Telegramm des AfNS an alle Bezirke und Kreise vom 05.12.1989

In den letzten Stunden hat sich die Lage weiter zugespitzt. Vor allem der Druck auf das AfNS und alle seine Dienststellen hat zugenommen.

In fast allen Dienststellen der Bezirke und Kreise des AfNS haben Bürger versucht, in die Gebäude und Räume einzudringen, um die Vernichtung und den Transport von Dokumenten zu verhindern. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf mein Schreiben vom 04.12.1989, in dem ich jegliche Vernichtung und jeglichen Transport von Dokumenten und Unterlagen untersagt habe.

 

In einigen Dienststellen des AfNS musste auf die Forderungen nach Betreten und Besichtigen sowie im Zusammenhang auf Versiegelung von Räumen und Panzerschränken eingegangen werden.

Einige Objekte des AfNS werden Bereits von Angehörigen der Volkspolizei sowie Mitglieder von Bürgerrechtsbewegungen (Konterrevolutionäre) bewacht. Gleichzeitig erfolgt eine Kontrolle der Personen- und Fahrzeugbewegung.

Mit einer weiteren Zuspitzung der Lage und den verstärkten Versuchen des gewaltsamen Eindringens in die Objekte des AfNS ist zu rechnen. („Keine Gewalt“ war der Werbespruch der Konterrevolutionäre. Sehr sinnig. P.R.)

Deshalb weise ich erneut darauf hin, dass mit allen Personen das Gespräch zu suchen ist.

In den Gesprächen sind die Aufgaben des AfNS und die daraus resultierenden Sicherheitserfordernisse zu erläutern. Dabei ist auch darauf zu verweisen, dass wir nicht gegen die Kontrolle unserer Arbeit sind. Die Spezifik unserer Arbeit verlangt aber auch spezifische Kontrollmethoden.

Gleichzeitig sind Ihnen meine Weisungen zur Vernichtung und zum Transport von Dokumenten zu erläutern. Handschriftlich ergänzt: .., die am 04.12.1989 außer Kraft gesetzt wurden.“

Bleiben die Forderungen bestehen bzw. erhöht sich der Druck weiter, um gewaltsam in die Objekte einzudringen (handschriftlicher Einschub nicht lesbar), gemeinsam mit dem Militärstaatsanwalt, Angehörigen der Volkspolizei, Abgeordneten und Wählern der Bürgerrechtsbewegungen (Konterrevolutionäre P.R.) (z.B. Sprechergruppen) eine Begehung des Objektes vorgenommen zu werden.

 

Nachbemerkung von Petra Reichel

Da war doch wirklich alles zu spät. Ansonsten fehlen einem die Worte.

Original-Dokument entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

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