DIE TROMMLER befasst sich nun mit dem Wirken des MfS im Westen (BRD und Westberlin 1952 bis 1989)
Da gibt es einiges Interessantes. Die Themenfelder reichen für die nächsten Ausgaben von DIE TROMMLER.
Es wird ein neuer Schwesterblog vorgestellt. Da wird u.a. die Auswertung veröffentlichter MfS-Akten zusammengefasst.
In dieser Ausgabe geht es um Wilhelm Meisner, der u.a. militärische Liegenschaften der US-Army in seiner Heimat auskundschaftete. Das war im Jahre 1952. Er musste seine Tätigkeit für das MfS bald beenden, weil er bereits für die KPD politisch aktiv war. In der DDR trat die Regelung in Kraft, dass politische Aktivitäten im Westen und die Tätigkeit für das MfS nicht miteinander vereinbar sind und strikt getrennt werden. Diese Regelung bestand bis zum bitteren Ende im Jahre 1989.
Im Nachhinein muss man sagen, dass Wilhelm Meisner sehr mutig war und dass er diese Tätigkeit aus freien Stücken ausübte. So eine Entscheidung zu treffen war für Bürgerinnen und Bürger der BRD und Westberlins nicht einfach.
Wenn man sieht, dass die Amis in der Vergangenheit und erst recht in der Gegenwart die Welt mit Krieg und Elend überziehen, war das Handeln von Wilhelm Meisner vollkommen richtig. Schade, dass er seine geheime Mission nicht weiterführen konnte.
Bericht über eine Absprache auf der Interzonenpassstelle
Leipzig, den 02.12.1952
Betrifft: Meisner, Wilhelm,
geb. am (geschwärzt) 1928 in Hof am Rege/Regensburg
wohnhaft: Leipzig (der Rest geschwärzt)
Nationalität und Staatsangehörigkeit: deutsch (damals legte man noch nicht wert auf die eigenen Staatsbürgerschaften der DDR und der BRD).
Schulbildung: Volks-Berufsschule und Arbeiter- und Bauernfakultät
Erlernter Beruf: Bootsmann
Jetzige (damalige) Tätigkeit: Student
Arbeitsstellte: Institut für Publizistik, Leipzig 83, Tieckstr. 2-6
Schulbildung:
1935-43 Volksschule in Steffling/Bayern
1949-52 Arbeiter- und Bauernfakultät in Berlin
1952 bis jetzt (damals) Institut für Publizistik in Leipzig.
Arbeitsstellen:
Nach dem Besuch der Volksschule lernte Meisner als Schifferlehrling beim Bayrischen Loyd. 1943 bis 46 lernte er so das gesamte Donaugebiet und die Donauschifffahr kennen. Nach Beendigung der Lehre wurde er entlassen. Bis 1949 arbeitete er so als Hilfsarbeiter und Gelegenheitsarbeiter in der Landwirtschaft und in kleineren Betrieben im Gebiet von Regensburg. Durch die KPD wurde er 1949 zum Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät nach Berlin delegiert. Im Juni-Juli machte er sein Abitur und kam dann zum Studium an das Institut für Publizistik in Leipzig.
Politische Vergangenheit:
Bei seiner Lehrzeit und vor allem danach hatte er Verbindung zu Funktionären der KPD. Er nahm regelmäßig an Versammlungen und Unternehmungen der KPD in Regensburg teil. Er kannte persönlich den Kreissekretär der KPD der ihn von der Richtigkeit der Politik der DDR überzeugte. Auch unter den Jugendlichen hatte er zahlreiche Freunde, die ihn im fortschrittlichen Sinne beeinflussten. Obwohl er politisch in Westdeutschland nicht organisiert war, delegierte ihn die KPD zum Studium. In Berlin wurde er am 1. X.1949 (1. 10.1949 – in der DDR hatte man es mit den römischen Zahlen) Mitglied der FDJ, GDSF (Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft) und des FDGB. Meisner übte verschiedene Funktionen aus. Unter anderem war er Zirkelsekretär und Wandzeitungsredakteur.
Jetzt ist (damals war) er noch Mitglied der GST und der DS. Er beabsichtigt einen Antrag auf Kandidatur in der SED zu stellen. Er ist Mitglied der zentralen FDJ-Leitung der Universität Leipzig und Chefredakteur des zentralen Betriebsfunks der Universität. Nach dem 3-jährigen Studium soll er voraussichtlich eine Stellung als Redakteur der KPD-Zeitung „Bayrisches Volksecho“ in München antreten. Meisner ist außerordentlich von seinem Studium befriedigt. Es macht ihm viel Freude und er stellt sich den Beruf der Redakteur(e) und Journalisten interessant vor.
Nächste Abschnitte unleserlich.
In der Nähe seiner Heimat liegt der Truppenübungsplatz Hohenfels-Farsberg. Aus diesem Grunde sind in der Gegend viele Besatzungstruppen zu sehen. Meisner ist in seinem Heimatort als fortschrittlich bekannt. Aus diesem Grunde hat er auch vom Gemeindeschreiber keine Aufenthaltsgenehmigung für die Weihnachtsferien bekommen. Da er aber nicht Mitglied einer Organisation war muss es ihm möglich sein, sich von diesem Ruf zu lösen.
Meisner hat in Leipzig eine Verlobte, die er in Berlin als Tochter seiner Vermieter kennengelernt hatte. Diese Verlobte lebt mit ihren Eltern im Streit und ist deshalb vollkommen auf seine Unterstützung angewiesen. Er beabsichtigte mit ihr den Weihnachtsurlaub zu verbringen.
Meisner scheint intelligent und ehrlich zu sein. Er macht einen sicheren aber höflichen Eindruck. Er sprach gewandt aber nicht ohne etwas Nervosität. (Für einen BRD-Bürger ist das eine schwerwiegende Entscheidung und ein „großes Ding“. Da ist die Nervosität in diesem ersten Gespräch völlig normal.)
Es wird vorgeschlagen den Meisner als Informator für seine Tätigkeit im Institut für Publizistik zu werben. Sobald man ihn etwas näher kennengelernt hat, dann erwogen werden, ob er für eine Arbeit in Westdeutschland geeignet ist. Prinzipiell zu beobachten wäre, dass Meisner noch fast 3 Jahre in Leipzig zu studieren hätte.
Unterzeichnet von Geyer und Hutschenreuter
(Das in Klammern gesetzte kursiv geschriebene ist zum besseren Verständnis von Petra Reichel eingesetzt worden.)
Bezirksverwaltung Leipzig – Abteilung II.- Leipzig, den 20.01. 1953
Bericht
Betrifft: Meisner, Wilhelm
Am 19.01.1953 meldete sich Meisner auf der Interzonenpassstelle. Er berichtete anschließend auf dem VPKA (Volkspolizei-Kreisamt) folgende Beobachtungen, die er bei seinem Aufenthalt in Westdeutschland gewann:
Er hat festgestellt, dass der Bahnhof Farsberg (Truppenübungsplatz Hohenfels-Farsberg) erweitert wird. Es werden zahlreiche neue Gleisanlagen, Laderampen und Unterführungen gebaut-Außerdem sind große Zufahrtsstraßen zum Bahnhof angelegt worden. Am Bahnhof wird Tag und Nacht gearbeitet.
Die Regentalstraße die nach der CSR (später CSSR, heute Tschechien) führt wird in voller Länge erneuert und teilweise verbreitert. Die Straße wird bis unmittelbar an die Grenze (Fürth im Walde) asphaltiert. Vor einigen Monaten war auf den Grenzstraßen auch in der Grenznähe auf der Regentalstraße sehr wenig Verkehr. Jetzt ist dort bis in die unmittelbare Grenznähe ein sehr starker Verkehr von schweren amerikanischen Lastwagen und Omnibussen. Die Lastwagen sind mit Planen verdeckt, so dass deren Last nicht zu sehen ist.
Die Infanteriekasernen in Regensburg werden erweitert und zahlreiche neue Gebäude gebaut. In diesen Gebäuden befindet sich die sogenannte Westdeutsche Grenzschutzpolizei. Es werden dort laufend neue „Polizisten“ einquartiert. 500 Meter davon entfernt sind die amerikanischen Kasernen. In diesen Kasernen sind vor allem junge Farbige untergebracht(Damals herrschte in den USA die Rassentrennung. P.R.), die zu Übungen usw. nach Grafenwöhr gebracht werden. Im ganzen Gebiet sind neue amerikanische Truppen eingetroffen. Die Ausschreitungen der Truppen und die Zusammenstöße mit der Bevölkerung haben sich vermehrt. Die Bevölkerung verhalte sich gleichgültiger und träger als früher. Man habe sich bereits an die Zustände gewöhnt. Besonders trägt zu der passiven Haltung die außerordentliche starke Hetze und Verleumdung gegen die DDR und SU bei. Die Kirche ist in dieser Hinsicht ein Hauptantreiber.
Wie er durch einen Freund erfahren hat, bekommt die deutsche Grenzpolizei durch Amerikaner in Grafenwöhr jetzt unter anderem eine Ausbildung an Panzerspähwagen. Dieser Freund stammt aus dem Heimatort des Meisner und ist ihm aber wie viele nur mit Vornamen bekannt. Er hat noch verschiedene Freunde, die jetzt bei der Bereitschaftspolizei sind. Besonders sein Bruder steht mit denen in Verbindung und kann von ihnen Dinge erfahren. Die Werbung für die Polizei ist sehr intensiv und auch erfolgreich. Weiterhin bemerkte er, dass der Flugplatz bei Cham erweitert und ausgebaut wird. Auch dort sind neue Truppe. Er hat noch einen Bekannten (Name geschwärzt), der Automechaniker bei einer Einheit der Bereitschaftspolizei in der Nähe von Stuttgart sei. Auch dort würde die „Polizei“ zur Zeit an Panzerspähwagen ausgebildet. Die politische Schulung wäre jetzt bei der eingeführt. Hauptinhalt der Schulung ist eine Hetze gegen die DDR und SU. Mit der (Name geschwärzt) sei er bekannt (in Hof). Der (Name geschwärzt) sei Angestellter bei einer amerikanischen Dienststelle.
Nach seinen eigenen Beobachtungen ist die nächste CIC-Dienststelle in Regensburg, Landshuter Straße..Auch der BVSA sein in Regensburg. In der Straubingstraße in Regensburg sei ein „Flüchtlingslager“:
Bei seinem letzten Aufenthalt hat Meisner bei A (Rest des Namens geschwärzt) gewohnt. Der A. beschafft ihm die Aufenthaltsgenehmigung. A. sei in der Gegend einflussreich und will ihm einen westdeutschen Personalausweis beschaffen. Da Meisner zusammen mit einem Studienkameraden eine Schrift über Jugendkriminalität in Westdeutschland schreiben will, wird ihm sein Onkel eine Möglichkeit verschaffen, das Zuchthaus für jugendliche Schwerverbrecher in Straubing zu besuchen. Dicht daneben sie das amerikanische Militärzuchthaus
Meisner möchte Ostern wieder nach Westdeutschland und erklärte sich aus freien Stücken bereit dem Ministerium (für Staatssicherheit) behilflich zu sein. Er versicherte mehrfach, dass wir ihm vertrauen können.
Der nächste Treff wird brieflich vereinbart. Er bekam die Telefonnummer 31 669.
Die Schweigeverpflichtung schrieb er ohne Zögern, obwohl er zuerst eine Art Misstrauen darin sah.
Meisner hinterließ den Eindruck eines klugen, energischen, ehrlichen und sehr beweglichen Menschen. Er ist zur Mitarbeit sehr bereitwillig und trotzdem auf seine Sicherheit bedacht.
Unterzeichnet
Geyer und Hutschenreuter
(In Klammern und Kursivschrift Hinzufügungen von Petra Reichel zum besseren Verständnis.)
Meisner, Wilhelm, geb. (geschwärzt) 1928 in Hof am Regen, fährt am 28.03.1953 auf ca. 8 Tage nach Westdeutschland zu seinen Eltern, die (Wohnort geschwärzt) wohnen. Meisner verbringt dort seine Osterferien und nimmt an der Hochzeit seines Bruders in Grafenwiesen Kreis Regensburg teil.
Bei seinem Aufenthalt soll er zugleich im Rahmen seiner Möglichkeiten feststellen, welch
Dienststellen des amerikanischen Geheimdienstes im Kreis Regensburg, sich befinden. Nach Möglichkeit die Lage der Dienststellen, feststellen und welches Personal auf diesen Dienststellen tätig ist.
Welche militärischen Objekte befinden sich im Bezirk Regensburg? Dabei ist besonders acht zu geben in der Nähe des Truppenübungsplatzes Hohenfels/Farsberg und des Flugplatzes Cham. Hier interessiert der Charakter, Lage und Beschaffenheit dieser Objekte. Welche Einheiten befinden sich in dem Objekt und wie sind diese ausgerüstet? Zahl der dort stationierten Truppen.
Welche Veränderungen werden an den Verkehrsverhältnissen im Bezirk Regensburg vorgenommen? (Straßenbauten in Richtung der CSR (später CSSR, heute Tschechien) -Grenze, Eisenbahnbauten). Zu welchem Zweck erfolgen diese Veränderungen und wo werden sie vorgenommen? Umfang dieser Bauten.
Welche Polizeidienststellen offiziellen und geheimen Charakters der Bundesregierung befinden sich im Kreis Regensburg? Genaue Lage dieser Dienststellen, Art der Dienststellen und wenn möglich, welches Personal ist dort tätig?
Wo befinden sich im Kreis Regensburg westdeutsche Söldnereinheiten? Womit sind sie ausgerüstet, welche Ausbildung erhalten sie?
Meisner soll keine ihm unbekannten Personen in dieser Hinsicht befragen. Bei eigenen Beobachtungen von militärischen Objekten muss der Aufenthalt in der Nähe solcher Objekte jederzeit gerechtfertigt und natürlich wirken. Meisner soll unter keinen Umständen Beobachtungen treffen die seine Person gefährden könnten
Sollte er bei seinem Aufenthalt in Westdeutschland von Organen der westlichen Besatzungsmacht oder der deutschen Behörden vernommen werden, darf er in keinem Fall seine Verbindung zum Ministerium für Staatssicherheit preisgeben. Über seinen Aufenthalt in Westdeutschland eventuell befragt, muss er angeben, dass er nur zum Zweck der Hochzeit seines Bruders teilzunehmen, sich in Westdeutschland aufhält.(„Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“)
Sein Verhalten in Westdeutschland garantiere ihm persönliche Sicherheit.
Nach seiner Rückkehr nach Leipzig muss er sofort das MfS verständigen.
Am 28.03.1953 fuhr ich mit dem Interzonenzug von Leipzig über Probstzella-Ludwigstadt nach Nürnberg. Von dort weiter nach Regen am Hof. Die Kontrolle von Seiten der Volkspolizei war wie üblich. Von Seiten der westlichen Zollbehörden stellte ich dieses Mal sechs bis sieben Mann fest, welche kontrollierten. Einer von diesen fragte sich wo der Interzonenpass ausgestellt sei. Ich sagte ihm in Leipzig. Er fragte darauf ferner wo ich die doppelte Ausführung meiner Aufenthaltsgenehmigung hätte. Ich entgegnete ihm, dass ich nur eine habe. Von Ludwigstadt fuhr ich gegen 2:36 Uhr weiter nach Hof am Regen, wo ich gegen 10:00 Uhr am 29.03.1953 eintraf. Am gleichen Tage hatte mein Bruder Hochzeit an der ich teilnahm. Ich blieb bei meinen Eltern bis einschließlich 05.04.1953. Von hier aus fuhr ich nach Berlin über die Grenzorte Ludwigstadt-Probstzella. Der Grenzübertritt war normal auf beiden Seiten, er erfolgte ohne Beanstandung. In Berlin besuchte ich meine Braut bis einschließlich Donnerstag, den 09.04.1953. Von hier aus führ ich mit meiner Braut nach Leipzig zurück.
Während meines Aufenthaltes in Hof am Regen sind mein Bruder und ich nach Cham mit dem Motorrad gefahren. Mein Bruder hatte in Cham in der Lagerhausgenossenschaft etwas zu erledigen. Bei diesem Besuch stellte ich fest:
Im Rodinger Forst, wo die ehemaligen Messerschmidt-Zweigwerke standen, werden von den Amerikanern große Materiallager angelegt. Ein großes Gebiet ist eingezäunt und es ist unmöglich dies zu betreten. Dieses Lager befindet sich ca. 35 bis 40 km von der Staatsgrenze der CST (später CSSR, heute Tschechien). Dieses erzählte mir mein Bruder (Name geschwärzt). Mein Bruder erzählte mir ferner, dass im Haidhof, im Forst Kreis Burgenlangenfeld, ebenfalls amerikanische Waffenlager angelegt wurden. Den Umfang des Lagers kannte mein Bruder nicht. In Cham selber wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. Ich beobachtete, dass dort zwei zweimotorige Flugzeuge auf dem Paltz standen, während die anderen Maschinen in den Flughallen untergebracht waren. Mein Bruder berichtete mir noch, dass in der Nähe des Flugplatzes sehr bald Kasernen gebaut werden sollen.
In der Gegend von Regensburg -Neustadt. Abensberg (Niederbayern) -Krw. Kelheim, befindet sich ein großer Übungsplatz für amerikanische Düsenflugzeuge. Der Übungsplatz befindet sich schon seit der Nazizeit dort. Nach Kriegsende erhielten die Bauern die Wälder wieder zurück und 1948 haben die Amerikaner die Wälder wieder beschlagnahmt. Sie sind bestrebt diesen Übungsplatz ständig zu vergrößern. Diesen Platz sah ich in den letzten Jahren wiederholt, zum letzten Mal im Sommer 1952-
In Parsberg bei Regensburg wurden inzwischen neue Gleisanlagen auf dem Bahnhof gelegt. Ich beobachtete drei bis vier Gleisanlagen. Ich sah auf dem Bahnhof amerikanische Soldaten, die aus einem Güterzug größere Kisten auf Lastwagen verluden. Zu diesen neuen Gleisanlagen wurden Anfahrtsstraßen gebaut.
In Regensburg besuchte ich meinen Freund (Name geschwärzt), ca. 19 Jahre alt, von Beruf Steinsetzerlehrling, wohnhaft in Regensburg, (Straße und Hausnummer geschwärzt) ist KPD-Genosse und gilt als zuverlässig. (Name geschwärzt) erzählte mir:
a) Die CIC-Dienststelle befindet sich im Gebäude der amerikanischen Militärregierung in Regensburg, Dachauer Platz. Die Unterkünfte des CIC befinden sich Regensburg, Landauer Str. in der ehemaligen Infanteriekaserne.
b) Der BVSA (Bundesverfassungsschutzamt) befindet sich Regensburg, ebenfalls Dachauer Platz. Diese BVSA-Dienststelle nennt sich Sonderabteilung der Polizei. Zum Aufbau dieser Dienststelle wurde ein (geschwärzt) aus München geholt, der sich durch brutales Vorgehen gegen die Friedenskämpfer schon bewährte.
c) Die amerikanischen Offiziere sind mit ihren Familien im Villenviertel Regensburg, Prüfingerstr. Untergebracht.
d) In Regensburg befinden sich ungefähr zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei. Sie sind ebenfalls in den Infanteriekasernen in der Landshuter Straße untergebracht. Sie sind mit leichten Infanteriewaffen (Maschinengewehre und Wasserwerfern) ausgerüstet.
Mein Cousin (Name geschwärzt) der Sohn meines Onkels, ebenfalls (geschwärzt) wurde vom Arbeitsamt Cham nach Kaiserslautern zwangsverpflichtet. Er ist jetzt in Siegelbach bei Kaiserslautern wohnhaft und arbeitet als Maurer an einem Kasernenbau. Er ist 19 Jahre alt, politisch nicht organisiert und auch nicht zuverlässig. Ich hatte Gelegenheit, während der Osterferien meinen Cousin zu sprechen. Er erzählte mir, dass er in den Wäldern um Siegelbach große Kasernen, Materiallager und Bunker gebaut werden. Bei den Bunkern handelt es sich um Verteidigungsbunker. Diese Bauten werden in sehr großer Eile im Tag- und Nachtbetrieb errichtet.
5. Die Regenstaufer Regenbrücke, über die die Straße von Regensburg über Parsberg Grafenwöhr nach Hof in Bayern führt, wurde durch neue Betonsockel verstärkt und etwas erweitert.
6. Die Regenbrücke in Nittenau, an der Straße Regensburg-Fürth im Walde, (an der CSR-Staatsgrenze/später CSSR/heute Tschechien) wurde vollkommen neu gebaut.
7. Auf dem Nürnberger Hauptbahnhof habe ich während meines Aufenthaltes am 29.03.1953 beobachtet, wie ungefähr zwei amerikanische Kompanien in Kriegsausrüstung in einen Personenzug stiegen. Jeder Waggon hatte einen weißen Streifen mit der Nr. RC 190. Dieselbe Nummer sah ich in Parsberg an Güterwaggons.
8. Während meines kurzen Aufenthaltes am Bahnhof in Lichtenfels, auf der Fahrt nach Regen am Hof, beobachtete ich 4:00 Uhr einen Güterzug, beladen mit Panzern und Kraftwagen, die teilweise mit Planen überdeckt waren. Ich zählte ca. 20 Panzer. Der Zug wurde durch amerikanische Soldaten bewacht. Der Zug stand mit der Lokomotive in Richtung Norden.
gez. Meisner
Ob die Leute, die Wilhelm Meisner irgendetwas erzählt hatten, davon Kenntnis hatten, dass das beim MfS landet oder ob sie ahnungslos waren? Das geht aus dem Dokument nicht hervor. Vermutlich waren diese Leute ahnungslos.
Sieh an: Bereits damals im Jahre 1953, inmitten der Zeit des Wirtschaftswunders und der Aufbaujahre gab es Arbeitslosigkeit und Zwangsmaßnahmen des Arbeitsamtes. Genau, wie die heutigen Jobcenter, hatte das damalige Arbeitsamt immer bestimmte Leute im Visier, während bei anderen alles locker gesehen wurde und wird.
Der Cousin von Wilhelm Meisner wird zu einem Fernumzug nach Kaiserlautern gezwungen. Das ist eine wichtige Liegenschaft der US-Amerikaner geworden. Der Cousin von Wilhelm Meisner wirkte am Aufbau mit. Kaiserslautern wird von den US-Amerikanern K-Town genannt.
Während es heute mit dem Bauen eine Katastrophe ist, Straßen und Brücken bröckeln, so waren damals genügend Mittel für Baumaßnahmen da. Diese Baumaßnahmen warenallerdings für das Militär nützlich. Der Nutzen für die Zivilbevölkerung war nebensächlich.
Nach Durchsicht der Personalakte Nr. 211/53 des Informators (Das IM-System kam später.) „Josef Brandl“ (Deckname) Meisner, Wilhelm, geb. (außer Geburtsjahr geschwärzt), 1928 in Hof am Regen, wohnhaft in Leipzig (Straße geschwärzt)
Stelle ich fest, dass der Informator „Josef Brandl“ in Westdeutschland als politisch belastet gilt, da er aktiv für die KPD eingetreten ist. Aus diesem Grunde kann er der Abt. II nicht mehr von Nutzen sein.
Aus aufgezeigten Gründen schlage ich vor, mit dem Informator – die Verbindung abzubrechen und die Personalakte im Archiv der Abteilung XII der Verwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit Land Leipzig abzugeben.
Unterzeichnet
Mitarbeiter der Abteilung (Kreisdienststelle) Hutschenreuter Unterleutnant
Bestätigt:
Der Leiter der Abteilung (Kreisdienststelle) Otto Unterleutnant
Damals wurde wohl die Regelung eingeführt, dass im Westen politisch Aktive, bzw. Mitglieder und Sympathisantinnen und Sympathisanten kommunistischer Parteien nicht für die DDR geheimdienstlich tätig sein durften.
Diese strikte Trennung wurde bis zum bitteren Ende beibehalten.
Trotzdem waren Mitglieder sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten kommunistischer Parteien im Westen, insbesondere der BRD, Vorurteilen und Misstrauen ausgesetzt, da sie verdächtigt wurden geheimdienstlich für die DDR tätig zu sein. Da konnten sie tausendfach die strikte Trennung von politischen Aktivitäten und geheimdienstlicher Tätigkeit erklären.
Lesen Sie Dokument 1 und fassen Sie Kurz Meisners Lebenslauf zusammen.
Zeichnen Sie in eine Deutschlandkarte die Orte seiner Lebensstationen ein.
Stellen Sie in einer Tabelle Meisner Lebenslauf- bis zum Ende seiner Tätigkeit für das MfS – die politischen Ereignisse in Deutschland gegenüber.
Lesen Sie Dokument 2 und überlegen Sie, weshalb Meissner von sich aus seine Beobachtungen meldete. Diskutieren Sie, was er mit seinen Meldungen bewirken wollte.
Arbeiten Sie aus den Dokumenten 3 und 4 in kurzen Stichworten heraus, was das Ministerium für Staatssicherheit in Regensburg und Umgebung besonders interessierte – und wie Meissner seinen Auftrag ausführte.
Nach dem Abbruch der Verbindung steht über Meissners weiteren Lebensweg nichts mehr in den Stasi-Akten. Formulieren Sie aufgrund Ihrer Kenntnisse Meisners wie auch der deutschen Geschichte nach 1953 zwei fiktive Lebensläufe, wie sein Leben nach 1953 bis in die Gegenwart verlaufen sein könnte. Stellen Sie die Lebensläufe zur Diskussion, welcher Ihnen und Ihrer Klasse als der realistischere erscheint.
Ich fasse die Lösungen zusammen, denn warum soll im Nachhinein ein Lebenslauf für einen Menschen geschrieben werden, der längst in Rente ist, soweit er noch lebt?
Wozu die Lebensstationen in einer Karte einzeichnen? Das ist fächerübergreifend und geht in Richtung Geografie. Das finde ich überflüssig.
Am Anfang der DDR gab es die Arbeiter- und Bauernfakultäten. Das Bildungsmonopol für die Wohlhabenden und Akademiker wurde gebrochen. Arbeiter und Bauern sollten auch eine höhere Bildung erlangen und studieren. In qualifizierten Bereichen brauchte die DDR in möglichst kurzer Zeit gebildete Menschen während der Aufbauphase, um qualifizierte Stellen zu besetzen. Die KPD ermöglichte auch Menschen aus Westdeutschland sich an den Arbeiter- und Bauernfakultäten zu bilden.
Später gab es für Westdeutsche Parteischulen. Diese waren ausschließlich auf politische Bildung ausgerichtet. Die Schülerinnen und Schüler waren internatsmäßig untergebracht und hatten kaum Kontakt mit der Bevölkerung.
Warum half Meisner dem MfS? Er wollte kein Geld und tat dies auf Überzeugung. Ich denke, es ging ihm um die Erhaltung des Friedens.
Es war der Anfang der DDR. Verzeichnisse über Örtlichkeiten und Militärliegenschaften im Westen waren da vermutlich im Aufbau. So waren Menschen wie Wilhelm Meisner sehr hilfreich.
Es soll spekuliert werden, wie das Leben von Wilhelm Meisner weiter verlaufen ist
Variante: Er heiratet seine Verlobte, von der in den Dokumenten die Rede ist und lässt sich mit ihr in der DDR nieder. Er arbeitete weiterhin für das Institut für Publizistik, soweit es noch bestand. In dieser Richtung gab es in der DDR gewiss weiterhin gute Stellen. Wie es während und nach der Konterrevolution weiterging ist schwer zu sagen. Hoffentlich hat(te) er da schon Rente.
Variante: Er heiratet seine Verlobte, von der in den Dokumenten die Rede ist und lässt sich mit ihr in seiner Heimat in Bayern nieder. Nun war er arbeitslos. 1956 war er vom KPD-Verbot betroffen und musste in den Knast. Für seine Tätigkeit für das MfS erfolgte keine Strafe, da es um öffentliche Dinge und nicht um den Verrat von Staatsgeheimnissen ging. Nach Gründung der DKP wurde er dort Mitglied und fand eine politische Heimstatt. Während und nach der Konterrevolution blieb er Mitglied der DKP und war, bzw. ist ein Veteran. Über seine Tätigkeit für das MfS ließ er weder bei der KPD noch bei der DKP etwas verlauten, um die Parteien und auch sich nicht zu gefährden. Vermutlich wären die Parteien nicht mit der Tätigkeit für das MfS einverstanden gewesen und hätten Wilhelm Meisner ausgeschlossen. So konnte spätestens nach Veröffentlichung der Akte Wilhelm Meisner kein Mitglied mehr in der DKP gewesen sein.
Heute kann man einfach googlen, wenn man was über die Örtlichkeiten und die Geschichte militärischer Liegenschaften wissen will.
„Fremde“ Geheimdienste sind nicht mehr auf ortskundige Personen angewiesen, um Auskünfte einzuholen.
Ob sich Wilhelm Meisner nach der Gesetzgebung der BRD strafbar gemacht hat, ist hier die Frage. Er war ja nicht im Inneren der Objekte und hat auch nichts entgegengenommen und es wegetragen, bzw. weitergegeben.
Hut ab, vor dem Mut dieses Mannes, der aus freien Stücken dem MfS geholfen hatte. Es war der Anfang der DDR, als die Verzeichnisse für die westlichen Örtlichkeiten noch im Aufbau waren.
Dann kam die Regelung, dass es für Kommunistinnen und Kommunisten, deren Sympathisantinnen und Sympathisanten sowie sonstigen links- und friedenspolitischen Aktiven in der BRD und Westberlin ausgeschlossen war für das MfS zu arbeiten. So trennte sich das MfS von Wilhelm Meisner.
Die interessanten Beiträge aus dem Bundesarchiv, mit denen sich DIE TROMMLER beschäftigt, werden auf dieser Website zusammengefasst. Diese Seite beschäftigt sich mit dem Geheimdienst der DDR aus der Sicht der Verlierer der Geschichte.