Bericht der Bezirksverwaltung Leipzig

Bezirksverwaltung Leipzig – Abteilung II.-   Leipzig, den 20.01. 1953

Bericht

Betrifft: Meisner, Wilhelm

Am 19.01.1953 meldete sich Meisner auf der Interzonenpassstelle. Er berichtete anschließend auf dem VPKA (Volkspolizei-Kreisamt) folgende Beobachtungen, die er bei seinem Aufenthalt in Westdeutschland gewann:

  1. Er hat festgestellt, dass der Bahnhof Farsberg (Truppenübungsplatz Hohenfels-Farsberg) erweitert wird. Es werden zahlreiche neue Gleisanlagen, Laderampen und Unterführungen gebaut-Außerdem sind große Zufahrtsstraßen zum Bahnhof angelegt worden. Am Bahnhof wird Tag und Nacht gearbeitet.
  2. Die Regentalstraße die nach der CSR (später CSSR, heute Tschechien) führt wird in voller Länge erneuert und teilweise verbreitert. Die Straße wird bis unmittelbar an die Grenze (Fürth im Walde) asphaltiert. Vor einigen Monaten war auf den Grenzstraßen auch in der Grenznähe auf der Regentalstraße sehr wenig Verkehr. Jetzt ist dort bis in die unmittelbare Grenznähe ein sehr starker Verkehr von schweren amerikanischen Lastwagen und Omnibussen. Die Lastwagen sind mit Planen verdeckt, so dass deren Last nicht zu sehen ist.
  3. Die Infanteriekasernen in Regensburg werden erweitert und zahlreiche neue Gebäude gebaut. In diesen Gebäuden befindet sich die sogenannte Westdeutsche Grenzschutzpolizei. Es werden dort laufend neue „Polizisten“ einquartiert. 500 Meter davon entfernt sind die amerikanischen Kasernen. In diesen Kasernen sind vor allem junge Farbige untergebracht(Damals herrschte in den USA die Rassentrennung. P.R.), die zu Übungen usw. nach Grafenwöhr gebracht werden. Im ganzen Gebiet sind neue amerikanische Truppen eingetroffen. Die Ausschreitungen der Truppen und die Zusammenstöße mit der Bevölkerung haben sich vermehrt. Die Bevölkerung verhalte sich gleichgültiger und träger als früher. Man habe sich bereits an die Zustände gewöhnt. Besonders trägt zu der passiven Haltung die außerordentliche starke Hetze und Verleumdung gegen die DDR und SU bei. Die Kirche ist in dieser Hinsicht ein Hauptantreiber.
  4. Wie er durch einen Freund erfahren hat, bekommt die deutsche Grenzpolizei durch Amerikaner in Grafenwöhr jetzt unter anderem eine Ausbildung an Panzerspähwagen. Dieser Freund stammt aus dem Heimatort des Meisner und ist ihm aber wie viele nur mit Vornamen bekannt. Er hat noch verschiedene Freunde, die jetzt bei der Bereitschaftspolizei sind. Besonders sein Bruder steht mit denen in Verbindung und kann von ihnen Dinge erfahren. Die Werbung für die Polizei ist sehr intensiv und auch erfolgreich. Weiterhin bemerkte er, dass der Flugplatz bei Cham erweitert und ausgebaut wird. Auch dort sind neue Truppe. Er hat noch einen Bekannten (Name geschwärzt), der Automechaniker bei einer Einheit der Bereitschaftspolizei in der Nähe von Stuttgart sei. Auch dort würde die „Polizei“ zur Zeit an Panzerspähwagen ausgebildet. Die politische Schulung wäre jetzt bei der eingeführt. Hauptinhalt der Schulung ist eine Hetze gegen die DDR und SU. Mit der (Name geschwärzt) sei er bekannt (in Hof). Der (Name geschwärzt) sei Angestellter bei einer amerikanischen Dienststelle.
  5. Nach seinen eigenen Beobachtungen ist die nächste CIC-Dienststelle in Regensburg, Landshuter Straße..Auch der BVSA sein in Regensburg. In der Straubingstraße in Regensburg sei ein „Flüchtlingslager“:

 

Bei seinem letzten Aufenthalt hat Meisner bei A (Rest des Namens geschwärzt) gewohnt. Der A. beschafft ihm die Aufenthaltsgenehmigung. A. sei in der Gegend einflussreich und will ihm einen westdeutschen Personalausweis beschaffen. Da Meisner zusammen mit einem Studienkameraden eine Schrift über Jugendkriminalität in Westdeutschland schreiben will, wird ihm sein Onkel eine Möglichkeit verschaffen, das Zuchthaus für jugendliche Schwerverbrecher in Straubing zu besuchen. Dicht daneben sie das amerikanische Militärzuchthaus

Meisner möchte Ostern wieder nach Westdeutschland und erklärte sich aus freien Stücken bereit dem Ministerium (für Staatssicherheit) behilflich zu sein. Er versicherte mehrfach, dass wir ihm vertrauen können.

Der nächste Treff wird brieflich vereinbart. Er bekam die Telefonnummer 31 669.

Die Schweigeverpflichtung schrieb er ohne Zögern, obwohl er zuerst eine Art Misstrauen darin sah.

Meisner hinterließ den Eindruck eines klugen, energischen, ehrlichen und sehr beweglichen Menschen. Er ist zur Mitarbeit sehr bereitwillig und trotzdem auf seine Sicherheit bedacht.

Unterzeichnet

Geyer und Hutschenreuter

(In Klammern und Kursivschrift Hinzufügungen von Petra Reichel zum besseren Verständnis.)

 

Dokument entnommen aus der Broschüre vom Bundesarchiv: MfS im Westen

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