Bericht 3 des IMB „Roland“ (Auszug)

Bericht 3 des IMB „Roland“ (Auszug)

 

 

KD (Kreisdienststelle) Treptow                                                   Berlin, 12.10.1987

                                                                                                            bey-37 107

 

Information

Quelle.          IMB „Roland“ (ehrlich, überprüft, zuverlässig)

Treff am 12.10.1987

Der IM berichtete, dass sich die Mitglieder der im OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ bearbeiteten Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ nach der Sommerpause Anfang September letztmalig trafen.

Metzner und Altvogt unterbreiteten den Vorschlag, die Laienspielgruppe und damit die gemeinsame Tätigkeit zu beenden. Der Vorschlag von Metzner und Altvogt wurde von allen anderen Mitgliedern der Gruppe akzeptiert.

Als Hauptgründe für die Beendigung der gemeinsamen Tätigkeit können angesehen werden, dass das Interesse für die Kabarettaufführungen zurückgegangen ist.

Dies wiederrum hat seinen Grund darin, dass die Resonanz beim Publikum für die Darbietungen der Laienspielgruppe stark abnahm bzw. kaum noch Interesse fand.

Das dargebotene Programm war in vielen Punkten nicht mehr aktuell. So hat es derzeitig keinen Sinn mehr zu fordern, dass die SS 20 der UdSSR abgebaut werden bzw. dass der Osten als erster abrüsten soll. Diese Forderungen wurden von der Zeit bzw. durch Abrüstungsmaßnahmen der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern überholt.

Auch einige Forderungen zum Umweltschutz oder zu mehr Meinungsfreiheit seien durch die gegenwärtige Entwicklung in der DDR nicht mehr so aktuell wie noch vor einem oder zwei Jahren.

Für die neue gesellschaftliche Situation in der DDR hätte man in der Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“, kein geeignetes Programm mehr. Bei der letzten Zusammenkunft Anfang September wurden keinerlei weitere Aktivitäten mehr festgelegt.

Als ein weiterer und nicht unwesentlicher Grund für die vollständige Auflösung der genannten Gruppierung kann die starke Fluktuation der Mitglieder angesehen werden. So konnten die zur NVA einberufenen oder die übergesiedelten ehemaligen Mitglieder der Laienspielgruppe nicht bzw. ungenügend ersetzt werden.

Auch die zu geringe bzw. kaum vorhandene Wirkung auf geplante oder durchgeführte Aktivitäten (auch Provokationen) führte letztendlich zu dem Vorschlag die Laienspielgruppe „Die Wühlmaus“ aufzulösen.

(Name geschwärzt) berichtete, dass er die Absicht hat demnächst einen Antrag auf Übersiedlung in die BRD zu stellen, da er sich in keiner Weise mehr mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in der DDR identifiziert. Dem IM wurde ersichtlich, dass (Name geschwärzt) und Metzner weiterhin im Kontakt bleiben werden.

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Abschlussbericht zum OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ (Auszug)

Kreisdienststelle Treptow                                                Berlin, 29. Dezember 1987

                                                                                              bey-hz

Abschlussbericht zum Operativvorgang „Bekenntnis“, Reg.-Nr. XX 1096/84, gemäß §§ 218 (1), (2) und 220 (2)

 


Angelegt am                                 :06.06.1984

Bearbeitete Personen                 : 11

IM-Einsatz                                     : IMB „Roland“ (KD Treptow)

                                                          IMB „Lange“ (KD Treptow)

                                                          IMS „Sandra“ (KD Treptow)

                                                          IMS „Carsten Blüm“  (KD Treptow)

                                                          IMS „Andreas Harms“ (Abt. XX der BV NBG)

  1. Personalien (Laut Index zum OV von Dezember 1987)

Es folgt eine Namensliste, davon einige geschwärzt.

Der nächste Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.

Hier geht es weiter:

Durch Einleitung koordinierter Zersetzungsmaßnahmen mit der KD (Kreisdienststelle) Köpenick und der KD Königswusterhausen konnte erreicht werden, dass innerhalb der Laienspielgruppe Differenzen auftraten, die dazu führten, dass sich einige Mitglieder aus ihrer Tätigkeit in der Laienspielgruppe zurückzogen.

Zu diesen politisch-operativen Zersetzungsmaßnahmen zählten:

-die Übersiedlung des Buchheim, Gerd nach Westberlin,

-die Einberufung des Meier, Bernd zur NVA,

-die Einberufung des Roolf, Benn zur NVA,

-das Herauslösen des Metzner, Jörg seitens der KD Königswusterhausen aus der Laienspielgruppe,

-die Durchführung von zwei Gesprächen mit Meier, Bernd, bei denen ihm Informationen gegeben wurden, die die Differenzen unter den Mitgliedern der Laienspielgruppe und speziell zwischen Roolf und Grimm forcierten,

-das Herausbrechen eines Mitgliedes aus der Laienspielgruppe und dessen Gewinnung zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS,

-das Heranführen und integrieren des IMS „Roland“ als Mitglied in die Laienspielgruppe,

-die Durchführung von mehreren Gesprächen mit der Born, Hella sowie deren Eltern.

 

Diese und weitere Maßnahmen führten dazu, dass der Zersetzungsprozess weiter beschleunigt werden konnte und die Gruppe nicht mehr in der Lage war, ein eigenes Programm aufzuführen.

Mit der Übersiedlung des Buchheim, Gerd nach Westberlin, sowie des nicht mehr operativ in Erscheinung tretenden (Name geschwärzt) wurden diese nicht mehr operativ im OV „Bekenntnis“ bearbeitet, vom Indes des OV gelöscht und für die Kreisdienststelle Treptow KK-erfasst.

Nächster Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.

Hier geht es weiter:

Weitere politisch operative Maßnahmen zu den Personen Lydike und (Name geschwärzt) führten dazu, dass die Mitglieder der Laienspielgruppe im September 1987 beschlossen, ihre Gruppe aufzulösen.

Es fanden bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren gemeinsamen Aktivitäten mehr statt.

Inoffiziell sowie durch politisch-operative Kontrollmaßnahmen konnte herausgearbeitet werden, dass einzelne Mitglieder der Laienspielgruppe weiter in anderen sogenannten „Friedens- und Ökogruppen“ mitwirken. Dies betrifft die Personen

(es folgt eine Namensliste, nebst Geburtsdatum der jeweiligen Personen)

So wird die Person Metzner durch die HA XX/9 aufgrund von operativ-relevanten Verbindungen und Kontakten in einer OPK bearbeitet.

Die Person Grimm wird durch die KD Köpenick ebenfalls aufgrund von operativ-relevanten Verbindungen und Kontakten bzw. Handlungen im OV „Robert“ bearbeitet.

Die Person (Name geschwärzt) wirkt seit Oktober 1987 aktiv in der „Umweltbibliothek“ im Gemeindehaus der Zionskirche mit. Im Rahmen der Aktion „Falle wurde zu ihm ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im November 1987 stellte er einen Antrag auf Übersiedlung nach Westberlin.

Roolf trat als Mitglied der sogenannten „Unabhängigen Friedenbewegung“ nach seiner Entlassung als Bausoldat bei der NVA, im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Zionskirche in Erscheinung. Weiterhin wurde bekannt, dass er dem Arbeitskreis Friedrichsfelde (Friedenskreis) angehört. Lydike unterhält umfangreiche Kontakte und Verbindungen in das NSW (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, kapitalistische Länder P.R.) darunter zur Umweltorganisation „Greenpeace“. Die Personen Born, (Name geschwärzt), Altvogt und (Name geschwärzt) verkehren nach wie vor in verschiedensten kirchlichen Einrichtungen, ohne dabei jedoch einer festen Gruppierung anzugehören.

Ein gemeinsames Handeln aller genannten Personen findet nicht statt. Alle anderen traten nach ihrem Austritt aus der Laienspielgruppe nicht mehr operativ in Erscheinung.

4. Weitergehende Maßnahmen nach Abschluss des OV „Bekenntnis“

4.1 Zu den im OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ bearbeiteten Personen Roolf, Benn und Lydike, Matthias sowie dem ehemaligen Mitglied der Laienspielgruppe (Name geschwärzt) werden OPK (Operative Personenkontrolle, Überwachung) mit folgender Zielstellung eingeleitet:

Roolf, Benn

Die Einleitung der OPK „Karthause“ (Karthause ist ein Stadtteil von Koblenz. Wieso kommt das MfS auf diesen Namen?) erfolgt mit dem Ziel der:

-umfassenden Aufklärung des Roolf nach dessen Entlassung als Bausoldat bei der NVA in Bezug auf Pläne, Absichten, geplanten Aktivitäten, Verbindungen und Kontakte im Zusammenwirken mit dem politischen Untergrund,

-Feststellung, welche Kontakte und Bezugspunkte des Roolfs zur „Umweltbibliothek“ im Gemeindehaus der Zionskirche unterhält,

-Prüfung, welche Möglichkeiten zur Disziplinierung bzw. Neutralisierung des Roolf bestehen.

 

Lydike, Matthias

 

Die Einleitung der OPK „Drucker“ erfolgt mit dem Ziel der:

-umfassenden Aufklärung ob und welchen Anteil Lydike bei der Herstellung und Verbreitung antisozialistischer Hetzschriften („Grenzfall“) hat,

-Aufklärung des Charakters der Verbindungen und Kontakte zur Umweltorganisation „Greenpeace“ und Herausarbeitung von Informationen, ob von dieser Organisation eine Anleitung und Inspiration ausgeht,

-Feststellung, welche Pläne, Absichten, Aktivitäten sowie Verbindungen und Kontakte im Zusammenhang mit dem politischen Untergrund bestehen.

-Prüfung, welche Möglichkeiten zur Disziplinierung bzw. Neutralisierung des Lydike bestehen.

Name geschwärzt

Die Einleitung der OPK „Faktotum“ erfolgt mit dem Ziel:

-umfassende Aufklärung, welche Wirkung die strafprozessualen Disziplinierungsmaßnahmen bei (Name geschwärzt) hinterlassen haben,

-Feststellung wie fest die Einbindung des (Name geschwärzt) in die Aktivitäten der Kräfte des politischen Untergrundes ist,

-Gewährleistung einer umfassenden Kontrolle des (Name geschwärzt),

-ihn zum politisch wirksamsten Zeitpunkt im Zusammenhang mit seinem ÜSE (Ausreiseantrag) gem. DA 2/83 aus politisch operativen Gründen die Übersiedlung zu genehmigen.

 

4.2 Die im OV „Bekenntnis“ bearbeiteten Personen

(Name geschwärzt)

Born, Hella

Werden für die KD Treptow erfasst. Folgende Maßnahmen werden realisiert:

(Name geschwärzt)

Als Lebensgefährtin des Roolf werden in der anzulegenden OPK konkrete Maßnahmen zur weiteren Kontrolle und Einflussnahme, festgelegt.

Born, Hella

Die Born wird weiterhin durch regelmäßige Konsultationen mit dem Direktor sowie dem Klassenleiter an der EOS „H. Schliemann“ hinsichtlich schulischer und gesellschaftlicher Aktivitäten unter Kontrolle gehalten. Weiterhin werden Möglichkeiten zur Kontrolle der Born während ihres Studiums geprüft und realisiert.

 

Kurz, Silke

(Im Dokument steht „G.“, es ist wohl „K“ gemeint. P.R.)

Zur Kurz werden keine gesonderten Maßnahmen mehr erforderlich. Sie zog sich vollständig von der Tätigkeit aus „Friedens“-„Öko“ und anderen alternativen Gruppen zurück.

4.3 Die Ablage des OV „Bekenntnis“ erfolgt in der Abteilung XII als nicht gesperrtes Material.

Unterzeichner                                                                                 Sachbearbeiter

 

Starke                                                                                                  Beyer

Oberstleutnant                                                                                  Leutnant

 

Dann folgt der Verteiler.

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv