, Armawir, Majkop, Krasnodar, Nowotscherkassk und Rostow am Don. In den Händen der Deutschen verblieb im Kaukasus nur ein kleines Gebiet auf der Taman-Halbinsel.
Am 8. Februar wurde Kursk genommen, am 9. Bjelgograd, am 16. Februar Charkow. Beim Verlassen von Charkow zerstörten die Hitlerleute die Stadt. Die schönsten und wichtigsten Gebäude, die Brücken und Werke wurden gesprengt und niedergebrannt. Darauf wurde die Stadt einem heftigen Luftangriff ausgesetzt, bei dem Tausende von Einwohnern umkamen. Die Sowjettruppen erreichten den Dnjepr.
Am 8. Februar wurde Kursk genommen, am 9. Bjelgograd, am 16. Februar Charkow. Beim Verlassen von Charkow zerstörten die Hitlerleute die Stadt. Die schönsten und wichtigsten Gebäude, die Brücken und Werke wurden gesprengt und niedergebrannt. Darauf wurde die Stadt einem heftigen Luftangriff ausgesetzt, bei dem Tausende von Einwohnern umkamen. Die Sowjettruppen erreichten den Dnjepr.
Anfang März verbreiterte sich die Front der Offensive der sowjetischen Truppen: die Truppen der Nordwestlichen Front traten zum Angriff gegen die 16. Deutsche Armee an. Innerhalb von acht Tagen wurde der sogenannte Brückenkopf von Demjansk beseitigt. Die Stadt Demjansk, die Rayonszentren Lytschkowo, Salutschje und 299 Ortschaften wurden befreit.
In der ersten Hälfte des Monats März wurden die Deutschen aus Rshew, Gshatsk, Sytschewka und Wjasma vertrieben. Die Frontlinie rückte von Moskau nach dem Westen zurück. Die Faschisten haben die altrussischen Städte Rshew und Wjasma völlig zerstört. An ihrer Stelle blieben nur Trümmerhaufen zurück.
Das hitlerische Oberkommando, das an verschiedenen Fronten, die oftmals Hunderte von Kilometern voneinander entfernt waren, Schlag auf Schlag hinnehmen musste, vermochte nicht festzustellen, woher die Hauptschläge kamen und wo es die Reserven zusammenziehen sollte. Hitler trieb seine Soldaten nach Woronesh, aber unterwegs wurden sie nach Welikije Luki umdirigiert. Soldaten, die nach Kotelnikowo eilten, fanden ihr Grab bei Woronesh. Allein während der drei Monate der Winteroffensive haben die Sowjettruppen 112 gegnerische Divisionen zerschlagen.
In den Kämpfen der Eindringlinge zeigten die Soldaten und Kommandeure der Roten Armee außergewöhnlichen Heroismus. An der ganzen Front und im ganzen Lande wurde die Heldentat des Soldaten des 254. Gardeschützenregiments Alexander Matwejewitsch Matrossow bekannt.
Am 23. Februar 1943, im entscheidenden Moment des Kampfes um das Dorf Tschernuschki an der Nordwestlichen Front, brach Matrossow, als das Feuer des feindlichen Maschinengewehrs den Angriff seiner Kompanie zum Stehen gebracht hatte, bis zum feindlichen Bunker vor und bedeckte mit seinem Körper die Schießscharte, aus der das gegnerische Maschinengewehr feuerte. Er opferte sich auf, um den Erfolg des Angriffs seiner Kompanie zu gewährleisten. Alexander Matrossow war erst 19 Jahre alt. Einige Stunden vor Beginn des Kampfes um das Dorf Tschernuschki sagte er auf einer Komsomolzenversammlung: „Wir werden den Befehl ausführen. Ich werde gegen die Deutschen kämpfen, solange meine Hände die Waffen halten können und solange mein Herz schlägt. Ich werde mit Todesverachtung für unser Land kämpfen.“Er hat sein Wort gehalten. Ihm wurde nach dem Tode der Titel eines Helden der Sowjetunion zuerkannt. Durch den Befehl des Volkskommissars für die Landesverteidigung, J.W. Stalin, wurde dem 254. Gardeschützenregiment der Name „Alexander Matrossow“ verliehen. Matrossows Name wurde für ewig in die Listen der ersten Kompanie dieses Regiments eingetragen. Die Heldentat des Komsomolzen Matrossow zeigte abermals, welche Kraft sich seinerzeit im Sowjetvolke barg.
Die Hitlerleute erlitten schwere Niederlagen, leisteten aber erbitterten Widerstand. Sie unternahmen einen verzweifelten Versuch, die hereinbrechende Katastrophe von ihrer Armee abzuwenden. Ende Februar 1943 konzentrierte die deutsch-faschistische Führung an einem schmalen Frontabschnitt 25 Divisionen, darunter 12 Panzerdivisionen, und unternahm einen Gegenangriff im Raum Donezbecken-Charkow. Das Hitlerkommando versuchte für seine Niederlage bei Stalingrad mit der gleichen Münze heimzuzahlen und die Sowjettruppen bei Charkow einzuschließen. Die vorgeschobenen sowjetischen Verbände zogen sich auf Befehl des Sowjetkommandos rechtzeitig auf den Nördlichen Donez zurück. Charkow und Bjelogorod wurden geräumt. Der von Hitler ausgeheckte Plan misslang, und dem weiteren Vorrücken der deutschen Truppen wurde bald Einhalt geboten. In gleicher Weise scheiterte der Versuch einer deutschen Offensive im Raum von Orel.
Bis April 1943 hatte die Rote Armee die Winteroffensive auf einer 1500 km langen Front in glänzender Weise abgeschlossen. An einigen Frontabschnitten wurden die deutschen Truppen um 600-700 km zurückgeworfen. Ein riesiges Territorium von fast 1,5 Quadratkilometern war von den Faschisten gesäubert worden. Es wurden nicht nur alle Ergebnisse der Hitleroffensive des Jahres 1942 zunichte gemacht, sondern auch Gebiete befreit, die von den Deutschen bereits zu Beginn des Krieges erobert worden waren. Es begann die Massenvertreibung des Feindes aus dem Sowjetland.
Im Verlauf der Winterkämpfe hat die Rote Armee die besten Stammdivisionen des Gegners vernichtet. Allein an Gefallenen verloren die Deutschen 850 000 Mann, während über 343 000 Soldaten und Offiziere des Gegners gefangengenommen wurden. Eine gewaltige Anzahl von Panzern, Flugzeugen, Kanonen und Kraftwagen wurden vernichtet oder erbeutet.
Durch heldenmütige Anstrengungen der sowjetischen Streitkräfte und des gesamten Sowjetvolkes wurde der zunächst ungünstige Verlauf der Ereignisse in eine für das sowjetische Volk günstige Richtung gewendet. Wie ist es dazu gekommen?
Im Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges war die Kampfkraft der Roten Armee gewachsen. Sie wurde zu einer erprobten Armee, d.h. Millionen sowjetischer Kämpfer hatten die meisterhafte Beherrschung der Waffen erlernt, die ihnen das Land lieferte. Zehntausende von Kommandeuren hatten gelernt, persönliche Kühnheit mit der Kunst zu vereinen, die Truppen auf dem Schlachtfeld zu führen. Die Rote Armee hatte es gelernt, „den Feind unfehlbar zu schlagen unter Berücksichtigung seiner schwachen und starken Seiten, wie es die moderne Kriegswissenschaft fordert“ (Stalin).
Die militärischen Erfolge der Roten Armee stellten ferner das Ergebnis der gewaltigen Arbeit im Hinterland dar, die von dem gesamten Sowjetvolk unter der Führung der kommunistischen Partei geleistet wurde. Es wurde eine Rüstungswirtschaft organisiert, die immer mehr Waffen lieferte. In seinem Befehl vom 23. Februar 1943 schrieb Stalin: „Es handelt sich darum, dass das faschistische Deutschland seine Kräfte immer mehr erschöpft und schwächer wird, während die Sowjetunion ihre Reserven immer mehr entfaltet und stärker wird. Die Zeit arbeitet gegen das faschistische Deutschland.“
Die Veränderung der Lage an der sowjetisch-deutschen Front hatte eine enorme internationale Bedeutung. Die Fesselung der deutschen Hauptkräfte im Osten machte es den Alliierten möglich, große Landungsoperationen in Nordafrika durchzuführen und die italienisch-deutschen Truppen in Libyen und Tripolitanien zu schlagen. Die alliierten Truppen zerschlugen die feindlichen Kräfte im Raum von Tunis; im Mai 1943 wurden die italienisch-deutschen Truppen endgültig aus Afrika vertreiben. Die Versuche der Faschisten, Ägypten zu erobern und sich den Weg nach dem Osten, zum Suezkanal zu bahnen, waren gescheitert. Gleichzeitig verstärkte sie anglo-amerikanische Luftwaffe ihre Schläge gen die Rüstungszentren Deutschlands und Italiens.
„Somit ist der Schlag gegen den Feind vom Osten her, vonseiten der Roten Armee“, so betonte Stalin, „zum ersten Mal während des Krieges mit dem Schlag vom Westen her, vonseiten der Truppen unserer Verbündeten, zu einem einheitlichen, gemeinsamen Schlag verschmolzen. Alle diese Umstände zusammengenommen, habe die hitlerische Kriegsmaschine bis auf den Grund erschüttert, dem Weltkrieg einen anderen Verlauf gegeben und die notwendigen Voraussetzungen für den Sieg über Hitlerdeutschland geschaffen.“
3. Das Scheitern der Offensive bei Kursk
Dieser Sieg war jedoch noch zu erringen. Eine weitere Anspannung der Kräfte des sowjetischen Hinterlandes war notwendig; die Rote Armee musste noch weitere vernichtende Schläge gegen den Feind führen; die Alliierten mussten die Kampfhandlungen auf dem europäischen Kontinent eröffnen.
J.W. Stalin wies im Frühjahr 1943 das sowjetische Volk warnend darauf hin, dass das faschistische Deutschland zwar eine Krise durchmache, dass der Feind aber noch nicht besiegt sei; um ihn endgültig zu zerschlagen, müssten alle Kräfte des Volkes mobilisiert werden.
Im Frühjahr 1943 trat im Verlauf der Kampfhandlungen eine vorrübergehende Atempause ein. Sie dauerte etwa 100 Tage. IM Laufe dieser Zeit rüsteten sich beide Parteien zu dem entscheidenden Waffengang. Nur am Kuban entspannen sich erbitterte Kämpfe. Die Deutschen zogen hier etwa 2000 Flugzeuge zusammen und versuchten, mit deren Hilfe ihren Brückenkopf zu erweitern, stießen aber auf erbitterte Abwehr der sowjetischen Luftwaffe, die sich die Luftherrschaft erkämpft hatte. Die deutsche Luftwaffe erlitt hier riesige Verluste. Bei den Luftkämpfen an der Kubanfront zeichnete sich der hervorragende Jagdflieger Major A.I. Pokryschkin, heute (1947) Oberst und dreifacher Held der Sowjetunion, aus. Allein an der Kubanfront schoss er einige Duzende feindlicher Flugzeuge ab. Zusammen mit Pokryschkin kämpften die Helden der Sowjetunion Gebrüder Glinka und Retschkalow.
Der deutsche Versuch, die Luftherrschaft im Frontabschnitt Kursk zu erringen, war ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Die Deutschen verloren Hunderte von Flugzeugen, ohne irgend etwas zu erreichen.
Trotz der gewaltigen Verluste bereiteten sich die Deutschen fieberhaft zu einer neuen Großoffensive vor. Die militärische, wirtschaftliche und politische Lage des faschistischen Deutschlands hatte ich bis zum Sommer 1943 wesentlich verschlechtert. Trotz der 8 Millionen ausländischer Arbeiter verspürten die Industriebetriebe und insbesondere die Ruhrkohlengruben einen akuten Mangel an Arbeitskräften. Die ungarischen, rumänischen und anderen Hitlervasallen schickten bereits nicht mehr so gern wie früher Truppen, um die geschlagenen Armeen aufzufüllen. Mussolini forderte sogar eine verstärkte deutsche Hilfe, um Italien gegen die Alliierten zu verteidigen.
Um die Verluste seiner Armee aufzufüllen, verkündete Hitler Ende Januar 1943 eine neue „totale Mobilmachung“, die sich bis in den Sommer hinein erstreckte. Durch die „totale Mobilmachung“ wurden alle Männer von 16 bis 65 Jahren und alle Frauen von 17-45 Jahren erfasst. Tausende von Betrieben, Ämtern, Läden und Gaststätten wurden geschlossen. Die Mobilmachung erstreckte sich auch auf die Vasallen und auf die besetzten Länder. Das war eine durchgreifende Auskämmung des Hinterlandes, ein Zusammenraffen aller Reserven für eine neue Offensive gegen die Sowjetunion.
Durch diese Maßnahmen vermochte das hitlerische Oberkommando bis zum Sommer 1943 die Zahl seiner Divisionen auf 257 zu bringen, an Stelle der 240, die im Vorjahr an der sowjetisch-deutschen Front gekämpft hatten.
Die gesamte Industrie Europas arbeitete für die Bewaffnung der deutschen Armee. Es wurden schwere Tigerpanzer (T 6) und das Sturmgeschütz „Ferdinand“ herausgebracht.
Zu Beginn des Sommers 1943 hatte das Hitlerkommando die Vorbereitung zu einer neuen Sommeroffensive abgeschlossen. Es bezeichnete diese großtuerisch als eine Operation, die den Ausgang des Krieges entscheiden würde. Für ihre Offensive hatten sich die Deutschen den sogenannten Frontbogen von Kursk ausgewählt, der als Folge der Winteroffensive der Roten Armee entstanden war. Südlich des Bogens hielten die Deutschen die Stadt Bjelgorod in ihrem Besitz. Im Norden des Frontbogens von Kursk schloss sich der befestigte deutsche Aufmarschraum Orel-Brjansk an. Er stellte gleichsam einen Dolch dar, der mit seiner Spitze gegen Moskau gerichtet war: hier der Feind der sowjetischen Hauptstadt am nächsten.
Der Frontbogen von Kursk, der tief in die Frontlinie der Deutschen vorsprang, hatte auch für die Angriffsoperationen der Roten Armee eine außerordentlich große Bedeutung. Er bedrohte die Deutschen in Bjelgorod, Charkow und Orel. Von dem Frontbogen aus führte der bequemste Weg zum Mittelpunkt der Ukraine – nach Tschernigow, Poltawa und Kiew. Das sowjetische Oberkommando hatte die Bedeutung dieses Aufmarschraums für die zukünftigen Kämpfe richtig eingeschätzt und die notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung dieser Frontabschnitte getroffen.
Die Deutschen rechneten darauf, durch einen Stoß von zwei Seiten – von Orel aus nach Süden und von Bjelgorod aus nach Norden- die im Frontbogen von Kursk konzentrierten Sowjettruppen einzukesseln und zu vernichten, um dann gegen Moskau vorzustoßen. Zur Durchführung dieses Planes zogen die Deutschen insgesamt 17 Panzer-, 3 motorisierte und 18 Infanteriedivisionen zusammen. Hier wurden von den Deutschen über 3000 Panzer, 6000 Geschütze und etwa 2000 Flugzeuge eingesetzt. Niemals und nirgends wurde soviel Kriegsmaterial auf einem so schmalen Frontabschnitt – in einer Breite von 40 km im Norden und von 80 km im Süden- eingesetzt.
Im Morgengrauen des 5. Juli 1943 traten die Deutschen zum Angriff an. Das war für die sowjetische Armee keine Überraschung. Das Sowjetkommando war über die deutschen Absichten rechtzeitig informiert. Im Raum des vermuteten deutschen Angriffes waren stärkere Kräfte der sowjetischen Artillerie, Infanterie, Panzer und Luftwaffe zusammengezogen. Indem es die Angaben der Aufklärung ausnutzte, gelang es dem sowjetischen Kommando, in einigen Abschnitten dem Gegner zuvorzukommen. Hier wurden die feindlichen Stellungen, noch bevor die Artillerievorbereitung der Deutschen begann, unter Geschützfeuer genommen, wodurch der Angriff um einige Stunden verzögert wurde.
Bald darauf entspannen sich der ganzen Frontlinie erbitterte Kämpfe.
An den Luftkämpfen über dem Frontvorsprung von Kursk nahmen von beiden Seiten Tausende von Flugzeugen teil.
Die deutschen Panzer griffen in Kolonnen an. An der Spitze rückten die „Tiger“ vor, an den Flanken die „Ferdinande“ und in der Mitte die leichteren Kampfwagen. Eine sowjetische mechanisierte Brigade, die ihre Panzer eingegraben hatte, fing am 6. Juli den Stoß von 220 Panzern auf, deren Operationen von massierten Luftangriffen unterstützt wurden. Eine sowjetische Schützendivision setzte in einem sechsstündigen Kampf 74 deutsche Panzer außer Gefecht.
Nach vier Tagen ununterbrochener Angriffe waren die Deutschen im nördlichen Abschnitt nur 10-12 km vorgerückt. Es war ihnen nicht gelungen, die sowjetische Front zu durchbrechen. Die Rote Armee schuf eine tiefgestaffelte Verteidigungsstellung, d.h. mehrere Verteidigungsgürtel. Das sowjetische Kommando warf neue starke Reserven in den Kampf. Die Artillerie vernichtete erfolgreich die durchgebrochenen „Tiger“ und „Ferdinande“. Die sowjetischen Panzerkräfte führten wirkungsvolle Gegenschläge gegen die Panzerverbände des Gegners durch.
Die ergebnislosen Angriffe zwangen das Hitlerkommando, seine Reserven zu verbrauchen. Nördlich von Kursk wurden die Deutschen in die Verteidigung gedrängt.
Mit einer noch größeren Erbitterung wurden die Kämpfe im Südabschnitt, längs der Landstraße Bjelgorod-Obojan, geführt. Allein am ersten Tag verloren die Deutschen hier 200 Panzer und 180 Flugzeuge. Alle Versuche der Deutschen, die Front bei Prochorowka zu durchbrechen, misslangen. Sie erlitten große Verluste an Menschen und Material, ihre Reserven gingen zur Neige. Die deutsche Führung wurde gezwungen, auch hier zur Defensive überzugehen. Gleich darauf führten die Sowjettruppen einen mächtigen Gegenschlag und hatten am 17. Juli in Richtung auf Orel und am 23. Juli in Richtung auf Bjelgorod die Ausgangslage wiederhergestellt. Der Pan der deutschen Offensive brach zusammen. Die sowjetische Verteidigung erwies sich als der deutschen Offensive überlegen. Am 24. Juli 1943 beglückwünschte der Oberste Befehlshaber die Truppen zu dem Fiasko der deutschen Sommeroffensive.
4. Die Sommeroffensive der Roten Armee
Auf dem Höhepunkt der Schlacht bei Kursk gingen die sowjetischen Truppen der Brjansker Front bei Flankenunterstützung anderer Fronten in den Morgenstunden des 12. Juli zum Angriff über, um den befestigten Aufmarschraum der Deutschen bei Orel zu beseitigen. Die sowjetischen Truppen durchbrachen die deutsche Verteidigung, an der über anderthalb Jahre gebaut worden war. Der Angriff gegen Orel wurde von drei Seiten aus geführt. Orel wurde vom Norden und Süden umgangen. Vom Westen rückten die Truppen des Generals Bagramjan vor, die den Deutschen den Weg nach Brjansk verlegten. Die Stadt wurde in die Zange genommen. In der Nacht zum 4. August begann der Sturm und am Abend des 5. August war Orel feindfrei.
Gleichzeitig mit der Oreloperation begann der Angriff gegen Bjelgorod. Das sowjetische Kommando führte den Schlag in zwei Fronten: vom Osten direkt gegen Bjelgorod und vom Nordwesten in Richtung Charkow. Am 3. August wurde die Front der deutschen Gruppe im Raum von Bjelgorod durchbrochen und die Stadt Bjelgorod am 5. August befreit. In einem Befehl des Obersten Befehlshabers wurde den Truppen der fünf angreifenden Fronten, die Orel und Bjelgorod befreiten, der Dank ausgesprochen. Am 5. August salutierte Moskau zum ersten Male den tapferen sowjetischen Truppen durch Artilleriesalven. Seitdem wurden die Siege der Roten Armee durch Artilleriesalven gefeiert.
Die Schlacht bei Kursk, Orel und Bjelgorod war der Beginn der wuchtigen Sommeroffensive der Roten Armee. In einem einzigen Monat der Kämpfe verloren die deutschen Truppen 120 000 Soldaten und Offiziere an Toten, über 4600 Panzer, über 1600 Geschütze und 11 000 Lastwagen. Die Rote Armee stellte vor der ganzen Welt ihre Fähigkeit unter Beweis, nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer anzugreifen. Das Märchen der faschistischen Lügner, dass die Angriffe der Roten Armee saisonbedingt seien, zerstob. Über die Bedeutung der von der Roten Armee gewonnenen Schlacht sagte Stalin: „War die Schlacht bei Stalingrad ein Vorbote des Untergangs der faschistischen deutschen Armee, so führte die Schlacht bei Kursk sie an den Rand der Katastrophe.“
Unter Ausnutzung des Erfolges bei Bjelgorod nahmen die Sowjettruppen die Befreiung von Charkow und des Donezbeckens in Angriff. Die Truppen der Woronesher Front unter dem Befehl von Armeegeneral Watutin rückten gegen Charkow vor und umgingen die Stadt vom Westen, während die Truppen der Steppenfront unter dem Befehl von Armeegeneral, heute (1947) Marschall der Sowjetunion, Konjew vom Osten und Norden die Stadt angriffen. Charkow deckte den Weg zum Dnjepr und zum Donezbecken. Der Gegner war bestrebt, die Stadt um jeden Preis zu halten und zog hier große Reserven zusammen. Die sowjetischen Panzertruppen zerschlugen diese und durchschnitten die Eisenbahnlinie Charkow-Poltawa. Am 12. August war die zweite Hauptstadt der Ukraine von Hitlertruppen gesäubert.
Die Rote Armee führte die Sommeroffensive in verschiedenen Richtungen und richtete gegen den Feind vernichtende Schläge, die sich zu einer einzigen Offensive an der ganzen Front von Nord-Bjelorussland bis zur Taman-Halbinsel ausweiteten. Die Truppen der Steppenfront rückten unter Kämpfen gegen Poltawa vor und befreiten die Stadt einen Monat nach der Einnahme von Charkow.
Im Südosten bildeten die Stadt Taganrog sowie die beiden Flüsse Mius und Nördlicher Donez starke Verteidigungsstellungen der Deutschen. Diese hielten die Miusstellung für uneinnehmbar. Auch diese überaus starke deutsche Verteidigungslinie wurde Ende August durchbrochen. Die sowjetische Luftwaffe, die die angreifenden Truppen deckte und Breschen in die deutschen Stellungen schlug, spielte dabei eine bedeutende Rolle.
In die Bresche der Miusfront strömten Kubankosaken und Panzerverbände. Sie erschienen im tief im Rücken der deutschen Armeegruppe in Taganrog und schnitten ihr den Rückzugsweg längs der Küste ab. Der Versuch der Deutschen sich über das Meer zurückzuziehen, wurde durch die sowjetische Luftwaffe vereitelt. Am 30. August 1943 wurde Taganrog befreit. Die Sowjettruppen schlossen hier sechs Infanteriedivisionen sowie eine Luftwaffen-Felddivision und eine Panzerdivision ein und erschlugen sie. Allein an Toten verlor der Gegner 35 000 Mann. Der glänzende Sieg der sowjetischen Armee bei Taganrog bedrohte die gesamte feindlich Armeegruppe am Donez. Die Truppen der sowjetischen südlichen Front tauchten in ihrer Flanke auf. Gleichzeitig begannen die Truppen der Südlichen und Südwestlichen Front Anfang September den Kampf um die Befreiung des Donezbeckens. In dieser Schlacht zeigten die sowjetischen Truppen einen besonderen Angriffsschwung und große Beweglichkeit. Sie drangen tief in den Rücken des Gegners ein und umgingen geschickt alle Stützpunkte der feindlichen Verteidigung. Der Gegner befürchtete eine Einkesselung und zog sich zurück. Am 8. September 1943 wurde die Gebietshauptstadt Stalino eingenommen und damit die Hauptstütze des feindlichen Widerstandes gebrochen.
Das überaus wichtige, wenn auch durch die Hitlertruppen stark zerstörte Industrie- und Kohlenrevier wurde dem Sowjetland zurückerobert.
Bei der Offensive der Roten Armee im Sommer 1943 zeichneten sich im Süden die Matrosen der Asowschen Flottille aus. Sie nahmen an der Eroberung von Taganrog, Ossipenko und des bedeutenden Hüttenzentrums und Hafens Mariupol energisch teil.
Im Nordabschnitt der Offensive rechnete die deutsche Führung, die unter den Schlägen der Roten Armee in die Defensive gezwungen worden war, die Sowjettruppen an der Desna aufzuhalten, deren waldiges und sumpfiges Ufergelände für den Angriff große Schwierigkeiten bot.
Die Truppen der Zentralfront unter dem Befehl von Marshall der Sowjetunion Rokossowskij rückten unaufhaltsam vor, überschritten die Desna und setzten sich am 16. September in den Besitz der Stadt Nowgorod-Sewerskij. Das war die erste Bresche, die in die deutsche Verteidigungsstellung längs des Flusses geschlagen wurde. Am nächsten Tag überschritten die Truppen der Brjansker Front ebenfalls die Desna, aber bereits ihren Oberlauf. Sie führten ein Umgehungsmanöver durch, nahmen Brjansk und Beshiza ein und schlugen damit eine zweite Bresche in die deutsche Verteidigungsstellung längs der Desna.
Am 21 September nahmen Rokossowskijs Truppen Tschernigow ein. Der Oberste Befehlshaber beglückwünschte die Truppen zu diesem Sieg und schrieb: „…Der deutsche Plan, den Angriff unserer Truppen am Desnafluss aufzuhalten, darf als gescheitert betrachtet werden.“Und in der Tat, nach der Befreiung von Tschernigow waren die Sowjettruppen in kaum einer Woche im Besitz des gesamten Laufs der Desna und rückten zum linken Dnjeprufer vor.
Ende August 1943 gingen die Truppen der Westlichen Front in Richtung Smolensk zum Angriff über. Das mit mächtigen Verteidigungsstellungen gespickte Vorfeld von Smolensk wurde von den Deutschen das „Tor von Smolensk“ genannt. Dieses „Tor“ ging bereits zu Beginn der Offensive der Roten Armee verloren. Am 25. September nahmen die sowjetischen Truppen Smolensk im Sturm, nachdem die den Dnjepr überquert hatten. Nur am Oberlauf des Dnjepr gelang es den Deutschen, einen kleinen Brückenkopf am linken Ufer, östlich Orscha und Shlobin bis zur Mündung des Soshflusses in der Dnjepr, zu behaupten.
Gleichzeitig wurde von den Sowjettruppen eine glänzende Operation im Süden durchgeführt, wo der von den Deutschen für eine längere Verteidigung ausgebaute Kubanbrückenkopf die weitere Entwicklung der Offensive der Roten Armee behinderte. Der deutsche Kubanbrückenkopf stellte eine Bedrohung für den Kaukasus dar, hinderte gleichzeitig die Sowjettruppen daran, die Krim über die Meerenge von Kertsch hinweg aus dem Osten anzugreifen und versperrte den sowjetischen Schiffen den Weg aus dem Schwarzen in das Asowsche Meer. Das sowjetische Kommando beschloss, diesen deutschen Dorn zu ziehen und die Okkupanten in Meer zu werfen. Der südliche Frontabschnitt verlief durch die Stadt Noworossijsk, die sich in den Händen der Deutschen befand. Die Hauptkampflinie zog sich über das Gelände der Zementwerke. Die sowjetische Artillerie hielt die Zemesskajabucht unter Feuer und machte es den Deutschen unmöglich, den Hafen von Noworossijsk zu benutzen. An der Küste der Zemesskajabucht, nördlich von Noworossijsk, behaupteten die Sowjettruppen einen kleinen Brückenkopf auf Myszchako, der von den Matrosen „Kleines Land“ genannt wurde. Dieser Brückenkopf wurde im Frühjahr 1943 durch ein kühnes Landungsunternehmen der Marineinfanterie, mit Major Cäsar Kunikow an der Spitze, erobert. Bei der Behauptung de sBrückenkopfes von Myszchako spielte die Schwarzmeerflotte die Hauptrolle.
Der Hauptschlag der Sowjettruppen war gegen Noworossijsk gerichtet. Der Plan für die Eroberung der Stadt und des Hafens war verwegen. Ein Landungstrupp sollte durch die Zemesskajabucht von See aus in die Stadt eindringen, während die Landstreitkräfte die deutsche Verteidigung zu Lande durchbrechen sollten.
Über 100 Schiffe nahmen an der Landungsoperation teil. Die Stärke des Landungstrupps betrug etwa 6000 Mann, die über 40 Geschütze, 105 Granatwerfer und 53 Maschinengewehre verfügten. Die Flotte wurde durch Luftwaffe (200 Flugzeuge) und Artillerie (200 Geschütze) unterstützt.
Der Hafen war durch die Deutschen stark befestigt. Die Einfahrt war durch Stahltrossen gesperrt. Nach einer Vorbereitung durch Artillerie und Luftwaffe brachen die Landungstruppen in der Nacht vom 9. Zum 10. September durch eine Feuerwand hindurch in den Hafen ein. Das war eine schwierige Operation. Als erster drang der Kutter unter dem Befehl des Kommunisten Leutnant Krylow in die Bucht ein. Die Truppen landeten an drei Stellen des Hafens, und es entspannen sich verlustreiche Kämpfe. Eine Handvoll der Gelandeten, die nur mit leichten Waffen ausgestattet waren, wies heldenmütig fünf Tage lang die zahllosen von Panzern unterstützten Angriffe des Gegners ab. Die Kämpfer gaben ihr Leben hin, um ihren Kameraden den Weg zu bahnen. In der Nacht zum 11. September gelang es, Verstärkungen in Höhe von 2600 Mann zu landen. Der Erfolg dieser Operation gab den Ausschlag.
Sowjetinfanterie im Angriff
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Einheiten der Schwarzmeerflotte
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Landungstruppen fingen die ganze Wucht des Schlages der deutschen Garnison auf, bis die Infanterie und die Panzer des Generals Lesselidse in die Stadt eingedrungen waren.
Die Lage der Landungstruppen wurde leichter. Nach den schweren Kämpfen wurde der Gegner zerschlagen, und am 26. September war Noworossijsk völlig feindfrei. Die Sowjettruppen rückten in eine tote Stadt ein. Die Einwohner waren von den Deutschen aus der Stadt vertrieben und zurückgebliebene umgebracht worden.
Die Einnahme von Noworossijsk war der Auftakt zur Vernichtung der Gesamten deutschen Taman-Gruppe. Am 22. September wurde Anapa, am 27. September Temrjuk eingenommen. Einen Monat nach Beginn des Sturms auf Noworossijsk wurde die Zerschlagung der gesamten Taman-Gruppe des Feindes abgeschlossen.
5. Die Überquerung des Djepr
Die von dem Willen des Obersten Befehlshabers gelenkten Truppen der vier Fronten – der Zentral-, Woronesh-, Steppen- und Südwestfront-erreichten in der zweiten Hälfte des Monats September fast gleichzeitig des Dnjepr und besetzten den Mittellauf etwa 700 km des linken Ufers.
Es war bereits das vierte Wasserhindernis, das von den Sowjettruppen bei ihrer Sommeroffensive zu überwinden war. Der Dnjepr ist in seinem Mittel- und Unterlauf 500 bis 600 m breit. Der Gegner sprengte alle Brücken und vernichtete alle Fähren. Er hielt das gut befestigte rechte Steilufer besetzt. Die deutsche Luftwaffe schwebte ständig über den Sowjettruppen. Die Nazis versuchten ihre Soldaten davon zu überzeugen, dass ihr Rückzug auf das andere Dnjeprufer die Folge einer planmäßigen Absetzbewegung zur Verkürzung der Frontlinie sei. „Die Ostfront ist jetzt fester den je“, versicherte der faschistische Rundfunk Anfang Oktober, „die deutschen Truppen haben, wie vorgesehen, die entsprechenden Stellungen auf dem Westufer des Dnjepr bezogen, wobei sie nur geringe Verluste erlitten haben.“ Die deutschen Soldaten hofften, dass ihnen endlich eine Ruhepause gegönnt würde. Aber nicht nur die deutschen Soldaten, sondern auch viele ihrer Offiziere und Generale fühlten sich in Sicherheit, als zwischen den sowjetischen und deutschen Truppen der wasserreiche Dnjepr lag. Hitler forderte von den Generalen, die Dnjeprlinie um jeden Preis zu halten.
Die deutschen Offiziere und Generale kamen gar nicht auf die Idee, dass die Rote Armee den Versuch machen würde, ohne Pontons den Fluss zu überqueren. Die Sowjettruppen warteten jedoch das Eintreffen der Pontons gar nicht erst ab und begannen, unerwartet für den Gegner, mit Hilfsmitteln, d.h. mit allem, was sie gerade bei der Hand hatten, überzusetzen. Gerade durch diese Verwegenheit, die sich mit der alten Kriegswissenschaft nicht in Einklang bringen ließ, wurden Brückenköpfe an drei Stellen: nördlich von Kiew, südlich von Perejaslawl und südöstlich von Krementschug geschaffen.
Das Übersetzen des mechanisierten Korps von General Korschagin, heute (1947) Held der Sowjetunion, ging so vor sich: In der Nacht zum 24. September begann das Übersetzen eines Motorschützenbataillons unter dem Kommando von Oberleutnant Moskwin. Als erstes Boot stieß das des Sergeanten Waliulin vom Ufer ab. Eine Gruppe von 45 Mann landete trotz gegnerischen Feuers und wurde sofort in einen Kampf verwickelt. Im Laufe der Nacht wurde das ganze Bataillon mit einer Pak, zwei Panzerbüchsen, einem schweren Maschinengewehr und zwei leichten Maschinengewehren übergesetzt. Mit diesen Waffen erkämpfte das Bataillon einen Uferstreifen von 200 m Länge. Verstärkung kam erst in der Nacht.
Als das ganze Korps übergesetzt war, hielt es zunächst einen Streifen von 4-5 km Länge und 1,5 km Tiefe besetzt, vermochte aber den Brückenkopf im Laufe der Kämpfe zu erweitern.
Die Lage der kleinen Abteilungen und Verbände der Sowjettruppen auf dem rechten Dnjeprufer war schwierig. Die Deutschen fielen über sie her. Die eroberten Fleckchen Boden mussten um jeden Preis gehalten und Verstärkungen abgewartet werden, um weiter vorzurücken. Von der motorisierten Brigade unter dem Befehl von Oberst Artamonow überquerte zunächst eine Gruppe von 37 Mann den Dnjepr; am nächsten Tag traf Verstärkung ein, und die Gruppe bestand bereits aus 180 Mann; auch 82-mm-Granatwerfer wurden hinübergeschafft. Einen Tag später brachte man drei Geschütze und zwei Panzer hinüber. Erst danach gelang es, einen Übersetzverkehr einzurichten und die ganze Brigade überzusetzen. Nach einigen Tagen wurde auf dem gleichen Wege fast eine ganze Armee auf das andere Dnjeprufer übergesetzt.
Der Heldenmut der sowjetischen Krieger, ihre Standhaftigkeit und Zähigkeit in der Abwehr, sowie die Kriegskunst der sowjetischen Offiziere und Generale trugen den Sieg davon. Die sowjetischen Brückenköpfe am rechten Dnjeprufer wurden erweitert. Am 29. September wurde Krementschug genommen. Am 19. Oktober durchbrachen die Truppen der 2. Ukrainischen Front, nachdem sie Panzerkräfte und Artillerie nachgezogen hatten, die deutsche Verteidigung und besetzten die Station Pjatichatka, erweiterten darauf den Brückenkopf am rechten Ufer beträchtlich, erschienen tief im Rücken der ganzen gegnerischen Armeegruppe im Raum von Dnjepropetrowsk und nahmen die Stadt Dnjepropetrowsk ein.
Bei der Überquerung des Dnjepr taten sich Zehntausende sowjetischer Krieger – Soldaten, Sergeanten, Offiziere und Generale – hervor und wurden von der Regierung durch Orden ausgezeichnet. Fast 2000 Mann, die den Tapferen voranschritten, die als erste den breiten Dnjepr überquerten und dem Feind Gelände auf dem rechten Ufer entrissen, die durch ihr persönliches Beispiel, ihren Mut und ihre Kriegskunst den Sieg gewährleistet hatten, wurden des hohen Titels „Held der Sowjetunion“ für würdig befunden.
6. Niederlage im Vorfeld der Krim
Während am Mittellauf des Dnepr die Kämpfe um seine Überquerung in Gange waren, versuchten die Deutschen weiter südlich den Angriff der Roten Armee an der Stellung Molotschnajafluß-Melitopol zu halten. Hier hatten sie außerordentlich starke Verteidigungsanlagen, die sich vom Dneprbogen bei Saporoshje bis zum Asowschen Meer erstreckten, geschaffen und eine gewaltige Menge Kriegsmaterial zusammengezogen. Die Verteidigungsstellung längs des Molotschnajaflusses war noch stärker als die Miusstellung. Die deutschen Truppen erhielten den Befehl, bis zum letzten Soldaten zu kämpfen.
Die Nazis warfen alle ihre Reserven in den Kampf. Von der Krim zogen sie ihre Truppen heran. Die deutsche Luftwaffe flog je 1000 Feindeinsätze täglich. Die sowjetischen Flieger unter dem Befehl des Helden der Sowjetunion Generaloberst der Luftwaffe Chrjukin bekämpften diese erfolgreich. Nach der Überwindung des erbitterten feindlichen Widerstandes drangen die sowjetischen Truppen des Generals Kreiser am 13. Oktober in Melitpol ein. Zehn Tage lang dauerten die Straßenkämpfe an, bei denen nicht nur um jedes Haus, sondern auch um jedes Stockwerk gekämpft wurde.
Am 23. Oktober 1943 war die Stadt Melitopol nach erbitterten Kämpfen feindfrei. Der Gegner hatte eine überaus wichtige strategische Verteidigungsstellung im Vorfeld der Krim und des Dnjeprunterlaufs verloren. Die Einnahme von Melitopol wurde dadurch beschleunigt, dass sowjetische Panzer- und Kavallerieverbände südlich der Stadt in den Rücken des Gegners durchgebrochen waren und dass am 14. Oktober die Stadt Saporoshje befreit wurde. Die Einnahme von Saporishje sicherte die rechte Flanke der 4. Ukrainischen Front und nahm den Deutschen die Möglichkeit, die auf Melitopol vorrückenden Truppen in der Flanke anzugreifen.
Nachdem sie bei Melitopol einen Sieg errungen hatten, wandten sich die Sowjettruppen nach dem Süden – zur Landenge von Perekop und nach dem Westen – zum Dnjepr. In wenigen Tagen rückten sie um 150 km vor und brachten unterwegs reiche Beute an Kriegsmaterial ein. Panzertruppen und Kosakenverbände stießen das Tor zur Krim auf, brachten die Landenge von Perekop sowie einen Teil des Türkischen Walls in ihren Besitz und erschienen vor Armjansk. Die Rückzugswege der deutschen Truppen aus der Krim waren durchschnitten und die feindliche Kräftegruppe auf der Krim von ihrer südlichen Gruppe am rechten Dnjeprufer isoliert. Die sowjetischen Infanteristen überquerten den Siwasch. Gleichzeitig trieben die Gardisten des Generals Sacharow den Gegner nach dem Westen, rückten zum Dnjepr vor und nahmen Kachowka.
Der Unterlauf des Dnjepr war bis auf den Brückenkopf von Nikopol vom Gegner gesäubert. Die feindlichen Truppen auf der Krim waren abgeschnitten und konnten nur auf dem See- oder Luftwege versorgt werden.
Der Organisator des Durchbruchs der deutschen Stellung südlich von Melitopol war Marschall der Sowjetunion Wassilewskij, der Vertreter des Hauptquartiers bei der 4. Ukrainischen Front. General Wassiljew, der sich bei der Durchführung dieser Operation am meisten ausgezeichnet hatte, erhielt den Titel „Held der Sowjetunion“.
7. Die Befreiung von Kiew
Im Oktober 1943 trat der Kampf um den Dnjepr in ein neues Stadium ein. Im Brennpunkt der Kämpfe stand die Hauptstadt der Ukraine, Kiew.
Ein Frontalangriff gegen die Stadt vom Osten her wäre überaus schwierig gewesen. Ein solcher Angriff hätte viele Opfer gekostet. Nachdem eine Reihe von Ortschaften, die Kiew vom Osten deckten, genommen worden war, bereitete das sowjetische Kommando den Hauptschlag vom Norden her vor. Anfang November 1943 traten die Truppen der 1. Ukrainischen Front unter Befehl des Generals Watutin zum Kampf um die Stadt Kiew an. Gleichzeitig drang ein größerer Panzerverband des Generals Rybalko längs des Flusses Irpen vor, um Kiew zu umgehen. Das Vorrücken der Panzerverbände war so ungestüm, dass die Deutschen nicht einmal die Brücken über den Fluss sprengen konnten. Nachdem sie einige deutsche Divisionen zerschlagen hatten, tauchten die sowjetischen Panzer im Rücken von Kiew auf. Nördlich von Kiew operierten erfolgreich die Panzerverbände des Generals Krawtschenko. Am 5. November wurden alle wichtigen Eisenbahnlinien und Ausfallstraßen von Kiew durchschnitten. Der Gegner konnte sich nur in südlicher Richtung zurückziehen. Die Lage der deutschen Truppen wurde hoffnungslos. Am Stadtrand wurde gekämpft.
In der Nacht vom 5. Zum 6. November steckten die Deutschen die Stadt in Brand, sprengten und vernichteten die großen Gebäude. Der Feuerschein der Brände war bereits von weitem zu sehen. Die Ausfallstraßen waren mit vernichtetem Material des Gegners sowie mit Tausenden von Leichen seiner Soldaten und Offiziere übersät. Im Morgengrauen des 6. November 1943 wurde Kiew gestürmt. Unter Zurücklassung des Kriegsmaterials strömten die zerschlagenen deutschen Verbände längs des Dnjepr nach dem Süden.
Zusammen mit den Truppen der Generale Moskalenko und Tschernjachowskij, den Panzermännern der Generale Rybalko und Krawtschenko zeichnete sich bei diesen Kämpfen die tschechoslowakische Brigade aus, die mit dem Suworow-Orden ausgezeichnet wurde.
Während der Festsitzung des Moskauer Sowjets anlässlich des 26. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wurde in Moskau für die heldenmütigen Truppen, die Befreier von Kiew, Salut geschossen.
Die Bedeutung der Kiewer Operation, bei der das Kommando der Front ein kühnes Umgehungsmanöver durchführte, war äußerst groß. „Mit der Einnahme von Kiew wurde durch unsere Truppen ein überaus wichtiger und günstiger Brückenkopf am rechten Dnjeprufer gewonnen, der für die Vertreibung der Deutschen aus der Ukraine rechts des Dnepr von großer Bedeutung ist“, so hieß es im Befehl des Obersten Befehlshabers.
Der Sommerfeldzug der Roten Armee im Jahre 1943 wurde von glänzenden Siegen gekrönt.
8. Die Angriffspläne in der Ukraine rechts des Dnjepr und in Bjelorussland
Nach der Einnahme von Kiew begannen die Truppen der 1. Ukrainischen Front unverzüglich eine neu grandiose Schlacht um die Säuberung der Ukraine rechts des Dnjepr. Der Angriff wurde in Richtung Shitomir im Süden und Korosten im Nordwesten geführt. Eine Woche nach der Befreiung von Kiew wurde Shitomir und einige Tage später Korosten und Owrutsch genommen. Die letztere Stadt wurde von den Partisanen besetzt: diese durchschnitten die Eisenbahnlinie Owrutsch-Korosten, überfielen die Stadt und warfen die feindliche Garnison hinaus.
Im Laufe einer Woche waren die Truppen von Kiew aus weitere 120-130 km nach Westen vorgerückt.
Nach der Einnahme von Kiew waren einige Tage vergangen, und der Kiewer Brückenkopf war von den Truppen der 1. Ukrainischen Front bis zu 400 km in die Breite und 130 km in die Tiefe erweitert worden. Der Durchbruch der Sowjettruppen in Richtung Shitomir war für die Deutschen besonders gefährlich, da ihre gesamte Heeresgruppe rechts des Dnjepr bedroht wurde. Die Deutschen beschlossen, die Situation durch einen Gegenangriff zu retten und führten ihn Mitte November von Fastow und Korosten aus, wobei sie versuchten, die Truppen der 1. Ukrainischen Front an den Flanken zu fassen, zu vernichten und Kiew zurückzuerobern. Bei der Offensive wurden von den Deutschen starke Panzer- und Infanteriekräfte, „Tiger“ und „Panter“ eingesetzt.
Die Sowjettruppen fingen den feindlichen Ansturm tapfer auf. Die Artilleristen rissen große Lücken in die anstürmenden Panzerkolonnen der Deutschen. Eine einzige Batterie setzte an einem Tag 11 Panzer und 28 Panzerwagen außer Gefecht.
Das Hitlerkommando erreichte das gesteckte Ziel nicht. Nach 40tägigen erbitterten Angriffskämpfen waren die deutschen Truppen nicht mehr als 60 km vorgerückt. Auf Befehl des Kommandos gaben die Sowjettruppen Shitomir und Korosten vorübergehend auf. Nachdem es sein Material und seine Menschen verbraucht hatte, war das Hitlerkommando gezwungen, den Angriff einzustellen.
Um den deutschen Ansturm auf Kiew zu stoppen und neue Brückenköpfe für ihre Offensive zu schaffen, führte die Rote Armee während dieser Verteidigungskämpfe nördlich und südlich der deutschen Angriffsfront zwei starke Stöße gegen die Deutschen.
Nördlich des Frontabschnittes, an dem die Hitlertruppen angriffen, nahmen die Truppen der Bjelorussichen Front auf dem rechten Dnjeprufer die Stadt Retschiza ein und befreiten gleich darauf Gomel (26. November), die zweitgrößte bjelorussische Stadt. Damit wurde die Befreiung Sowjet-Bjelorusslands begonnen. Im Dezember 1943 traten die Sowjettruppen auch in Richtung Witebsk zum Angriff an. Am 1. Januar 1944, am 25. Jahrestag der Errichtung der Sowjetmacht in Bjelosrussland, schrieben das ZK der KPdSU (B) und der Rat der Volkskommissare der UdSSR in ihrer Begrüßungsbotschaft an die Werktätigen Bjelorusslands:„Die Zeit ist nicht mehr fern, da die Rote Armee die Säuberung Sowjet-Bjelorusslands vom Feind vollenden und das bjelorussische Volk aus der deutschen Sklaverei befreien wird.“
Am 14. Januar befreiten die Sowjettruppen die bjelorussische Gebietshauptstadt Mosyr und den Eisenbahnknotenpunkt Kalinkowitschi. Die faschistischen Eindringlinge waren bereits aus einem bedeutenden Teil Bjelorusslands verjagt.
Südlich des Frontabschnitts, an dem die Deutschen ihren Gegenstoß führten, zerschlugen die Truppen der 2. Ukrainischen Front eine größere deutsche Kräftegruppe in der Nähe der Eisenbahnstation Snamenka. In ungestümem Tempo griffen die Sowjettruppen in Richtung Kirowograd an. Mitte Dezember war Tscherkassy befreit. Dadurch wurde auf dem rechten Dnjeprufer ein Brückenkopf erkämpft, der sich über 300 km von Tscherkassy bis Saporoshje erstreckte.
Auf diese Weise hatten die Deutschen im Raum von Kiew nichts gewonnen, wohl aber sowohl in Bjelorussland als auch in der Ukraine eine Schlappe erlitten.
Aber auch im Kiewer Frontabschnitt wurde den Deutschen keine Ruhegegönnt. Nachdem sie die feindlichen Angriffe zurückgewiesen und den Gegner stark mitgenommen hatten, gingen die Sowjettruppen zum Gegenangriff über und durchbrachen die feindliche Front. Im Laufe von sechs Tagen wurde der Durchbruch bis auf 300 km erweitert. 8 deutsche Panzer- und 14 Infanteriedivisionen wurden zerschlagen.
Am 31. Dezember 1943 wurde Shitomir wieder eingenommen, Anfang Januar 1944 die Städte Nowograd-Wolysnk, Bjelaja Zerkow, Berditschew und Sarny. Südlich von Polessje wurde ein tiefer Keil in die deutsche Front getrieben.
9. Die Hilfe der Partisanen für die Rote Armee
Bei der Offensive leistete die Partisanenbewegung, genauso wie bisher, der sowjetischen Armee eine große Hilfe.
Die Zahl der Partisanen in der Ukraine, in Bjelorussland, in den Gebieten von Smolensk, Orel und in anderen von den Deutschen besetzten Gebieten hatte sich bis zum Jahre 1943 vervielfacht. Die Partisanen zogen die Massen der Bevölkerung, die unter dem Joch der faschistischen Eindringlinge ächzten, zum aktiven Befreiungskampf heran. Die Organisation der Partisanenbewegung wurde besser: die kleinen Abteilungen schlossen sich zu größeren zusammen, und auf dieser Grundlage wurden Partisanenbrigaden geschaffen, die von kriegserprobten Kommandeuren geführt wurden. Die Partisanenabteilungen operierten schickt in der Nähe der Großstädte und auf dem flachen Land und unterbrachen für längere Zeit den Verkehr auf den wichtigen Straßen und Eisenbahnstrecken.
Sowohl in Bjelorussland auch im Bezirk von Brjansk und bei Leningrad (heute St. Petersburg) gab es „Partisanengebiete“, die Dutzende und Hunderte von Ortschaften umfassten. Im Rücken der Deutschen waren Organe der Sowjetmacht tätig, wurden Partisanenzeitungen herausgegeben. Die Bevölkerung war bestrebt, die Sowjetregierung in ihren Kampf gegen die Okkupanten auf jede Weise zu unterstützen. Mit Hilfe der Partisanen brachte die Bevölkerung des Orelgebietes 29 Millionen Rubel auf und stiftete sie für die Ausrüstung einer Panzerkolonne.
Einige Monate vor Beginn der deutschen Offensive im Raum Orel-Kursk erließ das deutsche Kommando den Befehl, die Wälder „durchzukämmen“, um den Rücken zu sichern. Es wurden zahlreiche Strafexpeditionen mit Panzern ausgesandt, denen es jedoch nicht gelang, die Tätigkeit der Partisanen lahmzulegen. Als die sowjetische Offensive begann, vernichteten die Partisanen innerhalb von sechs Tagen 9 Transportzüge, 8 Lokomotiven, 228 Waggons, 29 Kraftwagen des Gegners und fügten ihm beträchtliche Verluste an Menschen bei.
In der von den Eindringlingen befreiten Stadt Orel wurde eine Kundgebung und Parade der Partisanen veranstaltet. In den Kolonnen der Volksrächer, die an der Tribüne vorbeidefilierten, waren sieben „Helden der Sowjetunion“, 1677 Orden- und Medaillenträger sowie 1516 Träger der Medaille „Dem Partisan des Vaterländischen Krieges“.
Unter den Kommandeuren der Partisanenabteilungen ragte der Held der Sowjetunion Filipp Strelez durch seine Unerschrockenheit und Erfahrung hervor. Nach dem Tode von Streletz wurde eine der Abteilungen nach ihm benannt. Im Gebiet von Brjansk war der Organisator der Partisanenbewegung, der Kommunist Krawzow, allgemein bekannt. Nach dem Heldentod von Krawzow wurde die Partisanenbrigade unter dem Befehl des Helden der Sowjetunion Michail Duka nach ihm benannt.
Die bjelorussische Partisanenarmee zählte im Jahre 1943 über 300 000 Mann. In den Tagen der Offensive der Roten Armee erleichterten die Partisanen ihr Vorrücken, indem sie im feindlichen Hinterland zehntausende von Kilometern von Gleiswegen außer Betrieb setzten und damit die zurückweichenden deutschen Verbände der Verkehrsmittel beraubten. Im Gebiet von Baranowitschi sprengten die Partisanen in zwei Nächten 11 000 Schienen und setzten vier Eisenbahnstrecken außer Betrieb.
Eine unschätzbare Hilfe leisteten die Partisanen den Sowjettruppen bei der Überquerung von Wasserläufen. Eine der Abteilungen eroberte im Einvernehmen mit dem Kommando der Roten Armee einen Stützpunkt am rechten Desna-Ufer und organisierte mit Hilfe der für diesen Zweck vorbereiteten Boote und Flöße den Übersetzverkehr für die Truppen.
Mit Hilfe der Partisanen und der Örtlichen Bevölkerung gelang es den Truppen des Generals Tschernjachowskij, sich überraschend für den Feind über den Dnjepr zu setzen. Im Laufe einer Nacht wurde die ganze Division auf das rechte Ufer gebracht, die bereits bis zum Morgen einen Brückenkopf bis zu 30 km besetzte. Einige Truppenteile rückten zum Dnjepr mit Flussfahrzeugen vor, die von der örtlichen Bevölkerung mit Ochsen und Pferden befördert wurden. Andere Partisanenabteilungen halfen bei der Überquerung des Dnjepr bei Perejaslawl.
Die Partisanen eroberten bei den Deutschen wichtige strategische Punkte und hielten diese bis zum Heranrücken der angreifenden sowjetischen Verbände. Die Partisanenabteilung, die den Namen Woroschilows trug und im Raum von Wilejka operierte, umzingelte die starke Garnison eines deutschen Stützpunktes. Die herangeeilten regulären Truppenteile vernichteten den feindlichen Stützpunkt.
Die Partisanen retteten die sowjetische Zivilbevölkerung vor dem Schrecken der Sklaverei und vor Ausrottung, entrissen den Hitlerleuten Sowjetmenschen, die nach Deutschland getrieben wurden, befreiten Häftlinge und gaben den Beraubten ihr Eigentum wieder.
Der Partisanenverband des Helden der Sowjetunion Naumow befreite bei einem Streifzug durch das Hinterland der deutschen Front 2000 Zivilisten aus der faschistischen Sklaverei und gab der Bevölkerung 1 Million Pud Getreide wieder. Die Partisanen des Orelgebietes entrissen den Deutschen 30 000 Zivilisten, die von den Nazis in die Sklaverei nach Deutschland getrieben wurden.
Anfang 1943 wurde 25 besonders verdienten Partisanen der Titel eines „Helden der Sowjetunion“ zuerkannt. Im Laufe des Jahres wurden über 40 Personen, darunter den heldenmütigen Partisanen Bjelorusslands, der Ukraine und des Leningrader (heute St. Petersburger) Gebietes, die gleiche Auszeichnung zuteil. Vielen Partisanenführern wurde der Generalsrang zuerkannt, so z.B.: M. Duka, A. Fjodorow, Kowpak, Naumow, Tschernyschow und anderen.
Den hervorragenden Volkshelden, Organisatoren und Führern der Partisanenbewegung in der Ukraine, S.A. Kowpak und A.F. Fjodorow, wurde der Titel eines „Helden der Sowjetunion“ zweimal zuerkannt.
Zu der Zeit, da die Deutschen ihre Offensive auf Kursk vorbereiteten, wurde das deutsche Kommando plötzlich alarmiert: in der Westukraine tauchte ein kampfstarker Verband ukrainischer Partisanen unter dem Befehl von S.A. Kowpak auf.
Die Partisanenführer S.A. KOWPAK (rechts) und P. WERSCHIGORA (links)
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Kowpak war Teilnehmer des ersten Weltkrieges gewesen. Den ganzen Bürgerkrieg hatte er an den Fronten verbracht. Vor dem Einrücken der Deutschen war er Vorsitzender des Sowjets in dem kleinen ukrainischen Städtchen Putiwl. Im September 1941 nahm Kowpak mit einer Handvoll Patrioten die Partisanentätigkeit auf. Es waren ihrer etwa 40 Mann. Ihnen schloss sich S.W. Rudnew mit einer Gruppe von 20 Mann an und wurde Kommissar der Abteilung. Die anfangs 60 Mann zählende Kowpak-Abteilung wuchs zu einer mächtigen Kraft an. Im Jahre 1942 weilte Kowpak zusammen mit anderen Partisanenkommandeuren zum Empfang bei Stalin in Moskau. Dort wurde die Idee eines Streifzuges durch die Ukraine rechts des Dnjepr vorgebracht. Im Juni 1943 unternahm Kowpaks Verband sienen verwegenen Streifzug, dessen Ziel darin bestand, das Volk zum Kampf gegen die faschistischen Eindringlinge sich erheben zu lassen und einen Schlag gegen die feindlichen Nachschublinien zu führen. Kowpaks Verband durchquerte ein Gebiet nach dem anderen. Die Kunde von den Partisanen flog durch die ganze Ukraine und durch Polen. Während der Schlacht um Kursk setzten die Partisanen die Haupteisenbahnlinie, über die deutsche Reserven nach dem Osten rollten- Lwow-Tarnopol-Proskurow-Shmerinka-, außer Betrieb und zwangen die Deutschen, ihre Züge über rumänien und Odessa zu leiten. Die Partisanen vernichteten einige Eisenbahnstationen, 41 Erdölbohrtürme, 13 Erdöllager und 3 Erdölraffinerien. In den Karpaten führten die Kowpak-Abteilungen einen Vernichtungskrieg. Die Deutschen setzten Truppen aus Galizien und Ungarn gegen die Partisanen ein. Die Partisanenabteilungen durchbrachen den Ring und kehrten in die Ukraine zurück. Während dieses heroischen Streifzuges fiel der Kommissar der Abteilung, Held der Sowjetunion S. W. Rudnew. Auf dem Rückweg aus den Karpaten durchschnitten die Partisanen die Strecke Sarny-Korosten, eroberten die Eisenbahnstation Olewsk und hielten sie drei Wochen, bis reguläre Sowjettruppen herangerückt waren. Der Karpatenstreifzug Kowpaks war eine der glänzendsten Operationen der sowjetischen Partisanen.
Eine Partisanenabteilung im Raum von Kiew. März 1943
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Einen genauso kühnen Streifzug unternahm der Held der Sowjetunion A.F. Fjodorow. Sein Verband marschierte von Tscherigow bis Brest-Litowsk. Während des Streifzugs wurden etwa 700 deutsche Transportzüge vernichtet sowie Dutzende von Eisenbahnbrücken gesprengt. Die Nachschubwege der Deutschen im Gebiet von Brest, Rowno, Kiew und Minsk wurden zerstört. Die sowjetischen Partisanen zwangen die Deutschen, ihre Transporte auf Umwegen über die Tschechoslowakei und Rumänien zu leiten.
Die Partisanenabteilungen entwickelten sich zu einer für die Okkupanten bedrohlichen Macht.
10. Die weitere Festigung der Anti-Hitler-Koalition
Die Erfolge der Roten Armee bei Stalingrad sowie die Erfolge der Sommeroffensive 1943 hatten den gesamten weiteren Verlauf des Weltkrieges geändert und große internationale Bedeutung erworben. Die Rote Armee, die auch weiterhin die Hauptkräfte Deutschlands fesselte, hat diese bereits gründlich geschwächt. Die Alliierten verstanden es, diese Situation auszunutzen. Nachdem sie im Mai 1943 die italienisch-deutschen Truppen in Tunis geschlagen und ganz Afrika gesäubert hatten, trugen sie den Krieg auf italienischen Boden. Am 10. Juli, während der Schlacht um Kursk, landeten alliierte Streitkräfte im Süden von Sizilien, das bald darauf völlig gesäubert wurde. Anfang September eroberten die alliierten Truppen Süditalien und später Neapel. Das faschistische Italien erlitt einen militärischen und politischen Zusammenbruch. Die italienische Regierung des Marshalls Badoglio kapitulierte Anfang September 1943 bedingungslos. Die italienische Kriegsflotte und Luftwaffe wurden an die Alliierten ausgeliefert. Die italienischen Häfen und Flugplätze wurden für den Kampf gegen die deutschen Truppen benutzt.
Unter dem Druck der Volksmassen erklärte die italienische Regierung am 13. Oktober 1943 Deutschland den Krieg. Auf diese Weise verlor Deutschland seinen Hauptverbündeten in Europa. Das war ein schwerer Schlag gegen die Hitlerkoalition. In den besetzten Ländern, besonders in Frankreich und auf dem Balkan, verstärkte sich die Befreiungsbewegung. In Jugoslawien wurde im Dezember 1943 das Nationale Befreiungskomitee mit dem Marschall Jugoslawiens Josip Broz-Tito an der Spitze gebildet.
Die Säuberung Afrikas von den italienisch-deutschen Truppen und ihren Helfershelfern, den Truppen der faschistischen Vichy-Regierung, verstärke die Position des französischen Komitees für die Nationale Befreiung.
Durch die Siege der Roten Armee und die Politik der Sowjetunion war deren Autorität in den Augen der ganzen Welt unermesslich gestiegen. Das kam dem Wunsch einer Reihe von Staaten zum Ausdruck, die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion wieder aufzunehmen. In seiner Glückwunschbotschaft an M.I. Kalinin zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution brachte der USA-Präsident Roosevelt die allgemeine Begeisterung und Bewunderung für die Sowjetunion zum Ausdruck. Er schrieb: „Der Roten Armee und dem Volk der Sowjetunion gebühren Ehre und Ruhm für ewig. Sie schrieben in die Geschichte des Kampfes gegen die Tyrannei und die Unterdrückung unvergängliche Blätter. Ihr Vorbild und ihr Opfergeist beflügeln alle Kräfte, die im gemeinsamen Kampf um den Sieg vereint sind.“
Die Sowjetunion erwies den slawischen Brudervölkern- den Tschechoslowaken, Polen und Jugoslawen- bei der Organisation von Streitkräften für den Kampf gegen Hitlerdeutschland große materielle Hilfe. Die Sowjetregierung stellte der Tschechoslowakischen Republik Geldmittel und Kriegsmaterial zur Verfügung, mit deren Hilfe auf dem Territorium der UdSSR eine tschechoslowakische Brigade geschaffen, eingekleidet und mit sowjetischen Waffen ausgerüstet wurde. Schulter an Schulter mit den Sowjettruppen kämpfte sie tapfer an den Fronten des Großen Vaterländischen Krieges. Die Brigade wurde später zu einem Korps erweitert und bildete die Grundlage der Streitkräfte der tschechoslowakischen Regierung.
Im Dezember 1943 wurde ein Vertrag über Freundschaft, gegenseitige Hilfe und Nachkriegszusammenarbeit zwischen der UdSSR und der Tschechoslowakischen Republik unterzeichnet. Der Vertrag wurde für eine Frist von 20 Jahren abgeschlossen. Er schuf die Grundlage einer dauernden freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.
Anders entwickelten sich während der ersten Kriegsetappe die Beziehungen zur polnischen Emigrantenregierung. Die polnische Regierung, die mit Hilfe der Sowjetregierung auf sowjetischem Territorium eine 75 000 Mann starke Armee aufgestellt hatte, verletzte ihr Abkommen mit der Sowjetunion und brachte diese Armee, statt sie im gemeinsamen Kampf gegen die Deutschen einzusetzen, im Jahre 1942 nach Iran. Späterhin ist die feindselige Tätigkeit der polnischen Emigrantenclique gegen die Sowjetunion noch intensiver geworden. Die polnische Reaktion unterstützte die nazistische Verleumdungskampagne anlässlich der von den Hitlerleuten im Raum von Smolensk (Katyn P.R.)ermordeten polnischen Offiziere. Mit Unterstützung der polnischen Emigration versuchten die Nazis, dieses bestialische Verbrechen den sowjetischen Truppenteilen zuzuschieben. (Das wird bis heute noch gemacht. Die offizielle westliche Lesart ist bis heute, dass die polnischen Offiziere von sowjetischen Truppenteilen ermordet worden wären. Siehe auch Beiträge zum Thema vom befreundeten Blog „Sascha’s Welt“. Der FSB, der heutige russische Geheimdienst stellt klar, dass die Ermittlungsergebnisse der Nazis gefälscht sind. Angehörige der Opfer von Katyn klagten beim Europäischen Gerichtshof. Ihre Klage wurde abgewiesen. P.R.)Die Sowjetregierung brach ihre Beziehungen zu der reaktionären polnischen Regierung, die sich in London befand, ab, stellte aber die Unterstützung des polnischen Volkes nicht ein.
Die Sowjetunion setzte sich stets für Bildung eines starken, demokratischen und befreundeten Polens ein. Diese Politik wurde von allen demokratischen Elementen unterstützt, die um die Befreiung Polens kämpften. Polen, denen ihr Vaterland teuer war, schlossen sich in der UdSSR zum Bund polnischer Patrioten zusammen. Der Bund wandte sich an die Sowjetregierung mit der Bitte, ihn bei der Aufstellung einer demokratischen Armee zu unterstützen. Die sowjetische Regierung leistete bei der Organisation der polnischen Division „Tadeusz Kosciusko“ und dann einer weiteren Division Hilfe.
Die Anti-Hitler-Koalition wurde immer stärker. Die Alliierten leisteten der UdSSR eine gewisse Hilfe mit Waffen, Rohstoffen und Lebensmitteln, wodurch sie zu den Erfolgen der Roten Armee beitrugen. Die Operationen der alliierten Truppennahmen ebenfalls einen immer größeren Umfang an. Besonders die alliierten Luftangriffe gegen Deutschland wurden wuchtiger. Durch Bombenabwürfe wurde der deutschen Rüstungsindustrie beträchtlicher Schaden zugefügt. (Allerdings nicht nur. Meist wurden Wohngebiete getroffen und es gab unter der Zivilbevölkerung viele Opfer. Das Elend war groß. Eine These besagt, dass bei der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 schon die unterschiedlichen Interessen der Alliierte zu erkennen gewesen wären. Da klar war, dass Dresden später zur sowjetischen Besatzungszone gehören wird, hätten die Westalliierten ihren Plan wahrgemacht Dresden als Trümmerfeld den Sowjets zu hinterlassen. Die Bombardierung Dresdens war nicht kriegsentscheidend. Darüber gibt es viele Diskussionen. Was wahr ist, werden wir nicht 100% erfahren, da die Wahrheit nicht im Interesse der heutigen Machthaber liegt. Siehe auch Beitragaus dem befreundeten Blog „Sascha’s Welt“ P.R.)
Die Lösung der Aufgabe einer möglichst raschen Vernichtung des Feindes sowie mehrere in den Kriegsjahren aufgetauchte Fragen forderten jedoch eine weitere Vereinigung der militärischen und politischen Anstrengungen der drei großen demokratischen Staaten. Ein Plan für das gemeinsame Handeln wurde auf der Moskauer Konferenz der drei Außenminister umrissen, die vom 19. Bis 30. Oktober 1943 in Moskau stattfand. Über die notwendigen Maßnahmen zur Abkürzung des Krieges gegen Deutschland und seine Trabanten in Europa wurde volle Einmütigkeit erreicht. Es wurde beschlossen, die Zusammenarbeit der großen Staaten auch nach Beendigung der Kriegshandlungen fortzusetzen. In der Deklaration „Über die allgemeine Sicherheit“, die auch von der chinesischen Regierung unterstützt wurde, wurden die Hauptbestimmungen formuliert, auf deren Grundlage die internationale Organisation zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der Weltsicherheit funktionieren sollte.
Mit den Unterschriften Roosevelts, Stalins und Churchills wurde die Deklaration über die Verantwortlichkeit der Hitlerleute für die verübten Gräueltaten veröffentlicht. Das war eine eindrucksvolle kollektive Warnung an die faschistischen Barbaren. Alle für Gräueltaten verantwortlichen Soldaten und Offiziere der deutschen Wehrmacht, Nazibeamte und Machthaber seien nach den Gesetzen jener Länder, wo diese Verbrechen von ihnen gegangen wurden, zu bestrafen.
Einen Monat nach der Moskauer Konferenz fand in Teheran die Zusammenkunft der Oberhäupter der drei Großmächte – des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der UdSSR, J.W. Stalin, des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, F.D. Roosevelt, und des Premierministers Großbritanniens, W. Churchill – statt. Auf der Teheraner Konferenz wurden die vordringlichen Fragen der Kriegführung gegen Deutschland sowie der Nachkriegszusammenarbeit entschieden. Die veröffentlichte Deklaration der drei Mächte war von historischer Bedeutung. Sie zeigte die volle Einmütigkeit der Alliierten bei dem Beschluss, Hitlerdeutschland zu zerschmettern und den Völkern eine friedliche Zukunft zu gewährleisten.
„Keine Macht in der Welt kann uns daran hindern, die deutschen Armeen zu Lande, ihre Unterseeboote zu Wasser und ihre Rüstungswerke aus der Luft zu vernichten. Unser Angriff wird erbarmungslos sein und sich steigern.“
So wurde auf der Konferenz in Teheran das Todesurteil über Hitlerdeutschland formuliert. Die Oberhäupter der Großmächte kamen auf der Konferenz auch über den Zeitpunkt der Eröffnung einer zweiten Front in Europa überein.(Es heißt auch, dass auch hier die unterschiedlichen Interessen der Alliierten zum Tragen kamen, weil die zweite Front erst so spät eröffnet wurde. Siehe Beitrag aus dem befreundeten Blog „Sascha’s Welt“ P.R.)
11. Die Offensive der Roten Armee vom November 1942 bis November 1943
In seinem Bericht zum 26. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution am 6. November 1943 nannte J.W. Stalin das abgelaufene Jahr-das Jahr des grundlegenden Umschwungs im Kriegsverlauf.
Dieses Jahr war das Jahr des Umschwungs vor allem deshalb, weil es der Roten Armee gelang, zum ersten Mal seit Beginn des Krieges, eine große Sommeroffensive durchzuführen. Die Erfolge des Sommerfeldzuges bildeten die Fortsetzung und Vollendung der Erfolge des Winterfeldzuges.
Während der Angriffskämpfe führten die Rote Armee und die Kriegsflotte den strategischen Operationsplan des obersten Befehlshabers erfolgreich aus. Die Rote Armee griff auf einer Front von 2000 km Länge an und befreite zwei Drittel des vom Feind vorübergehend besetzten sowjetischen Bodens. Sie rückte um 500-1000 km nach Westen vor. Ein Territorium von einer Million Quadratkilometer, Tausende von Ortschaften, bedeutende Seehäfen und wichtige Eisenbahnlinien wurden dem Feind entrissen. Die deutsche Armee erlitt eine überaus große Niederlage. Alle Pläne des deutschen Oberkommandos, von dem Angriff auf den Frontbogen von Kursk angefangen bis zu den Versuchen, den Krieg durch Abwehrkämpfe zu verlängern, scheiterten.
„Das verflossene Jahr hat gezeigt“, sagte J.W. Stalin, „dass die Rote Armee ebensogut im Sommer angreifen kann wie im Winter.“
Das abgelaufene Jahr war das Jahr des Umschwungs zweitens deshalb, weil die Rote Armee die erprobtesten alten Verbände der faschistischen Armee aufgerieben und vernichtet hatte. Während der vier Monate der Sommeroffensive wurden 144 deutsche Divisionen zerschlagen, und die Deutsche Armee verlor etwa 900 000 Mann allein an Toten und Gefangenen.
Im Laufe des ganzen Jahres büßte die deutsche Armee allein an Toten nicht weniger als 1,8 Millionen Mann und zusammen mit den Verwundeten und Gefangenen über 4 Millionen Soldaten und Offiziere ein. Unersetzliche Verluste erlitt die faschistische Armee auch an Kriegsmaterial: über 14 000 Flugzeuge, über 25 000 Panzer und nicht weniger als 40 000 Geschütze. Die Rote Armee machte die feindlichen Hoffnungen auf einen langwierigen Krieg zunichte, durchbrach seine Verteidigungs- „Wälle“ und trieb die Deutschen, ohne ihnen eine Atempause zu gönnen, aus dem Sowjetland hinaus.
Das abgelaufene Jahr war das Jahr des Umschwungs drittens deshalb, weil, nach den Worten Stalins, „die erfolgreiche Offensive der Roten Armee die wirtschaftliche, militärische und politische Lage des faschistischen Deutschlands von Grund aus verschlechterte und es vor die schwerste Krise führte“.
Die Macht der Sowjetunion, die Kampfkunst der sowjetischen Streitkräfte und ihrer Feldherren waren gewachsen. Die Rote Armee hatte reiche Kampferfahrung gesammelt und bewies, dass sie der deutschen Armee überlegen war und zu kämpfen, zu manövrieren und das Kriegsmaterial einzusetzen verstand. „Die Rote Armee wurde zu der mächtigsten und gestähltesten modernen Armee.“ (Stalin.)
Die militärischen Siege der Roten Armee bewirkten eine Änderung der außenpolitischen Situation zugunsten der Sowjetunion und ihrer Verbündeten und „zum Nachteil Deutschlands und seiner räuberischen Spießgesellen in Europa“. (Stalin.)
Der Kampfbund er UdSSR und der demokratischen Staaten hatte sich gefestigt. Trotz der Voraussagen der faschistischen Politiker über die Gegensätze unter den Vereinten Nationen und über eine Spaltung zwischen diesen hatte das abgelaufene Jahr gezeigt, dass „die Anti-Hitler-Koalition eine zuverlässige Vereinigung der Völker bildet und dass sie auf fester Grundlage beruht“, wie es J.W. Stalin formulierte.(Allerdings bewahrheiteten sich die Voraussagen der faschistischen Politiker im Nachhinein, wie der weitere Verlauf der Geschichte zeigt. Mit der Fultonredeeröffnete Churchillden Kalten Krieg. Doch bereits zuvor zeichneten sich die unterschiedlichen Interessen der Alliierten ab P. R.) Die Vereinten Nationen (hierAnti-Hitler-Koalition P.R.) waren voll Entschlossenheit, gemeinsame Schläge gegen den Feind zu führen und einen endgültigen Sieg zu erringen. Indem J.W. Stalin die Bilanz des Jahres des grundlegenden Umschwungs zog, sagte er: „…der Krieg nähert sich jetzt der Generalentscheidung.“
Das abgelaufene Jahr war das Jahr des Umschwungs auch deshalb, wie die Kriegswirtschaft der Sowjetunion sich weiter gefestigt und verstärkt hatte. Die Erzeugung von Kriegsmaterial in der Sowjetunion war gestiegen. Die heldenmütige Arbeit des Hinterlandes sicherte die technische Überlegenheit der Bewaffnung der Roten Armee im Vergleich zu der Bewaffnung der feindlichen Armee.
Im steigenden Tempo schmiedete das sowjetische Hinterland Waffen für die Front. A.d.B.: Montagehalle einer Flugzeugfabrik, die die berühmten Iljuschin-Sturmflugzeuge herstellte
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
In einer Geschützfabrik im Ural
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Rote Armee gab dem Lande riesige Gebiete zurück (Donezbecken und die Ukraine), wo die Wiederherstellung der zerstörten Industriebetriebe und Kollektivwirtschaften rasch aufgenommen wurde. Auf diese Weise begann das sowjetische Volk bereits in den Kriegsjahren mit der Heilung der tiefen Wunden, die der Volkswirtschaft des Landes durch den Feind geschlagen worden waren.
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947, bearbeitet von Petra Reichel
Originaltext aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947, Original-Autoren: I.I. Minz, I.M. Rasgon und A.L. Sidorow
Genauso wie alle Kriege des 20. Jahrhunderts unterschied sich der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion von den Kriegen vergangener Jahrhunderte dadurch, dass man seinen Ausgang nicht durch eine einzige Schlacht entscheiden konnte. Die Schlacht vor Moskau brachte den Deutschen eine schwere Niederlage bei, aber die deutsche Kriegsmaschine war noch lange nicht zerschlagen. Im ersten Weltkrieg hatten die Großmächte einen Ring von Fronten um Deutschland geschaffen, und trotzdem waren vier Jahre erforderlich, um der deutschen Armee eine endgültige Niederlage beizubringen. Im zweiten Weltkrieg kämpfte Deutschland zwar ohne die Türkei, hatte dafür aber Italien, Japan und Finnland auf seiner Seite.
Im Jahre 1941 führte die Sowjetunion faktisch allein den Kampf gegen Deutschland, das im Vergleich zum Jahre 1914 wesentlich stärker geworden war. Die Last, die sich früher auf einige Großmächte verteilt hatte, musste die Sowjetunion allein tragen. Diese Tatsache allein sagt überzeugend darüber aus, was für Fortschritte das Sowjetland im Vergleich zum alten Russland gemacht hat.
Im Jahre 1942 kämpfte die UdSSR gegen Deutschland und seine Verbündeten auch weiterhin allein, weil die Alliierten keine zweite Front in Europa geschaffen hatten. Das Fehlen der zweiten Front machte sich die faschistische Führung zunutze, um mit neuen Kräften gegen Osten aufzubrechen. In Deutschland wurde eine „totale Mobilmachung“ verkündet: in den Betrieben und Ämtern sowie in den Lehranstalten wurden alle Waffenfähigen eingezogen.
Hitler presste seinen Vasallen neue Truppenverbände ab. Er zog Dutzende von Divisionen von der Westfront ab und warf sie nach Osten. Es gelang ihm, eine gewaltige Faust an der sowjetisch-deutschen Front zu ballen.
In seiner Reichstagsrede am 26. April 1942 sagte Hitler: „Der Winter ist zu Ende, jetzt muss es sich entscheiden, wer siegen wird.“Einige Tage später warf Hitler seine Armeen in eine neue Offensive. Er versuchte vor allem, sich gegen einen Schlag im Rücken von der Krim aus zu sichern. Anfang Mai fielen die deutschen Truppen über die sowjetischen Verbände her, welche die Kertsch-Halbinsel hielten. Ende Mai wichen die sowjetischen Truppen dem Druck überlegener feindlicher Kräfte und räumten die Kertsch-Halbinsel.
Nachdem sie ihre Kräfte auf der Kertsch-Halbinsel frei gemacht hatten, nahmen die Hitlerleute den Sturm gegen die Stadt Sewastopol, die sich bereits über 200 Tage tapfer verteidigte, wieder auf. Gegen die heldenmütigen Verteidiger von Sewastopol setzte Hitler 300 000 Mann, über 400 Panzer und 900 Flugzeuge ein. Die Faschisten ließen täglich 2500 bis 6000 Bomben auf die Stadt fallen. An zwei Kampftagen feuerte der Feind 37 000 Geschosse gegen Sewastopol ab. Aber die Verteidiger Sewastopols kämpften mit beispiellosem Mut und ließen den Gegner im Vorfeld der Stadt verbluten.
Schulter an Schulter mit den Kämpfern der Küstenarmee kämpften heldenmütig die Angehörigen der Schwarzmeerflotte. Die Flotte brachte den Belagerten Ersatz, Waffen und Verpflegung. Die Geschütze der großen Schiffe und die Küstenbatterien errichteten vor dem Gegner eine mächtige Feuerwand. Die Marineluftwaffe bekämpfte unter unwahrscheinlich schwierigen Bedingungen bis zum letzten Belagerungstag die feindliche Luftwaffe und griff die deutschen Stellungen an. Die Brigaden der Marineinfanterie fingen als erste den feindlichen Ansturm auf und vollbrachten in erbitterten Kämpfen Wunder und Standhaftigkeit und Tapferkeit.
Auf dem Höhepunkt der Kämpfe erhielten die Verteidiger von Sewastopol – die Kämpfer der Küstenarmee und der Schwarzmeerflotte – eine Botschaft von J.W. Stalin. Darin hieß es: „Der aufopferungsvolle Kampf der Sewastopoler dient der ganzen Roten Armee und dem Sowjetvolk als Vorbild des Heldenmutes.“
Atemlos verfolgten alle freiheitsliebenden Völker die Schlacht um Sewastopol. In den Stunden des Kampfes auf Leben und Tod erhielten die Verteidiger von Sewastopol ermutigende Grüße von der Garnison der Insel Malta. Der Gouverneur von Malta, Lord Gort, brachte die Begeisterung der Garnison und der Zivilbevölkerung von Malta über die bewundernswürdige Verteidigung von Sewastopol zum Ausdruck und schrieb: „Der Widerstand, den die Verteidiger der Stadt dem Feind leisten, schmückt den historischen Namen Sewastopols mit neuem Lorbeer.“
Der neue Sturm auf Sewastopol kam den Deutschen teuer zu stehen. Allein in 25 Angriffstagen, vom 07. Juni bis 03. Juli 1942, verloren sie etwas 150 000 Soldaten und Offiziere, davon nicht weniger als 60 000 an Toten, über 250 Panzer und 250 Geschütze. In den Luftkämpfen über der Stadt wurden von den Sowjetfliegern über 300 deutsche Flugzeuge abgeschossen. Nach einer 250tägigen heldenmütigen Verteidigung fiel die Heldenstadt am 03. Juli. In dieser Zeitspanne verloren die Deutschen etwa 300 000 Soldaten und Offiziere an Toten und Verwundeten.
Nachdem sie ihren Rücken gegen einen eventuellen Schlag von der Krim aus gesichert hatten, konzentrierten die Hitlerleute seit Anfang Juni ihre Truppen im südwestlichen Abschnitt der sowjetisch-deutschen Front und schufen hier eine große zahlenmäßige Überlegenheit.
In dieser Periode waren von Hitler außer den 179 deutschen Divisionen weitere 61 Divisionen seiner Vasallenländer gegen die Rote Armee eingesetzt. Auf diese Weise operierten gegen die Rote Armee 240 Divisionen- fast doppelt soviel wie im Krieg 1914-1918 gegen Russland.
Das Ziel der neuen faschistischen Offensive bestand genauso wie im Herbst 1941 in der Einnahme von Moskau, aber diesmal wollte man es auf einem anderen Wege erreichen. Die Wolga sollte erreicht, die Hauptstadt von dem Hinterland an der Wolga und dem Ural abgeschnitten werden. Das war der Plan des deutschen Oberkommandos. Aber zum Unterschied vom Jahre 1941, da Hitler seine Pläne hinausposaunte, versuchte er diesmal, seine wahren Absichten zu tarnen. Die Nazis brachten das Gerücht in Umlauf, dass die Eroberung des kaukasischen Erdöls das Hauptziel ihrer Offensive darstelle.
Es gelang ihnen aber nicht, die Wachsamkeit des sowjetischen Oberkommandos zu täuschen. J.W. Stalin durchschaute die deutschen Pläne. Er wies darauf hin, dass das Hauptziel die deutschen Offensive „darin bestand, Moskau vom Osten her zu umgehen, es vom Hinterland, dem Wolgagebiet und dem Ural, abzuschneiden und dann den Schlag gegen Moskau zu führen. Das Vorrücken der Deutschen im Süden in der Richtung auf die Erdölgebiete hatte das Nebenziel, nicht nur und nicht so sehr die Erdölgebiete zu besetzen, als vielmehr unsere Hauptreserven nach dem Süden abzuziehen und die Moskauer Front zu schwächen, um bei dem Schlag gegen Moskau desto leichter einen Erfolg erzielen zu können“.
Die Deutschen hatten zunächst vor, im Raum von Woronesh durchzubrechen. Das sowjetische Oberkommando erriet die gegnerischen Absichten und ergriff die notwendigen Gegenmaßnahmen: bei Woronesh stießen die Deutschen auf einen entschlossenen Widerstand. Das Hitlerkommando warf immer neue Divisionen in den Kampf. Es gelang den Deutschen, in Woronesh einzudringen, ohne dass sie jedoch die Stadtganz zu besetzen vermochten. In den Kämpfen gegen die faschistischen Eindringlinge legten die sowjetischen Krieger außerordentliche Standhaftigkeit und ungewöhnlichen Mut an den Tag und fügten den Angreifern große Verluste zu. Der deutsche Plan wurde zunichte gemacht.
Da es bei Woronesh auf einen zähen Widerstand stieß, änderte das Hitlerkommando die Hauptstoßrichtung und stieß südlicher über den Unterlauf des Dons zur Wolga vor. Da eine zweite Front fehlte, gelang es den Deutschen durch eine beispiellose Kräftekonzentration an einem schmalen Frontabschnitt, neue Gebiete im Südosten der Sowjetunion zu erobern. Sie besetzten den östlichen Teil der Ukraine, überschritten den Don, rückten längs des Unterlaufes dieses Flusses vor und brachen zum Kuban und Nordkaukasus durch. Das Sowjetland geriet in eine äußerst schwere Lage.
2. Die faschistische „Neuordnung“
Überall, wo die deutschen Faschisten hinkamen, legten sie der Bevölkerung ein Joch auf, das schwerer als das der Mongolen war. (siehe „Das Sowjetland“, Band 1) Selbst bei Barbarenüberfällen auf Russland vor vielen Jahrhunderten hatte es keine derartige Ausrottung von Menschen und eine derartig systematische Plünderung gegeben.„Wir brauchen Russland ohne die Russen“,erklärten die Nazis. Dieses Menschenfresserprogramm begannen sie in den von ihnen besetzten Gebieten in die Tat umzusetzen.
Städte und Dörfer wurden buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Die deutschen Faschisten haben 1710 Städte und über 70 000 Dörfer vollständig oder teilweise zerstört und niedergebrannt, über 6 Millionen Wohnhäuser vernichtet. 25 Millionen Sowjetmenschen blieben obdachlos.
In den vorrübergehend besetzten Gebieten und Republiken der Sowjetunion schafften die Hitlerräuber die vom Volke in der Oktoberrevolution erkämpfte Freiheit und Unabhängigkeit wieder ab. Das eroberte Gebiet wurde von den Faschisten in eine Kolonie verwandelt. Überall wurde die sowjetische Verwaltung vernichtet. An die Spitze der besetzten Republiken und Gebiete wurden nazistische Statthalter gestellt. Die nazistischen Kommandanten hatten über das Leben der Bevölkerung zu bestimmen. Wer die Anordnungen des faschistischen Eroberers nicht unverzüglich befolgte, wurde mit dem Tode bestraft. Alle Nazibefehle schlossen unvermeidlich mit der gleichen Androhung der Todesstrafe ab. Die faschistischen Henker erschossen, verbrannte und henkten die Sowjetmenschen zu Tausenden.
Die Hitlerleute schafften das in der Stalinschen Verfassung verankerte Recht des Sowjetmenschen auf Arbeit ab. Die sowjetische Industrie wurde vernichtet. Die Nazis zerstörten 31 850 Betriebe, in denen etwa 4 Millionen Arbeiter beschäftigt waren. Die Ausrüstungen von Werken und Fabriken, die nicht mehr hatten verlagert werden können, wurden von den Deutschen nach Deutschland abtransportiert. Allein an den Werkbänken zur Metallbearbeitung vernichteten oder verschleppten sie 175 000 Stück.
Die Nazis trieben die Sowjetbauern von ihrem Boden und verteilten diesen an ihre Offiziere und Soldaten. Die Kollektivwirtschaften wurden vernichtet. Nach bei weitem nicht vollständigen Angaben betragen allein die Verluste durch unmittelbare Vernichtung des Eigentums von Bürgern, Kollektivwirtschaften, gesellschaftlichen Organisationen sowie staatlichen Ämtern und Betrieben insgesamt 679 Milliarden Rubel. Auf dem sowjetischen Boden erschienen deutsche Gutsbesitzer und Großbauern. Die Nazis vertrieben die Kollektivbauern von ihrem Boden und zwangen sie, für die faschistischen Sklavenhalter zu arbeiten und trieben sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland, Wer Widerstand leistete oder seine Unzufriedenheit äußerte, wurde ausgerottet.
Die Sowjetmenschen mussten Nummernschilder am Hals tragen. Sie wurden nach ihren Nummern zum Ausheben von Schützengräben oder zur Arbeit auf den Gütern der Junker aufgerufen. Hunderttausende von Russen, Ukrainern, Bjelorussen, Litauern, Letten, Moldauern und Esten, die zur Zwangsarbeit weggetrieben worden waren, arbeiteten wie Sklaven, nicht selten in Fesseln. Die deutschen Behörden veröffentlichten eine besondere Anweisung, wie man die Sowjetmenschen zu behandeln hat:
„Deutscher! Um die Produktivität der deutschen Betriebe zu steigern, wurde es notwendig, Arbeiter aus Sowjetrussland herzuschaffen. Zeigen ihnen stets, dass du ihr Herr bist…Zeige den russischen und ukrainischen Arbeitern stets, dass du ihnen überlegen bist.“
Millionen von Sowjetmenschen kamen vor Hunger oder übermäßiger Arbeit für die faschistischen Sklavenhalter um. Die Nazis schafften das vom Sowjetvolk erkämpfte und in der Stalinschen Verfassung niedergeschriebene Recht auf Bildung ab. Sie lösten die Hochschulen und Schulen auf, brannten Bibliotheken, Klubs und Lesehallen nieder. Von insgesamt 992 Museen zerstörten die Hitlerleute 427.
Die Hitlerleute bedeckten die vorübergehend von ihnen besetzten Gebiete der Sowjetunion mit Galgen. Millionen friedlicher sowjetischer Menschen wurden erbarmungslos ausgerottet. (Das Bild wurde einem gefangenen deutschen Offizier abgenommen)
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Hitlerfaschisten verhöhnten die Ehre und den Nationalstolz des russischen Menschen. A. d.B.: Das von den Hitlerleuten zerstörte Kloster „Neues Jerusalem“in Istra bei Moskau, eines der wertvollsten Denkmäler der russischen Baukunst
Auf dem Schutthaufen des heimatlichen Dorfes. Die Hitlerleute haben 1710 sowjetische Städte und über 70 000 Dörfer vollständig oder teilweise zerstört und niedergebrannt, über 6 Millionen Wohnhäuser vernichtet. Über 25 Millionen Sowjetmenschen blieben obdachlos
Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947
Die Hitlerbanditen verhöhnten die Ehre und den Nationalstolz des russischen Menschen. Sie beraubten ihn seiner geistigen Schätze und waren bestrebt, die Sowjetmenschen zu versklaven und zu germanisieren. Die Hitlerleute zerstörten die Denkmäler Schewtschenkos, des großen Kämpfers um die Freiheit des ukrainischen Volkes. Sie plünderten das Häuschen des großen russischen Komponisten Tschajkowskij in Klein aus und brannte das Gedenkhaus des großen russischen Schriftstellers Tschechow in Tanganrog nieder. Sie schändeten eine der ganzen Menschheit heilige Gedenkstätte: das Gutshaus von L.N. Tolstoi in Jasnaja Poljana.
Die von den Besatzungsbehörden und Truppenteilen begangenen Bestialitäten wurden auf Befehl der deutschen Regierung und des deutschen Oberkommandos nach vorher ausgearbeiteten Plänen verübt.
In offiziellen Befehlen wurde das Plündern von den faschistischen Generälen gefördert. Den regulären Truppenteilen wurden besondere Waggons zur Verfügung gestellt, damit die Soldaten das Beutegut in Hinterland schicken konnten.
In dem deutschen „Merkblatt über das Beutegut und über die bei der Bevölkerung beschlagnahmten Lebensmittel“für die Truppen heißt es:
„Für jeden Truppenteil muss es das höchste Gebot sein, alle örtlichen Hilfsquellen höchstmöglich auszunutzen… Die Einziehung oder die Beschlagnahme von Lebensmitteln oder Rohstoffen bei der Bevölkerung kann auf Befehl der Kompanieführer und ihnen gleichgestellten und darüber erfolgen. Die Beschlagnahme muss planmäßig erfolgen. Die Beute kommt jenem Truppenteil zugute, der die Beschlagnahme durchgeführt hat.“
Das war die „Neuordnung“, die von den nazistischen Kannibalen in dem vorrübergehend besetzten Sowjetgebiet eingeführt wurde.
Der Qualm der Brandstätten legte sich über die Städte und Dörfer. Ein Stöhnen ging durch die verwüsteten Gebiete.
3. Die heldenmütige Verteidigung von Stalingrad
An der Front rückten die Hitlertruppen, die immer wieder Verstärkungen erhielten, weiter zur Wolga, nach Stalingrad, vor. (Stalingrad ist im Jahre 1961 in Wolgograd umbenannt worden.)
Stalingrad war damals eine der größten Industriestädte der Sowjetunion. Vor dem Krieg zählte sie etwa 500 000 Einwohner. Die Stadt erstreckte sich als ein 60 km langes Band längs des rechten Wolga-Ufers. An ihrem nördlichen Rand war der Industriegigant – das Stalingrader Traktorenwerk – sowie eine Reihe metallurgischen Betrieben gelegen. In den Jahren der Sowjetmacht wurde Stalingrad zu einer der wichtigsten Waffenschmieden des Landes. Aus Stalingrad rollten Panzer, Schlepper und Geschütze in einem ununterbrochenen Strom an die Front.
Stalingrad hatte auch eine ungeheure strategische Bedeutung. Die Stadt steht an der Kreuzung der sichtigsten Wasser- und Eisenbahnwege, die das Zentrum des Landes mit dem Kaukasus und Transkaukasien, mit Astrachan und Baku verbinden.
Hitler setzte die 6. Armee unter Führung des Generalobersten von Paulus gegen Stalingrad ein. Diese Armee hatte in Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Griechenland gekämpft. Die Deutschen hielten sie für unbesiegbar. Bei Stalingrad operierte ferner die 4. Panzerarmee. Vor der Stadt kämpften zunächst 17 und im August bis September 36 Divisionen, darunter 21 deutsche, der Rest rumänische und italienische Divisionen. Die Deutschen konzentrierten bei Stalingrad nicht weniger als 2000 Flugzeuge. Über 1500 Geschütze nahmen die Stadt unter Feuer.
Der Oberste Befehlshaber, Stalin, befahl, den Ansturm des Feindes aufzuhalten. „Keinen Schritt zurück!“wurde zur Parole der ganzen Armee.
Hitler dachte zunächst, Stalingrad im Handstreich zu nehmen. Es vergingen aber Tage. Stalingrad hielt sich. Hitler setzte einen Termin nach dem anderen für die Eroberung der Stadt fest. „Das Schicksal Stalingrads ist das Schicksal des ganzen Krieges“, wiederholte immer wieder die deutsche Presse. Ende August wurde die Lage besonders kritisch. Nachdem sie den letzten Befehl Hitlers erhalten hatten, ohne Rücksicht auf Verluste die Stadt nicht später als am 25. August zu nehmen, verstärkten die Deutschen ihren Druck. Am 23. August gelang es einer deutschen Vorhut mit über 100 Panzern, nordwestlich von Stalingrad durchzubrechen und am Abend die Wolga zu erreichen. Die Hitlerleute glaubten: noch ein Ruck, und die Stadt würde fallen. Drei Tage lang wurde sie von den Faschisten ununterbrochen mit Bomben belegt. Im Durchschnitt unternahm die deutsche Luftwaffe bis zu 2000 Feindflüge täglich. Aber die Hitlerleute hatten sich erneut verrechnet. Die unmenschlichen Bombenangriffe haben unter den Verteidigern von Stalingrad keine Panik hervorgerufen, wie das der Feind glaubte, sondern deren Widerstandsgeist entfacht. Zusammen mit den regulären Truppen erhob sich die Bevölkerung der Stadt zu deren Verteidigung. Ein Korps der Volkswehr rückte an die Front. Die Arbeiter des Stalingrader Traktorenwerks setzten sich an das Steuer der Panzer oder stellten sich an die Geschütze. In diesen schweren Tagen rückten die Deutschen ganz nahe, bis auf 500-800 m an das Stalingrader Traktorenwerk heran. Aber in das Werk ließ man sie nicht hinein.
Nach zahlreichen Angriffen gelang es den Deutschen, am 14. September in der Nähe des Bahnhofs in die Stadt einzudringen und am 22. September in der Nähe der Zentralanlegestelle die Wolga zu erreichen. Aber die Stadt setzte den Kampf fort. Es entspannen sich erbitterte Straßenkämpfe. Die beispiellose Tapferkeit der Verteidiger von Stalingrad machte sämtliche deutschen Pläne zunichte. Die Kämpfer der 62. Armee verteidigten unter dem Befehlt von General W.I. Tschujkow, später Held der Sowjetunion, heroisch jedes Haus. Es galt den Ruhm des ehemaligen Zarizyn nicht verblassen zu lassen. Viele von den alten Kämpfern um Zarizyn kämpften in den Reihen der Stalingrader. Jede Straße der Stadt erinnerte an die einstige heroische Verteidigung unter Stalins unmittelbarer Führung während des Bürgerkrieges. Es kam nicht selten vor, dass die Stalingrader die gleichen Stellungen bezogen, an denen einstmals der Ansturm der deutschen Regimenter und der Regimenter Krasnows zerschellte. Die von den Kampftraditionen der Zarizyner beseelten Stalingrader wehrten einen feindlichen Angriff nach dem anderen ab. Hunderte deutscher Flugzeuge wurden abgeschossen, Hunderte von Panzern vernichtet. Jeden Tag musste Hitler 3-4000 Mann abschreiben.
Mit tiefer Erregung verfolgte das ganze Land die heldenmütige Verteidigung von Stalingrad. Vom Ural, von der oberen Wolga, aus allen Enden des Landes trafen Freiwillige ein, rückten Truppen in Eilmärschen heran, rollten Munitionszüge an. Aus Moskau kamen die Moskauer Gardisten, die als erste den Mythos von der Unbesiegbarkeit der Deutschen zerstört haben. Die gesamte fortschrittliche Menschheit verfolgte mit Hoffnung und Stolz die Schlacht an der Wolga. Alle waren sich der Tatsache bewusst, dass der Ausgang der Schlacht das Schicksal des Feldzuges 1942 bestimmen würde. Bei der Verteidigung von Stalingrad spielten die Matrosen der Wolgaflottille eine gewaltige Rolle. Die Einheiten der Flottille waren an der linken, südlichen Flanke der Verteidigung konzentriert. Die eine Gruppe der Schiffe operierte unter dem Befehl von Konteradmiral Nowikow, die andere unter dem Befehl von Konteradmiral Worobjow. Die Schiffsartillerie leistete den sowjetischen Infanterieeinheiten große Hilfe. Im September 1942, als die Gefahr drohte, dass die Deutschen zur Wolga durchbrechen könnten, wurden die Schiffe des Konteradmirals Worobjow in die Nähe der Zentrale für Kulturarbeit verlegt. Hier wurde ein Marinesammelbataillon aufgestellt, das eine Verteidigungsstellung in der Nähe des Traktorenwerkes bezog.
Im Norden operierte ein Verband von Schiffseinheiten, der die Infanterietruppen unterstützte, bis die Verteidigung der Stadt beendet war. Die Schiffe der Wolgaflottille sicherten unter den schwierigsten Bedingungen den Übersetzverkehr über den Fluss unmittelbar bei Stalingrad. Ende Oktober unternahm der nördliche Verband von Panzerkuttern einen Durchbruch nach Stalingrad. Die Matrosen der Wolgaflottille schafften Munition und Verpflegung heran und brachten die Verwundeten in Sicherheit.
Die Regierung zeichnete über 400 Kommandeure und Matrosen der Flottille durch Orden aus. Die Kanonenboote „Usyskin“ und „Tschapajew“ wurden durch Orden des Roten Banners ausgezeichnet. Der Erste Panzerkutter-Verband wurde in die Garde eingereiht. Durch das ganze Land unterstützt, reiben die sowjetischen Truppen bei Stalingrad die faschistischen Divisionen auf. Die Kräfte der Deutschen schmolzen dahin, die Kräfte des Sowjetlandes erstarkten. Die heroische Verteidigung von Stalingrad machte es dem Sowjetischen Oberkommando möglich, die notwendigen Reserven zusammenzuziehen. Die Verteidiger von Stalingrad haben den Feind entkräftet und schwer mitgenommen und dadurch seine endgültige Zerschmetterung vorbereitet.
Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 4 aus dem Jahre 1947, Original-Autoren I.I. Minz, I.M. Rasgon und A.L. Sidorow, bearbeitet von Petra Reichel
Das Wolgograder Traktorenwerk (Stalingrader Traktorenwerk) war ein ehemals sowjetischer, später russischer Hersteller von Traktoren und Rüstungsgütern.
Das 1930 gegründete Unternehmen saß in Wolgograd (Stalingrad), Russland (Sowjetunion) und trat bis zur Insolvenz 2018 auch unter dem Namen OAO Traktornaja Kompania „WgTS“ (russisch ОАО Тракторная компания «ВгТЗ») auf. 2003 wurde das Unternehmen vom Konzern Traktornyje Sawody aufgekauft.
Bis 1961 trug das Werk den Namen Stalingradski Traktorny Sawod imeni F. E. Dserschinskowo, deutsch Stalingrader Traktorenwerk namens F. E. Dserschinski, kurz STS (russisch Сталинградский тракторный завод им. Ф. Э. Дзержинского, abgekürzt СТЗ), nach dem sowjetischen Staatsmann, Revolutionär und Geheimdienstgründer und -chef Felix Dserschinski. Das Unternehmen war lange Zeit einer der größten Traktorenhersteller der Sowjetunion beziehungsweise später Russlands und exportierte auch in zahlreiche andere Länder der Welt.[1] Es baute vor allem Kettentraktoren.
Der erste SChTS-15/30, der 1930 in Stalingrad gebaut wurde, in einem Museum (2014)
Im Januar 1925 schlug Felix Dserschinski auf oberster politischer Ebene der Sowjetunion den Aufbau eines Traktorenwerks vor. Baubeginn in Stalingrad war am 12. Juli 1926. Damit war das Werk das erste im Land, das für die Traktorenproduktion errichtet wurde.[2] Am Aufbau wirkten auch ausländische Experten mit, unter anderem der US-amerikanische Architekt Albert Kahn.
Am 17. Juni 1930 lief der erste Traktor vom Typ SChTS-15/30 (auch als STS-1 bezeichnet) vom Band. Damit ging auch das Werk offiziell in Betrieb. Traktoren dieses Typs wurden ab 1931 auch in Charkow gebaut. 1932 wurde die geplante Produktionskapazität erreicht und das Werk mit dem Leninorden ausgezeichnet. Die Produktion des SChTS-15/30 endete im Mai 1937. Im Juli liefen die ersten Kettentraktoren vom Typ SChTS-NATI vom Band, das Fahrzeug wurde noch im gleichen Jahr auf der Weltfachausstellung Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet.[2]
Im März 1940 wurden im Moskauer Kreml zwei Prototypen des Panzers T-34 präsentiert, die aus dem Stalingrader Traktorenwerk stammten. Später nahm das Werk auch die Serienproduktion der Panzer auf. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sowohl Panzer als auch Panzermotoren hergestellt. Im Februar 1942 wurde die Fabrik dafür mit dem Orden des Roten Banners der Arbeit ausgezeichnet.[2]
Im Spätsommer 1942 startete Hitlerdeutschland den Angriff auf Stalingrad. Während in den ersten Wochen trotz Kampfhandlungen in unmittelbarer Nähe und Beschuss im Werk weitergearbeitet wurde, wurden die Anlagen durch Angriffe in der Zeit vom 29. September bis 4. Oktober stark beschädigt. Daraufhin musste die Produktion eingestellt werden.[2] Die Deutschen starteten am 14. Oktober einen Großangriff auf das Werk, in der folgenden Schlacht um das Gelände starben etwa 13.000 sowjetische und 1500 deutsche Soldaten. Siehe entsprechenden Beitrag.
Nach der Befreiung Stalingrads wurde die Arbeit im Traktorenwerk im Sommer 1943 wieder aufgenommen; zunächst wurden Panzer repariert. Ab Oktober 1943 wurden wieder Dieselmotoren hergestellt, bis 1944 die Fertigung aufgebaut. Im Februar 1945 erhielt die Fabrik den Orden des Vaterländischen Krieges erster Klasse. Bereits im Mai 1944 war die Traktorenproduktion wieder aufgenommen worden, bis April 1945 wurden 1000 Maschinen gebaut.[2]
1949 begann die Serienfertigung des Kettentraktors DT-54, der auch in Charkow und im Altaiski Traktorny Sawod gebaut wurde. Es handelte sich um den ersten Traktor des Werks mit Dieselmotor und um das erste neue Modell nach dem Krieg. 1954 erhielt das Stalingrader Traktorenwerk den Auftrag, antarktistaugliche Zugmaschinen zu entwerfen. Die Maschinen wurden 1958 tatsächlich bei einer Expedition auf dem Kontinent eingesetzt. Bereits 1956 entstanden erste Prototypen des Kettentraktors DT-75,[2] der ab 1963 in Serie produziert wurde.
Kettentraktor DT-75 mit Planierschild in Polen (2015)
Im Jahr 1961 wurde Stalingrad im Rahmen der Verdammung Stalins in Wolgograd umbenannt. Im gleichen Jahr wurde der Werksname in „Wolgogradski Traktorny Sawod“ (deutsch Wolgograder Traktorenwerk)) geändert.[4] Die Abkürzung änderte sich entsprechend von СТЗ in ВгТЗ (ТЗ je für Traktorny Sawod, С für Stalingrad und Вг für Wolgograd). In den 1960er-Jahren kamen verschiedene Modellversionen des DT-75 auf den Markt.[2]
Am 14. Januar 1970 wurde der einmillionste Traktor gebaut. Dafür wurde dem Wolgograder Traktorenwerk erneut der Leninorden verliehen. 1983 folgte der zweimillionste Traktor.[2]
Noch während des Zerfalls der Sowjetunion wurde das staatliche Werk 1992 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In den 1990er-Jahren beschäftigte sich das Werk auf dem militärischen Sektor mit der Weiterentwicklung des Luftlandepanzers BMD und verschiedener anderer Waffensysteme. 2003 wurde das Unternehmen von der Agromaschholding übernommen, die heute als Traktornyje Sawody (Traktorenwerke) firmiert. Seitdem wurden die Kettentraktoren AGROMASCH-90 (überarbeiteter DT-75) und AGROMASCH-150 gebaut.[2]
In den 2010er Jahren geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und musste umstrukturiert werden. Am 26. November 2015 wurde die Traktorenproduktion eingestellt, 2018 der militärische Teil vom staatlichen Konzern „Rostec“ übernommen und fortgeführt. Am 28. Dezember 2018 wurde die Firma mit knapp 71 Milliarden Rubeln Schulden für insolvent erklärt. Die weitläufigen ehemaligen Fabrikhallen stehen weitgehend leer und stehen zum Verkauf oder werden bereits neu, unter anderem als Einkaufszentrum, genutzt.[1]
Der ursprüngliche Name der Stadt war Zarizyn. Von 1925 bis 1961 war ihr Name Stalingrad. Seither heißt sie Wolgograd.
Im Zusammenhang mit dem II. Weltkrieg ist die Stadt als Ort der kriegsentscheidenden Schlacht, der Schlacht von Stalingrad, in die Geschichte eingegangen.
Wolgograd liegt knapp 1000 Kilometer südöstlich von Moskau am westlichen, rechten Ufer der Wolga, rund 400 Kilometer nördlich der Mündung des Flusses ins Kaspische Meer. Die Stadt erstreckt sich in einer Breite von bis zu 10 Kilometern über 60 Kilometer am Ufer der Wolga entlang.
Die Gegend um Wolgograd war aufgrund ihrer geographischen Lage an der Landenge zwischen Wolga undDonschon im Altertum eine wichtige Handelsroute. Hier siedelten im 5. Jahrhundert v. Chr.Skythen. Im 8. und 9. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Reich derChasaren, im 11. und 12. Jahrhundert hielten sich hier verschiedene Stämme und Horden auf, unter anderen diePolowzeroder dieGoldene Horde, die etwa 50 km östlich von Wolgograd, am FlussAchtuba, mit der StadtSnamenskeines ihrer Zentren errichtete und Wolgograd seit demMongolensturmim 13. Jahrhundert beherrschte. Die Anfänge des russischen Wolgograds sind nicht näher beleuchtet. Als offizielles Gründungsdatum gilt aber der 2. Juli 1589, als die Stadt vom FürstenGrigori Sassekinals Festung gegründet wurde, die Russland vor denNomadenaus dem Süden schützen sollte. Der erste Name der Stadt warZarizyn,abgeleitet von dem nahegelegenen Nebenfluss der Wolga.
Die aus Holz gebaute Anlage befand sich zunächst auf einer heute nicht mehr existierenden Wolgainsel gegenüber der Mündung des FlussesZariza(vontatarischsari su„gelbes Wasser“). Nach einem Brand wurde sie auf das rechte Wolgaufer verlegt. Das erste steinerne Gebäude entstand 1664. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die wenige hundert Einwohner zählende Stadt mehrfach von aufständischen Kosaken belagert und eingenommen: 1670 unterStenka Rasinund 1774 unterJemeljan Pugatschow. Nach der Eroberung derKrimund desKuban-Gebietes1783 verlor Zarizyn seine militärstrategische Bedeutung und entwickelte sich allmählich zu einem Handels- und Wirtschaftszentrum. Vor allem der Bau der Eisenbahnlinie nachKalatsch am Don1862 und nachGrjasi1872 führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und machten Zarizyn zu einem Knotenpunkt der Ölversorgung und der Verkehrsverbindungen vomKaspischen MeerzumSchwarzen Meerund vomKaukasusnachZentralrussland. In der Folge siedelte sich hier auch Großindustrie an, darunter metall- und holzverarbeitende Betriebe, Erdölraffinerien für das Rohöl ausBaku, mehrere Mühlen und Gerbereien.
Im Russischen Bürgerkrieg von 1917 bis 1920 gab es hier im Rahmen der Schlacht um Zarizyn schwere Kämpfe, denn die Stadt befand sich an der Kreuzung der Transportwege für Lebensmittel vom Süden des Landes nach Moskau und Petrograd. Am 10. April 1925 wurde sie zu Ehren Josef Stalins, der hier im Bürgerkrieg als Armeekommissar tätig gewesen war, in Stalingrad („Stalinstadt“) umbenannt. Im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion wurde im Jahre 1926 14 km von der Stadtmitte entfernt das Wolgogradski Traktorny Sawod errichtet. (Stalingrader Traktorenwerk)
Zur Schlacht von Stalingrad siehe entsprechenden Beitrag.
Im Zusammenhang mit der Verdammung Stalins, wurde die Stadt am 07. November 1961 in Wolgograd umbenannt. Es kam immer wieder der Vorschlag die Stadt wieder in Stalingrad umzubenennen. So beschloss die Stadtduma im Jahr 2013, die Bezeichnung „Heldenstadt Stalingrad“ anlässlich der Feiern zum 70. Jahrestag der Kapitulation der deutschen Truppen und an weiteren Gedenktagen zu verwenden.[6] Im Jahr 2015 forderte eine von 50.000 Personen unterschriebene Petition von Präsident Putin die Wiedereinführung des alten Namens, was dieser nicht ausschloss und wozu er eine Abstimmung empfahl.[7] Für Gedenkveranstaltungen trug die Stadt seit zirka 2017 wieder temporär den Namen Stalingrad.[8] Die Errichtung einer Stalinstatue wurde in Wolgograd abgelehnt und erfolgte 2023 stattdessen in Welikije Luki.[9] Ein neuer russischer Eisbrecher erhält den Namen Stalingrad.[10]
Die Stadt ist von der typischen Architektur der Stalinära der 1950er und 1960er Jahre der Sowjetunion geprägt. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zählt die Gedenkstätte derSchlacht von Stalingradauf demMamajew-Hügel. Dort steht auch dieMutter-Heimat-Statue, die ein 33 Meter langes Schwert trägt und 7900 Tonnen wiegt (inkl. Fundament). Das Schwert der Statue wiegt allein 14 Tonnen. Sie ist mit 85 Metern (gemessen von der Fußsohle bis zur Schwertspitze) eine derhöchsten Statuen der Welt.
Unmittelbar vor dem Hauptbahnhof wurde 2013 eine Rekonstruktion desBarmalei-Brunnenseingeweiht. Der ursprüngliche Brunnen war durch eine Fotografie vonEmmanuil Jewserichin, die ihn vor den brennenden Ruinen der Stadt am 23. August 1942 zeigt, zu weltweiter Berühmtheit gelangt.
Im südlichsten Stadtteil von Wolgograd (in Krasnoarmeisk) liegt die ehemalige deutsche Siedlung Alt Sarepta, die 1765 von derHerrnhuter Brüdergemeinegegründet wurde. Nicht weit davon entfernt, direkt an der Einmündung desWolga-Don-Kanalesin die Wolga, steht die größte Lenin-Statue Russlands.
Ab 2014 lief die aktive Vorbereitung der Stadt auf die Spiele der Fußball-WM. Insbesondere wurde am Fuße des Kurgan „Mamajew“ das Internationale Stadion „Wolgograd-Arena“ gebaut.
Darüber hinaus wurden in der Stadt für die WM drei Trainingsplätze nach Empfehlungen der Akademie für Körperkultur und Sport, der Sportkomplex „Olympia“, das Stadion „Zenit“ und drei neue Hotels gebaut. Das klinische Krankenhaus des Rettungsdienstes der Nummer 25 wurde saniert. Auf dem Territorium wurde ein Hubschrauberlandeplatz, eine Straße (mit derGesamtlänge von 280 km), Versorgungsleitungen und eine Reihe von Objekten des Flughafens errichtet.
Wolgograd war einer der Austragungsorte derFußball-Weltmeisterschaft 2018.[15]Hierzu wurde am Fuße der Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel und am Ufer des Flusses die neueWolgograd-Arenagebaut, die ca. 45.000 Menschen Platz bietet.[16]
Nach dem Untergang derSowjetunionwar auch Wolgograd zu Beginn der 1990er Jahre stark von der allgemeinen Wirtschaftskrise betroffen. Inzwischen hat wieder eine Erholung eingesetzt. Das moderne Wolgograd ist heute nach wie vor ein wichtiges industrielles ZentrumRusslands. Wichtige Industriezweige sindSchiffbau,Schwarz- und Buntmetallverarbeitung,Erdölverarbeitung,Stahl- undAluminiumproduktion,Anlagen- und Maschinenbau, sowieHolz-,Nahrungsmittel- undchemische Industriebetriebe. Des Weiteren befindet sich nördlich der Stadt ein großesLaufwasserkraftwerk, dasWasserkraftwerk Wolgograd. Mit demWolgogradski Traktorny Sawodbefand sich fast 90 Jahre lang ein wichtiger Traktorenhersteller und Rüstungsbetrieb in der Stadt.
Es war geplant, in Wolgograd ein Kernkraftwerk mit Fernwärmeproduktion zu bauen.[17]Die Pläne für zwei Blöcke wurden jedoch gestoppt.[18][19]
Wolgograd unterhält ein großes Straßenbahnnetz und seit 1984 eine Stadtbahn (russ. Skorostnoi Tramwai) mit 13,5 km Streckenlänge, davon 3,3 km im Tunnel. Daneben verbindet die sogenannte Wolga-Brücke, die mit 7,1 km längste als Balkenbrücke ausgeführte Straßenbrücke Europas, das Stadtgebiet von Wolgograd am westlichen Wolgaufer mit der Stadt Krasnoslobodsk am östlichen Ufer. Die Brücke wurde im Oktober 2009 nach 13-jähriger Bauzeit eröffnet. Weltweite Bekanntheit erlangte die umgerechnet 330 Millionen Euro teure Brücke am 20. Mai 2010, als starke Windböen für Balkenbrücken einzigartige Resonanzschwingungen im Bauwerk auslösten, wie man sie sonst nur bei Hängebrücken wie der ehemaligen Tacoma-Narrows-Brücke oder der Millennium Bridge in London beobachten konnte. Dies äußerte sich unter anderem darin, dass ein etwa einen Kilometer langes Teilstück aus Stahlbeton bis zu ein Meter hohe Wellen in Längsrichtung schlug.[20] Die Brücke wurde daraufhin für den Verkehr und Fußgänger gesperrt, aber fünf Tage später, nach einer Untersuchung durch russische Experten, die keine Schäden feststellten, wieder für Fußgänger und PKWs eröffnet.[21]
Wolgograd ist mit dem Umland der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße R22 Kaspi verbunden. Gleichzeitig ist die Stadt Ausgangspunkt der Abzweigung A260, die in westlicher Richtung über Oblast Rostow zur ukrainischen Grenze führt. Hier endet die R228, die von Sysran über Saratow hierherführt.
In Wolgograd gibt es drei Häfen für Frachtschiffe und ein großes Passagierterminal.[22]
Der Flughafen Wolgograd war vor dem Zerfall des Bündnisses der ehemals sozialistischen Länder 1991 ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Süden der Sowjetunion. Seitdem hat er stark an Bedeutung verloren. Von über einer Million Passagieren in 9 Monaten im Jahr 2023 flogen weniger als 60.000 von Wolgograd ins Ausland[23] und fast der gesamte Flugverkehr ins Ausland geht zentral über die MoskauerFlughäfen Moskau-Scheremetjewo, Moskau-Domodedowo und Moskau-Wnukowo.