Die Auswertung eines IM-Berichts vom 30.04.1987 ist für die Nachwelt ein wichtiges Dokument. Aber die Nachwelt mag es nicht präsentieren und auswerten, denn es zeigt, wie antikommunistische Propaganda und das Delegitimieren der DDR entstanden ist.

In diesem Dokument geht es um Herrn Lydike, der den Wehrdienst und den Ersatzdienst (Bausoldat) verweigern will. (Totalverweigerer)
Dieser Mensch hat sich ein raffiniertes Theater ausgedacht, um die antikommunistische Propaganda zu befeuern.
Das MfS hatte rechtzeitig „Wind bekommen“ und dem Herrn Lydike die Show gestohlen. Was hatte er vor?
Er wollte zu seinen Eltern fahren, die seinerzeit in einem kirchlichen Gemeindeheim wohnten. Er wollte dort „seine Verhaftung abwarten“. Einen Zettel mit seinem Aufenthaltsort wollte er an seiner Wohnungstür anbringen. Die erwartete Verhaftung wollte er von, dem MfS namentlich nicht bekannten Personen, mit Fotoapparat und Teleobjektiv dokumentieren lassen. Der vermutete Hergang der Zuführung und Verhaftung sowie Fotos davon sollten in der Zeitschrift „Grenzfall“ veröffentlicht werden. „Grenzfall“ war eine bösartige antikommunistische Zeitschrift, die in der DDR verteilt wurde. Sie wurde illegal in der DDR hergestellt.
Herr Lydike hatte die Gemeindekirchenleitung in Altglienicke über die geplante Aktion informiert und sie gebeten sich nicht einzumischen. Er wollte die Armeezeit in einer Haftanstalt absitzen. Da er mit einer Wohnungsdurchsuchung rechnete, beabsichtigte er illegale Schriften zum Thema Frieden und Umwelt aus der Wohnung zu bringen.
Bei der Aktion des MfS in Absprache mit dem Leiter des zuständigen Wehrkreiskommandos musste darauf geachtet werden, dass der IMB „Roland“ nicht auffliegt. Es war dafür gesorgt worden, dass keine Festnahme erfolgte und keine Fahndung eingeleitet wurde.
Herr Lydike sollte bei Nichterscheinen zur Einberufung ca. 2 Tage später zum Wehrkreiskommando Köpenick vorgeladen werden wo ihm der Einberufungsbefehl abgenommen wurde.
Es gab eine Beobachtungsmaßnahme mit dem Ziel der Feststellung und Dokumentation von Personen, die sich auf dem Gelände des Gemeindeheims aufhielten und beabsichtigten die vermutete Festnahme des Herrn Lydike zu dokumentieren.
Es wurde erwogen die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Altglienicke zu einem Gespräch zur Abteilung Innere Angelegenheiten des Rates des Stadtbezirkes Berlin-Treptow zu bestellen, und die geplante Aktion auszuwerten. (In der DDR war die Abteilung Innere Angelegenheiten eine sehr wichtige kommunale Behörde, wo alle Fäden zusammenliefen.)
IMS „Peter“ berichtete, dass der Herr Lydike nun doch seinen Grundwehrdienst antreten wird, um danach doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Zuvor erfolgte eine Studienablehnung. Vermutlich wegen dem ganzen „Theater“. Nun ja zumindest ist Herr Lydike vernünftig geworden und eine antikommunistische Aktion ist verhindert worden.
Allerdings war es bei der schieren Masse solcher Aktionen unmöglich alle zu verhindern und die Akteure auf den rechten Weg zu bringen.

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