Abschlussbericht zum OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ (Auszug)

Kreisdienststelle Treptow                                                Berlin, 29. Dezember 1987

                                                                                              bey-hz

Abschlussbericht zum Operativvorgang „Bekenntnis“, Reg.-Nr. XX 1096/84, gemäß §§ 218 (1), (2) und 220 (2)

 


Angelegt am                                 :06.06.1984

Bearbeitete Personen                 : 11

IM-Einsatz                                     : IMB „Roland“ (KD Treptow)

                                                          IMB „Lange“ (KD Treptow)

                                                          IMS „Sandra“ (KD Treptow)

                                                          IMS „Carsten Blüm“  (KD Treptow)

                                                          IMS „Andreas Harms“ (Abt. XX der BV NBG)

  1. Personalien (Laut Index zum OV von Dezember 1987)

Es folgt eine Namensliste, davon einige geschwärzt.

Der nächste Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.

Hier geht es weiter:

Durch Einleitung koordinierter Zersetzungsmaßnahmen mit der KD (Kreisdienststelle) Köpenick und der KD Königswusterhausen konnte erreicht werden, dass innerhalb der Laienspielgruppe Differenzen auftraten, die dazu führten, dass sich einige Mitglieder aus ihrer Tätigkeit in der Laienspielgruppe zurückzogen.

Zu diesen politisch-operativen Zersetzungsmaßnahmen zählten:

-die Übersiedlung des Buchheim, Gerd nach Westberlin,

-die Einberufung des Meier, Bernd zur NVA,

-die Einberufung des Roolf, Benn zur NVA,

-das Herauslösen des Metzner, Jörg seitens der KD Königswusterhausen aus der Laienspielgruppe,

-die Durchführung von zwei Gesprächen mit Meier, Bernd, bei denen ihm Informationen gegeben wurden, die die Differenzen unter den Mitgliedern der Laienspielgruppe und speziell zwischen Roolf und Grimm forcierten,

-das Herausbrechen eines Mitgliedes aus der Laienspielgruppe und dessen Gewinnung zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS,

-das Heranführen und integrieren des IMS „Roland“ als Mitglied in die Laienspielgruppe,

-die Durchführung von mehreren Gesprächen mit der Born, Hella sowie deren Eltern.

 

Diese und weitere Maßnahmen führten dazu, dass der Zersetzungsprozess weiter beschleunigt werden konnte und die Gruppe nicht mehr in der Lage war, ein eigenes Programm aufzuführen.

Mit der Übersiedlung des Buchheim, Gerd nach Westberlin, sowie des nicht mehr operativ in Erscheinung tretenden (Name geschwärzt) wurden diese nicht mehr operativ im OV „Bekenntnis“ bearbeitet, vom Indes des OV gelöscht und für die Kreisdienststelle Treptow KK-erfasst.

Nächster Abschnitt ist unleserlich gemacht worden.

Hier geht es weiter:

Weitere politisch operative Maßnahmen zu den Personen Lydike und (Name geschwärzt) führten dazu, dass die Mitglieder der Laienspielgruppe im September 1987 beschlossen, ihre Gruppe aufzulösen.

Es fanden bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren gemeinsamen Aktivitäten mehr statt.

Inoffiziell sowie durch politisch-operative Kontrollmaßnahmen konnte herausgearbeitet werden, dass einzelne Mitglieder der Laienspielgruppe weiter in anderen sogenannten „Friedens- und Ökogruppen“ mitwirken. Dies betrifft die Personen

(es folgt eine Namensliste, nebst Geburtsdatum der jeweiligen Personen)

So wird die Person Metzner durch die HA XX/9 aufgrund von operativ-relevanten Verbindungen und Kontakten in einer OPK bearbeitet.

Die Person Grimm wird durch die KD Köpenick ebenfalls aufgrund von operativ-relevanten Verbindungen und Kontakten bzw. Handlungen im OV „Robert“ bearbeitet.

Die Person (Name geschwärzt) wirkt seit Oktober 1987 aktiv in der „Umweltbibliothek“ im Gemeindehaus der Zionskirche mit. Im Rahmen der Aktion „Falle wurde zu ihm ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im November 1987 stellte er einen Antrag auf Übersiedlung nach Westberlin.

Roolf trat als Mitglied der sogenannten „Unabhängigen Friedenbewegung“ nach seiner Entlassung als Bausoldat bei der NVA, im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Zionskirche in Erscheinung. Weiterhin wurde bekannt, dass er dem Arbeitskreis Friedrichsfelde (Friedenskreis) angehört. Lydike unterhält umfangreiche Kontakte und Verbindungen in das NSW (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, kapitalistische Länder P.R.) darunter zur Umweltorganisation „Greenpeace“. Die Personen Born, (Name geschwärzt), Altvogt und (Name geschwärzt) verkehren nach wie vor in verschiedensten kirchlichen Einrichtungen, ohne dabei jedoch einer festen Gruppierung anzugehören.

Ein gemeinsames Handeln aller genannten Personen findet nicht statt. Alle anderen traten nach ihrem Austritt aus der Laienspielgruppe nicht mehr operativ in Erscheinung.

4. Weitergehende Maßnahmen nach Abschluss des OV „Bekenntnis“

4.1 Zu den im OV (Operationsvorgang) „Bekenntnis“ bearbeiteten Personen Roolf, Benn und Lydike, Matthias sowie dem ehemaligen Mitglied der Laienspielgruppe (Name geschwärzt) werden OPK (Operative Personenkontrolle, Überwachung) mit folgender Zielstellung eingeleitet:

Roolf, Benn

Die Einleitung der OPK „Karthause“ (Karthause ist ein Stadtteil von Koblenz. Wieso kommt das MfS auf diesen Namen?) erfolgt mit dem Ziel der:

-umfassenden Aufklärung des Roolf nach dessen Entlassung als Bausoldat bei der NVA in Bezug auf Pläne, Absichten, geplanten Aktivitäten, Verbindungen und Kontakte im Zusammenwirken mit dem politischen Untergrund,

-Feststellung, welche Kontakte und Bezugspunkte des Roolfs zur „Umweltbibliothek“ im Gemeindehaus der Zionskirche unterhält,

-Prüfung, welche Möglichkeiten zur Disziplinierung bzw. Neutralisierung des Roolf bestehen.

 

Lydike, Matthias

 

Die Einleitung der OPK „Drucker“ erfolgt mit dem Ziel der:

-umfassenden Aufklärung ob und welchen Anteil Lydike bei der Herstellung und Verbreitung antisozialistischer Hetzschriften („Grenzfall“) hat,

-Aufklärung des Charakters der Verbindungen und Kontakte zur Umweltorganisation „Greenpeace“ und Herausarbeitung von Informationen, ob von dieser Organisation eine Anleitung und Inspiration ausgeht,

-Feststellung, welche Pläne, Absichten, Aktivitäten sowie Verbindungen und Kontakte im Zusammenhang mit dem politischen Untergrund bestehen.

-Prüfung, welche Möglichkeiten zur Disziplinierung bzw. Neutralisierung des Lydike bestehen.

Name geschwärzt

Die Einleitung der OPK „Faktotum“ erfolgt mit dem Ziel:

-umfassende Aufklärung, welche Wirkung die strafprozessualen Disziplinierungsmaßnahmen bei (Name geschwärzt) hinterlassen haben,

-Feststellung wie fest die Einbindung des (Name geschwärzt) in die Aktivitäten der Kräfte des politischen Untergrundes ist,

-Gewährleistung einer umfassenden Kontrolle des (Name geschwärzt),

-ihn zum politisch wirksamsten Zeitpunkt im Zusammenhang mit seinem ÜSE (Ausreiseantrag) gem. DA 2/83 aus politisch operativen Gründen die Übersiedlung zu genehmigen.

 

4.2 Die im OV „Bekenntnis“ bearbeiteten Personen

(Name geschwärzt)

Born, Hella

Werden für die KD Treptow erfasst. Folgende Maßnahmen werden realisiert:

(Name geschwärzt)

Als Lebensgefährtin des Roolf werden in der anzulegenden OPK konkrete Maßnahmen zur weiteren Kontrolle und Einflussnahme, festgelegt.

Born, Hella

Die Born wird weiterhin durch regelmäßige Konsultationen mit dem Direktor sowie dem Klassenleiter an der EOS „H. Schliemann“ hinsichtlich schulischer und gesellschaftlicher Aktivitäten unter Kontrolle gehalten. Weiterhin werden Möglichkeiten zur Kontrolle der Born während ihres Studiums geprüft und realisiert.

 

Kurz, Silke

(Im Dokument steht „G.“, es ist wohl „K“ gemeint. P.R.)

Zur Kurz werden keine gesonderten Maßnahmen mehr erforderlich. Sie zog sich vollständig von der Tätigkeit aus „Friedens“-„Öko“ und anderen alternativen Gruppen zurück.

4.3 Die Ablage des OV „Bekenntnis“ erfolgt in der Abteilung XII als nicht gesperrtes Material.

Unterzeichner                                                                                 Sachbearbeiter

 

Starke                                                                                                  Beyer

Oberstleutnant                                                                                  Leutnant

 

Dann folgt der Verteiler.

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Notiz aus einem Bericht des IMB „Roland“

Notiz aus einem Bericht des IMB „Roland“

Maßnahmen:

  1. Es wird vorgeschlagen den Auftritt der Laienspielgruppe am 28.03.1987 in Dresden zu verhindern. Dazu wird an Metzner am 27.03.1987 ein Telegramm von (Name geschwärzt) auf dem zum Ausdruck gebracht wird, dass ein Auftritt nicht möglich ist. (Telegramm analog der Absage des Auftritts in Leipzig)
  2. Der IMB „Roland“ wird dazu eingeweiht und erhält den Auftrag nach Dresden zu fahren, falls ihn die Absage nicht mehr erreicht.
  3. Zum Auftritt der Laienspielgruppe in der JG Bohnsdorf erfolgt der Einsatz des IMS „Carsten Blühm“ mit Technik.

JG=Junge Gemeinde

Originalschriftstück und Transkript aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Vorwort Dezember 2025

Nun beschäftigt sich DIE TROMMLER mit einem umfangreichen Thema. Das geht über den Jahreswechsel hinaus.

Es geht um eine der vielen kirchlichen Gruppen, welche die Keimzellen für konterrevolutionäre Gruppierungen waren. Hier um eine Laienspielgruppe, die aus einer Gruppe der sogenannten unabhängigen Friedensbewegung der DDR hervorgegangen ist.

In dieser und der nächsten Ausgabe werden die Dokumente vorgestellt. In der Februar-Ausgabe befasst sich DIE TROMMLER mit der Aufgaben, welche vom Bundesarchiv für die heutigen Schülerinnen und Schüler formuliert worden sind.

Das Ganze trägt den Titel „Zersetzung“. Überall auf der Welt ist die Zersetzung eine der Methoden von Geheimdiensten. Es wird aber so getan, als hätte das MfS alleine solche Maßnahmen durchgeführt.

Das Material ist vom Bundesarchiv entnommen worden. Petra Reichel hat das bearbeitet bzw. zusammengefasst.

Material aus dem Bundesarchiv:

Broschüre „Zersetzung“

Quellen für die Schule /: „Zersetzung“ 

 

DIE TROMMLER wünscht allen frohe Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vor allem viel Gesundheit ist ein wichtiger Neujahrswunsch.

Inhaltsverzeichnis Dezember 2025

Kalenderblatt Dezember 2025

Vorstellung der MfS-Akten im Fall „Zersetzung“, Teil 1

Paragraphen

Broschüre „Zersetzung“

Abkürzungsverzeichnis

Maßnahmeplan zum Auftritt der „Wühlmäuse“ (OV „Bekenntnis“) am 19.01. 1985 in der Bekenntniskirche in Berlin

Aktenvermerk Buchheim

Vorschlag zur Einleitung von Prüfungshandlungen ..wg Verdacht eines (politischen) Straftatbestandes (Auszug)

Aktenvermerk zum OV (geheimes Ermittlungsverfahren des MfS) „Bekenntnis“

Vorschlag zur Übersiedlung und Entlassung aus der Staatsbürgerschaft (Auszug)

Operativplan Zersetzung der Gruppe

Bericht des IMS „Sandra“ (Auszug)

Bericht 1 des IMS „Andreas Harms“ (Auszug)

Bericht 2 des IMS „Andreas Harms“ (Auszug)

Bericht 1 des IMS „Roland“ (Auszug)

Tätigkeitsbericht OV (Operationsvorgang/Ermittlungen) „Bekenntnis“ gemäß §§..

Vermerk über eine Vereinbarung der Kreisdienststelle Treptow an die Hauptabteilung I

Vermerk über ein Gespräch mit IMS „Andreas Harms“

Paragraphen 

  • 218 Strafgesetzbuch der DDR und

  • 220 Strafgesetzbuch der DDR

Siehe Erläuterung, entnommen aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv.

Diese Paragraphen konnten ein weites Feld umfassen. Der § 218 Strafgesetzbuch der DDR konnte sich gegen gewöhnliche Verbrecherbanden bis hin zu Terrorgruppen richten. Es konnten auch harmlosere Gruppen betroffen sein. Mit dem Schlagwort „Unrechtsstaat DDR“ wird auf überzogenes Handeln der DDR-Strafverfolgungsbehörden hingewiesen und so getan, als wäre das mehrheitlich der Fall gewesen. In diesem Beispiel hier, sieht es zunächst auch nach überzogenem Handeln aus. Doch wenn man die Akten dieses Falles auswertet, kommt man zu dem Schluss, dass es diese harmlos scheinende Gruppe doch in sich hatte. Sie war letztendlich doch nicht so harmlos.

Solcherlei Gruppen sind in den 1980er Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen und fanden Unterschlupf unter dem Dach der Kirche. Sie waren die Keimzelle der späteren konterrevolutionären Gruppen. Doch zum damaligen Zeitpunkt hatte das noch niemand, auch das MfS nicht, geahnt.

Der § 220 Strafgesetzbuch der DDR war etwas unglücklich und zeigte die Schwäche der Staatsmacht der DDR auf. Man war oft kleinlich und brachte Kulturschaffende sowie Bürgerinnen und Bürger gegen sich auf. Allerdings müssen wir bedenken, dass man auch im heutigen Deutschland mit politischen § kleinlich geworden ist, wie z.B. die Politikerbeleidigung u.ä.

Erläuterung aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv

Maßnahmeplan zum Auftritt der „Wühlmäuse“ (OV „Bekenntnis“) am 19.01.1985 in der Bekenntniskirche in Berlin

Kreisdienststelle Treptow

Berlin, 17. Januar 1985

Maßnahmeplan zum Auftritt der „Wühlmäuse“ (OV „Bekenntnis“) am 19.01.1985 in der Bekenntniskirche in Berlin

Nachfolgend genannte Maßnahmen zur am 19.01.1985 um 19:00 Uhr in der evangelischen Bekenntniskirche Treptow stattfindenden Veranstaltung der im OV „Bekenntnis“ bearbeiteten Gruppe „Wühlmäuse“ erfolgten mit folgender Zielstellung:

  1. Vorbeugende Verhinderung politisch-negativer und negativ-feindliche Aussagen und Handlungen in der Öffentlichkeit, Missbrauch der genannten kirchlichen Einrichtung.
  1. Erarbeitung von offiziellen und inoffiziellen Beweisen (es folgen Paragraphen P.R.) in Verwirklichung der Zielstellung der Bearbeitung des OV „Bekenntnis“.

Maßnahmen

  1. Mit dem Ziel der Verhinderung gegen den Staat gerichteter negativ-feindlicher Handlungen erfolgte durch den Stadtbezirksrat für Inneres (Es folgt der geschwärzter Name P.R.), eine Aussprache mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Oberspree. (geschwärzter Name P.R.) in welcher dieser
  • auf die Einhaltung der Veranstaltungsordnung hingewiesen wird.
  • In einige bekannte inhaltliche Probleme des Programms eingewiesen und
  • Aufgefordert wird, gegenüber den Veranstaltern und mitwirkenden Personen seinen Einfluss geltend zu machen, dass es nicht zu negativ-feindlichen Handlungen kommt.

Dann folgen die Unterschriften der damaligen Verantwortlichen des MfS.

Anmerkung von Petra Reichel:

In der DDR war das mit Kabarett und Satire eine schwierige Sache. Man musste die „feine Klinge“ beherrschen. Als Laie musste nochmals extra aufgepasst werden.

Hier ist von die „Wühlmäuse“ die Rede. Sicher eine Verwechslung mit dem gleichklingenden „Die Wühlmaus“ und „Die Wühlmäuse“ aus Westberlin.

Original-Dokument aus der Broschüre „Zersetzung“ vom Bundesarchiv