Bericht über eine Absprache auf der Interzonenpassstelle

Bericht über eine Absprache auf der Interzonenpassstelle

Leipzig, den 02.12.1952

Betrifft: Meisner, Wilhelm,

geb. am (geschwärzt) 1928 in Hof am Rege/Regensburg

wohnhaft: Leipzig (der Rest geschwärzt)

Nationalität und Staatsangehörigkeit: deutsch (damals legte man noch nicht wert auf die eigenen Staatsbürgerschaften der DDR und der BRD).

Schulbildung: Volks-Berufsschule und Arbeiter- und Bauernfakultät

Erlernter Beruf: Bootsmann

Jetzige (damalige) Tätigkeit: Student

Arbeitsstellte: Institut für Publizistik, Leipzig 83, Tieckstr. 2-6

 

Schulbildung:

1935-43 Volksschule in Steffling/Bayern

1949-52 Arbeiter- und Bauernfakultät in Berlin

1952 bis jetzt (damals) Institut für Publizistik in Leipzig.

 

Arbeitsstellen:

Nach dem Besuch der Volksschule lernte Meisner als Schifferlehrling beim Bayrischen Loyd. 1943 bis 46 lernte er so das gesamte Donaugebiet und die Donauschifffahr kennen. Nach Beendigung der Lehre wurde er entlassen. Bis 1949 arbeitete er so als Hilfsarbeiter und Gelegenheitsarbeiter in der Landwirtschaft und in kleineren Betrieben im Gebiet von Regensburg. Durch die KPD wurde er 1949 zum Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät nach Berlin delegiert. Im Juni-Juli machte er sein Abitur und kam dann zum Studium an das Institut für Publizistik in Leipzig.

 

Politische Vergangenheit:

Bei seiner Lehrzeit und vor allem danach hatte er Verbindung zu Funktionären der KPD. Er nahm regelmäßig an Versammlungen und Unternehmungen der KPD in Regensburg teil. Er kannte persönlich den Kreissekretär der KPD der ihn von der Richtigkeit der Politik der DDR überzeugte. Auch unter den Jugendlichen hatte er zahlreiche Freunde, die ihn im fortschrittlichen Sinne beeinflussten. Obwohl er politisch in Westdeutschland nicht organisiert war, delegierte ihn die KPD zum Studium. In Berlin wurde er am 1. X.1949 (1. 10.1949 – in der DDR hatte man es mit den römischen Zahlen) Mitglied der FDJ, GDSF (Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft) und des FDGB. Meisner übte verschiedene Funktionen aus. Unter anderem war er Zirkelsekretär und Wandzeitungsredakteur.

Jetzt ist (damals war) er noch Mitglied der GST und der DS. Er beabsichtigt einen Antrag auf Kandidatur in der SED zu stellen. Er ist Mitglied der zentralen FDJ-Leitung der Universität Leipzig und Chefredakteur des zentralen Betriebsfunks der Universität. Nach dem 3-jährigen Studium soll er voraussichtlich eine Stellung als Redakteur der KPD-Zeitung „Bayrisches Volksecho“ in München antreten. Meisner ist außerordentlich von seinem Studium befriedigt. Es macht ihm viel Freude und er stellt sich den Beruf der Redakteur(e) und Journalisten interessant vor.

Nächste Abschnitte unleserlich.

In der Nähe seiner Heimat liegt der Truppenübungsplatz Hohenfels-Farsberg. Aus diesem Grunde sind in der Gegend viele Besatzungstruppen zu sehen. Meisner ist in seinem Heimatort als fortschrittlich bekannt. Aus diesem Grunde hat er auch vom Gemeindeschreiber keine Aufenthaltsgenehmigung für die Weihnachtsferien bekommen. Da er aber nicht Mitglied einer Organisation war muss es ihm möglich sein, sich von diesem Ruf zu lösen.

Meisner hat in Leipzig eine Verlobte, die er in Berlin als Tochter seiner Vermieter kennengelernt hatte. Diese Verlobte lebt mit ihren Eltern im Streit und ist deshalb vollkommen auf seine Unterstützung angewiesen. Er beabsichtigte mit ihr den Weihnachtsurlaub zu verbringen.

Meisner scheint intelligent und ehrlich zu sein. Er macht einen sicheren aber höflichen Eindruck. Er sprach gewandt aber nicht ohne etwas Nervosität. (Für einen BRD-Bürger ist das eine schwerwiegende Entscheidung und ein „großes Ding“. Da ist die Nervosität in diesem ersten Gespräch völlig normal.)

Es wird vorgeschlagen den Meisner als Informator für seine Tätigkeit im Institut für Publizistik zu werben. Sobald man ihn etwas näher kennengelernt hat, dann erwogen werden, ob er für eine Arbeit in Westdeutschland geeignet ist. Prinzipiell zu beobachten wäre, dass Meisner noch fast 3 Jahre in Leipzig zu studieren hätte.

Unterzeichnet von Geyer und Hutschenreuter

(Das in Klammern gesetzte kursiv geschriebene ist zum besseren Verständnis von Petra Reichel eingesetzt worden.)

 

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen

Abkürzungsverzeichnis

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