Vorschlag zur Übersiedlung und Entlassung aus der Staatsbürgerschaft (Auszug)

Vorschlag zur Übersiedlung und Entlassung aus der Staatsbürgerschaft (Auszug)

Zu wem soll die Übersiedlung erfolgen?

Die Übersiedlung soll nach Westberlin ohne Angabe von Zielpersonen erfolgen.

Begründung des Vorschlages

Bei Herrn Buchheim und seiner Lebensgefährtin handelt es sich um Personen, die hartnäckig ihre Übersiedlungsgenehmigung anstreben. Alle mit den Übersiedlungsersuchenden im Rat des Stadtbezirkes Treptow geführten Gespräche zeigten, dass sie nicht bereit sind, vorgebrachte Argumente anzuerkennen.

Es muss eingeschätzt werden, das von Herrn Buchheim und seiner Lebensgefährtin keine arbeitsmäßigen oder gesellschaftlichen Aktivitäten mehr ausgehen werden. Beide besitzen eine verfestigte negative Einstellung zu den in der DDR herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen. In Gesprächen brachten die Übersiedlungsersuchenden zum Ausdruck, dass sie niemals die in der DDR bestehenden Gesetze akzeptieren werden. Diesbezüglich ist Herr Buchheim auch nicht bereit, einen Wehrdienst zu leisten. Er würde es vorziehen, dafür inhaftiert zu werden.

Die Übersiedlungsersuchenden sind von der westlichen Lebensweise so stark beeinflusst, dass sie glauben, dort mit ihren Kindern besser leben zu können. In diesem Sinne werden auch die Kinder erzogen.

Mit der Übersiedlung des Herrn Buchheim soll der Zersetzungsprozess der im Operationsvorgang „Bekenntnis“ der Kreisdienststelle Treptow bearbeiteten Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ eingeleitet werden.

Es wird vorgeschlagen, die Übersiedlung des Herrn Buchheim und seiner Lebensgefährtin sowie ihrer beiden Kinder nach Westberlin zu genehmigen. Sie sind aus der Staatsbürgerschaft der DDR zu entlassen, eine Reisesperre ist einzuleiten.

Bis zur Genehmigung der Ausreise des Herrn Buchheim und dessen Lebensgefährtin werden die IMB „Andreas Braun“ und der IMS „Sandra“ zu deren Kontrolle eingesetzt.

Dann folgt die Unterzeichnung durch einen Sachbearbeiter und der Verteiler

 

Original-Schriftstück aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

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