
Bezirksverwaltung Leipzig Leipzig, den 14.04.1953
Abteilung II Streng geheim
Entgegengenommen von Geyer am 13.04.1959
Meissner
Bericht
Am 28.03.1953 fuhr ich mit dem Interzonenzug von Leipzig über Probstzella-Ludwigstadt nach Nürnberg. Von dort weiter nach Regen am Hof. Die Kontrolle von Seiten der Volkspolizei war wie üblich. Von Seiten der westlichen Zollbehörden stellte ich dieses Mal sechs bis sieben Mann fest, welche kontrollierten. Einer von diesen fragte sich wo der Interzonenpass ausgestellt sei. Ich sagte ihm in Leipzig. Er fragte darauf ferner wo ich die doppelte Ausführung meiner Aufenthaltsgenehmigung hätte. Ich entgegnete ihm, dass ich nur eine habe. Von Ludwigstadt fuhr ich gegen 2:36 Uhr weiter nach Hof am Regen, wo ich gegen 10:00 Uhr am 29.03.1953 eintraf. Am gleichen Tage hatte mein Bruder Hochzeit an der ich teilnahm. Ich blieb bei meinen Eltern bis einschließlich 05.04.1953. Von hier aus fuhr ich nach Berlin über die Grenzorte Ludwigstadt-Probstzella. Der Grenzübertritt war normal auf beiden Seiten, er erfolgte ohne Beanstandung. In Berlin besuchte ich meine Braut bis einschließlich Donnerstag, den 09.04.1953. Von hier aus führ ich mit meiner Braut nach Leipzig zurück.
Während meines Aufenthaltes in Hof am Regen sind mein Bruder und ich nach Cham mit dem Motorrad gefahren. Mein Bruder hatte in Cham in der Lagerhausgenossenschaft etwas zu erledigen. Bei diesem Besuch stellte ich fest:
- Im Rodinger Forst, wo die ehemaligen Messerschmidt-Zweigwerke standen, werden von den Amerikanern große Materiallager angelegt. Ein großes Gebiet ist eingezäunt und es ist unmöglich dies zu betreten. Dieses Lager befindet sich ca. 35 bis 40 km von der Staatsgrenze der CST (später CSSR, heute Tschechien). Dieses erzählte mir mein Bruder (Name geschwärzt). Mein Bruder erzählte mir ferner, dass im Haidhof, im Forst Kreis Burgenlangenfeld, ebenfalls amerikanische Waffenlager angelegt wurden. Den Umfang des Lagers kannte mein Bruder nicht. In Cham selber wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. Ich beobachtete, dass dort zwei zweimotorige Flugzeuge auf dem Paltz standen, während die anderen Maschinen in den Flughallen untergebracht waren. Mein Bruder berichtete mir noch, dass in der Nähe des Flugplatzes sehr bald Kasernen gebaut werden sollen.
- In der Gegend von Regensburg -Neustadt. Abensberg (Niederbayern) -Krw. Kelheim, befindet sich ein großer Übungsplatz für amerikanische Düsenflugzeuge. Der Übungsplatz befindet sich schon seit der Nazizeit dort. Nach Kriegsende erhielten die Bauern die Wälder wieder zurück und 1948 haben die Amerikaner die Wälder wieder beschlagnahmt. Sie sind bestrebt diesen Übungsplatz ständig zu vergrößern. Diesen Platz sah ich in den letzten Jahren wiederholt, zum letzten Mal im Sommer 1952-
- In Parsberg bei Regensburg wurden inzwischen neue Gleisanlagen auf dem Bahnhof gelegt. Ich beobachtete drei bis vier Gleisanlagen. Ich sah auf dem Bahnhof amerikanische Soldaten, die aus einem Güterzug größere Kisten auf Lastwagen verluden. Zu diesen neuen Gleisanlagen wurden Anfahrtsstraßen gebaut.
- In Regensburg besuchte ich meinen Freund (Name geschwärzt), ca. 19 Jahre alt, von Beruf Steinsetzerlehrling, wohnhaft in Regensburg, (Straße und Hausnummer geschwärzt) ist KPD-Genosse und gilt als zuverlässig. (Name geschwärzt) erzählte mir:
a) Die CIC-Dienststelle befindet sich im Gebäude der amerikanischen Militärregierung in Regensburg, Dachauer Platz. Die Unterkünfte des CIC befinden sich Regensburg, Landauer Str. in der ehemaligen Infanteriekaserne.
b) Der BVSA (Bundesverfassungsschutzamt) befindet sich Regensburg, ebenfalls Dachauer Platz. Diese BVSA-Dienststelle nennt sich Sonderabteilung der Polizei. Zum Aufbau dieser Dienststelle wurde ein (geschwärzt) aus München geholt, der sich durch brutales Vorgehen gegen die Friedenskämpfer schon bewährte.
c) Die amerikanischen Offiziere sind mit ihren Familien im Villenviertel Regensburg, Prüfingerstr. Untergebracht.
d) In Regensburg befinden sich ungefähr zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei. Sie sind ebenfalls in den Infanteriekasernen in der Landshuter Straße untergebracht. Sie sind mit leichten Infanteriewaffen (Maschinengewehre und Wasserwerfern) ausgerüstet.
Mein Cousin (Name geschwärzt) der Sohn meines Onkels, ebenfalls (geschwärzt) wurde vom Arbeitsamt Cham nach Kaiserslautern zwangsverpflichtet. Er ist jetzt in Siegelbach bei Kaiserslautern wohnhaft und arbeitet als Maurer an einem Kasernenbau. Er ist 19 Jahre alt, politisch nicht organisiert und auch nicht zuverlässig. Ich hatte Gelegenheit, während der Osterferien meinen Cousin zu sprechen. Er erzählte mir, dass er in den Wäldern um Siegelbach große Kasernen, Materiallager und Bunker gebaut werden. Bei den Bunkern handelt es sich um Verteidigungsbunker. Diese Bauten werden in sehr großer Eile im Tag- und Nachtbetrieb errichtet.
5. Die Regenstaufer Regenbrücke, über die die Straße von Regensburg über Parsberg Grafenwöhr nach Hof in Bayern führt, wurde durch neue Betonsockel verstärkt und etwas erweitert.
6. Die Regenbrücke in Nittenau, an der Straße Regensburg-Fürth im Walde, (an der CSR-Staatsgrenze/später CSSR/heute Tschechien) wurde vollkommen neu gebaut.
7. Auf dem Nürnberger Hauptbahnhof habe ich während meines Aufenthaltes am 29.03.1953 beobachtet, wie ungefähr zwei amerikanische Kompanien in Kriegsausrüstung in einen Personenzug stiegen. Jeder Waggon hatte einen weißen Streifen mit der Nr. RC 190. Dieselbe Nummer sah ich in Parsberg an Güterwaggons.
8. Während meines kurzen Aufenthaltes am Bahnhof in Lichtenfels, auf der Fahrt nach Regen am Hof, beobachtete ich 4:00 Uhr einen Güterzug, beladen mit Panzern und Kraftwagen, die teilweise mit Planen überdeckt waren. Ich zählte ca. 20 Panzer. Der Zug wurde durch amerikanische Soldaten bewacht. Der Zug stand mit der Lokomotive in Richtung Norden.
gez. Meisner
Ob die Leute, die Wilhelm Meisner irgendetwas erzählt hatten, davon Kenntnis hatten, dass das beim MfS landet oder ob sie ahnungslos waren? Das geht aus dem Dokument nicht hervor. Vermutlich waren diese Leute ahnungslos.
Sieh an: Bereits damals im Jahre 1953, inmitten der Zeit des Wirtschaftswunders und der Aufbaujahre gab es Arbeitslosigkeit und Zwangsmaßnahmen des Arbeitsamtes. Genau, wie die heutigen Jobcenter, hatte das damalige Arbeitsamt immer bestimmte Leute im Visier, während bei anderen alles locker gesehen wurde und wird.
Der Cousin von Wilhelm Meisner wird zu einem Fernumzug nach Kaiserlautern gezwungen. Das ist eine wichtige Liegenschaft der US-Amerikaner geworden. Der Cousin von Wilhelm Meisner wirkte am Aufbau mit. Kaiserslautern wird von den US-Amerikanern K-Town genannt.
Während es heute mit dem Bauen eine Katastrophe ist, Straßen und Brücken bröckeln, so waren damals genügend Mittel für Baumaßnahmen da. Diese Baumaßnahmen waren allerdings für das Militär nützlich. Der Nutzen für die Zivilbevölkerung war nebensächlich.

Ein Kommentar zu „Bericht von Meisner“